Diese Arbeit widmet sich dem Skandal, den die beiden Bilder "Der Schrei" (1893-1910) und "Die Verzweiflung" (1892) des norwegischen Malers Edvard Munch in der damaligen Zeit entfachten. Wie allseits bekannt, prägte Munch dem Expressionismus. Exemplarisch dafür steht vor Allem sein Werk "Der Schrei", welches anders als alle anderen damaligen Werke war und für so viel Entsetzen sorgte, sodass Munch auf etwas andere Art und Weise zu Weltruhm gelangte.
In allen Mündern, die sich die Menschen über den Maler zerrissen, so zerrissen war auch Edvard Munchs Seele, die ihn in wohl letztendlich dazu bringt, paralysierende Angst und Tod in seinen Bildern darzustellen und den Betrachter unverschont damit zu konfrontieren. Zur damaligen Zeit unvorstellbar und gar unerhört den Ausstellungsbesucher solchem Geschmiere auszusetzen – ein Anblick, der für das Publikum kaum ertragbar war.
Zu Beginn dieser Arbeit soll eine generelle Bildbeschreibung der beiden Werke "Die Verzweiflung" und "Der Schrei" Edvard Munchs stehen. Ersteres wird vorangehend beschrieben, da es als Vorwerk zum ein Jahr später entstandenen Werk "Der Schrei" angesehen wird. Als Hauptteil der Arbeit folgt der Skandal um die beiden Bilder, der durch das damalige hoch konservative Ausstellungspublikum entstand, weite Kreise zog und Munch gar nicht mehr loslassen wollte.
Daraufhin sollen die Gründe für den Skandal einzeln und ausführlich erläutert werden, wobei hier als erstes auf den größten Ausstellungsskandal Munchs in Berlin eingegangen werden soll. Weiterhin ist es essenziell die ungewöhnlichen Themen, wie Tod, Angst und Verzweiflung, von denen sich Edvard Munch bedient, in den Fokus zu rücken und dessen Ursprünge zu analysieren. Hier soll auch auf das unglückliche Familienschicksal Munchs Bezug genommen werden, das er in seinen beiden Bildern wohl zu verarbeiten versuchte. Anschließend ist eine kunsthistorische Einordnung unerlässlich.
Die Bilder Munchs sollten mit denen anderer Maler verglichen werden, um den Skandal um seine Werke – aber auch seine Fortschrittlichkeit – besser verstehen zu können. Hier ist es wichtig, nationale Maler wie Anton von Werner und Max Liebermann heranzuziehen, aber auch nach Frankreich zu blicken, wo bereits der Impressionismus zuhause war. Zum Schluss soll noch Bezug auf ähnliche Darstellungen im Bezug auf "Der Schrei" und "Die Verzweiflung" genommen werden, ebenso wie Werke anderer Maler, die den Norweger inspiriert haben könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildbeschreibung
2.1. „Die Verzweiflung“
2.2. „Der Schrei“
3. Der Skandal um die Werke „Der Schrei“ und „Die Verzweiflung“
4. Der Skandal im Kontext
4.1. Ausstellung in Berlin und das konservative Publikum
4.2. Psychologische Malerei: Tod und Angst als zentrales Thema
4.3. Kunsthistorische Einordnung
4.3.1. Deutschland
4.3.2. Frankreich
4.3.3. Ähnliche Darstellungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und künstlerischen Ursachen für den Skandal, den die Werke „Der Schrei“ und „Die Verzweiflung“ von Edvard Munch im konservativen Berlin Ende des 19. Jahrhunderts auslösten. Dabei wird analysiert, wie Munch durch seine radikale, psychologische Malweise die etablierten Sehgewohnheiten seiner Zeit herausforderte und damit den Grundstein für den Expressionismus legte.
- Analyse der Bildsprache und inhaltlichen Motive von Edvard Munchs Schlüsselwerken.
- Untersuchung des zeitgenössischen Ausstellungsskandals im Kontext der konservativen deutschen Kunstszene.
- Psychologische Deutung der Themen Angst, Tod und Einsamkeit im Werk des Künstlers.
- Kunsthistorische Vergleiche mit zeitgenössischen deutschen und französischen Malstilen.
Auszug aus dem Buch
Psychologische Malerei: Tod und Angst als zentrales Thema
„[…] Nie zuvor hatte ein Maler sein Innerstes derart nach außen gekehrt.“ Dieses Zitat veranschaulicht das damalige „Neue“ und einen Grund für den Skandal um Munchs Werke „Der Schrei“ und „Die Verzweiflung“. Er war der erste Maler, der in seinen Werken versuchte, sein inneres Seelenleben dem Betrachter zu zeigen und diesen direkt damit anzusprechen, gar zu konfrontieren. Der polnische Schriftsteller und ein guter Freund Munchs Stanislaw Przybyszewsky bezeichnete diese Art von Malerei als „Psychischer Naturalismus.“ Die Spitze dessen, erreichte das Werk „Der Schrei“ in dem ein geschlechterloses, geistartiges Wesen mit weit aufgerissenem Mund und Augen, mit zugehaltenen Ohren sich direkt zum Bildbetrachter wendet. Dieser wird darauf schonungslos gezwungen sich mit den Emotionen auseinanderzusetzen. Munch verzichtet daher gänzlich auf eine beschönigende Darstellungsweise und fokussiert sich auf die nach außen gerichtete Darstellung von Gefühlen wie Angst, Tod und Verzweiflung, die in der damaligen konservativen Gesellschaft stets im Verborgenen gehalten wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Arbeit, die sich den Skandalen um Munchs Werke „Der Schrei“ und „Die Verzweiflung“ widmet und die Zielsetzung sowie methodische Herangehensweise erläutert.
2. Bildbeschreibung: Detaillierte visuelle Analyse der beiden Werke sowie Einbettung in das Serienkonzept „Der Fries des Lebens“ unter Berücksichtigung der Entstehungsgeschichte.
3. Der Skandal um die Werke „Der Schrei“ und „Die Verzweiflung“: Darstellung der negativen Resonanz des zeitgenössischen Publikums und der harten Kritik, die Munchs „Drastik“ auslöste.
4. Der Skandal im Kontext: Analyse der gesellschaftlichen Umstände in Berlin, der psychologischen Hintergründe von Munchs Schaffen sowie ein Vergleich mit anderen künstlerischen Positionen jener Zeit.
5. Fazit: Zusammenfassende Würdigung der künstlerischen Leistung Munchs und seines Einflusses auf die Entwicklung des Expressionismus trotz anfänglicher Anfeindungen.
Schlüsselwörter
Edvard Munch, Der Schrei, Die Verzweiflung, Expressionismus, Skandal, Kunstgeschichte, Berlin, Psychologische Malerei, Angst, Tod, Einsamkeit, Moderne, Bildmotivik, Impressionismus, Subjektive Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Bedeutung des Skandals, der Edvard Munchs berühmte Gemälde „Der Schrei“ und „Die Verzweiflung“ im späten 19. Jahrhundert umgab.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die bildliche Analyse der Werke, die soziokulturelle Rezeption in Berlin sowie die psychologischen Hintergründe des Künstlers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die künstlerische Fortschrittlichkeit Munchs zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie er mit seinen radikalen Themen den Grundstein für den Expressionismus legte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Werkanalyse und vergleicht diese mit anderen Künstlern der Moderne, um die Einzigartigkeit Munchs im zeitgenössischen Kontext zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Skandalgeschichte in Berlin, Munchs psychologischem Ansatz sowie einer Einordnung in den europäischen Kunstkontext.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wesentlichen Schlagworte sind Munch, Expressionismus, Skandal, Angst, Moderne und psychologische Malerei.
Warum wurde gerade das Bild „Die Verzweiflung“ als Vorwerk analysiert?
Die Arbeit identifiziert „Die Verzweiflung“ als Vorwerk, um die Weiterentwicklung der Darstellung und die thematische Kontinuität bei Munch besser nachvollziehen zu können.
Inwiefern beeinflussten persönliche Schicksalsschläge das Werk?
Das Familienschicksal Munchs, geprägt von Krankheit und Tod, wird als zentraler Katalysator für die emotionale Intensität seiner Bilder und die Wahl seiner Motive analysiert.
- Citation du texte
- Juliane Breit (Auteur), 2019, Der Skandal um "Der Schrei" und "Die Verzweiflung" von Edvard Munch. Tod und Angst als Thema der Kunst und kunsthistorische Einordnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518346