Die Liebe Gottes zu den Menschen nach 1. Joh 4,7 - 5,4 im Kontext der antiken Welt


Bachelorarbeit, 2017

58 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Methodik

2. 1. Johannes 4,7-21
2.1 Exkurs: Die Liebe JHWHs zu seinem Volk im Alten Testament
2.1.1 Pentateuch
2.1.2 Psalter
2.1.3 Hosea
2.1.4 Jesaja
2.2 Kontext
2.2.1 Unmittelbarer Kontext
2.2.2 Buchkontext
2.2.3 Gesamtbiblischer Kontext
2.3 Exegese in Sinnabschnitten von 1. Joh 4,7-5,4
2.3.1 1. Joh 4,7-11
2.3.1.1 Exkurs: ytvooKatv
2.3.1.2 Exkurs: ayam]
2.3.2 1. Joh 4,12-16
2.3.2.1 Exkurs: pevo
2.3.2.2 Exkurs: Koopog
2.3.3 1. Joh 4,17-18
2.3.4 1. Joh 4,19-21
2.3.5 1. Joh 5,1-4
2.4 1 Joh 4,7-5,4 im Kontext der johanneischen Theologie
2.5 Zusammenfassung

3. Die Liebe der Gotter zu den Menschen in der antiken Welt

4. Gegenuberstellung

5. Fazit

6. Bibliografie
6.1 Kommentare
6.2 Lexikas und Worterbucher
6.3 Monografien und andere Schriften

7. Anhang

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit dem johanneischen Hohelied der Liebe in 1 Joh 4,7 - 5,4. In der exegetischen Arbeit wurde der Frage nachgegangen, wie der Apostel Johannes in dieser Perikope die Liebe Gottes charakterisiert hat und in wie weit ein paganer Zeitgenosse der hellenistisch-romischen Antike das Gottespradikat „Gott ist Liebe“ verstanden hat. Dazu wurde zunachst die Perikope exegetisch betrachtet, das Gottesbild der Antike mit Fokus auf das Verhaltnis der Gotter zu den Menschen untersucht und in einem dritten Schritt die Teilerkenntnisse der Arbeit miteinander verglichen. Es wurde festgestellt, dass Johannes in funf Abschnitten das Gebot der gegenseitigen Bruderliebe aus Joh 13,34 in den theologischen Rahmen der vorausgehenden und gnadigen Liebe Gottes zu den Menschen stellt. Daruber hinaus wurde herausgearbeitet, dass Johannes die aktiv praktizierte Geschwisterliebe innerhalb der christlichen Glaubensfamilie als Antwort und Kennzeichen der personlichen Glaubensbeziehung zu Gott herausstellt. Des Weiteren wurde aufgezeigt, dass dem antiken Horer die Botschaft aus 1 Joh 4,7-5,4 neu und fremd gewesen sein muss, da die Antike Gotterverehrung keinen Gott der Liebe im christlichen Sinne kannte.

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Methodik

Die Liebe Gottes zu den Menschen ist sowohl ein zentrales Thema des Evangeliums und des Neuen Testaments, als auch des abendlandischen Gottesbildes. Gott wird im abendlandischen Kulturkreis ganz selbstverstandlich als ein „ lieber Gott“ verstanden. Auch das Hohelied der Liebe im 4. Kapitel des 1. Johannesbriefes bezeichnet Gott als Liebe. Wie aber wurde diese Charakterisierung Gottes von den paganen Zeitgenossen der hellenistisch-romischen Antike wahrgenommen? Was war das Neue und Andersartige an dieser Gottespradikation? Die Erhellung dieser Fragestellung konnte ein Beitrag sein, um die Attraktivitat der christlichen Verkundigung im 1. Jh. besser zu verstehen. Die Bachelorarbeit versucht zu ergrunden, was Johannes damit meinte, wenn er von Gott als Liebe sprach. Sie soll zu einem scharferen Verstandnis fuhren, was der antike Mensch uber gottliche Liebe dachte und wie er die Botschaft in 1. Johannes 4,7-5,4 verstanden hat. Dazu wird der Verfasser zunachst den biblischen Befund im Hohelied der Liebe exegesieren und in den Kontext der johanneischen Theologie einordnen. Danach widmet er sich der antik-hellenistischen Vorstellung der Liebe Gottes zu den Menschen, um in einem dritten Schritt die Ergebnisse mit den Resultaten der Exegese zu vergleichen.

1.2 Textabgrenzung

Die zugrunde liegende Perikope findet sich in 1.Johannes 4,7 - 5,4. Das Hohelied der Liebe im ersten Johannesbrief ist sowohl inhaltlich als auch syntaktisch eingegrenzt. Das Wortfeld der Agape bestimmt den thematischen Zusammenhalt innerhalb des Abschnitts. Insgesamt kommt der Stamm ayarc- 31 Mal in vorliegendem Abschnitt vor.1 1 Joh 4,7 eroffnet die Perikope durch eine Exhortatio und grenzt sich damit stark vom Abschnitt 4,1-6 ab, welcher sich mit der Diskussion um to rqg beschaftigt. Die Perikope in 1 Joh 4,7-5,4 endet mit der Beschreibung der Erkennungsmerkmale des Gebots zur Bruderliebe und bildet somit inhaltlich eine Inklusio zu 4,7. In 5,5 beginnt mit einem Fragesatz ein neuer Abschnitt, welcher die Frage nach dem rechten fides qua, namlich den Glauben an Jesus als den Sohn Gottes und die Verbindung des Sieges Jesu mit der Uberwindung des Glaubens behandelt.

1.3 Verfasser, Adressaten, Datierung

Der 1 Johannesbrief weist inhaltlich keinen Autor explizit auf. Der erste altkirchliche Vertreter, der den Apostel Johannes als Verfasser ausmacht, ist Papias von Hierapolis (Mitte des 2. Jh. n. Chr.). Daruber hinaus sprechen sich die meisten Kirchenvater fur Johannes als Autor aus.2 3 Auffallig sind die vielen Gemeinsamkeiten mit dem Johannesevangelium in Thematik, Vokabular und Syntax.4 Die Komplementaritat der Vorstellungen und des Denkens sind eindeutig.5 Daher ist anzunehmen, dass der Verfasser des Johannesevangeliums und des 1. Johannes derselbe ist.6 Aus der deutlichen sprachlichen und theologischen Gemeinsamkeit zwischen den Johannesbriefen7 lasst sich schlieBen, dass auch 2 Joh, 3 Joh und 1 Joh den gleichen Autor haben. Johannes schreibt seinen Brief von Ephesus aus.8 Die Empfanger waren vermutlich nicht Einzelpersonen oder eine einzelne Gemeinde, sondern die Gesamtgemeinde im Einflussgebiet von Johannes, dem rcpsoPvrspog (2 Joh1, 3 Joh 1).9 Johannes schreibt den 1 Johannesbrief gegen Irrlehrer und fur eine Glaubensgewissheit (vgl. 1 Joh 5,13), vermutlich als Reaktion auf den Proto- Gnostizismus und Doketismus gegen Ende des 1. Jahrhunderts und den damit einhergehenden Streitigkeiten sowie Spaltungen unter den Gemeindemitgliedern (1 Joh 2,18-19).10 Die Bekampfung dieser Irrlehren, welche gegen Ende des 1. Jh. aufzukeimen begannen, lasst darauf schlieBen, dass Johannes den Epistel in den fruhen 90iger Jahren geschrieben hat.11

2. 1. Johannes 4,7-21

2.1 Exkurs: Die Liebe JHWHs zu seinem Volk im Alten Testament

Die Verbindung von Gott und Liebe ist fur das Neue Testament charakteristisch.12 Die Aussage in 1 Joh 4,8.16 charakterisiert das Wesen Gottes, welches sich in der Geschichte JHWHs mit seinem Volk Israel bereits eindrucklich gezeigt hat. Die Kontinuitat von Altem und Neuem Testament und der damit einhergehenden Gottesvorstellung als Gott der Liebe macht es notwendig, auf einige eindruckliche Textpassagen des Alten Testaments einzugehen, um die zu exegesierende Stelle in 1 Joh 4,7 - 5,4 besser zu verstehen und einordnen zu konnen.

2.1.1 Pentateuch

Der Pentateuch gibt tiefe Einsicht in das Relationsverhaltnis zwischen JHWH und Israel. In Dtn 6,1-9 fordert Gott die Liebe seines Volkes zu sich selbst ein. Diese Forderung beruht auf der bereits vorausgehenden Liebe, die er dem Volk durch die Befreiung aus der Sklaverei in Agypten bewiesen hat (Ex 20,2; Dtn 6,12, Dtn 7,8). Spieckermann sieht hier den Beziehungswillen JHWHs, der eng mit dem Einssein JHWHs verbunden sei. Die Gebote sind demnach die konkrete Anwendung seines Beziehungswillens.13 Die Sprache, die hier verwendet wird, spiegelt sowohl einen Vertragsabschluss als auch die der Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn wieder.14

Die JHWH-Israel Beziehung kann demnach auch als Liebesgeschichte gesehen werden.15 Diese Liebegeschichte gibt es nicht ohne Liebesverrat. Israel bricht den Bund mit JHWH in Ex 32 durch einen treulosen Seitensprung. Umso erstaunlicher, fast verwunderlich, erscheint seine Reaktion. Anstelle der Auflosung des Bundes zeigt sich JHWH in einer Theophanie und antwortet unter Bekraftigung seiner Liebe und Treue (Ex 34,6f.). Dabei charakterisiert er sich selbst als ein Gott der 70H.16 Dabei steht die Strafe fur vier Generationen dem Liebesbeweis an Tausenden gegenuber. Treffend schreibt Feldmeier: „Yhwhs Liebe kennt den Zorn und die Strafe. Dies kann nicht anders sein, weil es sich um wahre Liebe und Treue handelt. Beiden ist die Verbindlichkeit essentiell, alles andere ware nur Liebelei und Beliebigkeit.. ,[n]icht der verbitterte, zornige Gott pragt das Alte Testament, sondern der in seiner Liebe hintergangene Gott, der der unbeirrbar Liebende bleibt.“17 Die causa der Liebe JHWHs zu seinem Volk wird eindrucklich in Dtn 7,7-8 dargelegt. Die zuvorkommende und bedingungslose Liebe JHWHs ist Grund fur seine Erwahlung von Israel. Treffend halt Spieckermann fest, dass diese Erwahlung auf das Wesen JHWHs hinweise. Er selbst wird zum Vorbild fur die Liebe, die sein Volk ihm gegenuber im Liebesgebot zeigen solle (Dtn 7,9ff).18 Fur die Liebe Gottes als auch fur die Liebesforderung steht im masoretischen Text die Wurzel 3,TN. Das Bedeutungsspektrum fur geht zunachst von einer ehelichen, auch geschlechtlichen Liebe aus.19 Der Ausdruck der Innigkeit und tiefen Verbundenheit, das JHWH zu seinem Volk hat und einfordert, ist bemerkenswert. Daruber hinaus zeigt sich in der Pradestination Israels der Ursprung der sich schenkenden Liebe Gottes. Das aus menschlicher Sichtweise geringste, demnach wertloseste Volk, wird von JHWH ausgesucht. Der transzendente Gott, welcher in seiner Herrlichkeit thront (Jes 6,1-6), lasst sich auf ein kleines Volk ein und sucht die vollige Gemeinschaft mit ihm (Dtn 7,7ff; Ex 19,5; Jer 7,23ff).20

2.1.2 Psalter

127 mal besingen, bezeugen und freuen sich die Psalmisten an der treuen Liebe (70fi) JHWHs.21 Im Psalter wird mit dem Gebrauch von 70H deutlich, dass Gottes Liebe in Gnade und Barmherzigkeit an seinem Volk erfahrbar wurde.22 Die Psalmen erinnern an JHWH als den vergebenden Erretter aus individuellen Krisen und Schuldverstrickungen, sowie vor allem aus den Kalamitaten des Volkes Israel. Besonders hervorzuheben ist Psalm 136. Es dient als Exempel des Lobes JHWHs fur seine vorausgehende und unverdiente Liebe, da hier nach jedem Vers seine ewige 70H gepriesen wird. Der Psalter als Ganzes zeigt Gottes liebevolles Ja zu Israel und dass die Tilgung der Schuldgeschichte eines jeden Israeliten durch die heilsame Zuwendung JHWHs Realitat werden kann.23

2.1.3 Hosea

Im Hoseabuch zeigt sich auf herausragende Weise die Liebe JHWHs zu seinem Volk. Die Liebes- und Leidensgeschichte des Propheten Hosea, der die treulose Prostituierte Gomer heiraten muss, bildet Gottes Leiden um sein Volk nach (vgl. Hos 1,1-3,5). Die Erkenntnislosigkeit seines Volkes und das Vertrauen auf die Heilsgegenwart im Kult lassen Gott verzweifeln (Vgl. Hos 2,4-15; 6,1-6). Auf liebevolle Art und Weise wird beschrieben, wie JHWH in tiefer vaterlicher Freude, sein „Kind“ Israel erzogen hat (Hos 11,1-5).24 Ihn schmerzt die Abkehr Israels und ringt um ein Gericht. Letztendlich verwirft er es. Signifikant ist seine Begrundung: „Denn Gott bin ich und nicht ein Mensch“ (Hos 11,9b). Gerade sein Wesen als Gott macht JHWH fahig zur Reue uber seinen gerechten Zorn und beweist damit die groBe Liebe zu seinem Volk.25 Gott heiratet seine Braut, sein geliebtes Volk erneut, so wie Hosea seine Frau zum zweiten Mal heiratet (Hos 3,1-5). Auch wenn der Schwerpunkt des Hoseabuches in der Mahnung zur Umkehr vor drohendem Gericht steht, zeigt sich in ebendiesem Gottes vaterliche Liebe zu Israel als Barmherzigkeit, welche zu einer Chance fur eine verheiBungsvolle Zukunft seines geliebten Volkes wird (Hos 14,2-10).26

2.1.4 Jesaja

Die Beziehung zwischen JHWH und Israel wird auch im Jesajabuch als eheahnlich gekennzeichnet. So bezeichnet sich JHWH in Jes 54,5 als Ehemann (T’’??'[3]) und vergleicht sein Werben um Israel in V.6 mit dem um eine tief gekrankte und verlassene Frau (TONS). Der kurz aufgeleuchtete Zorn Gottes, welcher sich auf die Gefangenschaft und Deportation Israels nach Babylon bezieht, war Ausdruck der Krisis zwischen JHWH und Israel (Vgl. Jes 54,8).27 Doch wiederum zeigt sich JHWH in seiner ewigen treuen Liebe (a^iv 75H). Er erinnert sich sowohl an den Bund mit Noah (vgl. Jes 54,9 mit Gen 9,8-17), als auch mit David (vgl. Jes 54,10 mit 2 Sam 7,8-17) und bleibt der Frau seiner Jugend treu (vgl. Jes 54,1-10).28 Die Bundestreue JHWHs uberragt die Schuld und Untreue Israels. Das durch die Sunde verwirkte Existenzrecht Israels wird durch JHWHs 79H wiederhergestellt. Daruber hinaus wird das Volk sola gratia deo beschenkt (Jes 54,11ff).

Die kurz angerissenen Evidenzen aus dem Alten Testament geben Aufschluss daruber, dass der Spitzensatz in 1 Joh 4,8.16 die Wesensbezeichnung des gnadig liebenden und treu liebhabenden JHWH ist. Dies wird aus der Liebesgeschichte zwischen ihm und seinem Volk Israel erkenntlich.

2.2 Kontext

2.2.1 Unmittelbarer Kontext

In der Perikope in 4,1-6 ermahnt Johannes die Adressaten zur Vorsicht und Prufung der Geister. Pseudopropheten, die doketisches Gedankengut vertraten29, leugnen die Gottessohnschaft Jesu (4,2f.). Er ermahnt die Glaubigen daher, an der Lehre festzuhalten, die sie von den Aposteln und ihm in Person erhalten haben (4,6). Innerhalb von 4,7-5,4 wird die Gottessohnschaft und damit verbundene Messianitat Jesu teilweise aufgenommen (4,14.15; 5,1). Sie bleibt jedoch im Hintergrund vor dem Thema der Liebe und Nachstenliebe. Eine dreifache Bestatigung des Christus Jesus und seiner Sohnschaft Gottes folgt in 5,6-12.

2.2.2 Buchkontext

Der Apostel Johannes mochte seine Leser unter anderem in ihrer Heilsgewissheit bestarken (5,13), die durch die falsche Christologie von Haretikern angegriffen wird.

Eine zweite Linie, die den 1. Johannesbrief durchzieht, ist die grundsatzliche Exhortatio zur Bruderliebe. Dieses doppelte Thema der richtigen Christologie und Bruderliebe wechselt sich in 1 Joh kontinuierlich ab (vgl. 1 Joh 3,23).30 Zum dritten und letzten Mal innerhalb des Briefes geht der Presbyter in 4,7-5,4 auf die Bruderliebe ein. Dabei ordnet Johannes die Bruderliebe in den groBen Zusammenhang der Liebe Gottes zu den Menschen ein. Die vorauslaufende und bedingungslose Liebe Gottes zu den Glaubigen soll Motivation fur die Bruderliebe sein (4,19). Ebenso birgt die gratia deo, die in der Sendung seines Sohnes deutlich wird, den Grund zur Heilsgewissheit im Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes (5,4).

2.2.3 Gesamtbiblischer Kontext

Die Liebesgeschichte zwischen Gott und seinem Volk ist ein Makrothema im Alten Testament31 und wird im Neuen Testament fortgefuhrt. Die Charakterisierung von Gottes Wesen als Liebe findet sich allerdings nur in 1 Joh 4,6.16. Daruber hinaus bestimmt das Alte Testament die Frage nach der Erlosung von Sunde seit dem Sundenfall in Gen 3. Die Ankundigung eines Messias in Gen 3,15, der in den Gottesknechtsliedern in Jes 40 und 53 bereits geschaut wird, wird im Kommen von Jesus Christus erfullt (vgl. Joh 1,1-14). Die zu exegesierende Perikope nimmt dieses Evangelium in Retrospektive auf und entfaltet es. Des Weiteren behandelt 1 Joh 4,7­ 5,4 das hochste Gebot aus Lev 19,18 und Dtn 6,5 (im NT u.a. Mt 22,36-40) und legt den Zusammenhang zwischen dem Doppelgebot der Liebe und dem Wesen Gottes dar. Es wird deutlich, dass die Perikope in 1 Joh 4,7-5,4 verschiedenste theologische Linien des Alten und Neuen Testaments konzentriert und in Relation miteinander stellt.

2.3 Exegese in Sinnabschnitten von 1. Joh 4,7-5,4

2.3.1 1. Joh 4,7-11

Johannes beginnt seinen Aufruf zur Liebe mit einer Erinnerung an Jesu Worte, die er an seine Junger richtete (vgl. Joh 13,34-35; 15,12.17).32 Das Gebot zur Bruderliebe hat er bereits in 3,11 genannt. Johannes betont die Liebe unter den Christen aufgrund der Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde, die auch durch Irrlehrer verursacht wurden (vgl. 2,10-11; 3,11-17; 4,1-6). Die Anrede dyarc^Tog kommt zum sechsten Mal in diesem Dokument vor. Smalley sieht hier die pastorale Fursorge des Johannes, der vor dem Gebot der Bruderliebe selbst seine Zuneigung zu den Lesern zeigt.33 Fur Schnelle bekommt die Anrede zudem einen „kontextuellen Mehrsinn“34, weil die Geliebten als Geliebte aus der Liebe Gottes schopfen konnen, um sie weiterzugeben.35 Das prasentische dyarcwp.sv hat hier einen imperfektiv-iterativen Aspekt und zeigt somit eine kontinuierliche Tatigkeit an. Johannes mahnt zur andauernden Liebe untereinander. Demgegenuber steht ysysw^iai im Perfekt. Die Gotteskindschaft ist demnach zeitlich dem Lieben und auch dem Erkennen (yivwoKsi ist wieder im Prasens) vorausgestellt. Das Lieben gilt de facto als Erkennungszeichen der Gotteskindschaft (vgl. 5,2).36 Johannes bringt nun einen neuen Beweggrund fur die gegenseitige Bruderliebe ein. In 2,7-11 und 3,23 betont er, dass Jesus dieses Gebot gegeben hat und in 2,10 und 3,11-18 gibt er die Bruderliebe als Evidenz eines Lebens im Licht an. Es fallt auf, dass Johannes es auslasst, den Glaubenden konkret aufzuzeigen, wie die gegenseitige Bruderliebe Tat werden soll. Das lasst darauf schlieBen, dass er nicht einen ethischen Verhaltenskodex fur die Gemeinde geben mochte, sondern die theologische Begrundung fur die innergemeindliche Liebe darlegt.37 Zum einen stammt die Liebe von Gott sk too (koi'). Die Bruderliebe, die weitergegeben werden kann und muss, stammt von Gott selbst.38 Gott ist der Ausgangspunkt der Liebe. Noch pragnanter und signifikanter: Gott selbst ist die Liebe (o 9sog dydrc^ sotiv (v.8.16)).

Die Notwendigkeit eines jeden einzelnen Glaubigen zur gegenseitigen Liebe betont Johannes mit dem Gebrauch von rcag, welches er auch an anderer Stelle benutzt (3,9; 5,1). Aus 3,18 wird ersichtlich, dass Johannes zur Liebe als Tat aufruft und nicht nur ein abstraktes Lieben meint. Daher liegt nahe, dass er bei den dyarcwv nicht nur eine Einstellung zum Lieben, sondern eine konkrete Praxis sieht.39 Die Aussage, dass jeder, der liebt, aus Gott geboren ist und Gott kennt, kann keine allgemeingultige Aussage sein. Im Brief selbst wird das Gebot der Liebe mit dem Gebot eines Glaubens an Jesus als den Sohn Gottes und Christus verbunden (3,23; 4,14; 5,1). Daher wird ersichtlich, dass das kontinuierliche Lieben und Erkennen Gottes als Folge des Glaubens und nicht als Grund dafur verstanden werden kann.40 Die Gegenthese zu 7b gibt der Anfang des achten Verses. Der, der nicht liebt, hat Gott nicht erkannt (resultatives Perfekt von r/vo)) im Gegensatz zu dem, der liebt und kennt.41 Auf treffende Weise halt Marshall fest: „A person cannot come into a real relationship with a loving God without being transformed into a loving person.“42 Es geht demnach um eine Wesensveranderung des Menschen, die sich im Glauben vollziehen muss, bevor sie eine erneuerte Person werden kann, die mit gottlicher Liebe lieben kann. Dazu muss ein Mensch aus Gott geboren sein (4,7; 5,1f.).

Der anschlieBende Satz liefert die Begrundung, dass Gott die Liebe ist. Der Ausdruck „Gott ist Liebe“ ist die starkste und bedeutsamste ontologische Aussage uber Gott in diesem Kapitel. Sie steht parallel zu 1,5 (o 9sog sotiv) und Joh 4,24 (rcvsup.a o Osog), wobei letzteres seine metaphysische Natur beschreibt. „Gott ist Liebe“ und „Gott ist Licht“ beschreiben jedoch den Charakter Gottes. Dieser ist fundamental anders als die eines jeden Menschen. Gott ist Liebe, weil er Gott ist und weil sonst niemand Gott sein kann.43 Der Satz o Osog dyarc^ soitv darf nicht als Tautologie verstanden werden, so als ob das Subjekt mit dem Pradikatsobjekt dyarc^ vertauscht werden durfe. Gott wird deshalb als Agape bezeichnet, weil er dies in der Sendung seines Sohnes gezeigt hat. Fatal ware die Umkehr, dass generell Liebe Gott sei. Dies wurde Gott zu einer Art Prinzip der Liebe machen.44

Johannes bleibt nicht bei einer theologischen Charakterisierung Gottes stehen, sondern liefert in den folgenden zwei Versen, die beide mit sv toutw eingeleitet werden, die konkrete Darstellung der Agape. Dies zeigt, dass Gottes Wesen und sein (geschichtliches) Handeln nicht voneinander zu trennen sind.45 In Vers 9 widmet sich Johannes dem tatkraftigen Beweis der Liebe Gottes, welches er in der Sendung seines Sohnes sieht. Vers 10 ist Vers 9 sowohl syntaktisch, als auch inhaltlich parallel geschaltet, wobei Johannes die Agape Gottes und die Liebe der Menschen zu Gott ins Verhaltnis setzt.46 Vers 9 und 10 heben die Sendung des Sohnes und deren Auswirkung hervor. Dabei stehen iva J]go)li<''.\' 5i’ auiou und Haopov rcspi twv apapnrov i]Lid)\' in unmittelbarem Verhaltnis. Das Leben hat fur Johannes hier sowohl eine prasentische, als auch eschatologische soteriologische Komponente. Gott hat seinen Sohn gesandt, damit er fur die Sunden der Menschen suhnt, und so eine Beziehungsgemeinschaft mit Gott moglich macht, die wahrend des irdischen Lebens moglich ist und in die Ewigkeit hineinreicht (vgl. Joh 3,16). Jesus ist die wahre Gabe des Lebens, durch welche die Liebe Gottes erschienen ist und offenbar wurde (4,9; 1,1-2). Die geistliche Ausgangslage des Menschen ist der geistliche Tod (Vgl. 3,14; Rom 3,23). Daher ist die Gabe des Lebens in Jesus auch die Auferstehung mit ihm im geistlichen wie im eschatologisch realen Sinne (vgl. 5,12; 5,20; Rom 3,24; Rom 6,1-8; Lk 23,43).

Klauck sieht in Vers 9,10 und 14 drei Sendungsformeln, die aus urchristlicher Tradition stammen und durch einen Redaktor hinzugefugt worden seien.47 Smalley hingegen sieht kein Grund darin, hier die Einfugung einer Traditionsformel eines kirchlichen Redaktors zu sehen. Die Parallelen in den Versen 9 und 10 und der Gedanke der soteriologischen Aktivitat Gottes in der Welt seien wesentliche Bestandteile des Kontexts.48

Das einzigartige Verhaltnis zwischen Vater und Sohn wird mit povoysvq gekennzeichnet.49 Als Wurdetitel Christi ist povoysvpg nur bei Johannes zu finden. Mk und Mt verwenden ayarcpTog (Mk 1,11) und Paulus i'Siog oder rcproTOTOKog (Rom 8,32; Rom 8,29). Die Verwendung des Wortes zeigt die Herausgehobenheit von Jesus als dem uberirdischen Gott. Gott und Jesus sind eins (Joh 10,30).50 Die LXX gibt Tn’ (einzig, allein) entweder als ayarcpTog (Gen 22,2) oder als povoysvqg (Ri 11,34) wieder. Aus dem Kontext lasst sich daher annehmen, dass Johannes herausstellen mochte, dass Jesus nicht nur der einzige Sohn, sondern auch der geliebte Sohn Gottes ist.51 Eine weitere bedeutende soteriologische Linie erwahnt Johannes mit dem Wort Hao^og. Er thematisiert wiederholt die Suhnethematik, die unmittelbar an den alttestamentlichen Opferkult geknupft ist.52 In 2,1f bereits erwahnt, fuhrt er diesen Gedanken in V.10 fort. Der Opfertod Jesu am Kreuz bewirkt die Moglichkeit der Loslosung von den Sunden und damit die Moglichkeit der Vergebung und Gerechtigkeit im Glauben (Joh 3,36; Rom 3,25). Die Sprache der Vergebung wird hier zwar nicht direkt verwendet, ist jedoch impliziert.53 Gott erniedrigt sich selbst auf die Stufe eines Menschen durch seine Inkarnation, um dann sich selbst den Menschen gleich zu machen und einen Verbrechertod zu sterben (vgl. 2,1f.; Rom 5,8). Die Aufnahme der Sunde des Einzelnen und der Welt (4,9.10) bestarkt die Faszination der unfassbar groBen Liebe Gottes zu den Menschen, die sich jeglicher menschlichen Logik entfremdet. Unter dem Eindruck dieser ubermenschlichen Liebe kommt Johannes zu dem Schluss, dass es die Aufgabe der Glaubenden ist, die Bruderliebe auszuuben (4,11). Gottes vorausgehende Liebe ist der Grund und die Grundlage fur die ethische Schlussfolgerung der gegenseitigen Bruderliebe. Das Gebot der Bruderliebe ist daruber hinaus auch eine Reflexion des Wesens Gottes und deren logische Schlussfolgerung. Weil Gott selbst dienend in Liebe ist sollen die Glaubensgeschwister sich gegenseitig im Glauben dienen.

4,11 ist grammatikalisch 4,7 identisch mit dem Unterschied einer Parenthese. Dadurch schlieBt Johannes sowohl inhaltlich als auch syntaktisch die erste Einheit des Hoheliedes der Liebe ab. Die Parenthese enthalt das Motiv des Schuldigseins zur Liebe (1 Joh 3,16). Das Verb o^silw bezeichnet hier wie in den Paulusparanesen (z.B. Rom 13,8; 2 Kor 2,14) die positive Bedeutung des verpflichtet Seins.54 Smalley hebt die Eigentumlichkeit dieser Verpflichtung hervor. Die einzig korrekte Antwort auf die gottliche Liebe sei nicht die Liebe des Menschen zu Gott, sondern zu den Geschwistern im Glauben. Der Grund dafur werde spater in V. 12 gegeben. Die ethische Pflicht zur Bruderliebe sei kein optionaler Zusatz. Johannes sage hier nicht, dass die Praxis der Liebe ein Aspekt der moglichen Reaktion auf Gottes Liebe, sondern die einzig richtige sei.55 Marshall geht davon aus, dass die Erfahrung der Liebe Gottes einen Menschen innerlich so bewegen muss, dass das Gebot zur gegenseitigen Liebe diesen nicht gleichgultig lassen kann.56 Diesem stimmt Strecker zu, indem er das menschliche Tun der Liebe als aus dem Indikativ der stellvertretenden Heilsgabe Christi kommend sieht.57

Zusammenfassend lasst sich sagen, dass Johannes in 4,7 - 4,11 die Bruderliebe mit der Liebe Gottes zu den Menschen verknupft. Er stellt den theologischen Zusammenhang der beiden dar. Die vorauslaufende, bedingungslose und gnadige Liebe Gottes, ist der Ursprung der Liebe und gleichzeitig charakteristisches Wesensmerkmal Gottes. Diese zeigte sich in ihrer Klimax durch die Sendung Jesu und seinen stellvertretenden Suhnetod am Kreuz. Das Wesen Gottes kann allerdings nur im Erkennen seiner Liebe und durch den Aufbau einer personlichen Beziehung zu ihm ergriffen werden. SchlieBlich entspringt aus dem Wesen Gottes sowie deren Gotteserkenntnis im Glauben die Ermahnung zur praktischen gegenseitigen Bruderliebe.

2.3.1.1 Exkurs: yivwoKsiv

Das Substantiv yvwoig fehlt im Johannesevangelium und in den Briefen komplett. Mit 57 Vorkommen im JohEv und 25 Vorkommen im 1 Joh, ergibt sich fur yivwoKsiv allerdings ein weites Bedeutungsspektrum. Bis auf zwei Ausnahmen (3,20; 3,1) sind die Erkennenden im 1 Joh immer die Glaubenden. Das Objekt des Erkennens ist nuancierter wiedergegeben. Das Erkennen richtet sich auf Jesus und seine Liebe (3,6; 3,16), den Vater und seine Liebe (2,3.4.13f; 4,6.7.16; 5,20), den Geist (4,2.6), den Ursprung und das Selbstverstandnis der Glaubenden (2,5.29; 3,19.24; 4,13) oder das Erkennen der eigenen ethischen Handlung (5,3). Das Erkennen und Handeln steht vor allem im 1 Johannesbrief immer in konkreter Verbindung (vgl. z.B. 5,2). Dort wo (Gott) nicht erkannt wird, werden die Gebote nicht gehalten (2,4), gesundigt (3,6) und nicht geliebt (4,8).58 In Joh 1,10-12 zeigt sich, dass Erkennen auch das zustimmende Annehmen und Ubernehmen miteinschlieBt. Erkennen ist kein unverbindlicher Vorgang oder ein sich dem Erkannten bevollmachtigen oder daruber verfugen. Joh 10,14ff und Joh 10,27-30 geben daruber Aufschluss, dass das Erkennen ein sich Einlassen auf den anderen und das dadurch vom Erkannten bestimmt Werden ist.59 Die Schafe erkennen Jesus, lassen sich auf den guten Hirten ein, folgen und gehorchen ihm. Hierin wird ersichtlich, dass das johanneische Erkennen und der Aufbau einer personlichen Beziehung zu dem Erkannten oder Erkennenden eng miteinander verwoben sind.

Im profangriechischen Gebrauch zielt yrvwoKro immer auf ein Erfassen der Fulle der Wirklichkeit und des Wesens eines Gegenstandes ab. Es grenzt sich damit vom bloBen Meinen ab, welches die gemeinte Sache oder den Gegenstand auch falsch oder halb wahr erfassen kann.60 Die LXX ubersetzt yrvwoKro gewohnlich mit 1777 .TT’ bezeichnet eher das Kennenlernen durch Umgang und Erfahrung, als die Bindung an ein bestimmtes Objekt. Das Charakteristische am Erkenntnisverstandnis im Alten Testament ist, dass die personlichen Bezuge zwischen Subjekt und Objekt des Erkennens moglichst nicht ausgeschaltet werden und das Erkennen sich nicht auf ein distanziertes Hinsehen reduziert. Vielmehr erkennt der Mensch in der Umwelt des Alten Testaments durch Erfassung der Bedeutung, des Anspruches (und der Anerkennung dessen) sowie des konkreten Handelns.61

Im Bereich der synkretistisch-hellenistischen Literatur ist yvoiou etwas vollig anderes. Die Erkenntnis Gottes, ist nur in der Abkehr zur Erkenntnis der Welt zu verstehen. Des Weiteren ist yvoiou ein Geschenk, das meist in einer ekstatischen Gottesschau bereitgestellt wird. Als Letztes verleiht sie dem Gnostiker sogar gottliche Natur und Unsterblichkeit.62

[...]


1 Vgl. Augenstein, Das Liebesgebot, 130.

2 Aufgrund der Notwendigkeit einer Eingrenzung geht der Verfasser nicht auf die Diskussion der Verfasserschaft sowie theologisch-inhaltlichen oder syntaktischen Parallelen und Differenzen des 1 Johannesepistels mit der Johannesapokalypse ein. Die Johannesapokalypse bleibt auch unter Punkt 2.3 „1 Joh 4,7-5,4 im Kontext der johanneischen Theologie“ auBen vor.

3 Vgl. Carson, Einleitung, 804.

4 Diese sind als Erstes die starken Polaritaten, wie Licht und Finsternis, Leben und Tod, Wahrheit und Falschheit, Liebe und Hass. Daruber hinaus ahneln sich 1 Joh und Joh in der einfachen Syntax und der Vorliebe zu Parallelismen, sowie der Verbreitung des Asyndetons. Auch ist der Heilsplan des 1 Joh und Joh sind nahezu identisch (Vgl. Carson, Einleitung, 804f.)

5 Vgl. Carson, Einleitung in das Neue Testament, 807.

6 In der neutestamentlichen Forschung herrscht hier ein groBer Disput. So wird oft angenommen, dass die Johannesbriefe und das Johannesevangelium zwar aufgrund ihrer groBen Gemeinsamkeiten zusammengehoren, aber nicht von ein und demselben Autor stammen. Vielmehr berufen sich Forscher auf ein „johanneische Schule“. Diese sei eine Vielzahl von Johannesschulern und Theologen, die als Herausgeber das johanneische Schrifttum publizierten. Die Existenz der johanneischen Schule wird aus Joh 21,24b, was in der ersten Person Plural formuliert ist, versucht zu begrunden (Vgl. Schnelle, Einleitung, 499ff). Der Verfasser jedoch sieht diesen Forschungszweig kritisch und aufgrund der dunnen historischen Beweislage sowie sehr wenig biblischen Texten, die als Evidenz herangezogen werden konnten, als sehr spekulativ an. Die Realitat einer Existenz der johanneischen Schule und deren Verfasserschaft des 1 Johannesbriefes vertreten Hans-Jorg Klauck (vgl. Klauck, EKK, 42ff), Udo Schnelle (vgl. Schnelle, Johannesbriefe, 5ff) und Georg Strecker (vgl. Strecker, KEK, 19ff). Offen lassen die Verfasserfrage Stephen Smalley (Vgl. Smalley, WBC, xxii), Klaus Wengst (vgl. Wengst, OTKNT, 20ff) und Rudolf Schnackenburg (vgl. Schnackenburg, Die Johannesbriefe, 39-41). Den Apostel Johannes als Autor legen Howard Marshall (vgl. Marshall, NICNT, 42ff), D. Edmond Hiebert (vgl. Hiebert, The Epistles of John, 3f.), Daniel Akin (vgl. Akin, NAC, 5ff) sowie Carson/Moo (vgl. Carson, Einleitung, 803ff) nahe.

7 Vgl. Schnelle, Einleitung, 481.

8 Vgl. a.a.O., 483.

9 Unter anderem sehen im Presbyter des 2 und 3 Joh auch H. Windisch, W. Vogler, C.H. Dodd, R. Schnackenburg, R.E. Brown, E. Ruckstuhl, H.J. Klauck und M. Hengel den Verfasser des 1 Joh (Vgl. Schnelle, Einleitung, 499). Vgl. auch Carson, Einleitung, 809 sowie Pokorny, Einleitung, 583.

10 Vgl. Carson, Einleitung, 813. In der Forschung herrscht eine groBe Diskussion, welchen Irrlehren Johannes entgegentritt. Dabei diskutieren die Forscher Formen des Gnostizismus, Doketismus und der Irrlehren des Kerinth (Vgl. Carson, Einleitung, 813-817).

11 Vgl. Carson, Einleitung, 810f.

12 Vgl. Feldmeier, Der Gott der Lebendigen, 126.

13 Vgl. a.a.O., 130.

14 Vgl. Craigie, NICOT, 170.

15 Siehe dazu auch: 2.2.3.

16 Die englische Ubersetzung gibt mit „lovingkindness“ am besten wieder, wie 70n ubersetzt werden sollte . Im Deutschen steht hier haufig nur „Gnade“ oder „Liebe“.

17 Feldmeier, Der Gott der Lebendigen, 134.

18 Vgl. a.a.O., 130f.

19 Vgl. Wallis, (ThWAT), 105ff.

20 Vgl. Brunner, Die christliche Lehre von Gott, 197f.

21 Vgl. Zobel, 70H, (ThWAT), 61.

22 Vgl. Feldmeier, Der Gott der Lebendigen, 138.

23 Vgl. a.a.O., 139.

24 Vgl. Egelkraut, Das Alte Testament, 1054.

25 Vgl. Feldmeier, Der Gott der Lebendigen, 141.

26 Vgl. a.a.O., 142.

27 Vgl. Delitzsch, Jesaja, 535f.

28 Vgl. Egelkraut, Das Alte Testament, 864.

29 Siehe die Anmerkungen dazu in FuBnote 10.

30 Vgl. Wischmeyer, Liebe als Agape, 118.

31 Siehe dazu Punkt 2.1.

32 Vgl. Smalley, WBC, 236.

33 Vgl. Smalley, WBC, 236.

34 Schnelle, ThHK, 148.

35 Vgl. Schnelle, ThHK, 148.

36 Vgl. Smalley, WBC, 236.

37 Vgl. Popkes, Die Theologie der Liebe Gottes, 78.

37 Vgl. Klauck, EKK, 247.

37 Vgl. Smalley, WBC, 237.

37 Vgl. a.a.O., 236.

38 Die innere Logik des 7. Verses gleicht einem Syllogismus. Die Glaubigen sind aus Gott neu heraus geboren; die Liebe kommt aus Gott; daher muss der Glaubende auch einer sein, der liebt (Vgl. Klauck, EKK, 247).

39 Vgl. Smalley, WBC, 237.

40 Vgl. Smalley, WBC, 238.

41 Vgl. Klauck, EKK, 247.

42 Marshall, NICNT, 212.

43 Vgl. ebd.

44 Vgl. Strecker, Gottes- und Menschenliebe im Neuen Testament, 61.

45 Vgl. Schnelle, ThHK, 149.

46 Durch die syntaktische Konstruktion eines Chiasmus in V. 10 verstarkt Johannes die Wahrnehmung der groBen Differenz, die zwischen der Liebe Gottes zu den Menschen und der menschlichen Liebe zu Gott herrscht. Der punktuelle Aorist von ■qyau'qaev zeugt zusatzlich von der ewigen Liebe, die seinen Hohepunkt in der Sendung seines einzigen Sohnes an das Kreuz auf Golgatha finde (Vgl. Smalley, WBC, 243). Dadurch wird die vorauslaufende gnadenvolle Liebe Gottes abermals betont.

47 Vgl. Klauck, EKK, 250

48 Vgl. Smalley, WBC, 243.

49 Vgl. Schnelle, ThHK, 150.

50 Vgl. Bartels, povog (TBLNT), 218

51 Vgl. Smalley, WBC, 242.

52 Durch den Bundesbruch gegenuber Jahwe ladt jeder Israelit und das Volk als Gesamtheit objektive Schuld auf sich. Diese Schuld bewirkt eine Unheilsmacht, die zerstorerisch wirkt und die Notwendigkeit einer Strafe auf sich zieht. Jahwe konnte im Alten Testament diese Strafe auf den Asaelbock ableiten, der stellvertretend an Yom Kippur stirbt (Vgl. Lev 16,20ff). Jahwe war Subjekt der Suhnehandlung und bewirkte sie. Die Israeliten waren im Gegenzug Empfanger der Suhne (Vgl. Link, ikaoKogar (TBLNT), 1305). Es lasst sich fur die Suhne demnach folgende Definition festhalten: Zwischen Gott und Israel ist durch Sunde die Gemeinschaft gestort und der Sunder hat Strafe und Tod verdient. Durch stellvertretendes Tragen von Sunde und stellvertretendem Tod eines Tieres als Suhnemittel gibt Gott Vergebung und Versohnung. Leben und Gemeinschaft mit Gott wird neu ermoglicht. (Diese Ansicht verdankt der Verfasser der Vorlesung von Andreas Jagers an der Internationalen Hochschule Liebenzell im April 2016. Jagers stutzt sich auf Gedanken von Hartmut Schmid (ebenfalls Internationale Hochschule Liebenzell). In Joh 4,10 wird ersichtlich, dass die Gott als Agent der Suhne und durch seinen Tod selbst (Jesus als Sohn Gottes) zum Suhnemittel wird. Daher geht es nicht um eine Opfergabe der Menschen, die Gott besanftigt, sondern die Suhne ist die Gabe von Gott an die Menschen. Allerdings lassen sich Zorn und Strafe nicht wegdiskutieren, da ein stellvertretendes tierisches Opfer erbracht werden musste. Jesus selbst wurde am Kreuz zum Opfer vom Zorn Gottes und der gerechten Strafe, die der Welt (als Gesamtheit der Menschen: 4,9, 4,14) durch ihre agapnrov eigentlich zusteht, getroffen. Gott selbst bestraft sich fur die Sunde der Menschheit und schafft damit Suhne fur dieselben.

53 Vgl. Marshall, NICNT, 215

54 Vgl. Tiedtke, o^siXro (TBLNT), 980f.

55 Vgl. Smalley, WBC, 245.

56 Vgl. Marshall, NICNT, 216.

57 Vgl. Strecker, KEK, 238.

58 Vgl. Strecker, KEK, 320.

59 Vgl. Schlier, Glauben, Erkennen, Lieben nach dem Johannesevangelium, 103f.

60 Vgl. Coenen, yrvrooKro (TBLNT), 243.

61 Vgl. Bultmann, yrvrooKro (ThWNT), 696ff.

62 Vgl. a.a.O., 692ff. Ausgepragte gnostische Systeme wurden allerdings erst Mitte des 2. Jahrhunderts nachgewiesen (Vgl. Markschies, Die Gnosis, 68ff).

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Die Liebe Gottes zu den Menschen nach 1. Joh 4,7 - 5,4 im Kontext der antiken Welt
Hochschule
Internationale Hochschule Liebenzell
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
58
Katalognummer
V520150
ISBN (eBook)
9783346119414
ISBN (Buch)
9783346119421
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es wurde festgestellt, dass Joh in fünf Abschnitten das Gebot der gegenseitigen Bruderliebe aus Joh 13,34 in den theologischen Rahmen der vorausgehenden und gnädigen Liebe Gottes zu den Menschen stellt. Es wurde herausgearbeitet, dass Joh die aktiv praktizierte Geschwisterliebe innerhalb der christlichen Glaubensfamilie als Antwort und Kennzeichen der persönlichen Glaubensbeziehung zu Gott herausstellt. Es wurde aufgezeigt, dass dem antiken Hörer die Botschaft aus 1 Joh 4,7-5,4 neu und fremd gewesen sein muss, da die Antike Götterverehrung keinen Gott der Liebe im christlichen Sinne kannte.
Schlagworte
Liebe Gottes, Antike, 1. Johannesbrief, Exegese, Agape, Geschwisterliebe, Liebe Gottes zu den Menschen, Agape in der Antike, Die Andersartigkeit der Liebe Gottes in der Antike
Arbeit zitieren
Hönes Janik Noah (Autor), 2017, Die Liebe Gottes zu den Menschen nach 1. Joh 4,7 - 5,4 im Kontext der antiken Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520150

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