Nachdenken über das Bild des Mannes seit dem 18.Jh.


Referat (Ausarbeitung), 2002
9 Seiten

Leseprobe

von Erasmus Walser, Historiker, Hochschule für Technik und Architektur Bern

[,u.a. gestützt auf Lektüre von Mosse, George L.,Das Bild des Mannes FfM dt.1997 und Robert W.Connell Der gemachte Mann, Opladen dt. 2000, Allan Guggenbühl: Männer, Mythen, MächteZürich 1998 und Warren Farrel, Mythos Männermachtdt.FfM 1995]

Ein historisch noch weitgehend blinder Fleck – das Gender - Wesen Mann

Der Feminismus hat die Geschichte der Frau in Gesellschaft, Gegenwart und Vergangenheit als Gender- Geschichte herausgestrichen, hat sie befreit und gerechtfertigt. Eine Auseinandersetzung mit der „sozialen Geschlechterrolle“ der Frau hat seit dreißig Jahren eine steigende Konjunktur. Niemand kann mehr an Frauenforschung und ihren Ergebnissen vorbeigehen. Die Praxis der Sozialarbeit kennt einen gewichtigen frauengeschichtlichen Hintergrund für Frauen und Männer. Männer als Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen haben freilich wenig Gelegenheiten, spezifisch über den Mann als Gender-Wesen nachzudenken, dem Mann bleibt bloß , allenfalls die Widersprüchlichkeit der eigenen Entwicklung oder jene seiner Söhne sensibel zu registrieren, der Frau bleibt, die Entwicklung ihrer Partner, Söhne und Klienten zu beobachten.

Die «soziale Geschlechterrolle» des Mannes ist mit dem Minimum an Y-Chromosom, einer gewissen Menge Testosteron und der Verfügung über einen Penis nicht erfasst, sollte man sie darauf reduzieren, sogar wertlos.

„Vorrecht Mannsein“ oder die „mythische Natur“ der Männerseele?

Wir sehen uns hier den Übergang zwischen adelig-feudalen Gender-Mustern im 18.Jh und bürgerlich-ästhetischem Männlichkeitskult an – die Geschichte des Duellwesens ist da bedeutsam . Dann beachten wir, wie der Nationalismus den sozialen Geschlechtscharakter des Mannes ästhetisiert und für Erziehung, Militär und Nationalgefühl ausbeutet. Körperliches wird dabei aber auch zensiert . Zudem gehen wir auf die fast zwanghaften Feindbilder des nationalistischen Männerbildes im 19.Jh.und frühen 20:Jh. ein, auf die Décadence zwischen 1890 und 1930 , den Juden, den Homosexuellen und am Rande auf die „Emanze“.

Das rückschrittliche Männlichkeitsbild der Faschisten und Nationalsozialisten ist vor allem bildlich präsent und erotisch zweideutig, theoretisch aber unfruchtbar. Eine primitive erneute Polarisierung der Geschlechter zerstörte die emanzipatorischen gesellschaftlichen Ansätze der 1920er Jahre.

Ein Seitenblick gilt auch dem nicht eigenständig gelungenen, also missgeleiteten Männlichkeitsbild der Arbeiterbewegung. Dieses setze sich im Kommunismus um. Wir werden dann zu debattieren haben, wie sich die Männergeschichtsschreibung zwischen Frauen- und Schwulenbewegung einerseits und neumythischem Männerbild (Robert Bly, Alan Guggenbühl) mit dem Genderwesen Mann auseinanderzusetzen pflegt. Heute ist die Auseinandersetzung mit dem Männerbild zutiefst gespalten zwischen jenen, die aus dem Feminismus gelernt haben und jenen, die Privilegien des Patriarchats weiterhin auch noch ideologisch behaupten wollen mit einem mythisch, teilweise antifeministischen und antiegalitären Geschlechtscharakter vom Mann („Mythos Männermacht“ von Warren Farrel; „Eisenhans“ von Robert Bly ,im Alltag von der National Rifle Society USA , von evangelikalen Gruppen wie „Promise Keepers“ ).

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Nachdenken über das Bild des Mannes seit dem 18.Jh.
Hochschule
Pädagogische Hochschule Bern  (Dozentenweiterbildung)
Veranstaltung
Hochschule für Sozialarbeit Dozentenschulung
Autor
Jahr
2002
Seiten
9
Katalognummer
V5177
ISBN (eBook)
9783638131544
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Referat anlässlich der Dozentenfortbildung Fachhochschule für Sozialarbeit Bern.
Schlagworte
Gender-Geschichte der Männer
Arbeit zitieren
Erasmus Walser (Autor), 2002, Nachdenken über das Bild des Mannes seit dem 18.Jh., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5177

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