„Freiheit- Gleichheit- Brüderlichkeit“ hieß das Motto der Französischen Revolution. Doch genauso wie man heute unter Brüderlichkeit lediglich die freundschaftliche Beziehung zwischen Männern versteht, waren auch damals die Frauen unter diesem Motto ausgeschlossen. Der Kontinent Europa war zu jener Zeit, im 18. Jahrhundert in viele feudalistische Staaten und Länder zerteilt. Die französische Bevölkerung war sehr unzufrieden. Das Volk, der dritte Stand, litt unter hohen Steuern, einem verschuldeten Staat, Hunger, während die anderen zwei Stände Adel und Klerus, sowie der König ein wohlhabendes Leben führten. Die französische Revolution von 1798 hatte zum Ziel Menschenrechte und Demokratiekonzepte in Gang zu setzen. Zu dieser Zeit lebte die Rechtsphilosophin und Revolutionärin Olympe de Gouges (1748- 1793). Geboren als Marie Gouze, wuchs sie in Montauban, Frankreich, in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Tod ihres Mannes, zu dessen Ehe sie mit 17 Jahren gezwungen wurde, lebte sie in Paris als Olympe de Gouges weiter. Dort schrieb sie Theaterstücke, Romane, Streitschriften, offene Briefe, sowie Plakate für ihre feministische Überzeugung. Berühmt machte sie ihr Werk „Die Rechte der Frau und Bürgerin“ , welches sie als Protest gegen die Menschenrechtserklärung der französischen Revolutionäre verfasste, in welcher die gewünschten Menschenrechte ausschließlich für den männlichen Teil der Bevölkerung vorgesehen war. De Gouges wurde 1793 in Paris durch die Guillotine hingerichtet, mit der Begründung einen „Anschlag auf die Souveränität“ geplant zu haben, sowie einen Bürgerkrieg geschürt zu haben. Ausgehend von dem damaligen Rollenverständnis der Frau und der auch damit verbundenen Rolle als Ehegattin entwarf die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges ein revolutionäres, neues Verständnis von Ehe und der Persönlichkeit der Frau. Dieses zu erörtern ist meine Aufgabe und so entwickelte sich für mich folgende Fragestellung: „Welche Forderungen stellt Olympe de Gouges an die damals vorherrschende Institution der Ehe?“ Um diese Fragestellung zu beantworten, werde ich zuerst auf das Rollenbild der Frau, sowie die Beschaffenheit der Ehe in Frankreich im 18. Jahrhundert eingehen. Anschließend möchte ich die darauf bezogenen Forderungen und Konzepte der Frauenrechtlerin herausarbeiten, um darauffolgend kritisch ihre Ideen zu beurteilen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Verständnis der Frau zu Zeit der Französischen Revolution
3. Olympe de Gouges´ Forderungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken und die spezifischen Forderungen der Rechtsphilosophin Olympe de Gouges im Kontext des 18. Jahrhunderts. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie de Gouges die Institution der Ehe kritisierte und welche alternativen Konzepte, wie den Sozialvertrag, sie entwarf, um die Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft und rechtlich zu verbessern.
- Historisches Rollenbild der Frau während der Französischen Revolution
- Kritik an der patriarchalen Ehestruktur im 18. Jahrhundert
- Analyse der Forderungen von Olympe de Gouges
- Bedeutung des entworfenen Sozialvertrages
- Reflexion über die Reichweite und Elitarismus der Thesen von de Gouges
Auszug aus dem Buch
Olympe de Gouges´ Forderungen
Im Anbetracht der Tatsache, dass die Frauen der damaligen Zeit lediglich auf ihre Funktion als Mutter, Hausfrau und Ehegattin reduziert wurden, gab es immer wieder Frauen, die diesem Bild nicht entsprachen und auch nicht entsprechen wollten. So schrieb Olympe de Gouges in einem Brief an Jean-Baptiste Poncet-Delpech vom 21. Mai 1789: „Sie wissen es, Monsieur, Politik und Philosophie gehören nicht zu den Fächern, deren Bearbeitung den Frauen ansteht. Nun, ich habe mir Mühe gegeben, in dem einen wie den anderen erfolgreich zu sein.“
In ihrem Werk erkennt sie: „Ist er verheiratet, verliert jede andere Verpflichtung ihre Rechte. Welche Gesetze müssen somit geschaffen werden, um das Laster mitsamt seiner Wurzel auszurotten? Gesetze zur Aufteilung des Vermögens zwischen Männern und Frauen sowie solche zur öffentlichen Verwaltung.“
Gleichzeitig räumt sie auch ein, dass Männer unter der Ehe leiden, denn „Die verheiratete Frau kann ihren Mann ungestraft uneheliche Kinder gebären und jenen ein Vermögen schenken, das ihnen nicht zusteht.“
Jedoch betont sie auch hier, dass unverheiratete Frauen kaum eine Möglichkeit haben ihren Kindern einen Anspruch auf die Mittel ihres Vaters zu gewähren. Aus dieser Beschaffenheit der Ehe, wie sie in Frankreich zu jener Zeit gängig war und nur sehr selten aus tiefster gegenseitiger Zuneigung bestand, folgerte sie schließlich: „Die Ehe ist das Grab des Vertrauens und der Liebe.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das historische Umfeld der Französischen Revolution ein und stellt die Person Olympe de Gouges sowie die zentrale Forschungsfrage nach ihren Forderungen an die Institution der Ehe vor.
2. Das Verständnis der Frau zu Zeit der Französischen Revolution: Hier wird das damalige Rollenbild der Frau als Mutter und Ehefrau sowie die rechtliche und gesellschaftliche Unterordnung unter die männliche Vormundschaft analysiert.
3. Olympe de Gouges´ Forderungen: Dieses Kapitel erläutert die von de Gouges vorgeschlagenen Reformen, insbesondere den Sozialvertrag, und reflektiert kritisch ihren elitär geprägten Blick auf soziale Schichten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von de Gouges als Vorkämpferin der Frauenbewegung zusammen, würdigt ihr mutiges Wirken und kritisiert gleichzeitig die Grenzen ihrer naturrechtlich begründeten Argumentation.
Schlüsselwörter
Olympe de Gouges, Französische Revolution, Frauenrechte, Ehe, Sozialvertrag, Feminismus, Aufklärung, Patriarchat, Naturrecht, Geschlechterrollen, Rechtsphilosophie, Bürgerin, Emanzipation, Gesellschaftskritik, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Leben und die politische Philosophie von Olympe de Gouges mit einem speziellen Fokus auf ihre Kritik an der Institution der Ehe im Frankreich des 18. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind das Rollenbild der Frau zur Zeit der Aufklärung, die patriarchalen Strukturen der damaligen Ehe und der Kampf für rechtliche Gleichstellung von Frauen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin geht der Frage nach, welche konkreten Forderungen Olympe de Gouges an die damals vorherrschende Institution der Ehe stellte und wie sie diese begründete.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der historische Texte und Schriften von Olympe de Gouges kritisch interpretiert und in ihren historischen Kontext eingeordnet werden.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden das Frauenbild der Aufklärung, die rechtliche Benachteiligung von Frauen in der Ehe und die von de Gouges entworfenen Reformmodelle, wie der Sozialvertrag und das Haus der Barmherzigkeit, diskutiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Olympe de Gouges, Feminismus, Französische Revolution, Ehekritik, Naturrecht und Sozialvertrag geprägt.
Inwiefern kritisierte de Gouges die Ehe ihrer Zeit?
Sie bezeichnete die Ehe als "Grab des Vertrauens und der Liebe", da sie ein patriarchales System darstellte, das die Frau rechtlich und finanziell entrechtete, und schlug stattdessen einen partnerschaftlichen Sozialvertrag vor.
Welche Kritik übt die Autorin am Ansatz von Olympe de Gouges?
Die Autorin weist darauf hin, dass de Gouges’ Vorstellungen oft elitäre Züge trugen und Frauen der unteren sozialen Schichten kaum mitdachten, zudem wird die problematische naturrechtliche Begründung ihrer Forderungen hinterfragt.
- Quote paper
- Anna Keyn (Author), 2019, Das Motiv der Ehe bei Olympe de Gouges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520020