Risiken und Chancen der Digitalisierung. Die "Digitale Strategie 25" des Bundeswirtschaftsministeriums


Hausarbeit, 2018

36 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1. Einleitung

2. „Digitale Strategie 2025“: thematische Schwerpunkte und deren Relevanz
2.1. Gigabit-Glasfasernetz
2.2. Unterstützung von Start-Ups, Unternehmenskooperationen
2.3. Ordnungsrahmen für Investitionen und Innovationen
2.4. Intelligente Vernetzung
2.5. Datensicherheit und Datensouveränität
2.6. Neue Geschäftsmodelle
2.7. Modernisierung des Produktionsstandorts Deutschland
2.8. Digitale Technologien: Förderung von F&E und Innovation
2.9. Digitale Bildung in allen Lebensphasen
2.10. Gründung einer Digitalagentur

3. Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende
3.1. Einführung intelligenter Messsysteme
3.2. Datenschutz- und Datensicherheit bei Smart Meter

4. Digitaler Wettbewerb: Vorschläge für internationalen Erfolg deutscher Unternehmen
4.1. Beispiele
4.1.1. BASF
4.1.2. Adidas
4.2. Fazit

5. Diskussion: Risiken vs. Chancen durch die Digitalisierung
5.1. Risiken
5.1.1. Datenschutz, -souveränität und Kriminalität
5.1.2. Exkurs: EU-DSGVO
5.1.3. Risiken für Handel und Beschäftigung
5.2. Chancen
5.2.1. (Weiter-)Bildung
5.2.2. Industrie 4.0 und KMUs
5.2.3. Start-Ups und Technologieunternehmen
5.2.4. Online-Marktplatz
5.2.5. International
5.3. Abwägung

6. Zusammenfassung und Ausblick

Anlagen

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Most Innovative Companies 2018

Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Rangliste der „Most Innovative Companies 2018“

1. Einleitung

Facebook-Datenskandal, medizinische Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker, vollautomatisierte Autos: Die digitale Zukunft hat längst begonnen und überfordert mit ihrem Tempo viele Menschen. In der Zwischenzeit geht es im Handelsblatt um mehr Verantwortung bei der Digitalisierung.1 Daher stellt sich die Frage, wie einerseits mit den Entwicklungen, die die Digitalisierung bringt, Schritt gehalten werden kann. Andererseits muss hinterfragt werden, wie sich die geforderte Verantwortung für diese Entwicklungen übernehmen lässt.Das Bundeskabinett hat mit der „Digitalen Strategie 2025“ einen Leitfaden ausgearbeitet, der eine Orientierung bei der Entwicklung der deutschen Digitalpolitik bis spätestens 2025 gibt. Die vorliegende Hausarbeit beschreibt, mit welchen Maßnahmen das Bundeswirtschaftsministerium die Digitalisierung vorantreiben und Deutschland im digitalen Wettbewerb konkurrenzfähiger zu machen. Im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird es um thematische Schwerpunkte und deren Relevanz innerhalb der Strategie gehen. Im Anschluss werden zentrale Punkte des mit der „Digitalen Strategie“ zusammenhängenden Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende erörtert. Anhand von zwei Beispielen lässt sich dann zeigen, wie deutsche Unternehmen im digitalen Wettbewerb aufholen und international erfolgreich werden können. Darauf folgt eine Diskussion zu potenziellen Risiken und Chancen der Digitalisierung. Hierbei wird auch die am 25. Mai in Kraft getretene europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) berücksichtigt. Für die vorliegende Hausarbeit ist anzunehmen, dass deutsche Internetuser von der EU-DSGVO profitieren, weil Online-Gefahren minimiert werden. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die „Digitale Strategie 2025“ einen positiven Einfluss auf den Wettbewerbsstandort Deutschland haben wird. Außerdem ist anzunehmen, dass das Internet durch die „Digitale Strategie“ mehr Chancen als Gefahren bietet.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem jungen Thema „Digitalisierung“ sowie verwandten Themenfeldern. Deshalb besteht ein größerer Teil der Literatur aus Internet-Quellen. Wichtige Texte (z.B. zur politischen Strategie und dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende) standen in einer Printversion zur Verfügung.

2. „Digitale Strategie 2025“: thematische Schwerpunkte und deren Relevanz

Die „Digitale Strategie 2025“ ist eine Strategie zur Förderung der Digitalisierung Deutschlands im Rahmen der „Digitalen Agenda“2 der Bundesregierung. Das Papier zeigt die vom Bundeswirtschaftsministerium erarbeiteten und priorisierten Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, um die Digitalisierung in Deutschland voranzutreiben. Dadurch soll die deutsche Wirtschaft in Zukunft handlungsfähig bleiben. Qualitäts- und Technologieführerschaft sollen durch eine Verknüpfung von traditionellen Wettbewerbsvorteilen, modernen Technologien, neuen Methoden und gezielter Förderung gesichert werden.3 Das Arbeitspapier wurde erstmals auf der CeBIT 2016 vorgelegt.

Die „Digitale Strategie 2025“ hat folgende Schwerpunkte: Installation eines Gigabit-Glasfasernetzes, Unterstützung von Start-Ups und Unternehmenskooperationen, Erarbeitung eines Ordnungsrahmens für Investitionen und Innovationen, Arbeit an der intelligenten Vernetzung, Sicherung von Datensicherheit und Datensouveränität, Förderung neuer Geschäftsmodelle, Modernisierung des Produktionsstandorts Deutschland, Förderung von Forschung und Entwicklung und Innovation, Angebot von digitaler Bildung in allen Lebensphasen und Gründung einer Digitalagentur (vgl. Kapitel 2.1. bis 2.10.). Auf diese Schwerpunkte wird in den untenstehenden Kapiteln eingegangen.

2.1. Gigabit-Glasfasernetz

Für eine digitale Infrastruktur in Deutschland werden Breitbandnetze installiert, die hohe Kapazität, breite Verfügbarkeit und geringe Latenz4 haben.5 Bis 2025 soll das Gigabit-Glasfasernetz verfügbar sein. Für den Aufbau der digitalen Infrastruktur wird ein Zukunftsinvestitionsfonds für ländliche Regionen geschaffen,6 das Zusammenwirken von Förderprogrammen optimiert und ein „Runder Tisch Gigabitnetz“ mit diversen Beteiligten eingerichtet. Darüber hinaus wird die „letzte Meile“ schrittweise durch skalierbare und günstige Gigabitnetze erschlossen und die Planung sowie der Bau der Netze erleichtert. Außerdem wird die Verbreitung von 5G7 und im Zuge dessen das Erlangen der europäischen Technologieführerschaft anvisiert. Der Rechtsrahmen und die Wettbewerbsregulierungen sollen investitions- und innovationsfreundlicher werden, damit die Gigabitnetze ohne Probleme gefördert werden können. Zusätzlich sollen im ländlichen Raum bereits vorhandene, positive Marktaktivitäten unterstützt werden.8

2.2. Unterstützung von Start-Ups, Unternehmenskooperationen

Start-Ups treiben die Digitalisierung voran. Sie sind die Arbeitgeber der Zukunft und entwickeln digitale Lösungen und interessante Geschäftsmodelle.9 Die Zahl an Hightech-Unternehmensgründungen hat sich bis 2015 um 40 Prozent reduziert. Deshalb sollen im Zuge der Digitalen Strategie 2025 Unternehmensgründungen vereinfacht werden. Start-Ups werden durch die Einrichtung eines „Ansprechpartners 2.0“ von unnötiger Bürokratie befreit.10 Darüber hinaus soll es Möglichkeiten zur einfacheren Beschaffung von Wagniskapital11 geben, beispielsweise durch die Gründung des Coparion-Fonds. Dieser wird um eine Wachstumsfazilität i.H.v. 500 Millionen Euro ergänzt.12 2017 wurde der High-Tech Gründerfonds III i.H.v. 300 Millionen Euro eingerichtet, der eine Finanzierungshilfe für neue Technologieunternehmen bietet. Auch das INVEST-Programm 2016 wird ausgebaut.13 Um Deutschland als Standort für Wagniskapitalfonds zu etablieren, sollen rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen verbessert werden. Innovative Unternehmen werden von Steuerbesitzbesteuerung ausgenommen. Dadurch entstehen jungen Unternehmen keine zusätzlichen Kosten. Auch die Börse soll als Finanzierungsquelle erschlossen werden und als Exit-Kanal für Wagniskapitalfinanzierung dienen. Der „Gründerwettbewerb Digitale Innovationen“ unterstützt Gründer14.15 Die Internationalisierung von Start-Ups und deren Vernetzung mit der Wirtschaft wird gefördert. Bestehende Informations- und Beratungsangebote sollen in einem Gründerportal 4.0 vernetzt werden, um eine einfachere Unternehmensgründung zu ermöglichen.16

2.3. Ordnungsrahmen für Investitionen und Innovationen

Für die weitere digitale Entwicklung in Deutschland muss ein Ordnungsrahmen geschaffen werden. Freiheiten für die Entfaltung von risikofreudigen Investitionen, Produktinnovationen und neuen datenbasierten Dienstleistungen müssen geschaffen werden. Gleichzeitig muss für regulatorische Sicherheit und Klarheit gesorgt werden. Damit Verbraucher auf dem europäischen Digital Single Market17 (DSM) souveräne Entscheidungen treffen können, sollen europäische Normierungen, Standardisierungen und eine hohe Markt- und Produkttransparenz vorangetrieben werden.18 Darüber hinaus müssen in der EU für vergleichbare Dienstleistungen vergleichbare Wettbewerbsbedingungen herrschen. Europa braucht ein einheitliches, europäisches Verbraucherschutzniveau. Die Basis dafür bildet ein digitaler EU-Rechtsrahmen:19 Im Kartellrecht müssen die Besonderheiten von Online-Märkten berücksichtigt werden (große Onlineunternehmen können ihre Macht missbräuchlich auf andere Märkte ausweiten), rechtliche Barrieren und andere Hindernisse für den Onlinehandel müssen identifiziert und eliminiert werden. Zusätzlich soll eine EU-Daten-Standortpolitik entwickelt werden, die auf gemeinsamen Grundsätzen bezüglich z.B. Datensicherheit und -souveränität beruht. Speziell für Deutschland soll ein auf dem europäischen Rechtsrahmen beruhendes Digitalgesetzbuch für Datensicherheit und Datensouveränität sowie Wettbewerbsgleichheit und -offenheit (s.o.) entwickelt werden.20 Außerdem braucht Deutschland mit Europa eine moderne Wettbewerbspolitik, die die globale Marktrealität einbezieht. Dazu muss die Fusionskontrolle nach deutschem Recht angepasst werden. Bei einer europäischen Fusionskontrolle muss die globale Wettbewerbssituation berücksichtigt werden.21 Darüber hinaus sind „Experimentierräume“ für neue Technologien und Geschäftsmodelle angedacht: Diese erhöhen die Chance für Wertschöpfung am Wirtschaftsstandort Deutschland, den Start von Innovationen in einem abgesicherten Raum und das Etablieren neuer Technologiestandorte.22

2.4. Intelligente Vernetzung

Für die Nutzung von Digitalisierungspotenzialen in Bereichen wie Energie, Gesundheit, Verkehr, Bildung oder öffentlicher Verwaltung braucht es intelligente Vernetzung. Sie ermöglicht hohe politische und soziale Teilhabe sowie Leistungssteigerungen, Effizienzgewinne und Wachstum. Um intelligente Vernetzung in Deutschland voranzubringen, hat die Bundesregierung bereits 2015 die „Strategie Intelligente Vernetzung“ verabschiedet und den Entwurf für das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beschlossen, das bereits erlassen ist (s. Kapitel drei).23 Darüber hinaus ist das E-Health-Gesetz, welches Telemedizin ermöglicht, seit 2016 gültig. Um intelligente Vernetzung in Deutschland voranzutreiben, soll das Thema in die europäische IKT-Politik eingebracht werden. Zusätzlich wird es deutsche Modellregionen geben, die den Wert eines digitalen, vernetzten Alltags zeigen. Dazu müssen Investitionen ermöglicht und Rechtssicherheit (vor allem hinsichtlich Datenbesitz und -verwendung) geschaffen und die Grundlagen intelligenter Vernetzung im ganzen europäischen Raum verbessert werden (z.B. in Form der Festlegung einheitlicher Standards).24 Synergien zu laufenden Programmen sollen erzeugt und Bürger, Kommunen und Länder stärker über intelligente Vernetzung informiert werden, sodass Akzeptanz und Nachfrage gegenüber IKT-Lösungen steigen.25 Zusätzlich werden „Bündnisse für Digitalisierung“ etabliert, die Maßnahmen zur Digitalisierung im regionalen Kontext zeigen und realisieren. Zur Unterstützung junger Unternehmen wird ein Akzelerator für Projekte zu intelligenter Vernetzung aufgebaut.26

2.5. Datensicherheit und Datensouveränität

Die digitale Wirtschaft lebt von Daten: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge werden gemessen, vernetzt und vermarktet. Datensicherheit (d.h. dass Daten gegen Missbrauch geschützt sind) und individuelle Datensouveränität (d.h. dass Verbraucher über die Verwendung ihrer Daten souverän entscheiden) sind die Basis der digitalen Demokratie und Voraussetzung für die Akzeptanz des Erfolgs einer datengetriebenen Wirtschaft.27 Diese Basis soll gestärkt werden. Verbrauchern und Unternehmen soll Rechtssicherheit geboten und einheitliche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Durch die DSGVO wird ein konsistentes Datenschutzniveau erreicht.28 Sie beseitigt national beschränkte Datenschutzregeln, rechtliche Unsicherheiten und Umgehungsmöglichkeiten. Regelungen zur Datenübermittlung in andere Länder müssen festgelegt werden: Mit dem „Privacy Shield“, das vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) beschlossen wurde, soll ein Rechtsrahmen für grenzüberschreitende Datentransfers geboten werden.29 Im Rahmen der DSGVO soll der Interessensausgleich zwischen Verbrauchern und Wirtschaft im nationalen Datenschutzrecht verankert sowie Grundlagen zur Datenschutzzertifizierung erarbeitet werden.30 Darüber hinaus soll die Initiative „IT Sicherheit in der Wirtschaft“ dazu beitragen, dass auch Unternehmen, die diesen gesetzlichen Verpflichtungen nicht unterliegen, ihr Datensicherheitsniveau verbessern. Des Weiteren wird ein Digital-Atlas erstellt, der digitale Fähigkeiten und Schlüsselkompetenzen in Deutschland abbildet. Mit dessen Hilfe sollen Technologien und Kompetenzen für digitale Souveränität gefördert werden. EU-weit sichere, elektronische Transaktionen sollen zukünftig durch elektronische Identifizierung, Signatur, Siegel und ähnliche Vertrauensdienste gewährleistet werden.

2.6. Neue Geschäftsmodelle

Damit sich der deutsche Mittelstand der Digitalisierung aktiv stellt, sollen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), das Handwerk sowie Unternehmen im Dienstleistungsbereich neue Geschäftsmodelle ermöglicht werden. Digitale Entwicklungsmöglichkeiten sollen demonstriert werden. Die Initiative „Mittelstand Digital“ unterstützt KMU mit Praxisbeispielen, Leitfäden und Veranstaltungen. Es werden u.a. Kompetenzzentren und vier sog. Mittelstand 4.0 Agenturen geschaffen, die diese Unternehmen unterstützen.31 Zwei finanzielle Förderungsprogramme - „go-digital“ für externe Beratungsleistungen zur Digitalisierung sowie „go-Inno“ für das Innovationsmanagement von KMU - werden umgesetzt.32 Die „Digitalisierungsoffensive Mittelstand“ will KMU dazu motivieren, in die digitale Transformation zu investieren. Wichtigster Bestandteil der Offensive ist das „Digitale Investitionsprogramm Mittelstand“, für das bis 2018 eine Milliarde Euro bereitstanden. Bestandteil der Offensive ist u.a. die Einrichtung eines nutzerfreundlichen Portals zur Digitalisierung, der Aufbau europäischer bzw. internationaler Netzwerke im Bereich Digitalisierung und die Erweiterung des Beratungsangebots durch sog. Digitallotsen.33

2.7. Modernisierung des Produktionsstandorts Deutschland

Da der zukünftige weltweite Wettbewerb in der Industrie IKT-basiert sein wird, soll der industrielle Vorsprung Deutschlands (z.B. bei komplexen Produktionsprozessen oder der digitalen Steuerung von Autos) genutzt werden. Kompetenzzentren für digitale Technologiekomponenten müssen ausgebaut werden, damit effiziente und ressourcenschonende Produktionspotenziale sowie Wertschöpfung durch neue Geschäftsmodelle genutzt werden können.34 Bei Industrieunternehmen gibt es hinsichtlich dessen großen Unterstützungs- und Beratungsbedarf. Das Bundeswirtschaftsministerium erarbeitet mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft praktische Leitfäden und Handlungsempfehlungen zu Standardisierung, IT-Sicherheit, Rechtsrahmen, Arbeit sowie Aus- und Weiterbildung zur Implementierung von Industrie 4.035. Außerdem wird darüber zusammen mit Industrie- und Handelskammern informiert. Es gibt spezifische Industrie 4.0-Anwendungsbeispiele. Um das Potenzial von Industrie 4.0 auf allen wirtschaftlichen Ebenen nutzen zu können, werden Mittelstandsförderungsprogramme für KMU verwendet. Darüber hinaus soll ein Förderprogramm für Mikroelektronik entworfen,36 Handlungsempfehlungen der Plattform Industrie 4.037 umgesetzt, ein Plan zur „Standardisierung Industrie 4.0“ entwickelt und die internationale Zusammenarbeit mit wichtigen Partnerländern (z.B. China) gestärkt werden.38

2.8. Digitale Technologien: Förderung von F&E und Innovation

Unternehmen aus Deutschland investieren nur einen kleinen Prozentsatz ihres jährlichen Forschungsetats in industrielle digitale Technologien. Das ist für eine zukunftsorientierte Entwicklung zu wenig, weshalb die digitale Forschung in den traditionellen Industrien ausgebaut werden muss. Zur Technologieförderung des Bundeswirtschaftsministeriums gehören bereits Industrie 4.0 sowie Big Data und die Technologieförderung „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“.39 Weitere wichtige Innovationsfelder bilden Fertigungsmethoden (z.B. 3-D-Druck), Service-Robotik, Hausvernetzung (Smart Home40 ) sowie Cloud-Technologien41.42 Um mit der rasanten Innovationsgeschwindigkeit Schritt halten zu können, muss Deutschland die Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) für die Digitalisierung der Wirtschaft verstärken. Dadurch können Zukunftsthemen frühzeitig aufgegriffen und der Ergebnistransfer in die Praxis beschleunigt werden. Investitionen in Digitaltechnik sollen durch steuerliche Abschreibungen attraktiver, Förderprogramme auf innovative Technologie- und Anwendungsbereiche ausgerichtet und diesbezüglich wichtige Projekte herausgestellt werden. Außerdem soll die technische Souveränität Deutschlands durch Kooperationen mit unterschiedlichen auch nicht-deutschen Industrie- und Forschungspartnern garantiert werden. Darüber hinaus wird die Forschung in KMUs steuerlich unterstützt.

2.9. Digitale Bildung in allen Lebensphasen

Im Rahmen der Digitalisierung entstehen zahlreiche neue, anspruchsvolle Arbeitsstellen. Deshalb werden neue Bildungsinhalte benötigt. Erwerbstätige müssen in Zukunft entsprechend qualifiziert werden, v.a. hinsichtlich Flexibilität und Methodenkenntnissen beim digitalen Technologieeinsatz. Digitale Bildung ist die Grundlage für den Erfolg auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt – neue Verbreitungswege und interaktive Lernformate ermöglichen einen erweiterten Wissenszugang. An deutschen Schulen gibt es bei der Nutzung solcher Lernformen allerdings deutlichen Nachholbedarf.43 Eine Strategie „Digitales Lernen“ wird benötigt: Durch sie kann digitale Technologie offen und reflektiert eingebunden werden. Damit digitale Bildung und Infrastruktur in Schulen und Hochschulen sowie in der Aus- und Weiterbildung bis 2025 gefördert und verbessert werden kann, müssen Bund und Länder eng zusammenarbeiten. Bis 2025 sollen während der schulischen Ausbildung Grundkenntnisse in Informatik und im Programmieren vermittelt werden, Berufstätige am Arbeitsplatz neue IT-Kenntnisse erwerben können und öffentlich finanzierte Bildungsträger Lehrangebote online zur Verfügung stellen. Deutschland soll zu einem der Spitzenreiter der digitalen Infrastruktur werden.44 In der Digitalen Strategie 2025 wurden diese Ziele detailliert in Unterkategorien (Schulbildung, duale Ausbildung, Universitäten und berufliche Weiterbildung) beschrieben. Auf eine Aufzählung soll an dieser Stelle verzichtet werden, da die zentralen Punkte bereits genannt wurden.45

2.10. Gründung einer Digitalagentur

Damit Deutschland der Digitalisierung in ihrer ganzen Breite institutionell gerecht wird, müssen Konzepte für Politikumsetzung und -entwicklung entstehen. Dazu sind sowohl eine Digitalagenda als auch eine Digitalagentur angedacht. Die Agenda soll Wettbewerbs-, Markt- und Verbraucherfragen zur Digitalisierung beantworten. Die Agentur soll als internationales Kompetenzzentrum fungieren, das als Thinktank46 bei politischen Vorbereitungen und als Servicestelle während deren Umsetzung agiert.47 Sie unterstützt den Digitalisierungsprozess im Interesse von Wirtschaft und Verbrauchern und wirkt auf das Meistern der gesellschaftlichen Herausforderung „Digitalisierung“ hin.48 Die geplante Bundesdigitalagentur soll nachhaltige Digitalisierungskompetenz (ökonomisch, rechtlich und technisch) aufbauen und Entwicklungen während des Digitalisierungsprozesses wissenschaftlich analysieren und begleiten. Konkrete Aufgaben könnten dabei u.a. die Reduzierung von Informations- und Koordinationskosten, die Streitschlichtung und Behandlung von Verbraucherbeschwerden oder die Unterstützung der Anwendersektoren (Industrie, Dienstleistungen) bei der Nutzung von Digitalisierungspotenzialen sein.49 Auf dem Weg zur Digitalagentur werden die Analyse- und Aktionsfähigkeit der Bundesnetzagentur erweitert, wodurch eine verstärkte Beobachtung der digitalen Umwelt stattfindet. Mit dem Aufbaustab „Digitale Vernetzung/Internetplattformen“ wurden bereits Kompetenzen erweitert und gebündelt.50

[...]


1 Vgl. Dabrock, P./Vöpel, H., (07.05.18), http://www.handelsblatt.com/my/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-bei-der-digitalisierung-brauchen-wir-verantwortung-statt-tempo/21238610.html.

2 Die „Digitale Agenda“ ist ein Papier der deutschen Bundesregierung aus dem Jahr 2014. Sie gibt Leitlinien zur Digitalpolitik in Deutschland vor und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Bundesministerium des Inneren und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur umgesetzt.

3 Vgl. (o.V.): 2016, S. 7.

4 Verzögerungszeit; Zeit zwischen einem Ereignis und der darauf folgenden Reaktion Vgl. Duden, (07.05.18), https://www.duden.de/rechtschreibung/Latenz.

5 Vgl. (o.V.): 2016, S. 13.

6 Vgl. (o.V.): 2016, S. 14.

7 Nachfolgetechnologie im Bereich Mobilfunknetze. Momentan ist 4G Standard.

8 Vgl. (o.V.): 2016, S. 15.

9 Vgl. (o.V.): 2016, S. 17.

10 Vgl. (o.V.): 2016, S. 20.

11 Eigenkapital, das in das neu gegründete Unternehmen eingelegt wird. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, (07.05.18), https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wagniskapital-47760.

12 Vgl. (o.V.): 2016, S. 18.

13 INVEST ist ein Förderprogramm des Bundes für privates Wagniskapital. Vgl. Bundeswirtschaftsministerium, (07.05.18), https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/invest.html.

14 Für die bessere Lesbarkeit dieser Hausarbeit entspricht die männliche Form des Substantives gleichzeitig der Weiblichen: es handelt sich stets um Frauen und Männer. Diese Art der Formulierung wird im weiteren Verlauf beibehalten.

15 Vgl. (o.V.): 2016, S. 19.

16 Vgl. (o.V.): 2016, S. 20.

17 ADigital Single Market (DSM)is one in which the free movement of persons, services and capital is ensured and where the individuals and businesses can seamlessly access and engage in online activities under conditions of fair competition, and a high level of consumer and personal data protection, irrespective of their nationality or place of residence. Vgl. European Commission, (07.05.18), https://ec.europa.eu/commission/priorities/digital-single-market_en.

18 Vgl. (o.V.): 2016, S. 23f.

19 Vgl. (o.V.): 2016 S. 24.

20 Vgl. (o.V.): 2016, S. 25f.

21 Vgl. (o.V.): 2016, S. 27.

22 Vgl. (o.V.): 2016, S. 26.

23 Vgl. (o.V.): 2016, S. 29.

24 Vgl. (o.V.): 2016, S. 30.

25 Vgl. (o.V.): 2016, S. 30f.

26 Vgl. (o.V.): 2016, S. 31.

27 Vgl. (o.V.): 2016, S. 33.

28 Vgl. (o.V.): 2016, S. 34.

29 Vgl. (o.V.): 2016, S. 34.

30 Vgl. (o.V.): 2016, S. 35.

31 Vgl. (o.V.): 2016, S. 37.

32 Vgl. (o.V.): 2016, S. 37f.

33 Vgl. (o.V.): 2016, S. 38.

34 Vgl. (o.V.): 2016, S. 41f.

35 Industrie 4.0 beschreibt die Digitalisierung der Fertigungsbranche in Deutschland. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, (08.05.18), https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/industrie-40-54032.

36 Vgl. (o.V.): 2016, S. 42.

37 Die Plattform Industrie 4.0 ist ein Projekt für die Weiterentwicklung und Umsetzung der Industrie 4.0. Vgl. Plattform Industrie 4.0, (08.05.18), https://www.plattform-i40.de/I40/Navigation/DE/Home/home.html.

38 Vgl. (o.V.): 2016, S. 43.

39 Vgl. (o.V.): 2016, S. 46.

40 In sich selbst und nach außen vernetztes Zuhause. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, (08.05.18), https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/smart-home-54137.

41 Cloud-Technologien sind Infrastrukturen und Applikationen, die Daten nicht lokal speichern. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, (08.05.18), https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/cloud-computing-53360.

42 Vgl. (o.V.): 2016, S. 46f.

43 Vgl. (o.V.): 2016, S. 49.

44 Vgl. (o.V.): 2016, S. 50.

45 Vgl. (o.V.): 2016, S. 51ff.

46 A group of experts brought together, usually by a government, to develop ideas on a particular subject and to make suggestions for action Vgl. Cambridge Dictionary, (08.05.18), https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/think-tank.

47 Vgl. (o.V.): 2016, S. 55.

48 Vgl. (o.V.): 2016, S. 55f.

49 Vgl. (o.V.): 2016, S. 57.

50 Vgl. (o.V.): 2016, S. 56.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Risiken und Chancen der Digitalisierung. Die "Digitale Strategie 25" des Bundeswirtschaftsministeriums
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
36
Katalognummer
V520466
ISBN (eBook)
9783346112378
ISBN (Buch)
9783346112385
Sprache
Deutsch
Schlagworte
risiken, chancen, digitalisierung, digitale, strategie, bundeswirtschaftsministeriums
Arbeit zitieren
Jenny Fischer (Autor), 2018, Risiken und Chancen der Digitalisierung. Die "Digitale Strategie 25" des Bundeswirtschaftsministeriums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520466

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