Investitionen von Startups und bestehenden Unternehmen. Welchen Einfluss hat die Besteuerung auf den Nutzen von Investitionen?


Masterarbeit, 2019

60 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Problemstellung und Abgrenzung der Untersuchung
1.3 Gang der Untersuchung

2. ThemenrelevanteGrundlagen
2.1 Begriffsabgrenzung
2.1.1 Steuern und Besteuerung
2.1.2 Investitionen
2.2 Entscheidungssituation und Zielsetzung der Entscheidungsträger
2.3 Verfahren der Investitionsrechnung
2.4 Kapitalwertmethode
2.4.1 Voraussetzungen und Berechnungsmodalitäten / Grundlagen
2.4.2 Kapitalwertermittlung ohne Berücksichtigung von Steuern
2.4.3 Planungszeitraum
2.4.4 Kapitalwertberechnung unter unsicheren Erwartungen
2.4.5 Beeinflussung des Kapitalwertes durch die Besteuerung
2.4.5.1 Notwendigkeit
2.4.5.2 Steuerarten und Steuersätze
2.4.5.3 SteuemindenZahlungsreihen
2.4.5.4 Steuern im Kalkulationszinsfuß
2.4.5.5 Kapitalwertberechnung nach Steuern

3. Untersuchung der Vorteilhaftigkeit von Investitionen unter Berücksichtigung von Ertragssteuern
3.1 Vorteilhaftigkeitskriterien
3.2 Ertragsteuerliche Effekte
3.2.1 Volumeneffekt
3.2.2 Zinseffekt
3.2.3 Gesamteffekt
3.3 Steuerparadoxon
3.4 Steuerlicher Einfluss bei variierender Nutzungsdauer
3.4.1 Vorüberlegung mit nichtsteuerlicher Betrachtung
3.4.2 SteuerlicheBetrachtung
3.5 Steuerlicher Einfluss variierender Kalkulationszinssätze
3.5.1 Vorüberlegung mit nichtsteuerlicher Betrachtung
3.5.2 Steuerliche Betrachtung

4. Ausgewählte Parameter zur Vorteilhaftigkeitsermittlung bei Investitionsentscheidungen
4.1 Kapitalwertänderung infolge variierender Ertragsteuersätze
4.1.1 Vorangegangene Überlegung
4.1.2 Wirkung unterschiedlicher Ertragsteuersätze
4.2 Verlustverwertungsmöglichkeit
4.2.1 Verlustausgleich und Verlustabzug
4.2.2 Berücksichtigung des Verlustabzugs
4.3 Substanzbesteuerung

5. KurzüberblickundErgebnisse

Literaturverzeichnis

Gesetzesverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Basiselemente eines Entscheidungsmodells

Abbildung 2: Vorteilhaftigkeitsveränderungen bei Berücksichtigung nachsteuerlicher Kapitalwerte

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Finanz- und Realinvestitionen

Tabelle 2: Merkmale der dynamischen und statischen Investitionsrechnung

Tabelle 3: Einteilung von Steuern nach der Bemessungsgrundlage

Tabelle 5: Fallkonstellationen bei Variation der Ertragsteuersätze

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung in das Thema

Die Beziehung zwischen der Besteuerung und der Investitionstätigkeit von Unternehmen stellten die Wirtschaftsforschung schon immer vor großen Problemen. Bei der Frage nach langfristigem Wirtschafswachstum steht die Investitionstätigkeit bis Dato im Mittelpunkt der Betrachtung.1

Diese Investitionsvorhaben werden durch eine etwaige Besteuerung so beeinflusst, dass die Investitions- und Finanzierungsentscheidung selbst bzw. die Höhe von einer möglichen Steuerzahlung in der Zukunft abhängt. Solche Entscheidungen sind sowohl bei einer Unternehmensgründung als auch im laufenden Geschäftsbetrieb zu treffen, sofern Investitionen oder Finanzierungen zu tätigen sind.2

„Eine Reaktion auf die Besteuerung erfolgt natürlich nur dann, wenn sich das Wirtschaftssubjekt der Steuerbelastung bzw. bei einzelnen Maßnahmen der Steuererhöhung oder -Senkung bewußt wird.“3 Demnach ist es von enormer Wichtigkeit, bei dem Entscheidungsprozess das Thema der Besteuerung nicht außer Acht zu lassen und bei der Überlegung geeigneter vorteilhafter Investitionen zu berücksichtigen.

Das deutsche Steuersystem ist im Vergleich zu Steuersystemen anderer Länder sehr komplex. Bei der Ermittlung von Investitionsentscheidungen müssen daher unterschiedliche Steuerarten berücksichtigt werden. Wird jedoch von der Annahme ausgegangen, dass jede Investitionsalternative in gleicher Weise von einer Steuer betroffen ist, könnte bei der Entscheidungsfindung die Besteuerung unberücksichtigt gelassen werden.4 Eine vor Steuern getroffene Investitionsentscheidung würde bei der Betrachtung nach Steuern weiterhin stabil bleiben.5 Damit einhergehend stellt sich auch die Frage nach einer formellen Entscheidungsrelevanz von Steuern6 und darauf aufbauend auch die Frage nach dem Einfluss einer möglichen Besteuerung auf die Vorteilhaftigkeit einer Investition.

1.2 Problemstellung und Abgrenzung der Untersuchung

Die Antwort auf die Frage, ob Steuern mit Blick auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu berücksichtigen sind, lässt sich nicht für alle Steuerarten und Entscheidungstypen vereinheitlichen.7 Hier müssen die Zusammenhänge zwischen der Besteuerung und der damit einhergehenden Beeinflussung auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen zunächst herauskristallisiert und unabhängig voneinander betrachtet werden.

Dabei wird in der Literatur von einer Steuerwirkungslehre und einer Steuergestaltungslehre gesprochen.8 Die Beeinflussung der Steuerwirkung mit Bezug auf die Vorteilhaftigkeit einer Investition betrifft hier das Aufgabengebiet der Steuerwirkungslehre.9

Geht man der Annahme nach, dass Investitionsentscheidungen durch die Besteuerung nicht unwesentlich beeinflusst werden, so stellt sich die Frage, wie stark die Vorteilhaftigkeit von der Besteuerung der Investition abhängt.

Hier istjedoch zunächst zu beachten, das Kostensteuern sowie Steuern vom Umsatz für die Betrachtung unerheblich sind. Da eine Preisüberwälzung unterstellt wird, werden diese Steuerarten bei der grundsätzlichen Überlegung einer Investitionsentscheidung unberücksichtigt gelassen. Sowohl bei der makroökonomische Investitionstheorie als auch bei der mikroökonomischen Investitionstheorie wird dabei anfänglich an die Berücksichtigung von Ertragsteuern gedacht. Neben den Ertragsteuern werden zudem auch steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für die Entscheidungsfindung berücksichtigt.10

Betriebliche Investitionen dienen in der Regel dem Erreichen wirtschaftlicher Ziele. Für die vorliegende Arbeit sind daher lediglich quantitative Aspekte für die Vorteilhaftigkeit von Investitionen ausschlaggebend.11 Als oberstes Ziel eines Unternehmens gilt die Sicherung und der langfristige Fortbestand. Das Erreichen anderer Ziele, wie zum Beispiel dem Machtstreben, dem Einfluss auf die Politik, Mildtätigkeit, Sicherung von Arbeitsplätzen oder andere nicht quantifizierbare Ziele können auch von Wichtigkeit sein,12 werdenjedoch für die Arbeit unberücksichtigt gelassen.

1.3 Gang der Untersuchung

Aufbauend auf der Einleitung und damit Ausgangspunkt dieser Arbeit wird zunächst die Analyse und Untersuchung themenrelevanter Grundlagen sein. Erst nachdem ein Überblick über die entscheidungsrelevanten Grundlagen der Vorteilhaftigkeitsanalyse gegeben wurde, kann im Nachgang auf den Kern der Arbeit Bezug genommen werden.

Nachdem zunächst eine differenzierte Begriffsabgrenzung ausgearbeitet wird, werden Entscheidungssituation und Ziele der Entscheidungsträger beleuchtet, bevor ein Überblick über die unterschiedlichen Arten der Investitionsrechnungen gegeben wird. Unteranderen sticht hierbei die Kapitalwertmethode als geeignetes Verfahren hervor, mit der die Vorteilhaftigkeit einer Investitionsentscheidung genauer untersucht werden kann. Die herausgearbeitete Kapitalwertmethode wird in diesem Zusammenhang sehr detailliert betrachtet und gilt als Grundlagenschwerpunkt der vorliegender Arbeit. Neben der Bewertung einer Investition berücksichtigt sie ebenso steuerliche Aspekte und dient damit dem Ziel dieser Arbeit, den Einfluss der Besteuerung auf die Vorteilhaftigkeit von Investitionen zu analysieren.

Im dritten Kapitel der Arbeit wird die Vorteilhaftigkeit von Investitionen unter Berücksichtigung von Steuern betrachtet. Nachdem hier die Vorteilhaftigkeitskriterien genauer differenziert wurden, werden ertragsteuerliche Effekte, das Steuerparadoxon, variierende Nutzungsdauern sowie variierende Kalkulationszinssätze näher untersucht.

Im vierten Kapitel werden die Parameter zur Vorteilhaftigkeitsermittlung bei Investitionsvorhaben untersucht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf variierende Ertragsteuersätze und ihren Einfluss auf die Kapitalwertberechnung nach Steuern. Des Weiteren wird die Verlustverwertungsmöglichkeit als weiterer Parameter zur Berechnung der Vorteilhaftigkeit herangezogen, bevor das Kapitel mit der Substanzbesteuerung abschließt.

Schlussendlich folgt in letztens Kapitel der Arbeit eine Zusammenfassung der Ergebnisse in Form von allgemeingültigen Hypothesen.

2. Themenrelevante Grundlagen

2.1 Begriffsabgrenzung

2.1.1 Steuern und Besteuerung

In der Abgabenordnung sind Steuern genauestens definiert. Gem. § 3 Abs. 1 AO sind Steuern Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen. Sie werden von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft.

Damit stellen Steuern Zwangsabgaben in Form von Geldleistungen an Bund, Länder und Gemeinden dar. Für die Besteuerung gelten die Grundsätze der Gleich- und Tatbestandsmäßigkeit.13 Von einer Besteuerung wird gesprochen, sofern die Steuer auf einen spezifischen Tatbestand erhoben wird. Beispielweise auf einem zu versteuernden Untemehmensgewinn.

2.1.2 Investitionen

Als Investitionen werden alle Maßnahmen bezeichnet, die sowohl gegenwärtige Opfer verlangen als auch zukünftige Belohnungen versprechen. Dabei wird eine Investition als Vorteilhaft angesehen, sobald die Belohnung das Opfer zumindest überwiegt. Dieser Vergleich von Belohnung und Opfer wird in Geldeinheiten gemessen und in einem Zahlungsstrom verdeutlicht. Dieser Zahlungsstrom beginnt in der Regel mit einem Abgang von Zahlungsmitteln und endet mit einem Zufluss von Zahlungsmitteln. Bei der Investition wird also liquides Vermögen in nicht liquides Vermögen umgewandelt mit dem Ziel, dass das nicht liquide Vermögen im Zeitverlauf an Wert hinzugewinnt. Investitionen werden in Finanz- und Realinvestitionen unterschieden.14

Nachfolgende Tabelle zeigt Beispiele für Finanz- und Realinvestitionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Finanz- undRealinvestitionen

2.2 Entscheidungssituation und Zielsetzung der Entscheidungsträger

Ein Entscheidungsmodell setzt sich grundsätzlich aus zwei Basiselementen zusammen. Dem Entscheidungsfeld, welches aus Handlungsalternativen, Umweltzustände und Ergebnisse besteht, und der Zielfunktion.15 16 17 Nachfolgende Abbildung verdeutlicht diese Elemente.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Basiselemente einesEntscheidungsmodells

Das Entscheidungsfeld zeigt unterschiedliche Handlungsaltemativen. Ein Entscheidungsproblem kann daher nur vorliegen, wenn es mehr als eine Investitionsmöglichkeit gibt. Die Ergebnisse der Investitionsmöglichkeiten sind in der Regel unterschiedlich. Mit diesen Investitionen treten auch Konsequenzen auf, welche in die Entscheidungssituation abgebildet werden müssen. Hinzu kommen Umweltzustände, die keine Entscheidungsvariablen darstellen, also die nicht beeinflussbar sind (bspw.: Fixe Kosten). Sie werden daher als entscheidungsirrelevante Daten bezeichnet.18

Parallel zur Entscheidungssituation muss ein Ziel definiert werden. Geht man von einer rationalen Handlungsweise des Entscheidungsträgers aus, so sollte diese wirtschaftlich orientierte Investitionsziele verfolgen.

In der betrieblichen Steuerpolitik gilt es ebenfalls Ziele zu bestimmen. Rationale Entscheidungen setzen hierbei voraus, dass diese Ziele zielorientiert getroffen werden.19 Motive hierfür können monetärer und nicht monetärer Natur sein. In der Steuerpolitik wird lediglich auf die monetären Ziele eingegangen. Diese lassen sich wie folgt unterscheiden:20

- Endvermögensmaximierung
- Konsummaximierung
- Wohlstandsmaximierung (Kombination beider vorgenannten Ziele)

Hierbei wird unterstellt, dass die Entscheidungsträger weder das Ziel der Konsummaximierung, noch das Ziel der Wohlstandsmaximierung verfolgen. Der Entscheidungsträger versucht stets sein Vermögen durch Investitionen zu steigern. Für diese Arbeit wird daher davon ausgegangen, dass die Entscheidungsträger das Ziel der Endvermögensmaximierung verfolgen.

2.3 Verfahren der Investitionsrechnung

Um eine Investition grundsätzlich beurteilen zu können, bedarf es Investitionsrechnungsverfahren, die zeigen, in wie fern eine Investition als positiv oder negativ bewertet werden kann. Diese in der Theorie und Praxis entwickelten Investitionsrechnungsmethoden werden in der Literatur in statische und dynamische Verfahren eingeteilt. Diese Verfahren unterscheiden sich weitestgehend in der Betrachtung der Teilperioden. In den statischen Verfahren wird lediglich eine Periode betrachtet, während bei den dynamischen Verfahren alle Teilperioden betrachtet und in der Summe bewertet werden.21 22

Nachfolgende Tabelle fasst die unterschiedlichen Merkmale der dynamischen und der statischen Investitionsrechnung zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Merkmale der dynamischen und statischen Investitionsrechnung

Statische Investitionsrechnungen können herangezogen werden um die Vorteilhaftigkeit von abgrenzbaren, gleichartigen Investitionen auf der Grundlage durchschnittlicher Werte zu ermitteln. Hierzu gehören die Kostenvergleichsrechnung, die Gewinnvergleichsrechnung, die Rentabilitätsvergleichsrechnung und die Amortisationsvergleichs- Themenrelevante Grundlagen 9 rechnung.23 Die Statik weißt jedoch verschiedene Nachteile auf, die eine Übertragbarkeit auf die Realität erschweren. Die vollständige Nutzungsdauer einer Investition wird nicht vollständig berücksichtigt. Dazu werden zeitliche Unterschiede des Zahlungsanfalls nicht berücksichtigt. Des Weiteren wird von einer konstanten Kapazitätsauslastung, konstanten Kosten und konstanten Gewinnen ausgegangen. Diese Annahmen erschweren die Übertragung auf die Realität erheblich.24

Auf der anderen Seite liegt die Besonderheit der dynamischen Verfahren darin bergründet, dass Zahlungen, die an unterschiedlichen Zeitpunkten in der Zukunft anfallen, mit einem vorab festgelegten Zinssatz diskontiert einer Bewertung unterzogen werden. Damit sind 100 € in der Zukunft weniger wert als 100 € in der Gegenwart. Mit diesem Aspekt heben sich die dynamischen Verfahren von den statischen Verfahren ab.25 „Soweit Hegt die dynamische Betrachtung durch die Diskontierung deutlich näher an der Realität als die statische Betrachtung.“26 Als Verfahren sind hierbei die Kapitalwertmethode, die interne Zinsfuß-Methode und die Annuitätsmethode zu nennen.27

Für die Analyse der Vorteilhaftigkeit einer Investition bedarf es eines Entscheidungskriteriums. Alle drei vorgenannten Methoden der dynamischen Verfahren lassen eine realitätsnahe Beurteilung eines Investitionsobjektes zu und können daher zur Entscheidungsfindung herangezogen werden.

Für die vorliegende Arbeit stellt sich das Kapitalwertkriterium oder das Endwertkriterium als zweckmäßiges Kalkül dar. Für die Einbeziehung der Steuer wird die Ertragsbesteuerung mit in die Berechnungsgrundlage einbezogen.28 Auf dieser Grundlage wird nachfolgend die Kapitalwertmethode und deren Einflussfaktoren näher analysiert.

2.4 Kapitalwertmethode

2.4.1 Voraussetzungen und Berechnungsmodalitäten / Grundlagen

Die Kapitalwertmethode ist ein Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung. Hierbei ist die Bar-Kapitalwert-Methode von der weniger gebräuchlichen End-Kapitalwert-Methode zu unterscheiden.29 Während der Kapitalbarwert (K) sich durch die Abzinsung zukünftiger Ein- und Auszahlung berechnen lässt, ist der Kapitalendwert (EndW) das Ergebnis einer Aufzinsung von Ein- und Auszahlungen.30

Dabei bezieht sich der Barwert auf den Beginn und der Endwert auf das Ende des Planungszeitraums. Die Differenz einer Ein- und Auszahlung wird nachfolgend als Zahlungsüberschuss (Z) bezeichnet. Für die Berechnung der Kapitalwerte wird in der Regel ein einheitlicher Zinssatz, auch Kalkulationszinsfuß (i) genannt, zugrunde gelegt.31 Treten weitere Zahlungsüberschüsse außerhalb des Planungszeitraum (n) auf, so besteht am Ende ein Restwert (R).32 33 Der Kapitalendwert berechnet sich daher mit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um zukünftige Zahlungsüberschüsse zu erwirtschaften, bedarf es in der Regel einer vorangegangenen Investition (I), die grundsätzlich zu Anfang des Planungszeitraums zu tätigen ist. Um die Vorteilhaftigkeit der Investition zu überprüfen und damit das Ziel der Endvermögensmaximierung zu verfolgen muss das Endvermögen der Unterlassensalternative (EVu) als zusätzliche Größe herangezogen werden.34

Wird unterstellt, dass die Investitionssumme aus eigenen Mitteln zur Verfügung gestellt und über den gesamten Planungszeitraum zum Kalkulationsfuß angelegt wird, so ergibt sich das Endvermögen der Unterlassensalternative mit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten35 36

Wird nun die Differenz zwischen beiden Endwerten durch Subtraktion ermittelt, so zeigt sich die Vorteilhaftigkeit der Investition im Vergleich zur Unterlassensalternative in einem positiven Ergebnis. Die Formel lautet entsprechend:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sofern nun die Regeln der Finanzmathematik Anwendung finden, kann statt einer Aufzinsung auf das Planungsende, eine Abzinsung der Werte auf den Planungsanfang vorgenommen werden. Der damit ermittelte Barwert wird als Kapitalwert (K) bezeichnet und kann wie folgt berechnet werden.37 38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein negatives Ergebnis würde bedeuten, dass die Investition gegenüber der Unterlassensalternative unvorteilhaft wäre. Die vorliegenden Strukturen entsprechen in erster Linie dem Fall von Sachinvestitionen. Diese können jedoch auch für die Berechnung der Vorteilhaftigkeit steuerbegünstigter Finanzinvestitionen verwendet werden.39

Zwischen dem Kapitalwert und dem Kapitalendwert besteht ein rechnerischer Zusammenhang. Sofern der Kapitalwert nun auf das Ende des Planungszeitraums aufgezinst wird, so ergibt sich wiederum der Kapitalendwert. Diese Beziehung lässt sich wie folgt festhalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten40

Der Kapitalwert wird für die vorliegende Arbeit als aussagekräftiges Kriterium zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit herangezogen. Nachfolgender Abschnitt zeigt die Berechnung des Kapitalwertes ohne Berücksichtigung der Steuer.

2.4.2 Kapitalwertermittlung ohne Berücksichtigung von Steuern

Die Kapitalwertermittlung wird durch die Abzinsung der zukünftigen Zahlungsüberschüsse charakterisiert. Nach Abzug der Investitionssumme verbleibt der für die Vorteilhaftigkeit ausschlaggebende Kapitalwert.41 Dies verdeutlich auch das nachfolgende Beispiel. Ein Unternehmer hat die Wahl zwischen folgenden zwei Investitionsalternativen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beide Investitionsalternativen haben unterschiedliche Planungszeiträume und Investitionssummen, die zu Anfang der Periode zu zahlen sind. Die Zahlungsüberschüsse resultieren aus Ein- und Auszahlungen der jeweiligen Perioden. Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu erreichen, wird ein für beide Investitionsalternativen identischer Kalkulationszins angenommen. Dies wird in der Praxis eher nicht die Regel sein. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass nach dem Planungszeitraum kein Restwert der Investition verbleibt.

Investitionsalternative A liefert bei Berücksichtigung aller Faktoren nachfolgende Ergebnisse:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Investitionsalstemative B liefert im Vergleich etwas bessere Ergebnisse:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit der vorliegenden Berechnung der Kapitalwerte ergibt sich aus rein ökonomischer Sicht folgende Erkenntnis. Obwohl die Summe der Zahlungsüberschüsse beider Alternativen die jeweilige Investitionssumme mit über 30.000,00 € übersteigt, stellt sich die Alternative B als vorteilhafter dar. Grund hierfür ist der Abzinsungsfaktor, der sich in den späteren Perioden stärkerer bemerkbar macht. Der Kapitalwert berücksichtigt dabei alle Faktoren, die zur Berechnung der Vorteilhaftigkeit von Wichtigkeit sind.

2.4.3 Planungszeitraum

Eine Investition muss über einen gewissen Zeitraum geplant werden. Nur so kann durch unterschiedliche Investitionsrechnungen eine Bewertung und damit eine Vorteilhaftigkeitsbetrachtung vorgenommen werden. Da sich Investitionen vor allem durch eine Vielzahl von Ein- und Auszahlungen innerhalb des Prognosezeitraums auszeichnen ist eine genaue Betrachtung der Zahlungsreihen für die Bewertung unabdingbar. Während die Betrachtung eines kurzen Planungszeitraums bei einer Investition zu einem negativen Ergebnis führt, führt vielleicht eine langfristige Betrachtung der selben Investition zu einem positiven Ergebnis.42

Eine solch genaue Berechnung setzt allerdings voraus, dass sowohl die Einzahlungen sowie alle Auszahlungen bezüglich ihrer Höhe und des dazugehörigen Zeitpunktes prognostizierbar sind.43 Eine solche Situation, in der zukünftige Zahlungen genauestens gegeben, wird in der Realität eher selten vorkommen. Die Zahlungsreihen einer Investition hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, die lediglich für einen kurzen Prognosezeitraum mit Sicherheit beziffert werden können. Alle anderen Einflussfaktoren gelten als unsicher.44

[...]


1 Vgl. Jetzek/Leibfritz, Investitionstätigkeit 1982, S. 17

2 Vgl. Schneeloch, Steuerpolitik2002, S. 191

3 Jetzek / Leibfritz, Investitionstätigkeit 1982, S. 19

4 Vgl. Wagner/Dirrigl, Steuerplanung 1980, S. 5

5 Vgl. Jappes, Vorteilhaftigkeit 2011, S. 2

6 Vgl. Wagner/Dirrigl, Steuerplanung 1980, S. 1

7 Vgl. Wagner/Dirrigl, Steuerplanung 1980, S. 5

8 Vgl. Wagner/Dirrigl, Steuerplanung 1980, S. 2

9 Vgl. Schneeloch / Meyering / Patek, Besteuerung 2016, S. 1

10 Vgl. Jetzek/Leibfritz, Investitionstätigkeit 1982, S. 18

11 Vgl. Jappes, Vorteilhaftigkeit2011, S. 4

12 Vgl. Hering, Investitionstheorie 2017, S. 9

13 Vgl. Kußmaul, Einführung 2018,S. 1.

14 Vgl. Trautmann, Investitionen2007, S. 1.

15 In Anlehnung an Trautmann, Investitionen 2007, S. 2-5.

16 Vgl. Laux, Entscheidungstheorie 2004, S. 19.

17 Laux, Entscheidungstheorie 2004, S. 20.

18 Laux, Entscheidungstheorie 2004, S. 20ff.

19 Vgl. Karsten, Steuerplanung 1988, S. 33.

20 Vgl. Karsten, Steuerplanung 1988, S. 35; Schneeloch, Steuerpolitik 2009, S. 67.

21 Vgl. Münz, Investitionsrechnungsmethoden 1974, S. 16.

22 Vgl. Olfert, Investition 2012, S. 150 u. S. 206.

23 Vgl. Olfert, Investition 2012, S. 151.

24 Vgl. Poggensee, Investitionsgrundlagen2009, S. 40.

25 Vgl. Poggensee, Investitionsgrundlagen2009, S. 108.

26 Poggensee, Investitionsgrundlagen2009, S. 108.

27 Vgl. Olfert, Investition 2012, S. 207.

28 Vgl. Wagner/Dirrigl, Steuerplanung 1980, S. 23; Georgi, Substanzsteuem 1986, S. 3.

29 Vgl. Olfert, Investition 2012, S. 215.

30 Vgl. Olfert, Investition 2012, S. 207 u. S. 210.

31 Vgl. Schneeloch, Steuerpolitik 2002, S. 64.

32 Vgl. Schneeloch, Steuerpolitik 2002, S. 63.

33 Vgl. auch Jappes, Vorteilhaftigkeit 2011, S. 15.

34 Vgl. Jappes, Vorteilhaftigkeit2011, S. 16.

35 Vgl. auch Jappes, Vorteilhaftigkeit 2011, S. 16.

36 Vgl. auch Jappes, Vorteilhaftigkeit 2011, S. 16.

37 Vgl. Schneeloch, Steuerpolitik2002, S. 195.

38 Vgl. auch Schneeloch, Steuerpolitik 2002, S. 195.

39 Vgl. Wagner/Dirrigl, Steuerplanung 1980, S. 2.

40 Vgl. auch Bitz / Ewert / Terstege, Investition 2002, S. 77.

41 Vgl. Hinz, Investitionsentscheidungen 1995, S. 413; Schneeloch, Steuerpolitik 2002, S. 194f.

42 Vgl. Vamholt / Hoberg / Gerhards / Wilms, Investitionsmanagement 2018, S. 49.

43 Vgl. Perridon / Steiner / Rathgeber, Finanzwirtschaft 2017, S. 94.

44 Vgl. Perridon / Steiner / Rathgeber, Finanzwirtschaft 2017, S. 117f.

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Investitionen von Startups und bestehenden Unternehmen. Welchen Einfluss hat die Besteuerung auf den Nutzen von Investitionen?
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Jahr
2019
Seiten
60
Katalognummer
V518488
ISBN (eBook)
9783346136213
ISBN (Buch)
9783346136220
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuerlehre, Besteuerung, Rechnungslegung, Investitionen, Unternehmen
Arbeit zitieren
Mahit Akis (Autor), 2019, Investitionen von Startups und bestehenden Unternehmen. Welchen Einfluss hat die Besteuerung auf den Nutzen von Investitionen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518488

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