Text-Bild-Relation am Beispiel der Digitalen Edition zu Paul Klees Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre


Seminararbeit, 2019

41 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die digitale Edition zu Paul Klees „Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre“

3. Text-Bild-Relation am Beispiel der digitalen Edition zu Paul Klees Unterrichtsnotizen
3.1. Das Problem der Bild-zu-Bild Beziehung
3.2. Erschließung der Abbildungen
3.3. Die Notwendigkeit der Verschlagwortung mit TEI
3.4. Textgenese anhand von TEI
3.5. XML-Untersuchung der digitalen Edition

4. Vergleich mit anderen digitalen Editionen
4.1. Digitale Edition der „Theodor Fontane: Notizbücher“
4.2. Digitale Edition zu „Vincent van Gogh - The Letters“

5. Ausblick

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungen

9. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit widmet sich der Beziehung zwischen Text und Bild in der vom Paul Klee Zentrum herausgegebenen Digitalen Edition zu Paul Klees Unterrichtsnotizen der „Bildnerischen Formlehre“ sowie auch der „Bildnerischen Gestaltungslehre“.

Zu Beginn dieser Arbeit, soll zuerst das Projekt und die dazugehörigen Hintergrundinformationen erklärt werden, um den Leser eine Wissensbasis für das Verständnis der kommenden Inhalte der Arbeit zu geben. Es werden die verschiedenen bereits erschienenen Editionen genannt, ebenso wird auch auf die Problematik bzgl. der Chronologie von Paul Klees Unterrichtsnotizen eingegangen. Folglich muss auch der Aufbau der Website an sich betrachtet werden, der letztendlich zum Kern dieser Arbeit führt, die Text-Bild-Relation. Hier wird besonders auf die technische Umsetzung des Textes an sich, sowie auch der Einspeisung der Bilder und des Verhältnisses beider Dinge zueinander eingegangen. Ein weiteres Manko des digitalen Projektes in Bezug auf die Text-Bild-Relation, wird die fehlende Verschlagwortung mittels XML bzw. TEI sein. Hier sollen Lösungsvorschläge und mögliche Herangehensweisen erläutert werden, was letztendlich auch zur Textgenese der nur schwer datierbaren Unterrichtsnotizen von Paul Klee beitragen soll. In Relation dazu, interessiert ebenso der technische Aufbau der Website, die folglich im Aufbau untersucht werden soll, da das Projekt selbst, darüber keine transparenten Daten stellt. Wichtig ist anhand der bis dato gewonnenen Informationen der digitalen Edition zu Paul Klees Unterrichtsnotizen, diese mit anderen ähnlichen digitalen Editionen in diesem Fall „Theodor Fontanes Unterrichtsnotizen“ und „Vincent van Gogh The Letters“ zu vergleichen. Hier werden sich deutliche Vor- und Nachteile v.a. in Bezug auf die umgesetzte Text-Bild-Relation offenbaren.

Der Ausblick, soll anhand dieser vorherigen Vergleiche das Entwicklungspotenzial für die digitale Edition zu Paul Klee analysieren und mögliche Chancen vor Allem in Relation zu den anderen beiden digitalen Editionen aufzeigen. Zusammenfassend wird zu guter Letzt ein Resümee gezogen.

2. Die digitale Edition zu Paul Klees „Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre“

Das Projekt dieser Digitalen Edition herausgegeben im Jahre 2012 durch das Zentrum Paul Klee in Bern gefördert durch den Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, umfasst ca. 3900 lose Seiten mit Unterrichtsnotizen des Künstlers Paul Klee (1879 – 1940), während seiner Professur von 1921 bis 1931 am Bauhaus in Dessau und Weimar. Dieses Unterrichtsmaterial wird als sogenannte „Bildnerische Gestaltungslehre“ benannt. Des Weiteren enthält die Digitale Edition ebenso ein Notizbuch, die sogenannten „Beiträge zur Bildnerischen Formenlehre“ bzw. der „Pädagogische Nachlass“. Dieser befindet sich seit 1956 im Besitz der Paul-Klee- Stiftung des Berner Paul Klee Zentrums. Noch im selben Jahr, wurde eine gedruckte zweibändige Edition zur Form- und Gestaltungslehre von Jürg Spiller herausgegeben, „Das Bildnerische Denken“ (1956) sowie die „Unendliche Naturgeschichte“ (1970)1. Allerdings kritisierte die Wissenschaft seine Editionen sehr, da Spiller den Aufbau der Manuskripte veränderte und auch eigene nicht gekennzeichnete Änderungen vornahm. Ebenso schaffte dieser nicht die Dynamik der Aufzeichnungen Paul Klees gerecht zu werden und publizierte ein in sich abgeschlossenes Werk2. 1979 gab Jürgen Glaesemer eine weitere gedruckte Edition als Faksimile mit Transkription heraus3. Anders wie in der digitalen Edition, entschied sich Glaesemer, farbige Darstellungen und Anmerkungen nicht farbig zu reproduzieren, was das Verständnis der Skizzen Paul Klees deutlich hemmt und auch der Aussagekraft dessen nicht gerecht wird. Somit wurde sich in der Vergangenheit immer wieder die Aufgabe einer Neuordnung der vielzähligen Blätter Klees gemacht, die Klee 1928 anhand eines von ihm selbst erstellen Inhaltsverzeichnisses nummerierte. Hierin bestand allerdings auch die Schwierigkeit der Digitalen Edition, da durch mehrere Personen bzw. auch durch Klee selbst beim Repetieren der Vorlesungen, die Reihenfolge immer wieder geändert wurde. Somit mussten die losen Blätter in sinnvolle und zusammenhänge Themengebiete eingeordnet werden, da das Feststellen einer chronologischen Reihenfolge nicht möglich war. Ca. 500 Seiten waren zusammenhangslos oder unklar in der Datierung. Diese wurden in der digitalen Edition somit zum Schluss in den Anhang gepackt (Cano 2012; Scholger 2016, S. 2 f.)4.

Die digitale Edition zeigt sich generell mit einem übersichtlichem Baumdiagramm, das sich in Punkt A. „Bildnerische Formlehre“, sowie in Punkt B. die „Bildnerische Gestaltungslehre“ gliedert (Abb. 1). Vorneweg findet sich eine Einleitung mit Informationen zum Quellenmaterial, Erklärungen zur Transkription und zur Datenbank. Die „Bildnerische Formlehre“ zeigt unmittelbar ein Unterrichtsnotizbuch von Paul Klee. Generell gestaltet sich der Aufbau der digitalen Edition zur linken Hand mit dem digitalen Faksimile und zur rechten Hand die Transkription (Abb. 2)5. Die parallelisierte Darstellung von Faksimile und Transkription, sogenannte „synoptische Darstellung“ von Bild und Text, wird den Hauptteil dieser Arbeit füllen, da es sich in dieser digitalen Edition nicht um eine solche Relation handelt, sondern um eine Bild-zu-Bild-Beziehung und somit einiges an Potenzial verschenkt (Jannidis et al. 2017, S. 235). Im Gegensatz zur „Bildnerischen Formlehre“, ist der Aufbau der „Bildnerischen Gestaltungslehre“ technisch durch das Baumdiagramm anspruchsvoller gestaltet und in 24 thematisch verschiedene Kapitel gegliedert. Diese sind nochmals in folgende Unterpunkte unterteilt; I. allgemeiner Teil6, II. Planimetrische Gestaltung7, III. Stereometrische Gestaltung8 und schließlich der bereits erwähnte Anhang mit den nicht eindeutig zuordnungsbaren Seiten (Eggelhöfer et al. 2012)9. Zu jeder in die Datenbank eingespeiste Datei als Faksimile, werden zumeist folgende Metadaten anhand eines „Info-Buttons“ angeboten: Künstler, Kapitel, Unterkapitel mit Datierung (wenn möglich), Inhalt, Inventar Nummer, Maße, Technik, Standort sowie die Bezeichnung (Abb. 3). Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine sehr ausführliche PDF-Datei mit Erläuterungen zum Download, die ebenso durch einen Button anwählbar ist. Es wird auch die Möglichkeit angeboten, jede Seite inklusive Transkription in PDF als druckfertige Datei herunterzuladen. Zur besseren Übersicht der einzelnen Seiten wird ein Button zur Kapitelübersicht angeboten. Darin werden die einzelnen Seiten nebst Transkription als Miniaturbilder im jpeg-Format dargestellt. Auch ein Hilfebutton mit einem roten Fragezeichen, findet sich am oberen rechten Rand der digitalen Edition, der Erklärungen zur Navigation und zur Suchfunktion bietet.

Die Transkription berücksichtigt die ursprüngliche Orthografie Paul Klees, Fehler in der Rechtschreibung werden korrigiert und kursiv dargestellt, die originale Schreibweise wird allerdings in den Fußnoten angeführt. Für eine bessere Lesbarkeit wurde der Geminationsstrich über den Buchstaben „m“ und „n“ zu „mm“ und „mn“ korrigiert, fehlende Interpunktion wird allerdings nicht berücksichtigt. Einfügungen sowie auch Streichungen werden stets in den Fußnoten angegeben bzw. durch Schrägstriche und durchgestrichene Wörter dargestellt (Scholger 2016, S.4-6).

Des Weiteren ist es wichtig zu erwähnen, dass es sich in der digitalen Edition des Paul Klee Zentrums in Bern um keine historisch-kritische Edition handelt. Anders als im Skizzenbuch Bürgi von Wolfgang Kersten, in dem ein gesondert beiliegendes Begleitheft die kunsthistorische Bedeutung herausstellt, aber auch kritisch Stellung zu den historischen Quellen nimmt (Kersten 2014, S. 292)10. Laut der Website des Paul Klee Projekts auf www.kleegestaltungslehre.zpk.org/html/Zum_Quellenmaterial wurde zur besseren Verständlichkeit und zur besseren Übersicht für den User online auf eine historisch-kritische Edition verzichtet. Daher soll sich die digitale Edition lediglich auf die parallelisierte Darstellung von Faksimile und Transkription beschränken.

3. Text-Bild-Relation am Beispiel der digitalen Edition zu Paul Klees Unterrichtsnotizen

Die bereits angesprochene Nebeneinander-Stellung von Faksimile und Transkription dessen, ist in der digitalen Edition über Klees Notizen essenziell. Ohne diese Gegenüberstellung wäre das reine Faksimile wohl nicht verständlich bzw. die Schrift nicht immer eindeutig lesbar und identifizierbar. Lediglich die Zeichnungen wären zur erkennen, aber der didaktische Zweck wäre, ohne gut lesbaren Text durch die Transkription oft nicht eindeutig festzumachen. Zwar können Bilder laut Butzke „[…] schon auf der Ebene des Signifikanten, unabhängig von möglichen Bedeutungen, z.B. affektive oder neurophysiologische Reaktionen auslösen“, aber um einen sinnstiftenden und didaktischen Zweck zu erfüllen, benötigen diese Art von Bilder – wie auch im Beispiel des Paul Klee Projekts – eine gut lesbare Transkription mit Kennzeichnung von Änderungen oder Einfügungen11. Wiederum nur die Sprache allein ist für Butzke ebenso nicht hinreichend und führt weiters an:

Denn während die Sprache aufgrund ihrer hohen Kodiertheit relativ mühelos Korrelationen zwischen der Ausdrucks- und Inhaltsebene herstellt und ein sprachliches Element deshalb sofort als Zeichen identifiziert wird, muss das Bild einen Kode erst instaurieren. (Butzke o.J., S. 2)

Dies bedeutet, dass ein Bild erst anhand von Sprache erläutert werden muss, um die tiefere Aussage dessen besser verstehen zu können – es muss somit ein neuer Kode für den Interpreten eingeführt werden. Hierbei ist es jedoch vom Interpreten und seiner bisherigen Erfahrung selbst abhängig, welches Bildelement als Signifikant bzw. als am bedeutungsvollsten angesehen wird. Anders als in der Sprache, in der bereits ein Wort an sich eine gewisse Bedeutung trägt und vermittelt, wird ein Bildelement also erst aufgrund einer „[…] beim Interpretieren zugewiesenen Bedeutung zum Signifikanten (Kode-Instaurierung)“ (S. 3). Da es sich in dieser digitalen Edition um keine historisch- kritische Form dessen handelt, ist leider der didaktische Zweck der Unterrichtsnotizen von Paul Klee sehr eingeschränkt zugänglich. Der Betrachter muss an dieser Stelle sehr viel Hintergrundwissen und eigene Interpretation anwenden, um die Aussagen des Autors verstehen zu können. Die Transkription selbst, beinhaltet lediglich Paul Klees Beschriftungen und Notizen, die aber an manchen Stellen chaotisch wirken und Zeichnungen ohne weiteren erläuternden Text nicht immer eindeutig verstanden werden können. Ebenso wird in der Transkription auf eine digitale Übernahme der grafischen Symbole Paul Klees z.B. in vektorisierter Form gänzlich verzichtet. So wirkt das Transkript sehr lückenhaft und der Text steht zwar an richtiger Stelle wie im Faksimile, aber auf einer sonst leeren weißen Fläche wie in Abb. 2. Auch wird keine Unterscheidung zwischen Fließtext und Bildunterschrift angestrebt was zusätzlich noch unübersichtlich wirkt (Scholger 2016b).

Im Fall des Paul Klee Projekts ist es besonders hervorzuheben, dass es unumgänglich ist auf das Faksimile zu verzichten. Die Transkription allein reicht nicht aus, zumal in dieser ohnehin schon das am meisten Sinnstiftende der Notizen vernachlässigt wurde – die Zeichnungen und Skizzen Klees. Das Faksimile trägt hier somit zusätzlich den Wert der Ästhetik, der nur durch die Hand des Künstlers selbst ausgeübt werden kann, jedoch nicht durch eine technische Transkription etwa durch computerbasierte Verfahren. Also würde hier eine reine textuelle Transkription ohne Faksimile keinen Sinn machen, da der Leser so nicht erkennen kann, auf welchen Gegenstand sich Paul Klee bezieht und welchen pädagogischen Zweck er an jener Stelle vermitteln will. Somit schlussfolgert Butzke:

[…] dass ein Text diese Unterstützung genauso einem Bild zur Verfügung stellen kann und sogar muss, oder, anders herum gesagt, ein Bild, das sekundäre Bedeutungen generieren soll, ist auf die Kooperation mit einem Text angewiesen. (S. 3)

Bezogen auf das Paul Klee Projekt ist somit die parallelisierte Darstellung von Faksimile und Transkription unerlässlich, denn auch laut Pankow, ist „[…] die räumliche Nähe […] hier das einzige Indiz für die Zusammengehörigkeit der Information. Diese räumliche Verbindung fördert damit die Indizierung von Bild und verbalem Zeichen“.12 Jene „räumliche Nähe“ wird zusätzlich verstärkt durch einen mouse-over-effect bzw. einer JavaScript-Programmierung, der den angewählten Textteil mit Hilfe von CSS- Formatierungen, anhand von gelb-transparente Quader parallel hervorhebt, sodass der Leser erkennt, welchen Abschnitt er gerade betrachtet (Abb. 4)13. Jedoch vermisst man Zusatzinformationen oder historisch-kritische Kommentare zum jeweiligen Abschnitt und die Interpretation des pädagogischen Lehrinhalts Paul Klees bleibt nach wie vor dem Leser überlassen (Scholger 2016b).

3.1. Das Problem der Bild-zu-Bild Beziehung

Wie bereits erwähnt stößt man allerdings bei der genaueren Untersuchung des Textes auf Probleme. Bei dem Versuch den Text zu untersuchen fällt auf, dass dieser zwar nur optisch ein Text zu sein scheint, allerdings ein Bild im jpeg-Format ist, das auch das Faksimile beinhaltet. Der Text kann also lediglich als sehr verlustbehaftete jpeg-Datei mit dem Abbild des Faksimiles gespeichert werden. Des Weiteren, entfällt somit auch eine optimale Maschinenlesbarkeit und der Text lässt sich nicht wie gewohnt durch den Benutzer durchsuchen. Hyperlinks werden ebenso nicht angeboten, die auf weitere verwandte Seiten mit ähnlichem Inhalt oder ergänzenden Informationen hinweisen. Auffallend ist auch die schlechte Webauflösung der Faksimiles, wohingegen allerdings die PDF-Druckversion eine deutlich höhere Auflösung bietet. Hier hätte man also auch in der Webansicht hochauflösende Bilder zur Verfügung gehabt, vermutlich wurde sich aber für die weboptimierte Auflösung entschieden, um lange Ladezeiten für den User zu verhindern. Scholgers Vorschlag einen Image Viewer mit Zoom-Funktion zur Verbesserung der Bildqualität einzubetten und auch lange Ladezeiten für den Benutzer zu verhindern wäre eine sinnvolle Alternative (S. 11). Dadurch wäre auch die Funktion des „Durchblätterns“ besser gewährleistet und der Leser müsste nicht jede einzelne Seite anklicken – auch wenn das „Durchblättern“ wie bei einem analogen Buch in digitaler Form so nur schwer umgesetzt werden kann (Pankow 2000, S. 249).

Durch die Bild-zu-Bild-Verknüpfung ist es nicht möglich, das Faksimile vom eigentlichen Transkript zu trennen. Somit entfällt auch ein Download des reinen Textes oder gar mehrere auswählbaren Textpassagen, sowie auch nur der Faksimiles (Scholger 2016 a). Auch eine Einheitlichkeit in der PDF-Druckversion ist nicht vorhanden, da einerseits wie bereits erwähnt, Faksimiles gemeinsam mit der Transkription heruntergeladen werden können. Andererseits fällt auf, dass es auch PDF-Druckversionen nur mit Faksimile gibt, nach dem sich eine zweite Seite mit den angegebenen Metadaten der Homepage befindet. Die Einspeisung des Textes anhand von Bildern entschleunigt deutlich das Potenzial der digitalen Edition, denn auch auf Bildannotationen oder - manipulationen, was für den Leser deutlich mehr Informationsgehalt bieten würde, wird gänzlich verzichtet. Ebenso existiert kein downloadbares oder auch online-verfügbares eBook der digitalen Edition der kompletten „Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre“ Klees14. Der Text als Bild gewährt keine Einspeisung von Daten in einen Zeitstrahl oder gar von ortsspezifischen Daten auf einer Karte: vor Allem für den User wäre ein Zeitstrahl der Entstehungszeiträume der einzelnen Notizen Klees – insofern diese belegbar und eindeutig sind – sehr nahrhaft an Informationen und ein besserer zeitlicher Überblick könnte somit erreicht werden. Denn anders als bei der digitalen Edition der Fontane Notizbüchern15, in der die Transkriptionen sehr genau abgeschrieben wurden (sog. „diplomatische“ bzw. „hyperdiplomatische“ Transkription), handelt es sich in der der digitalen Edition von Paul Klees Unterrichtsnotizen nicht um eine genetisch-kritische und kommentierte Edition.16

Ein weiteres Problem der Bild-zu-Bild-Beziehung ist die schlechte Auffindbarkeit der Suchmaschinen des Internets wie z.B. Google, da der Text der Website als jpeg-Datei davon nicht durchsucht werden kann (Milde 1999, S. 200). Die eigene Suchleiste der Website findet Ergebnisse bei Anfragen wie „Quadrat“, „Kreis“, „100“ und „grün“. Diese werden in der Paginierung Klees aufsteigend angezeigt; links jeweils ein Miniaturbild des Faksimiles mit Transkription und rechts davon ein Ausschnitt, in dem der eigegebene Suchbegriff aufgefunden und gelb hervorgehoben wird (Abb. 5). Leider ist es allerdings durch den Text als Bilddatei nicht möglich den eingegebenen Suchbegriff direkt im Text selbst hervorzuheben, da die jpeg-Datei wie bereits erwähnt, nicht maschinenlesbar ist und somit auch nicht direkt über die Suchfunktion angegeben werden kann. Auffallend ist dennoch, dass in der Zwischenübersicht der Suchergebnisse zu rechter Hand der Miniaturbilder ein maschinenlesbarer Text im Hintergrund zur Verfügung stehen muss, da hier der eingegebene Suchbegriff gelb hervorgehoben wird (Scholger 2016, S. 7-15). Zusammenfassend ist die Einspeisung der Transkriptionen als jpeg-Datei paradox, wenn anhand der Suchanfragen hervorgeht, dass ein maschinenlesbarer Text im Hintergrund existieren muss. Denn dieser würde viel weniger Speicher- sowie Ladekapazität in Anspruch nehmen, als der Text als Bilddatei neben dem Faksimile.

3.2. Erschließung der Abbildungen

Aufgrund der Bild-zu-Bild Verknüpfung, lässt das Projekt nicht zu Hyperlinks in die Transkription einzufügen, was zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung der Lehrinhalte Klees beitragen würde. Wäre der Text nicht als jpeg-Datei dargestellt, wäre es möglich bestimmte Begriffe, die sich auf andere Notizen seines Lehrmaterials beziehen zu verknüpfen und den User auf die korrelierende Seite bei Klick auf den Hyperlink weiterzuleiten. Auch in den vorhandenen Annotationen wären Hyperlinks zu erläuternden Seiten sehr sinnvoll und Paul Klees Unterrichtsmaterial könnte somit dem Leser viel dynamischer zugänglich gemacht werden17. Des Weiteren wäre die Transkription als Text mit einem mouse-over-effect deutlich gehaltvoller an Information. Damit wäre es möglich, weitere Informationen und Erläuterungen zum jeweiligen Begriff oder zur Textstelle gegeben werden, beispielsweise könnten unklare Begriffe die Paul Klee verwendet so kurz erklärt werden, oder Zusatzinformationen, die nicht in der Transkription selbst erwähnt eingefügt werden.

Wie bereits erwähnt, wurden in den Transkriptionen trotz Darstellung als jpeg-Datei die Paul Klees Skizzen bzw. deren geometrische Formen aus grafischer Sicht nicht übernommen. Stattdessen wird der Leser mit viel weißer Fläche konfrontiert in der sich verteilt, je nach Faksimile, einzelne Begriffe oder Wörter beispielsweise wie im Transkript von Abb. 2 befinden. Somit sollten die farbigen Darstellungen in den Faksimiles auch in das Transkript übernommen werden, damit der Text nicht isoliert zum Faksimile gezeigt wird. Die Digitalisierung der Skizzen Klees würde somit auch weiteres Potenzial für Verweise beispielsweise zu ähnlichen geometrischen Formen geben und diese könnten nach Verschlagwortung mittels TEI (Text Encoding Initiative) miteinander verlinkt werden. Denn bis dato ist es nur über die Suchfunktion möglich, gleiche Formen beispielsweise einen „Stern“ auf den dementsprechenden Seiten zu finden. Klees Skizzen der einzelnen Notizbuchseiten sind allerdings nicht miteinander dynamisch via Hyperlinks verknüpft. Immerhin scheint bereits eine Verschlagwortung bezüglich der seiteninternen Suchfunktion – wenn auch nicht für öffentliche Suchmaschinen – vorhanden zu sein. Eine Digitalisierung der Skizzen, würde auch eine digitale Reproduzierbarkeit bzw. Wiederverwendung dessen gewährleisten und eine Download- Funktion im PDF-Format, der digitalisierten Objekte wäre für akademische Nutzer durchaus sinnvoll (Heyer und Wolff 1999, S. 108f.; Milde 1999, S. 201f.).

3.3. Die Notwendigkeit der Verschlagwortung mit TEI

Leider gewährt das Paul Klee Projekt keine Einsicht in das XML Schemata oder auf eine Verschlagwortung mittels TEI18. Dabei stellt TEI den Kern des Editionsstandards dar, sodass eine Modellierung des Gegenstandes, in diesem Falle Texte bzw. Dokumente semantisch einfacher erschlossen werden können (Milde 1999, S. 201f.)19. Die aktuelle Fassung P5 (Proposal 5) beruht auf einer XML-basierten Sprache, die anhand von vielzähligen Elementen beispielsweise Textsorten (Handschriften, Dichtungen, Wörterbücher, gesprochene Sprache), Textphänomene (Namen, Daten, Orte, Tabellen, Grafiken), wissenschaftliche Anwendungen (Textkorpora, textkritische Apparate) oder textanalytische Zwecke (Parallelisierung, Segmentierung, Verknüpfungen) auszeichnen kann (Jannidis et al. 2017, S. 245f.)20. TEI dient somit für die Übersetzung von Form in Inhalt anhand der Benennung von Elementen und Attributen. Es entstehen dabei Inhaltsobjekte, die hierarchisch geordnet werden, sogenannte „Ordered Hierarchies of Content Objects“ (OHCOs) (Jannidis et al. 2017, S. 246).

Orientiert man sich an dem Beispiel von Jannidis et al. (S. 246), müsste somit auch für das Paul Klee Projekt folgendes TEI-Schema gelten: zu Beginn der TEI-Header, der alle Angaben außer den Text selbst enthält. Darin befindet sich das Element <fileDesc> das alle Angaben zur vorliegenden Datei miteinschließt. Im Element <titleStmt> finden sich alle Titelinformationen, wohingegen im Element title der wirkliche Titel des Dokuments angegeben wird. Im Element <publicationStmt> werden Informationen zur Publikation angegeben und in der <sourceDesc> folgt die Beschreibung der Quelle bzw. der Vorlage. Somit schließt sich der TEI-Header und beinhaltet folglich alle wichtigen Metadaten über den Text. Es folgt das Element <sourceDoc> also das transkribierte Dokument, das wiederum anhand des Elements <surface> einzelne Seiten bestimmt. Dies untergliedert sich weiterhin in <zone> also einen einzelnen Schriftbereich und in <line>, in eine Zeile mit Schrift. Als nächstes wird das übergeordnete Element <text> angegeben, worin sich der eigentliche und abstrakte Text befindet. Im <body> findet sich der Text selbst ohne Paratexte und anhand des Elements <div> kann ein Textteil beispielsweise ein einzelnes Kapitel ausgezeichnet werden, welches wiederum mehrere Absätze <p> besitzt (S. 246). Somit könnte eine Beispielseite stark vereinfacht wie folgt als TEI-Dokument aussehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Kersten, Wolfgang F. (2014): Authentizität oder Kompromiss? Zur internationalen Editionsgeschichte von Paul Klees Schriften. In: Michael Stolz (Hg.): Internationalität und Interdisziplinarität der Editionswissenschaft. [… Beiträge der 14. internationalen Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Germanistische Edition zum Thema "Internationalität und Interdisziplinarität der Editionswissenschaft", die vom 15. bis 18. Februar 2012 an der Universität Bern, Schweiz, stattfand]. Berlin: De Gruyter (Beihefte zu Edition, Bd. 38), S. 291–301, S. 291.

2 Scholger, Martina (2016b): Paul Klee – Bildnerische Form- und Gestaltungslehre. RIDE: A review journal for digital editions and resources. Online verfügbar unter https://ride.i-d- e.de/issues/issue-4/klee/?pdf=1689, zuletzt geprüft am 24.05.2019, S. 4.

3 Eggelhöfer Fabienne; Keller Tschirren Marianne (2012b): Zum Quellenmaterial. Unter Mitarbeit von Christine Burger, Marco Näpflin und Würsch Helen. Paul Klee Zentrum Bern. Online verfügbar unter http://www.kleegestaltungslehre.zpk.org/html/Zum_Quellenmaterial.pdf, zuletzt geprüft am 24.05.2019; Cano, Maria Teresa (2012): Medienmitteilung: Paul Klee – Bildnerische Form- und Gestaltungslehre online. Paul Klee Zentrum Bern. Online verfügbar unter http://web.archive.org/save/https://www.zpk.org/de/service- navigation/medien/medienmitteilungen-2012/paul-klee-n-bildnerische-form-und- gestaltungslehre-481.html, zuletzt geprüft am 02.06.2019.

4 Förster, Katja (2001): Paul Klee: Die Kunst des Sichtbarmachens. In: Journal für Kunstgeschichte 2001 (4), S. 371–377, hier S. 371 f.; Eggelhöfer, Fabienne; Keller Tschirren, Marianne; Thöner, Wolfgang (Hg.) (2012): Meister Klee! Lehrer am Bauhaus. [Katalog … anlässlich der Ausstellung "Meister Klee! Lehrer am Bauhaus", Zentrum Paul Klee, Bern, 31. Juli 2012 - 6. Januar 2013]; Ostfildern: Hatje Cantz; Eggelhöfer et al. 2012, S. 32 – 33.

5 Eggelhöfer Fabienne; Keller Tschirren Marianne (2012a): Paul Klee - Bildnerische Form- und Gestaltungslehre. Unter Mitarbeit von Christine Burger, Marco Näpflin und Würsch Helen. Zentrum Paul Klee, Bern. Online verfügbar unter http://www.kleegestaltungslehre.zpk.org, zuletzt geprüft am 12.07.2019.

6 Dieser Teil setzt sich mit den Grundsätzen der bildnerischen Gestaltung auseinander.

7 Hier finden sich zweidimensionale Formen wie Kreis, Dreieck und Quadrat.

8 Paul Klee beschäftigte sich darin mit dreidimensionalen geometrischen Körpern, wie z.B. Pyramiden, Oktaeder, Kugeln und Kegel.

9 Hierbei handelt es sich beispielsweise um Inhaltsverzeichnisse, Textentwürfe, Vorlesungspläne sowie andere Notizen (Eggelhöfer et al. 2012, S. 35).

10 Kersten, Wolfgang (2002): Paul Klee - das "Skizzenbuch Bürgi", 1924/25. Studienausg. Zürich: Zip, S. 13-15.

11 Butzke, Stephan (o.J.): Ein schwieriges Verhältnis aus der Sicht der Semiotik: Text und Bild. Online verfügbar unter https://www.geisteswissenschaften.fu- berlin.de/v/littheo/methoden/semiotik/anwendungen/butzke_textbild.pdf, zuletzt geprüft am 02.06.2019, S. 1f.

12 Pankow, Christiane (2000): Wie die Wahl des Mediums die Herausbildung von Stilmerkmalen beeinflusst. In: Ulla Fix und Hans Wellmann (Hg.): Bild im Text - Text und Bild. [Symposion vom 6. - 8. April 2000 in Leipzig]. Heidelberg: Winter (Sprache - Literatur und Geschichte, 20), S. 243– 257.

13 Heyer, Gerhard; Wolff, Christian (1999): Strukturierungsmethoden für Hypermediadokumente und ihre Umsetzung. In: Henning Lobin (Hg.): Text im digitalen Medium. Linguistische Aspekte von Textdesign, Texttechnologie und Hypertext Engineering. Opladen: Westdt. Verl., S. 89–119, S. 108.; Milde, Jan-Torsten (1999): Effizientes Document Engineering sprachlicher Daten. In: Henning Lobin (Hg.): Text im digitalen Medium. Linguistische Aspekte von Textdesign, Texttechnologie und Hypertext Engineering. Opladen: Westdt. Verl., S. 197–220, S. 210.

14 Es gibt allerdings den Ausstellungskatalog zur Bauhausausstellung „Meister Klee!“ von Fabienne Eggelhöfer et al., als kostenpflichtiges downloadbares E-Book (Eggelhöfer et al. 2012, S. 7).

15 Ra decke, Gabriele (o. J.): Theodor Fontane: Notizbücher. Digitale genetisch-kritische und kommentierte Edition. Online verfügbar unter https://fontane-nb.dariah.eu, zuletzt geprüft am 12.07.2019.

16 Jannidis, Fotis; Kohle, Hubertus; Rehbein, Malte (Hg.) (2017): Digital Humanities. Eine Einführung. J.-B.-Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl-Ernst-Poeschel-Verlag. 1. Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler, S. 235.

17 Lobin 1999; Lobin, Henning (1999): Linguistische Repräsentation komplexer Inhalte für die hypermediale Wissensvermittlung. In: Henning Lobin (Hg.): Text im digitalen Medium. Linguistische Aspekte von Textdesign, Texttechnologie und Hypertext Engineering. Opladen: Westdt. Verl., S. 155–177, S. 157 f.

18 Scholger, Martina (2016a): Factsheet zur digitalen Edition zu Paul Klees "Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre". RIDE: A review journal for digital editions and resources. Online verfügbar unter https://ride.i-d-e.de/issues/issue-4/klee/factsheet/, zuletzt geprüft am 24.07.2019.

19 Witt, Andreas (1999): SGML und Linguistik. In: Henning Lobin (Hg.): Text im digitalen Medium. Linguistische Aspekte von Textdesign, Texttechnologie und Hypertext Engineering. Opladen: Westdt. Verl., S. 121–153, S. 142 – 144.

20 XML und HTML basieren beide auf den weniger verbreiteten Standard SGML (Standard Generalized Markup Language), wobei XML deutlich mehr Möglichkeiten und eine höhere Flexibilität in der Auszeichnungssprache von Dokumenten bietet als HTML. Letzteres ist allerdings aufgrund dessen Einfachheit am weitesten verbreitet (Heyer und Wolff 1999, S. 111; Huitfeldt 2014, S. 164 – 166;Milde 1999, S. 199; Witt 1999, S. 142 f.); Hillesund, Terje; Bélisle, Claire (2014): What Digital Remediation Does to Critical Editions and Reading Practices. In: Claire Belisle, Daniel Apollon und Philippe Régnier (Hg.): Digital critical editions. Urbana: University of Illinois Press (Topics in the digital humanities), S. 114–154, S. 128 – 130.; Huitfeldt, Claus (2014): Markup Technology and Textual Scholarship. In: Claire Belisle, Daniel Apollon und Philippe Régnier (Hg.): Digital critical editions. Urbana: University of Illinois Press (Topics in the digital humanities), S. 157–178, S. 174 – 176.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Text-Bild-Relation am Beispiel der Digitalen Edition zu Paul Klees Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Edition und Digitale Edition
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
41
Katalognummer
V518351
ISBN (eBook)
9783346112811
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Text, Bild, Relation, Paul Klee, Künstler, Kunst, Maler, Edition, digitale Edition, Projekt, Formlehre, Gestaltungslehre, Unterricht, Verschlagwortung, TEI, Text Encoded Initiative, HTML, Textgenese, XML, Theodor Fontane, Notizbücher, Online, Web, Archiv, Vincent van Gogh, Letters, Chronologie, Bern, Schweiz, bauhaus, manuskript, faksimile, CSS, Metadaten, JavaScript, Mouseover, Website, Informatik, Element, synoptische Ansicht, open source, open access, Texttechnologie, SGML, Semiotik, Linguistik, Hyperlink, Pop up, Verlinkung, Transkription, Textanalyse, Segmentierung, Datei
Arbeit zitieren
Juliane Breit (Autor), 2019, Text-Bild-Relation am Beispiel der Digitalen Edition zu Paul Klees Bildnerischen Form- und Gestaltungslehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518351

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