Ausländische Direktinvestition und Globalisierung in Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Brasiliens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Ausländische Direktinvestitionen – Begriffsbestimmung

III. Ausländische Direktinvestitionen in den MERCOSUR- Ländern Brasilien und Argentinien
1. Globalisierung in Lateinamerika
2. Allgemeine Entwicklung der Direktinvestitionen in Lateinamerika
3. Argentinien
4. Brasilien

IV. Fazit

V. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Erwartete Entwicklung der ADI in Lateinamerika

Abbildung 2: Ausländische Nettodirektinvestitionen in Argentinien

Abbildung 3: erwartete Entwicklung der ADI in Argentinien

Abbildung 4: Ausländische Nettodirektinvestitionen in Brasilien 1980-2003

Abbildung 5: Nettodirektinvestitionen in Brasilien nach Sektoren

Abbildung 6: Erwartete Entwicklung der ADI in Brasilien

Abbildung A-1: Die 30 am meisten vom Rückgang der DI betroffenen Volkswirtschaften 2002

Abbildung A-2 Top 30 der Empfänger von Direktinvestitionen 2002

Abbildung A-3: Nettodirektinvestitionen weltweit

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung im Rahmen des eklektischen Paradigmas

Tabelle 2: regionale Verteilung der Nettodirektinvestitionen 1999 - 2002 [Mrd. US $]

Tabelle 3 Ausländische Direktinvestitionen in Südamerika 1990-2002 [Mio. US$]

Tabelle A-1: Nettodirektinvestitionen in Lateinamerika 1990-2002 (bis 1999 Fünf-Jahres Durchschnitt)

Tabelle A-2: Nettodirektinvestitionen in Südamerika 1990-2002 (bis 1999 Fünf-Jahres Durchschnitt)

Tabelle A-3: Prozentuale Aufteilung der Direktinvestitionen in Brasilien nach Sektoren (1996-2002)

Tabelle A-4: Lateinamerika und Karibik: Strategien der nationalen Unternehmen in den 90er Jahren

Tabelle A-5: Einfluss von Unternehmens-, Branchen- und Ländercharakteristika auf OLI- Vorteile

I. Einleitung

Im Zuge der Internationalisierung der Produktion und der Globalisierung der Wirtschaft haben die ausländischen Direktinvestitionen v.a. seit den 80er Jahren weltweit immer stärker an Bedeutung gewonnen. Seitdem die ausländischen Direktinvestitionen 1997 erstmals den Wert von 400 Mrd. US-Dollar überschritten haben, sind sie zu einem wesentlichen Maßstab der Globalisierung geworden.[1]

Nach der sogenannten década perdida der lateinamerikanischen Volkswirtschaften in den 80er Jahren, gelang es vielen Ländern Lateinamerikas während der 90er Jahren mit der Abkehr von Staatsinterventionismus und Importsubstitution und der zunehmenden Liberalisierung der Außenwirtschaft ihre wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Durch diese tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Reformen gelang es den lateinamerikanischen Ländern, ihre Attraktivität für ausländische Anleger zu verbessern, deren Interesse sich wieder stärker nach Asien verlagert hatte. Vor allem Argentinien und Brasilien gewannen zunehmende Bedeutung als Anlageländer und entwickelten sich während der 90er Jahre zu den Hauptempfängerländern der gesamten Region Lateinamerikas.

Seit dem Jahre 2001 zeichnet sich mit dem Konjunktureinbruch in den USA ein weltweiter Rückgang der ausländischen Direktinvestitionszuflüsse ab. Bedingt durch die nationalen Krisen in Brasilien, Argentinien und Venezuela traf der Rückgang der Direktinvestitionen die Länder Lateinamerikas im besonderen Maße.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchenden, in wieweit der drastische Rückgang der ausländischen Direktinvestitionszuflüsse in Argentinien und Brasilien das Ergebnis eines weltweiten Abwärtstrend ist bzw. in welchem Maße die nationalen und intraregionalen Bedingungen zu der Abnahme der Direktinvestitionen beigetragen haben. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen seit Anfang der 90er Jahre in beiden Ländern.

II. Ausländische Direktinvestitionen – Begriffsbestimmung

„Direktinvestitionen sind internationale Kapitaltransfers im Rahmen einer unternehmerischen Tätigkeit im Ausland, d.h. Investitionen in Unternehmen in einem anderen Land als dem Heimatland des Investors.“[2]

Ziel der Direktinvestition ist es, unmittelbaren Einfluss und Kontrolle auf die Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens im Ausland auszuüben. Darüber hinaus dienen Direktinvestitionen - als langfristige Kapitaltransfers mit einer Bindungsdauer von über einem Jahr - dem Zweck, dauerhafte Wirtschaftsverbindungen zu schaffen.

Diese beiden Kriterien, die Schaffung langfristiger Wirtschaftsverbindungen und die unmittelbare Einflussnahme, werden auch in der Terminologie des Internationalen Währungsfonds genannt: „The Fund’s Balance of Payments Manual defines foreign direct investment as investment made to acquire a lasting interest in a foreign enterprise with the purpose of having an effective voice in its management.“[3]

Generell unterscheiden sich Direktinvestitionen von den sogenannten „Portfolioinvestitionen“, - eine weitere Form der Auslandsinvestition - dadurch, dass letztere lediglich finanzwirtschaftliche Vorteile durch den Kauf ausländischer Wertpapiere oder anderer Kapitalanlagen, wie Investmentzertifikate, festverzinsliche Wertpapiere oder Minderheitsbeteiligungen ohne Einflussmöglichkeit anstreben.[4]

Die Direktinvestitionen können vielfacher Gestalt sein: Es können Geld- und Sachkapital ins Ausland transferiert werden, aber auch Humankapital, das jedoch aufgrund der Schwierigkeit einer empirischen Messung oft vernachlässigt wird.

Die Mindesthöhe einer Kapitalbeteiligung an einem ausländischen Unternehmen für eine Direktinvestition ist von Land zu Land verschieden, liegt aber im allgemeinen zwischen 10% und 25%.[5] Je nach Anteil der Kapitalbeteiligung des ausländischen Investors variieren auch seine Einfluss- und Kontrollmöglichkeit auf die Geschäftstätigkeit des ausländischen Unternehmens.

Aufgrund der komplexen Charakteristika der Direktinvestitionen und der entsprechenden Schwierigkeiten ihrer genauen und vollständigen Erfassung und Bewertung, ist es bisher nicht gelungen, das Thema der DI in einen einheitlichen, alle Aspekte umfassenden theoretischen Modellrahmen zu integrieren. Neben zahlreichen makroökonomischen Ansätzen, in denen Direktinvestitionen vorwiegend als internationale Kapitalströme behandelt werden, sind ebenso viele mikroökonomische Ansätze zu finden, die sich eher mit der unternehmensspezifischen Perspektive auseinandersetzen. Neben monetären- und realwirtschaftlichen Aspekten sowie Wettbewerbs- und Internalisierungsaspekten, sind jedoch auch die raumwirtschaftlichen Aspekte der Direktinvestition als mobiler Standortfaktor nicht zu vernachlässigen. (Eine Übersicht über die Eigenschaften und Merkmale von DI findet sich bei Döhrn/ Heiduk, s. Anhang A-6).

Der einzige bisher existierende umfassende Erklärungsansatz der Internationalisierung von Unternehmen, stammt von Dunning. In seiner Theorie, dem sogenannten „eklektischen Paradigma“ verknüpft er Standort-, Wettbewerbs- und Internalisierungsaspekte miteinander.

„Dabei erklärt er nicht nur die Entscheidung zur Durchführung von DI, sondern auch andere Arten grenzüberschreitender Unternehmensaktivitäten wie Export oder vertragliche Vereinbarungen (z.B. Lizenzen) in Abhängigkeit von der jeweils vorliegenden Wettbewerbskonstellation.“[6]

Ein Unternehmen wird nach Dunning dann eine Direktinvestition tätigen, wenn drei Vorraussetzungen erfüllt sind:

(1) „ O wnership advantages“, der Besitz unternehmensspezifischer Nettowettbewerbsvorteile gegenüber den auf dem Auslandsmarkt tätigen Unternehmen (z.B.: technisches und betriebliches Know How, Kapitalintensive Produktion).

(2) „ I nternalization advantages“ Internalisierung der Eigentumsvorteile durch eine Ausweitung der Aktivitäten innerhalb der eigenen Firmenhierarchie, anstatt diese Eigentumsvorteile (technologisches und betriebliche Know-how etc.) durch Lizenzen oder andere vertragliche Vereinbarungen zu vergeben.

(3) „ L ocalization advantages“ Standortvorteile des Gastmarktes gegenüber dem Heimatmarkt. Hierbei spielen Faktoren wie die Liberalisierung der Wirtschaft, die Marktgröße (erweiterte Märkte durch regionale Integration etc), Ressourcen- und Humankapitalausstattung des Landes, Infrastruktur und gesetzliche Regelungen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Sind alle drei Vorteilsarten erfüllt, wird ein Unternehmen nach Dunning eine DI tätigen. Liegen jedoch Standortvorteile des Heimatlandes gegenüber dem Gastland vor, so wird ein Unternehmen im Inland produzieren und den Markt des Gastlandes mit Exporten bedienen. Besitzt ein Unternehmen lediglich unternehmensspezifische Vorteile und sieht sich Internalisierungsnachteilen gegenüber, so wird es seine Vorteile über den Markt veräußern, z.B. im Rahmen einer Lizenzvergabe, und auf eine unternehmensinterne Verwertung des Wissens verzichten.[7]

Tabelle 1: Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung im Rahmen des eklektischen Paradigmas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Döhrn/ Heiduk (1999), S. 32 (nach Dunning).

Die jeweiligen Vorteilsarten verteilen sich darüber hinaus unterschiedlich auf Länder, Branchen und Unternehmen und erklären so die Unterschiede des Umfangs und der Richtung von Direktinvestitionen in bestimmten Branchen oder Ländern (s. Anhang, Tabelle A-5). Somit erlaubt das eklektische Paradigma über diese Systematisierung nach verschiedenen Einflussebenen hinaus auch eine Differenzierung nach verschiedenen Investitionsmotiven wie Ressourcen-, Markt-, oder Effizientorientierung.[8]

Unter Ressourcenorientierten Direktinvestitionen versteht man Direktinvestitionen, die getätigt werden, um die ergiebigen Rohstoffquellen zu nutzen, über die das jeweilige Anlageland verfügt.

Kosten- oder Effizienzorientierte Direktinvestitionen werden getätigt, wenn unter gestiegenem Wettbewerbsdruck (z.B.: gestiegene Lohnkosten für ein relativ arbeitsintensives Unternehmen) am bisherigen Standort nicht mehr wettbewerbsfähig produziert werden kann. Es kommt dann zu einer „kostenorientierten“ Produktionsverlagerung oder –Ausweitung, um die Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens auf dem Weltmarkt zu erhöhen. Für die angestrebten Effizienzsteigerung des Unternehmens tragen die landeseigenen Faktoren wie Humankapital und Ressourcen entscheidend bei.

Absatz- bzw. marktorientierte Direktinvestitionen treten zum Beispiel dann an die Stelle von Güterexporten, wenn andernfalls Marktanteile in dem betreffenden Land nicht (mehr) gehalten oder ausgeweitet werden können. Die Gründe für marktorientierte Direktinvestitionen können zu lange Transportwege oder eine bessere und sorgfältigere Kundenbetreuung vor Ort sein. Auch eine aus beschäftigungspolitischen Gründen bevorzugte Vergabe öffentlicher Aufträge an im Land ansässige Unternehmen oder die Umgehung hoher Importbarrieren können Firmen dazu bewegen, marktorientierte Direktinvestitionen zu tätigen.[9]

III. Ausländische Direktinvestitionen in den MERCOSUR- Ländern Brasilien und Argentinien

1. Globalisierung in Lateinamerika

Unter dem Begriff der Globalisierung versteht man die aufgrund der gesunkenen Transport- und Kommunikationskosten weltweite Intensivierung und Ausweitung des Handels (Güter und Dienstleistungen), der Kapitalbewegung und der Migration, seit Ende der 80er Jahre, wobei die höchsten Wachstumsraten bei den Direktinvestitionen zu verzeichnen sind.[10]

Im Zuge des Globalisierungsprozesses hat sich seit einigen Jahren ein Trend durchgesetzt, bei dem die ressourcenbasierte Produktion immer stärker durch wissensbasierte Produktionsprozesse, die mit Hilfe der neuen Transport- und Kommunikationstechnologien auf nahezu dem gesamten Globus angesiedelt werden können, abgelöst wird. Weltweit ist eine zunehmende Präsenz multinationaler Unternehmen zu beobachten, die ihre Produktions- und Absatzplanung nach globalen Kosten- Nutzen-Strategien ausrichten, bei denen landesspezifische (komparative) Kostenvorteile mit unternehmensspezifischen (kompetitiven) Wettbewerbsvorteilen kombiniert werden.

Dabei stehen immobile Standortfaktoren wie Infrastruktur, Boden, investiertes Kapital und sesshafte Arbeitnehmer im Wettbewerb mit anderen Standorten. Die immobilen Standortfaktoren müssen möglichst attraktiv für die mobilen Produktionsfaktoren wie Finanzkapital, innovative Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte sein.[11] Dies gilt insbesondere für die lateinamerikanischen Volkswirtschaften, die aufgrund ihrer außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und einer v.a. durch hohe Auslandsverschuldung chronischen „Sparlücke“ auf ausländische Kapitalanleger angewiesen sind.

Eine mögliche Strategie um Marktpotentiale zu vergrößern stellt die Bildung (sub-)regionaler Integrations- und Handelsräume in Lateinamerika dar, wie die Gründung des MERCOSUR (Mercado Común del Sur) im Jahre 1991 zwischen den Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Die Vereinbarungen über einen gemeinsamen Außenzoll und die Liberalisierung der Märkte führte zu einer kontinuierlichen Ausweitung des intraregionalen Handelsvolumen.

Durch die verringerten Transaktionskosten innerhalb des MERCOSUR sowie den größeren Absatzmarkt hat die Region als Standort für marktorientierte Direktinvestitionen, v.a. im sekundären Sektor, in den 90er Jahren stark an Attraktivität gewonnen. Abgesehen vom raschen Rückgang der letzten drei Jahre ist der Anstieg des Handlesvolumen der MERCOSURländer beeindruckend: Waren es zu Beginn des Jahres 1991 lediglich 5,1 Mrd. US Dollar, so erreichten die Länder im Jahre 1998 bereits ein Handelsvolumen von 18,3 Mrd. Dollar. Davon entfällt allein auf den Warenaustausch zwischen Brasilien und Argentinien ein Löwenanteil von 14,8 Mrd. Dollar, insgesamt rund 80%.[12]

Allerdings haben die nationalen Krisen in Brasilien, Argentinien und Uruguay den gemeinsamen Markt zunehmend geschwächt. Die Abwertung des Reals seit Januar 2001, der bis zum März 2002 42% seines Wertes einbüßte und die anhaltende Rezession führten zu einer starken Abnahme des Handlesvolumens auf nur noch 12 Mrd. Dollar.

2. Allgemeine Entwicklung der Direktinvestitionen in Lateinamerika

Die ausländischen Direktinvestitionen haben v.a. während der 90er Jahre eine herausragende Bedeutung für die Internationalisierung der Produktion und die weltwirtschaftliche Entwicklung erhalten. Die Direktinvestitionen, die 1997 erstmals den Wert von 400 Mrd. US$ überschritten und damit um das zehnfache im Vergleich zum Anfang der 80er Jahre gestiegen waren, galten nun als wichtigster Maßstab für die Globalisierung der Wirtschaft.[13]

Seit dem Jahre 2001 ist weltweit ein allgemeiner Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen festzustellen, der sich schon seit 2000 in Lateinamerika und Afrika abzeichnet. Im Jahre 2001 erreichten die weltweiten Nettodirektinvestitionen nur noch 735 Mrd. Dollar, d.h. rund 51% der im Vergleich zum Vorjahr registrierten Kapitalflüsse von 1 492 Mrd. Dollar.

Tabelle 2: regionale Verteilung der Nettodirektinvestitionen 1999 - 2002 [Mrd. US $]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CEPAL (2002), S. 32 u. S. 23

Der Rückgang der ADI-Zuflüsse in Lateinamerika ist im Jahr 2002 im Verhältnis zu den beiden Vorjahren mit insgesamt –33% am stärksten. Betrugen die absoluten Höchstzahlen 1999 noch 108 Mrd. US$, so waren die Zuflüsse der ADI im Jahr 2002 mit 56 Mrd. Dollar nur noch ca. halb so hoch.

Die hauptsächlichen Gründe für die Rückgänge der ADI lagen für die Region Lateinamerikas neben den weltweiten Abwärtstrends und dem Konjunktureinbruch in den USA v.a. im allgemein geringen Wirtschaftswachstum Lateinamerikas, dem zuneige gehenden Privatisierungsprozess sowie den nationalen Krisen in Argentinien, Uruguay und Venezuela. Gleichzeitig sah sich der internationale Markt mit einer protektionistischen Politik ausgehend von den USA konfrontiert, die 2002 die Importe mit Handelsbeschränkungen versahen. Die abnehmende Tendenz der ADI-Zuflüsse war sowohl von Land zu Land als auch je nach Wirtschaftssektor unterschiedlich stark ausgefallen.[14]

Die Entwicklung der Direktinvestitionszuflüsse in der Region Südamerika und in den einzelnen Ländern ist in Tabelle 2 übersichtlich dargestellt. Haben die durchschnittlichen ADI-Zuflüsse in Südamerika zwischen der ersten und der zweiten Hälfte der 90er Jahre um ein fünffaches, von 9 000 Milliarden auf 45 000 Millionen Dollar zugenommen, so betrugen sie 2002 nur noch 27 000 Millionen Dollar. Dabei ist in den Ländern des MERCOSUR und Chile seit 2000 mit insgesamt -22% der größte Rückgang in der Region Südamerika (insgesamt -18%) und Lateinamerika insgesamt (-13%) festzustellen.

Tabelle 3 Ausländische Direktinvestitionen in Südamerika 1990-2002 [Mio. US$]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CEPAL(2002), S. 32.

In der Region des MERCOSUR und Chile, die v.a. marktorientierte ausländische Unternehmen angezogen hat, ist der Zustrom der ADI v.a. durch den zuneige gehenden Prozess der Privatisierung und die ökonomischen Krisen in Argentinien und Uruguay, sowie durch das geringe Wirtschaftswachstum in Brasilien und Chile seit dem Jahr 2000 rückläufig. Die Comunidad Andina, die v.a. ressourcenorientierte Direktinvestitionen attrahierte, blieb deshalb von dem immensen Rückgang der ADI weniger stark beeinflusst.

V.a. die Argentinienkrise war für die Verschlechterung der Direktinvestitionszuflüsse in die Region des MERCOSUR und Südamerikas verantwortlich und beeinflusste den gesamten MERCOSUR und die mit ihm assoziierten Mitglieder Bolivien und Chile. Das allgemeine Klima der Rezession, die Instabilität des Geldwertes und des Wechselkurses erhöhte die Zurückhaltung und Vorsicht der Investoren.

Letzteres war v.a. in den Reihen der ausländischen Unternehmen zu spüren, die in die lokalen und subregionalen Märkte durch marktorientierte DI eingetreten waren. Diejenigen, die keine oder kaum Möglichkeiten hatten, ihre Tätigkeiten auch auf außerregionale Exporte umzulenken, waren am stärksten von der Rezession der Region und den Auswirkungen der Argentinienkrise betroffen.

Um andere Möglichkeiten für das Exportgeschäft zu schaffen, versuchten die Länder Südamerikas durch Handelsabkommen neue Absatzmöglichkeiten zu bilden. Auf diese Weise traf Chile im Jahre 2002 Freihandelsabkommen mit den USA und mit der EU.

Auch Brasilien vereinbarte ein gesondertes Abkommen mit den Vereinigten Staaten über den Handel mit Textilprodukten und mit Mexiko die Automobilbranche betreffend.[15]

Aufgrund der drastischen Veränderungen der Bedingungen im südamerikanischen Raum v.a. durch den Mangel an der Faktoren, wie den Privatisierungsprozess, die Geldwertstabilität etc., die noch in den 90er Jahren für den starken Anstieg der ADI gesorgt haben, sind die Unternehmen dazu gezwungen worden, ihre Strategien und Investitionen zu verändern.

Seit 2002 hat sich ein neuer Trend etabliert, der sich durch eine stärkere Orientierung der DI hinsichtlich der überregionalen Exportförderung im industriellen Sektor charakterisiert. Die ADI-Zuflüsse im tertiären Sektor haben seit 2001 zugunsten des Sekundären Sektors abgenommen. Insbesondere in Brasilien hat die Automobilbranche von dieser Entwicklung profitiert. Der von der argentinischen Krise und anderen Faktoren beeinträchtigte interne Markt des MERCOSUR, in den Jahren 2001-2003 stark an Attraktivität verloren hat wird somit teilweise durch Sonderabkommen umgangen.

Die multinationalen Unternehmen haben ihre Strategien von einer marktorientierten hin zu einer stärker effizienz- und strategieorientierten Entwicklung verändert, die eine höhere Wettbewerbsfähigkeit durch Produktivitäts- und Effizienzsteigerung voraussetzt.

Sei 2003 befinden sich die ausländischen Direktinvestitionen wieder auf einem Aufwärtstrend, der sich Prognosen der Dresdner Bank Lateinamerika zufolge auch im Jahre 2004 fortsetzen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Erstellung nach Daten der Dresdner Bank (2004) (p= Prognose, s= Schätzung)

Abbildung 1: Erwartete Entwicklung der ADI in Lateinamerika

[...]


[1] Vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S. 6.

[2] Reddig, Bertram (1989), S. 20.

[3] IMF (1985), S. 28.

[4] Vgl. Bea, Stephan (1995), S. 6.

[5] So spricht sich die OECD für eine Mindestbeteiligung von 10% aus, während die Empfehlung des Internationalen Währungsfonds eine Kapitalbeteiligung von 25% an einem Unternehmen in einem anderen Land empfiehlt.(vgl. OECD (1996)

[6] vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S. 46.

[7] vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S.45 ff

[8] vgl. Döhrn/ Heiduk (1999)

[9] vgl. Donges, Juergen, B. (1981)

[10] vgl. Foders (1998), S.15ff.

[11] vgl. Sangmeister, Hartmut (2003)

[12] vgl. AHK-Rio de Janeiro (2002), S. 6ff.

[13] Vgl. Döhrn/ Heiduk, (1999)

[14] vgl. CEPAL (2002)

[15] vgl. CEPAL (2002)

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Ausländische Direktinvestition und Globalisierung in Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Brasiliens
Hochschule
Universität zu Köln  (Staatswissenschaftliches Seminar)
Veranstaltung
Sommersemster 2004
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V51833
ISBN (eBook)
9783638476973
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausländische, Direktinvestition, Globalisierung, Lateinamerika, Beispiel, Argentiniens, Brasiliens, Sommersemster
Arbeit zitieren
Iris Gasch (Autor), 2004, Ausländische Direktinvestition und Globalisierung in Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Brasiliens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51833

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