Lk 24,1-11 im Neuen Testament. Eine historisch-kritische Exegese


Hausarbeit, 2019

26 Seiten, Note: 2.0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ubersetzung

3. Literarkritik
3.1 Abgrenzung des Textes
3.2 Kontextanalyse
3.3 Sprachlich-syntaktische Analyse
3.4 Semantische Analyse
3.5 Narrative Analyse
3.6 Pragmatische Analyse
3.7 Feststellung der Koharenz
3.8 Synoptischer Vergleich

4. Begriffsgeschichte

5. Formgeschichte

6. Religionsgeschichtlicher Vergleich

7. Historischer Ort

8. Redaktionsgeschichte

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit wurde im Rahmen des Seminars Einfuhrung in die Exegese des Neuen Testaments II geschrieben, indem verschiedene Schritte der historisch-kritischen Exegese behandelt wurden. In dieser Hausarbeit wurde das Kapitel Lk 24,1-11 des Lukasevangeliums genauer analy- siert.1

2. Ubersetzung

1 Am ersten Tag2 der Woche zur fruhen Morgenstunde kamen sie tragend mit wohlriechenden Olen, welche sie bereitet hatten, zum Grab. 2 Sie fanden aber den Stein weggewalzt von dem Grab. 3 Hineingegangen seiend aber fanden sie nicht den Korper des Herrn Jesus. 4 Und es geschah, wah- rend sie ratlos waren wegen dieser Sache, und siehe da, zwei Manner standen bei ihnen in blitzen- dem Gewand. 5 Als sie nun in groBer Furcht geraten waren und ihre Blicke sich auf die Erde wand- ten, sagten sie zu ihnen: warum sucht ihr den Lebenden unter den Toten? 6 Er ist nicht hier, sondern er ist auferweckt worden. Erinnert euch, wie er euch gesagt hatte noch seiend in Galilaa: 7 Es ist notig, dass der Sohn des Menschen in die Hande sundiger Menschen ubergeben und gekreuzigt werden muss und am dritten Tag wieder auferstehen. 8 Und sie erinnerten sich seiner Worte. 9 Und nachdem sie umgekehrt waren von dem Grab, meldeten sie dieses alles den Elf und allen ubrigen. 10 Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, die Mutter des Jakob, und die ubrigen zusammen mit ihnen. Sie sagten dieses zu den Aposteln, 11 und diese Worte erschienen in ihren Augen wie Geschwatz und sie glaubten ihnen nicht.

Erlauterung zur Ubersetzung

In Lk 24,1-11 finden sich einige Begriffe, bei denen sich unterschiedliche Ubersetzungen anbieten. Aufgrund dessen folgen zunachst Erlauterungen zu ausgewahlten Versen, da diese einen Uberblick uber die breite Ubersetzungsvielfalt erlauben.

Beginnend mit dem Ausdruck twv Gappuioiv bedeutet dieser ubersetzt Sabbat. In Lk 24,1 steht es allerdings im Zusammenhang mit dem Wort pia, weshalb damit nicht der Sabbat, sondern der erste Wochentag gemeint ist. Vergleicht man die Ubersetzungen einiger Kommentare, lasst sich erken- nen, dass fur die Worte soO^ti aoTpanTOUsp (Lk 24,4) die Ubersetzungen hellschimmernden Ge- wand3 sowie leuchtende Gewander4 als auch blitzendem Gewand5 verwendet werden konnen. Im funften Vers kann die Frage auf zwei unterschiedliche Arten gelesen werden. Hierbei liegt das Au- genmerk auf it. Es kann als was sucht ihr den Lebenden unter den Toten? oder als warum sucht ihr den Lebenden unter den Toten? ubersetzt werden. Warum entspricht hierbei als sinnvoller, da es die rhetorische Frage einleitet.6 In vielen Ubersetzungen dieser Bibelstelle wurde das Wissen aus den vorherigen Bibelstellen ubernommen und ubertragen. Zum Beispiel deutet Francois Bovon Maria, welche aus Magdala stammt, als Maria Magdalena, was auch in vielen Kulturen gangig ist.7 Jacob Kremer ubersetzte den Sohn des Menschen als Menschensohn.8 Ersteres entspricht jedoch der wortwortlichen Ubersetzung, weshalb diese auch gewahlt wurde. Kremer fugte zudem einige Be- griffe im Neuenten Vers hinzu, wie beispielsweise die Worte Stadt oder Junger. Diese kommen im griechischen Urtext jedoch nicht vor und wurden deshalb in dem Ubersetzungsteil dieser Hausarbeit nicht ubernommen. Eine auBerst besondere Ubersetzungsvielfalt hat der Begriff up^uaia. Dieser wird allerdings in Kapitel 3.4 in der semantischen Analyse naher betrachtet.

3. Literarkritik

Nachdem Maria Magdalena, Johanna, die Mutter des Jakob und andere Frauen zum Grab Jesu ge- hen, sehen sie, dass der Stein weggewalzt ist und der Leichnam Jesu nicht mehr da ist. Zwei Man­ner in blitzenden Gewandern erinnern sie an die Worte Jesu, indem sie sagen, dass er auferstanden ist, da der dritte Tag eingetreten ist. Die Frauen erzahlen dies den elf Aposteln, doch sie glauben ih- nen nicht und empfinden ihre Worte als Geschwatz.9

3.1 Abgrenzung des Textes

Lk 24,1-11 grenzt sich von der vorhergehenden Passionsgeschichte uber die Kreuzigung und Grab- legung Jesu insofern ab, dass es mit einer neuen Zeitangabe beginnt, sprich mit dem ersten Tag der Woche in der Morgendammerung. Dementsprechend ist ein zeitlicher Neuanfang gegeben. Kurz zuvor werden von den Frauen die wohlriechenden Ole hergestellt, doch dann bricht der Sabbat ein und es wird geruht. Damit endet die Erzahlung und so beginnt mit Lk 24,1 ein neuer Sinnesab- schnitt. In diesem Fall bildet die beschriebene Zeitangabe in Lk 24,1 zwar einen Bruch, die zur Ab- grenzung der Bibelstelle dient, jedoch inhaltlich nicht sehr entscheidend ist, da die Frauen mit ihren zubereiteten Olen zum Grab aufbrechen. Zudem andert sich die Ortsangabe. In der Nacht machen sich die Frauen auf den Weg zum Grab Jesu, wodurch ein geographischer Wechsel stattfindet und sich vermuten lasst, dass etwas Neues passieren wird. AuBerdem wirkt das Wort ^vqoBnTS (Lk 24,6) wie eine Zuruckfuhrung auf einen schon berichteten Umstand und stellt somit Zusammenhan- ge zu der Situation her, da die Manner in den blitzenden Gewandern die Frauen auf die Worte Jesu hinweisen und sie sich an diese erinnern sollen.

Zusatzlich ist es sinnvoll, das Ende des Abschnittes bei Lk 24,11 zu ziehen, da es damit endet, dass den Frauen uber die Auferstehung Jesu nicht geglaubt wird, bis anschlieBend Petrus an das Grab Jesu geht und die leeren Leinentucher sieht. Es handelt sich also nicht mehr allein um die Frauen, da der Fokus nun auf Petrus gerichtet ist.

3.2 Kontextanalyse

Das Lukasevangelium teilt sich in vier groBe Passagen, von denen sich die erste Passage (Lk 1-4) vor allem mit der Kindheitsgeschichte Jesu beschaftigt. Die zweite Passage (Lk 4-9) behandelt hauptsachlich das Wirken Jesu in Galilaa. Die dritte Passage (Lk 9-19) beschaftigt sich mit dem Reisebericht, sprich der Weg Jesu nach Jerusalem, wahrend die vierte Passage (Lk 19-24) vor allem von der Passionsgeschichte, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu handelt. Die Bibelstelle Lk 24,1-11 befindet sich am Beginn der letzten Passage. Ganzlich stellt das Lukasevangelium somit einen strukturiert und detailliert geschriebenen Bericht dar. Zudem weist es Charakteristika auf, welche in den anderen Evangelien entweder anders geschildert oder gar nicht vorhanden sind. Der Autor des Lukasevangeliums ist der einzige Verfasser, der ein Vorwort nach den Konventionen der griechisch-romischen Literatur verfasste.10 Eine weitere Auffalligkeit ist auBerdem die ausgepragte Beschreibung uber die Ausdehnung des Weges nach Jerusalem, da der Reisebericht das sogenannte Herzstuck des Lukasevangeliums darstelle.11 Besonders erwahnenswert ist, dass der Autor sich im besonderem MaBe um die Integration der Frauen bemuhe.12 Zudem besitzen die Themen Armut und Reichtum ebenso eine zentrale Rolle in dem Evangelium, da der Autor die Problematik des Reich- tums thematisiert und den sozialen Ausgleich fordere.13

Von inhaltlicher Bedeutung in der Bibelstelle ist das leere Grab, vor dem die Frauen stehen (Lk 24,3) und die anschlieBende Verkundigung der Auferstehung Jesu (Lk 24,11). Eine besondere Be- deutung wird allerdings auch dem Glauben an das Wort Jesu zugeschrieben. Im Kontext des Be- grabnisses Jesu (Lk 23,50-56) wird der Weg der Frauen zum Grab schon vorbereitet. Sie sind anwe- send, als ein Mann mit Namen Josef, der mit dem Beschluss des Hohen Rats nicht einverstanden war, zu Pilatus geht, um den Leichnam Jesu abzuholen und ihn in einen Felsengrab zu legen (Lk 23,50-53). Obwohl nach der Beisetzung Jesu (Lk 23,54) der Sabbat beginnt, bereiten die Frauen die wohlriechenden Ole zu.

Das Ende von Lk 23 ist der Vorspann fur den Beginn von Lk 24. Dies dient allerdings auch als neue Zeitangabe und macht erkennbar, dass der Weg zum Grab nicht am nachsten Tag erfolgt, sondern erst am ubernachsten Tag. Nach dem Sabbat gehen sie mit den bereiteten Olen zum Grab und stel- len fest, dass der Stein vor dem Grab weggewalzt ist (Lk 24,1-3). Als die Aposteln den Frauen uber die Auferstehung Jesu keinen Glauben schenken wollen, eilt Petrus zum Grab und ist verwundert uber die leeren Leinentucher (Lk 24,11-12). In diesem Vers steht nun Petrus und seine Verwunde- rung uber das leere Grab im Fokus. Die nachste Handlung findet noch am selben Tag statt, an dem zwei Junger in das Dorf Emmaus gehen und uber das Geschehen am Grab Jesu sprechen. Dabei treffen sie auf Jesus, ohne ihn zu erkennen, und berichten ihm von dem Geschehen. Als er mit ihnen zu Tisch liegt, segnet er das Brot, woraufhin sie ihn erkennen. Von da an wird die Auferstehung Jesu weiterhin verkundet (Lk 24,13-35).

3.3 Sprachlich-syntaktische Analyse

Was den Wortschatz14 der Bibelstelle angeht, gibt es einige Auffalligkeiten. Die Konjunktion Kai (und, sogar, auch15 ) wird haufig verwendet, insgesamt zwolfmal in dieser Bibelstelle. Der adversa­tive Partikel 6s (aber, und16 ) wird funfmal verwendet. Es lasst sich demnach konstatieren, dass die Bibelstelle uber viele Konjunktionen verfugt. Besonders auffallig ist, dass die Bibelstelle im Imper- fekt und Aorist geschrieben wurde und zu Beginn im Genitivus absolutus. Nur der siebte Vers be- inhaltet eine direkte Rede, welche die Prophezeiung uber die Auferstehung Jesu schildert. Hierbei wird deutlich, dass dies die zentrale Aussage ist, da der Vers durch den Tempuswechsel unterstri- chen wird. Daraus lasst sich ebenso schlieBen, dass die Erinnerung an die Worte Jesu eine groBe Rolle fur die Erzahlung spielt. Durch die Verwendung der Septuaginta schaffe der Autor es ebenso, judenchristliche Traditionen zu unterbinden und den Klang seiner Erzahlweise aufzuleuchten.17 Auffallig ist auBerdem, dass der Text nur drei Adjektive enthalt und damit unterdurchschnittlich wenige. Folglich steht in dieser Erzahlung mehr die Handlung als die Beschreibung im Zentrum. Demgegenuber enthalt die Bibelstelle viele Verben, was auf einen Erzahltext hinweist. Des Weite- ren sind konkrete Nomina gehauft zu finden, wie beispielsweise up^uaia, MOov oder cHua. Auf- grund dessen kann von einem Erzahltext mit argumentativen Elementen gesprochen werden. Man erkennt, dass der Autor des Lukasevangeliums mutmaBlich versucht hat, Verkundigung und Tat zu verbinden. Die Bibelstelle benutzt daruber hinaus wiederholend Worter wie Ar/c) (ich sage, nenne18 ) oder lalsw (ich rede, spreche19 ), welche auch als Synonym fur die Verkundigung verstan- den werden konnen und darauf schlieBen lassen, dass die Prophezeiung uber die Auferstehung Jesu weiterhin verkundet wird.

3.4 Semantische Analyse

Die Tatsache, dass Jesus auferstanden sei steht in Lk 24,1-11 im Zentrum. Aufgrund dessen bildet der Begriff Tod den Schlusselbegriff dieser Erzahlung. Dabei ziehen sich beispielsweise die Worte cHua, uvqp.a oder vsKprov als roter Faden durch die gesamte Bibelstelle. Die oppositionellen Worte Z(')\to und dvaorqvai sind ebenso auffallig. Beim Ubersetzen einer Bibelstelle ist es besonders wichtig, die Begriffe dem Kontext entsprechend zu wahlen. Beispielsweise kann das Wort up^uaia nach Kassuhlke mit Gewurze, Salben oder Ole ubersetzt werden.20 Der Begriff Gewurz steht jedoch weder im Zusammenhang mit dem Schlusselbegriff der Erzahlung, noch passt dieser in den Kon- text. Dementsprechend ware dies keine mogliche paradigmatische Ersetzung, weshalb man sich fur den Begriff wohlriechende Ole entscheiden sollte.

3.5 Narrative Analyse

Lk 24,1 beginnt mit den Frauen, welche sich mit wohlriechenden Olen auf den Weg zum Grab Jesu machen. Die Erzahlung wird allerdings durch eine unerwartete Situation unterbrochen, da der Stein vom Grab weggewalzt wurde. Durch die Unterbrechung geraten die Ole als Thema in den Hinter- grund und das Grab Jesu ins Zentrum der Erzahlung. Nachdem die Zeuginnen im Grab keinen Leichnam finden, treten plotzlich Engel21 in der Erzahlung auf. Besonders auffallig ist der erzahle- rische Bruch im vierten Vers durch die Worte Kai iSov, da die Aufmerksamkeit plotzlich auf die En­gel gerichtet wird. Es wird eine neue Szenerie an einem anderen geographischen Ort eingeleitet, allerdings wird auch mit dieser Erzahlung ein Bezug zu Lk 24,1-11 hergestellt. Hierbei weiB der Erzahler ebenso, dass die Frauen in dieser Situation Furcht empfinden und aufgrund dessen ihr Ge- sicht zur Erde wenden. Die Engel verkunden den Frauen, dass Jesus auferstanden sei und beziehen sich auf einen fruheren Umstand, in dem Jesus seine Passion prophezeite. Das Geschehen verkun- den die Frauen weiter, wodurch die Junger in die Erzahlung eintreten. Die Namen der beteiligten Frauen werden erst in Lk 24,10 genannt, welche bereits zuvor im Lukasevangelium auftauchen, wie beispielsweise in Lk 8,2, wo Maria Magdalena von Jesus geheilt wird und seitdem unter den Frauen ist, die ihn von Galilaa nach Jerusalem begleiten.

Im Abschnitt des Lk 24,1-11 wird geordnet erzahlt und im Genitivus absolutus, Imperfekt, Aorist und in der dritten Person Singular geschrieben - mit Ausnahme von Vers funf bis sechs, in denen eine direkte Rede wiedergegeben wird. Die Frauen sind die hauptsachlichen Handlungstrager der Erzahlung, da sie uberwiegend prasent sind. Dies ist ein typisches Merkmal des Lukasevangeliums, da der soziale Stand hier ebenfalls zentral aufgegriffen wird.22 Mit dem funften Vers wechselt die Initiative zu den Engeln, da sie die Botschaft bieten, welche im Zentrum der Erzahlung steht.

In der Erzahlung gibt es unterschiedliche Knotenpunkte, die vermeintlich durch Entscheidungen gepragt sind und dementsprechend die Erzahlung bestimmen. Den ersten Knotenpunkt bilden die Frauen auf dem Weg zum Grab Jesu. AnschlieBend folgt der zweite Knotenpunkt, in dem sie ent- scheiden in das Grab hineinzugehen, da der Stein weggerollt ist. Den dritten Knotenpunkt bilden die Engel, da sie entscheiden, den Frauen das Geschehende zu berichten. In dem letzten Knotenpunkt entscheiden die Frauen, den Jungern zu erzahlen, was sie erfahren haben. Alle Knotenpunkte schei- nen von Entscheidungen gepragt zu sein. Ware am jeweiligen Knotenpunkt etwas anderes passiert, dann ware die Erzahlung anders weitergegangen, beispielsweise wenn die Frauen sich entscheiden wurden, nicht zum Grab Jesu zu gehen.

3.6 Pragmatische Analyse

Der Autor des Lukasevangeliums erzielt mit der Bibelstelle Lk 24,1-11 eine Wirkung bei den Ak- teuren und Lesern dahingehend, dass vermutlich durch erlebte Beobachtungen und Worte von der Auferstehung uberzeugt werden soll, trotz diverser Blockaden. Es geht also um Glauben, wenn- gleich das Wort im Text nur ein Mal vorkommt (Lk 24,11). Denn nach Kremer wird dem Leser am Beispiel der Frauen den Weg zum Glauben und Verstehen der Osterbotschaft gezeigt.23 Nach Be­cker ist das Ziel ebenso zu zeigen, „wie das Christentum von Jerusalem aus den Weg in die Welt nimmt (Lk 1-2; Apg 1-12).“24 Auch Josef Ernst schreibt, dass die Auferstehungsbotschaft ohne den Glauben wertlos bleibt.25 Zudem wolle Lukas durch die Ankundigung Jesu und die Frauen und Aposteln als Zeugen die Osterereignisse verkunden.26 Laut Maier wollen die Engel den Frauen zum Glauben helfen, indem sie sie im sechsten Vers an die Worte Jesu erinnern.27

Eingesetzt werden zudem auch Autoritatsstrukturen wie Frauen, Engel und Junger, wodurch der/die Leser/in das Autoritatsgefalle kennt. Dabei muss der/die Leser/in selbst Stellung beziehen, indem er/sie sich fragt, ob er/sie glaubt oder nicht. Er/sie muss sich also mit einer der in der Erzahlung vorgestellten Personen identifizieren. Dementsprechend wird der/die Leser/in zu einer eigenen Re­flexion angeregt. Die Botschaft spaltet sich und erzeugt Zustimmung oder Ablehnung. AuBerdem wird der/die Leser/in durch die direkte Rede im funften Vers integriert, sodass er/sie sich angespro- chen fuhlt und daraufhin eine eigene Meinung zu dem Konflikt bilden kann. Somit konnte er/sie am Ende wie die Engel und Frauen genauso von der Auferstehung Jesu uberzeugt sein.

3.7 Feststellung der Koharenz

Insgesamt ist die analysierte Bibelstelle ein koharenter Text, da es keine widerspruchlichen Anga- ben zu Zeit und Ort innerhalb der Erzahlung gibt und die handelnden Personen nicht mit unter- schiedlichen Namen auftreten, auch wenn zu Beginn der Erzahlung die Namen der Frauen nicht ge- nannt werden. Im Laufe der Erzahlung werden sie schlieBlich beim Namen genannt, wodurch man letzten Endes weiB, dass es sich um eine Frauengruppe handelt. Wenngleich es in der narrativen Analyse ergeben hat, dass durch die Worte Kai iSoB ein erzahlerischer Bruch in dem Text zu finden ist, gibt es keine ausreichend belegbaren Bruche in der Handlung. Die Verse werden oftmals durch die Konjunktion Kai miteinander verbunden, sodass sich die Bibelstelle flieBend lesen lasst. Dabei wird ebenso ein Weltwissen mit einbezogen, als die Frauen beim Anblick der Engel ihr Gesicht zur Erde neigen, was eine betende Haltung demonstriert. Auch wenn kein Dialog stattfindet, reagieren die handelnden Personen aufeinander. Der chronologische Ablauf der Erzahlung ergibt, trotz der Erinnerung an einen vorherigen Umstand im funften Vers, ebenso einen inhaltlichen Zusammen- hang und lasst auf einen koharenten Text schlieBen.

[...]


1 Textgrundlage fur diese Exegese war der griechische Urtext in: Nestle, Eberhard; Nestle, Erwin; Aland, Kurt; Aland, Barbara (1993): Novum Testamentum Graece. 27. rev. Auflage. Stuttgart: Deutsche Bibelstiftung: 242.

2 Fehlendes Vokabular fur die Ubersetzung: Whittaker, Molly; Holtermann, Horst; Hanni, Andreas (1974, 2012): Einf- uhrung in die griechische Sprache des Neuen Testamentes. 8. Auflage. Gottingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

3 Vgl. Bauer, Walter (1988): Worterbuch zum Neuen Testament. Griechisch-Deutsches Worterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der fruhchristlichen Literatur, Berlin: De Gruyter: 236.

4 Vgl. Kremer, Jacob (1988): Lukasevangelium. Wurzburg: Echter Verlag: 237.

5 Vgl. Eckey, Wilfried (2004): Das Lukasevangelium. Unter Berucksichtigung seiner Parallelen. Teilband II: 11,1-24,53. Neukrichen-Vluyn: Neukircher Verlag: 965.

6 Vgl. Bovon, Francois (2009): Das Evangelium nach Lukas. 4. Teilband. Lk 19,28-24,53. EKK III/4. Neukirchen- Vluyn: Neukirchener Verlag: 526.

7 Vgl. Bovon 2009: 515.

8 Vgl. Kremer 1988: 237.

9 Elberfelder Bibel, Witten: SCM R.Brockhaus Verlag, 2006, Lk 24,1-11.

10 Vgl. Kohlmann, Bernd (2014): Neues Testament kompakt. Stuttgart: Kohlhammer Verlag: 139.

11 Vgl. Bottrich, Christfried (2014): „Lukasevangelium / Evangelium nach Lukas“, online in: Das wissenschaftliche Bibellexikon (WiBiLex) : 3f.

12 Vgl. Kohlmann 2014: 140.

13 Vgl. ebd.: 140f.

14 Als Leitfaden fur die Textanalyse diente mir: Schnelle, Udo (2000): Einfuhrung in die neutestamentliche Exegese. 5. Auflage. Gottingen: Vandenhoeck & Ruprecht: 54 - 61.

15 Vgl. Whittaker et al. 1974, 2012: 18.

16 Vgl. ebd.: 19.

17 Vgl. Plumacher, Eckhard (1972): Lukas als hellenistischer Schriftsteller. Studien zur Apostelgeschichte. Gottingen: Vandenhoeck & Ruprecht: 39f.

18 Vgl. ebd.: 13.

19 Vgl. ebd.: 17.

20 Kassuhlke, Rudolf (1997 und 1999): Kleines Worterbuch zum Neuen Testament. Griechisch - Deutsch. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft: 28.

21 Vgl. Maier, Gerhard (1996): Lukas-Evangelium. Neuhausen-Stuttgart: Hanssler-Verlag: 684.

22 Vgl. Kohlmann 2014:140.

23 Vgl. Kremer 1988: 238.

24 Vgl. Becker, Jurgen (2007): Die Auferstehung Jesu Christi nach dem Neuen Testament. Ostererfahrung und Osterver- standnis im Urchristentum. Tubingen: Mohr Siebeck: 44.

25 Vgl. Ernst, Josef (1977): Das Evangelium nach Lukas. Ubersetzt und erklart von Josef Ernst. Hrsg. Otto Kruss. Re­gensburg: Verlag Friedrich Pustet.: 652.

26 Vgl. ebd.: 45.

27 Vgl. Maier 1996: 686.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Lk 24,1-11 im Neuen Testament. Eine historisch-kritische Exegese
Hochschule
Universität Bremen
Note
2.0
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V518497
ISBN (eBook)
9783346125729
ISBN (Buch)
9783346125736
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neuen, testament, eine, exegese
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Lk 24,1-11 im Neuen Testament. Eine historisch-kritische Exegese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518497

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