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Der Wiener Aktionismus Otto Mühls und die Analyse seines "Offenheitscharakters"

Title: Der Wiener Aktionismus Otto Mühls und die Analyse seines "Offenheitscharakters"

Seminar Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Jennifer Brei (Author)

Art - Installation / Action/Performance Art / Modern Art
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Aus dem gesellschaftlichen Hintergrund einer konservativen Nachkriegsgesellschaft, welche viel zu sehr mit sich selbst und der Verarbeitung des Kriegsschreckens beschäftigt war, entsprang der Samen einer neuen, vitalen und kritischen Generation, deren Ausdruck sich schließlich in den 68’ern fand. Auch die damalige Kunstlandschaft konnte dem Einfluss des revolutionären Gedankengutes nicht lange widerstehen und wurde schnell zum Sprachrohr abstrakter Systemkritik. So wuchs auch in Wien eine junge Szene von künstlerischen Aktivisten heran, die sich durch ein, alle Bereiche der gesellschaftlichen Interaktion, hinterfragendes Wesen auszeichnete. Die Kritik an der systemgesteuerten Konstruktion der Schein-Realität führte später in einem weiteren Schritt zur Zielsetzung, dieses Fundament zu sprengen und die moderne Gesellschaft durch die Zerstörung der Zivilzwänge zu liberalisieren. Dabei schlossen sich die involvierten Künstler im Kreis Wien zu den beiden Hauptbewegungen des Wiener Aktionismus und der Wiener Gruppe zusammen. Erstere wird im Folgenden mit ihrer Konstellation, und der produktiven Abstraktion der philosophischen Grundgedanken, den Schwerpunkt meiner Arbeit bilden. Zu den bekanntesten Teilnehmern der Wiener Aktionisten zählen Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Mühl und Rudolf Schwarzkogler. Die Gruppe fand gegen Mitte der fünfziger Jahre zusammen und Hermann Nitsch vollführt bis heute, die wohl bekannteste seiner Inszenierungen: das Orgien-Mysterien-Theater. Die zahlreichen tabubrechenden und als skandalös bezeichneten Aktionen der vier, teilten das Feld der hiesigen Kunstkonsumenten in zahlreiche Splittergruppen unterschiedlichster Ansichten. Auch heute noch, nach zahlreichen Analysen, ist der Stellenwert des Wiener Aktionismus in der Entwicklungsgeschichte der Kunst nicht eindeutig auszumachen. Noch immer bietet die vielfältige Auslegbarkeit des Materials genügend Stoff für geisteswissenschaftliche Untersuchungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Zum Wiener Aktionismus allgemein

1. Entstehung – geschichtlicher und sozialer Hintergrund

2. Thesen und Intentionen der Aktionisten

3. Praktische Umsetzung

II. Zur Rolle Otto Mühls

1. Biographischer Hintergrund

2. Aktionistischer Standpunkt

3. Werke und Aktionen

III. Die Aktionen Otto Mühls in ihrer Beziehung zum Betrachter

1. Vorüberlegung zur Verwendung des Kunstbegriffes

2. Unter dem Aspekt des „Offenen Kunstwerkes“

3. Potentielle „Leerstellen“

4. In Bezug zur avantgardistischen Theorie

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Aktionen des Wiener Aktionisten Otto Mühl unter dem Aspekt ihres Offenheitscharakters. Dabei wird analysiert, wie diese Aktionen die Beziehung zwischen Werk und Betrachter gestalten und inwiefern der Betrachter zur Vollendung der Werke beiträgt.

  • Historischer Kontext und Entstehung des Wiener Aktionismus
  • Biographische Einordnung und theoretische Positionierung Otto Mühls
  • Analyse der Aktionen anhand der Theorie des „Offenen Kunstwerkes“ von Umberto Eco
  • Untersuchung der Rezeptionsästhetik durch den Begriff der „Leerstellen“ nach Wolfgang Kemp
  • Einordnung in die avantgardistische Theorie nach Peter Bürger

Auszug aus dem Buch

3. Praktische Umsetzung

Da die praktische Umsetzung der theoretische manifestierten Ordnungsumwälzung nicht in einem Prozess der politisch-terroristischen Revolution erfolgte, sondern `lediglich` im Rahmen des Aktionsraumes, ging es in erster Linie um die Zerstörung mentaler Systemabhängigkeiten. Zunächst musste dazu eine neue Erwartungshaltung an den Begriff der „Kunst“ geschaffen werden, um darin bereits die Intention zum Ausdruck zu bringen. Schwarzkogler definierte darauf „kunst als erlebnisschulung und destruktion aller vorstellungen vom leben.“ In diesem Sinne wurde zunächst eine Überschreitung des etablierten Kunst- und Ästhetikbegriffes verwirklicht, in dem der Rahmen des Bildes nun nicht mehr Grenze für den Pinsel des schaffenden Aktionisten war. Brus machte dies um 1960 deutlich, als er bei einer Aktion nicht nur seine Farbe auf der Wand auftrug, sondern diese auch bis auf das Zerbröseln des Mörtels bearbeitete (Titel der Aktion: „dass der mörtel runterbröckelt“)

Durch Mühl schließlich dehnte sich auch der Materialbegriff so weit aus, dass dieser -weg von der konventionellen Farbe- nun jegliche Elemente organischen Ursprungs beinhaltete. So nahm er in seine Aktionen sowohl Lebensmittel, tierisches Blut, als auch sämtliche Formen körperlicher Ausscheidungen mit auf. Diese schlossen von Schleim über Sperma bis hin zu Fäkalien alles mit ein. Im Weiteren ging es immer mehr um die Auseinandersetzung mit dem Menschen im sensitiven Netz der zwischenmenschlichen Kommunikation, bzw. dem Wesen des Menschen generell. Durch die Entfremdung habilitierter Wahrnehmungsmuster sollten zunächst die Sinne der Betrachter für neue Empfindungen freigemacht werden. Die Sprache, welche als „wirklichkeits- und gesellschaftskonstituierendes Phänomen“ angesehen wurde, unterlag in den Aktionen einer Zerlegung bis in die kleinsten Lauteinheiten.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Kontext der Nachkriegszeit, aus dem der Wiener Aktionismus hervorging, und führt die theoretischen Ansätze zur Analyse der Aktionen ein.

I. Zum Wiener Aktionismus allgemein: Dieses Kapitel beschreibt den geschichtlichen Hintergrund, die Thesen und die praktischen Umsetzungsmethoden der Wiener Aktionisten.

II. Zur Rolle Otto Mühls: Hier werden der biographische Hintergrund, der künstlerische Standpunkt und die spezifischen Aktionen von Otto Mühl detailliert beleuchtet.

III. Die Aktionen Otto Mühls in ihrer Beziehung zum Betrachter: Dieses Kapitel analysiert das Verhältnis zum Betrachter unter Einbeziehung von Theorien zum „Offenen Kunstwerk“, zu „Leerstellen“ und zur Avantgarde.

Schluss: Der Schluss reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und diskutiert kritisch die Problematik der Grenzüberschreitungen sowie die Wandelbarkeit der Einstellung der Aktionisten zu staatlichen Institutionen.

Schlüsselwörter

Wiener Aktionismus, Otto Mühl, Offenes Kunstwerk, Leerstelle, Systemkritik, Avantgarde, Rezeptionsästhetik, Performance, Kunstbegriff, Materialaktion, Zerstörung, Provokation, Gesellschaftskritik, Betrachterrolle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die künstlerischen Aktionen des Wiener Aktionisten Otto Mühl im Kontext ihrer Offenheit und ihrer Wirkung auf den Betrachter.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte und Theorie des Wiener Aktionismus, die Biografie und Positionierung von Otto Mühl sowie rezeptionsästhetische Ansätze.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den „Offenheitscharakter“ der Aktionen von Otto Mühl zu analysieren und zu prüfen, wie das Verhältnis zwischen dem Aktionisten und dem Betrachter bei der Werkvollendung fungiert.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin wendet eine theoretische Analyse auf Basis der Konzepte von Umberto Eco (Offenes Kunstwerk), Wolfgang Kemp (Leerstellen) und Peter Bürger (Theorie der Avantgarde) an.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den allgemeinen historischen Kontext des Aktionismus, eine biographische und standpunktbezogene Analyse Otto Mühls sowie eine rezeptionsästhetische Untersuchung seiner Aktionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Wiener Aktionismus, Otto Mühl, Offenes Kunstwerk, Leerstelle, Systemkritik, Avantgarde und Rezeptionsästhetik.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Betrachters bei Mühls Aktionen?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Mühls Aktionen bei unbedarften Betrachtern oft an ihrer Komplexität scheitern und somit eher eine „geschlossene Geschlossenheit“ aufweisen, statt den Betrachter erfolgreich als Mitschöpfer zu integrieren.

Welche kritische Schlussfolgerung zieht die Autorin zu Otto Mühl?

Die Autorin hinterfragt kritisch, ob die Kunst der Aktionisten teilweise als Deckmantel für problematische oder kriminelle Handlungen gedient haben könnte, und verweist dabei auf die späteren Verurteilungen Mühls.

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Details

Title
Der Wiener Aktionismus Otto Mühls und die Analyse seines "Offenheitscharakters"
College
LMU Munich  (Institut für Kunstgeschichte)
Course
Proseminar "Das offene Kunstwerk"
Grade
sehr gut
Author
Jennifer Brei (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V51955
ISBN (eBook)
9783638477833
ISBN (Book)
9783656780656
Language
German
Tags
Wiener Aktionismus Otto Mühls Analyse Offenheitscharakters Proseminar Kunstwerk
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jennifer Brei (Author), 2005, Der Wiener Aktionismus Otto Mühls und die Analyse seines "Offenheitscharakters", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51955
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