Das Boom-Festival als Plattform für Nachhaltigkeit

Welches Potential steckt in der Aufhebung unseres vorherrschenden Wertesystems bei der Vermittlung nachhaltiger Handlungsprinzipien?


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung / Fragestellung

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Nachhaltigkeit und Kultur
1.1 Nachhaltigkeit im Projekt- und Eventmanagement

2 Das Boom-Festival
2.1 Entwicklung und Grundsätze des Boom-Festivals

3 Formung der Festivalgesellschaft auf dem Boom-Festival
3.1 Neubildung von Werten und Identitäten
3.2 Das Identitätskonzept nach Andy Bennett
3.3 Grenzen und Risiken der Wertevermittlung

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung / Fragestellung

Das internationale Musik- und Kulturfestival Boom in Portugal misst seinen Erfolg schon längst nicht mehr anhand von Einnahmen oder Besucherrekorden. Selbstverständlich ist eine finanzielle Deckung essentiell, wenn es um die Erhaltung der Biennale geht. Allerdings entpuppte sich dieser Aspekt in den letzten Jahren als ein Selbstläufer, weshalb die Veranstalter ökonomische Ziele mit gesellschaftlichen Zielen gleichstellten. Das Thema Nachhaltigkeit spielt in dieser Wertevermittlung eine zentrale Rolle, wie der Webseite des Festivals zu entnehmen ist:

“… by ensuring a positive impact is left on both the nature and the social environment.” 1

ProjektleiterInnen und Nachhaltigkeitsbeauftragte verschiedenster Branchen stützten sich bereits auf Konzepte, um den Nachhaltigkeitsaspekt in ihre Arbeit zu integrieren. Das Boom-Festival ist ein bekannter Vorreiter und gleichzeitig Versuchslabor solcher Konzepte, die aufgrund der Komplexität des einwöchigen Festivals oft eine umfassende Eigendynamik entwickeln. Um jedoch Reproduktionsmöglichkeiten aufdecken zu können und diese in greifbare Nachhaltigkeitsstrategien zu manifestieren, bedarf es einer genaueren Beleuchtung des Potentials dieser Strategien. Hierbei richtet sich der Blick dieser Arbeit auf einen spezifischen Aspekt. Die Ursache für die Entwicklung der erwähnten Eigendynamik lässt sich durch verschiedene Gesellschaftstheorien erklären2, die alle eine Gemeinsamkeit verbindet: Das vorherrschende Wertesystem der Festival-BesucherInnen wird während der Zeit auf dem Festival außer Kraft gesetzt. Auf dem Boom-Festival ist zu erkennen, dass es im Laufe der Zeit zu einer Neubildung von Werten bei den Gästen kommt. Diese Werte werden nicht nur durch das Festival geprägt, sondern durch ein Identitätsgefühl der Beteiligten auch über das Festival hinaus nach außen transportiert.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Nachhaltigkeit und Kultur

Mit der Veröffentlichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die damit einhergehende Tiefenausprägung der Definition von Nachhaltigkeit, erhielt erstmals auch der kulturelle Aspekt in ausgeprägter Form Einzug in die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Wo zuvor Ökologie, Ökonomie und Soziales als Maßstäbe des drei Säulen-Modells für Nachhaltigkeit galten, ist seit der Agenda 2030 ein recht neues Konzept politischen Handelns in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu finden. Es spiegelt die Erkenntnis wieder, dass ein soziales Umdenken nur durch kulturelle Ressourcen und Organisationsformen als Medien erreicht werden kann3. Wichtige Aspekte kultureller Ressourcen bei der Vermittlung von Nachhaltigkeit sind inter- und transkulturelle Dialoge, künstlerisch-kulturelles Produzieren, Handeln und Wissen, sowie die erneute Auseinandersetzung mit der heutigen Wechselwirkung zwischen Natur, Kultur und Mensch4.

Eine ausgeglichene Beziehung zwischen Kultur, Mensch und Umwelt lässt sich nur verstehen, wenn Kultur nicht als stetiger Fortschritt betrachtet wird. So ist beispielsweise für die UNESCO eine nachhaltige Nutzung, Bewahrung und Bebauung unumgänglich, wenn es um den Erhalt von Kulturerben geht5. Auch im Projektmanagement auf dem Kulturmarkt finden Nachhaltigkeitsstrategien immer mehr Anklang, da diese auch ökonomische Gründe für die Umsetzung beinhalten.

1.1 Nachhaltigkeit im Projekt- und Eventmanagement

Nachhaltigkeitsleitfäden für die freie Wirtschaft - wie beispielsweise von der Global Reporting Initiative - versprechen positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg, sobald ein Unternehmen Nachhaltigkeitsberichterstattung betreibt. In erster Linie handelt es sich dabei um weitreichende Imagearbeit, die die gesellschaftlichen Ansprüche berücksichtigt und somit eine glaubwürdigere Beziehung zur Kundschaft und Stakeholdern aufbaut6. Eine Nachhaltigkeitsberichterstattung legt transparent dar, ob ein Unternehmen tatsächlich Nachhaltigkeit als allgemeines Unternehmensziel anerkannt hat und dieses im gesamten Portfolio nach unten getrieben wird. Deutlich effektiver gestaltet sich dies, wenn im Projektmanagement ökologischen und gesellschaftlichen Zielen genauso viel Priorität wie Qualitäts-, Kosten-, und Zeit- Zielen zugesprochen wird7. Dementsprechend passt sich auch die interne Unternehmenskultur der Nachhaltigkeit an8, was für ein Veranstaltungsunternehmen nachhaltiger Kulturveranstaltungen unumgänglich ist.

Kritik an der „Belanglosigkeit“ von kostenverursachenden Kulturveranstaltungen wird somit entgegengewirkt, wenn in diesem Kontext präventive Maßnahmen gegen die Belastungen und Gefahren für Menschen und Umwelt garantiert werden9. Diese Maßnahmen sind in ein strategisches Eventmanagement mit einem konsequenten, auf die Zielgruppe zugeschnittenen Konzept zu integrieren. Am besten entfaltet sich das Potential eines Eventkonzepts in seiner Individualität. Hier gilt: Mehr Event statt mehr Events10.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie Eventmanagement für das Boom-Festival betrieben wird, wird im folgendem Kapitel das heutige Festivalkonzept, sowie die Entwicklung zu den heute manifestierten ethischen Grundsätzen vorgestellt.

2 Das Boom-Festival

Das Boom-Festival beschreibt sich selbst als ein psychedelisches Festival. Psychedelisch in diesem Sinne bezeichnet nicht nur einen Bewusstseinszustand, sondern wird auch als eine Art von Musik, Kunst im Generellen und alternativen Lebensweisen verstanden. Der bekannteste Aspekt des Festivals ist der der psychedelischen Musik. Auf der Hauptbühne wird vorwiegend psychedelische Trancemusik gespielt. Mindestens genauso prägend wie die Musik sind jedoch auch die erwähnten Lebensweisen für das Festival. Ein psychedelisches Bewusstsein definieren die VeranstalterInnen wie folgt:

“To be free is to be aware, is to challenge the limits, is to think outside the box and not to submit to the dominant culture.” 11

Darüber hinaus beschränkt sich das Boom-Festival nicht nur auf das Zelebrieren des Psychedelischen, sondern ebenso auf die Vermittlung von Nachhaltigkeit im theoretischen, sowie praktischen Sinne. Seien es Vorträge, direkte Aufforderungen an die Gäste (Beispielsweise durch Schilder) oder Maßnahmen der VeranstalterInnen selbst. Letztere werden ausführlich im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht im Internet dargelegt. Hier wird unter anderem angegeben, grundsätzlich auf Werbekampagnen und Sponsoring zu verzichten oder zu 100% grüne Energie auf dem Festival zu verwenden12.

Für die Gäste wird der Zugang zur Partizipation generell erleichtert, indem diese animiert werden nachhaltige Werte sofort in ihren Festivalalltag zu integrieren. So stehen beispielsweise frische Kräuter und Gemüse in den Boom-Gärten zur Verfügung, ein Bike-Village vereint alle Fahrradreisende auf dem Festivalgelände und anstatt Dixie- werden nur noch Kompost-Toiletten aufgestellt.

2.1 Entwicklung und Grundsätze des Boom-Festivals

1997 fand das Boom-Festival erstmals als Psychedelic Trance Open Air Party statt. Mit der zunehmenden Größe des Festivals über die Jahre wurde auch das Angebot erweitert. Musikalisch, sowie gesamtkulturell. So wurden unter anderem Kunst-, Theater-, Tanz- und Yogaangebote in das Programm aufgenommen. Aber auch Bildungsveranstaltungen fanden Einzug in das Festival, was sich im breiten Angebot von Vorträgen, Filmen und Diskussionen wiederspiegelt. Die Entwicklung von einer reinen Musikveranstaltung hin zu einem Kulturfestival mit Schwerpunkt auf dessen musikalischen Wurzeln, ebnete den Weg für die heutigen Grundsätze des Festivals. Mit der Ausweitung des Kulturangebots steigen auch ebenso die Möglichkeiten, den Nachhaltigkeitsethos (als neuen Grundsatz) in diese zu integrieren. Diese Vielfalt an Kulturangeboten, sowie die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse (Obst, Gemüse und Wasser stehen kostenlos zur Verfügung), machen das Festival zu einer gesellschaftlichen Utopie, die zeigt, dass die Schaffung und Erhaltung von kulturellen und natürlichen Ressourcen in diesem Raum vereinbar sind. So ist das Boom-Festival das praktische Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit nicht nur Umweltschutz ist. Sondern eben auch den Erhalt von Lebensmöglichkeiten, die die Bedürfnisbefriedigung erlauben, bedeutet.

Laut Prof. Dr. Ulrich Holzbaur der Hochschule Aalen müssen diese Lebensmöglichkeiten folgendes beinhalten:

- Menschenrechte und Aufklärung
- Politik, Demokratie und Partizipation
- Sicherheit und Selbstbestimmung
- Selbstverwirklichung und Bildung13

All diese Merkmale werden vom Boom-Festival erfüllt. Auch wenn es kein demokratisches System im klassischen Sinne gibt, bietet das Festival zahlreiche Möglichkeiten sich zu partizipieren und die Veranstaltung mitzugestalten.

[...]


1 Boom-Festival (o.J.): Environment - Mission & Awards auf boomfestival.org (26.06.2018).

2 Gemeint sind die Theorie der liminalen Phase von B.Kirchner, das Identitätskonzept von A. Bennett und das Resonanzkonzept von H. Rosa.

3 Michelsen, Gerd. 2017: 107.

4 Michelsen, Gerd. 2017: 107.

5 Michelsen, Gerd. 2017: 114.

6 Wolfgang, Ramona. 2018: 44.

7 Wolfgang, Ramona. 2018: 37.

8 Wolfgang, Ramona. 2018: 39.

9 Holzbauer, Ulrich. 2015: 180.

10 Holzbauer, Ulrich. 2015: 187.

11 Boom-Festival (o.J.): BOOM VISION auf boomfestival.org (26.0.2018).

12 Boom-Festival (o.J.): ENVIRONMENT auf boomfestival.org (03.07.2018).

13 Holzbauer, Ulrich. 2015: 179.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Boom-Festival als Plattform für Nachhaltigkeit
Untertitel
Welches Potential steckt in der Aufhebung unseres vorherrschenden Wertesystems bei der Vermittlung nachhaltiger Handlungsprinzipien?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Das Verhältnis von Nachhaltigkeit zu Musikfestivals
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V518357
ISBN (eBook)
9783346112408
ISBN (Buch)
9783346112415
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Boom, Festival, Nachhaltigkeit, Musikfestivals, Praxis, Theorie, Kultur, Wertesystem, Potential, nachhaltig, Handlungsprinzipien, Projektmanagement, Eventmanagement, Entwicklung, Grundsätze, Festivalgesellschaft, Werte, Identität, Indentitätskonzept, Andy, Bennett, Grenzen, Risiken, Wertevermittlung
Arbeit zitieren
Niklas Pernat (Autor), 2018, Das Boom-Festival als Plattform für Nachhaltigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518357

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