Gegenstand des vorliegenden Aufsatzes ist der V. Abschnitt aus David Humes Werk "Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral". Im Rahmen dieses Textabschnittes - er trägt den Titel "Warum die Nützlichkeit gefällt" - stellt Hume Reflexionen über die Nützlichkeit sozialer Tugenden an und geht der Frage nach, ob und inwieweit die Nützlichkeit sozialer Tugenden als Quelle der Moral einer Gesellschaft angesehen werden kann.
Im vorliegenden Aufsatz wird zum einen die Argumentationsstruktur des Textes nachgezeichnet und zum anderen werden die Schlussfolgerungen aus der Untersuchung, die die Nützlichkeit als Prinzip und Ursprung der Moral betreffen, aufgezeigt. Desweiteren werden einige kritische Anmerkungen gemacht, die allerdings, v.a. wegen des engen Rahmens dieses Aufsatzes, nur Andeutungscharakter haben können (sie finden sich in erster Linie in verschiedenen Fußnoten).
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort
II. Der Text: „Warum die Nützlichkeit gefällt“
Gesellschaft und Moral
Egoismus - Moral aus Eigennutz
Erziehung zu moralischem Verhalten
Die Nützlichkeit sozialer Tugenden
Wohlwollen, Menschenliebe und Sympathie
Moralischer Maßstab
III. Zusammenfassung
IV. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit David Humes Ausführungen im fünften Abschnitt seines Werkes "Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral" auseinander. Das primäre Ziel ist es, die Argumentationsstruktur zur Nützlichkeit als Prinzip und Ursprung der Moral nachzuzeichnen und zu untersuchen, inwieweit soziale Tugenden als Quelle gesellschaftlicher Moral fungieren können.
- Verhältnis von Individuum und Gesellschaft
- Kritik an rein egoistischen Moralauffassungen
- Die Rolle der Nützlichkeit für soziale Tugenden
- Der Stellenwert von angeborener Menschenliebe und Sympathie
- Die Genese moralischer Maßstäbe durch gesellschaftliche Kommunikation
Auszug aus dem Buch
Die Nützlichkeit sozialer Tugenden
Die o.g. Auffassungen teilt HUME also nicht. Vielmehr versucht er, den Ursprung moralischen Denkens und Handelns im Prinzip der Nützlichkeit derselben zu begründen: Weil soziale Tugenden sozial-integrativ wirken, gelten sie unter den Menschen für deren Zusammenleben als nützlich, auch ohne dass der Einzelne daraus in konkreten Situationen einen unmittelbaren Eigen-Nutzen ziehen würde. Aus diesem Grund (weil sie nützen) erfahren diese Tugenden das Lob der Mitglieder dieser Gemeinschaft – ihre Nützlichkeit macht die sozialen Tugenden attraktiv.
Überhaupt, so führt HUME aus, erntet alles, was nützt, unser Lob und unsere Anerkennung, und er versucht dies eingangs an mehreren Beispielen deutlich zu machen. Wir stehen der Nützlichkeit als solcher wohlwollend gegenüber. Andererseits neigen wir dazu, alles abzulehnen, was wir für nutzlos erachten; wir gehen manchmal sogar soweit dies für schädlich zu halten. So werden dann z.B. Menschen, deren Verhalten der Gemeinschaft im Ganzen nicht nützt oder ihr gar schadet, als nicht tugendhaft empfunden, vielmehr lösen sie durch ihr Verhalten Widerwillen und sogar Hass gegen sich bei den ‚konformen‘ Mitgliedern aus.
Die sozialen Tugenden erfahren also immer unsere Zuneigung; daraus schliesst Hume, dass ihnen „eine natürliche Schönheit und Liebenswürdigkeit eigen ist, die sie von vornherein, vor aller Vorschrift und Erziehung dem unbefangenen Menschen schätzenswert erscheinen läßt [...]“ (S.56). Diese Sympathie den sozialen Tugenden gegenüber resultiert vor allem aus dem Moment ihrer Nützlichkeit, also muss „das Ziel, das sie erstreben [also ihr Zweck], uns irgendwie angenehm sein und irgendeine natürliche Neigung fesseln [...]“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorwort: Es wird die empiristische Grundhaltung Humes erläutert, die besagt, dass philosophische Reflexionen stets auf Erfahrung basieren müssen und absolute Wahrheiten ausschließen.
II. Der Text: „Warum die Nützlichkeit gefällt“: Das Hauptkapitel analysiert Humes Argumentation zur Moral, die auf Nützlichkeit, menschlicher Sympathie und einem sozialen Maßstab statt auf reinem Egoismus basiert.
Gesellschaft und Moral: Dieses Kapitel stellt fest, dass der Mensch als Sozialwesen auf Regeln des Zusammenlebens angewiesen ist, welche wir als Moral bezeichnen.
Egoismus - Moral aus Eigennutz: Hier wird Humes Kritik an Philosophen dargestellt, die Moral lediglich als Ergebnis rationaler Kalkulationen aus Eigennutz betrachten.
Erziehung zu moralischem Verhalten: Das Kapitel beleuchtet Humes Ablehnung der These, Moral basiere rein auf Sozialisation, und unterstreicht die Notwendigkeit angeborener Dispositionen.
Die Nützlichkeit sozialer Tugenden: Es wird dargelegt, warum soziale Tugenden aufgrund ihrer nützlichen, sozial-integrativen Wirkung Lob und Zuneigung erfahren.
Wohlwollen, Menschenliebe und Sympathie: Das Kapitel beschreibt, wie uneigennützige Gefühle wie Mitgefühl und Sympathie als Grundlage für die Moral dienen.
Moralischer Maßstab: Es wird erläutert, wie sich durch gesellschaftliche Kommunikation über gefühlsmäßige Unterscheidungen ein allgemeiner moralischer Maßstab herausbildet.
III. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Moral aus einer Verbindung von Emotionalität, Rationalität und der angeborenen Fähigkeit zum Mitgefühl entsteht.
IV. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen zur Untersuchung von Humes Philosophie.
Schlüsselwörter
David Hume, Moral, Nützlichkeit, soziale Tugenden, Empirismus, Eigennutz, Sympathie, Menschenliebe, Gesellschaft, moralischer Maßstab, Mitgefühl, Philosophie der Aufklärung, Urteilskraft, Sozialisation, Tugendethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert David Humes Vorstellungen zur Moral im fünften Abschnitt seiner "Untersuchung über die Prinzipien der Moral", insbesondere die Frage, warum soziale Tugenden als nützlich empfunden werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, der Ursprung moralischer Urteile sowie das Zusammenspiel von Eigennutz und uneigennützigen Gefühlen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Argumentationsstruktur Humes zur Nützlichkeit als Prinzip und Ursprung der Moral nachzuzeichnen und kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Methode, um Humes empiristische Argumentationsweise nachzuvollziehen und kritisch mit Anmerkungen zu begleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von Egoismus, der Rolle von Erziehung und angeborenen Dispositionen sowie der Etablierung eines allgemeinen moralischen Maßstabs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Moral, Nützlichkeit, soziale Tugenden, Sympathie, Menschenliebe, Eigennutz und moralischer Maßstab.
Wie unterscheidet Hume zwischen Mitgefühl und Sympathie?
Hume betrachtet Mitgefühl als eine intensive, unmittelbar ergreifende Empfindung, während Sympathie eine weniger intensive, auf abstrahierenden Reflexionen beruhende Empfindung ist.
Welche Rolle spielt die "Urteilskraft" laut dem Autor?
Der Autor merkt kritisch an, dass Hume der Urteilskraft eine entscheidende Rolle bei der Begriffsfindung zuschreibt, ohne jedoch präzise zu definieren, was genau darunter zu verstehen sei.
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- Alexander Kühn (Author), 2000, Warum gefällt die Nützlichkeit? - David Humes Betrachtungen zur Nützlichkeit sozialer Tugenden in Abschnitt V der "Untersuchung über die Prinzipien der Moral", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5184