Bilingualer Spracherwerb. Segen der Menschheit


Facharbeit (Schule), 2019
34 Seiten, Note: 1+
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Bilingualismus
2.1 Simultaner Bilingualismus
2.2 Sukzessiver Bilingualismus

3.Spracherwerb
3.1 Voraussetzungen für bilingualen Spracherwerb
3.2 Spracherwerbsprozess nach Stackhouse/Wells
3.3 Bilingualer Spracherwerb und dessen Phasen der Sprachentwicklung

4.Vorteile des bilingualen Spracherwerbs
4.1 Verzögerung von Demenz – Symptomen
4.2 Möglichkeiten im gesellschaftlichen Leben

5.Kein Spracherwerb bei Tieren

6.Modellhafte Gegenüberstellung des Menschen – und Schimpansengehirns
6.1 Modellierung des Menschengehirns
6.2 Modellierung Schimpansengehirn
6.3 Gegenüberstellung beider Gehirne
6.4 Entwicklung eines verbal kommunikationsfähigen Schimpansengehirns

7.Fazit

Quellenangaben

Abbildungsverzeichnis

8.Anhang
8.1 Themenbezogenes Interview
8.2 Abbildungen der Gehirnmodelle
8.2.1 Abbildungen des menschlichen Gehirnmodells
8.2.2 Abbildungen des Modells des Schimpansengehirns
8.2.3 Abbildungen des Modells des verbal kommunikationsfähigen

Schimpansengehirns

Abbildungsverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

2. Einleitung

„Mehrere Sprachen zu beherrschen, ist eine wertvolle Fähigkeit im zusammenwachsenden Europa“ (Levecke 2006: online). Diese Fähigkeit bestimmt das Leben in der heutigen Gesellschaft zunehmend, da Bilingualismus vor allem in der Wirtschaft sehr wichtig geworden ist. Heutzutage wird in vielen Unternehmen vorausgesetzt, mehrere Sprachen fließend sprechen zu können. Dann ist es möglich, international zu agieren (vgl. Maas 2013: online). Der bilinguale Spracherwerb ist auch in vielen anderen Bereichen des menschlichen Lebens von Vorteil. Wesentliche Vorteile sind einerseits eine bessere Kommunikationsfähigkeit und ein besseres kulturelles Verständnis. Andererseits kann der bilinguale Spracherwerb die Symptome einer Demenzerkrankung verzögern.

Der Bilingualismus wird aus zwei verschiedenen Blickwinkeln als Segen der Menschheit betrachtet. Einerseits als Privileg gegenüber dem Monolingualismus. Andererseits als ausschließlicher Segen der Menschheit. Demzufolge ist es Absicht dieser Arbeit, die Funktion des Bilingualismus als Segen der Menschheit mit den genannten Vorteilen zu charakterisieren. Das heißt, dass ich darauf eingehe, warum der Bilingualismus für den Menschen so wichtig ist, welche Vorteile er für den menschlichen Körper bürgt und welche Möglichkeiten der bilinguale Spracherwerb vor allem im gesellschaftlichen Leben bietet. Dadurch wird sich herausstellen, warum sich der Mensch glücklich schätzen kann, bilingual leben zu können. Um das nachzuweisen, werde ich die oben genannten Vorteile nutzen. Dafür sind jedoch allgemeine Informationen zum Bilingualismus sowie zum Spracherwerb nötig. Dabei wird der Monolingualismus ausschließlich zur Erläuterung des Spracherwerbsprozesses genutzt, um anschließend auf den bilingualen Spracherwerbsprozess übertragen zu werden. Der Bilingualismus wird in zwei Formen, dem Simultanen und dem Sukzessiven, vorgestellt. Hauptsächlich werde ich mich dabei auf den simultanen Bilingualismus beziehen. Weiterhin gehe ich auf Voraussetzungen des Bilingualismus ein und zeige dessen Vor – und Nachteile auf. Die Vorteile stellen den Bilingualismus als Segen der Menschheit dar. Da der Umfang der Arbeit zu komplex wäre, werde ich nicht generell auf die Demenzerkrankung, sondern nur auf einige der Symptome der primären Demenz eingehen. Außerdem intendiere ich mit dieser Arbeit zu beweisen, dass die sprachliche Kommunikation nicht bei allen Lebewesen, sondern nur beim Menschen, zu finden ist, wodurch der Bilingualismus ausschließlich einen Segen für die Menschheit und nicht für alle Individuen darstellt, was ich voranging am Beispiel des Schimpansen erläutern werde. Das wird am Schluss der Arbeit an drei Modellen und deren Entstehung belegt. Zunächst wird ein menschliches Gehirn dargestellt. Darauf folgen zwei Schimpansengehirne. Letzteres stellt ein kommunikationsfähiges Schimpansengehirn dar, welches zeigen wird, dass die Kommunikation für Schimpansen, obwohl diese am stärksten mit dem Menschen verwandt sind, unmöglich ist. Dabei wird die Tatsache, dass Schimpansen in gewisser Weise ebenfalls kommunizieren sowie die Art dieser Kommunikation, außer Acht gelassen.

Auf diese Art kann die Arbeit, um den Bilingualismus als Segen der Menschheit zu kennzeichnen, nicht nur die Vorteile des bilingualen Spracherwerbs darlegen, sondern auch klarstellen, warum nur Menschen auf Kommunikation, der hauptsächlichen Voraussetzung für Bilingualismus, angewiesen sind.

3. Bilingualismus

Als bilingual gelten Personen, die in zwei Sprachen fließend kommunizieren können, sodass beide als Muttersprache der betreffenden Person anzusehen sind (vgl. Hamers/Blanc 2000: online). Als Muttersprache wird „die erste Sprache [bezeichnet], der Menschen im Leben ausgesetzt sind“ (Meinert 2014: online). Dabei können sich die Personen „problemlos in zwei unterschiedlichen Sprachen mündlich [und möglichst auch schriftlich] ausdrücken“ (Gollub 2008: online). Der Bilingualismus kann in unterschiedlicher Weise differenziert werden: In natürlichen und kulturellen sowie simultanen und sukzessiven Bilingualismus. Der Unterschied zwischen natürlichem und kulturellem Bilingualismus ist, dass der Mensch beim natürlichen Bilingualismus die Sprachen von Muttersprachlern1 im Alltag erlernt, während er die Sprachen beim kulturellen Bilingualismus in einer formellen Situation, zum Beispiel im Unterricht, erwirbt (vgl. Gollub 2008: online). Da der Unterschied zwischen simultanem und sukzessivem Bilingualismus für den weiteren Verlauf der Arbeit von großer Bedeutung ist, wird er im Folgenden näher erklärt.

3.1 Simultaner Bilingualismus

Der simultane Bilingualismus, welcher in dieser Arbeit hauptsächlich berücksichtigt wird, beschreibt den Erwerb von zwei verschiedenen Sprachen seit der Geburt. Dadurch gelten beide Sprachen als Muttersprache. Beide Sprachen werden gleichzeitig erworben, wodurch das Kind lernt, zwischen beiden Sprachsystemen automatisch zu unterschieden und individuell zwischen beiden zu wechseln (vgl. Gollub 2008: online). Vorteile dieser Art des bilingualen Spracherwerbs sind, dass das Kind grammatikalische und kulturelle Informationen von einer Sprache in die andere übertragen und lebenslang auf sehr hohem Niveau kommunizieren kann, mithilfe beider Sprachen. Außerdem fällt es durch den simultanen Bilingualismus einfacher, im späteren Alter eine weitere Sprache zu erlernen (vgl. Then de Lammerskötter 2019: online). Diese Vorteile kann der Mensch in bestimmten Berufen, beispielsweise als Dolmetscher oder Fremdsprachenkorrespondent, genießen (vgl. Maas 2013: online).

3.2 Sukzessiver Bilingualismus

Während der simultane Bilingualismus seit der Geburt erfolgt und so beide Sprachen gleichzeitig erworben werden, vollzieht sich der sukzessive Bilingualismus ab einem Alter von drei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt ist eine der beiden Sprachen größtenteils erworben (vgl. Gollub 2008: online). Das heißt, dass dieses Sprachsystem bereits verinnerlicht wurde und die Person die dazugehörige Sprache als Muttersprache ansieht. Anders als beim simultanen Bilingualismus hat die Person, nur eine Muttersprache, trotz bilingualen Lebens. Jene Sprache, die seit der Geburt erlernt wurde. Die Sprache, welche eine Person seit dem dritten Lebensjahr oder später erlernt, gilt nicht mehr als Muttersprache, sondern als Zweit – beziehungsweise Fremdsprache. Der Unterschied dieser Sprachtypen besteht darin, dass die Zweitsprache im alltäglichen Leben, die Fremdsprache zum Beispiel in der Schule erlernt wird (vgl. Pokorny 2016: online). Eine Person kann eine Zweitsprache beispielsweise von Muttersprachlern in dem Land, in dem diese Sprache gesprochen wird, erwerben. Eine Fremdsprache jedoch wird nicht in dem Land, in dem sie gesprochen wird, sondern meist in dem Mutterland der betreffenden Person erlernt. Dabei wird die Fremdsprache nicht im Alltag von Muttersprachlern übermittelt, sondern in den meisten Fällen von Lehrern in der Schule oder in speziellen Sprachkursen. Die Zweitsprache kann problemlos neben der Muttersprache gesprochen werden. Die Fremdsprache nicht, da diese beispielsweise lediglich in der Schule im Unterricht gesprochen wird und so nicht in das alltägliche Leben eingebunden ist. Dadurch sind viele semantische und syntaktische Merkmale der Fremdsprache mit der Zeit nicht mehr abrufbar und gelangen in Vergessenheit. Dadurch kann es sein, dass die Sprache zum größten Teil neu erlernt werden muss, wenn diese längere Zeit nach dem Erwerb erst wieder angefangen wird zu sprechen. „Besser als in der Schule erlernt man eine [Sprache demzufolge] dort, wo sie auch gesprochen wird“ (Pokorny 2016: online).

4. Spracherwerb

Der Spracherwerb bezeichnet das Erlernen einer oder mehrerer Sprachen, welche der Kommunikation dienen. Dabei wird zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation unterschieden. Die nonverbale Kommunikation ist das Austauschen von Informationen oder Nachrichten durch Mimik, Gestik oder Körperhaltung. Im Gegensatz dazu werden mit Hilfe der verbalen Kommunikation komplexere Informationen ausgetauscht, welche nonverbal meist nicht vermittelt werden können. Allgemein wird die verbale Kommunikation als „Sprache“ bezeichnet, da mit Worten, also verbal, kommuniziert wird (vgl. Bayruber/Kull 2005: 247). Im Folgenden wird sich ausschließlich mit der verbalen Kommunikation befasst, da die bilinguale Kommunikation verbal abläuft.

4.1 Voraussetzungen für bilingualen Spracherwerb

Um eine verbale Sprache erwerben zu können, müssen die folgenden Bereiche des Gehirns gekoppelt funktionieren: Die Hörrinde, als auditiver Kortex, die Wernicke – Region, als sensorische Sprachregion, welche für das Verstehen verantwortlich ist, die Broca – Region, als motorische Sprachregion, die das Verarbeiten und Sprechen ermöglicht sowie die motorische Region der Hirnrinde, welche die Bewegung des Kehlkopfes, der Zunge, der Lippen und des Kiefers steuert (vgl. Bayruber/Kull 2005: 247).

Wie in Abbildung 1 zu erkennen, befindet sich die Hörrinde im oberen Teil des Temporallappens. Rechts davon befindet sich die Wernicke – Region. Die Broca – Region befindet ist im unteren Teil des Frontallappens und die motorische Region der Hirnrinde ist zwischen Hörrinde und Broca – Areal gelegen und zieht sich auf der linken Hemisphäre (Hirnhälfte) bis zur Zentralachse, welche die linke und rechte Hemisphäre voneinander trennt. An der Lage dieser vier Regionen wird deutlich, dass sich das Sprachzentrum nicht nur im vorderen Teil des Großhirnes befindet, sondern etwa bis zur Mitte angeordnet ist. Durch diese vier Areale ist es möglich, ein Wort zu verarbeiten und nachzusprechen, wodurch eine Sprache erst erworben werden kann. Demzufolge ist die Fähigkeit zu Hören eine Voraussetzung für den Spracherwerb. Außerdem muss der Kehlkopf frei liegen, um sich ausreichend bewegen zu können. Nur dann können die Stimmbänder frei schwingen, welche die Stimme erzeugen. Weiterhin muss die motorische Region, welche sich im vorderen Teil der Großhirnrinde befindet, in der Lage sein, den Kiefer und die Zunge so schnell zu bewegen, dass Worte erzeugt werden können. Daraus folgt, dass die Schädelform so aufgebaut sein muss, dass Zunge und Kiefer ausreichend beweglich sind. Außerdem soll der Mensch dazu in der Lage sein, viele verschiedene Wörter im Arbeitsgedächtnis speichern zu können, um eine Kommunikation zu ermöglichen (vgl. Schütze 2019: online). Dabei ist die Lernfähigkeit im Kindesalter am höchsten, wodurch es Kindern einfacher fällt zu lernen als Erwachsenen. Das heißt, dass das Erlernen von zwei Muttersprachen nur im frühen Kindesalter vollzogen werden kann, da das Gehirn nur dann dazu in der Lage ist, große Mengen an Informationen aufzunehmen und zu speichern (vgl. T., P. 2018: E – Mail).

4.2 Spracherwerbsprozess nach Stackhouse/Wells

Die stark vereinfachte Sprachverarbeitung lautet wie folgt: Ein Wort wird gehört und in der Wernicke – Region als solches identifiziert. Anschließend kommt es in der Broca – Region zur Verarbeitung und zur Planung der Wiedergabe und mit Hilfe der motorischen Region in der Hirnrinde kann das Wort wieder ausgesprochen werden. Mit dem Sprachverarbeitungsmodell nach Stackhouse/Wells (vgl. Blechschmidt/Frauchiger 2009: online) kann dieser sehr vereinfachte Spracherwerbsprozess nun zunächst monolingual erläutert werden, um ihn dann auf den bilingualen Spracherwerb zu übertragen.

Der Spracherwerbsprozess nach Stackhouse/Wells wird, wie in Abbildung 2 erkennbar, schematisch in fünf Teile, dem Input, der Dekodierung, der Speicherung, der Enkodierung und dem Output, geteilt. Die Sprachverarbeitung beginnt mit dem Input, einer auditiven oder peripheren Wahrnehmung. Dieser folgt die Dekodierung, die mit der Diskrimination beginnt. Hier entscheidet das Gehirn, ob es sich um einen sprachlichen oder nichtsprachlichen Reiz handelt. In diesem Fall wird ein nichtsprachlicher Reiz nicht beachtet. Der sprachliche wird phonologisch erkannt, indem er durch beispielsweise vertraute Muster im Wort, wie Silben oder Betonung, identifiziert wird. Aufgrund dieser Informationen wird dann entschieden, ob es sich bei dem Reiz um einen muttersprachlichen Reiz handelt oder nicht. Dieser Vorgang wird als phonetisches Diskriminieren bezeichnet. Nun gibt es zwei zu beachtende Möglichkeiten: Bei einem muttersprachlichen Wort, ist keine detaillierte Analyse notwendig. Handelt es sich jedoch um ein Wort, welches nicht als muttersprachliches erkannt wurde, folgt eine detailliertere Analyse, welche mit der phonologischen Repräsentation eingeleitet wird. Dabei werden die Laute, Silben, Betonung sowie der Rhythmus des Wortes genau analysiert (vgl. Blechschmidt/Frauchiger 2009: online). Nun versucht das Gehirn diese Erkenntnisse im Langzeitgedächtnis wiederzufinden, um eine Assoziation zu einer anderen, schon bekannten, Sprache zu finden. Diese Erkenntnisse können nur im Langzeitgedächtnis abgeglichen werden, da nur dort die Informationen unbegrenzt und dauerhaft gespeichert sein können (vgl. Vaas 2000: online). Stimmen die Informationen mit keinen des Langzeitgedächtnisses überein, gehört das Wort zu keiner der, dem Organismus bekannten, Sprache und das Wort kann nicht gespeichert werden. War der Abgleich der Informationen jedoch erfolgreich, ist die Sprache des Wortes für den Menschen bekannt. Es folgt die semantische Repräsentation2, bei der die Bedeutung des Wortes aufgrund des Kontextes, in dem der auditive Reiz wahrgenommen wurde (vgl. Blechschmidt/Frauchiger 2009: online), zunächst im Kurzzeitgedächtnis, gespeichert wird. Erst nach häufigem Gebrauch wird das Wort dann im Langzeitgedächtnis gespeichert (vgl. Vaas 2000: online). Um das neue Wort selbst nutzen zu können, kommt es zum motorischen Programm, wobei die Artikulation der Sprachorgane speziell für dieses Wort programmiert wird. Das heißt, dass genau festgelegt wird, welches Sprachorgan bei welcher Silbe in welcher Tonlage, zeitlichen Länge etc. eingesetzt werden muss, sodass das Wort rhythmisch und tonal dem auditiv wahrgenommenen Reiz entspricht. Da es während der phonologischen Repräsentation, der semantischen Repräsentation und des motorischen Programmierens permanent zur Speicherung der analysierten Informationen kommt, bezeichnen diese drei Vorgänge die Speicherung. Es kommt also nicht bei jedem wahrgenommenen Reiz zur Speicherung, sondern nur bei unbekannten Reizen. Da der Mensch durch die Analyse des Wortes dieses ins Gedächtnis speichert, sind die Analyse und die darauffolgende Speicherung die wichtigste Voraussetzung für den Spracherwerb und deswegen in Abbildung 2 durch eine breitere Umrandung hervorgehoben. Vor dem Aussprechen des erfassten Wortes kommt es zur Enkodierung. Diese beginnt mit dem motorischen Planen, wobei vor allem die Betonung und der Rhythmus des auszusprechenden Wortes der Gesprächssituation angepasst wird. Abschließend folgt die motorische Ausführung, welche auch als Output bezeichnet wird und bei der das Wort letztendlich ausgesprochen wird (vgl. Blechschmidt/Frauchiger 2009: online). Dieser gesamte Prozess findet in den vier Regionen, welche für den Spracherwerbsprozess zuständig sind (vgl. Kapitel 3.1), statt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Bilingualer Spracherwerb und dessen Phasen der Sprachentwicklung

Analog zum monolingualen Spracherwerb erfolgt der Spracherwerb bei bilingualen Menschen. Der einzige Unterschied ist, dass hier zwei Sprachen beim phonologischen Erkennen als Muttersprache erkannt werden können. Die Analyse eines jeden Wortes muss komplexer ausgewertet werden, weil nun zwei Sprachen für die weiteren Prozesse in Betracht gezogen werden können. Da die erlernten Sprachen in einem Sprachsystem gespeichert sind, werden gleichzeitig alle Sprachen aktiviert, sobald das Sprachsystem aktiviert wurde. Das wiederum heißt, dass alle momentan nicht genutzten Sprachen unterdrückt werden müssen. Dadurch arbeitet das Gehirn effektiver (vgl. Jiménez 2016: online). Das geschieht jedoch intuitiv und ist für eine bilinguale Person bewusst nicht zu merken. Dadurch ist vor allem das Broca – Areal stärker belastet, weil dort die Grammatik untergebracht ist. In diesem Fall ist jedoch zu beachten, dass hier keine bewusst erworbene Grammatik gemeint ist, sondern die Grammatik, die man unbewusst ab dem zweiten Lebensjahr erlernt hat und fortlaufend intuitiv nutzt. Hauptsächlich ist in diesem Zusammenhang die Syntax der Muttersprache gemeint (vgl. T. 2019: E – Mail). Die Grammatik einer später erlernten Fremdsprache wird in dieser Arbeit außer Acht gelassen, weil es sich dann nicht mehr um den gleichzeitigen Erwerb zweier Sprachen handelt. Da die Grammatik „neben der Wortbedeutung der wichtigste Baustein der Sprache ist“ (Rucker 2017: online) und sie bei jeder Sprache unterschiedliche Merkmale vor allem in der Syntax aufweist, müssen beim Erlernen beider Muttersprachen die neuen Informationen zur Syntax gespeichert werden, sodass sie in jeder Situation problemlos abrufbar sind. Nur dann ist eine verständliche Kommunikation möglich. Dadurch spielt vor allem das Broca – Areal für den Bilingualismus eine sehr wichtige Rolle, da in ihm nun durch zwei Muttersprachen zwei Grammatiken gespeichert werden, die sich vor allem in ihrer Syntax stark unterscheiden. Das hat zur Folge, dass „Kinder, die von Geburt an zweisprachig erzogen werden, […] typischerweise drei Entwicklungsstufen“ (Gollub 2008: online) durchlaufen. In der ersten Stufe kommt es zur permanenten Vermischung beider Sprachen, weil das Kind noch nicht zwischen verschiedenen Sprachen unterscheiden kann (vgl. Gollub 2008: online). Die zweite Stufe geht mit der Aktivierung des Broca – Areals einher. Da zunächst nur das Wernicke – Areal aktiviert werden kann, ist es den Kindern nicht möglich, zwischen beiden Sprachen zu unterscheiden. Erst mit der Aktivierung des Broca – Areals kann es zu Unterscheidung von verschiedenen Kommunikationssystemen kommen. Jedoch kann das Broca – Areal noch nicht vollständig aktiviert werden, wodurch die Syntax3 nicht ausreichend unterschieden werden kann (vgl. Friederici 2016: online). Dadurch wird die Grammatik der einen Sprache auf die der anderen übertragen oder es kommt zur Vermischung beider Grammatiken, obwohl das Kind schon dazu in der Lage ist, die beiden Sprachen aufgrund der Wörter zu unterscheiden (vgl. Gollub 2008: online). Erst nach etwa drei Jahren ist die Aktivierung des Broca – Areals soweit fortgeschritten, dass der Unterschied in der Syntax von verschiedenen Sprachen wahrgenommen werden kann (vgl. Friederici 2016: online), wodurch der Unterschied zwischen beiden erlernten Sprachen in der Kommunikation eindeutig wird (vgl. Gollub 2008: online).

[...]


1 Um den Textfluss nicht zu stören, wird in dieser Arbeit das Gendern vernachlässigt, wodurch ausschließlich die maskulinen Formen aufgezeigt werden.

2 Ist die Bedeutung des Wortes schon bekannt, entfällt die semantische Repräsentation.

3 sprachwissenschaftliches Hauptmerkmal der Grammatik

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Bilingualer Spracherwerb. Segen der Menschheit
Note
1+
Jahr
2019
Seiten
34
Katalognummer
V520243
ISBN (eBook)
9783346134233
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bilingual Spracherwerb Menschheit Segen Schimpanse Gehirn
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Bilingualer Spracherwerb. Segen der Menschheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520243

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