Schule ab neun Uhr. Mehrdimensionale Perspektiven eines späteren Unterrichtsbeginns


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
26 Seiten, Note: 1,3
Florian Wondratschek (Autor)

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Inhalt

1. Einleitung

2. Einstellungen zum Schulbeginn

3. Gesundheitliche Aspekte
3.1. Leben mit der Zeitumstellung

4. Leistungsbezogene Aspekte

5. Aspekte zur Alltagsplanung

6. Auswirkungen auf Lehrkräfte

7. Volkswirtschaftliche Effekte
7.1. Potenzial in der Bundesrepublik Deutschland
7.2. Auswirkungen auf die Energie- und Verkehrspolitik

8. Studie über verspäteten Unterrichtsbeginn

9. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

In der vorliegenden Ausarbeitung wird gendergerechte Sprache verwendet. Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Kompositionen, welche im amtlichen Regelwerk nur in der maskulinen Form korrekt sind, unverändert übernommen werden und geschlechtsunabhängig verstanden werden sollen.

1. Einleitung

In den meisten Bundesländern in Deutschland beginnt die Schule um acht Uhr oder früher, und sehr häufig spielt sich folgendes Szenario ab: Viele Teenager sitzen mit blinzelnden Augen, aufgestütztem Ellenbogen und gähnendem Mund auf ihren Stühlen. Die Lehrkräfte kennen die Trägheit ihrer unausgeschlafenen Jugendlichen und manche sind selbst noch müde. Weshalb Schulen so früh beginnen, sind Nachwirkungen des preußischen Bildungssystem. Um die preußische Tugend Fleiß zu verankern, hatte Preußen den Schulbeginn auf acht Uhr im Winter und um sieben Uhr im Sommer festgesetzt (vgl. Baginsky 1900, 70). Durch die Zeitumstellung wurde diese Taktung bis heute übernommen. Dabei können Schulen heute selbst entscheiden, um welche Zeit der Unterrichtsbeginn erfolgen soll (vgl. Knüttgen 2019).

Das Problem der morgendlichen Erschöpfung wurde nun auch in der deutschen Politik erkannt. Dass es entspannter wäre, wenn nicht überall um acht Uhr die Schule beginnen würde, meint der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (vgl. Knüttgen 2019). Der Minister, welcher früher selbst als Lehrer an einem Stuttgarter Gymnasium tätig war und damit aus eigener Schulerfahrung sprechen kann, empfahl, dass manche Schulen erst um neun Uhr starten sollten (vgl. ebd.).

Zahlreiche neue wissenschaftliche Studien über einen späteren Unterrichtsbeginn brachten einen Stein ins Rollen, welchen Herrmann damit aufnimmt. In Anbetracht der im Juni 2019 ausgelösten politischen Debatten um einen Schulbeginn ab neun Uhr nähert sich die wissenschaftliche Hausarbeit der Thematik durch das Heranziehen verschiedener Forschungsstudien aus mehreren Blickwinkeln. Sie verwendet dazu zahlreiche Studien aus den Gebieten der Neurobiologie, Medizin, Gesundheits-, und Erziehungswissenschaft.

Begonnen wird mit der Beantwortung der Fragestellung, wie in Deutschland der Acht-Uhr­Schulbeginn organisiert wird und dieser von Heranwachsenden bewerten. Anschließend soll im nächsten Kapitel auf die gesundheitlichen Aspekte aus der Schlafforschung eingegangen werden, welche sich mit der inneren Uhr des Menschen beschäftigen. Dabei wird es um die unterschiedlichen Chronotypen gehen, für welche ein genaueres Verständnis geschaffen werden soll. Diese Thematik wird aus neurobiologischer Sicht einen bedeutsamen Einblick geben, wie sich der frühe Unterricht auf die Gesundheit auswirken kann. In diesem Kapitel soll die Rolle des Tageslichts integriert werden, und es zeigt auch auf, welchen Einfluss die Zeitumstellung auf den Unterrichtsbeginn hat.

Anschließend soll auf die Frage eingegangen werden, was ein Neun-Uhr-Start für die Leistungsfähigkeit bedeutet. Mithilfe von erziehungswissenschaftlichen und psychologischen Untersuchungen soll ein möglicher Zusammenhang mit veränderten Schulanfangszeiten aufgezeigt werden. Danach wird im fünften Kapitel der Punkt der Alltagsbewältigung analysiert, der die Themenfelder Ganztagsbetreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf beinhaltet.

Weil die Veränderung im Schulsystem gerade für Lehrkräfte entscheidend ist, soll sich das sechste Kapitel exklusiv mit den Auswirkungen eines verschobenen Unterrichtsbeginns auf diese Personengruppe beschäftigen.

Direkt im Anschluss befasst sich die Ausarbeitung mit den volkswirtschaftlichen Aspekten. Mit Verweis auf eine internationale Forschung wird in diesem Kapitel sowohl das Kosten­Nutzen-Verhältnis eines späteren Schulstarts, als auch seine unmittelbaren Auswirkungen auf die Energie- und Verkehrsinfrastruktur aufgezeigt.

Anschließend können die aktuellen Ergebnisse der Seattle-Schulstudie aus dem Jahr 2018 präsentiert werden, welche erstmals einen später beginnenden Unterricht mit medizinischen Messungen begleitete. Diese liefern erste Evaluationsdaten und können daher einen entscheidenden Einfluss auf die Debatten in Deutschland haben.

Im Fazit soll abschließend durch eine Bündelung der Argumente eine Antwort auf die Fragestellung gefunden werden, inwieweit eine Umstellung auf einen späteren Schulbeginn tatsächlich sinnvoll und erforderlich ist.

2. Einstellungen zum Schulbeginn

Bei den schulpflichtigen Heranwachsenden gibt es kontroverse Haltungen zu dem Thema Schulanfang. So hat das Frankfurter Forschungszentrum Demografischer Wandel Jugendliche in der Bundesrepublik befragt, ob Unterricht eher von acht bis 13, neun bis 14 oder 10 bis 15 Uhr stattfinden sollte (vgl. Forschungszentrum Demografischer Wandel 2019, 6f.). 43 Prozent sprechen sich für einen Schultag aus, der um oder nach neun Uhr beginnt und dafür entsprechend später endet (vgl. ebd.). An einem Schultag mit acht Stunden wären „nur“ 27 Prozent der befragten Jugendlichen für den späteren Unterrichtsbeginn (vgl. ebd.). Sven Stadtmüller, der die bundesdeutsche Studie zum veränderten Unterrichtsbeginn mitorganisierte, macht über die Gültigkeit seiner Ergebnisse die Angabe: „Hätten wir die Kinder gefragt, ob sie ihren Unterricht lieber um acht, neun oder zehn Uhr beginnen würden - ohne ihnen zu sagen, bis wann sie dann in der Schule bleiben müssten - hätten viele sicherlich für späteren Unterricht plädiert" (vgl. Quecke 2019). Es besteht bei einem späteren Schulbeginn die Befürchtung, dass außerschulische Aktivitäten wie Vereinssport, Musikveranstaltungen, etc. nicht mehr wahrgenommen werden könnten und so der Alltagsrhythmus verändert werden müsste (vgl. Spiewak 2018). In Kanada, wo ein späterer Unterrichtsbeginn umgesetzt wurde, passten sich die außerschulischen Aktivitäten einer zentralen Unterrichtsvorgabe allerdings neu an und wurden sogar als außerschulisches Engagement im Schulzeugnis gewürdigt (vgl. Bradley 2004, 18). Da solche Anpassungen einen gewissen Organisationsaufwand erfordern, kann die Hypothese aufgestellt werden, dass Jugendliche an der Planungsfähigkeit Deutschlands zweifeln. Eine weitere Theorie ist, dass die Schulanfangszeit um acht Uhr in Deutschland auch deswegen so fest verankert zu sein scheint, weil in der Vergangenheit nur sehr wenige Schulen Veränderungen vornahmen.

Winfried Herrmann analysierte dieses Phänomen spitzzüngig: „Die meisten Menschen glauben ja, dass der Schulbeginn schon von Mooses verkündet worden ist, weil es ewig so gewesen ist und weil keiner es anders macht“ (vgl. ebd.). Gesetzesgrundlagen, welche Unterricht ab acht Uhr festschreiben, gibt es in Bundesländern wie Baden-Württemberg nicht (vgl. ebd.).

Die Zeit des Schulbeginns bleibt in Deutschland den 16 verschiedenen Bundesländern überlassen, welche auf die Entscheidungsfreiheit von Schulen hinweisen, die ihren Unterrichtsbeginn selbst wählen dürfen (vgl. ebd.). Allerdings berichtet die Gewerkschaftsvorsitzende der GEW Baden-Württemberg Doro Moritz, dass manche Schulen diese Freiheit aus organisatorischen Gründen nicht ausleben können (vgl. Orner 2019). Manchmal würden sich Busunternehmen quer stellen, sodass eine andere Zeit gar nicht infrage kommen kann (vgl.ebd.). Einzelne Schulen müssen sich daher Not gedrungen an den frühen Schulbeginn halten (vgl. ebd.). Diese können allerdings den Druck auf benachbarte Schulen erhöhen, welche damit die Umsetzung alleine in die Hand nehmen müssten und nicht auf die organisatorische Unterstützung zeitabhängiger Schulen bauen können. Weil Alleingänge unüblich sind, wird in so vielen Bildungseinrichtungen weiterhin die konservative Schulanfangszeit angewendet. Welche Effekte diese Handhabung auf die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit, die Alltagsplanung und die Volkswirtschaft hat, wird in den nächsten Kapiteln analysiert.

3. Gesundheitliche Aspekte

Die Schlafforschung wollte sich mit der Idee, einen späteren Schulbeginn einzuführen, näher beschäftigen. Die Debatte um einen verzögerten Schulbeginn bedarf zunächst einen vertieften Einblick in den menschlichen Schlaf. Die American Academy of Sleep Medicine (AASM) hat die Wichtigkeit des Schlafes für ein gesundes Leben aufgezeigt und appelliert, gesunde Schlafgewohnheiten in der frühen Kindheit zu fördern. Genügend Schlaf ist für das geistige und körperliche Wohlbefinden unentbehrlich. Wer ausreichend schläft, ist konzentrierter, verhält sich besser, lernt schneller, stärkt das Gedächtnis und wird emotional stabiler. Nach der AASM hat Schlafmangel insbesondere bei Kindern negative Effekte auf die Gesundheit. Verhaltens- und Lernprobleme können Folgen von zu wenig Schlaf in der Kindheit sein. Zu wenig Nachtruhe erhöht das Unfall - und Verletzungsrisiko, und Symptome wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Depressionen können durch Schlafdefizite verursacht werden. (vgl. American Academy of Sleep Medicine 2016)

Die Chronobiologie hat festgestellt, dass beim Schlaf das richtige Timing eine wichtige Rolle spielt, weil jeder Mensch einen individuellen Rhythmus hat. Der zirkadiane Rhythmus ist die Fähigkeit des Menschen, physiologische Vorgänge auf eine Periodenlänge von etwa 24 Stunden über die Genetik zu synchronisieren (vgl. Roenneberg/Kumar/Merrow 2007a, 44).

Für die wissenschaftliche Ausarbeitung ist der Schlaf-Wach-Rhythmus relevant.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Chronotypen in Deutschland

Die innere Uhr, also das zirkadiane System, wurde 1896 vom Psychologen Emil Kraepelin entdeckt. Kraepelin forschte zur „Hygiene der Arbeit“, dabei ging es ihm auch um das Auftreten von Ermüdungserscheinungen am Arbeitsplatz (vgl. Kraepelin 1896, 12f.). Er stellte fest, dass einige der untersuchten Personen gern früh aufstanden und früh ins Bett gingen, andere wiederum lange wach blieben und lieber ausschliefen (vgl. ebd.). So wurden zum ersten Mal zwei unterschiedliche Schlaftypen klassifiziert. Frühaufsteher seien „Lerchen“, die „Eulen“ gehen dafür lieber spät ins Bett (vgl. ebd.).

Der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg hat 2007 aufgezeigt, wie sich die Chronotypen in der Allgemeinbevölkerung aufteilen (vgl. Roenneberg/ Merrow / Kuehnle/ Juda/ Kantermann/ Allebrandt/ Gordijn 2007b, 432). Hierbei zeigte sich deutlich, dass die meisten Menschen in der Bevölkerung einen Chronotyp besitzen, welcher unter natürlichen Umständen einen Schlaf zwischen null und acht Uhr erfordert.

Ein belgisch-russisches Forschungskollektiv unter Leitung des Neurobiologen Arcady Putilov forderte 2019, die Chronotypologie mit zwei weiteren Chronotypen „Napper“ und „Nachmittagstyp“ zu ergänzen. Der Nachmittagstyp wird im Normalfall morgens und abends müde. Sein Tageshoch liegt zwischen Mittag und Abend. Der „Napper“ ist zwischen elf bis 15 Uhr müde, dafür aber morgens und abends wach. (vgl. Putilov/ Marcoen/Neu/ Pattyn/Mairesse 2019, 79)

Aufgrund intensiver Recherchen über den Chronotyp hat in den letzten Jahrzehnten ein Umdenken in der Schlafforschung stattgefunden. Früher wurde noch davon ausgegangen, dass insbesondere die Schlafdauer ein entscheidendes Kriterium dafür ist, wie wach ein Mensch ist. Es bestand die geläufige Annahme, dass Eltern einfach ihr Kind früh ins Bett schicken sollten, dann könnte dies ausreichend schlafen und so auch frühe Aufstehzeiten gut meistern. Doch mit einer näheren Erforschung der Chronotypen, hat sich diese Einstellung geändert: Der japanische Erziehungswissenschaftler Hitomi Takeuchi kam 2001 zu dem Schluss, dass der elterliche Wille auf frühe Bettgehzeiten eine spätere Abendorientierung ihrer Sprösslinge begünstigt (vgl. Takeuchi/ Inoue/ Watanabe/ Yamashita/ Hamada/ Kadota/ Harada 2001, 827). Diese Studie widerspricht dem jahrelang geltenden pädagogischen Ansatz, auf frühe Bettzeiten seiner Kinder zu beharren.

Des Weiteren handelt es sich bei Chronotyp und Schlafdauer um zwei zu differenzierende Persönlichkeitsmerkmale (vgl. Roenneberg et al. 2007b, 430). Menschen unterscheiden sich je nach Alter auch in der Dauer ihrer Nachtruhe. Die Schlafdauer, die ein Mensch täglich braucht, variiert über die Jahre hinweg (Vollmer 2012, 7). Während Säuglinge bis zu 16 Stunden schlafen sollten, liegt die Dauer bei Grundschulkindern bis 12 Jahre zwischen neun bis zwölf Stunden (vgl. American Academy of Sleep Medicine 2016). Es wurde erkannt, dass die Heranwachsenden ca. neun bis zehn Stunden Schlaf benötigen, und diese Schlafdauer auch im Jugendalter nicht abnimmt, obwohl die tatsächliche Schlafdauer der Jugendlichen mit zunehmendem Alter dauerhaft sinkt (vgl. Carskadon 2011, 640; Dunster/ de la Iglesia/ Ben-Hamo/ Nave/ Fleischer/Panda/ de la Iglesia 2018, 1). Da bei den Teenagern eine Verschiebung des individuellen Chronotyps festzustellen ist, sorgt dies für einen späteren Einschlafzeitpunkt. Dieser spezifische Rhythmus ist einerseits eine Folge der Veränderung des gesellschaftlichen Lebens und der Verwendung von elektronischen Geräten, die abends Jugendliche länger wach halten, andererseits liegt es an den natürlichen Veränderungen des zirkadianen Rhythmus (vgl. Carskadon 2008, 87). Carskadon geht davon aus, dass späterer Schlaf im Jugendalter nicht der Ausdruck eines verringerten Schlafbedürfnisses ist, sondern einer Verstrickung von physiologischen, psychologischen und soziokulturellen Einflüssen zuzuschreiben ist (vgl. Carskadon 2011, 639). Die sozialen Faktoren, wie mehr Unabhängigkeit von elterlichen Vorgaben zu erlangen, sind Entwicklungsschritte, welche auch Einfluss auf das Einschlafen nehmen (vgl. ebd.). Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Jugendlichen morgens weniger lichtempfindlich sind, um längerer schlafen zu können (vgl. Carskadon 2008, 87).

Wenn die Abendtypen allerdings abends später einschlafen, die Schule aber zur gleichen Zeit anfängt, wird ein „sozialen Jetlag“ für die Abendtypen verursacht (vgl. Dinich/Merrow/Roenneberg/Wittmann 2006, 503). Mehrere Studien belegten, dass die meisten Schulkinder viel zu wenig schlafen und damit auch gegen ihren zirkadianen Rhythmus ankämpfen (vgl. Eliasson/ Eliasson/ Eliasson/ King/ Gould 2002, 45; vgl. Warner/ Murray/ Meyer 2008, 601f.; vgl. Carskadon 2011, 638; vgl. DAK-Gesundheit 2019, 19).

Der soziale Jetlag der Jugendlichen ist sehr heikel, weil sie den verspäteten Wochenend­Schlafrhythmus nur schwer wieder zurück auf den frühen Schulrhythmus einstellen können. Die gesundheitliche Anfälligkeit des Körpers ist zudem nach einer Beschleunigung der inneren Uhr größer als bei einer Verzögerung (vgl. Vollmer 2012, 8). Wer ständig wegen beruflicher oder schulischer Verpflichtungen gegen seine innere Uhr leben muss, riskiert gravierende Einbußen seiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit (vgl. Roenneberg 2017, 14).

3.1. Leben mit der Zeitumstellung

In mehreren Studien wurde festgestellt, dass das Sonnenlicht einen großen Einfluss auf den Takt des zirkadianen Rhythmus hat. Trotz Absichtsbekundungen einer Abschaffung ist die Zeitumstellung in Europa bis frühestens 2021 noch ein Thema (vgl. Roenneberg 2019, 71). Jedoch haben die bis dahin vorgenommenen Zeitumstellungen zahlreiche Auswirkungen. Es soll nun dargestellt werden, inwieweit diese den Biorhythmus beeinflussen und welche Konsequenzen eine Abschaffung der Zeitumstellung für die Schülerinnen und Schüler und damit auch für die Debatte über den Zeitpunkt des Unterrichtsbeginns hat.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Zeitumstellung einen großen Einfluss auf die Gesundheit hat. Eine Umstellung des Rhythmus betrifft jeden Chronotyp, da eine Stunde beim Wechsel von die Normal- auf die Sommerzeit weggenommen wird. In der Langzeituntersuchung wurde verlautet, dass in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung 20 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert wurden als im Jahresdurchschnitt (vgl. Weber 2016). An dieser Studie wurde allgemeinbemängelt, dass der Messzeitpunkt der Studie auf einen Montag fiel und montags allgemein die meisten Patienten sich einweisen lassen, sodass die DAK die Studie vom Netz nahm (vgl. ebd.). In Kroatien maß man in den ersten vier Tagen nach der Zeitumstellung aber tatsächlich ein um rund 29 Prozent erhöhtes Herzinfarktrisiko (vgl. Culic 2012, 667).

Nach knapp 40 Jahren Zeitumstellung erkannte die EU die gesundheitliche Problematik und regte eine Abschaffung an. Jedoch wurde im EU-Parlament eine Debatte ausgelöst, welche Zeit denn beibehalten werden sollte, was zeitgleich auch die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Abschaffung reduzierte.

Eine dauerhafte Sommerzeit wäre laut Roenneberg „eine Katastrophe“ (vgl. Roenneberg 2019, 71f.). Der Hintergrund ist, dass es bei einer Umstellung auf die permanente Sommerzeit im Winter morgens eine Stunde später hell wird. Die innere Uhr benötigt jedoch das blaue Licht der Sonnenstrahlung, um wach zu werden, da dies der Rhythmusgeber unserer inneren Uhr ist (vgl. ebd.). Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin plädiert für eine Beibehaltung der Normalzeit.

Diese käme den natürlichen Verhältnissen am nächsten. Am stärksten angepasst an die Natur wäre der Tagesablauf, wenn der Mensch sich an die Sonnenzeit anpassen würde. Das heißt, dass die Sonne genau um 12 Uhr ihren Zenit erreichen würde. Die Mitteleuropäische Zeitzone (MEZ) würde in der Normalzeit dieses Phänomen in Prag oder in den östlichsten Regionen Deutschlands ermöglichen. Im westlich gelegenen Stuttgart oder Dortmund stimmen Sonnen- und Uhrzeit schon nicht mehr überein. Für den zirkadianen Rhythmus wäre es unter Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte sinnvoll, dass Arbeits- und Unterrichtsbeginne von Ost nach West gestaffelt werden (vgl. LMU 2009). Orientieren sich die Landeskultusministerien bundesweit an die Sonnenzeit, müsse die Schule im Westen vierzig Minuten später anfangen als im Osten. Die Sommerzeit-Abschaffung, als auch gestaffelte Unterrichtsbeginne würden die gesundheitlichen Probleme des frühen Schulbeginns immerhin teilweise reduzieren. Chronobiologen gehen noch einen Schritt weiter und haben der EU einen Entwurf neuer Zeitzonen vorgeschlagen (vgl. Roenneberg 2019, 73). In dieser würden die Benelux-Staaten, Frankreich und Spanien bereits zur Greenwich Mean Time (GMT) angehören, Portugal, Island und Irland müssten demnach noch eine frühere Zeitzone annehmen (vgl. ebd.).

Doch auch ein verbessertes Zeitzonenmodell hält er noch für unzureichend: In Bezugnahme auf einen späteren Schulanfang verweist Roenneberg darauf, dass während der Pubertät viele Teenager, trotz ihres genetisch vorgegebenen Schlaftyps, Langschläfer sind (vgl. ebd.). Der Schulstart um acht Uhr morgens ist in der Sommerzeit vergleichbar mit einem Arbeitsbeginn um vier Uhr bei Erwachsenen (vgl. LMU 2009). Würde die Entscheidung der EU an gesundheitlichen Merkmalen festgemacht, müsste es neben der Wiedereinführung der ganzjährigen Normalzeit demnach verschobene Schulbeginne geben.

4. Leistungsbezogene Aspekte

Dr. Christian Vollmer hat sich an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg in seiner Dissertation über die innere Uhr unter anderem mit der Leistungsfähigkeit von Schulkindern beschäftigt. Dabei stellte er fest, dass die Schulleistung deutlich unter einer schlechteren Schlafqualität und einem erhöhten Schlafdefizit der „Eulen“ leidet (vgl. Vollmer 2012, 21).

9-bis 14-jährige, die von weniger Tagesmüdigkeit berichteten, haben bessere Schulnoten und sind in der Schule motivierter (vgl. Meijer/ Habekothe/ van den Wittenboer 2000, 151). Andersrum wurden Jugendliche mit Tagesschläfrigkeit getestet, denen auch schlechtere Schulnoten nachgewiesen werden konnten (Perez-Chada/ Perez-Lloret/ Videla / Cardinali 2007, 1698). Vergleichbare Ergebnisse lieferte der Abgleich des Chronotyps mit Abiturnoten und mit Zeugnisnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, mit jeweils besseren Ergebnissen für Morgentypen (vgl. Randler/ Frech 2009, 659). In einer Studie des russischen Kognitivwissenschaftlers Mikhail Borisenkov wurde festgestellt, dass der Chronotyp sich doppelt so stark wie die Schlafdauer auf die Schulleistung auswirkte (vgl. Borisenkov/ Perminova /Kosova 2010, 1265f.). Eine weitere Untersuchung mit Studierenden in North Carolina ergab, dass Abendtypen nur schwer mit frühen Seminarzeiten zurechtkommen und sich schlechter an Inhalte des vorherigen Semesters erinnern, wenn diese morgens stattfanden (vgl. McElroy/ Mosteller 2006, 618). Aus diesen Gründen ist es nicht erstaunlich, dass auch Vollmer in seiner Dissertation herausfand, dass Morgentypen im baden-württembergischen Bildungssystem bessere Schulnoten als Abendtypen erhalten (vgl. Vollmer 2012, 128).

Die Kognitionswissenschaft geht jedoch nicht davon aus, dass besseren Schulnoten der Morgentypen auf eine höhere Intelligenz der Morgentypen schließen lassen (vgl. Vollmer 2012, 150). Sogar das Gegenteil wurde mehrfach nachgewiesen. Mit einer repräsentativen Stichprobe US-amerikanischer Air Force-Rekruten stellte sich heraus, dass Abendtypen intelligenter sind (vgl. Roberts/ Kyllonen 1999, 1129).Nach einer 2011 veröffentlichten Meta­Analyse weisen Abendtypen auch höhere kognitive Fähigkeiten auf (vgl. Preckel/ Lipnevich / Schneider/ Roberts 2011, 488f.). Jedoch ist dieser in der Schule nicht so leistungsfähig wie die Morgentyp (vgl.ebd.). Abendtypen sind dem Risiko schlechterer Schulleistungen ausgesetzt, weil diese zu Tageszeiten abverlangt werden, die ihrem natürlichem Tag-Nacht­Rhythmus entgegenstehen (vgl. Goldstein/ Hasher/ Hahn/ Wiprzycka 2007, 437f.).

Das bessere Abschneiden der Morgentypen wird somit institutionell durch Bildungssysteme ermöglicht, die früh mit dem Unterricht beginnen. Jugendliche mit einem späteren Chronotyp werden dagegen in mehrfacher Hinsicht in ihrer Leistungsfähigkeit benachteiligt: An jedem Schultag müssen sie gegen ihre innere Uhr ankämpfen, sodass neben den gesundheitsgefährdenden Komplikationen ihre Denkleistungsfähigkeit beschränkt wird.Weil sie sich frühe Unterrichtsinhalte nicht so gut einprägen können, verursacht dies langfristig schlechtere Zensuren bei gleichem Aufwand. Auch das Abhalten von Prüfungen um acht Uhr fällt ins Leistungstief der Langschlafenden, welchen damit auch bei Prüfungsterminen ein Leistungshandicap gegeben wird.Gerade unter der Kenntnis, dass die meisten Jugendliche lang schlafen, benachteiligt die frühe Aufstehzeit eine Mehrheit.

5. Aspekte zur Alltagsplanung

Eine Schule ab neun Uhr stößt häufig dann auf Konflikte, wenn es um die Vereinbarkeit mit dem Lebensalltag der Grundschulkinder und deren Eltern geht. Die Sorge der Jugendlichen, weiterhin an außerschulische Aktivitäten wahrnehmen zu können, wurde im zweiten Kapitel anhand des Praxisbeispiels Kanada gezeigt. Aus diesem Grund soll sich die Arbeit nun mit dem Lebensalltag der Eltern von Grundschulkindern beschäftigen, deren Berufszeiten mit dem Unterrichtsbeginn ihrer Kinder schon heute unvereinbar sein können, was Schwierigkeiten verursacht.

Eine Fragestellung, die sich Betroffene bei der Unterrichtsänderung stellen, ist, ob Kinder im Grundschulalter es selbstständig zur Schule schaffen. Schulkinder zu befähigen, zu Fuß, mit dem Rad oder mit Klassenkameradinnen und -kameraden gemeinsam mit dem öffentlichen Nahverkehr, sicher zur Schule zu kommen, wäre ein wirksamer Schritt, Kinder in ihrer Selbstständigkeit zu fördern. Doch es führt zu der berechtigten Frage, wie viel Selbstständigkeit von einem zur Grundschule gehenden Kind erwartet werden darf. Begrenzt sich die Selbstständigkeit allein auf den Schulweg? Oder soll ihnen zugetraut werden, sich selbst zu wecken, Frühstück zu machen, sich pünktlich auf den Weg zu machen und ggf. noch Geschwisterkinder in den Kindergarten zu bringen? Da teilweise schulpflichtigen Kindern eine Unselbstständigkeit unterstellt wird, ist der Wunsch nach Betreuungsmöglichkeiten mehrfach geäußert worden.

Der Deutsche Bundestag vereinbarte, dass für Grundschulkinder ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eingeführt wird.Das Gesetz verfolgte den Anspruch, dass Eltern von schulpflichtigen Kindern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser meistern können, wenn ihre Kinder gut betreut werden. In der Regel findet die Betreuung in Horten als Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder in Ganztagsschulen statt. Auch Mischformen zwischen Hort- und Ganztagsschulbetreuung werden genutzt. Der vereinbarte Betreuungsumfang von Kindern in Hortbetreuung beträgt für den außerunterrichtlichen Teil durchschnittlich fünf Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche. (vgl. Bundesfamilienministerium 2018, 27)

Damit sich für Eltern die Möglichkeit ergibt,schon sehr früh zur Arbeit zu gehen, wurden in einigen Bundesländern bereits 2018 schon sogenannte Frühbetreuungsangebote geschaffen. Im Osten Deutschlands kann hierfür ein größerer Bedarf seitens der Eltern abgeleitet werden. Über 72 Prozent der Schulhorte in Ostdeutschland haben ab 6:15 Uhr bereits geöffnet, während es im Westen bis 7:30 Uhr gerade mal ein Viertel aller Einrichtungen sind (vgl. Bundesfamilienministerium 2018, 39). Dass die Kinder allerdings so früh in den Einrichtungen gebracht werden, liegt hauptsächlich an einer Gesetzeslage, dass Mütter und Väter keinen Anspruch auf einen späteren Arbeitsbeginn haben und sich so häufig den Arbeitsbedingungen zu fügen haben.

Der Journalist Rainer Stadler geht davon aus, dass es nicht in erster Linie der Wunsch der Eltern ist, ihr Kind so schnell wie möglich in fremde Hände zu geben (vgl. Stadler 2014, 11f.). Er sieht die Gefahr, dass mit einer Vollzeitbetreuungsoption a la Ganztagsschule Arbeitgebende mehr Flexibilität ihrer Arbeitnehmenden verlangen, sodass die gut gemeinte Schulkindbetreuung als Druckmittel für mehr Arbeitszeit eingesetzt wird (vgl. ebd.).Er sieht es kritisch, wenn der Arbeitszwang über Familien gestellt wird und verlangt eine familienfreundliche Politik, in denen Eltern die Chance erhalten, sich um die eigenen Kinder zu kümmern (vgl. ebd.). Aus familienpolitischen Gesichtspunkten müsste die Frage gestellt werden, ob Müttern und/oder Vätern mit Kindern eine verkürzte und/oder später beginnende Arbeitszeit garantiert werden sollte, um mehr Zeit für die Familie wahrnehmen zu können. Familien würden genügend Zeit dafür erhalten auszuschlafen und könnten auch weiterhin zusammen frühstücken. Von dem längeren Schlaf würden auch die Eltern profitieren. Gesunde Arbeitnehmende gelten auch als wichtigster Produktivitätsfaktor (vgl. Wippermann 2011, 25).

Solche größeren Fragestellungen werden in den Debatten um die Schule ab neun Uhr jedoch nur im geringen Umfang gestellt, sodass es meistens um die Frühbetreuung geht. Doch wenn diese als praktikable Möglichkeit zur Vereinbarkeit mit der Arbeitsstelle gesehen wird, muss im gleichen Atemzug die Sozialverträglichkeit dieser Betreuung für das Kind angesprochen werden. Denn den Vorteilen der Frühbetreuung kann gegenübergestellt werden, dass für schulpflichtige Kinder die frühe Betreuungszeit ganz und gar nicht sozialverträglich ist. Langfristig schadet sie ihnen gesundheitlich sogar in noch größerem Umfang als der Acht-Uhr-Unterricht: Das Problem bleibt eine zu geringe Schlafdauer, welche nicht nur bei Teenagern, sondern auch bei Primarstufenkindern zu finden ist. Die morgendliche Prozedur wirkt sich negativ auf das Verhalten der jungen Kinder aus und würde die gewünschten, gesundheitsfördernden Effekte eines verschobenen Unterrichtsstarts bei Kindern nicht entfalten. Die früh in die Betreuungseinrichtung gebrachten Kinder würden in den allermeisten Fällen weiterhin gegen ihre innere Uhr handeln. Und die Erziehungsmethode, die Kinder durch frühe Bettgehzeiten für ein frühes Aufstehen umpolen zu können,wurde durch Takeunis Forschungen bereits fundamental widerlegt. Insofern müsste in Debatten um die neue Startzeit eigentlich über neue familienpolitische Ansätze diskutiert werden, um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen.

6. Auswirkungen auf Lehrkräfte

Vom Schlaf her unterscheiden sich Lehrkräfte und Kinder nur in der Schlafdauer. Ansonsten finden sich genau dieselben Schlaftypen wieder, sodass bei Lehrkräften die gleichen Argumente angeführt werden können. Eine DAK-Studie hat festgestellt, dass 34 Prozent der Lehrkräfte über Müdigkeit klagen (DAK-Gesundheit 2018, 3). Weil der Lehrberuf allgemein eine erhöhte Konfliktbereitschaft erfordert, gehört er zu einem der riskantesten Berufe, Burn­out zu erleiden (vgl. Schumacher/ Sieland/ Nieskens/ Bräuer 2006, 252). Das Schläfrigkeitsproblem erhöht neben dem Burn-out-Risiko auch andere gesundheitliche Bereiche. Da die Qualität der Bildung auch insbesondere von der Gesundheit der Lehrkräfte abhängt, würde der Schritt zu einem verzögerten Unterrichtsbeginn gleichzeitig auch die Unterrichtsqualität vieler Lehrkräfte verbessern, sodass eine Umstellung im Prinzip eine Win­Win-Situation wäre.

In einer qualitativen Forschungsstudie von Carskadon und Wolfson wurden jedoch auch negative Einstellungen im Zusammenhang mit einer verspäteten Schulanfangszeit ermittelt. Insgesamt 13 Prozent aller Befragten gabenan, dass veränderte Schulanfangszeiten zu einer verminderten Lehrerzufriedenheit führen könnten (vgl. Carskadon/ Wolfson 2005, 56). Zwei Prozent befürchten mehr launischere Schüler und ein Prozent eine geringere Beteiligung der Eltern (vgl. ebd.).

Wie die Einstellungen von Lehrkräften zu verzögerten Schulanfangszeiten tatsächlich sind, könnte in weitergehenden Forschungen näher untersucht werden. Eine verminderte Zufriedenheit könnte daraus resultieren, wenn die betroffenen Lehrkräfte dann eine Stunde nachmittags länger arbeiten müssten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vergleich der Unterrichtsbeginne in Bezug auf den zirkadianer Rhythmus

Dem gegenüberzustellen sind aber die Absichten der OECD, die Stundendeputate in Deutschland sowieso herunterzufahren, sodass Lehrkräfte wohl doch nicht länger an der Schule bleiben müssten (vgl. Michler 2016). Lehrende könnten mit einer Entlastung aber auch mehr Angebote zur Weiterbildung wahrnehmen (vgl. ebd.).Die OECD-Studie belegte nämlich, dass Lehrkräfte in der Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Staaten viel mehr unterrichten: Während in Deutschland eine Lehrkraft im Sekundarbereich II im Durchschnitt 714 Stunden im Jahr unterrichte, waren es in Japan, Russland und der Türkei nur knapp über 500 Stunden. (vgl. OECD 2016, 554).

Obwohl die Umstellung des Schulbeginns auf neun Uhr nur bei knapp der Hälfte aller Personen ein Leben nach der inneren Uhr ermöglicht,sorgt die Verzögerung am Morgen aber dafür, dass der Tagesablauf in die Richtung des Rhythmus von durchschnittlich 84 Prozent der Bevölkerung verbessert wird. Dies stärkt die Gesundheit und wird damit die Lebensqualität der Betroffenen steigern. Es kann als unrealistisch betrachtet werden, dass Lehrkräfte gegen die eigene Gesundheit oder derer ihren Schülerinnen und Schülern arbeiten möchten, da ihnen selbst ein Erziehungsauftrag zu einem gesunden Lebensstil anvertraut wurde (vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2019).

7. Volkswirtschaftliche Effekte

Während die gesundheitlichen und leistungsbezogenen Aspekte eines späteren Schulstartes in der Literatur sehr breit dokumentiert sind, fanden sich in der Praxis auch Widerstände gegen eine Verlagerung aufgrund erhöhter finanzieller Kosten.

In den USA wird beispielsweise als Hauptargument häufig angeführt, dass eine Verschiebung erhebliche zusätzliche Kosten mit sich bringen. Insbesondere das Ändern der aktuellen Verkehrspläne sowie die Verlegungen außerschulische Aktivitäten bis in den späten Tag hinein werden häufig als Hauptkostenfaktoren hervorgehoben (vgl. Owens/Belon/Moss 2010, 609).

Eine Vergleichbarkeit mit dem deutschen Bildungssystem dabei herstellen zu können, ist schwierig: In den USA sind Schulbusse privat und werden von den Schulen geordert. Deren Unterrichtsbeginn ist je nach Schulart dreigeteilt, um die Gesamtanzahl der benötigten Busse zu reduzieren (vgl. Hafner/ Stepanek/ Troxel 2017, 3).Oft beginnt die high school zuerst, damit jüngere Kinder erst wenn es hell ist, zur Schule gehen können (vgl. ebd.). Diese nur in den USA anfallenden Kosten wurden auf ungefähr 150 Dollar pro Schüler im Jahr geschätzt (vgl. Edwards 2012, 983).

Eine Unterrichtsbeginnverzögerung würde, um außerschulische Aktivitäten zu ermöglichen, die Installation neuer Beleuchtungssysteme auf Sportfeldern erfordern, da die Dämmerung im Winter bereits am Ende des Schultages beginnen würde.Die Kosten für den Bau der Lichtinfrastruktur würden einmalig rund 110.000 Dollar betragen und jährliche Betriebskosten von rund 2.500 Dollar mit sich bringen (vgl. Jacob/ Rockoff 2011, 10). Würden die letzten Schulstunden in die Innenräume verlegt werden, fielen diese Kosten weg.

Trotz der öffentlichen Debatte über die Umsetzungsherausforderungen eines späteren Schulbeginns hat bisher nur eine Studie international versucht, das mögliche volkswirtschaftliche Potenzial zu quantifizieren. Die Brookings Institution untersuchte das Kosten-Nutzen-Verhältnis für eine Stunde späteren Schulbeginn. Ab der high school gäbe es ein wirtschaftliches Kosten-Nutzen-Verhältnis von 9:1, was bedeutet, dass für jeden ausgegebenen US-Dollar die Rendite über die Lebenszeit verteilt gesehen neun US-Dollar in den Staatshaushalt zurückbringen könnte (vgl. Jacob/ Rockoff 2011, 6). Würden bereits in der middle school, also in der weiterführenden Schule die Unterrichtszeit angepasst werden, ergibt das sogar ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 40:1 (vgl. ebd.). Die Studie zeigt, dass bei einem späteren Schulbeginn der Klassendurchschnitt um 17,5 Prozent verbessert wird und besonders die bisher benachteiligten Jugendlichen ihr Potenzial stark ausschöpfen können, was langfristig ihre Schulleistungen und damit auch die Berufschancen steigert (vgl. Jacob/ Rockoff 2011, 10).

7.1. Potenzial in der Bundesrepublik Deutschland

In Deutschland könne bei einem offenen Betreuungsauftrag Ausgaben gesenkt werden, da Familien eher nachmittags das Betreuungsangebot der Ganztagsschulen annehmen können, weil ein Frühbetreuungsangebot in vielen Bundesländern weniger nachfragt wird bzw. bisher nicht existiert (vgl. Bundesfamilienministerium 2018, 39). Wie groß der Bedarf an einer Frühbetreuung tatsächlich ist, sollte noch bundesweit evaluiert werden. Gut erforscht hingegen wurde das allgemeine erforderliche Betreuungsangebot an Schulen: In der Grundschule werden 1,57 Mio. Kinder betreut, jedoch geht das Bundesfamilienministerium davon aus, dass zum Stand 2017 560.000 Plätze zusätzlich benötigt werden (vgl. Bundesfamilienministerium 2017, 10f.). Für diesen Ausbau wurde unter Einbezug des demografischen Wandels prognostiziert, dass bis 2030 insgesamt 103.564 neue Vollzeitstellen für Primarstufe, Sekundarstufe und Förderstufe geschaffen werden müssten, um ein Ganztagesangebot zu ermöglichen (vgl. Klemm/Zorn 2017, 27). Dafür müssten mindestens 5,4 Mrd. Euro mehr im Bildungsbereich in der Bundesrepublik eingeplant werden, was ca. 0,16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht (vgl. Klemm/Zorn 2017, 24).

Mit einem Unterrichtsstart ab neun Uhr würde sich die außerunterrichtliche Betreuungszeit am Nachmittag um mindestens eine Stunde verkürzen, weil die Schule entsprechend länger wäre. Bei einer durchschnittlichen Betreuungszeit von sieben Stunden am Tag könnte ein Gesamtvolumen von bis zu 770 Mio. Euro eingespart werden (vgl. Alt/ Gedon/ Hubert/ Hüsken/ Lippert 2018, 33). Von dieser beachtlichen Summe müsste jedoch noch ein nicht bestimmbarer Teil für die Kinder abgezogen werden, deren Eltern durch den verspäteten Unterrichtsbeginn eine Frühbetreuung in Betracht ziehen möchten bzw. müssen.

7.2. Auswirkungen auf die Energie- und Verkehrspolitik

Energiepolitisch hätte der verspätete Unterrichtsbeginn einen kleinen positiven Effekt. Um ein smart grid, zu deutsch intelligentes Stromnetz, mit optimalerer Auslastung ermöglichen zu können, wird Energieverbrauchenden empfohlen, ihre Nachfrage zu Zeiten günstiger Angebotsverhältnisse zu verlagern (vgl. Schnabel 2014, 19). Energie soll dann verbraucht werden, wenn sie verfügbar ist. Dies soll zu einer Senkung von Energiespitzen führen, in dem sich der Bedarf verteilt. Durch einen verzögerten Schulstart lässt sich der Strombedarf deutlich besser abdecken: Weil ein Neun-Uhr-Stundenplan häufiger dann beginnt, wenn bereits die Sonne scheint, kann die Solarenergie viel stärker genutzt werden, und dämmt dadurch die Wahrscheinlichkeit von Energieengpässen ein. Die Schule ab neun Uhr würde damit einen Beitrag zu mehr Energieeffizienz leisten und trägt somit zum Erreichen der Klimaschutzziele bei.

Einen ähnlichen klimafreundlichen Effekt könnte auch im Verkehrsbereich erfolgen. Laut der Verkehrswissenschaft ist es möglich, einen Teil des Verkehrsaufkommens mit verzögerten Schul- und Arbeitsbeginnen zeitlich zu entzerren. Tatsächlich legen Verkehrsstudien über die zeitliche Verteilung des Verkehrsaufkommens bereits seit Längerem dar, dass die Verkehrsspitze kleiner wird (vgl. Gerike 2005, 1; vgl. Sutter/ Killer/Maibach/Sträuli 2016, 39). Verkehrsspitzen lassen sich an Wochentagen zwar immer noch finden, jedoch verteilen sich die Zeitfenster mit hoher Verkehrsbelastung auf mehrere Stunden bei flexiblen Arbeitsbeginn-Modellen wie ein verspäteter Unterrichtsbeginn (vgl. Nobis/ Kuhnimhof 2018, 65; vgl. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen 2006, 25). Durch eine Verschiebung der Unterrichtszeiten auf einen Neun-Uhr-Stundenplan wurde für die Region Bern ein Verlagerungspotenzial von minus 84 Prozent in der morgendlichen Hauptverkehrszeit aufgezeigt (vgl. Sutter et.al. 2016, 39).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Pendlerströme bei einer Verschiebung von Unterrichtszeiten

Insofern ist es auch verständlich, weswegen das Landesverkehrsministerium von Baden- Württemberg eindringlich für eine Umstellung der Schulanfangszeiten plädiert. Jedoch vertreten andere Stimmen trotz den verkehrswissenschaftlichen Forschungsergebnissen die Meinung, dass „verkehrspolitisch nichts gewonnen wäre“, weil die Frühbetreuungszeiten dann vorgeschaltet werden müssten (vgl. Knüttgen 2018). In welcher wissenschaftlichen Ausarbeitung allerdings belegt wurde, dass bei einem späteren Schulbeginn solche Betreuungszeiten dann angenommen werden und sich dadurch Verkehrsspitzen nicht ändern, lässt sich nicht nachprüfen.

8. Studie über verspäteten Unterrichtsbeginn

Nach den angeführten Kapiteln über den verspäteten Unterrichtsbeginn soll nun auf die Ergebnisse der groß angelegten Studie in Seattle eingegangen werden. Während zahlreiche qualitative Studien durchgeführt wurden, hat die Seattle-Studie die Effekte eines verzögerten Unterrichtsbeginn auf die Schulpflichtigen erstmalig mit umfassenden medizinischen Messungen zusätzlich belegt (vgl. Dunster et. al. 2018, 1).

Das Feldexperiment zur Untersuchung des potenziellen Nutzens einer späteren Schulstartzeit umfasste Schulen, die von einem frühen zu einem späten Start übergegangen sind. Im US-amerikanischen Seattle, das seit 1969 von der demokratischen Partei regiert wird, wurde die Startzeit für alle weiterführenden Schulen von 07:50 Uhr auf 08:45 Uhr verschoben. Diese Änderung konnte für das Schuljahr 2016/2017zentral in Seattle umgesetzt, da der Staat den Schulbeginn vorgibt. Die Forschungsgruppe maß die Schlaf­Wach-Zyklen mit Handgelenk-Aktivitätsgeräten von Schülerinnen und Schüler öffentlicher high schools in Seattle vor und nach der Umstellung. Zu jeder Jahreszeit wurde in jeder Schule eine unabhängige Stichprobe untersucht, die denselben Unterricht belegten. Die Studie wurde als wissenschaftliche Laborpraxis angegeben, in der die Schlafmuster vorhergesagt werden könnten. Im Rahmen der immer zwei Wochen andauernden Aufzeichnungsphase trug jeder Schüler ein Messgerät und füllte parallel ein Schlaftagebuch zur Validierung der Daten sowie verschiedene Fragebögen aus. (vgl. ebd.)

Die regelmäßigen Leistungsspitzen zeigten sich an Schultagen sowohl vor als auch nach dem verzögerten Unterrichtsbeginn vor allem in den Pausenzeiten und bei Raumwechseln. Zwischen Schultag und Nicht-Schultag unterscheiden sich aber die Zeitpunkte, an denen die Heranwachsenden aktiv waren.

Der Verdacht, dass bei einem Start ab neun Uhr die Vorteile der Langschlafenden zum Nachteil der Frühaufstehenden werden, hat sich nicht bewahrheitet: Einen solchen Effekt würde es nur dann geben, wenn Schule ab sofort nur noch in den Abendstunden stattfinden würde. Bis 15 Uhr bleibt die Leistungsfähigkeit aller Chronotypen auf einem vergleichbaren Niveau (vgl. Dunster et.al. 2018, 2). Mit einer zeitlichen Verzögerung würden bei den „Eulen“ ähnliche Leistungsvoraussetzungen geschaffen werden, weil sie dadurch ihren zirkadianen Rhythmus leben könnten. Die „Lerchen“ müssten aber dafür nicht ihren Rhythmus umstellen, sondern könnten weiterhin mit ihrer inneren Uhr aufstehen und bereits vor der Schule produktiv sein.

Die Analyse des geschätzten Schlafbeginns ergab, dass es bei einem verspäteten Unterrichtsbeginn einen leichten Trend zu einem späteren Schlafbeginn gibt, es allerdings zu einem starken Anstieg der Schlafdauer im Median um insgesamt 34 Minuten kam.An schulfreien Tagen zeigte sich mit der Einführung des späteren Schulbeginns kein signifikanter Unterschied. Die Forschungsgruppe bestätigte, dass aufgrund des verzögerten Schlafmusters der Jugendlichen ihr Schlaf-Wach-Rhythmus an Schultagen enger mit dem an nicht schulischen Tagen übereinstimmt. Dies sorgte für einen signifikanten Rückgang des Jetlags bei Jugendlichen ab 2017 (Median = 1,25, n = 76) im Vergleich zu 2016 (Median = 1,60, n = 81). (vgl. Dunster et.al. 2018, 2)

Die Forschergruppe ist der Ansicht, dass die Erhöhung der täglichen Schlafdauer bei Jugendlichen nicht nur aufgrund der offensichtlichen nachteiligen körperlichen und geistigen Gesundheitsprobleme bei chronischem Schlafentzug erstrebenswert sei, sondern auch aufgrund der Rolle, die der normale Schlaf beim Lernen und bei der Festigung des Gedächtnisses spielt (vgl. Rasch/Born 2013, 722). Der Zusammenhang zwischen längerem Schlaf und besseren schulischen Leistungen war in den Feldstudien zwar schwer messbar, jedoch konnten das Forscherkollektiv eine Korrelation feststellen: Jede Handlung, die zu einer längeren täglichen Schlafdauer führe, könne zu einer besseren schulischen Leistung führen (vgl. Dunster et.al. 2018, 1).

In der Studie wurde auch versucht, die Bedeutung des Lichts ausfindig zu machen. Da die Lichtintensitäten, denen die Schüler ausgesetzt sind, sehr unterschiedlich sind, und auch die Messungen ungenau werden, konnte kein direkter Vergleich gezogen werden. Sichergestellt werden konnte, dass sich die Jugendliche 2017 länger abends hohen Lichtsequenzen aussetzten, dafür aber morgens eine größere Toleranz gegenüber den Lichtsequenzen aufzeigten (vgl. Dunster et.al. 2018, 3). Als Messwert wurden 50 Lux angepeilt, da ab diesem Wert Melatonin gehemmt wird, welches für den Schlafzustand verantwortlich ist (vgl. Dunster et.al. 2018, 2).

Die Forschungsgruppe testete auch, ob der spätere Schulbeginn im Jahr 2017 die Anwesenheit und Pünktlichkeit verbessere, indem Fehlzeiten und Verspätungen aller Jugendlichen nach Zeitabschnitt einzeln verglichen wurden. Während an einer Schule kein Unterschied zwischen den Jahren festgestellt wurde,wies eine high school 2017 deutlich weniger Verspätungen und Fehlzeiten als 2016 auf.In dieser gab es mehr wirtschaftlich benachteiligte Schülerinnen und Schüler sowie eine Mehrheit an ethnischen Minderheiten. (vgl. Dunster et.al. 2018, 4)

9. Fazit

Die obengenannte wissenschaftliche Ausarbeitung hat die Verschiebung des Unterrichtsbeginns von verschiedenen Facetten her betrachtet. Bemerkenswert ist die Skepsis der Schülerinnen und Schüler, welche sich davor sorgen, nicht mehr so viel Zeit für außerschulische Aktivitäten zu haben. Außerdem besteht die Kritik fort, dass es momentan in Deutschland immer noch nicht ausreichende Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten geschaffen wurde, welche in manchen Familienkonstellationen aber erforderlich wären. Bei einem Neun-Uhr- Schulbeginn müsste des Weiteren auch die Alltagsrhythmen von Familien erörtert werden. Um die Regelung familienfreundlich umzusetzen, müsste sich die Wirtschaft an den Arbeit nehmenden Familien orientieren, indem sie Eltern die Möglichkeit geben, später zur Arbeit gehen zu können und bei Bedarf die Arbeitszeit zu reduzieren, bzw. die Frühbetreuung gefördert werden. Für solche Umsetzungen wird allerdings insbesondere der politische Wille benötigt.

Außerhalb dieser Argumente ergeben sich aus dem verschobenen Unterrichtsstart zahlreiche Vorteile. Es hat sich nach Recherchen der Chronobiologie herausgestellt, dass aus gesundheitlichen Gründen der Schulbeginn später erfolgen sollte. Um den jugendlichen Gesundheitsschutz angemessen zu berücksichtigen, sollten die Direktorinnen und Direktoren den Stundenplan umändern. Da in der Vergangenheit aber wenig verändert wurde, sollte die Schaffung eines zentral geregelten Systems, wie es in Seattle der Fall ist, überlegt wird. Dies würde allen Schulen eines Landes zu einer bestimmten Zeit den Unterrichtsbeginn vorgegeben und könnte die gesundheitlichen Verbesserungen schneller ermöglichen. Dies wurde aus den 2018 abgeschlossenen Forschungen von Dunster et.al. in der Seattle-Studie sichtbar.

Um die gesundheitlichen Schäden, welche der Acht-Uhr-Unterrichtsbeginn bei späteren Chronotypen verursacht, auch ohne die Startverschiebung zu minimieren, plädierte Chronobiologe Roenneberg für einen gestaffelten Unterrichtsstart von Ost nach West. Außerdem forderte er die Abschaffung der Sommerzeit, sodass wenigstens zwischen April und Oktober sich die ohnehin geringe Anzahl der Jugendlichen, die im zirkadianen Rhythmus leben, nicht mehr durch eine Zeitumstellung reduzieren lässt.

Doch wenn die Leistungsfähigkeit und die volkswirtschaftlichen Effekte des späteren Schulbeginns in die Überlegungen mit einbezogen werden, ist die Vision der Neun-Uhr­Schule noch weiter im Aufwind. Die Forschungsergebnisse zeigten, dass der Notendurchschnitt sich für alle deutlich verbessert und für Frühaufstehende trotzdem gleich stark bleibt. Ein langfristiges Kosten-Nutzen-Verhältnis von mindestens 9:1 unterstreicht die durch eine Verschiebung geschaffene Leistungssteigerung. Auch wurde geschätzt, dass in Deutschland sogar bis zu 770 Mio. Euro wegen einer wegfallenden Nachmittagsbetreuungsstunde weniger ausgegeben werden könnten. Dass der verschobene Start infrastrukturelle Verbesserungen im Energie- und Verkehrsbereich mit sich bringen und hierbei klimaschonend auch Geld gespart werden könnte, wurde spätestens seit dem Eintritt eines Verkehrsministers für den späteren Schulbeginn deutlich.

Zusammengefasst gibt es viele wissenschaftliche Argumente, die für einen Schulbeginn ab neun Uhr sprechen. Die Entscheidung erfordert allerdings den Mut, alte festgefahrene Strukturen zu durchbrechen. Es wäre erforderlich, die Menschen genauestens darüber aufzuklären, dass ein Leben nach der inneren Uhr im Interesse aller wäre. Dies würde die Entscheidungsfindung über die Zeit des Schulbeginns erheblich beschleunigen.

Abbildungsverzeichnis

Alle Quellen wurden auf ihre Funktionalität am 19. August 2019 überprüft.

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Abb.2: Vergleich der Unterrichtsbeginne in Bezug auf den zirkadianer Rhythmus. Eigene Bearbeitung. Grafikgrundlage Abb.1.

Abb.3: Pendlerströme bei einer Verschiebung von Unterrichtszeiten. In: Sutter, Daniel/ Killer, Maura /Maibach, Markus /Sträuli, Caspar (2016). Metropolitankonferenz Zürich - Brechen der Verkehrsspitzen - Schlussbericht. INFRAS. Zürich. S. 40. Daten aus: Egger- Jenzer, Barbara (2015). Tägliche Verkehrsüberlastung zu den Spitzenzeiten -Wie weiter? Berner Verkehrstag 21. August 2015. Bern.

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Details

Titel
Schule ab neun Uhr. Mehrdimensionale Perspektiven eines späteren Unterrichtsbeginns
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V518474
ISBN (Buch)
9783346108074
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsbeginn, Chronotypen, 9 Uhr, smart grid, Zirkadiner Rhythmus, Schlaf, Sommerzeit, Gesundheit, Verkehrsspitze, Seattle-Studie
Arbeit zitieren
Florian Wondratschek (Autor), 2019, Schule ab neun Uhr. Mehrdimensionale Perspektiven eines späteren Unterrichtsbeginns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518474

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