Einleitung
Zahlreiche Währungskrisen erschütterten in den 1990er Jahren die weltweiten Finanzmärkte, u.a. die EWS1-Krise 1992/3, die Mexiko2 Krise 1994 oder aber auch die Asienkrise 1997. Aufgrund der verheerenden wirtschaftlichen Folgen, die diese Ereignisse nach sich zogen, begann sich der Fokus der Öffentlichkeit auf die Prognosewahrscheinlichkeit von Währungskrisen zu richten. Zahlreiche Studien wurden im Laufe der Zeit veröffentlicht, von denen ich einige später noch vorstellen werde. Alle diese Arbeiten basieren auf den theoretischen Währungskrisenmodellen, die einen Erklärungsansatz für die Entstehung solcher Katastrophen liefern. Hierbei wird unterschieden zwischen Modellen der 1., der 2. und der 3. Generation. Die Modelle der 1. Generation werden im Folgenden anhand der Studien von Paul Krugman analysiert, die er bereits 1979 veröffentlichte.
Da sich aber neuere Währungskrisen nicht mehr alleine mit Hilfe dieses Ansatzes erklären ließen, entwickelte Maurice Obstfeld 1994 weiterführende Modelle der so genannten 2. Generation, die unter anderem eine Erklärung für die Finanzkrise in Europa am Anfang der 90er Jahre lieferte.
Mit dem Zusammenbrechen vieler asiatischer Wechselkursregime während der Asien Krise 1997, bildete sich ein neuer Erklärungsstrang heraus, da diese Länder nicht die Symptome aufwiesen, die typisch für die vorangegangene Krisen waren. Diese Ansätze sind sehr heterogen und werden als Modelle der 3. Generation zusammengefasst. Nachdem ich diese Modelle vorgestellt und erklärt habe, werde ich auf die Studien über Vorhersagewahrscheinlichkeiten von Währungskrisen näher eingehen, und sie dabei auch kritisch hinterfragen.
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1 EWS = Europäisches Währungssystem
2 Auch bekannt unter dem Begriff Peso oder Tequilla Krise
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Währungskrisenmodelle
2.1 Modelle der 1. Generation
2.2 Modelle der 2. Generation
2.3 Modelle der 3. Generation
3. Indikatoren einer Währungskrise
3.1 Frühwarnindikatoren
3.2 Empirische Determinanten von Währungskrisen
3.3 Zusammenfassung
3.4 Bewertung
4. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen und empirischen Methoden zur Prognose von Währungskrisen. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie verschiedene Generationen von Krisenmodellen sowie spezifische Frühwarnindikatoren dazu beitragen können, das Auftreten von Währungskrisen zu antizipieren und welche methodischen Herausforderungen dabei bestehen.
- Evolution von Währungskrisenmodellen (1. bis 3. Generation)
- Mechanismen spekulativer Attacken
- Identifikation und Validität von Frühwarnindikatoren
- Methodische Problematiken bei der Krisendefinition und Datenerfassung
- Kritische Bewertung der Prognosefähigkeit wissenschaftlicher Studien
Auszug aus dem Buch
2.1 Modelle der 1. Generation
Das Modell von Krugman (1979), das seinerseits auf der Arbeit von Salant und Henderson basiert, geht von einem fixen Wechselkursregime mit stets defizitärem Haushalt aus. Die inländische Geldmenge setzt sich aus den Devisenreserven der Notenbank und ihren Wertpapieren zusammen.
Da nun der Haushalt ein permanentes Defizit aufweist, muss dieses durch die „Geldpresse“ gedeckt werden, was zur Folge hat, dass die Menge an Wertpapieren zunimmt. Um nun aber den Wechselkurs fixieren zu können, muss die Geldmenge konstant gehalten werden, was folglich nur dadurch geschehen kann, dass der Zuwachs an Wertpapieren, durch einen Verlust der Devisenreserven kompensiert wird.
Da diese aber irgendwann aufgebraucht sind, kommt es dazu, dass der Wechselkurs nicht mehr fixiert werden kann und somit durch einen flexiblen ersetzt wird. Es kommt also in einem solchen Modell auf natürliche Weise zu einer Aufgabe des festen Wechselkursregimes (vgl. Gärtner/Lutz S.334 – 336).
Dies ist insofern wenig überraschend, als dass das Mundell-Fleming Modell zeigt, dass in einem Modell mit fixen Wechselkursen und perfekter Kapitalmobilität, Geldpolitik ineffektiv ist (vgl. Gärtner / Lutz, Kapitel 3). Der natürliche Wechsel vom fixen zum flexiblen Wechselkurs kann durch sog. spekulative Attacken beschleunigt werden, wobei das entscheidende der Zeitpunkt dieser ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Häufung von Währungskrisen in den 1990er Jahren und begründet die wissenschaftliche Notwendigkeit, Modelle zur Entstehung und Prognose dieser Krisen zu untersuchen.
2. Währungskrisenmodelle: Dieses Kapitel erläutert die drei Generationen von Krisenmodellen, von den klassischen monetären Ansätzen über selbst erfüllende Erwartungskrisen bis hin zu komplexen Modellen der 3. Generation.
3. Indikatoren einer Währungskrise: Das Kapitel befasst sich mit der empirischen Identifikation von Frühwarnsignalen und diskutiert die Herausforderungen bei der Definition und Vergleichbarkeit von Krisenindikatoren.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Ursachen von Währungskrisen zusammen und betont die kritische Rolle der Variablenwahl bei der Entwicklung von Frühwarnsystemen.
Schlüsselwörter
Währungskrise, Spekulative Attacke, Wechselkursregime, Frühwarnindikatoren, Devisenreserven, Monetäre Modelle, Selbst erfüllende Krisen, Herding, Ansteckungseffekt, Moral Hazard, Kapitalmobilität, Finanzmärkte, Prognosewahrscheinlichkeit, Empirische Analyse, Makroökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Modelle und empirischen Ansätze zur Erklärung und Vorhersage von Währungskrisen unter Berücksichtigung verschiedener historischer Krisenverläufe.
Welche zentralen Themenfelder werden in dem Dokument analysiert?
Die zentralen Themen sind die Modellierung von Währungskrisen, die Rolle spekulativer Attacken, die Identifikation von Frühwarnsignalen sowie die methodischen Schwierigkeiten beim Vergleich internationaler Wirtschaftsdaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Funktionsweise der verschiedenen Generationen von Währungskrisenmodellen darzustellen und kritisch zu prüfen, inwieweit diese und abgeleitete Frühwarnindikatoren eine verlässliche Prognose zukünftiger Krisen ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf einer fundierten Zusammenfassung und kritischen Analyse bestehender ökonomischer Studien und Modelle basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei Generationen von Währungskrisenmodellen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit empirischen Indikatoren und deren Messbarkeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie spekulative Attacken, Schattenwechselkurs, Frühwarnindikatoren und die Kategorisierung in Krisenmodelle der 1., 2. und 3. Generation definiert.
Was unterscheidet die Modelle der 1. von der 2. Generation laut Autor?
Während Modelle der 1. Generation auf Fundamentaldaten wie Haushaltsdefiziten basieren, fokussieren Modelle der 2. Generation auf die Erwartungen der Marktteilnehmer und das Phänomen der "sich selbst erfüllenden Krisen".
Warum ist laut Autor eine allgemeingültige Prognose von Währungskrisen schwierig?
Der Autor argumentiert, dass es an einer einheitlichen Definition von Krisenparametern mangelt und die empirischen Grenzwerte stark variieren, was häufig zu "falschem Alarm" führt.
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- Michael Lueg (Author), 2006, Wahl des Wechselkursregimes - Spekulative Attacken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51730