Die Arbeit befasst sich inhaltlich mit einem Theorievergleich zweier soziologischer Gesellschaftstheorien, der Kritischen Theorie und der Systemtheorie, und bedient sich somit am Wissen der Soziologie. Die Arbeit beschränkt sich auf den Theorievergleich der stark differenzierten Menschenbilder beider Theorien. Somit stellt der inhaltliche Schwerpunkt der Arbeit eine Gegenüberstellung der Menschenbilder beider Theorien und deren Auswirkungen auf die Praxis der Sozialen Arbeit dar.
Zunächst wird die konkrete Fragestellung ausdifferenziert, um ein besseres Verständnis darüber zu erlangen, welcher Gegenstand in dieser Arbeit bearbeitet wird. Der darauffolgende Teil der Arbeit wird sich damit befassen, einen Überblick über die Kritische Theorie zu erlangen. Im Anschluss dazu wird das darin herrschende Menschenbild aufgezeigt und dessen Auswirkungen auf die Soziale Arbeit näher betrachtet. In einem weiteren Schritt wird ein Blick auf die Systemtheorie geworfen, wobei dessen Menschenbild und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Soziale Arbeit aufgezeigt werden. Beim Theorievergleich wird untersucht, inwiefern sich die Menschenbilder unterscheiden. Außerdem findet ein Vergleich der Auswirkungen beider Menschenbilder auf die Soziale Arbeit statt.
Laut dem Berufscodex von Avenir Social gehört es zu den Zielen und Verpflichtungen der Sozialen Arbeit, ihre fachlichen Erklärungen, ihre Methoden, ihre Vorgehensweisen und ihre Position im interdisziplinären Kontext zu gründen. Um eine professionelle Soziale Arbeit gewährleisten zu können, ist die Verwobenheit mit anderen Disziplinen, wie zum Beispiel der Soziologie, der Psychologie und der Medizin unerlässlich.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
FRAGESTELLUNG
DIE KRITISCHE THEORIE
DAS MENSCHENBILD DER KRITISCHEN THEORIE
DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE SOZIALE ARBEIT
DIE SYSTEMTHEORIE
DAS MENSCHENBILD DER SYSTEMTHEORIE
DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE SOZIALE ARBEIT
THEORIEVERGLEICH
FACHLICHE POSITIONIERUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der unterschiedlichen Menschenbilder der Kritischen Theorie und der Systemtheorie auf das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit, um eine theoretisch fundierte Basis für die tägliche Praxis zu schaffen.
- Vergleich der Menschenbilder von Kritischer Theorie und Systemtheorie.
- Analyse der Auswirkungen beider Theorien auf die Soziale Arbeit.
- Reflexion des professionellen Selbstverständnisses durch soziologische Gesellschaftstheorien.
- Diskussion über Herrschaftsverhältnisse versus operative Geschlossenheit von Systemen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Sozialarbeitenden im Kontext von Black-Box-Kommunikation und Politisierung.
Auszug aus dem Buch
DAS MENSCHENBILD DER KRITISCHEN THEORIE
Der Mensch befindet sich aus der Sichtweise der Kritischen Theorie in einem widersprüchlichen Spannungsverhältnis. Widersprüchlich darum, weil er einerseits kapitalistisch zugerichtet ist, was durch die Prozesse der Erziehung und der Sozialisation geschieht, andererseits wird der Mensch aber als freies Subjekt angesehen und zeichnet sich somit durch seine Handlung und Widerstandsfähigkeit aus. Die im Fokus der Kritischen Theorie stehenden Missstände der kapitalistischen Gesellschaft wie Leiden, Zerstörung und Unrecht werden als für den Menschen schädigend angesehen. Gleichzeitig reproduziert der Mensch aber diese Missstände. Diese durch den Menschen verursachende Reproduktion geschieht aufgrund des Prozesses der Externalisierung, der auf alle Menschen einwirkt und der den Menschen dazu verleitet, die Augen vor etwas Unangenehmen zu verschliessen. Dieser Schleier des Nicht-Wissen-Müssens prägt unsere ganz normale Alltagspraxis und Lebensführung. Damit das Anliegen der kritischen Theorie, den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft zu überwinden, erfüllt wird, muss das Beschweigen der Missstände durchbrochen werden und eine Politisierung stattfinden. Dies bedeutet, dass sich der Mensch aus Sicht der kritischen Theorie aktiv an der Überwindung der Missstände beteiligen muss.
Betrachten wir nun die Gesellschaft aus Sicht der Kritischen Theorie. Die Kritische Theorie geht von einer primär stratifizierten Gesellschaft aus. Dies bedeutet, dass der Mensch je nach Besitz und Eigentum unterschiedlichen Schichten in der Gesellschaft zugeordnet wird und dass die Gesellschaft vertikal - von oben nach unten – strukturiert ist. Aus dieser gesellschaftlichen Strukturierung resultieren zum einen Herrschaftsverhältnisse und zum anderen soziale Ungleichheit. Befindet sich ein Mensch in der oberen Schicht der Gesellschaft, verfügt er über Herrschaft, Einfluss, Reichtum und Luxus, Müssiggang und Freizeit und hat einen grossen Besitz an Produktionsmitteln. Das Leben im „Unten“ ist gekennzeichnet durch Unterdrückung, Machtlosigkeit, Überarbeitung, Mittellosigkeit, Armut und Ausbeutung. Nur wenn ein Mensch den Kriterien von „Oben“ entspricht, ist es für ihn möglich, aufzusteigen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung legt die Relevanz der Auseinandersetzung mit soziologischen Gesellschaftstheorien für die professionelle Soziale Arbeit dar und führt in den Theorievergleich ein.
FRAGESTELLUNG: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Menschenbildes und leitet die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss der Kritischen Theorie und Systemtheorie auf die Praxis ab.
DIE KRITISCHE THEORIE: Hier werden die Grundlagen der Kritischen Theorie sowie ihr Verständnis der kapitalistischen Gesellschaft und der Rolle des Menschen darin skizziert.
DAS MENSCHENBILD DER KRITISCHEN THEORIE: Dieses Kapitel vertieft die Sichtweise auf den Menschen im Spannungsfeld zwischen kapitalistischer Zurichtung und eigenem Handlungspotenzial.
DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE SOZIALE ARBEIT: Hier wird diskutiert, wie die Kritische Theorie zur Analyse von gesellschaftlichen Missständen in der sozialen Praxis anregt.
DIE SYSTEMTHEORIE: Dieser Abschnitt führt in die systemtheoretische Perspektive ein, bei der Funktionssysteme ohne Zentrum und operative Geschlossenheit im Vordergrund stehen.
DAS MENSCHENBILD DER SYSTEMTHEORIE: Es wird erläutert, warum der Mensch in der Systemtheorie kein System darstellt, sondern als Konglomerat verschiedener Systemtypen fungiert.
DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE SOZIALE ARBEIT: Das Kapitel betrachtet die systemtheoretische Kommunikation, bei der der Klient als Black-Box verstanden und Hilfe zur Selbsthilfe fokussiert wird.
THEORIEVERGLEICH: Eine Gegenüberstellung beider Theorien zeigt auf, dass sie zwar unterschiedliche Ziele verfolgen, aber beide wichtige Aspekte für das professionelle Handeln liefern.
FACHLICHE POSITIONIERUNG: Die Autorin reflektiert abschließend den instrumentellen Nutzen beider Theorien für das eigene professionelle Handeln.
Schlüsselwörter
Kritische Theorie, Systemtheorie, Soziale Arbeit, Menschenbild, Gesellschaftstheorie, Kapitalismus, Politisierung, Funktionssysteme, Black-Box, Kommunikation, Selbstreflexion, Soziale Ungleichheit, Handlungsfähigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe, Professionelles Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Menschenbilder der Kritischen Theorie und der Systemtheorie und untersucht, wie diese theoretischen Perspektiven das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die soziologische Fundierung sozialarbeiterischer Praxis, das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft sowie die Reflexion von Machtstrukturen und Kommunikationsprozessen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Welche Auswirkungen haben die Menschenbilder der Kritischen Theorie und der Systemtheorie auf die Soziale Arbeit?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen komparativen Ansatz (Theorievergleich) zweier soziologischer Gesellschaftstheorien und verbindet diesen mit einer fachlichen Selbstpositionierung als angehende Professionelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Menschenbilder der Kritischen Theorie und der Systemtheorie sowie deren spezifische Auswirkungen auf das Handeln und die Kommunikation in der sozialen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kritische Theorie, Systemtheorie, Soziale Arbeit, Menschenbild, Black-Box, Politisierung und professionelle Selbstreflexion charakterisiert.
Wie definiert die Kritische Theorie den Menschen im Vergleich zur Systemtheorie?
Während die Kritische Theorie den Menschen als handelndes Subjekt in einem widersprüchlichen gesellschaftlichen Spannungsverhältnis sieht, begreift die Systemtheorie ihn als ein Konglomerat aus psychischen, biologischen und sozialen Systemen, das selbst kein geschlossenes System bildet.
Warum wird der Begriff der "Black-Box" in der systemtheoretischen Sozialen Arbeit verwendet?
Er beschreibt, dass die Gedanken des Gegenübers für Sozialarbeitende nicht direkt zugänglich sind, sondern nur interpretiert werden können, was die Bedeutung einer anschlussfähigen Kommunikation betont.
Welche praktische Konsequenz zieht die Autorin aus dem Theorievergleich?
Die Autorin erkennt in beiden Theorien einen instrumentellen Wert: Die Kritische Theorie dient der kritischen Reflexion und Politisierung, während die Systemtheorie eine professionelle, anschlussfähige Kommunikation ermöglicht.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Welche Auswirkungen haben die Menschenbilder der Kritischen Theorie und der Systemtheorie auf die Soziale Arbeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517916