Einleitung
Kulturelle, wirtschaftliche und politische Beziehungen zwischen Sprachgemeinschaften beinhalten stets den Kontakt der beteiligten Sprachen Dies führt auf die Dauer zu einem intensiven Prozess der gegenseitigen Beeinflussung der jeweiligen Sprachen. Im Laufe ihrer geschichtlichen Entwicklung weist daher jede Sprache durch die Berührung mit anderen Sprachen Neuerungen in ihrem Sprachsystem, vor allem in ihrem Wortschatz auf. So wie beispielsweise der Kontakt mit der römischen Kultur den Germanen römische Güter und Erfindungen brachte, deren lateinische Bezeichnungen als Lehn- und Fremdwörter auch ins Deutsche eingingen. Der Ursprung vieler diesen Entlehnungen liegt aber in historischer und geographischer Hinsicht viel weiter, nämlich im Arabischen. Die sehr bewegte Geschichte und die territoriale Ausbreitung des arabischen Raumes zeigten sich nicht nur in starken politischen und kulturellen, sondern auch in sprachlichen Einflüssen auf jene Regionen, die der Islamisierung unterworfen waren, und auch auf die europäischen Völker insgesamt. Mit der Berührung fremder Kulturen wanderten nicht nur orientalische Kulturgüter, sondern auch zahlreiche Begriffe und Wörter, welche zuvor in den Sprachen des Abendlandes nicht zu finden waren.
Obwohl es zu keiner direkten Berührung zwischen dem Deutschen und dem Arabischen kam, landeten die orientalischen Wörter auf dem Umweg über mehrere andere europäische Sprachen schließlich auch in unserem Wortschatz. In der Fachliteratur finden sich – mehr oder weniger einheitliche – Auffassungen, auf welche Art und Weise die einzelnen Wörter ins Deutsche gefunden haben. Im Hauptteil der vorliegenden Arbeit soll anhand einer Anzahl von Beispielen der teilweise recht lebhafte Diskurs aufgezeigt werden.
Nach einer kurzen Schilderung von historischen Hintergründen bietet dieser Beitrag weiterhin eine Zusammenstellung von Wörtern, die aus der arabischen Sprache zu verschiedenen Zeiten und auf verschiedenen Wegen in die deutsche Sprache gekommen sind. Wegen der großen Zahl geeigneter Beispiele beschränkt sich dieser Teil auf eine Auswahl arabischer Wörter, die im deutschen alltäglichen Sprachgebrauch mit großer Frequenz vorkommen, oder Begriffe aus einigen Fach- und Sondersprachen, die in unseren Grundwortschatz Eingang gefunden haben. Zur Behandlung und Einordnung von Wörtern aus einer fremden Sprache, ist es unerlässlich, sich zunächst eine Übersicht ihres sprachlichen Stammbaums zu verschaffen.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Die semitischen Sprachen
3.1. Die arabische Sprache
4. Der Weg der arabischen Wörter ins Deutsche
5. Arabische Lehnwörter im Deutschen
6. Schluss
7. Bibliographie
8. Anhang
8.1. Abbildung: Die semitischen Sprachen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess, durch den arabische Begriffe über verschiedene europäische Vermittlersprachen in den deutschen Wortschatz gelangten. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich kulturelle und wirtschaftliche Kontakte zwischen dem Orient und dem Abendland sprachlich manifestierten und welche etymologischen Herausforderungen bei der Rückverfolgung dieser Lehnwörter bestehen.
- Genetische Klassifizierung der semitischen Sprachen mit Fokus auf das Arabische
- Historische Vermittlungswege arabischer Wörter in das Deutsche
- Analyse ausgewählter arabischer Lehnwörter aus verschiedenen Fachgebieten
- Kritische Auseinandersetzung mit etymologischen Forschungsansätzen
- Bedeutungswandel orientalischer Begriffe im europäischen Kontext
Auszug aus dem Buch
4. Der Weg der arabischen Wörter ins Deutsche
„Wörter [aus fremden Sprachen] wandern mit den Objekten und Kulturgütern oder auch den Ideen und religiösen Vorstellungen, die sie bezeichnen.“ (Kreuzer 1999/ 2002: 3) Der Ursprung und die Entwicklung eines Wortes kann sprachwissenschaftlich nicht vollständig erforscht werden, ohne die kulturgeschichtlichen Hintergründe jener Sprache zu kennen. Den geschichtlichen Gang der Wortentlehnungen kann man nach verschiedenen Epochen und geographischen Bereichen unterscheiden.
Wege, auf denen arabisches bzw. semitisches Wortgut zu uns gelangt ist, gibt es in der Sprachgeschichte genügend. Der älteste geht auf die Einflüsse der Phönizier auf die Griechen zurück, welche von jenen nicht nur das Alphabet, sondern auch die Kultur des östlichen Mittelmeerraumes übernahmen. (Vgl. Kreuzer 1997/2000: 1)
Die bedeutsamste Übernahme arabischer Wörter und Begriffe ins Griechische erfolgte jedoch durch die Feldzüge Alexanders des Großen in Arabien und Ägypten. (Vgl. Lokotsch 1927: IX)
Die zweite große Epoche war die hellenistisch-römische Zeit. Die Bedeutung der griechisch-römischen Kultur in der Geschichte und der Kulturentwicklung ist weitgehend bekannt. Die Römer übernahmen viele Elemente orientalischer Kultur wie etwa den Herrscherkult (vgl. Kreuzer 1997/2000: 2), aber auch „die Verbreitung des Judentums und die Entstehung des Christentums gaben Anlaß zur Übernahme vieler hebräischer und aramäischer Wörter ins Griechische und Lateinische“. (Lokotsch 1927: IX).
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die sprachlichen Auswirkungen kultureller Kontakte und führt in die Problematik ein, wie arabische Begriffe indirekt über europäische Sprachen das Deutsche beeinflusst haben.
3. Die semitischen Sprachen: Das Kapitel bietet einen linguistischen Überblick über die afroasiatische Sprachfamilie und ordnet das Arabische genetisch in den semitischen Zweig ein.
3.1. Die arabische Sprache: Hier werden die historische Ausbreitung des Arabischen, seine Sprachstufen sowie seine Rolle als Kulturträger näher beleuchtet.
4. Der Weg der arabischen Wörter ins Deutsche: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen historischen und geografischen Routen, über die orientalisches Wortgut den Weg in das Deutsche gefunden hat.
5. Arabische Lehnwörter im Deutschen: Eine konkrete Zusammenstellung und etymologische Untersuchung zahlreicher Beispiele aus Bereichen wie Wissenschaft, Handel, Architektur und Alltagssprache.
6. Schluss: Das Fazit fasst die Bedeutung etymologischer Forschung zusammen und betont die Notwendigkeit gründlicher Analysen gegenüber rein lexikalischen Wortlisten.
7. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche herangezogene wissenschaftliche Literatur auf.
8. Anhang: Dieser Abschnitt enthält ergänzendes visuelles Material zur Klassifikation der semitischen Sprachen.
8.1. Abbildung: Die semitischen Sprachen: Eine grafische Darstellung der internen Gliederung der semitischen Sprachfamilie.
Schlüsselwörter
Arabisch, Sprachkontakt, Lehnwörter, Semitische Sprachen, Etymologie, Wortgeschichte, Kulturtransfer, Orientalismus, Sprachwandel, Islamisierung, Fremdwörter, Sprachvermittlung, Sprachwissenschaft, Indogermanen, Sprachgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und etymologischen Einfluss der arabischen Sprache auf den deutschen Wortschatz und untersucht die Wege, über die diese Wörter nach Deutschland gelangten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die genetische Einordnung des Arabischen, historische Handels- und Kulturkontakte sowie die etymologische Herleitung spezifischer Lehnwörter.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie arabische Wörter durch indirekte Vermittlung – etwa über das Spanische, Italienische oder Französische – in das Deutsche integriert wurden und welcher Bedeutungswandel dabei stattfand.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine vergleichende etymologische Methode, indem sie verschiedene Sprachforscher zitiert und deren Hypothesen zur Herkunft einzelner Begriffe gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der semitischen Sprachfamilie, eine historische Herleitung der Übertragungswege und eine detaillierte Analyse von Lehnwörtern aus Bereichen wie Medizin, Mathematik, Architektur und Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachkontakt, Etymologie, Lehnwörter, arabischer Einfluss und Sprachwandel geprägt.
Warum ist die Herkunft des Wortes „Marzipan“ laut der Arbeit umstritten?
Es existieren unterschiedliche etymologische Theorien; während Nabil Osman eine Ableitung von einem arabischen Begriff für eine byzantinische Münze vertritt, äußert Walter Müller fachliche Zweifel an dieser Interpretation.
Wie kritisch bewertet die Autorin existierende Wörterbücher?
Die Autorin kritisiert, dass viele Lexika lediglich auf älteren Quellen basieren und häufig unkritisch den Status des „Abschließenden“ suggerieren, anstatt die komplexe Wanderung der Wörter individuell zu dokumentieren.
- Quote paper
- Livia Janos (Author), 2005, Das Arabische im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51672