Argumente in der Globalisierungsdebatte. Auswirkungen der Globalisierung auf die Lebenswirklichkeit und die Lohnstrukturen von Wirtschaftsakteuren

Eine kritische Diskussion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Argumente der Globalisierungskritiker
2.1 Außenhandel und Löhne
2.2 Mindeststandards in der Arbeitswelt und Handelsgespräche
2.3 Umwelt- und Kulturfragen
2.4 Die WTO und die nationale Unabhängigkeit
2.5 Die Öffnung der Einkommensschere
2.6 Die Lage in Deutschland
2.7 Die Wirkung einer Tobinsteuer

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Globalisierung ist das Modewort der Gegenwart, das seit den 1990er-Jahren in sämtliche Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft gefunden hat (vgl. Flörkemaier, 1999, S. 21). Ursprünglich im ökonomischen Bereich verwendet, um die zunehmende globale Verflechtung der Ökonomien – insbesondere der Finanzmärkte – auf einen Begriff zu bringen, bezeichnet Globalisierung auch Prozesse, die etliche weitere Begriffe fortschreitender Modernisierung umfassen, wie Kommunikation, Produktion von Wissen und Transport, aber auch Problemfelder internationaler Sicherheit, wie organisierte Kriminalität, Drogen-, Waffen-, und Menschenhandel (vgl. Nohlen, 2001, S. 118f.).

Mit der Globalisierung sind viele Hoffnungen, aber auch Ängste verbunden. Immer wieder entstehen hitzige Debatten über die zunehmende internationale Verflechtung von Wirtschaft, Politik und verschiedenen Kulturen. Seit Ende der neunziger Jahre werden die verschiedenen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs von großen Anti-Globalisierungsdemonstrationen und parallel tagenden Kongressen von Globalisierungskritiker begleitet. Letztere werden von Nichtregierungsorganisationen (NRO) vorbereitet und durchgeführt. Ihr Protest richtete sich im Kern gegen die weltweit wachsende soziale Ungleichheit und gegen die neoliberale Form der wirtschaftlichen Globalisierung. Der vorläufige Höhepunkt des Protestes, der den gesellschaftlichen Widerstand gegen die Globalisierung und ihrer Institution der WTO verdeutlicht, stellen die Ausschreitungen im Jahre 1999 in Seattle dar (vgl. Flörkemaier, 1999, S. 21). Der Katalog der Probleme, die der Globalisierung typischerweise angelastet werden, ist sehr umfassend. Die Globalisierungsgegner fordern einen internationalen Handlungsrahmen aller Staaten, der soziale Mindeststandards gewährleistet und die Selbstbestimmungsrechte der Völker sichert. Im Speziellen sprechen sie sich für eine Umgestaltung internationaler Institutionen und Handelsabkommen zugunsten der Entwicklungsländer aus (http://de.wikipedia.org/wiki/Globalisierungskritik). Sie verlangen von den kreditgebenden Instituten, ihre Auflagen fallen zu lassen, um die Länder der Dritten Welt wirtschaftlich unabhängig zu machen. Darüber hinaus fordern sie eine Tobinsteuer auf internationale Finanzaktionen und die Verwendung der Einnahmen für internationale Umwelt- und Entwicklungsaufgaben (vgl. Jäger, 2003).

Ein anderer Kritikpunkt bezieht sich auf die Folgen, die der verschärfte Wettbewerb mit sich bringt. Globalisierung wird für steigende Arbeitslosigkeit in Europa, als Folge von Standortverschiebungen der Unternehmen, verantwortlich gemacht. Auf sie wird die verringerte Arbeitsplatzsicherheit zurückgeführt, die durch den verstärkten internationalen Wettbewerb und den geschwächten Einfluss der Gewerkschaften entstanden sein soll (vgl. Rodrik, 1997, S. 5, S. 11). Zudem wird die Globalisierung von einigen NGOs für die zunehmende Öffnung der Lohnschere, für die fallenden Reallöhne der untersten Einkommensgruppen, sowie für das Verschwinden der Mittelklasse, der Zerstörung sozialer Strukturen und für den Rückbau von Sozialstaaten verantwortlich gemacht. Die wachsende intra- und internationale Ungleichheit führt nach Meinung einiger NGOs letztendlich zu einer zunehmenden Trennung zwischen Gesellschaften in Globalisierungsgewinner und -verlierer (vgl. Schmidt/Trinczek, 1999, S. 60).

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die wichtigsten der oben genannten Thesen zu evaluieren und einen tieferen Einblick über das Ausmaß der ökonomischen Auswirkungen einer zunehmenden Globalisierung zu gewinnen.

2. Argumente der Globalisierungskritiker

2.1 Außenhandel und Löhne

Viele Globalisierungskritiker weisen auf die niedrigen Löhne hin, die derzeit in vielen Exportindustrien der Entwicklungsländer bezahlt werden (vgl. Krugmann, 2004, S. 374). Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung auch, dass sich der Wohlstand einiger Entwicklungsländer in den letzten Jahrzehnten gesteigert hat. Die meisten Menschen weisen heute einen höheren Lebensstandard auf, sind besser gekleidet, leben in besseren Wohnungen und sind weniger Risiken ausgesetzt. Auch etliche soziale Indikatoren sprechen für die These, dass es einigen Entwicklungsländern in einem offenen Handelssystem besser geht, als Ländern, die eine Abschottungspolitik betreiben, wie zum Beispiel Nordkorea (vgl. Kappel, 2004, S. 270). Dennoch gelingt es einigen Entwicklungsländern nicht, ihr Wachstum zu steigern. „Zu Globalisierungs- Gewinnern können auf lange Sicht nur solche Entwicklungsländer werden, die den erforderlichen Strukturwandel erfolgreich bewältigen“ (Nunnenkamp, 1998, S.3).

Das heißt, es leitet sich auch aus der nationalen Wirtschaftspolitik der jeweiligen Staaten ab, ob ein Land vom Weltmarkt profitieren kann (vgl. Kappel, 2004, S. 267).

Dass sich Arbeiter in den Entwicklungsländern mit Außenhandel trotz geringer Löhne besserstellen können, als ohne Außenhandel, soll folgendes Beispiel auf Basis des komparativen Vorteils verdeutlichen.

Man geht von zwei Ländern aus, USA und Mexiko. Diese haben jeweils zwei Branchen: Hochtechnologie und Niedrigtechnologie. Der einzige Produktionsfaktor ist Arbeit und dieser ist in beiden Branchen der USA produktiver als in Mexiko.

In Mexiko sind zwei Arbeitsstunden für eine Mengeneinheit Niedrigtechnologie, und acht Stunden für eine Mengeneinheit Hochtechnologie, aufzuwenden. In den USA kann in einer Arbeitsstunde in beiden Branchen jeweils eine Mengeneinheit hergestellt werden. Die obere Tabellenhälfte gibt die Reallöhne der Arbeiter an, die beide Länder vor dem Außenhandel erhalten – ausgedrückt in beiden Gütern. Der Reallohn entspricht somit der Gütermenge, die ein Arbeiter in einer Stunde herstellen kann. Die untere Tabellenhälfte zeigt die Lohnsituation nach dem Außenhandel auf. Die relativen Löhne der amerikanischen und der mexikanischen Arbeiter befinden sich bei dem Gleichgewicht, dass sich nach dem Außenhandel einstellt, irgendwo zwischen der relativen Produktivität der Arbeiter in beiden Branchen.

Abb. 1. Beispiel für den komparativen Vorteil

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Krugmann/Obstfeld, 2004, S. 375.

Aus Abb. 1 wird ersichtlich, dass es vorteilhaft ist, niedrigtechnologische Güter in Mexiko und hochtechnologische Güter in den USA herzustellen.

Die Globalisierungsgegner könnten hier einwenden, dass durch Außenhandel die Interessen der Arbeiter geschädigt werden, da hierbei gut bezahlte Arbeitsplätze in der Niedrigtechnologiebranche in den USA gegen schlecht bezahlte Jobs in Mexiko eingetauscht werden. Hinzu kommt noch, dass es ungerecht wäre, den Arbeitern der Niedrigtechnologiebranche in Mexiko nur ein Viertel des US-amerikanischen Lohns zu bezahlen, obwohl sie immerhin halb so produktiv sind. Es könnte also argumentiert werden, dass mexikanische Arbeiter unterbezahlt sind.

Dagegen lässt sich wiederum einwenden, dass die Kaufkraft der Löhne in beiden Ländern gestiegen ist, was in der unteren Tabellenhälfte zu sehen ist.

Die amerikanischen Arbeiter sind nun alle im Hochtechnologiesektor beschäftigt und können aufgrund des Handels zwei niedrigtechnologische Einheiten pro Arbeitsstunde erwerben, anstatt vorher nur eine Einheit. Die mexikanischen Arbeiter sind jetzt alle in der Niedrigtechnologieindustrie tätig und können pro Arbeitsstunde eine viertel Einheit Hochtechnologie kaufen, anstatt vorher nur ein Achtel. Der Außenhandel hat in diesem Beispiel also den Preis des Importguts jeden Landes im Verhältnis zu seinem Lohnsatz gesenkt (vgl. Krugmann/Obstfeld, 2004, S. 374-376).

Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass es sich hierbei nur um ein Model handelt, das die realen Gegebenheiten nur im Groben widerspiegelt. „Es gibt keinen Automatismus zu Entwicklung durch Liberalisierung“ (Kappel, 2004, S. 292). Ob Entwicklungsländer die Vorteile des Außenhandels für sich nutzen können, hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen sind aber in den Entwicklungsländern die Bedingungen der neoklassischen Wachstumstheorie selten erfüllt, zum anderen macht die verfehlte Politik der OECD-Länder oft den potenziellen Nutzen der Liberalisierung für die Entwicklungsländer zunichte, indem sie beispielsweise Agrarimportrestriktionen verhängt, Barrieren für arbeitsintensive Güter schafft, die eigene Landwirtschaft subventioniert oder die Zuwanderung lediglich für hoch qualifizierte Arbeiter ermöglicht. Hinzu kommen noch die Ausstattung mit Ressourcen, die geografische Situation und die Transportkosten innerhalb eines Landes. Daraus wird ersichtlich, dass beispielsweise Entwicklungsländern mit einer nachteiligen Geopolitik, einer ungünstigen klimatischen Lage, hohen Transportkosten und einer weiten Entfernung von wirtschaftlichen Zentren, trotz einer erfolgreichen makroökonomischen Politik, nicht automatisch ein Aufholprozess ermöglicht wird (vgl. Kappel, 2004, S. 295).

2.2 Mindeststandards in der Arbeitswelt und Handelsgespräche

Internationale Ansätze der politischen Beeinflussung und Steuerung des Globalisierungsprozesses mit dem Ziel, weltweit mehr Gerechtigkeit zu schaffen, sind schwierig. Als Beispiel könnte man die Etablierung von Verhaltenskodizes für die Unternehmen nennen. Im Sommer 2000 wurde auf Initiative des UNO-Generalsekretärs Kofi Annan der sogenannte „Global Compact“ verabschiedet. In diesem verpflichten sich Unternehmen und sonstige private Institutionen, die dem globalen Pakt beigetreten sind, die beschlossenen Ziele und Werte im Rahmen ihrer Unternehmenspolitik umzusetzen. Davon ist ein Ziel, die Wahrung der Menschenrechte. Die Wirtschaft solle den Schutz der international verkündeten Menschenrechte unterstützen, und sicherstellen, dass sich die Akteure nicht an Menschenrechtsverletzungen beteiligen. Ein weiterer Punkt des globalen Pakts bezieht sich auf die Arbeitsbedingungen. Demnach solle die Wirtschaft die Vereinigungs- und Tariffreiheit wahren, sowie ferner alle Formen der Zwangs- und Pflichtarbeit beseitigen, die Kinderarbeit abschaffen und die Beseitigung der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf einleiten. Der letzte Punkt bezieht sich auf die Umwelt. Die Wirtschaft sollte umsichtig mit ökologischen Herausforderungen umgehen, Initiativen zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit der Umwelt durchführen und sich für die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien einsetzen.

Der „Compact“ ist allerdings hinsichtlich seiner Erfolgsaussichten umstritten, denn er setzt Freiwilligkeit voraus und es sind keine konkreten Verpflichtungen und Kontrollinstanzen enthalten (vgl. http://www.bpb.de/publikationen).

Eine andere Möglichkeit, die Arbeitssituation in den Entwicklungsländern zu verbessern, wäre die Einführung eines Überwachungssystems, wie es Krugmann/ Obstfeld (vgl. 2004, S. 376-377) beschreiben. Demnach sollen den Konsumenten in den Industrieländern Informationen über die Herstellungsweise von Produkten übermittelt werden, was durch die Überwachung von Betrieben in den Entwicklungsländern ermöglicht werden soll. Manche Ökonomen gehen davon aus, dass viele Konsumenten Güter bevorzugen, die von anständig bezahlten Arbeitern erzeugt wurden. Eine stärkere Maßnahme wäre es allerdings, Mindeststandards für Beschäftigungsverhältnisse, wie zum Beispiel Mindestlöhne, in den Handelsabkommen festzuschreiben. Damit die Entwicklungsländer ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verlieren, dürfen solche Standards allerdings nicht zu hoch angesetzt werden (vgl. Krugmann/Obstfeld, 2004, S. 377).

2.3 Umwelt- und Kulturfragen

Viele Kritiker der Globalisierung gehen über die Betrachtung der Arbeitswelt hinaus und weisen auf die zunehmende Belastung der Umwelt hin. Umweltschutz ist heute keine reine nationale Angelegenheit mehr. Luftreinhaltung, Klimaschutz, Schutz der Binnengewässer und der Weltmeere erfordern heute mehr denn je internationale Zusammenarbeit. Die Schwierigkeit dieses Problem wirtschaftlich zu lösen, liegt darin, dass die Kosten und Nutzen einer Umweltmaßnahme nicht immer bei demselben Entscheidungsträger anfallen, obwohl dieser die externen Kosten nur teilweise selbst zu spüren bekommt. Die Tragweite des Problems wird vergrößert, wenn die externen Kosten der Umweltverschmutzung auf nachfolgende Generationen übertragen werden (vgl. Peter Stein, 2004, S. 568). Wie die durch den Globalisierungsprozess verursachte Umweltbelastung aussieht, soll im Folgenden beschrieben werden.

Die Liberalisierung des internationalen Handels führte zu einem starken Anstieg des Welthandelsvolumens und parallel erhöhte sich die Nachfrage nach Transportdienstleistungen, was bis heute erhöhte Schadstoffemissionen zur Folge hat. Zudem wird das durch den Prozess der Globalisierung beschleunigte Verkehrs- und Wirtschaftswachstum von einem zunehmenden Energie- und Rohstoffverbrauch begleitet. Haushalte und Unternehmen produzieren zunehmend mehr Müll und es werden mehr Landflächen in Produktions-, Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Der Weltenergieverbrauch hat sich zwischen den Jahren 1950 und 1990 mehr als verdreifacht. Verschärft wird die ganze Situation durch den zunehmenden Wettbewerb, denn es besteht die Gefahr, dass das Bemühen der Unternehmen um Kosteneinsparungen zu Lasten der Umwelt geht, sofern der Umweltschutz mit Kosten für die Unternehmen verbunden ist (vgl. Bossert/Braun, 2004, S. 575-577). Die wichtigsten Themen, die sich aus unachtsamen Verhalten ergeben, betreffen die Veränderung der Atmosphäre und die dadurch drohende Störung des Weltklimas, die Zersetzung der Ozonschicht, die Abholzung der Regenwälder, weltregionale Trinkwasserknappheiten, die Überfischung der Meere und die Artenausrottung (vgl. Hubner, 1999, S. 193).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Argumente in der Globalisierungsdebatte. Auswirkungen der Globalisierung auf die Lebenswirklichkeit und die Lohnstrukturen von Wirtschaftsakteuren
Untertitel
Eine kritische Diskussion
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Wirtschaftswissenschaft)
Veranstaltung
Außenwirtschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V517900
ISBN (eBook)
9783346116369
ISBN (Buch)
9783346116376
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Außenwirtschaft, komparativer Kostenvorteil, Welthandel, Lohnstrukturen, Tobin-Steuer
Arbeit zitieren
Nikolai Sroka (Autor), 2006, Argumente in der Globalisierungsdebatte. Auswirkungen der Globalisierung auf die Lebenswirklichkeit und die Lohnstrukturen von Wirtschaftsakteuren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517900

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