Hängt der Studienerfolg vom Geldbeutel ab? Vorbereitungen zu einer empirischen Untersuchung an der Universität Erfurt


Seminararbeit, 2006

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Fragestellung
1.3 Definitionen

2 Theorie
2.1 Theorie
2.2 Hypothesen

3 Empirischer Teil
3.1 Variablen
3.2 Operationalisierung
3.3 Grundgesamtheit und Stichprobe
3.4 Erhebungsinstrument
3.5 Validität und Reliabilität des Erhebungsinstruments
3.6 Zeitplan und Feldplanung
3.7 Fehlerprüfung
3.8 Reflexion der Feldarbeit

4 Ausblick

5 Literatur

6 Anhang

1 Einleitung

1.1 Problemdarstellung

Studiengebühren kommen. Zwei Bundesländer, nämlich Niedersachsen[1] und Baden-Württemberg[2],haben bereits allgemeine Studiengebühren in Höhe von 500 € im Parlament beschlossen. Auch Langzeitstudiengebühren gibt es seit geraumer Zeit in diversen Bundesländern[3]. Dadurch ging die Zahl der Langzeitstudenten deutlich zurück. Dennoch brauchen Deutsche Studenten im Schnitt zu lange für ihren Abschluss. Der Wissenschaftsrat hat diesbezüglich eine Studie[4] mit dem Titel „Entwicklung der Fachstudiendauer an Universitäten von 1999 bis 2003“ vorgelegt (entsprechende Untersuchungen gibt es auch für Fachhochschulen) und ein Nord-Süd-Gefälle bei der Studienzeit identifiziert. Studenten an Nordunis brauchen deutlich länger als ihre Kommilitonen im Süden der Republik. Dabei dient die angegeben Regelstudienzeit eher als unverbindliche Orientierung (Vgl. Abbildung 1). Laut dem Wissenschaftsrat liegt das neben der Tatsache, dass die Studiengänge schlecht organisiert sind und es zu wenig Beratung und Betreuung gibt, auch daran, dass viele Studierende nebenher arbeiten müssen um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Laut dem Spiegel[5] betrifft das rund Zweidrittel aller Studierenden. Offensichtlich wirkt sich also die finanzielle Lage eines Studenten auf die Länge seines Studiums aus. Aber auch auf seine Leistung? Zumindest die neue Pisa-Studie sieht eine scharfe, soziale Selektivität der Schüler bei Aufnahme auf das Gymnasium. „Ein 15-jähriger Schüler aus reichem Elternhaus bei gleicher Intelligenz und Wissensstand [...] habe eine vier Mal so große Chance, das Gymnasium zu besuchen und damit das Abitur zu erlangen, wie ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie.“[6] Ob ein Zusammenhang zwischen reichen Elternhaus und dem Studienabschluss besteht bleibt derweil offen.

1.2 Fragestellung

Die Studiendauer hängt also von der finanziellen Lage des Studenten wie oben gezeigt ab. Gilt dies auch für seine Leistung? Also, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Studienleistung und den Geldmitteln die ein Studierender zur Verfügung hat und wie wirkt sich, falls er nicht genug Rücklagen hat oder Unterstützung von den Eltern bekommt, eine Nebentätigkeit auf die Studienleistung aus? Inwiefern spielt das Bildungsniveau bzw. das Vermögen der Eltern eine Rolle bei dem Erreichen eines Hochschulabschlusses? Beim Erwerben des Abiturs ist es zumindest mitentscheidend nach der Pisa-Studie. Lässt sich das auch auf das Erlangen eines Studienabschlusses übertragen und welcher Zusammenhang würde dann zwischen der sozialen Schicht der Eltern und der Studienleistung des Kindes bestehen?

In unserem Projekt wurde versucht eine solche Untersuchung vorzubereiten, die Antworten auf diese Fragen bieten soll. Hierfür wurden Studenten der Universität Erfurt in einem Pretest per Fragebogen befragt um unser Erhebungsinstrument daraufhin zu prüfen ob es geeignet ist bei seiner Durchführung aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Es handelt sich also bei diesem Projekt um eine praxisrelevante Fragestellung, die durch Auswertung eines entsprechenden Fragebogens auch u.a. klären kann, ob z.B. der Bafög-Höchstsatz ausreicht, um in Erfurt als Student auch unter erträglichen Umständen leben und studieren zu können ohne irgendeine andere finanzielle Quellen außer Kindergeld zu haben.

Interessant könnte die Untersuchung vor allem für Studenten und deren Eltern sein, um zu sehen, mit wie viel Geld man monatlich auskommen kann und wie stark sich dieser Betrag an der selbstbezogenen Unterstützung durch die Eltern annähert.

Natürlich haben wir eine Vorstellung, wie dieser Zusammenhang der Tatsachen, die wir untersuchen, aussehen könnte. Diese ist natürlich intuitiv und subjektiv und in keinerlei Weise wissenschaftlich objektiv. Allerdings könnte man nach der Erhebung und Auswertung die tatsächlichen Ergebnisse mit unseren vermuteten vergleichen und Schlüsse daraus ziehen bzw. zeigen, in wie weit wir den Sachverhalt vorher bereits richtig eingeschätzt haben oder aber auch nicht. Das vermutete Ergebnis stellen wir uns ungefähr so vor:

Bis zu einem gewissen Betrag verhalten sich Studienleistung und Geld linear. Je mehr Geld, desto besser die Studienleistung. Dieser Betrag deckt vollständig alle Lebensunterhaltskosten und studienrelevante Aufwendungen ab. Unter diesen Betrag muss der Studierende durch Erwerbstätigkeit etwas dazuverdienen, Zeit die sich auf Kosten der Studienleistungen auswirken könnten. Alles was allerdings über den noch zu ermittelnden Betrag fällt und somit „Überschuss“ ist, spielt kaum eine Rolle für den Studienerfolg, da hier davon ausgegangen wird, dass der Zeitaufwand für ein Studium zumindest gleich sein könnte (näheres unter 2.1 Theorie) bei gleichen Fleiß, Intelligenz, Studiengang, Uni, usw.

Spekulierend könnte man auch vermuten, dass bei sehr großen finanziellen Geldmitteln die Studienleistung aber wieder sinken könnte, da hier das Geld ausgeben im Vordergrund steht und aufgrund der gesicherten finanziellen Verhältnisse das Studium eher zur Nebensache gerät. Letzteres wird sich aber kaum nachweisen lassen, da es an der Universität Erfurt höchstwahrscheinlich an Probanden mangelt, die dieses Kriterium erfüllen.

1.3 Definitionen

Die in der Fragestellung erwähnten zentralen Wörter – die da wären: Student/Studierender; Studienleistung; „monatlich zur Verfügung stehende Geldmittel“; „Bildungsniveau der Eltern“ - bedürfen einer klaren, begrifflichen Abgrenzung.

Student und als Synonym verwendet Studierender meint in diesem Sinne die Zielgruppe der Vollzeitstudenten an der Universität Erfurt, die nicht bei ihren Eltern wohnen, also einen eigenen Haushalt führen und mindestens im dritten Semester sind, da sie frühestens dann ihre Leistung halbwegs realistisch an der Universität einschätzen können. Im Pretest haben wir die Zielgruppe nochmals verkleinert auf nur MA-Studenten, da es bei dieser speziellen Gruppe besser möglich ist, ihre Studienleistung zu messen (Vgl. 3.2 Operationalisierung).

Denn Studienleistung kann man sicherlich in vielerlei Hinsicht betrachten und es ist möglich auch hochschulpolitisches Engagement, zusätzlich belegte Kurse zum Spracherwerb oder Praktika mit einzubeziehen, der Einfachheit halber orientieren wir uns aber am Notendurchschnitt eines Studenten, auch wenn dieser wieder von mehreren Faktoren wie Studienphase und Studiengang beeinflusst wird, die ebenfalls unberücksichtigt bleiben sollen. Vorteil der Befragung von MA-Studenten für den Pretest ist also, dass sie sicherlich ihre BA-Note kennen und somit sind diese Aussagen verlässlicher als wie die eines Studenten im BA-Studiengang, der erst mit Rücksichtnahme auf Fehler seinen Notendurchschnitt auf die schnelle errechnen bzw. abschätzen muss.

Die Verwendung der Wortgruppe „monatlich zur Verfügung stehende Geldmittel“ wird etwas anders verwendet als wie sonst üblich. Wir zählen dazu alle Einkünfte eines Studenten, also Bafög, Kindergeld, Unterstützung von Drittpersonen, Stipendien und Einkünfte aus Kapitalverzinsungen, aber ausgenommen der aus eigener Arbeit bezogenen Einkommen.

Regelmäßige Nebenjobs während des Studiums werden also nicht hinzugerechnet, da sie den Zusammenhang der untersucht wird torpedieren. Nebenjobs kosten Zeit und Mühe und gehen zu Lasten des Studiums (zumindest auf deren Dauer, wie die Studie des Wissenschaftsrates zeigt und eventuell auch auf die Leistung, was zu zeigen wäre). Eine undifferenzierte Betrachtung von allen Einkünften mit Nebenjob würde dazu führen, dass der nominell zur Verfügung stehende Geldbetrag einer Person, die arbeitet und einer, die nicht arbeitet eventuell gleich wäre, die Belastung des Studierenden durch seinen Nebenerwerb allerdings nicht berücksichtigt wird. Aus diesen Gründen werden Nebeneinkünfte aus selbstständiger Arbeit nicht als zur Verfügung stehende Geldmittel behandelt, von daher also extra erhoben und ausgewertet.

Das Bildungsniveau der Eltern wird in niedrig/mittel/hoch unterschieden und dadurch erhoben, dass der Proband die höchste Qualifikation von seinen Eltern angeben soll. Aufgrund dieses erlernten Berufes werden den Eltern Bildungsniveaus zugeordnet.

2 Theorie

2.1 Theorie

Wie bereits aus der Abhandlung der studienspezifischen Fragestellungen ergeht, fokussiert unsere Untersuchung den vermuteten Zusammenhang zwischen der Studienleistung und den verfügbaren finanziellen Mitteln der Studierenden. Unseren Überlegungen zu folge bedarf es eines bestimmten Grundbudgets zur Unterhaltssicherung, das es ermöglicht im angemessen Umfang studienrelevanten Aufgaben nachzugehen. Ist es dem Studenten jedoch nicht möglich diesen Sockelbetrag durch Unterstützungsleistung jedweder Art zu erreichen, besteht die Notwendigkeit der Selbstfinanzierung. Diese ist jedoch mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden, der sich negativ auf die benötigte Studienzeit auswirken könnte. Diese Grundannahme findet ihre Bestätigung durch die bereits angeführte Untersuchung des Deutschen Wissenschaftsrates aus dem Jahre 2003, sowie der in dreijährigen Abständen angelegten Trenderhebung zur wirtschaftlichen Lage der Studierenden in der Bundesrepublik vom Bundesministerium für Forschung und Bildung[7]. Im Gegensatz zu den angeführten Quellen interessierte uns hierbei nicht die nachgewiesene Ausdehnung der Studiendauer über die Regelstudienzeit hinaus, sondern vielmehr eine etwaige Verschlechterung der Studienleistung. Beachtet man die nicht unerheblichen Langzeitstudiengebühren, sowie die Tatsache, dass eine längere Studiendauer, die damit verbundene Finanzierungsfrage nicht vereinfacht, könnte sich hieraus die Bestrebung erklären lassen das Studium innerhalb des vorgesehen Zeitraumes, allerdings auf Kosten der Abschlussnoten, zu beenden. Dieser Betrachtungsweise folgend, lässt sich das vermutet Endergebnis wie untenstehend skizzieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Hypothesen

Da unsere eben dargestellte theorietragende Hauptthese ein Erklärungsansatz für divergierende Leistungspotentiale von Studierenden beinhaltet, läuft sie generell Gefahr von den zahlreichen anderweitig begründeten Theorien aus diesem Forschungsgebiet in Frage gestellt zu werden. So wird beispielsweise in der oben erwähnten Studie des Bundesministeriums für Forschung und Bildung auf eine Korrelation zwischen den Leistungsniveau eines Studenten und dem Bildungsniveau des Elternhauses hingewiesen. Dieselbe Erhebung wird auch genutzt um Beziehungen zwischen der Vorbildung und Studienleistung zu untersuchen. Zu unserer zweiten Grundannahme, bezüglich der negativen Bedingtheit von Nebenjobaktivitäten und dem studentischen Leistungspotential, wird von Ulrike Creß[8] in Ihrer Untersuchung über personale und situative Einflussfaktoren auf das selbstgesteuerte Lernen Erwachsner, sogar der Gegenbeweis angetreten. Frau Creß stellt in der Ergebnisanalyse ihrer Studie fest, das beide Variablen unkorreliert sind, „so dass die Lernzeit die ein Studierender aufwendet, primär in seinem typischen Lernverhalten begründet sein muss, nicht in seiner beruflichen Situation.“

[...]


[1] http://www.studis-online.de/HoPo/art-379-niedersachsen_beschliesst.php

[2] http://www.studis-online.de/HoPo/art-382-bawue-beschliesst.php

[3] http://www.studis-online.de/StudInfo/Gebuehren/

[4] http://www.wissenschaftsrat.de/texte/6825-05.pdf

[5] http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,364829,00.html

[6] http://www.welt.de/data/2005/11/01/797209.html

[7] Isserstedt, Wolfgang/ Middendorff, Elke/ Weber, Steffen/ Schnitzer, Klaus/ Wolter, Andrä 2004: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003, Langenhagen: poppdruck.

[8] Creß, Ulrike 1999: Personale und situative Einflussfaktoren auf das selbstgesteuerte Lernen Erwachsner. Regensburg: Roderer.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Hängt der Studienerfolg vom Geldbeutel ab? Vorbereitungen zu einer empirischen Untersuchung an der Universität Erfurt
Hochschule
Universität Erfurt  (Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung)
Veranstaltung
Übung zu Methoden + Statistik I
Note
1,3
Autoren
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V51792
ISBN (eBook)
9783638476683
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit enthält theoretische Vorüberlegungen, wie der Zusammenhang zwischen monatlichen Geldmitteln und Studienleistung, falls er exisitert, gemessen werden kann. Hierzu wurde auch ein Fragebogen erstellt und auf Validität überprüft. Die Überlegungen lassen sich generalisieren, so das diese Arbeit auch als Grundlage für Untersuchungen an anderen Universitäten dienen kann.
Schlagworte
Hängt, Studienerfolg, Geldbeutel, Vorbereitungen, Untersuchung, Universität, Erfurt, Methoden, Statistik
Arbeit zitieren
Martin Schultze (Autor)Alexander Kühn (Autor)Alexander Kewitsch (Autor), 2006, Hängt der Studienerfolg vom Geldbeutel ab? Vorbereitungen zu einer empirischen Untersuchung an der Universität Erfurt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51792

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