Ein Ansatz zur Begründung der Revolution von 1848


Hausarbeit, 2001

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Die politische Öffentlichkeit
2.1 Das Wartburgfest
2.2 Das Hambacher Fest

3.Die gesellschaftlich – politische Situation
3.1 Das Bürgertum
3.2 Die Bauern
3.3 Das Handwerk

4. Vergleich der Umstände beider Feste

5. Konsequenzen für die Revolution

6.Abschlussbetrachtung

Literatur

1. Einleitung

„Es war nicht so, dass die Revolution kommen musste, und schon gar nicht im Frühjahr 1848 [...]“ (Nipperdey 1994, 402). Bei den Worten des Historikers Thomas Nipperdey[1] stellt sich die Frage, aus welchen Gründen die deutsche Revolution gerade im Jahr 1848 – und nicht etwa schon 1830 – ausbrach.

Diese Frage erfährt ihre Berechtigung, wenn man bedenkt, dass es in der deutschen Geschichte vor 1830 und vor 1848 parallele Entwicklungen gibt. An den Jahren 1815 bis 1830 lassen sich Ereignisse festmachen, die sich in ähnlicher Weise in der Zeit zwischen 1830 und 1848 wiederholen.

1817 findet auf der Wartburg eine politische Versammlung statt, 1832 in Hambach. Folge dieser Feste ist jeweils eine Radikalisierung der liberalen Bewegung, die sich 1819 im Kotzebue-Mord und 1833 im Frankfurter Wachensturm manifestiert. Darauf reagiert die Obrigkeit mit scharfen Sanktionen. 1819 wird in den Karlsbader Beschlüssen die Aufhebung der Presse- und Versammlungsfreiheit und die Überwachung der Studierenden beschlossen. 1834 werden diese Maßnahmen in den Wiener Ministerratsbeschlüssen wieder eingeführt oder verschärft.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass es bereits 1830 ähnliche Voraussetzungen für eine Revolution gegeben hat wie 1848. Warum es 1830 lediglich bei verschiedenen Tumulten in einzelnen deutschen Staaten blieb[2] und es nicht zu einer gesamtdeutschen Revolution wie im Jahr 1848 kam, stelle ich in meiner Arbeit heraus.

Durch den Vergleich des Wartburgfestes mit dem Hambacher Fest möchte ich darstellen, wie sich politische Öffentlichkeit im Vormärz entwickelt und welche Unterschiede es vor 1830 und vor 1848 in diesem Bereich gibt. Die politische Öffentlichkeit repräsentiert dabei die Gesellschaft und ihre Ideen. Ein weiteres Ziel meiner Ausführungen ist es also, von den Erkenntnissen über die politische Öffentlichkeit auf die Beschaffenheit der Gesellschaft zu schließen und so Gründe dafür zu finden, warum 1830 die Basis für eine Revolution in der Gesellschaft noch nicht gegeben war.

2. Die politische Öffentlichkeit

Bis 1817 ist es das „herrschaftliche Monopol, politische Festveranstaltungen durchzuführen“ (Malettke o.J., 26). Die Teilnehmer des Wartburgfestes sind es, die dieses Privileg erstmals durchlöchern. Sie versammeln sich „ohne obrigkeitliches Mandat [...] im Namen des ‚Volkes’“ (ebd.). Damit stehen sie am Beginn einer langen Reihe von bürgerlich organisierten Kundgebungen: es folgen das Hambacher Fest 1832, die Offenburger und die Heppenheimer Versammlungen 1847 und die Heidelberger Versammlung 1848.

Diese Feste kündigen ein „bisher nicht gekanntes politisches Selbstbewusstsein“ (Hardtwig 1998, 10) an. Es ist das Selbstbewusstsein des Bürgertums, das nach den Enttäuschungen des Wiener Kongresses 1815 für seine politische Emanzipation zu kämpfen beginnt (vgl. Steiger 1991, 23). Im Folgenden sollen zwei politische Feste einander gegenübergestellt werden: das Wartburgfest 1817 und das Hambacher Fest 1832.

2.1 Das Wartburgfest

Am 18./19. Oktober 1817 findet auf der Eisenacher Wartburg ein Fest zur „300-jährige[n] Wiederkehr der lutherischen Reformation und [zum] vierte[n] Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig“ (Malettke o.J., 17) statt. Rund 500 Studenten und einige Professoren von den verschiedensten Universitäten im Deutschen Bund nehmen teil. Neben Jura- und Theologie- sind auch Medizin- und Philologiestudenten vertreten – unter den Anwesenden dominieren „die Angehörigen des Bildungsbürgertums“ (ebd., 18).

Man hat sich versammelt, um „gemeinschaftlich das Bild der Vergangenheit uns vor die Seele zu rufen [und] um aus ihr Kraft zu schöpfen für die lebendige That in der Gegenwart“ (Steiger 1991, 250).

In zahlreichen Reden werden die Forderungen nach politischer Einheit des Deutschen Bundes und mehr bürgerlichen Freiheiten propagiert. Das jedoch geschieht in „durchaus moderatem Ton“ (Malettke o.J., 19). Es geht den Studenten nicht darum, den Staat zu verändern, sondern die Anwesenden sollen vielmehr auf ihre Zeit warten und schon jetzt darüber nachdenken, „wie ihr einst im Staat handeln sollt, und wie ihr euch dazu würdig vorbereitet“ (Steiger 1991, 115). Die angestrebte Realisierung nationaler Einheit und konstitutioneller Freiheit soll „auf dem Wege friedlicher Vereinbarungen mit den Regierungen“ (Malettke o.J., 21) durchgesetzt werden.

Ein Ereignis allerdings zeigt, dass auf der Wartburg durchaus revolutionäres Potential vorhanden ist. Der Jenaer Philosophiestudent Ludwig Rödiger verurteilt in einer Rede im Anschluss an die Feierlichkeiten die „Schlangenzungen der Lauscher und [das] Henkerbeil der Tyrannen“ und zeigt auf, dass die Jugend sich nicht mehr auf „die Tugenden der Väter“ (Rödiger 1817, 18: zitiert nach Steiger 1991, 120) verlassen könne. Er ruft – im Gegensatz zu den übrigen Rednern – die Studenten zu eigener Aktivität und eigenen Ideen auf. Daraufhin beginnen aufgebrachte Studenten, „undeutsche“ (Malettke o.J., 23) Bücher zu verbrennen[3].

Doch Rödigers Aufruf zur Tat ist gleichsam ein „Protest ohne Programm“ (Steiger 1991, 120), er gibt „keine Anleitung zum praktischen Handeln“ (ebd., 121) und bleibt letztlich ebenso theoretisch wie seine Kommilitonen.

Nach einem Abschlussgottesdienst trennen sich die „Kinder einer eisernen Zeit“ (ebd., 139) mit zwei sichtbaren Ergebnissen: die deutsche Studentenschaft ist geeint, als ihr Organ soll eine deutsche Studentenzeitung ins Leben gerufen werden.

Die Urteile über die Bedeutung des Wartburgfestes könnten vielfältiger nicht sein. Heinrich von Treitschke hält das Fest für eine „krankhafte Selbstüberschätzung“ (Treitschke 1981, 428) und spricht in diesem Zusammenhang von einem „wunderbaren Schauspiel“, das nur durch „eine ganze Literatur von Schriften und Gegenschriften [...] auf die Höhe eines europäischen Ereignisses“ gehoben worden sei.

Als bedeutenden Faktor sieht Ernst Huber[4] das Wartburgfest insofern, als dass hier erstmals „eine unfassbare [...], aber doch bestimmende und gestaltende Macht“ auftritt. Gemeint ist die öffentliche Meinung, die sich in der politischen Demonstration manifestiert und das bezeichnet Huber als „epochemachende[n] Vorgang“ (Huber 1967, 718).

[...]


[1] Thomas Nipperdey, 1927 – 1992, war Historiker und Professor in Karlsruhe, Berlin und München (vgl. Mallettke 1992, 379).

[2] In den „vorkonstitutionellen Staaten Nord- und Mitteldeutschlands“ (Nipperdey 1994, 366) kommt es zu „Verfassungsbewegungen“ (ebd.). Bürgerversammlungen protestieren für die Einberufung von liberalen Landtagen. In Süddeutschland gibt es „eigentliche[.] Unruhen“ (ebd., 368) nur in Oberhessen, aber auch überall sonst wird die „Opposition vehementer“ (ebd.).

[3] Unter den verbrannten Büchern befanden sich Werke von „Kritikern der Burschenschaft, von Verfechtern der Restauration“ (Malettke o.J., 23) sowie der Code Napoléon. Doch auch Gegenstände wurden den Flammen überantwortet: ein „preußischer Ulanenschnürleib, ein österreichischer Korporalstock sowie ein kurhessischer Militärzopf“ (ebd., 24).

[4] Ernst Rudolf Huber, Staatsrechtler und Universitätsprofessor, lebte von 1903 bis 1990 (vgl. Malettke 1992, 374).

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Details

Titel
Ein Ansatz zur Begründung der Revolution von 1848
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V51962
ISBN (eBook)
9783638477895
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ansatz, Begründung, Revolution
Arbeit zitieren
Julia Sommerhäuser (Autor), 2001, Ein Ansatz zur Begründung der Revolution von 1848, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51962

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