Einleitung
In vielen Ländern sind TV-Kabelnetze als Hochgeschwindigkeitsdatenzugang sehr beliebt. Internetzugang und seit neuestem auch Telefonie über das TV-Kabel sind dort längst Alltag. Während zum Beispiel in den USA, den Niederlanden oder Belgien ca. 20% der Bevölkerung das TV-Kabel als Internetzugang nutzen, wird es in Deutschland immer noch fast ausschließlich zum Fernsehen genutzt. Bei den beiden anderen genannten Anwendungen ist Deutschland international weit abgeschlagen. Erst seit kurzem werden aktiv Kombinationsangebote aus Fernsehen, Internet und Telefonie, genannt "Triple-Play" beworben.
Diese Arbeit soll einen technischen und ökonomischen Überblick über die Situation der Kabelnetze und Kabelnetzbetreiber in Deutschland und anderen Industrienationen geben, und es werden Gründe für die geringe Verbreitung in Deutschland aufgezeigt. Weiterhin wird auf das Vorhaben der Telekommunikationsanbieter eingegangen, ihrerseits TV über DSL anzubieten und damit den TV-Kabel-Anbietern Konkurrenz zu machen. Der Wettbewerb zwischen TV-Kabel-Anbietern und Telekommunikationsanbietern wird an den drei Anwendungen des "Triple-Play" (Fernsehen, Internet und Telefonie) untersucht. Abschließend wird ein Ausblick auf die Entwicklungen des Marktes, der Technik und der Übertragungsinhalte gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Situation in Deutschland
2.1 Technische Situation und Entwicklung
2.2 Struktur und Ausbau der Kabelnetze
2.3 Ausbau der Bandbreite
2.4 Ruckkanalfähigkeit
2.5 Übertragungsraten
2.6 Bandbreitenverteilung und Line-Sharing
2.7 Ökonomische Situation
3 Der Wettbewerb zwischen TV-Kabel- und Telekommunikationsanbietern
3.1 Fernsehen
3.2 Internet
3.3 Telefonie
3.4 Bandbreiten
3.5 Verfügbarkeit
3.6 Kundenkontakt
4 Ausblick
4.1 Marktentwicklung
4.2 Technik
4.3 Content
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die technische und ökonomische Ausgangslage von TV-Kabelnetzen in Deutschland im Vergleich zu internationalen Standards, um die Hintergründe für deren geringe Verbreitung als Hochgeschwindigkeitsdatenzugang zu beleuchten und den Wettbewerb mit Telekommunikationsanbietern im Triple-Play-Segment zu bewerten.
- Technische Analyse der Kabelnetzstruktur und Modernisierungsbedarfe (Rückkanalfähigkeit).
- Ökonomische Rahmenbedingungen und historische Entwicklung der Kabelnetzbetreiber in Deutschland.
- Vergleich zwischen TV-Kabel-Anbietern und Telekommunikationsunternehmen im Bereich Triple-Play.
- Untersuchung der Konkurrenzfähigkeit von Kabelnetzen gegenüber DSL-basierten Angeboten.
- Bewertung künftiger Entwicklungen bei Breitbandtechnologien und digitaler Content-Distribution.
Auszug aus dem Buch
3.1 Fernsehen
TV-Sendungen werden heute in Deutschland zu 56,4% über das Kabelnetz empfangen. 33,2% gelangen via Satellit und 10,4% terrestrisch zu den Endkunden [1].
Sollen mehr als die heute ca. 30 Sender im TV-Kabel untergebracht werden, stößt es bald an seine kapazitiven Grenzen. Normale, analoge Fernsehkanäle benötigen jeweils ca. 7 MHz Bandbreite und werden durch FDMA in 7-MHz-Intervallen über das TV-Kabel gesendet [8]. Mit einer Bandbreite des TV-Kabels von ca. 862 MHz könnten also theoretisch über 100 Sender übertragen werden. Dies ist in Realität jedoch nicht möglich. Zum einen müssen zusätzlich die Radio Sender auf dem Kabel untergebracht werden, zum anderen operiert das TV-Kabel in Deutschland nur mit ca. 450 MHz [1].
Um zusätzliche Dienste oder Sender unterzubringen, muss also neue Kapazität im Kabel geschaffen werden. Dies kann zum einen durch eine Bandbreitenerweiterung auf 850 MHz und zum anderen durch eine Digitalisierung der Fernsehsender geschehen, eine Technik, die bereits heute eingesetzt wird.
Bei der Digitalisierung werden mehrere Kanäle (normalerweise bis zu fünf) in ein digitales Format umgewandelt, gemultiplext, in ein analoges Übertragungssignal moduliert und über einen 7-MHz Kanal geschickt. Das bedeutet, dass fünf digitale Kanäle über nur einen 7-Mhz Kanal befördert werden können. Mit verbesserten Kompressionsalgorithmen könnten auf gleicher Frequenz noch mehr Kanäle untergebracht werden. Weiterhin bietet das digitale Fernsehen im allgemeinen klarere und schärfere Bilder [23].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von TV-Kabelnetzen als Hochgeschwindigkeitsdatenzugang ein und skizziert den Wettbewerb um Triple-Play-Angebote.
2 Die Situation in Deutschland: Es wird die technische und ökonomische Ausgangslage in Deutschland analysiert, wobei insbesondere Netzstrukturen, Modernisierungshemmnisse und die historische Aufspaltung der Netzebenen erläutert werden.
3 Der Wettbewerb zwischen TV-Kabel- und Telekommunikationsanbietern: Das Kapitel vergleicht beide Anbietergruppen hinsichtlich der drei Anwendungsbereiche Fernsehen, Internet und Telefonie sowie deren technische und vertriebliche Strategien.
4 Ausblick: Der Ausblick beleuchtet zukünftige Marktentwicklungen, technologische Fortschritte und die wachsende Bedeutung von exklusivem Content.
5 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten im Konkurrenzkampf um Triple-Play-Kunden.
Schlüsselwörter
TV-Kabelnetze, Breitband, Triple-Play, Deutschland, Internetzugang, Telefonie, Digitalisierung, Rückkanalfähigkeit, Netzebene, Telekommunikation, Bandbreite, Wettbewerb, DSL, Glasfaser, HDTV
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht den technischen und ökonomischen Status von TV-Kabelnetzen in Deutschland und deren Potenzial als Anbieter von Hochgeschwindigkeits-Internet im Vergleich zu klassischen Telekommunikationsanbietern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Netzstruktur des TV-Kabels, die Herausforderungen bei der Implementierung von Triple-Play-Diensten sowie den Wettbewerb mit DSL-Anbietern.
Welches Hauptziel verfolgen die Autoren?
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für die im internationalen Vergleich geringe Verbreitung von Internet via Kabel in Deutschland zu identifizieren und die Marktchancen für Triple-Play-Angebote zu bewerten.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse technischer Dokumentationen, Marktstudien und rechtlicher Rahmenbedingungen im Telekommunikationssektor.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die deutsche Netzstruktur (Netzebenen 3 und 4), die technische Aufrüstung auf Rückkanalfähigkeit sowie den direkten Wettbewerb bei Fernsehen, Internet und Telefonie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Triple-Play, Breitband, Netzebene, Rückkanalfähigkeit, Kabel-Internet und Wettbewerbsanalyse charakterisiert.
Warum ist die Netzebene 4 ein zentrales Problem für die Kabelbetreiber in Deutschland?
Die Netzebene 4 (die Hausverkabelung) ist oft in den Händen vieler kleiner privater Eigentümer oder Wohnungsgesellschaften, was es den großen Kabelnetzbetreibern erschwert, den direkten Zugang zum Endkunden zu steuern und Modernisierungen durchzusetzen.
Welchen technologischen Vorteil sehen die Autoren bei Telefonleitungen im Vergleich zum TV-Kabel?
Telefonleitungen haben durch ihre Netzstruktur eine bessere Eignung für den IP-Verkehr, da jeder Kunde individuell über eine eigene Leitung (und IP-Adresse) angesprochen werden kann, während Kabelnetze eine geteilte Bandbreite (Shared Medium) nutzen.
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- Dipl. Ing. oec. Jan-Nicolas Garbe (Author), Josef Hirschbeck (Author), 2005, TV-Kabelnetze als Hochgeschwindigkeitsdatenzugang, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52009