Der Aufbau der Textüberarbeitungskompetenz trägt im Wesentlichen zur Entwicklung der Schreibkompetenz von Schülerinnen und Schülern (SuS) bei und befähigt sie, Texte sach- und situationsangemessen zu verfassen. Dies ist nach den KMK-Standards (2005) ein wichtiges Ziel des Schreibunterrichts und das schon in der Grundschule. Auch in der schreibdidaktischen Forschung wurde die Relevanz von Textrevisionen längst erkannt, sodass sie als zentraler Bestandteil des Schreibprozesses angesehen werden. Studien bestätigen, dass die Förderung der Revisionsfähigkeit besonders wirksam für die Optimierung der Schreibqualität ist. Nach August (1988) besteht zudem der entscheidende Vorteil des Schreibens gegenüber dem Sprechen genau darin, dass Texte nachträglich veränderbar sind. Bei der Vermittlung des Unterschieds von Schriftlichkeit und Mündlichkeit handelt es sich ebenfalls um eine wesentliche Aufgabe des Deutschunterrichts. In der Unterrichtsrealität scheinen diese Erkenntnisse leider jedoch noch nicht überall präsent zu sein. Textüberarbeitungen besitzen dort nämlich meist noch nicht den Stellenwert, der ihnen eigentlich zusteht. Zu Revisionen kommt es im Schreibunterricht oft nur in Form von Verbesserungen orthographischer und grammatikalischer Fehler nach der Benotung des Textes durch die Lehrkraft. Es gibt allerdings auch Lehrpersonen, die sich z.B. mithilfe des Einsatzes von Schreibkonferenzen eine Verbesserung der Überarbeitungskompetenzen bei den Lernenden erhoffen, wobei der Erfolg dabei jedoch überschaubar bleibt, da die Kinder sich beim Revidieren hauptsächlich auf sprachliche Oberflächenphänomene beziehen, was auch Textverschlechterungen mit sich bringen kann. Ziel dieser Arbeit ist es daher herauszufinden, wie ein Schreibunterricht aussehen kann, der Textüberarbeitungen als einen selbstverständlichen unterrichtlichen Bestandteil integriert, bei dem die Revisionsfähigkeit der Lernenden effektiv gefördert wird und in welchem Überarbeitungen durch SuS zu einer Textverbesserung beitragen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schreibkompetenz
2.1 Schreibprozess
2.2 Überarbeiten als Subprozess
2.3 Schreibentwicklung
3. Schreibunterricht
3.1 Traditioneller Aufsatzunterricht
3.2 Prozessorientierter Schreibunterricht
4. Textüberarbeitung im Schreibunterricht
4.1 Begriff Textüberarbeitung
4.2 Textüberarbeitungskompetenz
4.3 Didaktisch-Methodische Umsetzung
4.3.1 Leitlinien für den Unterricht
4.3.2 Methodenüberblick
5. Exemplarische Unterrichtssequenz
5.1 Sequenzübersicht
5.2 Sachanalyse
5.3 Verlaufsplan
5.4 Methodisch-Didaktische Analyse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten zu identifizieren, wie Textüberarbeitung als integraler Bestandteil in den Schreibunterricht der Grundschule integriert werden kann, um die Revisionsfähigkeit der Lernenden effektiv zu fördern.
- Bedeutung der Schreibkompetenz und des Schreibprozesses
- Vergleich von traditionellem und prozessorientiertem Schreibunterricht
- Theoretische Fundierung der Textüberarbeitungskompetenz
- Methodische Ansätze zur Unterstützung von Revisionsprozessen
- Praktische Umsetzung in Form einer exemplaristischen Unterrichtssequenz
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Aufbau der Textüberarbeitungskompetenz trägt im Wesentlichen zur Entwicklung der Schreibkompetenz von Schülerinnen und Schülern (SuS) bei und befähigt sie, Texte sach- und situationsangemessen zu verfassen. Dies ist nach den KMK-Standards (2005, S.8) ein wichtiges Ziel des Schreibunterrichts und das schon in der Grundschule. Auch in der schreibdidaktischen Forschung wurde die Relevanz von Textrevisionen längst erkannt, sodass sie als zentraler Bestandteil des Schreibprozesses angesehen werden. Studien bestätigen, dass die Förderung der Revisionsfähigkeit besonders wirksam für die Optimierung der Schreibqualität ist (vgl. z.B. Philipp 2012). Nach August (1988) besteht zudem der entscheidende Vorteil des Schreibens gegenüber dem Sprechen genau darin, dass Texte nachträglich veränderbar sind. Bei der Vermittlung des Unterschieds von Schriftlichkeit und Mündlichkeit handelt es sich ebenfalls um eine wesentliche Aufgabe des Deutschunterrichts (vgl. Held 2006, S.28).
In der Unterrichtsrealität scheinen diese Erkenntnisse leider jedoch nicht überall angekommen zu sein. Textüberarbeitungen besitzen dort nämlich meist noch nicht den Stellenwert, der ihnen eigentlich zusteht. Zu Revisionen kommt es im Schreibunterricht oft nur in Form von Verbesserungen orthographischer und grammatikalischer Fehler nach der Benotung des Textes durch die Lehrkraft (vgl. Fix 2006, S.164). Es gibt allerdings Lehrpersonen, die sich z.B. mithilfe des Einsatzes von Schreibkonferenzen eine Verbesserung der Überarbeitungskompetenzen bei den Lernenden erhoffen, wobei der Erfolg dabei jedoch überschaubar bleibt, da die Kinder beim Revidieren hauptsächlich auf sprachliche Oberflächenphänomene beziehen, was auch Textverschlechterungen mit sich bringen kann (vgl. Feilke 1993, S.30). Ziel dieser Arbeit ist es daher herauszufinden, wie ein Schreibunterricht aussehen kann, der Textüberarbeitungen als einen selbstverständlichen unterrichtlichen Bestandteil integriert, bei dem die Revisionsfähigkeit der Lernenden effektiv gefördert wird und in welchem Überarbeitungen durch SuS zu einer Textverbesserung beitragen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Textüberarbeitung für die Entwicklung der Schreibkompetenz ein und begründet das Ziel, Wege für eine effektive Integration dieses Prozesses in den Grundschulunterricht zu finden.
2. Schreibkompetenz: Dieses Kapitel erläutert die komplexe Natur des Schreibprozesses, definiert Schreibkompetenz und beleuchtet die Teilprozesse wie das Überarbeiten und die Schreibentwicklung.
3. Schreibunterricht: Hier werden der traditionelle Aufsatzunterricht und der prozessorientierte Schreibunterricht gegenübergestellt, wobei der Fokus auf dem unterschiedlichen Stellenwert der Textüberarbeitung liegt.
4. Textüberarbeitung im Schreibunterricht: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Textüberarbeitung, beschreibt die Kompetenzanforderungen und stellt didaktisch-methodische Ansätze sowie konkrete Methoden vor.
5. Exemplarische Unterrichtssequenz: In diesem Teil wird eine Unterrichtssequenz für die vierte Jahrgangsstufe skizziert, die zeigt, wie Textrevisionen sinnvoll in den Schreibunterricht integriert werden können.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine gezielte Förderung der Revisionsfähigkeit durch eine angepasste Lernumgebung und methodische Unterstützung essenziell für den Erwerb von Schreibkompetenz ist.
Schlüsselwörter
Schreibkompetenz, Textüberarbeitung, Revisionsfähigkeit, Schreibprozess, Schreibunterricht, Grundschule, Schreibkonferenz, Textlupe, Texthand, Textproduktion, Schreibdidaktik, Prozessorientierung, Schreibentwicklung, Überarbeitungsstrategien, Textqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Textüberarbeitung als zentralem Bestandteil des Schreibprozesses im Grundschulunterricht und untersucht Wege, diese Kompetenz bei Schülern gezielt zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Schreibprozesses, der Vergleich zwischen traditionellem und prozessorientiertem Schreibunterricht sowie die didaktisch-methodische Umsetzung von Textrevisionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Textüberarbeitung als fester, wertgeschätzter Bestandteil in den Grundschulunterricht integriert werden kann, um die Revisionsfähigkeit der Lernenden effektiv zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller schreibdidaktischer Forschungsliteratur sowie der exemplarischen Ausarbeitung einer Unterrichtssequenz zur Anwendung dieser Erkenntnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Modelle zum Schreibprozess, die Definition der Textüberarbeitungskompetenz, den Vergleich didaktischer Konzepte sowie die praktische Vorstellung von Methoden wie Schreibkonferenz, Textlupe und Texthand.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Schreibkompetenz, Textüberarbeitung, Revisionsfähigkeit, Schreibprozess, Schreibkonferenz und prozessorientierter Schreibunterricht.
Warum ist der "adressatenbezogene" Schreibprozess so wichtig?
Die Arbeit hebt hervor, dass die Orientierung am Leser dem Schreibenden hilft, seinen Text kritisch aus einer externen Perspektive zu betrachten, was die Grundlage für effektive Textrevisionen bildet.
Was zeichnet die "Textlupe" als Methode aus?
Die Textlupe ist ein methodisches Hilfsmittel für Peer-Feedback, bei dem Schüler schriftliche Rückmeldungen zu den Texten ihrer Mitschüler geben, um diese gezielt bei der Überarbeitung zu unterstützen.
Wie hilft die "Texthand" Schülern beim Schreiben?
Die Texthand visualisiert verschiedene Qualitätskriterien eines Textes (wie Intention, Adressat, Wörter, Sätze) und dient als Leitmedium, um Schüler bei der Planung und Reflexion ihrer Texte zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Anna-Sophie Uhlig (Autor:in), 2019, Textüberarbeitung im Schreibunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517930