Wie lassen sich Maschinen und der biblische Gott zusammenführen? Wann wird der akusmatischen Stimme Allmacht an- und wieder aberkannt? Wie sehr spielt das Dasein als technisches Medium eine Rolle und was für Auswirkungen hat dabei eine menschlich anmutende Stimme?
Zunächst folgt ein historischer Abriss von der ersten Sprechmaschine bis hin zur elektronisch erzeugten Stimme. Dabei werden erste Kriterien einer menschlich klingenden Stimme formuliert. Im Anschluss setzt sich die Arbeit mit dem Kernbegriff des Akusmatischen auseinander, um ihn daraufhin auf die göttlichen Attribute Allmächtigkeit, Allwissenheit und "Allgegenwärtigkeit" hin zu überprüfen. Am Filmbeispiel "HER" wird anschließend gezeigt, wie die akusmatische Stimme die Beziehung zwischen Mensch und Maschine verändern kann. Der Fokus liegt dabei nicht auf der Liebesbeziehung, sondern auf der Rezeption und dem Effekt von Samanthas Stimme.
Sprechende Maschinen gibt es bereits seit dem 18. Jahrhundert. Eine Stimme zu hören, die nicht von einem Lebewesen stammte, war etwas völlig Neues. Der Film "HER" ist ein Beispiel für diese sogenannten akusmatischen Stimmen. Stimmen, die hörbar sind aber einem unbekannten Ort entspringen
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Stimme der Maschine
2.1 Die ersten Maschinen zur Erzeugung mechanischer Stimmen
2.2 Stimmen ohne Körper
2.3 Kriterien einer menschlichen Stimme
3 Akusmatik
3.1 Der Begriff des Akusmatischen
3.2 Der Vergleich des Göttlichen mit der akusmatischen Stimme
3.2.1 Allgegenwärtigkeit, Allwissenheit und Allmächtigkeit
3.2.2 Die akusmatische Stimme Gottes im Alten Testament
4 Charakterisierung von Samanthas Stimme im Film Her
4.1 Samanthas Auftreten und ihre göttlichen Attribute
4.2 De-Akusmatisierung und Samanthas Abschied
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der „akusmatischen“ Stimme im Kontext technischer Medien und analysiert am Beispiel des Films Her (2013), wie synthetische Stimmen durch ihre Körperlosigkeit den Eindruck göttlicher Attribute wie Allwissenheit und Allmacht erwecken. Dabei steht die Rezeption und der Effekt der Stimme auf den Menschen im Zentrum der Betrachtung.
- Historische Entwicklung der Sprachsynthese und Sprechmaschinen
- Konzeptualisierung des Akusmatischen nach Michel Chion und Mladen Dolar
- Vergleich zwischen technischer Stimme und göttlichen Attributen
- Analyse der Interaktion zwischen Mensch und KI im Film Her
- Thematik der De-Akusmatisierung und der Entmystifizierung durch Technik
Auszug aus dem Buch
Die Stimme der Maschine
In der Zeit zwischen 1770 und 1790 arbeitete Wolfgang von Kempelen, Erfinder und Staatsbeamter, an der Entwicklung einer sprechenden Maschine. In seiner Abhandlung Mechanismus der menschlichen Sprache nebst der Beschreibung seiner sprechenden Maschine geht er auf die Theorie der Sprache und die Werkzeuge des Sprechens ein und formuliert ebenso phonetische Kriterien zur Erzeugung von Lauten. Im finalen Teil seiner Schrift beschreibt er seine Maschine selbst, die sich an der Anatomie des Menschen orientiert. Ein einfacher Blasebalg simuliert die Lunge und ein formbarer Gummitrichter den Mund. Die vom Blasebalg transportierte Luft wird durch einen Holzkasten geleitet, der als Luftkörper dient und mit verschiedenen Ventilen und Klappen ausgestattet ist. Kempelens Schrift stellte seinen Lesern eine präzise Anleitung für den Bau einer eigenen Maschine zur Verfügung. Der Benutzer konnte einfach seinem subjektiven Höreindruck folgen und so ganze Sätze bilden. Der Gebrauch der Maschine erfolgte rein intuitiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Allgegenwart synthetischer Stimmen im Alltag ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen akusmatischen Maschinenstimmen und göttlichen Attributen.
2 Die Stimme der Maschine: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss von frühen Sprechmaschinen bis hin zur modernen Text-to-Speech-Industrie und formuliert erste Kriterien einer menschlich klingenden Stimme.
3 Akusmatik: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Akusmatischen erarbeitet und mit den göttlichen Attributen Allgegenwärtigkeit, Allwissenheit und Allmächtigkeit in Bezug gesetzt.
4 Charakterisierung von Samanthas Stimme im Film Her: Die Arbeit analysiert anhand der Figur Samantha die Rezeption und Wirkung einer akusmatischen KI-Stimme auf den Nutzer und untersucht das Scheitern der De-Akusmatisierung.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Macht der akusmatischen Stimme ein Wechselspiel zwischen menschlicher Wahrnehmung und der stetigen Erinnerung an das maschinelle Dasein ist.
Schlüsselwörter
Akusmatik, Her, Stimme, Sprachsynthese, Michel Chion, Mladen Dolar, künstliche Intelligenz, Körperlosigkeit, Allmacht, De-Akusmatisierung, menschliche Stimme, Technikrezeption, Sound Studies, Samantha, Filmanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen körperloser, „akusmatischer“ Stimmen von Maschinen und wie diese in der menschlichen Wahrnehmung göttliche Attribute zugeschrieben bekommen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der künstlichen Spracherzeugung, die Medientheorie der Stimme sowie die filmische Analyse von Mensch-Maschine-Interaktionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie eine Stimme als technisches Medium „göttliche“ Machtansprüche wie Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit aufbauen kann und wann diese Illusion durch die Technikrezeption wieder zerbricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse in Kombination mit medientheoretischen Ansätzen von Autoren wie Mladen Dolar und Michel Chion.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Sprachsynthese, eine theoretische Definition der Akusmatik und eine detaillierte Filmanalyse von Spike Jonzes Werk Her.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Akusmatik, Sprachsynthese, KI, Körperlosigkeit, Allmacht und De-Akusmatisierung.
Warum wird Samantha im Film als „Gott“ wahrgenommen?
Durch ihre ständige Verfügbarkeit (Allgegenwart), ihr enormes Wissen (Allwissenheit) und ihr Fehlen eines physischen Körpers erinnert ihre Erscheinungsform an biblische Definitionen von Göttlichkeit.
Was bedeutet der Begriff „De-Akusmatisierung“ im Kontext des Films?
De-Akusmatisierung ist das Sichtbarmachen der Quelle hinter der Stimme, wodurch die akusmatische Macht verloren geht; im Film Her wird gezeigt, dass dies bei einer KI-Stimme aufgrund der mangelnden physischen Entsprechung paradox und unmöglich ist.
- Arbeit zitieren
- Julia Dembowski (Autor:in), 2017, Die akusmatische Stimme und der göttliche Effekt der Maschine, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520166