Medikationsfehler im Stationsalltag. Strategien zur Vermeidung von Fehlern bei der Medikamentengabe


Hausarbeit, 2019

8 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Beschreibung Problemlage
2.2. Theoretischer Rahmen
2.3. Zielformulierung
2.4. Analyse
2.5. Erarbeitung einer Problemlösungsstrategie

3. Schlussfolgerung

4. Literaturnachweis

1. Einleitung

„Wofür ist jetzt welches Medikament? Das kleine runde kenne ich, das ist für die Schilddrüse. Und welches ist das für den Blutdruck?“ Immer wieder fragen Patienten bei der Medikamentenausgabe genau nach und verlan­gen eine Erklärung. Im erlebten Fall ärgerte sich die zuständige Pflegekraft daraufhin, da die Tabletten von der Kollegin gerichtet wurden und diese, bereits aus dem Blister gedrückt, schwer identifizierbar waren. An zwei auf­einanderfolgenden Tagen kam es vor, dass dank der Nachfrage der Pati­entin Arzneimittelfehler verhindert wurden. Doch viele Patienten vertrauen dem Personal blind und „schlucken“, was ihnen vorgesetzt wird, andere ha­ben nicht den Mut, nachzufragen und wieder andere haben aufgrund ihrer Erkrankung gar keine Möglichkeit, sich über die Richtigkeit der Arzneimittel zu vergewissern. Fehler bei der Medikamentengabe können schwerwie­gende Folgen verursachen. Wie kommt es zu Medikamentenfehlern, wel­che Folgen treten auf, welche Regelungen gibt es und mit welchen Prob­lemlösungsstrategien, lassen solche Situationen vermeiden oder verrin­gern?

2. Hauptteil

2.1. Beschreibung Problemlage

„Ein Medikationsfehler ist ein Fehler bei der Verordnung, Ausgabe oder Anwendung eines Arzneimittels, unabhängig davon, ob ein solcher Fehler nachteilige Konsequenzen hat oder nicht.“1 Die meisten Medikationsfehler entstehen laut einer multinationalen Studie nicht in Notfallsituationen, son­dern bei der Ausführung klinischer Routineaufgaben.2 Der Prozess bis hin zur Medikamentenverabreichung ist ein komplexer Vorgang, welcher zu ei­ner breiten Fehlerpalette führen kann,3 denn aufgrund des langen Wegs des Medikamentes bis zum Patienten ist bereits das Spektrum der Risiko­quellen für Medikationsfehler breit: Medikationsfehler treten beispielsweise aufgrund von fehlerhafter Dokumentation, Verwechslung von Patienten, fal­scher Berechnung der Wirkstoffkonzentration, Verwendung ungeeigneter Trägerlösungen, Übersehen oder Nichtbeachten eines falschen / fehlenden / überschrittenen Verfalldatums, falscher Medikamentenlagerung, Kontami­nation von Lösungen, unzureichender Vermischung der Inhaltsstoffe, In­kompatibilitäten, Adsorption von Behältern oder Infusionsbestecken, fal­scher Infusionsrate, Verwechslung von Arzneimitteln, falschen oder fehlenonstechniken, unvollständiger Verabreichung des Behälterinhalts4 oder ei­nem falschen Medikamentenstellmanagement5 auf. Folgen von Medikati­onsfehlern können zahlreich und harmlos, schwerwiegend oder tödlich sein. Abhängig vom verabreichten Arzneimittel und von spezifischen Fak­toren im Einzelfall entscheidet sich der Schweregrad der Folge.6 Fest steht: „Jedes Versäumnis, jeder falsche Handgriff, jede falsche Entscheidung kann einen Patienten schwer schädigen.“7

2.2. Theoretischer Rahmen

Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, welche ihre Aussage auf verschiedene Studien stützt, ist etwa jede zweite unerwünschte Arzneimit­telwirkung vermeidbar. 0,5 Prozent der Patienten erleiden während eines Krankenhausaufenthaltes eine schwere unerwünschte Arzneimittelwirkung oder sind von einem Medikationsfehler betroffen, wovon etwa 40 bis 50 Prozent als vermeidbar angesehen werden und zehn Prozent tödlich sind.8

In folgender Darstellung sind Ergebnisse einer Studie der britischen Natio­nal Patient Safety Agency zu sehen, die darstellen, welche Typen von Me­dikationsfehlern in welcher anteiligen Häufigkeit vorkommen. 9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteilige Häufigkeit von Medikationsvorfällen in Prozent 10

Arzneimittel sollen nach aktuellen wissenschaftlich begründeten Vorgaben in Originalverpackung aufbewahrt und alphabetisch sortiert sowie nach dem First-in-First-outPrinzip gelagert werden: frisch gekaufte Packungen sind hinten einzuordnen.11 „Ordnung und Übersichtlichkeit im Schrank vermindern die Ver­wechslungsgefahr und dienen der Patientensicherheit.“12 Medikamente dürfen nach Überschreiten des Verfalldatums nicht mehr verwendet wer­den.13 Jede Arztverordnung muss folgende Informationen enthalten: Name, Geburtsdatum des Patienten; Medikamentenbezeichnung, Verabrei­chungsform und Konzentration bzw. Dosis; Zeitpunkt und Häufigkeit der Gabe und muss schriftlich oder in elektronischer Form vorliegen.14 Beim Stellen von Medikamenten gibt es verschiedene Richtlinien zu beachten: der Arbeitsplatz sollte ablenkungsarm sein, hygienische Vorgaben müssen eingehalten werden, Dispenser sind mit Vorund Nachnamen, Zimmer­nummer und Geburtsdatum zu beschriften; Medikamente sollen aus eröff­neten Packungen entnommen werden und bei Neuanbruch ist immer die Verpackung mit kürzestem Verfallsdatum zu öffnen; Tabletten sollten beim Stellen im Blister belassen werden, sodass spätere Kontrollen möglich sind. Beim Entnehmen, Einordnen und Zurückstellen soll die Medikamentenver­packung auf Richtigkeit überprüft werden; der Bestand sollte stets im Auge behalten werden, sodass rechtzeitige Nachbestellungen möglich sind. Au­ßerdem ist das Vier-Augen-Prinzip zu beachten: Jeder gestellte Dispenser muss von einer zweiten Pflegekraft überprüft werden.15 Die 6-R-Regel sollte durchgeführt werden und die Haltbarkeit, das Aussehen und die Charge müssen überprüft werden.16 Beim Verabreichen von Medikamen­ten sollte darauf geachtet werden, dass der Patient aufrecht sitzt und ge­nügend trinkt. Antibiotika sollten nicht im Zusammenhang mit Milch einge­nommen werden. Brausetabletten müssen in stillem Wasser gelöst werden und Pflegekräfte sollten darauf achten, dass die Tablette vollständig aufge­löst ist, bevor der Patient trinkt. Die Verabreichungsform des Medikaments muss genau beachtet und mehrmals kontrolliert werden.17 Infusionen oder Injektionen müssen unter hygienischen Bedingungen vorbereitet und ver­abreicht werden und vor dem Verabreichen wie alle anderen Medikamente beschriftet und kontrolliert werden. Die Pflegekraft sollte über die Vorge­hensweise geschult sein.

2.3. Zielformulierung

Pflegekräfte kennen aktuelle wissenschaftliche Vorgaben zur Hand­habung von Arzneimitteln und handeln danach
- Pflegekräfte wissen, worauf sie bei der Verabreichung von Medika­menten achten müssen und handeln danach
- Jede Station hat festgelegte Stationsund Prozessregeln, was den Umgang mit Medikamenten von der Bestellung bis hin zum Verab­reichen betrifft sen kann
- Durch Beachten von festgelegten Stationsund Prozessregeln wer­den Arzneimittelfehler vermieden
- Die Arztanordnungen werden auf Vollständigkeit überprüft, im Zwei­felsfall muss der Arzt die Anordnung vervollständigen, bevor Medi­kamente gerichtet werden
- Pat. sind aufgeklärt, welche Medikamente sie erhalten
- Materialien zur hygienischen und korrekten Vorgehensweise sind vorhanden

[...]


1 Braun Melsungen AG (2012) S. 2

2 Vgl. Valentin (2009)

3 Vgl. McDoell (2010)

4 Vgl. Braun Melsungen AG (2012) S. 4

5 Vgl. Georg Thieme Verlag KG (2015) S678

6 Vgl. Braun Melsungen AG (2012) S.6

7 Kassenärztliche Bundesvereinigung (Hrsg.) 2014, S.2

8 Vgl. Kassenärztliche Bundesvereinigung (Hrsg.) 2014, S.1

9 Vgl. Braun Melsungen AG (2012) S. 7

10 Inhalt: National Patient Safety Agency (2007), Darstellung: Braun Melsungen AG (2012) S.7

11 Vgl. Georg Thieme Verlag KG (2015) S. 676

12 Georg Thieme Verlag KG (2015) S.676

13 Vgl. Georg Thieme Verlag KG (2015) S. 677

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. Georg Thieme Verlag KG (2015) S. 678

16 Vgl. Georg Thieme Verlag KG (2015) S. 679

17 Vgl. Georg Thieme Verlag KG (2015) S. 681

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Medikationsfehler im Stationsalltag. Strategien zur Vermeidung von Fehlern bei der Medikamentengabe
Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Note
bestanden
Autor
Jahr
2019
Seiten
8
Katalognummer
V517894
ISBN (eBook)
9783346111364
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medikationsfehler, stationsalltag, strategien, vermeidung, fehlern, medikamentengabe
Arbeit zitieren
Anne Pare (Autor), 2019, Medikationsfehler im Stationsalltag. Strategien zur Vermeidung von Fehlern bei der Medikamentengabe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517894

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