Die Idee für das Thema dieser Arbeit bekam ich nach dem Schreiben meiner letzten Hausarbeit „Aufklärung und Romantik in E.T.A. Hofmanns Erzählung `Der Sandmann´“. Von Beginn an lag mir der romantische Aspekt näher als der aufklärerische, womit ich mich für eine theoretische Richtung entschieden hatte.
In dieser Arbeit möchte ich in fünf Schritten vorgehen. Als erstes sollen die historischen Zusammenhänge deutlich werden. Dazu gibt es ein kurzes Kapitel über Politik und Gesellschaft von etwa Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Im zweiten Schritt werden dann aus unterschiedlicher Literatur Informationen zur Epoche der Romantik zusammengetragen. Aus diesem Kapitel werde ich mir verschiedene Aspekte herausgreifen, die im vierten Abschnitt dann als Grundlage für die Analyse der Texte dienen. Im dritten Abschnitt werfe ich einen Blick auf Leben und Werk der beiden Autoren Hoffmann und Eichendorff und versuche bereits erste Charakterzüge ihrer Schreibweise deutlich zu machen. Für den vierten Abschnitt habe ich mir von den Autoren je drei Werke herausgesucht, die jetzt anhand der Kriterien aus Abschnitt zwei untersucht werden sollen. Für eine bessere Vergleichbarkeit habe ich mich auf Erzählungen beschränkt. Von Hoffmann sind dies „Der goldne Topf“, „Der Sandmann“ und „Das Fräulein von Scuderi“, von Eichendorff „Das Marmorbild“, „Das Schloß Dürande“ und „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Die Auswahl dieser Stücke ist meist zufällig. Den Text „Der Sandmann“ hatte ich für meine letzte Hausarbeit bereits gelesen, auf die anderen Stücke bin ich während der ersten Recherchen gestoßen. „Der Sandmann“ gehört zu den Nachtstücken, „Der goldne Topf“ bildet den dritten Band der Sammlung „Fantasiestücke in Callots Manier. Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten“ und „Das Fräulein von Scuderi“ ist eine der Erzählungen der „Serapionsbrüder“. Mit dieser Verteilung wurde versucht, der Spannbreite des Hoffmannschen Werks im Ansatz gerecht zu werden. Ein solches Auswahlkriterium war bei Eichendorff leider nicht möglich. Vorwegnehmen möchte ich die Tatsache, dass es sich bei je einem Werk der Autoren um eine historische Erzählung handelt. Bei Hoffmann ist dies „Das Fräulein von Scuderi“, bei Eichendorff „Das Schloß Dürande“. Die Frage nach der Repräsentativität der Texte kann hoffentlich positiv beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
A Geschichtliche Zusammenhänge
B Die Epoche der Romantik
I Begriff und Definition
II Themen und Motive der Romantik
III Gattungen
IV Mittelalter und Aufklärung
C Die Autoren: Hoffmann und Eichendorff
I Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
1. Leben Hoffmanns
2. Hoffmanns Schreiben
3. Verschiedene Werke
II Joseph Freiherr von Eichendorff
1. Leben Eichendorffs
2. Eichendorffs Schreiben
3. Verschiedene Werke
D Analyse: Auf der Suche nach der Romantik
Einleitung
I Wiederholung als Merkmal romantischer Literatur
II Das poetische Gemüt im Zentrum der romantischen Erzählung
III Der Romantiker zwischen Vernunft und Gefühl
IV Der Philister als Feindbild der Romantiker
V Offene Form in der Romantik
VI Reale und historische Bezüge
E Fazit: Was ist romantisch?
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Arbeit verfolgt das Ziel, die Gemeinsamkeiten und wesentlichen Unterschiede in der literarischen Ausgestaltung der Romantik bei Ernst Theodor Amadeus Hoffmann und Joseph Freiherr von Eichendorff herauszuarbeiten. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, inwiefern beide Autoren als typische Vertreter der Spätromantik gelten können und wie sie das romantische Ideal in ihre Erzählungen integrieren.
- Vergleichende Analyse zentraler Motive wie Doppelgängertum, Wahnsinn und Naturdarstellung.
- Untersuchung der künstlerischen Haltung gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen (Industrialisierung, Philistertum).
- Analyse der narrativen Strukturen und der Einbettung phantastischer Elemente in die Realität.
- Gegenüberstellung des religiösen Weltbildes von Eichendorff und der psychologisch-magischen Welt von Hoffmann.
Auszug aus dem Buch
Die Romantik Eichendorffs und die Romantik Hoffmanns im Vergleich
Um die Romantik besser verstehen zu können, sollte man auch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in dieser Zeit zur Kenntnis nehmen. Sie ist geprägt durch Auswirkungen der Französischen Revolution, durch gesellschaftliche Veränderungen, durch die Prinzipien der Aufklärung und gegen Ende auch durch industriellen Fortschritt. Themen und Tendenzen der Romantik lassen sich teilweise aus historischen Umständen ableiten. So wird beispielsweise die Französische Revolution zum politischen oder sozialen Thema oder die Entfremdung des Menschen von der Natur, wie sie als Folge der Industrialisierung erlebt wird, beeinflusst das Leben der Figuren in den Stücken.
Geistig folgte die Romantik auf die Epoche der Aufklärung, also dem Zeitalter der Vernunft. Hier wurde das selbstbestimmte, kritische Subjekt hochgehalten, das sich seines eigenen Verstandes bedienen sollte. Die Französische Revolution brach 1789 aus und hatte ab etwa 1804 Auswirkungen auf Deutschland. Deutschland war zu dieser Zeit in etwa 300 Territorialstaaten zerteilt. In den 90er Jahren nahm der Einfluss Napoleons in Frankreich zu. 1791 verbündeten sich Preußen und Österreich gegen Frankreich und führten mehrere Kriege, die jedoch erfolglos blieben.
Zusammenfassung der Kapitel
A Geschichtliche Zusammenhänge: Dieses Kapitel beleuchtet den politisch-gesellschaftlichen Kontext von Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere die Auswirkungen der Aufklärung, der Französischen Revolution und der Industrialisierung auf das romantische Weltbild.
B Die Epoche der Romantik: Hier werden der Begriff der Romantik sowie ihre zentralen Themen, Motive, Gattungen und das Verhältnis zu Mittelalter und Aufklärung theoretisch definiert.
C Die Autoren: Hoffmann und Eichendorff: Dieser Abschnitt widmet sich den Biographien, dem allgemeinen Schreibstil und den wichtigsten Werken beider Autoren.
D Analyse: Auf der Suche nach der Romantik: Der Hauptteil untersucht anhand konkreter Werke die Kriterien der Wiederholung, des poetischen Gemüts, des Philisterbildes, der Formgebung sowie historischer Bezüge.
E Fazit: Was ist romantisch?: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Stellung Hoffmanns und Eichendorffs innerhalb der deutschen Romantik.
Schlüsselwörter
Romantik, Spätromantik, E.T.A. Hoffmann, Joseph von Eichendorff, Phantastik, Philistertum, Poetisches Gemüt, Industrialisierung, Aufklärung, Doppelgänger, Literarische Analyse, Naturphilosophie, Motivwiederholung, Künstlerexistenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die literarischen Ausprägungen der Romantik bei den zwei bedeutenden Spätromantikern Ernst Theodor Amadeus Hoffmann und Joseph Freiherr von Eichendorff.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Künstlers, das Verhältnis zum Philistertum, der Umgang mit der Natur sowie die Einbettung phantastischer Motive in die erzählte Realität.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Autoren in Bezug auf ihre romantische Weltsicht und ihre Stellung innerhalb der literarischen Epoche.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die zentrale Werke beider Autoren anhand spezifischer romantischer Kriterien (z.B. Wiederholung, offene Form) untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert jeweils drei Erzählungen beider Autoren unter Gesichtspunkten wie dem "poetischen Gemüt", der Kontrastbildung zwischen Vernunft und Gefühl sowie der Bedeutung historischer Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Romantik, Phantastik, Philistertum, Künstlerexistenz und das spezifische Motiv der Wiederholung.
Wie unterscheidet sich Hoffmanns Kunstverständnis von dem Eichendorffs?
Hoffmann verbindet sein Werk stärker mit Magie und einer doppelbödigen psychologischen Realität, während Eichendorff sein Schaffen oft aus einem christlich-moralischen Blickwinkel heraus begründet und eine stärkere Naturverbundenheit betont.
Welche Bedeutung hat das Motiv des "Philisters" in den untersuchten Texten?
Der Philister dient als Gegenbild zum romantischen Künstler; er repräsentiert eine rationale, nützlichkeitsorientierte Welt, die den Zugang zum Wunderbaren und Poetischen verweigert.
Inwiefern beeinflusst die "offene Form" das Erzählen in der Romantik?
Die Autoren nutzen die offene Form, um Gattungsgrenzen aufzuheben und durch die Mischung von Epik, Lyrik und phantastischen Elementen den Leser aktiv in die Sinnstiftung einzubinden.
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- Jennifer Werner (Author), Jennifer Werner (Author), 2005, Die Romantik Eichendorffs und die Romantik Hoffmanns im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51977