Die Form des Französischen in Luxemburg. Funktion, Bedeutung und Besonderheiten


Hausarbeit, 2011

20 Seiten, Note: 1,0


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprachsituation in Luxemburg
2.1 Mehrsprachigkeit in Luxemburg
2.2 Sprachgewohnheiten der Luxemburger

3 Gegenwärtige Situation und Rolle des Französischen in Luxemburg
3.1 Die Verwendung des Französischen
3.2 Erwerb des Französischen in der Schule
3.3 Französisch in den Medien

4 Die Form des Französischen in Luxemburg
4.1 Varietäten im Wortschatz
4.1.1 Belgizismen in Luxemburg
4.1.2 Germanismen bzw. Luxemburgismen
4.1.3 Les faux amis
4.2 Grammatikalische Besonderheiten
4.3 Phonetische Besonderheiten
4.3.1 Die häufigsten Erscheinungsformen
4.4 Aussprache luxemburgischer Wörter französischen Ursprungs

5 Einfluss des Französischen auf das Luxemburgische
5.1 Sprachcharakter
5.1.1 Textauszug auf luxemburgisch
5.1.2 Anpassung an das luxemburgische Sprachsystem

6 Auswertung und Perspektiven

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion, der Bedeutung und der besonderen Form des Französischen in Luxemburg.

In einem Land, in dem drei Sprachen fast den gleichen Stellenwert haben, ist es besonders interessant, die gegenseitige Beeinflussung der Sprachen untereinander zu betrachten. Für einen Deutschen ist Luxemburg ein deutschsprachiges Land, für einen Franzosen ein französischsprachiges. Dabei gilt das Luxemburgische allein als langue nationale 1. Wie nun die tatsächliche Sprachsituation in Luxemburg ist, soll im weiteren Verlauf der Arbeit gezeigt werden.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Betrachtung der Form des Französischen im Großherzogtum. Dabei ist es jedoch unumgänglich, einen Blick auf die Definition der Mehrsprachigkeit und die gegenwärtige Funktion des Französischen zu werfen, womit sich das zweite und dritte Kapitel beschäftigt. Ein Blick wird auch auf den alltäglichen Sprachenwechsel eines Luxemburgers, das sog. Code-Switching, geworfen. Dies ist insofern wichtig für die weiteren Untersuchungen dieser Arbeit, als man zunächst verstehen muss, in welchem Kontext das Französische in Luxemburg steht, wie es zu Interferenzen kommt und warum das Französische des Luxemburgers vom Standardfranzösischen abweicht. Somit bilden diese beiden Kapitel die Grundlage für den Hauptteil, der sich über Kapitel vier und fünf erstreckt.

Für den Hauptteil war es notwendig sich mit der luxemburgischen Grammatik, Phonetik und der Sprache im Allgemeinen vertraut zu machen2, bevor die französische Form untersucht werden konnte. Auch der Gebrauch luxemburgischer sowie französischer Wörterbücher diente dieser Arbeit als Hilfe. Insbesondere zur Phonetik des Französischen in Luxemburg lassen sich keine neuesten Untersuchungen finden. Es ist jedoch ein Forschungsprojekt am Entstehen, das sich mit der luxemburgischen Phonologie unter dem Gesichtspunkt des deutschen, französischen und englischen Einflusses3 auseinander setzt.

Die vorgenommenen Untersuchungen des Französischen auf der Ebene des Wortschatzes, der Grammatik und der Phonetik, sollen die möglichen Abweichungen zum Standardfranzösisch demonstrieren. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Fragestellung, ob sich derart Besonderheiten soweit verallgemeinern lassen, dass man von einer Varietät des Französischen in Luxemburg sprechen kann.

2 Sprachsituation in Luxemburg

2.1 Mehrsprachigkeit in Luxemburg

Die Mehrsprachigkeit in Luxemburg und ihr politischer, geographischer und soziolinguistischer Werdegang sind durchaus gut erforscht.

Unter dem Begriff der Mehrsprachigkeit eines Landes versteht man im Allgemeinen das Existieren mehrerer Sprachgemeinschaften auf einem nationalen Territorium (vgl. Frisch 1998: S. 107). Wie Kramer richtig beschreibt,

„findet man in Europa die Verwendung mehrerer Sprachen innerhalb eines Staates nur in Fällen, in denen die Bevölkerung sich aus Bürgern verschiedener Muttersprache zusammensetzt.“ (Kramer 1986: S. 229).

Dies wäre der Fall beispielsweise in Belgien. Luxemburg nimmt jedoch eine besondere Stellung in diesem Zusammenhang ein. Während das Nebeneinander zweier Sprachen innerhalb eines Landes in den meisten Fällen ein Erbe der Kolonialzeit ist, resultiert die Dreisprachigkeit im Großherzogtum aus dem bewussten Sprachverhalten der Bevölkerung. Sie wird von Kramer als „gewollte Dreisprachigkeit“ bezeichnet (ebd: S. 230).

Ob es sich in Luxemburg um einen mehrsprachigen Staat handelt ist umstritten. Frisch argumentiert unter dem Aspekt, dass Luxemburg auch als „un pays unilingue“ (Frisch 1998: S. 107) bezeichnet werden könne. Jeder Luxemburger lerne zwar Deutsch und Französisch in der Schule, besitze jedoch eine gemeinsame Muttersprache, die der kulturellen und nationalen Identität diene (vgl. ebd.).

Da das Deutsche und Französische für den Luxemburger sogar im Alltag sehr wichtig sind und das Erlernen der beiden Sprachen in der Schule für alle Kinder Pflicht ist, kann man sich dem von Kramer (1986) verwendeten Begriff der „gewollten Mehrsprachigkeit“ anschließen. Dies scheint eine sehr gute Beschreibung der Mehrsprachigkeit im Großherzogtum zu sein.

2.2 Sprachgewohnheiten der Luxemburger

Zu den Sprachgewohnheiten und zur Situation der Triglossie in Luxemburg liefern u.a. Hoffmann (1979), Berg (1993), Magère (1998) und Stell (2006) gute Untersuchungen.

Augenfällig für die Sprachpraxis in Luxemburg ist vor Allem die schriftliche Anwendung des Französischen und des Deutschen in allen Bereichen, während das Luxemburgische eher im Mündlichen dominiert. Aber auch in mündlicher Form wird das Französische in vielen Domänen gebraucht. Ausgenommen sind Behörden und Verwaltungen, Arbeitsplatz4 und Freizeit und der private Bereich, welche sich zum größten Teil des Luxemburgischen bedienen (vgl. Berg 1993: S. 83; vgl. a. Stell 2006: S. 28ff.).

Auch Stell (2006) beschreibt die Standardisierung des Luxemburgischen im Kontext der „Luxembourg's Polyglossia“ und liefert damit eine Darstellung der Mehrsprachigkeit in Luxemburg (Stell 2006: S. 23ff.).

Genauere Untersuchungen zur Sprachverwendung im sozialen Leben und insbesondere in Bezug auf die Migranten in Luxemburg liefert die Baleine-Studie. Diese ist auch für die sprachwissenschaftlichen Untersuchungen eine nützliche Quelle. Die Baleine-Studie ist bis heute die einzige, soweit bekannt, und die umfangreichste Untersuchung zur Sprachgewohnheiten der luxemburgischen Bevölkerung. So lässt sich dieser Studie zu Folge zusammenfassen, dass der Gebrauch einer der drei Sprachen abhängig vom sozialen Bereich ist.

Für diese Arbeit ist die Definition der Mehrsprachigkeit in Luxemburg insofern relevant, als man nur so den Einfluss, den die Sprachen aufeinander ausüben, besser verstehen kann (vgl. Kramer 1984: S. 209). So wird die Betrachtung der Form des Französischen in Luxemburg nur unter dem Aspekt sinnvoll, wenn man zunächst begreift, welche Stellung das Französische neben den anderen zwei Sprachen, Luxemburgisch und Deutsch, für die Bevölkerung einnimmt. Damit beschäftigt sich das nächste Kapitel.

In Luxemburg stehen die individuelle und die institutionalisierte Mehrsprachigkeit in einem engen Zusammenhang (vgl. Berg 1993: S. 128). Damit tritt ein ganz besonderes Phänomen auf, dem der Luxemburger alltäglich ausgesetzt ist, das sogenannte Code-Switching. Es beschreibt im Allgemeinen den Sprachwechsel in einer bestimmten Situation5. Sprachwechsel kann vom Luxemburgischen zu Deutsch oder Französisch, z.B. im Bereich der Verwaltung oder in den Printmedien stattfinden. Er kann aber auch anders herum verlaufen, von einer der Hochsprachen zum Luxemburgischen, z.B. bei schwierigen Gesetzeserklärungen vor Gericht, oder bei Erläuterungen in der Schule. Mit dem Code-Switching gehen auch die Erscheinungen der Interferenzen in den drei Sprachen einher (vgl. Neuhausen 2001: S. 66ff.). Im Sprachgebrauch in Luxemburg kommt es in allen drei Sprachen zu Interferenzen6. Für diese Arbeit sind insbesondere die Interferenzen im Französischen und Luxemburgischen relevant.

3 Gegenwärtige Situation und Rolle des Französischen in Luxemburg

Den Grundstein im Hinblick auf die historische Sprachentwicklung in Luxemburg hat Bruch 1953 gelegt. Für diese Arbeit reicht ein historischer Exkurs ab dem Jahre 1984 zur Beschreibung der heutigen Sprachsituation aus.

3.1 Die Verwendung des Französischen

Der öffentliche Charakter der französischen Sprache in Luxemburg beweist sich in seiner Anwendung als langue de la législation und als erste langue administrative et judiciaire neben den anderen zwei. Dies ist die offizielle Sprachenregelung, die in „ La loi sur le régime des langues“ von 1984 festgelegt wurde7. Darüber hinaus nimmt das Französische eine besondere Stellung als eine Art ,, lingua franca“, ein (Berg 1993: S. 56). Dies gilt insbesondere für den Umgang mit den zahlreichen portugiesischen Immigranten, für die das Erlernen einer anderen romanischen Sprache leichter fällt. Die Beherrschung des Französischen ist unabdingbar, sowohl in der Schule als auch auf dem Arbeitsplatz, während das Luxemburgische als „langue d'intégration“ angesehen wird (vgl. Fehlen, Piroth, Schmitt 1998: S. 42)

Abgesehen von seiner Funktion als Verständigungsmittel unter den romanophonen Sprechern, hat das Französische eine besondere Bedeutung. Seine erstrebenswerte perfekte Beherrschung dient dazu „das Sozialprestige zu heben“ (Kramer 1984: S. 209-210).

3.2 Erwerb des Französischen in der Schule

Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Französisch erst in der Schule als zweite Fremdsprache nach Deutsch gelernt wird. In den Vorschulen gilt ausschließlich Luxemburgisch als alleinige Unterrichtssprache. Vor Allem in der Sekundarstufe dominiert das Französische (vgl. Berg 1993: S. 35) und somit sind das Niveau und die Beherrschung der Fremdsprache abhängig von der Schulbildung (vgl. a. Zimmer 1977: S. 153f.). Dies ist wichtig im Hinterkopf zu behalten bei der Betrachtung der Form des Französischen in Luxemburg, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit Thema sein wird.

3.3 Französisch in den Medien

Die Medien in Luxemburg repräsentieren die Dreisprachigkeit des Landes besonders gut. Insbesondere bei der aktuellen allgegenwärtigen Präsenz der Medien im täglichen Leben, lohnt es sich durchaus auf die Sprachverwendung in Presse, Radio und Fernsehen einen Blick zu werfen.

Im Allgemeinen wird die luxemburgische Presse vom Deutschen beherrscht. Jedoch zeigt das Französische in bestimmten Rubriken größeres Gewicht. So überwiegt das Französische grundsätzlich bei Stellenangeboten. Auch die meisten Werbeanzeigen sind in französischer Sprache verfasst (vgl. Berg 1993: S. 43f.). Bei einem Blick in die luxemburgische Presselandschaft beweisen sich diese Feststellungen bis heute.

Was die Struktur der Sprache betrifft, so lassen sich einige Besonderheiten herausfiltern, die im weiteren Verlauf der Arbeit anhand von Beispielen von Bender-Berland (2000) aufgeführt werden.

4 Die Form des Französischen in Luxemburg

Das folgende Kapitel beschäftigt sich nun konkret mit der Form der französischen Sprache in Luxemburg. Hierbei soll anhand von Beispielen das Französische in Luxemburg auf der Ebene des Wortschatzes, der Grammatik und der Phonetik näher beleuchtet werden.

4.1 Varietäten im Wortschatz

Zunächst scheint es nützlich zu sein, den Begriff der Varietät des Französischen im zwei- bzw. dreisprachigen Sprachraum zu definieren. Doppagne (1978), der insbesondere die Varietäten in Belgien, Schweiz und Kanada erforscht, schreibt, dass die Sprache selbst die Bildung der Neologismen generalisiert und somit entstehen die lokale Varietäten:

… la langue elle-même peut être génératrice de néologismes locaux. Le cas le plus fréquent se présente lorsqu'un État de langue française se donne des institutions et cherche à les désigner à l'aide de termes différents de ceux que la France utilise pour des créations parallèles mais pas tout à fait identiques (Doppagne 1978: S. 23).

So setzen sich auch in Luxemburg Varietäten durch, die den Luxemburger kennzeichnen. Mit Hilfe der Zusammenstellung von Beder-Berland (2000) lassen sich einige Besonderheiten des Französischen herausfiltern, die als Beweis dafür dienen können, dass das Französische in Luxemburg einige Abweichungen von dem Französischen in Frankreich aufzeigt.

Nicht unerwähnt sollten an dieser Stelle die Untersuchungen von Magenau (1964) bleiben. Sie stellte anhand von Tageszeitungen die Besonderheiten der deutschen Schriftsprache in Luxemburg dar. Dabei zeigte sie die Wesenszüge der fremden Wörter und ihre Stellung in der Zeitungssprache. Der Luxemburger tendiere zur Wortübernahme aus dem Französischen, da sie wohlklingender als deutsch ist. Magenau bezeichnet diese Erscheinung als das „innere Verhältnis“ des Luxemburgers zur französischen Sprache (ebd.: S. 73). Allerdings müssten die von ihr untersuchten französischen Fremd- und Lehnwörter in der Zeitungssprache auf ihre Aktualität geprüft werden.

Folgend werden einige von Bender-Berland zusammengestellte Beispiele aufgelistet, die in Frankreich wenig verwendet werden, für die der Luxemburger jedoch eine Vorliebe zu haben scheint (Bender-Berland 2000: S. 38f.).

ñ En égard à – en ce qui concerne / pour ce qui est de

- nonobstant – malgré / en dépit de
- blouse – chemisier
- subside - bourse oder subvention
- apprendre ses vocables – vocabulaire
- bâtiment – établissement scolaire
- rédacteur – employer administratif
- poche – sac à main
- fabrique – usine

Le week-end bekommt eine weitere Bedeutung als Landhaus oder Zweitwohnung (vgl. ebd.). Anhand dieser Beispiele lässt sich der Einfluss gut erkennen, den die Muttersprache8 auf das Französische nimmt was man als Interferenz bezeichnet (siehe 2.2).

4.1.1 Belgizismen in Luxemburg

Das Luxemburgische scheint durch den engen Kontakt mit Belgien auch einige belgische Varietäten des Französischen aufzunehmen (vgl. Bender-Berland: S. 40). Zunächst gilt es zu klären, was ein Belgizismus ist, hierzu findet man eine knappe Definition bei Doppagne (1971), der in seinem Werk ''Chasse aux belgicismes'' die belgische Varietät des Französischen wie folgt beschreibt:

Le belgicisme est une particularité du parler français de Belgique et qui le différencie du français de France (Hanse, Doppagne, Bourgeois-Gielen 1971: S. 31).

Es handelt sich also um Besonderheiten im Belgischen, die vom Französischen in Frankreich abweichen. Weiterhin stellt er die Frage, ob ein einzelner die französisch sprechende Gemeinschaft repräsentiert, oder ob es sich nicht um eine „série de variétés“ (ebd.) handele9. Diese Beschreibung und Fragestellung lassen sich auch auf Luxemburg übertragen.

Folgend werden die belgo-französischen Ausdrücke aufgelistet, die auch in Luxemburg gebraucht werden (vgl. Bender-Berland 2000: S. 39).

Verwaltung und Bildungswesen:

- bourgmestre – maire
- échevin – adjoint du maire
- conseil communale – conseil municipal
- maison communale – mairie
- minerval – frais de scolarité
- régent – professeur principal
- ajournement – examen de rattrapage
- année académique – année scolaire

Aus dem täglichen Leben:

- friture – friterie
- carte-vue – carte postale illustré
- vidange – consigne, verre consignée
- farde – chemise d'un dossier
- journal de classe – cahier de textes
- tapis-plain – moquette
- tirette – fermeture-éclair / fermeture à glissière
- torchon – serpillière

Diese Ausdrücke haben sich durch den engen kulturellen und politischen Kontakt zwischen den beiden Ländern in Vergangenheit und heute eingeschlichen (vgl. Neuhausen 2001: S. 90).

Auch im idiomatischen Bereich findet man einige Redewendungen, die ein Franzose so nicht benutzen würde, wie beispielsweise, s'il vous plaît? als Frage beim Nichtverstehen anstelle von pardon? (vgl. Bender-Berland 2000: S. 40; vgl. a. Doppagne 1971: S. 137-138).

4.1.2 Germanismen bzw. Luxemburgismen

In den meisten Fällen ist das Französische in Luxemburg durch sog. Germanismen bzw. Luxemburgizismen geprägt. Diese tauchen nur vereinzelt auf und sind gesellschaftlich weniger angesehen (vgl. Neuhausen 2000: S. 90f.).

Hier seien einige Beispiele aus der Sammlung von Neuhausen (2001: S. 90f.) erwähnt:

- athéiste – athée
- se blâmer – commetre un impair
- componiste – compositeur
- culture – civilisation
- directemment – immédiatement
- avoir libre – avoir congé
- protocole – procès verbal
- ranger – prendre rang

Andere Wörter, die sich noch mehr an das luxemburgische bzw. deutsche Verständnis orientieren sind beispielsweise: place de travail – emploi, place de jeux – terrain / plaine/ aire de jeux, place de parking – parking (Bender-Berland 2000: S. 41).

Typisch für das Französische in Luxemburg ist auch die Verwendung des Adverbs respectivement, was in Frankreich jeweilig bedeutet, wird in Luxemburg in der Bedeutung beziehungsweise gebraucht.

Ebenso lässt sich die Zusammenstellung von ensemble avec in französisch-sprachigen Zeitungsartikeln Luxemburgs finden:

ensemble avec leurs parents, Pierre, Paul, Jacques sont heureux de vous annoncer la naissance de Louis […] (Anzeige. In: Bender-Berland 2000: S. 41).

Ensemble avec le fort Thüngen, qui sera aménagé en Musée de la forteresse, le nouveau musée servira de lieu de culture et de convivialité aux habitants du pays […] (Le jeudi 10. Juni 1999. In: Neuhausen 2001: S. 91)10.

4.1.3 Les faux amis

Wie die obigen Beispiele zeigen, bilden die sog. faux amis die Hauptfehlerquelle für einen germanophonen Sprecher. Als falsche Freunde werden Scheinentsprechungen im Lexikon zweier Sprachen bezeichnet, die formaler Art, wie catastrophal – catostrophique, orthographie – ortographe, originel – originale sein können oder semantischer Art, wie beaucoup de spectale – beaucoup de bruit, beaucoup de poste – beaucoup de courrier. Eine besondere Schwierigkeit stellen die Wörter dar, die zwar französisch klingen, aber nicht französisch sind (vgl. Neuhausen 2001: S. 93f.; vgl. a. Klein 1975: S. 4). Hierzu zählen Wörter, wie raffinesse – raffinement, en revanche – en retour, absolver ses études – faire ses études, gratuler – féliciter, offerte – offre (vgl. Bender-Berland 2000: S. 42; Neuhausen 2001: S. 93f.). Derart Verwechslungen kommen dadurch zustande, da das Französische nicht die Muttersprache der Luxemburger ist, denn sie wird erst in der Schule als zweite Fremdsprache gelernt (s. 3.2.). Außerdem ist das Luxemburgische der deutschen Sprache in Form und Struktur näher als die französische. Aus diesem Grund trifft man bei den faux amis der Luxemburger auf dieselben Fehler wie bei den französischsprechenden Deutschen (vgl. Neuhausen 2001: S. 92).

4.2 Grammatikalische Besonderheiten

Die Die große Schwierigkeit bereitet dem Luxemburger wohl die richtige Verwendung der Vergangenheitstempora. In der Presse zeigt sich ein relativ häufiges Auftreten von passé simple, sogar an den Stellen, wo das imparfait verlangt wird (vgl. Bender-Berland 2000: S. 45f.).

La soirée debuta avec un arrangement pour trompette et quintette de cuivres de sept danses de Claude Gervaise. […] La version ''Magnifica'' de l'œvre s'elançait sur un lumineux et optimiste ''branle''. Nous pûmes admirer la précision des attaques ainsi que la beauté des sonorités des intrsrumentistes. Ainsi, nous retrouvâmes le trompettiste Bernard Soustrot en pleine forme, […].

La lumière et l'homogénéité des attaques prirent également leurs droits dans les deux pièces pour quintette de cuivre et orgue de Johann Pachebel. […] (LW mai 99).

Roman Probi a montré ses qualité des gestionnaire et de tatcticien quand il fut (''était'') au pouvoir en Italie (J. 25.3.99).

Es gibt auch Fälle, bei denen es genau umgekehrt ist. Das imparfait wird statt des passé simple benutzt. Aus weiteren Beispielen von Bender-Berland werden diese Fälle gezeigt (S. 46):

Pour remercier et pour clôturer cette charmante soirée F.S. faisait (‘’a fait / fit’’) écouter… (LW 1.3.99).

Le Bourgmestre avait invité jeudi à une petite réception. Toutes les félicitations allaient (‘‘sont allées / allèrent‘‘) à Noémie (t 13.3.99).

Auch auf der Ebene der Morphosyntax gibt es Unterschiede zum Standardfranzösischen. Dazu gehören insbesondere die Verwendung des Artikels le und un, des Personalpronomens en und des Relativpronomens dont. Das gleiche gilt auch für das Einsetzen der richtigen Präposition11. Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass die Hauptursache der falschen Anwendung des Französischen die falsche Übernahme aus der Muttersprache ist (vgl. ebd.: 46f.).

Abgesehen von den Fehlerquellen aus den lexikalischen oder grammatikalischen Bereichen findet man auch Verwechslungen in den Satzstrukturen. Diese könne man jedoch nicht verallgemeinern, da sie eher von einem mangelhaften persönlichen Stil zeugten (vgl. ebd.: 44f.).

4.3 Phonetische Besonderheiten

Wie in vorherigen Kapiteln beschrieben wurde, weist die Form des Französischen in seiner Verwendung in Luxemburg sowohl lexikalische, idiomatische, als auch grammatikalische Besonderheiten auf. Ein weiteres sehr interessantes Untersuchungsfeld bietet die Phonetik. Wenn drei Sprachen nebeneinander fast gleichwertig existieren, ist es unumgänglich, dass sie sich gegenseitig in ihrer Aussprache beeinflussen. Die Phonetik des Deutschen in Luxemburg, die ebenfalls ein interessantes Untersuchungsfeld bietet, wird hier nicht behandelt, da sich diese Arbeit vorwiegend auf die Form des Französischen konzentriert.

4.3.1 Die häufigsten Erscheinungsformen

Zum Französischen und insbesondere seiner Phonetik in Luxemburg herrscht kein Überfluss an Forschungsarbeiten, die vorliegenden reichen jedoch aus, um einen Einblick in die phonetischen Besonderheiten des Französischen in Luxemburg zu gewinnen.

Eine knappe zusammengefasste Übersicht der häufigsten Erscheinungsformen des Französischen in Luxemburg gibt Pöll (1998) wieder. Es werden die auffälligsten Abweichungen von der Norm dargestellt, die schon u.a. auch Doppagne (1976), Krier (1981) und Kramer (1992) untersuchten (vgl. Pöll 1998: S. 60).

Hierzu gehören vor Allem (1) die Sonorisierung von satzphonetisch intervokalisch gewordenen stimmlosen Okklusiven (avec [g] un couteau), (2) die Auslautverhärtung (village [ʃ], courbe [p]), (3) die Aspiration von stimmlosen Okklusiven (parler [pʰ], théâtre [tʰ]), (4) die Missachtung der ''loi de trois consonne'' (pour quatre semaines [katʀsmɛn] statt [katʀəsmɛn] (5) die unvollkommene Nasalierung und (6) Betonung der vorletzten bzw. der drittletzten Silbe (vgl. Pöll 1998: S. 60; Neuhausen 2001: S. 89).

Die Frage, ob sich derart Besonderheiten verallgemeinern lassen, ist an dieser Stelle gerechtfertigt, denn nicht zuletzt, kann die Beherrschung einer Sprache und ihrer Aussprache sehr individuell und gleichzeitig abhängig von vielen Faktoren sein. Zu Recht weist Kramer (1984) darauf hin, dass derartige Unterschiede in der Aussprache nicht verallgemeinert werden können, sie dienten vielmehr als soziale Markierungen. Wer zur Mittel- oder Oberschicht gehöre, habe eine Aussprache „à la française“ (ebd.: S. 212).

Wie bereits erwähnt, ist für einen Luxemburger das Französische vor Allem eine Schriftsprache, die er erlernt. Das bedeutet, dass er nicht gewöhnt ist die Fremdsprache zu sprechen. Abgesehen davon mache der Luxemburger immer eine mentale Übersetzung im Französischen (vgl. Kraemer 1998: S. 121). Die Beherrschung des Französischen hängt somit vom sozialen Umfeld ab, d.h., ob man privat, oder auf dem Arbeitsplatz französisch spricht oder nicht (vgl. Krier ebd.: S. 354).

Aus diesem Grund sind bei der Betrachtung der luxemburgischen Aussprache die Kriterien wie das Alter, das Bildungsniveau12 und die Herkunft der Sprecher zu berücksichtigen. Krier (1981) unterteilt zwei weitere Typen der Probanden bei seinen Untersuchungen zur Aussprache des Französischen eines Luxemburgers:

1) […] ''informateur principal'' qui n'a jamais quitté le pays, sauf pour faire des voyages de tourisme et qui, à Luxembourg, ne fréquente que les milieux autochtones, ce qui veut dire qu'il ne parle que le luxembourgeois. […].
2) […] ''informateur secondaire'', pour le français un Luxembourgeois qui était à Paris depuis cinq ans au moment de l'enquête, […] (Krier 1981: S. 354).

Hierbei sieht man, dass derartige Informationen über den Sprecher eine entscheidende Bedeutung tragen. Diese Einteilung dient auch als Indiz dafür, dass man die luxemburgischen Sprecher nicht als eine einzige Gruppe betrachten kann. Es wurden ebenfalls die bisherigen Wohnorte und die Herkunft der Eltern hinzugezogen des ''informateur principal''. Die Berücksichtigung all dieser Details ist entscheidend, um festzustellen, ob und in welchen Fällen der Luxemburger sich von dem Franzosen in Frankreich unterscheidet. Tatsächlich ergab diese Untersuchung unterschiedliche phonetische Besonderheiten. Was jedoch für alle zutraf sind die Besonderheiten, die bereits in 4.3.1 schon beschrieben wurden.

Allerdings ist es an dieser Stelle wichtig nochmals zu betonen, dass derart phonetische Besonderheiten nicht immer verallgemeinert werden können. Man vergleiche im Gegensatz dazu das gesprochene Französisch in den Nachrichten oder in anderen Beiträgen in offiziellen Internetseiten. Dort lassen sich keine der beschriebenen Abweichungen feststellen, da sich die Sprecher in den Medien an die Norm des Standardfranzösischen halten.

Mit diesem Auszug aus Kries Studie sollte vor Allem die Komplexität der phonetischen Untersuchungen in Luxemburg dargestellt werden. Sie zeigt auch, wie viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen, wenn man phonetische Abweichungen herauskristallisieren möchte.

4.4 Aussprache luxemburgischer Wörter französischen Ursprungs

Für diese Untersuchung bietet sich an, einen Blick in die phonetische Umschrift der luxemburgischen und französischen Wörterbücher zu werfen. In diesem Zusammenhang lässt sich anhand des Dictionnaire Étymologiques des Élements Français en Luxembourgeois13 und dem direkten Vergleich dazu in Petit Robert14 die phonetische Umschrift einiger französischer Wörter, die im Luxemburgischen eingebürgert sind beobachten. So lässt sich beispielsweise das Wort achat in Dict. Ét. Fr. Lux. ['ɑʃa:] und in Petit Robert [ɑʃa] beobachtet. Für das Wort Bassin werden zwei Phonemvarianten angegeben (1) ['bɑsɛ̃] (2) ['bɑseŋ] im Vergleich dazu die Umschrift in P.R. [bɑsɛ̃]. Bei allen Beispielen aus Dict. Ét. Fr. Lux. sieht man die Betonung der ersten Silbe. Das zweite a bei achat wird länger ausgesprochen. Des Weiteren fällt einem auch die unvollkommene Nasalierung auf (s. o.). Diese ist jedoch als eine Phonemvariante zu deuten, was wiederholt unterstreicht, dass es keine festgeschriebene Norm für die Aussprache im Luxemburgischen gibt.

Dies lässt sich auch anhand eines weiteren Beispiels des Wortes Accident demonstrieren. Während es im Dict. Ét. Fr. Lux. ['aksidã] geschrieben ist, also wie in P.R. nur mit der Betonung der ersten Silbe, findet man im Wörterbuch von Zimmer (2000) die Transkription [aks'dɜnnt].

Man könnte die Liste sicherlich noch fortsetzen. Es soll jedoch lediglich gezeigt werden, dass die Aussprache der französischen Elemente im Luxemburgischen keinen einheitlichen Standards entspricht.

Bei einem Blick in das Luxemburger Wörterbuch15 werden die Wörter französischen Ursprungs wie folgt dargestellt: Menu (wie frz., Ton: 1), Merci (wie frz., Ton 1), das gleiche für Moniteur, Palier, Pincette. Diese Wörter tragen also die typische luxemburgische Betonung der ersten Silbe. Anders bei den Wörtern wie, mitraillette, Panaché, Palissage, Panade, die französische ausgesprochen werden. Es werden auch verschiedene lokale Varietäten angegeben.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass sowohl lexikalische als auch phonetische Untersuchungen des Luxemburgischen immer darin münden, dass man von einer ''reichen Dialektlandschaft'' spricht (Gilles 1999: S. 1)16

5 Einfluss des Französischen auf das Luxemburgische

Bisher wurden Gegebenheiten untersucht, bei denen der Luxemburger französisch benutzt. Im weiteren Verlauf wird kurz darauf eingegangen, wie, wo und wann das Französische sich durchsetzt, wenn der Luxemburger luxemburgisch spricht.

Der Ursprung der französischen Wörter und ihr Eingang in den luxemburgischen Wortschatz lassen sich nicht immer eindeutig zurückverfolgen. Grundsätzlich werden fünf Typen der französischen Elemente im Luxemburgischen unterschieden:

1. mots wallons entrés par voie au Moyen Age ou pendant l'Ancien Régime;
2. mots lorrains entrés par voie orale au Moyen Age ou pendant l'Ancien Régime;
3. mots français empruntés de longue date, entrés avant le XIXe siècle et adapté complètement au système linguistique du luxembourgeois;
4. mots français modernes peu adaptés, entrés entre 1839 et 1940; ces mots font partie du vocabulaire luxembourgeois normal de tous les jours;
5. mots ou locutions français, entrés après la Deuxième Guerre mondiale, non adaptés (ou très peu adaptés) et souvent échangeable avec les mots correspondants allemands entrés eux aussi en luxembourgeois (Dict. Ét. Fr. Lux.)17

5.1 Sprachcharakter

Eine typische sprachliche Erscheinung in Luxemburg ist das Auftreten von Fremdwortdubletten. Dies bedeutet, dass für einen bestimmten Begriff zwei Wörter, eines aus dem Luxemburgischen oder eines aus dem Französischen18, zur Ve r fügung stehen (vgl. Neuhausen 2001: S. 73). Hier seien nur ein paar Beispiele aus dem LuxW? aufgeführt: Bläistëft/Krayong – crayon, Fliger – Avion, Bréifdréier – facteur, Zänndokter – dentiste, Cheminde-ferriste – Eisebunner.

Wie man sieht gibt es jeweils ein luxemburgisches und ein französisches Wort, um ein und denselben Gegenstand zu bezeichnen. Was Neuhausen (2001) allerdings außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass der Gebrauch des einen oder des anderen Wortes vom Sprecher abhängig ist. So wird beispielsweise das Wort Bläistëft eher im nördlichen ländlichen Teil Luxemburgs gebraucht19. Man vergleiche auch dazu die Einträge im LuxW, in denen die regionalen Abweichungen aufgenommen werden.

Das Luxemburgische besitzt einige Wörter aus dem Französischen, die fest im Wortschatz verankert sind. Hierzu auch einige Beispiele aus Dict. Ét. Fr. Lux.:

Accident, alors, Bijou, Bonne note, Bourse, Camion

5.1.1 Textauszug auf luxemburgisch

Folgend soll anhand eines Textauszuges verbildlicht werden, wie das Französische das Luxemburgische beeinflusst. Die unterstrichenen Wörter werden im anschließenden Kapitel diskutiert.

Neit Buch vum Fausto Gardini: ''Luxemburg on my mind''

Een Italiener, dee Lëtzebuerger gouf an an Amerika ausgewandert ass. Soun kann een d'Geschicht vum Fausto Gardini resuméieren.

Hien huet een neit Buch erausginn mam Titel ''Luxemburg on my mind''. Et geet drëm den Amerikaner Lëtzebuerg méi no ze bréngen an ëmgedréint, notamment d'Geschicht vun de Lëtzebuerger Auswanderer.

An der 50ger Joren ass dem Fausto Gardini säi Papp aus Italien op Lëtzebuerg schaffe komm an 1958 koum de Fausto mat senger Mamm an senger Schwëster no. Hien ass zu Uewerkuer grouss ginn, de Papp war op der Hadir. Non Lycée ass hie bei d'Luxair schaffe gaang wou en zum Schluss Chef vun der Reservatioun war. Entretemps war hien och Lëtzebuerger ginn. 1982 ass e bei ''Societé internationale des télécommunications aéronautiques'' op Paräis gewiesselt awer net fir laang.

[…]

Hien ass engagéiert an der Luxembourg American Society an ass och Guide fir Lëtzebuerger Gruppen déi no hire Wuerzelen an den USA sichen. Entretemps schafft hie schonn u Luxembourg on my mind 2. Den éischte Volume gëtt et op Amozon.com, de Fausto Gardini ass awer och Verhandlunge mat Lëtzebuerger Librairien. (Beitrag von 03.05.2011)

5.1.2 Anpassung an das luxemburgische Sprachsystem

In diesem Text findet man Wörter wie notamment und entretemps, die direkt aus dem Französischen ohne jegliche Anpassung übernommen werden. Es handelt sich hierbei um Übernahmen des Typs 5 (s.o.). Die Aussprache ist ebenfalls nicht an das Luxemburgische angepasst, sondern bleibt französisch20. Des Weiteren finden sich Verben, die französischen Ursprungs sind, aber an die luxemburgische Grammatik angepasst wurden. Die Form des Infinitivs wird durch das Anhängen der Endung -éieren gebildet (vgl. LuxW)21, wie die Beispiele aus dem Text resuméieren, engagéiert, zeigen. Letzteres ist die Bildung der dritten Person Plural. Dabei handelt sich im Gegensatz zu den Wörtern notamment und entretemps um adaptierte Übernahmen aus dem Französischen. Ein weiteres Beispiel für die adaptierte Übernahme ist die Pluralbildung der Substantive mit -en/n, Librairien. Ein weiteres Beispiel aus Dict.Ét.Fr.Lux. ist bei dem Wort Bonne note zubeobachten, das im Plural zu Bonnotten wird.

Eine weitere Anpassung findet man in der Orthographie wie beispielsweise bei dem Wort Commerce/Kommers, Accident- Akzident (Dict. Ét. Fr. Lux.), Mëlange – Mélange (LW).

Untersuchungen des Sprachcharakters können im Rahmen dieser Arbeit leider nicht sehr ausführlich behandelt werden. Hierzu lassen sich hervorragend weiterführende Studien durchführen. Diese Arbeit kann lediglich einen Auszug der Besonderheiten darstellen, welche jedoch ausreichend sind, um einen Einblick in die Form des Französischen zu gewähren.

6 Auswertung und Perspektiven

Diese Arbeit hat die gegenwärtige Situation der Mehrsprachigkeit in Luxemburg gezeigt unter besonderer Rücksichtnahme des Französischen als eine der drei Sprachen. Wenn man in seinem täglichen Sprachgebrauch immer zwischen drei Sprachen wechselt, so ist verständlich warum es zu Interferenzen kommt. Die beiden Fremdsprachen, Deutsch und Französisch werden in der Schule erlernt. Das Erlernen des Deutschen für den Luxemburger ist in der Regel leichter. Der Gebrauch des Französischen scheint für den Luxemburger eher unnatürlich zu sein. An dieser Stelle kann man Kraemer (1998) Glauben schenken, wenn er sagt: „ Sauf des très rares exceptions, à des degrés très variable sans doute, nous faisons toujours de la traduction mentale quand nous pratiquons le français, oral ou écr. “ (ebd. S. 121).

Dennoch spielt das Französische im Großherzogtum eine sehr wichtige Rolle. So dient es nicht nur als Anzeige für Bildung und Prestige, sondern erleichtert auch den Umgang mit den zahlreichen Immigranten. Wie schon erwähnt ist Französisch die meistverwendete Sprache auf dem Arbeitsplatz. Außerdem nimmt der französische Einfluss, was die Wortbildung betrifft, eine wichtige Rolle ein, da man sich für sprachliche Neubildungen eher des Französischen bedient, um die Abgrenzung zum Deutschen zu verstärken.

Zeigen die Untersuchungen der Form des Französischen nun, dass man von einer Varietät des Französischen in Luxemburg sprechen kann? Es erweist sich als schwierig, diese Frage zu beantworten. Während Pöll (1998) Luxemburg selbstverständlich zur europäischen Frankophonie zählt und Bender-Berland (2000) vom „Französischen Luxemburgs“ spricht (ebd.: S. 49), erklärt Kramer (1984), „ daß [sic!] sich kein eigenes „luxemburgisches Französisch“ herausbilden konnte “. Vielmehr bemühe sich der Luxemburger Interferenzen im Französischen zu vermeiden (ebd. S. 210). Es liegt nicht im Ermessen dieser Arbeit die Frage endgültig zu klären. Es darf jedoch darauf geschlossen werden, dass nach dem neusten Stand der Forschung, Luxemburg in den meisten Fällen zur europäischen Frankophonie gezählt wird (vgl. Pöll 2008; vgl. a. Schmidt 2008).

Im Hinblick auf die Phonetik ist eine neue Studie aus dem Grund interessant, da man nun eine neuere Generation untersuchen würde. Ein weiteres interessantes Untersuchungsfeld eröffnet sich im Zusammenhang mit den neuen Medien und die Anwendung der Mehrsprachigkeit beispielsweise in der Chatsprache.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Französische in Luxemburg weiterhin hohe Wertschätzung genießt. Es bleibt abzuwarten, welche Veränderungen insbesondere in der Lexik und Phonetik zu erwarten sind.

7 Literaturverzeichnis

Bender-Berland, Geneviève: Die Besonderheiten des Französischen in Luxemburg. In: Kramer, Johannes / Niederehe, Hans-Josef (Hgg.): Romanistik in Geschichte und Gegenwart. Heft 6,1. Buske: Hamburg 2000. S. 33-50.

Bender-Berland, Genviève / Kramer, Johannes / Reisdœrfer, Joseph (Hgg.): Dictionnaire Étymologique des Élements Français du Luxembourgeois. Gunter Narr: Tübingen 2003.

Berg, Guy: „Mir wëlle bleiwe, wat mir sin“. Soziolinguistische und sprachtypologische Betrachtungen zur luxemburgischen Mehrsprachigkeit. Niemeyer: Tübingen 1993.

Bruch, Robert: Grundlegung einer Geschichte des Luxemburgischen. P.Linden: Luxemburg 1953.

Doppagne, Albert: Les régionalismes du français. Duculot: Paris / Gembloux 1978.

Fehlen Fernand / Piroth, Isabelle / Schmit Carole: Les langues au Luxembourg. In: Estgen, Paul (Hg.): Le Sondage ‘Baleine‘. Centre universitaire de Luxembourg: Luxemburg 1998. S. 27-42.

Frisch, Jean-Claude: Le Luxembourg, pays multilingue. In: Magère, Philippe / Esmein, Bernard / Poty, Max : La Situation de la langue française parmi les autres langues en usage au GDL. Centre culturel français de Luxembourg – Centre d’études et de recherches européennes Robert Schumann. Université de Metz: Luxemburg 1998. S. 107-113.

Gilles, Peter: Dialektausgleich in Lëtzebuergeschen. Zur phonetisch-phonologischen Fokussierung einer Nationalsprache. Niemeyer: Tübingen 1999.

Hanse, Joseph / Doppagne, Albert / Bourgeois-Gielen, Hélène (Hgg.): Chasse aux belgicismes. 30E mille. Plisnier: Bruxelles 1971.

Hoffmann, Fernand: Sprachen in Luxemburg. Sprachwissenschaftliche und literarhistorische Beschreibungen eine Triglossie-Situation. Steiner: Wiesbaden 1979.

Klein, Hans-Wilhelm: Schwierigkeiten des deutsch-französischen Wortschatzes. Germanismen – Faux Amis. 2. revidierte und erweiterte Fassung. Klett 1975 Stuttgart. (Erstauflage 1968).

Kraemer, Jean-Pierre: Le Luxembourg et la francophonie. In: Magère, Philippe / Esmein, Bernard / Poty, Max : La Situation de la langue française parmi les autres langues en usage au GDL. Centre culturel français de Luxembourg – Centre d’études et de recherches européennes Robert Schumann. Université de Metz: Luxemburg 1998. S. 119-127.

Kramer, Johannes: Zweisprachigkeit in den Benelux-Ländern. Mit 11 Karten. Buske: Hamburg 1984.

Kramer, Johannes: Gewollte Dreisprachigkeit – Französisch, Deutsch und Lëtzebuergesch im Großherzogtum Luxemburg. In: Hinderling, Robert (Hg.): Europäische Sprachminderheiten im Vergleich. Deutsch und andere Sprachen. Steiner: Stuttgart 1986. S.229-249.

Krier, Fernande: Le Français et l‘Allemand prononcés par un Luxembourgeois. In: International Review of Applied Linguistics in Language Teaching 19:4, 1981. S. 352-360.

Luxemburger Wörterbuch: Im Auftrag der Großherzoglichen Regierung herausgegeben von der Wörterbuchkommission, auf Grund der Sammlungen, die seit 1925 von der Luxemburgischen Sprachgesellschaft und seit 1935 von der Sprachwissenschaftlichen Sektion des Großherzoglichen Instituts veranstaltet worden sind. P. Linden: Luxemburg 1950-1975. 4 -bändig.

Magenau, Doris: Die Besonderheiten der deutschen Schriftsprache in Luxemburg und in den deutschsprachigen Teilen Belgiens. Dudenverlag: Mannheim 1964.

Pöll, Bernhard: Französisch außerhalb Frankreichs. Geschichte, Status und Profil regionaler und nationaler Varietäten. Max Niemeyer: Tübingen 1998.

Pöll, Bernhard: Die Verbreitung des Französischen in der Welt. In: Kolboom, Ingo / Kotschi, Thomas / Reichel, Edward (Hgg.): Handbuch Französisch. Sprache – Literatur – Kultur – Gesellschaft. Für Studium, Lehre und Praxis. 2. neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2008. (Erstauflage: 2003). S. 62-71.

Robert, Paul: Le petit Robert. Dictionnaire alphabétique & analogique de la langue française. S.N.L.: Paris 1970.

Schmitt, Christian: Das Französische außerhalb Frankreichs : Belgien, Schweiz, Luxemburg. In: In: Kolboom, Ingo / Kotschi, Thomas / Reichel, Edward (Hgg.): Handbuch Französisch. Sprache – Literatur – Kultur – Gesellschaft. Für Studium, Lehre und Praxis. 2. neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2008. (Erstauflage: 2003). S. 62-71.

Stell, Gerald: Luxembourgish standardization. Context, ideology and comparability with the case of West Frisian. Leuven: Peeters 2006.

Zimmer, Jacqui: 6000 Wierder op Lëtzebuergesch. Gesammelt vum Jacqui Zimmer. Français, Deutsch, English, Espanol, Português, Italiano. Saint Paul: Luxembourg 2000.

Zimmer, Rudolf: Dialekt – Nationaldialekt – Standardsprache. Vergleichende Betrachtungen zum deutsch-französischen Kontaktbereich in der Schweiz, im Elsass und im Luxemburg. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 44:2, 1977. S. 145-157.

Internet:

Quelle: Beitrag von 03.05.2011. In: http://kultur.rtl.lu/kulturpur/news/109777.html [17.08.2011].

Quelle: Neuhausen, Ingo: Das Französische in Luxemburg. Eine Sprache im romanisch-germanischen Sprachbereich. Siegen 2001. In: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=964178729&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=964178729.pdf [17.08.2011].

[...]


1 Aus dem Seminar: Dreisprachigkeit in Luxemburg im SoSe 2011.

2 Die luxemburgische Universität bietet ein sehr informatives Forschungsportal zur luxemburgischen Sprache an. Quelle: infolux – Forschungsportal zum Luxemburgischen, in: http://infolux.uni.lu/ [Stand: 20.09.2011].

3 Quelle: Fränz Conrad: Variation in der luxemburgischen Wortphonologie, in: http://infolux.uni.lu/promotionsprojekte/ [Stand: 20.09.2011].

4 Für den Bereich des Arbeitsplatzes wie oben schon erwähnt bedient man sich des Französischen, sobald man mit ausländischen Arbeitskollegen in Kontakt tritt, ansonsten wird ausschließlich nur luxemburgisch gesprochen (vgl. Berg 1993: S. 56).

5 Detaillierter beschreibt Berg (1993: S.128ff) die Verteilung der drei Sprachen.

6 Zu Interferenzen in Luxemburg s. Kramer (1984: S. 208ff.).

7 Aus dem Seminar: Dreisprachigkeit in Luxemburg im SoSe 2011.

8 Dazu Zimmer (1977: S. 154): Im mündlichen Umgang ist ausschließlich das Lux. Identifikationssprache: ein Luxemburger wird nur auf Grund seiner Fähigkeit, Lux. zu sprechen, als Landsmann anerkannt […]. Der Luxemburger ist nur „native speakerʻ im Lux.

9 Zum Begriff der Varietät s. 4.1.

10 Unterstreichung zur Hervorhebung vorgenommen von mir L.L.

11 Untersuchungen mit Beispielen sind bei Bender-Berland (2000: S. 46ff.) zu finden.

12 Das Alter spielt eine entscheidende Rolle, denn wer vor 1945 eingeschult wurde, beherrscht zwar das Deutsche fließend, hat aber Schwierigkeit im Französischen. Auch das Bildungsniveau ist von großer Bedeutung, denn wie oben schon erwähnt, erwirbt ein Luxemburger die Fremdsprachen im Laufe der schulischen Laufbahn (vgl. Krier 1981: S. 353).

13 Bender-Berland, Genviève/Kramer, Johannes/Reisdœrfer, Joseph (Hgg.): Dictionnaire Étymologique des Élements Français du Luxembourgeois. Gunter Narr: Tübingen 2003. Anschleißend: Dict. Ét. Fr. Lux.

14 Robert, Paul: Le petit Robert. Dictionnaire alphabétique & analogique de la langue française. S.N.L: Paris 1970. Anschließend: PR.

15 Luxemburger Wörterbuch: Im Auftrag der Großherzoglichen Regierung herausgegeben von der Wörterbuchkommission, [...] P. Linden: Luxemburg 1950-1975. Anschließend: LuxW.

16 In diesem Zusammenhang sind Bruchs (1953) Forschung und die Erstellung des Sprachatlanten zu betonen.

17 In der Einleitung unter VIII.

18 Das gleiche gilt natürlich auch für das Deutsche.

19 Anmerkungen aus dem Seminar „Dreisprachigkeit in Luxemburg“.

20 Dies geht aus dem Beitrag des Seminares „Dreisprachigkeit in Luxemburg“ im SoSe 2011 hervor. Allerdings ist auch hier nicht die individuelle Note des einzelnen Sprechers zu vergessen.

21 In der Einleitung unter XXXVI – Lehn- und Fremdwörter.

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Die Form des Französischen in Luxemburg. Funktion, Bedeutung und Besonderheiten
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V520064
ISBN (Buch)
9783346112644
Sprache
Deutsch
Schlagworte
form, französischen, luxemburg, funktion, bedeutung, besonderheiten
Arbeit zitieren
Luba Litau (Autor), 2011, Die Form des Französischen in Luxemburg. Funktion, Bedeutung und Besonderheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520064

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