Einleitung
Mit der Kapitulation der deutschen Streitkräfte am 7. und 8. Mai 1945 endete das „Großdeutsche Reich“. Zu der militärischen Niederlage kam eine gravierende Katastrophe für das deutsche Volk. Viele Menschen waren in den Kriegshandlungen ums Leben gekommen, befanden sich in Kriegsgefangenschaft oder waren schwer verletzt worden. Schon während des Krieges war die Armut der Menschen unermesslich geworden. Für sie begann ein Kampf um das bloße Überleben und die Sorge um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft. In den meisten Stätten waren Schulen und Hochschulen zerstört, es mangelte an Unterrichtsräumen, Lehrern und Lehrmaterialien. Die einst so patriotischen nationalpolitischen Bildungsziele waren zerfallen. Deutschland musste wieder aufgebaut werden. Für die vier alliierten Besatzungsmächte hatte besonders der Aufbau eines demokratischen Bildungswesen, um eine „Umerziehung zur Demokratie“ zu vollziehen, ein sehr große Bedeutung.
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Schulwesens von 1945 bis zum Beginn der 1960er Jahre. Dabei soll vor allem die Frage, worin sich die Schulsysteme der beiden Staaten unterscheiden, beantwortet werden? Im Rahmen dieser Fragestellung soll zudem aufgezeigt werden, wie das Schulwesen nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut wurde, welche Probleme dabei eine Rolle spielten und wie die Schulsysteme weiterentwickelt wurden. Weil vor allem die Entwicklungen im Schulwesen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen sollen, kann nur andeutungsweise auf die politischen Entwicklungen, sowie die Gründungen der Parteien und der daraus resultierenden Machtveränderungen, eingegangen werden. Auch das Hochschulwesen, die berufliche Ausbildung, die Sonderschulen für Behinderte sowie Reformansätze für das Schulwesen, können hier nur am Rande erwähnt werden. Diese Arbeit gliedert sich in zwei Phasen, die zudem in verschiedene Unterpunkte unterteilt sind. In jedem der Gliederungspunkte wird zunächst auf die Gesamtsituation der beiden Staaten eingegangen, um in den darauf folgenden Unterpunkten detaillierte Aussagen über die Entwicklungen in jeweils einem der beiden Staaten zu treffen. In einem ersten Punkt, werden die Periodeneinteilung und die damit verbundenen Schwierigkeiten thematisiert. Außerdem wird vor allem dort das methodische Vorgehen des Vergleiches, der unterschiedlich verlaufenden Entwicklungen bezüglich des Schulwesens in den beiden Staaten, festgelegt...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Periodeneinteilung
3. Die erste Phase: Nachkriegssituation und Weichenstellung 1945 bis 1949
3.1. Das Vorgehen der westlichen drei Besatzungsmächte
3.1.1. Das gegliederte Schulwesen
3.2. Die Wiedereröffnung der Schulen in der sowjetischen Besatzungszone
3.2.1. „Gesetz zur Demokratisierung der Deutschen Schule“ (1946)
3.3. Die Währungsreformen und die Gründung der beiden deutschen Staaten
4. Die zweite Phase: 1949 bis 1961/1962
4.1. Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Schulwesens
4.1.1. Das Düsseldorfer Abkommen
4.2. Der Aufbau der sozialistischen Schule in der Deutschen Demokratischen Republik
4.2.1. Die polytechnische Bildungsreform
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die Entwicklung des Schulwesens in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zwischen 1945 und den frühen 1960er Jahren, um die Unterschiede der beiden Schulsysteme vor dem Hintergrund politischer Systementscheidungen und des Wiederaufbaus aufzuzeigen.
- Vergleich der schulpolitischen Ansätze in den Besatzungszonen nach 1945.
- Die Rolle der zentralistischen Steuerung versus föderaler Strukturen.
- Entwicklung und Umsetzung des polytechnischen Unterrichts in der DDR.
- Harmonisierungsbemühungen im westdeutschen Schulwesen (z.B. Düsseldorfer Abkommen).
- Einordnung des Schulwesens in die jeweiligen gesellschaftspolitischen Zielsetzungen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Das gegliederte Schulwesen
Die Bundesländer der westlichen Besatzungszonen knüpften an die Situation vor 1933 und damit an die Grundsätze aus dem „Reichsschulgesetz“ der Weimarer Republik aus dem Jahr 1919 an. Neben der Übernahme der traditionellen Dreigliederung des Schulwesens in Volksschulen, Mittelschulen und Gymnasien, vollzog das Schulwesen auch einige Neuentwicklungen. So konnte erst mit dem flächendeckenden Ausbau der mittleren Schulen von einem voll entwickelten dreigliedrigen Schulsystem gesprochen werden. Außerdem wurde ein zweiter Bildungsweg geschaffen und das Berufsschulwesen, in der Form wie es heute als die duale Ausbildung bekannt ist, entwickelt.
Im Folgenden werden die Schulformen, ihre Besonderheiten und ihre Bildungsziele im Mittelpunkt stehen.
Die Dreiteilung des Bildungswesens in drei Schultypen erfolgte nach dem Vorbild der Weimarer Verfassung aus dem Jahre 1919. Die Schüler wurden hinsichtlich ihrer Begabungen, nach Beendigung der Volksschule, an einen der drei Schultypen zugeteilt. Die Unterscheidung, gemäß der Dreiteilung des Schulwesens, erfolgte in „praktisch begabte, zur Vermittlung von Theorie und Praxis fähige und theoretisch- wissenschaftlich begabte Schüler.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage nach 1945, die Notwendigkeit des bildungspolitischen Wiederaufbaus sowie das Ziel und die methodische Vorgehensweise der vergleichenden Arbeit.
2. Periodeneinteilung: Erörtert die Schwierigkeit einer formalen Periodisierung bei einem Vergleich zweier unterschiedlicher Bildungssysteme und begründet die gewählte Phaseneinteilung.
3. Die erste Phase: Nachkriegssituation und Weichenstellung 1945 bis 1949: Analysiert den Aufbau des Bildungswesens in den verschiedenen Besatzungszonen, die politische Steuerung und die Weichenstellung durch erste Gesetzgebungen.
4. Die zweite Phase: 1949 bis 1961/1962: Beleuchtet die unterschiedlichen Wege der Schulsysteme nach der Staatsgründung, von den Harmonisierungsbestrebungen im Westen bis zur sozialistischen polytechnischen Bildungsreform im Osten.
5. Fazit: Vergleicht die Stärken und Schwächen der beiden Schulwesen und fasst die zentralen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Zentralismus und Föderalismus auf die Schulpolitik zusammen.
Schlüsselwörter
Schulentwicklung, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Nachkriegszeit, Bildungsreform, Besatzungsmächte, polytechnischer Unterricht, Düsseldorfer Abkommen, Einheitsschule, Dreigliedrigkeit, Schulpolitik, Erziehung zur Demokratie, Zentralverwaltung, Kulturhoheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte und Entwicklung der Schulsysteme in beiden deutschen Staaten von 1945 bis Anfang der 1960er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der bildungspolitische Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, die Entstehung unterschiedlicher Schulstrukturen sowie die politischen Einflüsse durch die Besatzungsmächte und später durch die jeweiligen Regierungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen den Schulsystemen der BRD und der DDR aufzuzeigen und zu analysieren, wie diese Systeme nach 1945 aufgebaut und weiterentwickelt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um einen vergleichenden historischen Ansatz, der die Bildungsentwicklung anhand bestimmter zeitlicher Zäsuren und politischer Rahmenbedingungen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Phasen: Die Nachkriegszeit (1945–1949) und die Entwicklung nach der Staatsgründung (1949–1962), wobei jeweils auf die spezifischen Maßnahmen in Ost und West eingegangen wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Bildungspolitik, Schulreform, Einheitsschule, Föderalismus, Zentralismus und polytechnische Bildung sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Welche Rolle spielte das "Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule" von 1946?
Es war das wichtigste Dokument zur Neuordnung des Schulwesens in der sowjetischen Besatzungszone und legte den Grundstein für die Einheitsschule.
Welche Bedeutung hatte das Düsseldorfer Abkommen für die BRD?
Es markierte einen entscheidenden Schritt zur Vereinheitlichung des westdeutschen Schulwesens und der gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen.
Was verstand man in der DDR unter der "polytechnischen Bildungsreform"?
Es war ein Reformvorhaben, das den Unterricht stärker mit produktiver Arbeit in Industrie und Landwirtschaft verknüpfte, um sowohl ökonomische als auch ideologische Ziele zu erreichen.
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- Doreen Winter (Author), 2006, Schulentwicklung in den beiden deutschen Staaten von 1945 bis zum Beginn der 1960er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51721