Fiktion als Notwendigkeit der Aufklärung

Fiktionale Erwartungen anhand Michel Foucaults "Ethos der Moderne"


Akademische Arbeit, 2019

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen

3. Zu Foucaults Kritik der Aufklärung
3.1 Was ist Aufklärung?
3.2 Haltung der Moderne
3.3 Ein philosophisches Ethos

4. Fiktionale Erwartungen als Grenzüberschreitung

5. Fazit

Literatur

"Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness that most frightens us. [...] Your playing small does not serve the world. There is nothing enlightened about shrinking so that other people will not feel insecure around you. [...] It is not just in some of us; it is in everyone and as we let our own light shine, we unconsciously give others permission to do the same. As we are liberated from our own fear, our presence automatically liberates others."(Williamson 1992: 190)

1. Einleitung

Was ist Freiheit? Was ist Aufklärung? Ist es möglich als vollkommen mündiger Bürger zu handeln und zu denken? Das sind Fragen mit denen sich nicht nur die Philosophie oder Soziologie seit vielen Jahrhunderten beschäftigt. Es sind Fragen, die jeden Menschen in unterschiedlichen Formen betreffen. Sowohl die individuelle, als auch die gesellschaftliche Komponente sind bis heute in ihrer Definition und Auslebung umkämpft. Während Menschen im Nahen Osten um die körperliche Freiheit ihres Lebens kämpfen, ringen chinesische Bürger um die Freiheit, das aussprechen zu können, was sie denken. Gleichzeitig gibt es in Europa eine gesellschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Freiheit und Sicherheit. Beispiele hier wären Debatten zum Datenschutz oder Videoüberwachung.

Um die latenten Konstrukte Freiheit und Mündigkeit auf der individuellen Ebene zu konkretisieren, werde ich drei lebensnahe Beispiele nennen, die auch Kant als kritischen Gradmesser zur selbstverschuldeten Unmündigkeit anführt. Wenn ein Buch die Stelle unseres Verstandes einnimmt, wenn ein Seelsorger unsere Moralvorstellungen und unser Gewissen bestimmt oder wenn ein Arzt entscheidet, welcher Diät wir folgen sollen, befinden wir uns im Zustand der Unmündigkeit. (vgl. Kant 1996: 6) Auch wenn der Konflikt hier schnell offensichtlich wird, ragt das Problem in seiner Tiefe und Breite weit in die Grundfeste unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Betrachtet man diese drei Beispiele genauer, lassen sich hypothetische oder auch fiktive Aussagen einer möglichen Zukunft erkennen. Die individuelle Wahrnehmung der Umwelt des Einzelnen ist geprägt durch die Perspektive seines Verstandes oder seiner Moralvorstellungen. Ein Buch mit theoretischen Konzepten, wie die Welt zu betrachten ist oder wie sie in Zukunft betrachtet werden könnte, stellt eine alternative Realität dar oder auch eine fiktive Alternative. Entsprechend gibt auch der Seelsorger oder der Arzt alternative Handlungs- und Betrachtungsweisen vor. "Alles Sehen ist perspektivisches Sehen" (Nietzsche 1887).

Ein besonderes Beispiel, wie die individuelle und gesellschaftliche Ebene korrelieren, ist die bekannte Rede von Martin Luther King aus dem Jahr 1963 beim Marsch auf Washington mit dem berühmten Satz: "I have a Dream". Er träumte von einer Zukunft, die sich von den Zuständen seiner Gegenwart unterscheidet. King analysiert die Moderne, die Strukturen seiner Gegenwart und erkannte die Grenzen seiner Freiheit. Doch nicht nur seiner Freiheit, er erkannte zivilisatorische Grenzen, die es zu überwinden galt. Hier werden zwei Punkte besonders deutlich: Erstens ist eine kritische Analyse der Gegenwart notwendig, um die Grenzen der Freiheit zu erkennen. Zweitens ist die fiktive Vorstellung einer Zukunft notwendig, die sich in spezifischer Weise durch Handeln und Denken von anderen Versionen der Zukunft abgrenzt. Nun stellt sich die Frage, ob der Zustand der Unmündigkeit und die Fiktion einer alternativen Zukunft auf deutlich banalere Dinge anzuwenden ist. Entscheide ich mich am morgigen Tag einen Salat zu essen, weil meine Essgewohnheiten aktuell ungesund sind, kann dann hier schon von einer fiktiven Alternative und einer mündigen bzw. unmündigen Entscheidung gesprochen werden? In diesem Sinne stellt sich auch die Frage nach der Relevanz von fiktionalen Erwartungen im Kontext der kritischen Frage zur Aufklärung.

Hier lässt sich an Hand eines weiteren Beispiels der Digitalisierung erkennen, dass Fiktion selbst und die Frage zur selbstverschuldeten Unmündigkeit heutzutage womöglich wichtiger ist als jemals zuvor. Im Zuge der Digitalisierung wird fast jeder Teil unseres Lebens rationalisiert. In großen Teilen der Gesellschaft wird Fiktion sowohl in der Literatur als auch in anderen Medien fast ausschließlich zur Unterhaltung konsumiert. Eigenständiges innovatives Denken außerhalb der Grenzen des individuellen oder gesellschaftlichen Systems sind eine Seltenheit geworden. Plakative Kreativität oder der Schein von Individualismus lässt die breite Masse im Trugschluss von Mündigkeit räsonieren. Abhängigkeiten zu sozialen Medien oder personifizierte Algorithmen zur Erkennung von individuellen Verhaltensmustern sind nur ein kleiner Ausschnitt einer modernen Form selbstverschuldeter Unmündigkeit. Das entscheidende hier ist die Schwierigkeit, die Grenzen der Freiheit überhaupt erst zu erkennen. Während sich die Bürger als ein homogenes Kollektiv aus Individualisten, und die Politik, ausgehöhlt durch Wirtschaft und gesellschaftlich Entfremdenden, im Glauben demokratischer Freiheit suhlen, werden innovative Visionen höchstens noch im Silicon Valley entworfen und letztlich an betriebswirtschaftlichen Jahresbilanzen bemessen. Der Wert und die Rolle von Fiktion verblasst zur Unkenntlichkeit, während Netflix und Instagram den Verlust von Freiheit und Mündigkeit so komfortabel wie möglich gestalten.

So soll diese Arbeit dazu beitragen, fiktionale Erwartungen im Kontext der Aufklärung zu untersuchen. Die Fragestellung als roter Faden dieser Arbeit stellt sich wie folgt:

Inwieweit sind fiktionale Erwartungen eine Bedingung zur Mündigkeit?

Dazu wird im folgenden methodisch vorerst eine Begriffsdefinition angeführt. Hier sollen die Begriffe Fiktion, fiktionale Erwartungen, fiktionale Texte, nicht fiktionale Texte sowie ökonomische und literarische Fiktion eingeordnet und abgegrenzt werden. Anschließend wird Foucaults "Ethos der Moderne" als grundlegende Theorie vorgestellt. Aufbauend wird Jens Beckerts Text "Fictional Expectations" anhand Foucaults Konzepten analysiert. Hier sollen Wechselwirkungen und Konflikte zwischen der kritischen Frage der Aufklärung und fiktionalen Erwartungen erkannt oder falsifiziert werden. Im Fazit werden letztlich die Erkenntnisse zusammengefasst und sowohl methodisch-konzeptionell als auch alltagsweltliche Anwendbarkeit bewertet.

2. Begriffsdefinitionen

Jens Beckert unterscheidet in seinem Text "Fictional Expectations" zwischen literarischer und ökonomischer Fiktion. Genauer ordnet er die fiktionalen Erwartungen ein, indem er sie von nicht-fiktionalen Texten und fiktionalen Texten abgrenzt.

Die erste Abgrenzung beschreibt Beckert durch ein Negativ. So wird in der Ökonomie oft von "fictional values" oder "fictional economy" gesprochen, wenn von hypothetischen Produkten oder Werten die Rede ist, die ihre Verbindung zur tatsächlichen Realität des ökonomischen Marktes verloren haben. Das trifft hier nicht zu. (Beckert 2016: 61) Die Bedeutung von Fiktion geht über das Werten empirischer Fakten hinaus. Mit literarischer Fiktion oder fiktionalen Erwartungen sind mögliche Zukunfts-Realitäten gemeint. Über "as-if- Aussagen" werden hypothetische Alternativen einer ungewissen Zukunft dargestellt. Diese basieren, wie alle Aspekte von Fiktionen, auf dem Narrativ der Unsicherheit. Dieses Paradigma der Unsicherheit zukünftiger Ereignisse ist als Grundlage und Gemeinsamkeit fiktionaler Abstraktionen zu verstehen. Man bezeichnet dies auch als "gebrochenes Verhältnis zu Realität" (Burgdorf 2011). Darauf wird im analytischen Teil dieser Arbeit genauer eingegangen.

Weiter schreibt Beckert fiktionalen Erwartungen zwei Bedeutungen zu. Erstens werden fiktionale Erwartungen zur ontologischen und erkenntnistheoretischen Ansätzen verwendet, da der Mensch selbst als Objekt und Subjekt die Bedingungen einer unsicheren Zukunft ausfüllt. Die zweite Bedeutung Beckerts ist das Zuschreiben von Attributen, die er vor allem auf die Qualität von Waren oder ökonomische Prozesse bezieht. (Beckert 2016: 63) Hier wird als Beispiel die Entwicklung des Goldpreises angeführt. Eine Prognose zur Wertsteigerung ist eine fiktionale Erwartung an die Zukunft, die über die Interpretation der Gegenwart erfolgt. Hier wird auch der Konflikt deutlich, in dem sich der Mensch als Subjekt und Objekt seiner Theorien befindet. Denn die Prognose einer Wertsteigerung des Goldpreises selbst hat direkte Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung. Auch dieser Punkt wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit erneut aufgegriffen.

Weiter hat Beckert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von literarischer und ökonomischer Fiktion herausgearbeitet. Dies ist insofern entscheidend, um die Abgrenzung zwischen Fantasie und realitätsbezogenen Hypothesen zu gewährleisten. Obwohl in beiden Facetten so getan wird, als sei die Fiktion wahr, ist das Verhältnis zur Realität ein anderes. In ökonomischen Vorhersagen geht man klar von einer realitätsgetreuen Annahme aus, zumindest ist dies die Absicht. In der fiktionalen Literatur gibt es einen unausgesprochenen Konsens darüber, das die fiktionalen Ereignisse nicht zwangsläufig einen Wahrheitsanspruch haben. (Beckert 2016: 71)

Fiktionale Erwartungen sind als Platzhalter einer möglichen Zukunft zu betrachten. Sogenannte 'as-if-Aussagen' geben Vorschläge für eine zukünftige Realität. Fiktionale Erwartungen haben im Vergleich zu fiktionalen Texten jedoch einen spezifischen Realitätsanspruch. "Fictional expectations are a real part of the world, and such make the world comprehensible and may have an impact on actors' decisions" (Beckert 2016: 69). Ökonomische Fiktion kann man als Teilbereich der fiktionalen Erwartungen betrachten. Genau wie bei nicht-fiktionalen Texten gehen fiktionale Erwartungen von einer immanenten Ernsthaftigkeit aus. Hingegen fiktionale Texte bewusst und offensichtlich einen ausschließlichen Realitätsanspruch vermeiden. (ebd. : 72) Dieser Unterschied im gebrochenen Verhältnis zur Realität hat zwei entscheidende Auswirkungen: Erstens geben fiktionale Erwartungen spezifische Handlungsanweisungen vor. Ein Beispiel hier ist der Gebrauch eines Terminkalenders, in dem zukünftige Ereignisse als selbsterfüllende Prophezeiungen konkretisiert werden. Zweitens lassen sich fiktionale Erwartungen in der Ökonomie oder anderen Feldern retrospektiv falsifizieren. (ebd.: 75) Abschließend muss noch angemerkt werden, dass literarische Fiktion letztlich der Fantasie Gestalt gibt. (ebd.: 67) Dies ist mit allen Medien und jedem Handwerk künstlerischen Schaffens möglich.

3. Zu Foucaults Kritik der Aufklärung

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant 1996: 9). In diesem bekannten Zitat von Immanuel Kant stecken zwei entscheidende Aussagen. Erstens befindet sich der Mensch in einer selbstverschuldeten Unmündigkeit und zweitens ist die Aufklärung der Ausgang bzw. die Lösung dieses Problems. Michel Foucault greift diese Behauptung Kants auf und versucht genauer zu definieren, wie dieser Weg aus der Unmündigkeit auszusehen hat. Dazu übernimmt er Kants Ansichten zur selbstverschuldeten Unmündigkeit und auch zur Frage „Was ist Aufklärung?“ als Grundlage seiner Argumentation. Foucault geht jedoch noch einen Schritt weiter. Der abstrakten Analyse, wie eine vollständig aufgeklärte Gesellschaft gestalten sein müsste, stellt Foucault ein philosophisches Ethos gegenüber, der in vielen Facetten das verspricht, was Kant unter dem Mut versteht, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Nach Foucault ist weder der Glaube an die Aufklärung, noch ein normatives Urteil zur Aufklärung relevant, wenn es darum geht, die kritische Aufgabe, den Ausweg aus der Unmündigkeit, zu beschreiten. „Ich weiß nicht, ob man heute sagen soll, daß die kritische Aufgabe den Glauben auf die Aufklärung einschließt; ich denke jedenfalls, dass diese Aufgabe eine Arbeit an unseren Grenzen erfordert, da heißt eine geduldige Arbeit, die der Ungeduld der Freiheit Gestalt gibt“ (Foucault 1990: 53). Doch bevor sich diese „Arbeit an unseren Grenzen“, dieses philosophische Ethos Foucaults verstehen lässt, müssen zwei Aspekte erläutert werden. Grundlegend ist zum einen die Definition der Aufklärung und Beschreibung der Unmündigkeit Kants, auf der Foucaults Theorie aufbaut und zum anderen der Begriff der Moderne, den Foucault über den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire einführt. Einfach ausgedrückt: Das philosophische Ethos, das Foucault fordert, bedeutet den Prozess der Aufklärung zu leben und diese „kritische Aufgabe“ sieht er in der Reflexion der Moderne. In den folgenden Abschnitten werden die einzelnen Bausteine von Foucaults Theorie, die Unmündigkeit, die Aufklärung, die Reflexion der Moderne und das daraus notwendig resultierende philosophische Ethos genauer beleuchtet.

3.1 Was ist Aufklärung?

Die Frage was Aufklärung eigentlich bedeutet, stellt Foucault als Problem dar, welches seit zwei Jahrhunderten in verschiedenen Facetten des philosophischen Diskurses immer wieder auftaucht. Und auch wenn auf diese Frage noch keine Antwort gefunden wurde, ist sie für den Menschen in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Nach Kant ist die Aufklärung ein Prozess, der versucht, die Gegenwart zu reflektieren. Hier sieht Foucault bei Kant eine neue Art von Definition zur Reflexion der Gegenwart. Über ein Negativ definiert Kant die Reflexion der Gegenwart nicht unter den zeitgeschichtlichen Aspekten eines konkreten Weltalters oder einer Analyse für Vorhersagen der Zukunft oder Schwelle in ein neues Zeitalter. Unabhängig von einem größeren Gebilde bricht Kant „Aufklärung“ als Ausgang einer einfachen mathematischen Rechnung herunter. „Welche Differenz führt das Heute im Unterschied zu Gestern ein?“ (Foucault 1990: 37)

Nach Kant ist das Ergebnis dieser Gleichung der Ausgang eines Prozesses, der uns von dem Zustand der Unmündigkeit befreit. So ist es wichtig zu verstehen, was Kant unter Unmündigkeit versteht. „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ (Kant 1996: 9). Nach Kant ist dies durch fehlenden Willen, sei es durch Faulheit oder Feigheit, eine Autorität zuzugestehen, den Gebrauch des eigenen Verstandes zu ersetzen. In seinen Beispielen übernimmt so eine Autorität die Rolle des Verstandes, des Gewissens oder gibt uns vor, wer wir als Mensch sind. „Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen“ (Kant 1996: 9). Durch Bequemlichkeit und der Angst des Menschen, seinen Verstand selbst zu gebrauchen, versuchen diese Vormünder diese einseitige Beziehung als Autorität zu erhalten. Daher sind zwei Eigenschaften notwendig, sich von der Unmündigkeit zu befreien. Es ist der Mut und der Wille zu einem eigenständigen Gebrauch von Vernunft. Wie auch Foucault, geht Kant von dem Zustand der Unmündigkeit als Ausgangspunkt seiner Theorie aus. „Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinah zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten“ (Kant 1996: S.9).

Nach Foucault ist der Mensch in Kants Prozess der Aufklärung sowohl Subjekt als auch Objekt. Die Aufklärung dreht sich um den Menschen selbst. Sie kann imperativ als Verpflichtung und als eine zu treffende Entscheidung verstanden werden. Hier ist der Mensch das Subjekt als Grundlage der Entscheidungen, die den Prozess der Aufklärung erst möglich machen. Doch in diesem Prozess ist der Mensch selbst auch als Objekt zu sehen, solange bis er entscheidet das handelnde Subjekt zu sein. (Foucault 1990: 38) Diese Bestimmung, in welcher Weise der Mensch in den Prozess der Aufklärung eingebunden ist, zielt auf die spezifische Anwendung des Ausgangs aus der Unmündigkeit ab. Denn stellt man sich eine Welt vor, in der jeder Mensch frei von Autoritäten in jeder Situation sein Handeln vorerst kritisch hinterfragt bevor er handelt, hätte das fatale Folgen für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Kant gibt hier beispielhaft einen Offizier an, der vor dem Ausführen eines Befehls erst dessen Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit erörtern möchte. (Kant 1996: 12) Als Lösung gibt Kant einen Vertrag an, den Foucault als Vertrag zwischen rationalem Despotismus und dem Gebrauch freier Vernunft beschreibt. Also einer Form, in der ein freier Gebrauch von Vernunft möglich ist und gleichzeitig das politische Prinzip des Gehorsams erhalten bleibt. Diese Wechselbeziehung erhält sich wie folgt: So ist der „öffentlich“ und freie Gebrauch von Vernunft eine Garantie für Gehorsam. Dies ist solange der Fall, wie das politische Prinzip den universalen Gebrauch von Vernunft (unabhängig welchen Zweckes) ermöglicht und so mit ihm übereinstimmt. (Foucault 1990: 40) Dieser Vertrag ist nicht als Übereinkunft zwei starrer Standpunkte zu betrachten. Durch eine bestimmte Spezifikation lenkt die Einschränkung diese zwei bedeutenden Grundlagen unseres menschlichen Zusammenlebens in eine Richtung, in der beide nicht nur ihrem Zweck dienlich existieren können, sie erhalten sich so auch gegenseitig. Denn der freie Gebrauch der Vernunft erkennt die Notwendigkeit des Gehorsams und legitimiert das Gehorchen bis zu einem gewissen Grad. Denn die Einschränkung darf nur soweit reichen, dass sie den universalen und freien Gebrauch von Vernunft um ihrer selbst willen ermöglicht und politisch impliziert.

[...]

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Details

Titel
Fiktion als Notwendigkeit der Aufklärung
Untertitel
Fiktionale Erwartungen anhand Michel Foucaults "Ethos der Moderne"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Wirtschafts-Soziologie im XXI. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V519956
ISBN (eBook)
9783346113047
ISBN (Buch)
9783346113054
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucualt, Aufklärung, Grenzen, Kant, Ethos der Moderne, David Beckert, Mündigkeit, Vernunft, Digitalisierung, Datenschutz, kritische Frage, Unmündigkeit, Vision, Zukunft, Vergangenheit, Wirtschaft, Erwartungen, Werte, Fictional Expectations, Was ist Aufklärung?, Ökonomie, Literatur
Arbeit zitieren
David Schmucker (Autor), 2019, Fiktion als Notwendigkeit der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/519956

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