I. Einleitung
Die Geschichte der deutsch - französischen Beziehungen ist geprägt von Gegensätzen.
Die drei blutigen Kriege, in denen sich Frankreich und Deutschland in 70. Jahre bekämpften, führten zu einer außerordentlich negativen Beeinflussung des Bildes des jeweiligen Nachbarn und zur Entstehung der mehr als fragwürdige Legende der "Erbfeindschaft". Dennoch hat sich dieses Bild nach dem Zweiten Weltkrieg sehr schnell gewandelt. Frankreich und Deutschland entwickelten eine bevorzugte Partnerschaft und bereits zwanzig Jahre nach Ende des schrecklichen Krieges waren die beiden Völker unzertrennliche Verbündete geworden. Die früher für kaum möglich gehaltenen Aussöhnung vollzog sich innerhalb einer einzigen Generation. Die Geschichte bietet wenige Beispiele für einen derart raschen Wandel in der Beziehungen zweier Nationen. Die deutsch-französische Entente erscheint jedoch heute genauso selbstverständlich wie vor noch nicht allzu langer Zeit die deutsch-französische Feindschaft.
Der am 22. Januar 1963 im Paris unterzeichnete Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit, oft auch als "Elysée - Vertrag" oder "Freundschaftsvertrag" bezeichnet, wird allgemein als Symbol der Versöhnung beider Völker gefeiert. Er wird als das Werk zwei Männer, das General Charles de Gaulles und des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, als selbstverständlicher Höhepunkt einer Freundschaft, die sich seit ihren erste Begegnung in Colombey-les-deux-Eglises immer verdichtet hatte, verstanden. Doch das Wohlwollen, mit dem der Vertrag heutzutage beurteilen wird, täuscht. Denn beim genaueren Hinsehen zeigt sich, daß jenes was von Willy Brandt zur Zeit seiner Kanzlerschaft gern als "entente élémentaire" gekennzeichnet worden ist, zur Zeit seine Unterzeichnung als anderes als eine Selbstverständlichkeit war. Es wird auch deutlich, daß es nicht der Sinn und Zweck des Vertrages war, einen Schlußstrich unter die Aussöhnung der beider Nationen zu setzten.
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Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. AUSDRUCK DES WILLENS ZUR VERSÖHNUNG
1. ENTWICKLUNG VOR 1958
2. DIE BEGEGNUNG ZWEIER PERSÖNLICHKEITEN
III. AUSDRUCK VERSCHIEDENE POLITISCHE INTERESSEN
1. VERSCHIEDENE AUßENPOLITISCHE ZIELE
2. VERSCHIEDENE VORSTELLUNGEN EUROPAS
3. DIE WELTPOLITISCHEN VERÄNDERUNGEN 1958-1962
IV. DER TEXT
1. DIE ENTSTEHUNG
2. KRITIKEN
3. INHALT
V. ERFOLGEN UND GRENZEN
VI. ANHANG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung und die politische Tragweite des Elysée-Vertrags von 1963. Dabei wird analysiert, wie sich die deutsch-französischen Beziehungen von einer historischen Feindschaft zu einer engen Partnerschaft wandelten und welchen Einfluss die Staatsmänner Konrad Adenauer und Charles de Gaulle auf diesen Prozess ausübten.
- Historische Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen nach 1945
- Analyse der persönlichen Beziehung zwischen Adenauer und de Gaulle
- Gegensätzliche außenpolitische Interessen und Vorstellungen von Europa
- Entstehungsgeschichte, Ratifizierung und inhaltliche Schwerpunkte des Vertrags
- Kritische Würdigung der Erfolge und Grenzen des Elysée-Vertrags
Auszug aus dem Buch
Die Begegnung zweier Persönlichkeiten
Adenauer wurde im September 1958 in de Gaulles Familiensitz in Colombey-les-deux-Eglises eingeladen. Keinem anderen ausländischen Politiker war zuvor oder auch später vom General diese Ehre erwiesen worden. Aber de Gaulle hatte Adenauer schon kurz nach seinem Amtsantritt eingeladen und Adenauer hatte sich erst mit der Feststellung geziert, als Vertreter eines besiegten Landes könne er nicht als erster zu Herrn de Gaulle nach Paris fahren; der General werde das verstehen. Diese Argumentation Adenauer ist seltsam. Schließlich hatte er bislang nie gezögert, als Vertreter des besiegten Deutschland irgendwo hinzureisen: nach Amerika, nach England, nach Rußland... Auch in Frankreich war er vor de Gaulles Amtsantritt schon einige Male gewesen. Vielleicht gedachte er der etwas unerfreulichen Umstände seines ersten Besuches in Paris im Jahre 1951? Damals gab ihm nämlich weder der französische Außenminister auf dem Flugfeld die Ehre, noch der Ministerpräsident. Und noch beim Verfassen seiner Memoiren ließ er diesen Fauxpas nicht ganz unerwähnt. Doch der tiefe Grund für sein Zögern dürfte ein anderer gewesen sein: sowohl in seinen „Erinnerungen“ als auch in späteren Gesprächen hatte der Kanzler nämlich betont, daß er mit großer Sorge zu de Gaulle gefahren sei. „ Ich war von großer Sorge erfüllt, denn ich befürchtete, die Denkweise von de Gaulle wäre von der meinigen so grundverschieden, daß eine Verständigung zwischen uns beiden außerordentlich schwierig wäre.“ Er konnte aber ein solches Angebot nicht ablehnen, und gerade damit rechnete wahrscheinlich De Gaulle, als er dies vorschlug. Auf der Rückreise von einem Urlaubsaufenthalt in der Schweiz nahm also Adenauer diesen Umweg über Lothringen. Er blieb 24 Stunden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert den Wandel der deutsch-französischen Beziehungen von der Erbfeindschaft zur engen Partnerschaft und benennt den Elysée-Vertrag als Symbol dieses Aussöhnungsprozesses.
II. AUSDRUCK DES WILLENS ZUR VERSÖHNUNG: Dieses Kapitel behandelt die politische Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die entscheidende persönliche Begegnung zwischen Adenauer und de Gaulle, die das Fundament für die Zusammenarbeit legte.
III. AUSDRUCK VERSCHIEDENE POLITISCHE INTERESSEN: Hier werden die divergierenden außenpolitischen Ziele, Europavorstellungen und die Auswirkungen der globalen politischen Spannungen zwischen 1958 und 1962 auf die bilaterale Politik analysiert.
IV. DER TEXT: Der Abschnitt widmet sich der konkreten Entstehung, den politischen Widerständen bei der Unterzeichnung und der inhaltlichen Ausgestaltung des Vertrages.
V. ERFOLGEN UND GRENZEN: Das Fazit bewertet die langfristige Wirksamkeit des Vertrages und zieht eine Bilanz über die erreichten Ziele und das noch bestehende Spannungsfeld zwischen den beiden Nationen.
VI. ANHANG: Dieser Teil enthält das Literaturverzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Elysée-Vertrag, Konrad Adenauer, Charles de Gaulle, Deutsch-französische Beziehungen, Aussöhnung, Europäische Integration, Außenpolitik, Westintegration, Kalter Krieg, Bilateralismus, Konsultationsmechanismus, Freundschaftsvertrag, deutsch-französisches Jugendwerk, europäische Einigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung und den Inhalt des Elysée-Vertrags von 1963 als zentrales Instrument der deutsch-französischen Aussöhnung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die persönliche Beziehung zwischen Adenauer und de Gaulle, die unterschiedlichen nationalen Interessen sowie die Herausforderungen der europäischen Integration während des Kalten Krieges.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Entstehungsprozess des Vertrags nachzuvollziehen und zu bewerten, inwieweit die damaligen politischen Erwartungen und Zielsetzungen der Väter des Vertrags erfüllt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode unter Auswertung von Quellenmaterial, politischen Dokumenten und Memoiren der Akteure.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung vor 1958, den Interessenkonflikten (z.B. Verhältnis zu den USA/Großbritannien), der Ratifizierung des Vertrags sowie der Rolle der Persönlichkeiten bei dessen Ausgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Elysée-Vertrag, Aussöhnung, deutsch-französische Achse, europäische Integration und politische Konsultation.
Warum war die Unterzeichnung des Vertrags zum damaligen Zeitpunkt so umstritten?
Der Vertrag stieß auf Kritik, weil befürchtet wurde, dass er die transatlantischen Bindungen zur NATO und den USA schwächen und den Weg für eine europäische Isolation oder einen "Alleingang" ebnen könnte.
Welche Bedeutung hatte die Präambel, die der Bundestag dem Vertrag voranstellte?
Die Präambel sollte den Vorrang der transatlantischen Partnerschaften (NATO, USA) sicherstellen und war eine Reaktion auf den Druck durch die westlichen Verbündeten sowie die eigenen innenpolitischen Bedenken.
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- Aurélie Cahen (Author), 1997, Der Elysée-Vertrag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5168