Thukydides' Intention in der Grabrede des Perikles


Hausarbeit, 2017

10 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thukydides

3. Die Totenrede des Perikles
3.1. Trost in der Rede
3.2. Motivation in der Rede
3.3. Perspektiven aufzeigen in der Rede

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Und es wird sich, wenn man die Tatsachen selbst ins Auge faßt, auch zeigen, daß der gegenwärtige Krieg wirklich bedeutender ist als alle vorangegangenen Kriege...“ ist die Behauptung von Thukydides.1 Bei dem „gegenwärtigem Krieg“ handelt es sich um den Peloponnesischen Krieg von 431 bis 404 v.Chr.2 Die Hauptakteure dieses Krieges, Athen und Sparta, wetteiferten schon vorher um eine herausragende Stellung in der griechischen Welt, bis der der Auslöser zum Krieg, die Auseinandersetzung Athens mit Korinth, bei welcher Athen Korinth dazu drang, den Peloponnesischen Bund zu verlassen und sich auf die Seite Kerkyras stellte, welche sich im Krieg gegen Korinth befanden. Korinth aber tat sich mit Sparta zusammen und so kam es zum Krieg.3

Während des Krieges wurde eine der berühmtesten Reden der Antike, die Grabrede des Perikles, gehalten und von Thukydides in seinem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ verschriftlicht. Das Werk, welche die Rede beinhaltet, wird in dieser Arbeit als Hauptquelle herangezogen und quellenkritisch betrachtet. Da es zu dieser gut erforschten Rede eine große Auswahl an Sekundärliteratur gibt, musste für den Rahmen dieser Hausarbeit eine selektive Auswahl getroffen werden. Das Werk von Gehrke und Schneider soll einen gesamten Überblick für den historischen Kontext bieten. Konrad Gaiser befasst sich intensiv mit der Totenrede und stellt die Meinungen von verschiedenen Forschern dar. Dabei schildert er aber auch seine Ansicht zu der Rede, welche er als verherrlichende Darstellung des Idealzustandes als eine modellhafte Schilderung der optimalen politisch-menschlichen Lebensordnung beschreibt.4

Eine weitere Übersicht bietet Flashar, welcher die Ansicht vertritt, dass Perikles ein Ideal darstellt, das von Thukydides geformt und auch tatsächlich empfunden wird. Darüber hinaus wird laut Flashar in der Totenrede Propaganda betrieben und das imperialistische Machtbestreben verdeutlicht.5

Das letzte wichtige Werk für die Arbeit stammt von Kakridis, mit seinem Kommentar zu der Rede, welches zu den wichtigsten Werken in der Forschungsdebatte zu der Rede gehört. Alle drei Werke beinhalten die Rolle des Thukydides bei der Überlieferung der Rede, was essentiell für diese Arbeit ist.

Die These „Wir kämpfen nicht für das gleiche wie andere!“ ist aus der Rede und wird in dieser Arbeit untersucht, da Athen in der Rede als überlegen beschrieben und als lohnenswert dafür zu kämpfen dargestellt wird.6 Eingeleitet wird die Arbeit mit der Rolle des Thukydides und seines Werkes für die Rede. Danach wird die Grabrede des Perikles unter essentiellen Elementen der Rede eingeteilt und untersucht um am Ende sagen zu können, ob die Behauptung, dass es Thukydides' Absicht war, das Volk von den Vorteilen ihrer Stadt überzeugen zu können, selbst wenn sie gerade einen Krieg verloren haben.

2. Thukydides

Thukydides ist einer der wichtigsten Geschichtsschreiber der Antike. Er verfasste ein Werk, welches hauptsächlich von dem Peloponnesischen Krieg handelt, und zielt in diesem nach seinen Angaben darauf ab, möglichst die Realität wiederzugeben.7

Die Rede soll von Perikles im Jahre 431/430 v. Chr. gehalten worden sein. Hierbei gibt es die Möglichkeiten, dass Thukydides als Zuhörer, wovon man ausgehen kann, die Rede gleich mitgeschrieben, sich Notizen gemacht und die Rede später niedergeschrieben hat oder die Rede später ohne jeglicher Notiz verfasste. Schon zu Beginn seines Werkes äußert sich Thukydides dazu und sagt, dass es ihm „als Ohrenzeugen sowie seinen Berichterstattern unmöglich, den genauen Wortlaut des Gesagten im Gedächtnis zu behalten. Daher habe ich die einzelnen Redner so sprechen lassen, wie sie nach meinem Vermuten den jeweiligen Umständen am ehesten gerecht werden dürften, indem ich mich dabei so eng wie möglich an den Gedankengang des wirklich Gesprochenen hielt.“ 8 Er selbst gibt also schon zu, dass er die Rede nicht ganz genau so wiedergegeben hat wie sie ursprünglich war. Deshalb ist man sich in der Forschung darüber einig, dass Thukydides die Rede mit seinen eigenen Stilmitteln und Formulierungen geschmückt hat. Zudem geht man davon aus, dass der Text des Thukydides nach 404 v. Chr. verfasst worden ist, also lange nachdem die Rede von Perikles gehalten worden war.9 Die Rede wurde nämlich zu Beginn des Krieges gehalten und Thukydides schrieb sie am Ende des Krieges nieder. Nun wird seitdem darüber debattiert, was Thukydides' Absicht war mit der Gestaltung der Rede.

Zunächst ist es interessant zu überlegen, wieso er die Rede Perikles halten lässt, welcher durchweg von ihm gelobt wird und als „zu jener Zeit der erste Mann in Athen, mächtig in Wort und Tat“ beschrieben wird.10 Von Thukydides wird Perikles als guter Redner betitelt, welcher sich dadurch als hervorragender Anführer erweist, da er durch die von ihm gut beherrschte Rhetorik und Redegewandtheit die Bürgerschaft und Volksversammlung von seiner Außenpolitik und Kriegsführung überzeugen konnte.11 In der Totenrede leitet Perikles seine Rede damit ein, dass er erklärt wie anspruchsvoll es ist, diese Rede zu halten und betont sein Bestreben, die Neutralität zu bewahren. Diese Aussage ist ein Mittel um die Zuhörer von seiner Aufrichtigkeit ihnen gegenüber zu überzeugen; ein rhetorisches Mittel von Perikles oder eine Aussage von Thukydides selbst, welcher einer Parallele zu seinem Werk schaffen will.

Einige Forscher haben die Meinung, dass Thukydides mit dieser Rede die Politik des Perikles, welchen er bewundert, rechtfertigen wollte.12 Andere, wie Kakridis nehmen an, dass die Nachkriegsgeneration unzufrieden mit derzeitigen Staatsform und Führung war, weshalb Thukydides mit der Rede eine Illusion erschuf und die Situation beschönigte, um sie von der Idee einer Änderung abzubringen und von dem Alten zu überzeugen.13

Der historische Kontext, in dem die Rede untersucht werden soll, ist der der Aufzeichnung durch Thukydides, also, wie gezeigt, deutlich später als die vermutlich tatsächlich gehaltene Rede. Allerdings finden sich auch wiederholt Verweise auf die Situation der Jahre 431/430.

3. Die Totenrede des Perikles

Die Grabrede, Leichenrede, Totenrede, Gefallenenrede oder der Epitaphios sind gängige Bezeichnungen für den untersuchten Text. Welche dieser Begriffe benutzt wird ist nicht von Bedeutung, wobei die Rede in dieser Arbeit mit dem Begriff Grabrede betitelt wird. Den Rahmen der Anaylse bildet die Einteilung in drei Sinnabschnitte, welche sich mit den Aspekten des Trosts, beziehungsweise der Trauer, der Motivation der athenischen Bevölkerung und dem Aufzeigen von Perspektiven beschäftigen. Zu Beginn der Rede wird der Leser auf die Bedeutung der Rede vorbereitet, da zunächst erst mal die Bestattung nach athenischem Brauch beschrieben wird und auch Perikles wird als Redner vorgestellt.14

3.1. Trost in der Rede

Einer der wichtigen Inhalte der Rede ist der Trost. Hierbei beabsichtigt Perikles es den Nahestehenden zuzusprechen. Zu Beginn der Rede nennt er ein Mal diese Absicht und kommt darauf erst am Ende der Rede wieder zu sprechen. Der Trost ist somit nicht der Fokus der Rede und geschieht auch eher formal. Vorab beschreibt er detailliert die Vorzüge Athens. Dies ist seiner Meinung nach notwendig, um zu verstehen weshalb die Gefallenen anerkennende Worte verdienen. Das wird mit den Worten „Darum habe ich ja auch so ausführlich von der Stadt geredet, und um euch zu zeigen, daß wir nicht für das gleiche kämpfen wie andere, die all das nicht so haben, und um zugleich den Lobspruch auf die, denen meine Rede gilt, durch Beweise zu härten.“15 erklärt. Hier erkennt man nochmal genau, dass Besonderheiten Athens im Voraus dargestellt worden sind, um aufzuzeigen, dass es eine ganze besondere Ehre ist für solch eine Stadt zu fallen. Zudem sollen die Besonderheiten der Stadt nochmals die guten Eigenschaften eines guten Bürgers darstellen, welcher für jene Stadt gefallen ist. „Denn was ich an unserer Stadt pries, damit haben diese und solche Vortrefflichen sie geschmückt...“.16 Die Gefallenen haben durch „Mannesmut“ 17 ihre Stadt verteidigt und somit werden jene für immer mit hohem Ansehen versehen.18 Nicht nur die Gefallenen selbst sondern auch die Eltern, Brüder, Kinder und Frauen werden mit dem Ansehen eines solchen Gefallenen versehen, was den Tod der Gefallenen für die Angehörigen erträglicher machen sollte.19 Auch sonst werden die Familienmitglieder der Gefallenen, besonders die Söhne, keine Nachteile durch den Tod des Vaters erleben, da sie sich ihr Leben lang auf die Unterstützung des Staates verlassen können.20 Dadurch, dass die Gefallenen im Kampf für Athen gefallen sind, haben sie einen ewigen Tod und ihr Grab wird „leuchten“ und zwar nicht „nicht das worin sie liegen, sondern in einem Ruhm, welches sich bei jedem sich gebenden Anlass zu Rede oder Tat unvergessen nachlebt“.21 Diese Worte zeigen, dass die Gefallenen durch ihre Tat bis in die Ewigkeit gelobt werden. Man wird sie immer durch diese Heldentat in der Erinnerung aufleben lassen und das wird sie ruhmreich machen, was die Angehörigen trösten sollte. Nach Kakridis sind die Gefallenen trotz des Todes im Krieg aufgrund dieses Ruhms die Gewinner, auch wenn der Preis dafür ihr Leben gewesen ist.22 Den Eltern spricht der Redner zu, indem er die Eltern auffordert, das Gute in dem frühen Tod des Kindes zu sehen. Denn die „erwiesene Ehre“ dieses Kindes sollte ihnen ein Trost sein und sie das restliche Leben lang mit Stolz füllen.23 Nach Kakridis ist es eine Tatsache, dass die gefallenen Kinder durch den frühen Tod von von schweren Schicksalsschlägen verschont geblieben sind. Ganz im Gegensatz zu den Eltern, denn jene haben einen schweren Schlag durch den Tod des Kindes erlebt und da sie noch am Leben sind kann man nicht vorhersehen was sie noch bis zu ihren Tod erwartet.24

[...]


1 Thukydides: Der Peloponnesische Krieg, Erstes Buch, Kapitel 22, Essen, S. 18.

2 Gehrke, Hans-Joachim/Schneider, Helmuth (Hg.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, Stuttgart 2013, S. 168.

3 Gehrke, Schneider, S. 169.

4 Gaiser, Konrad: Das Staatsmodell des Thukydides. Zur Rede des Perikles für die Gefallenen, Heidelberg 1975, S. 19.

5 Gaiser, S. 102.

6 Thukydides 2, 42.

7 Gehrke, Schneider, S. 22.

8 Thukydides 2, 22.

9 Flashar, Hellmut: Der Epitaphios des Perikles. Seine Funktion im Geschichtswerk des Thukydides, in: Sizungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Jahrgang 1969, S. 5ff.

10 Thukydides 1, 139.

11 Stein-Hölkeskamp, Elke: Perikles, Kleon und Alkibiades als Redner. Eine zentrale Rolle der athenischen Demokratie im Wandel, in: Christoff Neumeister/Wulf Raeck (Hg.): Rede und Redner. Bewertung und Darstellung in den antiken Kulturen, Frankfurt a.M. 1998, S. 79ff.

12 Flashar, S. 7f.

13 Kakridis, S. 109.

14 Gaiser, S. 26ff.

15 Thukydides 2, 42.

16 Ebd. 2, 42.

17 Ebd. 2, 42.

18 Ebd. 2, 41.

19 Ebd. 2, 44.

20 Ebd. 2, 46.

21 Ebd. 2, 43 S. 148.

22 Kakridis, Johannes Theoph.: Der Thukydideische Epitaphios. Ein stilistischer Kommentar, München 1961, S. 90.

23 Thukydides 2, 44.

24 Kakridis, S. 97.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Thukydides' Intention in der Grabrede des Perikles
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Note
2.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V518367
ISBN (eBook)
9783346121240
ISBN (Buch)
9783346121257
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Totenrede, Thukydides, Perikles, Totenrede des Perikles
Arbeit zitieren
Dilan Erdogan (Autor), 2017, Thukydides' Intention in der Grabrede des Perikles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518367

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