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Phänomenologie des Selbst im Buddhismus

Title: Phänomenologie des Selbst im Buddhismus

Term Paper , 2019 , 23 Pages

Autor:in: Erik Schittko (Author)

Theology - Buddhism
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Summary Excerpt Details

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, zu klären, in welcher Art und Weise innerhalb der buddhistischen Schulen die Negierung des Egos begründet wird. In diesem Kontext erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Gleichnis des Wagens, welches die attributive Zusammensetzung von Objekten auf die Individuationsbeschaffenheit von Subjekten überträgt. Darüber hinaus werden hinsichtlich ethischer Konsequenzen der Anatta-Lehre Parallelen zu Philosophen des deutschen Idealismus aufgezeigt. Hierbei steht vor allem die kritische Frage im Fokus, ob die Entsagung der individuellen Wesenhaftigkeit einer Person, totalitäre Kollektivierungsprozesse in verschiedenen buddhistischen Ländern begünstigen konnte.

Der moderne Mensch befindet sich in einem beständigen Prozess der Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Nicht nur in zahlreichen Ratgebern, Workshops, Seminaren, Gruppenaktivitäten und Entdeckungsreisen wird mit dem Motiv der Selbsterkenntnis geworben, auch der Werdegang eines Menschen und dessen berufliche Handlungspraxis werden von einem gewissen Maß an Selbstkompetenzen geprägt. Man sollte hierbei seine Talente und Fähigkeiten, Zielvorstellungen, sowie seine Schwachstellen kennen. Schon im Grundschulalter wird das Ziel der individuellen Persönlichkeitsentwicklung stets forciert. Es scheint darüber hinaus essentiell für die alltägliche Interaktion mit anderen Menschen innerhalb der Gesellschaft zu sein, über eine gewisse Selbstreflexion seiner Handlungen und Handlungsmotive, sowie Selbstkenntnis zu verfügen. Zudem besteht ein Leitgedanke der Menschenrechte und Menschenwürde in der Annahme der schützenswerten Natur einer substanziellen Person, die das Recht auf Selbstbestimmung und freie Entfaltung besitzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Nicht-Ich-Lehre im Kontext der Daseinsfaktoren und des Leidens

3 Das Gleichnis des Wagens als Partikularisierung der Persönlichkeit

4 Altruismus als ethische Konsequenz der Selbstlosigkeit

5 Negation des Egos als Basis kollektivistisch-egalitärer Ideologie

6 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die buddhistische Anatta-Lehre (Nicht-Ich-Lehre) sowie deren philosophische Implikationen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Frage, ob die buddhistische Negierung des individuellen Egos in verschiedenen politischen Kontexten des 20. Jahrhunderts als ideologische Legitimationsgrundlage für kollektivistische Systeme instrumentalisiert wurde.

  • Anatta-Lehre und das Konzept der Daseinsfaktoren (Skandhas)
  • Philosophische Analyse des Wagengleichnisses als Modell der Persönlichkeit
  • Kritische Reflexion altruistischer Ethik im Kontrast zum Egoismus
  • Parallelen zwischen buddhistischer Selbstlosigkeit und kollektivistischen Staatsideologien
  • Politische Instrumentalisierung buddhistischer Lehren in Südostasien

Auszug aus dem Buch

3 Das Gleichnis des Wagens als Partikularisierung der Persönlichkeit

Das berühmte Wagengleichnis knüpft an die Idee an, dass hinsichtlich der Komplexität und Veränderlichkeit von psycho-physischen Phänomenen, Begriffe wie Ich und Selbst nur konventionelle Bezeichnungen zu sein scheinen, welche selbst der Buddha zur Kommunikation gebraucht, allerdings nicht als real existierend betrachtet.

In der möglicherweise frühsten kanonischen Passage formuliert die Nonne Vajira die Essenz der Nicht-Ich-Lehre und bedient sich dabei des Wagengleichnisses wie folgt: Dies ist nur ein Haufen von Gebilden, ein Wesen ist hier nicht zu finden. Denn wie beim Vorhandensein der Bestandteile der Name „Wagen“ besteht, so besteht, wenn die Gruppen vorhanden sind, der übliche Ausdruck „Wesen“.

In einem außerkanonischen Werk des Theravada-Buddhismus aus dem 1. Jahrhundert u.Z., dem Milindapanha, wurde das Gleichnis des Wagens aufgegriffen und künstlerisch-narrativ bearbeitet. Bei diesem Werk handelt es sich um die Fragen des Griechenkönigs Milinda an den buddhistischen Mönch Nāgasena. Als der König Nāgasena nach seinem Namen fragt, antwortet dieser, dass er zwar Nāgasena genannt werde, aber dies einzig und allein eine Redeweise sei, da eine Persönlichkeit in Wahrheit nicht existiere. Es verhalte sich mit dieser ähnlich wie mit einem Wagen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das menschliche Grundbedürfnis nach Selbsterkenntnis und stellt die buddhistische Anatta-Lehre als Gegensatz zur westlichen Identitätskultur dar, um die Forschungsfrage nach der Begründung der Ego-Negierung und deren Folgen aufzuwerfen.

2 Die Nicht-Ich-Lehre im Kontext der Daseinsfaktoren und des Leidens: Dieses Kapitel erläutert die buddhistische Anthropologie der fünf Daseinsfaktoren (Skandhas), die das menschliche Dasein als prozesshaft und ohne festen Wesenskern definieren.

3 Das Gleichnis des Wagens als Partikularisierung der Persönlichkeit: Durch das klassische Wagengleichnis wird verdeutlicht, dass das „Ich“ nur eine konventionelle Bezeichnung für eine Ansammlung veränderlicher Faktoren ist, was die Identität in eine bloße Bündelpersönlichkeit auflöst.

4 Altruismus als ethische Konsequenz der Selbstlosigkeit: Hier wird untersucht, wie die Nicht-Ich-Lehre eine altruistische Ethik begründet und warum die strikte Überhöhung der Selbstlosigkeit im Kontrast zu gesunden Formen des Selbstbezugs steht.

5 Negation des Egos als Basis kollektivistisch-egalitärer Ideologie: Das Kapitel analysiert die problematische Verbindung zwischen dem buddhistischen Prinzip der Selbstlosigkeit und der politischen Instrumentalisierung in sozialistisch-kommunistischen Regimen des 20. Jahrhunderts.

6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass buddhistische Traditionen trotz ihres unpolitischen Selbstverständnisses anfällig für die Vereinnahmung durch totalitäre Ideologien waren, die eine radikale Selbstaufgabe forderten.

Schlüsselwörter

Buddhismus, Anatta, Nicht-Ich-Lehre, Daseinsfaktoren, Wagengleichnis, Bündelpersönlichkeit, Altruismus, Egoismus, Kollektivismus, Sozialismus, Identität, Phänomenologie, Nirvana, Selbstaufopferung, Politische Instrumentalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das buddhistische Konzept des „Nicht-Ich“ (Anatta) und die philosophischen sowie ethischen Konsequenzen, die sich aus dieser Lehre der Wesenlosigkeit des Menschen ergeben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Struktur der buddhistischen Psychologie (Daseinsfaktoren), der philosophische Vergleich mit westlichen Idealismen und die soziopolitische Frage der Instrumentalisierung buddhistischer Moral in totalitären Systemen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu klären, wie die buddhistische Negierung des Egos begründet wird und ob diese ethische Haltung in der Praxis des 20. Jahrhunderts politisch instrumentalisiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theologische Literaturanalyse, um zentrale Begriffe buddhistischer Traditionen in einen ideengeschichtlichen Kontext zu setzen und kritisch auf gesellschaftspolitische Implikationen zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Daseinsfaktoren, das Wagengleichnis, die ethische Hinterfragung des Altruismus sowie die historische Untersuchung der Verknüpfung von buddhistischen Prinzipien mit kollektivistischen Staatsideologien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern gehören Anatta, Bündelpersönlichkeit, Altruismus, Egoismus, kollektivistische Ideologie und die Instrumentalisierung des Buddhismus.

Wie deutet der Autor die Rolle des "Wagengleichnisses"?

Der Autor versteht das Wagengleichnis als methodische Atomisierung der Persönlichkeit, die das Individuum in eine Vielzahl von Bestandteilen zerlegt und so eine feste, transzendente Einheit des „Selbst“ ablehnt.

Welche kritische Schlussfolgerung zieht der Verfasser zur altruistischen Ethik?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die radikale Forderung nach Selbstaufopferung, die aus der Negierung des Egos abgeleitet werden kann, als ideologischer Nährboden für kollektivistische Regimes dienen konnte, da sie das individuelle Interesse als ethisch minderwertig klassifiziert.

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Details

Title
Phänomenologie des Selbst im Buddhismus
College
http://www.uni-jena.de/
Author
Erik Schittko (Author)
Publication Year
2019
Pages
23
Catalog Number
V520501
ISBN (eBook)
9783346118387
ISBN (Book)
9783346118394
Language
German
Tags
phänomenologie selbst buddhismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Erik Schittko (Author), 2019, Phänomenologie des Selbst im Buddhismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520501
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