Die frühen Porträts von Oskar Kokoschka


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kokoschkas soziales Umfeld
2.1 Alma Mahler
2.2 Adolf Loos
2.3 Gustav Klimt

3. Das Porträt zu Beginn des 20. Jahrhunderts

4. Kokoschkas „Charakterbildnis“

5. Kokoschkas künstlerische Umsetzung
5.1 Die Entstehung eines Porträts
5.2 Farbauftrag und Farbwahl

6. Resümee

7. Verzeichnis der verwendeten Literatur

8. Verzeichnis der verwendeten Bilder

1. Einleitung

Wenn Publikationen sich mit Kokoschkas Porträts befassen, dann ist dort sehr häufig die Rede von Ausdrücken wie „Charakterbildnis“[1] und „Seelenmalerei“[2]. Um die Bedeutung dieser zentralen Begriffe zu erläutern, werden sie im Laufe dieser Arbeit in Verbindung mit einer Betrachtung von Kokoschkas malerischer Umsetzung anhand von drei ausgewählten Porträts untersucht. So soll kenntlich gemacht werden, worauf es dem Maler bei seinen Werken sowohl bewusst, als auch unbewusst ankam und wie er seine Vorstellungen künstlerisch umsetzte. Es ist dabei jedoch wichtig, diese konkreten Aspekte der Charakteristik seiner Kunst auch vor dem gesellschaftlichen Hintergrund ihrer Entstehungszeit anzuschauen, aus dem heraus sie sich entwickelten. Denn die Gesellschaft war mit ihren Idealen und moralischen Vorstellungen für Kokoschka zugleich eine Ausgangsbasis, sowie auch eine Messlatte für seine individuellen Prinzipien. Die Öffentlichkeit lieferte jederzeit eine unmittelbare Reaktion auf seine Werke und somit auch eine Reaktion auf sein Verhalten und seine Geisteshaltung. Um Kokoschkas Porträtstil besser in den künstlerischen Kontext der Epoche einordnen zu können, wird die Arbeit deshalb kurz auf die Bildnisse der Maler Hans Makart und Gustav Klimt eingehen, bevor sich der Hauptteil schließlich Kokoschkas Porträts widmet.

Neben den gesellschaftlichen Voraussetzungen für Kokoschkas Kunst gab es auch einige Persönlichkeiten im unmittelbaren sozialen Umfeld des Malers, die sein Werk ebenfalls maßgeblich mit prägten. Dabei sind an erster Stelle Alma Mahler, Adolf Loos und Gustav Klimt zu nennen, deren Beziehungen zu Kokoschka nach einigen Sätzen zu seiner Biographie einleitend beleuchtet werden sollen.

Oskar Kokoschka wurde 1886 in Pöchlarn an der Donau geboren und verbrachte den größten Teil seiner Kindheit und Jugend in Wien. Er studierte dort von 1905-1909 an der Kunstgewerbeschule mit dem Wunsch Zeichenlehrer zu werden. Während seiner Studienzeit arbeitete er gleichzeitig zwei Jahre für die Wiener Werkstätten. Nachdem er im 1. Weltkrieg an der Front schwer verwundet worden war, ging er nach seiner Rückkehr nach Dresden, wo er 1919 eine Professur an der Kunstakademie erhielt. Von 1924 zog es ihn neun Jahre lang durch Europa, Asien und Nordafrika. 1933 verbrachte er noch einmal ein Jahr in Wien und ging anschließend für vier Jahre nach Prag. 1938 emigrierte der von den Nazis als „entarteter Künstler“ diffamierte Kokoschka nach London, wo er insgesamt sechs Jahre lebte und die britische Staatsbürgerschaft annahm. Schließlich setzte er sich in Villeneuve am Genfer See zur Ruhe. Er rief 1953 an der Salzburger Sommerakademie die „Schule des Sehens“ ins Leben und starb 1980 im Alter von 94 Jahren in Montreux. Sein Schaffen zeichnet sich vor allem durch insgesamt über 80 Porträts aus, die alleine im Zeitraum bis zum ersten Weltkrieg entstanden sind. Drei der 40 Werke, die in den Jahren 1909 und 1910 entstanden sind, werden im Laufe der Arbeit näher betrachtet.

2. Kokoschkas soziales Umfeld

Kokoschka war zweifellos ein sehr gefühlsbetonter Mensch. Seine Emotionalität spiegelt sich nicht zuletzt in der Expressivität seiner Bilder wider und so ist es für das Verständnis seiner Werke von wichtiger Bedeutung, einen Blick auf seine engsten sozialen Kontakte zu werfen, weil diese ihn sowohl emotional, als auch künstlerisch im Denken und Handeln beeinflussten. Das Beziehungsgeflecht zwischen Kokoschka und seinem Umfeld war mit eine Grundlage für seine Lebensansicht, es verhalf ihm zu Denkanstößen und im Falle von seiner Beziehung mit Alma Mahler hatte dieses zwischenmenschliche Verhältnis auch maßgeblichen Einfluss auf seine emotionale Gemütslage.

2.1 Alma Mahler

Kokoschka lernte Alma Mahler 1911 in der Villa ihres Stiefvaters, dem Kunsthändler Carl Moll kennen. Zwischen der zweiunddreißigjährigen und Kokoschka entwickelte sich schnell eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die vor allem von Kokoschkas Seite mehr und mehr an Besessenheit grenzte und ihn emotional jahrelang völlig einnahm. Nachdem die Geliebte 1914 ein gemeinsames Kind abtreiben ließ, meldete sich Kokoschka freiwillig an die Front, wo er 1915 schwer verletzt wurde. Auch nach dem Ende des ersten Weltkrieges, konnte er sich lange Zeit nicht von der Depression befreien, die ihn seit der Trennung von Alma Mahler beherrschte. Mittlerweile in Dresden lebend gab er deshalb 1918 bei einer Münchner Schneiderin eine lebensgroße Puppe in Auftrag, die scheinbar die verlorene Liebe als Kunstprodukt konservieren sollte.[3] Erst Jahre später schaffte Kokoschka es schließlich, sich den quälenden Erinnerungen an Alma Mahler zu entledigen, indem er die Puppe in seinem Garten symbolisch für seine Befreiung von ihr köpfte. 1934 siedelte er nach Prag über, wo er Olga Palkovska kennen lernte, die er heiratete und mit der er bis zu seinem Tod zusammenblieb.

2.2 Adolf Loos

Der renommierte Wiener Architekt Adolf Loos erkannte früh Kokoschkas ungewöhnliches Talent. Er blieb zeitlebens eine Art väterlicher Freund und Mentor für den jungen Maler und übte einen maßgeblichen Einfluss auf seine Entwicklung aus. Kokoschkas Arbeit für die „Wiener Werkstätten“ stand Loos kritisch gegenüber. Für ihn war das Bemalen von Fächern und Ansichtskarten eine bloße Verschwendung seiner großen Begabung und ähnlich „als würde man ein Rennpferd als Ackergaul gebrauchen“[4]. Nach zwei Jahren drängte er Kokoschka im Jahre 1909 schließlich dazu, die Arbeit zu beenden. Finanziell machte er diesen Ausstieg möglich, indem er ihm zunehmend Porträtaufträge bei seinen Kunden vermittelte und mit der Gage einsprang, wenn diese, was häufig vorkam, mit dem Ergebnis nicht zufrieden waren. Durch dieses Abkommen war es Kokoschka möglich, sich den Porträtstudien mit besonderer Aufmerksamkeit zu widmen, und so verwundert es nicht, dass allein bis zum ersten Weltkrieg 80 Porträtgemälde entstanden. Loos entwarf den Plan, eine Porträtreihe angesehener Persönlichkeiten zu schaffen, die sich durch ihren motivischen roten Faden gut vermarkten und auch für internationale Ausstellungen eigenen sollte. Sein Plan ging auf. Bereits 1915 reiste Adolf Loos zusammen mit Kokoschka als einem der ersten europäischen Expressionisten nach San Francisco, um eine ausgewählte Sammlung von 15 Gemälden und einer Zeichnung zu präsentieren.

2.3 Gustav Klimt

Neben Loos war auch Gustav Klimt bereits früh auf den jungen Maler aufmerksam geworden. Klimt, Präsident der Wiener Secession und Förderer der aufstrebenden jungen Künstlergeneration, ermöglichte es Kokoschka bereits im Jahre 1908, mit nur 22 Jahren, einige seiner Werke auf der Wiener Kunstschau einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Zeichnungen, überwiegend Aktdarstellungen junger Mädchen, sorgten für einigen Wirbel und katapultierten Kokoschka damit über Nacht in die Presse, von der er fortan als „Oberwildling“ betitelt wurde[5]. Klimt jedoch stellte sich vor seinen Schützling und gab coram publico zu verstehen, dass er Kokoschka für „das größte Talent der jungen Generation“[6] halte, was für den jungen Künstler quasi einen Ritterschlag bedeutete. Einen Höhepunkt erreichte Kokoschkas junge Karriere schließlich, als er im darauf folgenden Jahr erneut bei der Wiener Kunstschau ausstellte und dabei erstmalig als Maler in Erscheinung trat. Er präsentierte dort als erstes Werk das Porträt des Schauspielers Ernst Reinhold.

3. Das Porträt zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Wien war Anfang des 20. Jahrhunderts Zentrum für Maler, Dichter, Komponisten und Wissenschaftler. Dadurch prallten jede Menge neuartiger Ideologien und Philosophien ummittelbar aufeinander. Wertvorstellungen wurden diskutiert und die Weltanschauung entwickelte sich zu einem individuelleren Phänomen. Im Theater blühte der freie Ausdruckstanz auf, der mit seinem neuen Verständnis von Ästhetik und Bewegung einen starken Einfluss auf die Bildende Kunst ausübte und in der Medizin beschäftigten sich Publikationen zunehmend mit der Dokumentation von Mimik und Gestik der Psychopathologie, also mit dem Verhalten von Hysterikerinnen. Doch trotz der vielen frischen Eindrücke und Inspirationsquellen hatten die jungen Künstler es oftmals schwer, sich einen Platz in dem zum Teil immer noch starren Kunst- und Kulturverständnis des Wiener Bildungsbürgertums zu erkämpfen.

Die gesellschaftlichen Erwartungen an ein Porträt, in die Kokoschkas Bildnisse hineingeboren wurden, waren um die Jahrhundertwende gespickt von strengen Regeln an ein Porträt und orientierten sich mit ihren Vorstellungen vor allem an dem 1884 verstorbenen Maler Hans Makart. Dieser war für die Epoche so etwas wie eine kulturelle Leitfigur geworden. Seine Bilder zeigten einen perfekt inszenierten Lebensstil und die oft historisch kostümierten Modelle wurden in prächtigen spitzenbesetzten Roben, mit unnahbar abgewandten Gesichtern vor einem ruhmvoll geschmückten Hintergrund dargestellt. Es ging Makart hauptsächlich um eine standesgemäße, zumeist sogar beschönigende Art der Darstellung, die weniger den Charakter des Porträtierten als eine ästhetische Idealvorstellung wiedergeben sollte.

[...]


[1] NATTER, Tobias G.: Charakterbildnisse, nicht Gesichtsbildnisse. Zu Kokoschkas frühen Porträts, in: Oskar Kokoschka. Das moderne Bildnis 1909 bis 1914, hg. von Tobias Natter, Hamburg 2002, S. 88

[2] WERKNER, Patrick: Gestik in den frühen Bildnissen Kokoschkas, in: Oskar Kokoschka. Das moderne Bildnis 1909 bis 1914, hg. von Tobias Natter, Hamburg 2002, S. 33

[3] vgl. ELGER, Dietmar: Oskar Kokoschka, Köln 2002, S. 242

[4] LOOS, Adolf: Über seine Einstellung zu Künstlern und Kindern. Ein Gespräch mit dem Architekten, in: Neue Freie Presse, Wien, 9. September 1928

[5] vgl. KOKOSCHKA, Oskar: Mein Leben, München 1971, S. 55

[6] ELGER, Dietmar (wie Anm. 3), S. 237

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die frühen Porträts von Oskar Kokoschka
Hochschule
Universität zu Köln  (KHI )
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V51751
ISBN (eBook)
9783638476355
ISBN (Buch)
9783638890441
Dateigröße
786 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Porträts, Oskar, Kokoschka, Proseminar
Arbeit zitieren
Katherina Knees (Autor), 2005, Die frühen Porträts von Oskar Kokoschka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51751

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