Folgen des Brexit für Gesellschaften

Die Ltd. und der Brexit


Akademische Arbeit, 2018

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2. Ausgangslage und Ziel der Arbeit

2. Der "Brexit"
2.1 Rechtliche Grundlagen des Austritts aus der EU
2.1.1 Die Entwicklung der Austrittsoption
2.1.2 Voraussetzungen des Brexit nach britischem Recht
2.1.3 Formelle Durchführung des Austritts
2.1.4 Der Austrittsprozess
2.1.5 Die Rechtsfolgen des Austritts
2.2 Die Beziehungen Großbritanniens zur EU nach dem Brexit
2.2.1 Europarechtliche Vorgaben
2.2.2. Denkbare Entwicklungen der Beziehungen

3. Das Verhältnis der EU zu Drittstaaten
3.1. Das Binnenmarktziel der EU
3.2. Überblick über die Grundfreiheiten der EU
3.2.1. Die Niederlassungsfreiheit
3.2.2. Die Kapitalverkehrsfreiheit
3.3. Denkbare Alternative: Großbritannien im EWR
3.3.1. Entwicklung und Zweck des EWR
3.3.2. Die Grundfreiheiten im Verhältnis EWR/EU
3.4. Denkbare Alternative: Bilaterale Abkommen

4. Britische Limited nach dem "Brexit"
4.1. Anerkennung ausländischer Gesellschaften in Deutschland
4.1.1. Die Problematik der Auslandsgesellschaften
4.1.2. Die Rechtstellung britischer Ltd. in Deutschland
4.2. Folgen des Verlusts der Niederlassungsfreiheit für die Ltd

5. Zusammenfassung und Fazit

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

"You cannot unscramble the Egg"1

Folgt man den oben zitierten Worten eines britischen Abgeordneten aus dem Jahr 1975 zeigt sich die Größe der Aufgabe, vor die sich die britische Regierung und mit ihr die Europäische Union als Folge des Ergebnisses der in Großbritannien am 23.6.2016 durchgeführten Volksabstimmung über den Verbleib des Landes in der EU gestellt sieht. Bestätigt sehen dürfte sich nahezu ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod der damalige französische Präsident Charles de Gaulle, der sich Anfang der 1960er Jahre entschieden gegen einen britischen Beitritt zur damaligen EWG ausgesprochen und diesen für mehr als ein Jahrzehnt verhindert hat. Nur wenig diplomatischer formuliert hatte de Gaulle erklärt, die EWG mit ihren damals sechs Mitgliedern arbeitete ohne Probleme zusammen; es gebe daher keinen Grund sich mit Großbritannien Probleme in die Gemeinschaft zu holen. Zudem habe Großbritannien "in all seinem Tun sehr eigenwillige Gewohnheiten und Traditionen"2, die nicht mit denen der kontinentaleuropäischen Staaten übereinstimmten. Als das Land 1973 dennoch der EWG beitrat war die Stimmung gespalten; 39 % der Briten befürworteten den Beitritt, 38 % sprachen sich dagegen aus. Schon 1974 wählte der neu gewählte Premierminister Wilson eine Taktik, die damals aus Sicht der Befürworter der EWG Erfolg hatte, unter Premierminister Cameron im Jahr 2015 aber zu einem anderes Ergebnis führte, als von den Initiatoren gewünscht: In einem vor allem von Europaskeptikern dominierten Wahlkampf versprachen 1974 wie 2015 der Premierminister, nach der Wahl eine Volksabstimmung über die Mitgliedschaft des Landes in der EWG bzw. EU abzuhalten. Bei der Volksabstimmung vom 5. Juni 1975, der damals ersten Volksabstimmung in der Geschichte Großbritanniens, stimmten 67,2% der Wähler für einen Verbleib des Staates bei der EWG und 32,8 % dagegen.3 Das Ergebnis vom 23.06.2016 ist bekannt.

Zwischen den beiden durchgeführten Volksabstimmungen liegen 41 Jahre, in denen wesentliche Teile der britischen Gesellschaft ihre Skepsis gegenüber der EWG und ihre Nachfolgeorganisationen ebenso wenig verloren haben wie Teile der jetzigen EU und ihrer Institutionen ihre Vorbehalte gegenüber Großbritannien. Als Mitgliedstaat der Union stand das Land vielen europäischen Initiativen und Gesetzgebungsvorhaben blockierend gegenüber bzw. erzwang besondere Bedingungen, die in anderen Staaten als Benachteiligung verstanden wurden.4 Die Bestürzung über den sich abzeichnenden Brexit hält sich bei der EU daher einerseits in Grenzen, wird aber andererseits als Alarmsignal verstanden, da auch in zahlreichen anderen Staaten der EU nationalstaatliche Tendenzen und die Ablehnung europäischer Institutionen stark zugenommen haben.5 Wie sehr sich die Stimmung in Europa gewandelt hat zeigt aber nicht nur das Ergebnis der britischen Volksabstimmung aus dem Juni 2016, sondern neben dem ohnehin seit Jahren diskutierten, Griechenland betreffenden "Grexit", dass aus derzeitiger Sicht sogar ein Ausstieg Frankreichs aus der EU und damit ein "Frexit" nicht ausgeschlossen erscheint. Zumindest diese Entwicklung dürfte de Gaulle im Jahr 1963 nicht vorausgesehen haben. Verlässt Großbritannien die EU beeinflusst dies naturgemäß in erster Linie und auf den ersten Blick britische Staatsbürger und Unternehmen sowie Bürger anderer Mitgliedstaaten der EU, die in Großbritannien leben, ihre künftigen Status aber als sehr unsicher empfinden.6 Die Entflechtung des Nationalstaats Großbritannien und der EU ist aber auch mit einer Entflechtung der jeweiligen Rechtsordnungen verbunden. Dies beträfe etwa deutsche Unternehmen, die eine britische Gesellschaftsform, insbesondere die der Limited oder der Public Limited Company (PLC) gewählt haben und befürchten müssen, von den damit verbundenen Vorteilen nach einem Brexit nicht mehr profitieren zu können.7 Ob es tatsächlich dazu kommt hängt aber weniger davon ab, ob ein Brexit tatsächlich vollzogen wird, wovon derzeit wohl auszugehen ist, sondern davon, wie dieser ausgestaltet wird. Vorgaben zur inhaltlichen Gestaltung des Austritts eines EU Mitgliedstaates gibt es nicht, so dass es auf das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU ankommt.

1.2 Ausgangslage und Ziel der Arbeit

Unter dem von der derzeitigen britischen Premierministerin gerne herangezogenen Schlagwort "Brexit means Brexit" zeichnet sich derzeit eine "harte" Version des britischen Ausstiegs aus der EU ab8, die dazu führen könnte, dass die im Verhältnis der Mitgliedstaaten geltenden Grundfreiheiten nicht mehr anwendbar sind. Dies würde auch das Niederlassungsrecht von Unternehmen gem. Artt. 49, 54 AEUV betreffen und dazu führen, dass in Deutschland tätige Gesellschaften sich nicht mehr einer britischen Gesellschaftsform bedienen könnten. In Deutschland beträfe dies Unternehmen wie beispielsweise die Drogeriemarktkette Müller, die derzeit als britische PLC organisiert ist, aber auch zahlreiche oft kleinere Unternehmen, die als Limited nach britischem Recht gegründet wurden.9 Vorteil dieser Unternehmensform ist insbesondere die damit verbundene Haftungbeschränkung bei sehr geringen Gründungskosten, die im Falle eines "harten" Brexit womöglich entfallen würde. Die Ausgestaltung des Brexit hat somit unmittelbare Konsequenzen auch für in Deutschland tätige bzw. deutsche Unternehmen.

Ausgehend davon zielt die vorliegende Arbeit darauf, die rechtlichen Grundlagen und die denkbaren Varianten des Brexit und ihre Konsequenzen für nach britischem Recht organisierte Unternehmen in anderen Mitgliedstaaten der EU zu untersuchen. Diese hängen insbesondere davon ab, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die bisherigen Grundfreiheiten der EU im Verhältnis zwischen dieser und Großbritannien weiter gelten, wofür das Ergebnis der Austrittsverhandlungen maßgeblich ist. Vereinbart werden könnte etwa in Anlehnung an die mit der Schweiz getroffenen Vereinbarungen bilaterale Verträge zwischen Großbritannien und der EU. In einem zweiten Schritt zielt die vorliegende Arbeit daher auf die Darstellung der Grundfreiheiten der EU und im gegebenen Zusammenhang insbesondere der Niederlassungsfreiheit und der Kapitalverkehrsfreiheit. Die daraus abzuleitenden Konsequenzen für nach britischem Recht gegründete Unternehmen wurden vor allem durch die Rechtsprechung des EuGH und auch des BGH definiert, die daher ebenfalls einen Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bilden.

2 Der "Brexit"

2.1 Rechtliche Grundlagen des Austritts aus der EU

2.1.1 Die Entwicklung der Austrittsoption

Neben der aus Sicht der Gegner einer europäischen Integration Großbritanniens erfolglosen Volksabstimmung des Jahres 1975 haben britische Regierungen vor dem Jahr 2016 vier weitere Male eine Volksabstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der jeweils bestehenden europäischen Gemeinschaft angekündigt, ohne diese Ankündigung in der Folge umzusetzen. Bemerkenswert daran wie an der tatsächlich durchgeführten ersten Volksabstimmung des Jahres 1975 ist vor allem, dass eine eindeutige Rechtsgrundlage für den Austritt eines Mitgliedstaats aus der Europäischen Union zum damaligen Zeitpunkt ebenso wenig bestand wie ein kodifiziertes Recht der EU, einen Mitgliedsstaat auszuschliessen.10 Das Recht eines Mitgliedstaates, aus der Union auszutreten wurde erst mit dem zum 01.12.2009 in Kraft getretene Vertrag von Lissabon11 in das europäische Primärrecht aufgenommen.12 Die Rechtmäßigkeit eines Austritts aus der EU bzw. dessen Rechtsgrundlagen waren bis dahin umstritten.13 Das Bundesverfassungsgericht war in seiner Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit des deutschen Zustimmungsgesetzes zum Vertrag von Lissabon davon ausgegangen, dass ein Austritt auch ohne ausdrückliche Regelung im supranationalen Primärrecht schon deshalb möglich sein müsse, weil es sich lediglich um die Umkehrung eines freiwilligen Akts der Selbstbindung zur Mitgliedschaft in ein Staatenverbund handele.14

Auf den ersten Blick erscheint die Regelung einer Austrittsoption in Art. 50 des Vertrags von Lissabon widersprüchlich, da dieser insgesamt als Vertiefung der materiellrechtlichen Grundlage der europäischen Zusammenarbeit und Integration verstanden wurde.15 Öffentlich erklärt wurde diese Zielsetzung aber wegen der europaskeptischen Grundhaltung in Teilen der Bevölkerung einzelner Mitgliedstaaten nicht. Von einer Vertiefung der Integration, dem angestrebten Zusammenwachsen Europas und zumindest offiziell von einem Vorrang des EU Rechts gegenüber nationalem Recht war in der öffentlichen Kommunikation daher im Vorfeld des Vertrags von Lissabon kaum die Rede16. In diesem Zusammenhang mag die ausdrückliche Ausnahme einer Austrittsoption auch als Akt der Beruhigung gegenüber Gegnern der vertieften europäischen Einigung verstanden werden. Begründet wurde die Kodifizierung der Austrittsoption allerdings damit, dass es politisch weder wünschenswert noch sinnvoll sein könne einen Staat dazu zu zwingen, gegen seinen Willen in der EU zu bleiben.17 Sollte sich aber ein Staat zum Austritt aus der EU entschließen sei es sinnvoller, einen ausdrücklich geregelten Austrittsmechanismus anwenden zu können, der eine umfassende Abwicklung der Mitgliedschaft, aber auch die Vereinbarung der künftigen Beziehungen zum austretenden Staat ermöglichen solle.18 Demgegenüber wurde im Vorfeld des Vertrags von Lissabon eine Kodifizierung des Austritts mit der Begründung abgelehnt, dass ein Mitgliedsstaat in diesem Falle dadurch ständigen Druck auf die EU ausüben könne, dass er mit seinem Austritt droht.19 Diesem Argument ist allerdings entgegenzuhalten, dass ein ungeregelter Austritt mit unabsehbaren Konsequenzen eher noch höheres Drohpotenzial hätte.

2.1.2 Voraussetzungen des Brexit nach britischem Recht

Nach Art. 50 Abs. 1 EUV hat jeder Mitgliedstaat das Recht, aus der Union auszutreten. Der Austritt setzt zunächst lediglich voraus, dass der Entschluss im Einklang mit den verfassungsrechtlichen Vorschriften des austrittswilligen Staates erfolgt. Die wesentlichen Voraussetzungen der Austrittserklärung richten sich somit nach dessen nationalem Recht.20 Die Bedeutung dieser Vorschrift zeigt sich daran, dass in Großbritannien im Grunde nach wie vor ungeklärt ist, ob das durchgeführte Referendum rechtlich bindend und die Regierung damit verpflichtet ist, tatsächlich einen Austrittsantrag zu stellen.21 Der Supreme Court hat in Bestätigung einer entsprechenden Entscheidung des High Courts jedoch zwischenzeitlich entschieden, dass trotz des Referendums das Parlament der Initiierung des Austrittsprozesses durch die Regierung zustimmen muss.22 Die Zustimmung des Parlaments gilt aus derzeitiger Sicht als sicher, obwohl die Mehrheit der Abgeordneten wohl den Brexit ablehnen. Dennoch wird das Ergebnis des Referendums als Ausdruck des Willens des Volkes verstanden, dem sich die Abgeordneten ganz überwiegend nicht entgegensetzen wollen. Aus der Tatsache, dass dem Referendum selbst zwar keine rechtliche, aber aus britischer Sicht eine politische Bindungswirkung für die britische Regierung bzw. die Abgeordneten des Parlaments zukommt, aber keine Außenwirkung, lässt sich auch folgern, dass die EU keine Möglichkeit hat, Großbritannien dazu zu bewegen, den Austrittsantrag möglichst rasch zu stellen. Diese Forderung war unmittelbar nach dem Ergebnis der Volksabstimmung seitens der EU erhoben worden.23 Damit sollte womöglich signalisiert werden, dass mit dem Damoklesschwert eines bevorstehenden Austrittsansuchens keine Sonderbedingungen für Großbritannien durchgesetzt werden könnten. Rechtlich ist jedoch davon auszugehen, dass ein Mitgliedstaat innerstaatliche Referenden durchführen kann, ohne deren Ergebnis in eine konkrete Antragstellung gegenüber der EU umzusetzen.24

2.1.3 Formelle Durchführung des Austritts

Der Austritt aus der EU wird gem. Art. 50 Abs. 2 EUV durch Übermittlung der Austrittsabsicht an den Europäischen Rat eingeleitet. Dabei handelt es sich um eine einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung, die den Austrittsprozess zum Zeitpunkt des Zugangs beim Europäischen Rat in Gang setzt.25 Ob die EU das Ansuchen mit der Begründung zurückweisen könnte, dass es nicht nach geltendem britischen Recht zu Stande gekommen sei oder nicht von der zuständigen staatlichen Stelle eingebracht wurde ist unklar; ausgegangen wird davon, dass die EU des Austrittsansuchen akzeptieren muss, solange mit dessen Einreichung keine offensichtliche Verletzung britischen Rechts verbunden ist.26 Umstritten ist auch, ob ein einmal eingebrachter Antrag zurückgenommen werden kann. Vor allem mit der Begründung, dass Art. 50 EUV dazu keine eindeutige Regelung trifft und dem Hinweis darauf, dass ein Austritts gegen den - womöglich seit Einbringung des Austrittswunsches geänderten - Willen des Mitgliedstaates verhindert werden soll27 wird überwiegend angenommen, dass eine Rücknahme des Ansuchens zulässig ist.28 Gegebenfalls müsste darüber der EuGH entscheiden. Die Möglichkeit, dass Großbritannien einen einmal eingebrachten Absicht gem. Art. 50 EUV zurücknehmen könnte erscheint zwar aus derzeitiger Sicht nicht nahe liegend. Insofern ist jedoch darauf zu verweisen, dass der Ausgang des britischen Referendums vom 23.06.2016 bis kurz vor dem Abstimmungstermin ebenfalls als eher fernliegend verstanden wurde.

2.1.4 Der Austrittsprozess

Nach Zugang der Austrittserklärung gem. Art. 50 Abs. 1 EUV legt der europäische Rat gem. Abs. 2 leg. cit. die Leitlinien für die Austrittsverhandlungen fest. Dabei entscheiden die Mitgliedsstaaten, gem. Art. 50 Abs. 4 EUV ohne Großbritannien, so dass im Ergebnis jeder Staat ein Vetorecht ausüben kann.29 Wird binnen zweier Jahre nach Eingang des Austrittsansuchens keine Vereinbarung über die Einzelheiten des Austritts geschlossen tritt dieser nach zwei Jahren von selbst in Kraft. Die Zweijahresfrist kann im Einvernehmen zwischen dem austretenden Staat und dem europäischen Rat verlängert werden. Die Durchführung der Austrittsverhandlungen erfolgt nach Art. 218 Abs. 3 AEUV und entspricht damit der Vorgehensweise, die auch für andere Verträge der EU mit Drittstaaten oder internationalen Organisationen gilt. Nach zit. Norm legt die Kommission dem Rat Empfehlungen über den Verhandlungsgegenstand vor, was den politischen Einfluss der Kommission auch auf den Austrittsprozess verdeutlicht. Dies wird teils als Widerspruch zur Rolle des Rates im Austrittsprozess verstanden, wobei überwiegend jedoch davon ausgegangen wird, dass diesem die Letztkompetenz verbleibt.30 Der Rat hat mit Michel Barnier bereits einen Verhandlungsführer für die Austrittsverhandlungen bestimmt, obwohl Großbritannien seine Austrittsabsicht offiziell noch nicht mitgeteilt hat.31

2.1.5 Die Rechtsfolgen des Austritts

Die Rechtsfolgen des "Brexit" treten unabhängig davon, ob ein Austrittsabkommen vereinbart wird ein. Konstitutiv ist insofern alleine die Mitteilung der Austrittsabsicht durch Großbritannien an den europäischen Rat.32 Rechtliche Konsequenz des Inkrafttreten eines Austrittsabkommens oder des Ablaufs der Zweijahresfrist ist gem. § 50 Abs. 3 EUV, dass die europäischen Verträge und in der Folge das Unionsrecht auf diesen Staat keine Anwendung mehr finden. Wie sich das Rechtsverhältnis zwischen Großbritannien und dem Rat nach dem Austritt gestaltet ist Gegenstand der Verhandlungen. Von der Vereinbarung des Verhältnisses zu Großbritannien abgesehen muss die EU nach dem "Brexit" auch durch Änderung der Verträge ihre eigenen Rechtsgrundlagen dem Austritt Großbritanniens anpassen. Dies betrifft beispielsweise den räumlichen Geltungsbereich der Verträge iSd Art. 52 EUV oder die Sitzverteilung im europäischen Parlament.33 Eine grundlegende Veränderung der europäischen Verträge ist jedoch nach überwiegender Auffassung weiterhin dem Verfahren nach Art. 48 EUV vorbehalten.34

2.2 Die Beziehungen Großbritanniens zur EU nach dem Brexit

2.2.1 Europarechtliche Vorgaben

Mit Kodifizierung der Austrittsoption des Art. 50 EUV sollten, wie oben erörtert, vor allem politische Signale an Gegner der Vertiefung der europäischen Einigung formuliert werden. Dies mag erklären, dass konkrete Vorgaben für mögliche Gestaltung der Beziehungen nach dem Austritt eines Mitgliedstaates nicht getroffen wurden. Die enge Verzahnung zwischen Abkommen über den Austritt selbst und der Vereinbarung des Rahmens der künftigen Beziehungen in Art. 50 EUV zeigt aber auch, dass der europäische Verfassungsgeber davon ausgegangen ist, dass eine Vereinbarung unter Bezugnahme auf die konkreten Umstände geschlossen werden könne und insofern der EU ein breiter Spielraum eingeräumt werden solle.35 Aus derzeitiger Sicht lassen sich verschiedene denkbaren Szenarien des "Brexits" unterscheiden.

[...]


1 Der britische Labour-Angeordnete Ennals im Jahr 1975 zur von ihm angenommenen Unmöglichkeit eines Austritts Großbritanniens aus der damaligen EWG; zit. nach Birkner (2016) Nörgeln, drohen, Rabatte fordern - wie alles begann.

2 Zit. nach Krupa (2013), Ein Königreich für Europa.

3 Krupa (2013), Ein Königreich für Europa.

4 Ausführlich dazu Winter (1999) Die deutsch-britischen Beziehungen im Rahmen der EG/EU.

5 Hooghe (2007) European Union Politics, 8/1, S. 5–12.

6 Zastiral (2017), Letztes Ende sind wir Geiseln.

7 Selbt (2016) Wenn ich zurückmuss nach Polen gehe ich halt Spiegel Online unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/brexit-verunsichert-polen-und-andere-osteuropaeer-in-grossbritannien-a-1100074.html (20.2.2017).

8 Kreilinger/Becker/Wolfstädter (2016), S. 7.

9 Drygala (2016), Austritt auch aus der britischen Ltd.?

10 Hofmeister, European Law Journal 16 (2010), S. 591 ff.

11 Ausführlich Fischer, Der Vertrag von Lissabon, 2008, S. 91 ff.; Oppermann, DVBl 2008, S. 473 ff.

12 Thiele, EuR 2016, S. 281

13 Dazu ausführlich Doehring (20001), S. 695ff.; Bruha/Nowak, Archiv des Völkerrechts 2004, S.7.

14 BVerfGE 123, 267.

15 Pache/Rösch EuR 2009, 769.

16 Thiele, EuR 2016, S. 281

17 Thiele, EuR 2016, S. 281

18 BT-Drs. 16/8300, S. 168.

19 Zeh, ZEuS 2004, 209.

20 Michl, NVwZ 2016, 1365.

21 Michl, NVwZ 2016, 1365.

22 The Telegraph vom 24.01.2017 unter http://www.telegraph.co.uk/news/2017/01/24/brexit-ruling-supreme-court-judgment-full/(20.02.2017).

23 Kreilinger/Becker/Wolfstädter (2016), S. 5.

24 Thiele, EuR 2016, 281 (299).

25 Kreilinger/Becker/Wolfstädter (2016), S. 4.

26 Michl, NVwZ 2016, 1365.

27 Michl, NVwZ 2016

28 Thiele, EuR 2016, 281 (299).

29 Kreilinger/Becker/Wolfstädter (2016), S. 4.

30 Lippert/von Ondarza, Der Brexit als Neuland, SWP-Aktuell, Juli 2016, S. 2.

31 Vgl. Zeit Online vom 27.07.2016 unter http://www.zeit.de/politik/au (20.02.2017).sland/2016-07/eu-brexit-michel-barnier-verhandlungsfuehrer-austritt-grossbritannien

32 Michl, NVwZ 2016, Callies in Callies/Ruffert, Rn. 5 zu Art. 50.

33 Kreilinger/Becker/Wolfstädter (2016), S. 15.

34 Callies in Callies/Ruffert, Rn. 7 zu Art. 50.

35 Thiele, EuR 2016, 281 (299).

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Folgen des Brexit für Gesellschaften
Untertitel
Die Ltd. und der Brexit
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
26
Katalognummer
V518502
ISBN (eBook)
9783346120274
ISBN (Buch)
9783346120281
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brexit, Ltd, Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften, Niederlassungsfreiheit, EU
Arbeit zitieren
Diplom Rechtspfleger Robert Wende (Autor), 2018, Folgen des Brexit für Gesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/518502

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