Wie können wir ein bestimmtes Verhalten von Menschen erklären? Das ist eine vieler Grundfragen der Wissenschaften. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Theorien, zur Beantwortung dieser Frage, aufgestellt. Einen entscheidenden Ansatz, der die Verhaltensforschung beherrschen sollte brachte im 19. Jahrhundert der Behaviorismus. Nach erstmaligen Nachweisen von Konditionierungen durch Pawlow wurden schon kurze Zeit danach weitere Untersuchen vorangetrieben.
Als einer der ersten Wissenschaftlicher und „Vater des Behaviorismus” (Bodenmann et al., 2004) entwickelte John B. Watson mithilfe der Klassischen Konditionierung einen neuen Aspekt der Verhaltenspsychologie. Mit der Veröffentlichung des Artikels „Psychology as the Behaviorist views it“ (Watson,1913) in der Psychological Review legte er den Grundstein für eine, noch bis heute weltweit anerkannte Lerntheorie. Watson bekam großen Zuspruch und seine theoretischen Ansätze wurden, unter anderem von B.F Skinner, weiterentwickelt.
Doch was waren die Grundgedanken und Ideen des Behaviorismus? Wie konnte der Behaviorismus als Verhaltenstheorie des Menschen empirisch belegt werden? Welche Kritikpunkte lassen sich feststellen?
Die vorangegangenen Leitfragen sollen Anhand einer der wichtigsten Verhaltenstheorien, von John B. Watsons Grundannahmen und seinem wohl bekanntesten Experiment “The Little Albert”, in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit, näher betrachtet werden. Um diese Thematik genauer in den Blick zu nehmen, werde ich zunächst einige Eckdaten zum Leben des Behavioristen Watson erörtern und diese in den Zusammenhang mit seiner späteren Arbeit bringen. Im Zweiten und umfangreichsten Teil meiner Arbeit werde ich das Laborexperiment von Watson, das „Little-Albert Experiment”, als Beispiel der empirischen Anwendung, untersuchen. Welchen Einfluss letztendlich die Theorie Watsons auf die Psychologie hatte und welche, auch kritischen, Auswirkungen die Untersuchungen mithilfe des Reiz- Reaktions- Modell auf die Entwicklung des kleinen Albert hatten, wird im dritten Abschnitt dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Grundfragen
2 John Broadus Watson
3 Die Emotionstheorie des klassischen Behaviorismus
4 Das Lernen von Angst – der kleine Albert
4.1 Vorgeschichte und Ziel
4.2 Versuchsbedingungen
4.3 Versuchsablauf
4.4 Versuchsergebnisse
5 Kritik an dem Experiment
5.1 Inhaltliche Kritik
5.2 Ein Leben nach dem Experiment
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte „Little-Albert-Experiment“ von John B. Watson, um dessen wissenschaftliche Bedeutung als empirische Anwendung des Behaviorismus zu bewerten und die Frage zu klären, ob es eine valide Alternative zur psychoanalytischen Erklärung von Ängsten darstellt.
- Grundlagen und zentrale Annahmen des klassischen Behaviorismus nach John B. Watson
- Methodische Durchführung und Phasen des Little-Albert-Experiments
- Kritische Analyse der ethischen und methodischen Mängel des Versuchsaufbaus
- Diskussion über die Validität und die langfristigen Folgen für das Versuchskind
- Vergleich der behavioristischen Sichtweise mit psychoanalytischen Erklärungsmodellen
Auszug aus dem Buch
4.3 Versuchsablauf
Um Angstreaktionen zu erzeugen und ein bestmöglichstes Ergebnis zu erhalten, wurde die Untersuchung in mehreren Phasen eingeteilt.
In der ersten Phase, in der Aufbauphase konditionierter emotionaler Reaktionen, wollte Watson herausfinden, welche Reize eine Schreckreaktion bei Albert auslösen. Er wurde erstmalig mit einer weißen Ratte, einem Kaninchen, einem Hund, einem Affen sowie einer Maske mit und ohne Bart, Watte und brennenden Zeitungspapier konfrontiert. Auf die beschriebenen Objekte stellte Watson zunächst keine beobachtbare emotionale Reaktion fest. Im Gegenteil, Albert war neugierig und versuchte nach der Ratte zu greifen um mit ihr zu spielen. Auf das Modell der klassischen Konditionierung bezogen, stellt das die Überprüfung einer neutralen Reaktion auf einen unkonditionierten Reiz dar.
In dieser Phase erfolgte die Überprüfung des unkonditionierten Reiz ohne den Zusammenhang zu anderen Reizen, durch das Schlagen auf einem Hammer mit einer Eisenstange, in unmittelbarer Nähe Alberts.
Auf den Lärm erfolgte direkt eine Furchtreaktion. Albert begann zu weinen und fiel vorn über. Der unkonditionierte Reiz war gefunden. (vgl. Watson, 1920, S. 2f.)
In der zweiten Phase wurde der neutrale Reiz im zeitlichen Zusammenhang mit dem unkonditionierten Reiz wiederholt dargeboten. Watson und Rayner wählten eine weiße Ratte, die bereits in Phase 1 getestet wurde und keine emotionale Reaktion auslöste.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Grundfragen: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie menschliches Verhalten erklärt werden kann und stellt den Behaviorismus als eine grundlegende Lerntheorie vor.
2 John Broadus Watson: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über das Leben und Wirken des Begründers des Behaviorismus.
3 Die Emotionstheorie des klassischen Behaviorismus: Hier werden die theoretischen Grundlagen erläutert, nach denen Emotionen durch klassische Konditionierung erlernt werden können.
4 Das Lernen von Angst – der kleine Albert: Dieses umfangreiche Kapitel beschreibt detailliert die Vorbereitungen, den Ablauf und die Ergebnisse des Experiments mit dem Kleinkind.
5 Kritik an dem Experiment: Hier wird das Vorgehen Watsons sowohl inhaltlich-methodisch als auch ethisch hinterfragt und der Verbleib des kleinen Alberts diskutiert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Experiment zwar als historisches Beispiel dient, aber keine vollwertige Alternative zur Psychoanalyse darstellt.
Schlüsselwörter
Behaviorismus, John B. Watson, Little Albert, klassische Konditionierung, Angst, Phobie, Lernpsychologie, Reiz-Reaktions-Modell, Generalisierung, Laborexperiment, Psychoanalyse, Verhaltensforschung, emotionale Reaktion, Ethik, Empirie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem „Little-Albert-Experiment“ von John B. Watson und prüft dessen Eignung als behavioristische Alternative zur Psychoanalyse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit umfasst die Biografie Watsons, die behavioristische Emotionstheorie, die methodische Analyse des Experiments und eine kritische ethische Bewertung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung des Laborexperiments als Beispiel empirischer Anwendung und die Klärung, inwiefern Watsons Theorien als tragfähige Alternative zu psychoanalytischen Modellen gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um Watsons Originalquellen, wissenschaftliche Sekundärliteratur und aktuelle Kontroversen um den Verbleib des Probanden auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Beschreibung der Versuchsphasen (Aufbau, Konditionierung, Generalisierung) sowie der anschließenden inhaltlichen und ethischen Kritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind Behaviorismus, klassische Konditionierung, Angstkonditionierung und die kritische Distanz zur ursprünglichen Studie.
Wer war Douglas Merritte und warum ist er für die Arbeit relevant?
Douglas Merritte ist die Person, die laut neuerer Forschung als der „wahre“ kleine Albert identifiziert wurde, was Watsons Behauptung eines „kerngesunden“ Kindes aufgrund von dessen Entwicklungsstörungen stark infrage stellt.
Welche Rolle spielt die Ethik bei der Bewertung des Experiments?
Die Ethik ist zentral, da Watson ein Kleinkind ohne Sicherheitsvorkehrungen oder eine darauffolgende Löschung der Angstzustände massiven psychischen Belastungen aussetzte, was heutigen Standards widerspricht.
- Arbeit zitieren
- Vanessa Rösch (Autor:in), 2018, "The Little Albert Experiment". Eine Alternative zur Psychoanalyse?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516730