Metropolregionen

Das deutsche Konzept der Metropolregionen – Ein Vorbild für die Europäische Union?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
24 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition: Metropolregion

3. Theorie der Metropolregionen

4. Das deutsche Konzept der Metropolregionen
4.1 Entstehung und Besonderheit der Metropolregionen
4.2. Akteure der Europäischen Metropolregionen
4.3. Die Situation der „Europäischen Metropolregionen“
4.4 Die Entwicklung der Metropolregionen in Deutschland

5. Das deutsche Konzept der Metropolregionen - ein Vorbild für die EU ?
5.1 Ökonomische Vorteile eines polyzentrischen Systems und ökonomische Nachteile eines monozentrischen Systems
5.2 Ökologische Vorteile eines polyzentrischen Systems und ökologische Nachteile eines monozentrischen Systems
5.3 Soziale Vorteile eines polyzentrischen Systems und Soziale Nachteile eines monozentrischen Systems

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Europäischen Metropolregionen in Deutschland

Abbildung 2: Bedeutung der Europäischen Metropolregionen für Deutschland

Abbildung 3: Metropolfunktionen der Städte

Abbildung 4: Abb. 5 Raumstruktur in Europa

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Funktionen von Metropolen

Tabelle 2: Funktionen der Europäischen Metropolregionen

Tabelle 3: Ausgewählte Strukturdaten der Europäischen Metropolregionen

1. Einleitung

Die Anfänge des modernen Metropolisierungsprozesses liegen in der im 18. und 19 Jahrhundert beginnenden Industriellen Revolution. Die entstehende Industrie benötigten damals vor allem ein gut ausgebautes Transportwesen um Rohstoffen importieren und die produzierten Güter exportieren zu können. Dies führte zu einer Agglomeration von Unternehmen, in Städten mit einer guten Verkehrsanbindung - dies waren vor allem größere Städte. Des weiteren benötigen die entstehenden Untenehmen eine große Anzahl von Arbeitskräften. Beide Faktoren führten zu einem starken Bevölkerungswachstum in den Städten. Dieser Metropolisierungsprozess breitete sich von London, das bereits Anfang des 18. Jahrhunderts über 1 Million Einwohner hatte, auf das europäische Festland und später auf die USA aus. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war dieser Prozess fast ausschließlich auf die westlichen Industrieländer beschränkt. „Zu einem weltweiten Phänomen wurde die Metropolisierung erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts, als in den sogenannten Entwicklungsländern die Bevölkerungszahlen zu explodieren begannen“1. In den Industrieländern wuchsen die Metropolen von da an nur noch sehr langsam oder es kam sogar zu einer Bevölkerungsstagnation. Mit der rasant voranschreitenden Globalisierung wurde jedoch deutlich, dass die Bevölkerungszahl nicht der ausschlaggebende Faktor ist, der eine Stadt zu einer Weltmetropole macht. So entwickelte Mitte der 80er Jahre Friedmann (IzR Heft 11/12, 2000, S. 651) seine „World City-Hypothese“, nach der die Bedeutung von Städten vor allem nach dem Grad ihrer Integration in das weltwirtschaftliche System gemessen wird, wobei nicht das Produzieren von Gütern entscheidend ist, sondern die Kontrolle von Produktion und Märkten. Obwohl es keine allgemeingültigen und eindeutigen Indikatoren gibt nach denen dies gemessen werden kann, haben sich einige überzeugend und brauchbare Indikatoren herausgebildet, nach denen unterschieden wird zu welchem Rang eine Stadt gehört, so z.B. :

- „Headquarter“-Funktion: Anzahl der Hauptsitze der weltweit größten Unternehmen und Banken in einer Stadt
- Anzahl von „Advanced Producer Services“ wie z.B. Werbe- und Consultingagenturen
- Umsatzvolumen der internationalen Börsenplätze
- Bedeutung der Stadt als Verkehrsknotenpunkt2

Die Suburbanisierung und der infolgedessen einsetzende relative Bedeutungsverlust des Stadtzentrums und der direkten Stadtbezirke im Verhältnis zum Suburbanen Raum führte mehr und mehr zu einem Zusammenwachsen von Stadt und Umland. Die Ausweitung der Transport- und Informationssysteme führte zu einer dichten Vernetzung von Region und Metropole. Aus dieser Verflechtung von Großstadt und Region, entwickelte sich schließlich der Begriff „Metropolregion“

Um im Folgenden die Frage, ob das deutsche Konzept der Metropolregionen nun ein Vorbild für die EU sein kann, beantworten zu können, muss zunächst geklärt werden: In welche Richtung sollen sich die Metropolregionen Europas entwickeln?. Dabei gehe ich von einer Zielvorstellung aus, die eine nachhaltige Entwicklung in den Blick nehmen soll, d.h. eine Balance zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt, wie es auch im Europäischen Raumentwicklungskonzept angegeben ist.3

Zunächst werde ich erst die Definition für den Begriff Metropolregion und danach die noch relativ neue Theorie der Metropolregionen darstellen. Anschließend werde ich genauer das deutsche Konzept der Metropolregionen untersuchen um Besonderheiten, durch welche es ein Vorbild sein könnte herauszuarbeiten. In Kapitel 5 werde ich diese Vorteile dann konkret darstellen.

2. Definition: Metropolregion

Der Begriff „Metropolregion“ ist noch relativ neu. In Deutschland wurde er formal 1995 mit dem Beschluss zum Raumordnungspolitischen Handlungsrahmen von der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) eingeführt. Nach diesem Beschluss sollen Metropolregionen „als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung [...] die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas erhalten“4. Um einer Definition näher zu kommen, ist es hilfreich das Wort „Metropolregion“ in „Metropole“ und „Region“ zu zerlegen und diese auf ihrer Bedeutung zu untersuchen. Der Begriff „Region“ kommt aus dem Lateinischen von „Regio“ – Bezirk, Gegend, Landschaft. Region umfasst also ganz allgemein ein räumliches Gebiet mit einer gewissen Ausdehnung. Der Begriff „Metropole“ stammt aus dem Griechischen – dort heißt er (μητρόπολη) mitrópoli, was Mutterstadt bedeutet. Eine „Mitrópoli“ – eine Mutterstadt - war eine Gründungsstadt einer griechischen Kolonie im Mittelmeerraum. Im Lateinischen entwickelte sich der Begriff zu „Metropolis“ – Hauptstadt. Heutzutage ist der Begriff nicht eindeutig definiert. Metropole wird – fälschlicherweise - oft synonym zu Global City gebraucht. Im Gegensatz zu einer Global City, die international absolute Bedeutung besitzt, kann eine Metropole, aber auch nur relative Bedeutung innerhalb einer bestimmten Region (z.B. die Westfalen-Metropole Dortmund) besitzen. Hier verbinden sich die beiden Begriffe „Metropole“ und „Region“. Die Metropole ist also abhängig von einer sie umgebenden Region, aus der sich die Metropole hervorhebt. Der Begriff „Metropolregion“ ergänzt den Begriff „Metropole“, um den Teil der sowieso zur Metropole gehört - die Region um das Zentrum . „Der Begriff „Metropolregion“ ist daher grundsätzlich zutreffender.“5 Dennoch besteht eines der Hauptprobleme des Begriffs in den nicht genau festzulegenden geographischen Grenzen einer Metropolregion, da diese sich meistens über mehrere bestehende Verwaltungsbezirke erstrecken. Da der Begriff Metropole relativ ist (siehe oben), muss für die Metropole bzw. Metropolregion angegeben werden, um was für ein Niveau von Metropole es sich handelt. Aus diesem Grund hat die MKRO am 7. Juni 1997 für die größten deutschen Metropolregion den Begriff „Europäische Metropolregionen“ festgelegt. Diese sind definiert als "[...] Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung mit guter Erreichbarkeit auf europäischer und internationaler Ebene und weiter Ausstrahlung in das Umland."6

3. Theorie der Metropolregionen

„Der Örtlichkeit bzw. der Region ebenso wie dem nationalen Territorium scheint [...] eine schwindende Bedeutung zuzukommen“7 (IzR Heft 6/7. 2002 S.290) Dieser Prozess, angeregt durch die modernen Transportsysteme und vor allem durch die rasante Entwicklung der Kommunikationssysteme scheint widersprüchlich zur steigenden Bedeutung von Agglomerationsräumen und Metropolregionen zu stehen. Tatsächlich aber ist zu beobachten, dass diese „geographische Dispersion wirtschaftlicher Aktivitäten, [...] simultan von einer Integration dieser verteilten Aktivitäten durch große Unternehmen und an besonderen Standorten, den Global Cities oder Metropolen geleistet wird,[...]“8. Diesem Modell liegt ein neues Raumverständnis zugrunde. Die tradierten Raumvorstellung aus dem Zeitalter der Nationalstaaten war geprägt von Fläche und Territorium; die neue Raumvorstellung wird verstanden als „ein Raum von Flüssen bzw. Strömen, also ein Netzwerk-Raum, in dem die Metropolregionen als Knoten das wichtigste strukturbildende Moment sind.9 Zusammenfassend lässt sich sagen: Der durch die Prozesse der Globalisierung von der Fläche losgelöste Raum wird nun durch Netzwerke bestimmt, welche durch bestimmte international verflochtene Knotenpunkte - den Metropolregionen- gesteuert und kontrolliert werden.

Die Funktionen, die diese Knotenpunkte bzw. Metropolregionen ausüben wird in der folgenden Tabelle dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 Quelle: BLOTEVOGEL, H.-H (2002), „Die Metropolregionen in der Vernetzung“, in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 6/7

Die drei in Tabelle 1 genannten Funktionen bedingen und verstärken sich gegenseitig. Trotzdem bleibt die Frage ob und warum eine räumliche Bündelung an einem Ort sinnvoll ist. Um dieser Frage nachzugehen, gilt es die Vor- und Nachteile dieser Agglomeration zu betrachten. Grundsätzlich gilt erst einmal festzustellen, dass es eine der wichtigen Aufgaben des Staates ist - in der Verantwortung für zukünftige Generationen - eine Politik der nachhaltigen Entwicklung zu betreiben. Dies bedeutet eine Balance zwischen den verschiedenen ökonomischen, ökologischen und sozialen Belangen zu finden. Metropolregionen - also die oben angesprochenen räumlichen Bündelungen - haben im Allgemeinen folgende negative Agglomerationseffekte:

[...]


1 GÖDDECKE-STELLMANN, J; MÜLLER, A; STRADE, A (2000), „Konkurrenz und Kooperation – Europas Metropolregionen vor neuen Herausforderungen“ in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 11/12, S. 647

2 GÖDDECKE-STELLMANN, J; MÜLLER, A; STRADE, A (2000), „Konkurrenz und Kooperation – Europas Metropolregionen vor neuen Herausforderungen“ in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 11/12, S. 651

3 EUROPÄISCHE KOMMISSION (Hrsg.), (1999), Europäisches Raumentwicklungskonzept, S.11

4 MINISTERKONFERENZ FÜR RAUMODRNUNG (HRSG.), (1995), Raumordnungspolitischer Handlungsrahmen, S.28

5 ADAM, B; GÖDDECKE-STELLMANN, J (2002), „Metropolregionen – Konzepte, Definitionen und Herausforderungen“ in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 9, S. 513

6 zit. nach http://www.bbr.bund.de/index.html?/staedtebau/staedtebaupolitik/metropolregionen.htm (stand 07.01.2006) ;vgl. auch MKRO Beschluss vom 3. Juni 1997

7 KUJATH, H-J (2002), „Die Logiken internationaler und nationaler ökonomischer und politischer Verflechtungen zwischen Metropolräumen“, in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 6/7, S. 290

8 KUJATH, H-J (2002), „Die Logiken internationaler und nationaler ökonomischer und politischer Verflechtungen zwischen Metropolräumen“, in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 6/7, S. 290

9 BLOTEVOGEL, H.-H (2002), „Die Metropolregionen in der Vernetzung“, in Informationen zu Raumentwicklung, Heft 6/7, S. 346

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Metropolregionen
Untertitel
Das deutsche Konzept der Metropolregionen – Ein Vorbild für die Europäische Union?
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Seminar zur AVWL/ SVWL
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V51954
ISBN (eBook)
9783638477826
ISBN (Buch)
9783638693042
Dateigröße
831 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metropolregionen, Seminar, AVWL/, SVWL
Arbeit zitieren
Sascha Woditsch (Autor), 2006, Metropolregionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51954

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