Sharing Economy. Der Einfluss von Peer-to-Peer Geschäftsmodellen auf den Wohnungsmarkt von Metropolen


Bachelorarbeit, 2019

87 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gliederung und Vorgehensweise

2. Theoretische Grundlagen der Sharing Economy
2.1 Sharing als ökonomisches Prinzip
2.2 Entwicklung und Einflussfaktoren der Sharing Economy
2.3 Ausprägung der Sharing Economy
2.3.1 Transaktionsmodelle der Sharing Economy
2.3.2 Segmente der Sharing Economy
2.3.3 Motive und Barrieren der Sharing-Angebote

3. AirBnB im Wohnungsmarkt
3.1 AirBnB
3.1.1 Entwicklung von AirBnB
3.1.2 Unternehmensanalyse
3.2 Grundprobleme in Ballungszentren
3.3 Auswirkungen von AirBnB auf den Wohnungsmarkt
3.4 Regulierungen und Regulierungsbedarf von AirBnB
3.5 Rentabilität von AirBnBs im Vergleich zum herkömmlichen Vermieten
3.6 Shareable City

4. Empirische Untersuchung
4.1 Untersuchungsfrage und Zielsetzung
4.2 Aufbau der Umfrage
4.2.1 Grundlage empirischer Untersuchungen
4.2.2 Wahl der Forschungsmethode
4.2.3 Entwicklung des Fragebogens und Skalenniveau
4.3 Ergebnis der empirischen Untersuchung
4.3.1 Auswertung
4.3.2 Bezug zur Forschungsfrage

5. Kritische Würdigung der neuen Erkenntnisse
5.1 Handlungsempfehlung für die Akteure der Sharing Economy
5.2 Limitation der Handlungsempfehlung

6. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit dem Einfluss der Sharing Eco­nomy auf den Wohnungsmarkt von Metropolen.

Es werden die Eigenschaften der Sharing Economy und der aktuellen Woh­nungsmarktlage beleuchtet. Danach wird der Einfluss AirBnBs auf den Woh­nungsmarkt betrachtet. Es wird daraufhin die quantitative Umfrage ausgewertet und basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen formuliert.

Es wird zu dem Schluss gekommen, dass die Sharing Economy Einfluss auf den Wohnungsmarkt von Großstädten nimmt und dass jüngere Generationen offener und affiner für die Sharing Economy sind.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Entwicklung der AirBnB-Inserate in deutschen Städten, nach Anzahl

Abb.2: Sharing als verlängerte und Sharing als intensive Nutzung

Abb.3: Struktur eines Peer-to-Peer Modells

Abb.4: Struktur eines Business-to-Consumer Modells

Abb.5: Motive zur Nutzung von Sharing-Angeboten

Abb.6: Durchschnittspreis und Preisspanne der am meisten inserierten ganzen Unterkünfte auf AirBnB in Berlin

Abb.7: Vier Gütekriterien der Informationserhebung

Abb.8: Anzahl und Werte der Besucher und Teilnehmer

Abb.9: Frage 1: Bitte geben Sie Ihr Geschlecht an

Abb.10: Frage 2: In welchem Jahr sind Sie geboren?

Abb.11: Frage 4a: Wie oft nutzen Sie Sharing-Angebote?

Abb.12: Frage 6: Wie wichtig sind Ihnen dabei folgende Gründe, um Sharing­ Angebote zu nutzen?

Abb.13: Frage 8: Sind Sie zufrieden mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Sharing-Angeboten?

Abb.14: Frage 10: Würden Sie, wenn Sie finanziell in der Lage wären, ich ihrer jetzigen Situation Eigentum/ eine Wohnung erwerben?

Abb.15: Frage 11: Wie wichtig ist Ihnen die Flexibilität des Mietverhältnisses?

Abb.16: Frage 12: Hatten Sie schon einmal Probleme, eine Wohnung zur Miete zu finden?

Abb.17: Frage 17: Würden Sie das „Sharing“ einer Wohnung gegenüber dem Kauf bevorzugen?

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Hauptbereiche der Sharing Economy

Tab. 2: Aufbau des Business Model Canvas‘

Tab. 3: Indifferenzwert zwischen den Einnahmen von AirBnB und herkömmli­cher Vermietung

Tab. 4: Mittelwert und Standardabweichung von Frage 6

Tab. 5: Mittelwert und Standardabweichung von Frage 13 und 22

Tab. 6: Mittelwert und Standardabweichung von Frage 14 und 21

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Die Sharing Economy, die Ökonomie des Teilens, ist ein bedeutender Trend, der durch die Digitalisierung ermöglicht wurde und sich zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil in mehreren Bereichen der Wirtschaft entwickelt hat. Viele Autoren verbinden den Begriff des Sharing-Geschäftsmodells mit einer Weiter­entwicklung unserer aktuellen Ökonomie. Weg vom Gedanken, dass der Besitz von gewissen Gegenständen essenziell wichtig ist. Stattdessen sollen Güter gemeinschaftlich geteilt und genutzt werden.

„Die Digitalisierung verändert heute viele Märkte auf dramatische Weise. Während traditionell für die Nutzung von Produkten ein Eigentum an eben diesen wenn nicht erforderlich, so doch zumindest oft zweckmäßig war, verändert sich dies durch die Digitalisierung in erheblichem Ausmaß. Ressourcen, die nicht dauerhaft von ihrem Eigentümer selbst genutzt werden, können über das Internet und dortige Vermittlungsplattformen heute relativ leicht anderen Nutzern temporär zur Verfügung gestellt werden“ (vgl. Haucap, 2015, S. 91).

Es entstanden große Unternehmen, die Anbieter und Nachfrager zusammen­brachten, einer der bekanntesten Unternehmen heute ist AirBnB, welche Unter­künfte von Privatpersonen für in der Regel Touristen vermitteln. Auch im Be­reich der Automobilität hat die Sharing Economy Fuß gefasst, durch sogenann­tes Carsharing.

Während die Sharing Economy in den vergangenen Jahren stetig an Auf­schwung gewonnen hat, kam es zu Veränderungen im Wohnungsmarkt von Großstädten. Deutsche Großstädte werden für jüngere Leute immer beliebter als Wohnorte, da es dort häufig gute Universitäten und mehr berufliche Vielfalt gibt. Die Zahl der Zugezogenen steigt stetig und Wohnraum wird knapper und zunehmend teurer. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem knappen Gut Wohnraum in Großstädten und der wachsenden Sharing Economy?

Dieser Frage widmet sich die vorliegende wissenschaftliche Arbeit. Und unter­sucht welche Auswirkungen und Einflüsse Peer-to-Peer Geschäftsmodellen auf den Wohnungsmarkt haben können und worin die Unterschiede verschiedener Generation bei der Nutzung der Sharing Economy liegen.

Zu Beginn der wissenschaftlichen Arbeit werden die theoretischen Grundlagen der Sharing Economy auf Basis einer umfassenden Literaturanalyse erarbeitet. Dabei wurde darauf geachtet hauptsächlich internationale wissenschaftliche Journals und Fachliteratur als Informationsquelle zu nutzen. Zudem wurden Statistiken aus zuverlässigen Quellen verwendet, um den Sachverhalt ebenfalls anhand von Zahlen beschreiben zu können. Es folgt eine beschreibende auf literaturbasierte Analyse von AirBnB im aktuellen Wohnungsmarkt. Dabei wer­den besonders die Entwicklung von AirBnB, die aktuelle Lage des Wohnungs­marktes und den Einfluss von AirBnB auf den Wohnungsmarkt hergeleitet.

Es folgt in Kapitel 4 die Darstellung der empirische Untersuchung in Form eines Fragebogens. Zuerst werden Grundlagen der empirischen Forschung erläutert um anhand dessen den Aufbau und die Wahl der Forschungsmethode zu be­schreiben. Daraufhin werden die Ergebnisse vorgestellt und ausgewertet.

In Kapitel 5 wird der bis dahin entstandene theoretische und empirische Teil in einem Gesamtbild betrachtet und kritisch gewürdigt. Es werden Handlungsemp­fehlungen ausgesprochen, als auch die Limitation dieser. Im Anschluss kommt das letzte Kapitel, in der die vorliegende wissenschaftliche Arbeit abschließend betrachtet wird.

2 Theoretische Grundlagen der Sharing Economy

2.1 Sharing als ökonomisches Prinzip

Dieses Kapitel dient dazu, dem Leser einen Überblick über die Sharing Econo­my, die Ökonomie des Teilens, zu vermitteln. Zu Beginn wird das dahinterste­hende ökonomische Prinzip erläutert. Daraufhin wird die Entwicklung der Sha­ring Economy erläutert, insbesondere unter der Betrachtung der Digitalisierung. Es folgt eine Darlegung der unterschiedlichen Ausprägungen der Sharing Eco­nomy, anhand von Beispielen. Als nächstes werden die Gründe des Erfolgs der Sharing Economy beleuchtet und zu Letzt wird auf die Motive und die Barrieren zur Nutzung von Sharing-Angeboten eingegangen.

Russel Belk, ein amerikanischer Wissenschaftler, beschreibt das Sharing im Zusammenhang mit der Sharing Economy als ein Prozess und eine veränderte Form, etwas zu distribuieren. Besitztümer können zum Zwecke anderer oder zum eigenen Zweck erhalten und genutzt werden. Durch das Sharing wird der Zusammenhalt in einer Gesellschaft gestärkt und es werden Ressourcen ein­gespart, als auchneue Synergien erschaffen (vgl. Belk, 2007, S.126f).

Es gibt bis heute keine einheitliche Definition der Sharing Economy, da die Prä­gung dieses Begriffes durch die mediale Berichterstattung erfolgte. Jedoch be­sagt der Großteil der existierenden Definitionen in der Kernaussage das Glei­che. Es zeigt sich, dass das Sharing im Mittelpunkt der Sharing Economy steht, dabei ist der gemeinschaftliche Konsum oder die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen der Hauptbestandteil auf welchen diese aufbaut. Das systema­tische Teilen und Mieten von immateriellen und materiellen Gegenständen über das Internet, wie bspw. Fähigkeiten oder Wohnraum, wird auch kollaborativer Konsum genannt (vgl. Botsman/Rogers, 2011, S. XV).

Das Sharing wird sowohl von Unternehmen, als auch von Privatpersonen ge­nutzt, dabei gehört das bereitgestellte Gut nur einer Person, welche die ande­ren Mitnutzer daran temporär partizipieren lässt und dies meist gegen ein Ent­gelt (vgl. Kreutzer/Land, 2015, S.59). Es zeigt sich somit, dass das ökonomi­sche Prinzip des Sharings die Gewinnmaximierung bei Unternehmen und die Verbesserung der Synergien bei privaten Haushalten ist, welche zu einer Nut­zenmaximierung bei diesen führt. Schlussfolgernd ist das Sharing in der Sha­ring Economy weitaus mehr, als das Teilen im herkömmlichen Sinne. So kön­nen vor allem mittelständige Unternehmen z.B. Maschinen „sharen“ und Haus­halte können ebenfalls Ressourcen dadurch sparen, dass sie sich ein Auto über einen Anbieter „sharen“, anstatt selber eins zu kaufen.

Der Professor Wolfgang Ullrich sieht in der Spaltung von Besitz und Konsum die Möglichkeit, dass der gesamtwirtschaftliche Konsum beschleunigt wird. Dies würde schlussfolgernd Wirtschaftswachstum bedeuten (Böll et al., 2014, S.62). Denn ein Carsharing-Nutzer hat die Möglichkeit, jeden Tag neue Automarken und Modelle auszuwählen. Dies veranschaulicht die enorme Angebotsvielfalt, welche in der Sharing Economy herrscht, von der der Nutzer in kurzer Zeit mehr konsumieren kann.

Wie erwähnt, wollen bzw. müssen Unternehmen in der Sharing Economy ge­winnmaximierend arbeiten, deshalb müssen die Unternehmen eine möglichst große Angebotsvielfalt erschaffen. Dies gelingt durch die Aktivierung von „totem Kapital“1 2, welches Sie in Sharing Angebote investieren können um Rendite zu erwirtschaften (vgl. Rifkin, 2014, S.131). Die Unternehmen bewegten sich bis dato nämlich in einem Markt, in dem Sie ausschließlich als Anbieter aktiv waren (Corporate Sharing). Nun geht es vermehrt auch in die Richtung eines Vermitt­lers, da Sie den Austausch privater Güter organisieren (Private Sharing) (vgl. Kindel et al., 2015, S. 55). Ein Beispiel für ein solches Unternehmen, welches als Vermittler auftritt, ist AirBnB.

2.2 Entwicklung und Einflussfaktoren der Sharing Economy

Der Begriff „Sharing Economy“ hat den Ursprung im Jahre 1984 und kam von dem Harvard-Ökonom Martin Weitzman. In seinem Buch „The Share Economy“ untersuchte er, wie Beteiligungsmodelle in Form von flexiblen Löhnen zu einer Erhöhung der Beschäftigung führen können. Die Quintessenz aus seiner Unter­suchung ist, dass das Teilen unter den Marktteilnehmern den Wettbewerb un­tereinander antreibt und dies im Umkehrschluss zu einer steigenden Produktivi­tät der Wirtschaft führt, was wiederrum in wirtschaftlichen Wohlstand resultiert (Weitzman, 1984, S. 146).

Nachdem der Begriff der Sharing Economy bis hierhin erläutert und definiert wurde, soll nun beleuchtete werden, welche Einflussfaktoren der Grund für die Bedeutungszunahme und Entwicklung der Sharing Economy heutzutage sind.

Zu allererst muss der technologische Wandel betrachtet werden. Durch die Zu­nahme der Digitalisierung in den letzten Jahren, fand ein immer größer werden­der Teil der Bevölkerung den Weg zur Internetnutzung. Digitale Medien, Platt­formen und Apps sind der Grundbaustein für das Aufkommen und die größer werdende Verbreitung von Sharing Economy-Angeboten (vgl. Botsman/Rogers, 2011, S.97). Die Idee des Teilens und das Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ ist dabei nicht neu. Schon vor Hunderten von Jahren wurden Bücher aus Biblio­theken ausgeliehen. Verbände und Genossenschaften teilen untereinander Werkzeuge, Maschinen und tragen die Kosten großer Investitionen gemeinsam. Nichtsdestotrotz gab es in den vergangenen Jahren einen Boom, der aus der Idee, eigene Waren oder Dienstleistungen zu teilen und zu vermieten, bestand und der an großer Bedeutung gewann (vgl. Demary, 2015a, S.95).

Es zeigt sich, dass das Prinzip des Teilens schon älter ist. Im Hinblick jedoch auf die heutige ökonomische Sicht der Sharing Economy sieht man, dass das Aufkommen von Unternehmen, welche nun als Vermittler auf dem Angebots­markt agieren, durch die Digitalisierung zugenommen hat, sogenannte Online­Vermittlungsplattformen. Zusätzlich bedingt durch die Digitalisierung reduzieren sich auch die Transaktionskosten für Kommunikation und Koordination, da viele Barrieren, die einem Tausch oder einer Leihe im Weg stehen, durch eine Onli­ne-Vermittlungsplattform zentral beseitigt werden können. In der realen Welt wäre es bspw. unvorstellbar, eine private Wohnung für einen Urlaub ohne gro­ße Anstrengungen zu mieten, da die Suchkosten um einen bereitwilligen Ver­mieter zu finden, als auch die Kommunikationskosten für die Kontaktaufnahme, enorm hoch wären (vgl. Haucap, 2015, S.91f).

Der soziale Wandel hat ebenso Auswirkungen auf die Entwicklung der Sharing Economy. Immer mehr Menschen wenden sich vom Erwerb von Eigentum ab, da sie eher zu einem temporären Zugang zu bestimmten Gebrauchsgütern ten­dieren. Der Vorteil darin liegt bei den entfallenden Investitions-, Lager- und Ab­schreibungskosten. Durch die mögliche Kostenersparnis hat die Sharing Eco­nomy besonders in urbanen Gebieten, welche Wohnungsknappheit und hohe Preise aufweisen, an Bedeutung gewonnen (vgl. Bardhi/Eckhard, 2012, S.881­898; John, 2013, S.113-131; Belk, 2013, S.477-500).

Abb. 1: Entwicklung der AirBnB-Inserate in deutschen Städten, nach Anzahl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statista, 2018

Die Autorin Nora Stampfl betitelt das Individuum, welches Teil der Sharing Eco­nomy ist, als „Homo Collaborans“3 (vgl. Stampf, 2015, S.16). Einer der Hauptei­genschaften ist, dass der Homo Collaborans den Zugang zu Gegenständen über den Besitz dieser stellt, da er nach dem optimalen Nutzen strebt. Darin bestätigt sich erneut das ökonomische Prinzip des Sharings aus Kapitel 2.1 äd. Insbesondere bei jüngeren Generationen sieht man, dass der Fokus auf imma­teriellen Werten, wie Erfahrung und Wissen, anstatt auf Sachgegenständen liegt (vgl. Kathan et al., 2016, S.665). Dies erkennt man bspw. am Alter, wel­ches ein jener zum Zeitpunkt des Erwerbs eines Neuwagens innehat. In Deutschland lag das Durchschnittsalter beim Erwerb im Jahr 2017 bei 52,8 Jah­ren, Tendenz steigend, da 2000 das Alter noch bei 48,1 Jahren lag (vgl. CAR - Center for Automotive Research, 2017). Und nur 27% der Käufer eines Neuwa­gens sind zwischen 21 und 34 Jahren, diese Altersgruppe gehört der Generati­on Y4 an. Stattdessen wird vermehrt auf Carsharing-Angebote zurückgegriffen, insbesondere in den jüngeren Generationen.

In der heutigen Gesellschaft wird vermehrt ein Fokus auf umwelt- und ressour­censchonende Verfahren gelegt. Demnach ist der soziale Wandel in der Ge­sellschaft auch stark mit Nachhaltigkeit und dem ökologischen Einklang mit der Natur verbunden. Darin lässt sich allerdings auch die Sharing Economy wieder­finden. In einer Umfrage von der Verbraucherzentrale Bundesverband, gaben 44%5 der Befragten an, Sharing-Angebote zu nutzen, da dies die Umwelt schont (vgl. Verbraucherzentrale, 2015).

Dies trifft auch wirklich zu, da durch das Nutzen von Sharing-Angeboten der Produktlebenszyklus verlängert werden kann, oder aber ein Gegenstand in der angedachten Zeit häufiger benutzt wird.

Abb. 2: Sharing als verlängerte und Sharing als intensive Nutzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Scholl, 2019, S.9

Um eine verlängerte Nutzung zu erreichen, kann das Gut entweder verschenkt, getauscht oder weiterverkauft werden. Wenn das Sharing intensiv genutzt wer­den soll, dann muss der Gegenstand verliehen, vermietet oder simultan genutzt werden.

Zudem zeigt sich beim Carsharing, dass Emissionen eingespart werden kön­nen. Südkoreanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass in einer Stadt mit 1 1/2 Millionen Einwohner6, der CO2-Ausstoß von PKWs bis 2020 um 13,37% gesenkt werden kann, wenn allein nur jeder fünfte Autofahrer in der Stadt Carsharing benutzen würde (vgl. Lee et al., 2014, S.2326f). Nichtsdestot­rotz muss das Konsumverhalten eines jeden Einzelnen stimmen, damit die Sha­ring Economy nachhaltig ist.

Als letzter und vierter Faktor wird der ökonomische Vorteil der Sharing Econo­my beleuchtet. Zum einen wird von den Individuen erkannt, dass sie freie Ka­pazitäten und Gegenstände über Sharing-Plattformen monetarisieren können. Die Autorin Rachel Botsman verwendet zur Veranschaulichung das Beispiel einer Bohrmaschine, welche nur zwischen 6 bis 13-mal pro Jahr eingesetzt wird (vgl. Botsman, 2012, S.677-686). Hieran lassen sich die Kosten-Nutzen­Relationen, die die Individuen dazu bewegen, Sharing-Angebote zu nutzen, erkennen. Im Hinblick auf die aktuelle ökonomische Lage, in der die Löhne nicht der Inflation angepasst werden, Lebenserhaltungskosten steigen und unsichere Arbeitsverhältnissen existieren, fürchten sich viele davor, große Investitionen zu tätigen. Dies zeigt sich an der Entwicklung der Nebenkosten und dem Kaufpreis eines Autos, welche im Vergleich zum Jahr 2000 insgesamt um 36% zunahmen (vgl. statistisches Bundesamt, 2018a). Die Sharing Economy bietet hierbei die Möglichkeit, dass alle anfallenden Kosten, wie bspw. Steuern, Versicherungs­prämien oder Reparaturen, auf das Kollektiv verteilt werden können. Somit trägt ein Einzelner nicht das volle finanzielle Risiko für das Fahrzeug und wird entlas­tet. Das gleiche theoretische Beispiel ist anwendbar auf eine Wohnung, die über eine Sharing-Plattform vermietet wird. Kosten für die Versicherung, In­standhaltung und Nebenkosten können auf ein Kollektiv verteilt werden. Zu­sammenfassend zeigt sich im ökonomischen Bereich der Sharing Economy, dass Risiken für Nutzer minimiert werden können und ein zusätzliches Ein­kommen generiert werden kann (vgl. Voeth/Pölzl/Kienzler, 2015, S.473).

2.3 Ausprägungen der Sharing Economy

2.3.1 Transaktionsmodelle der Sharing Economy

Waren und Güter können in drei verschiedenen Formen geteilt werden. In der Regel wird zwischen dem P2P- und B2C-Bereich, also Private- und Corporate Sharing, und dem Social Sharing unterschieden.

Das Peer-to-Peer Modell, kurz P2P Modell, beschreibt das Teilen unter „Gleichgesinnten“, sogenannten Peers, welche Privatpersonen sind (Private Sharing). Dabei gibt es immer einen Anbieter (Peer-Provider) und einen Nach­frager (Peer-Consumer), welche sich auf einem virtuellen Markt (Online­Plattform oder App) treffen. Die Online-Plattform, welche von einem Unterneh­men betrieben wird, koordiniert die Anbieter-Nachfrager-Aktivität und tritt als Intermediär zwischen beiden Parteien auf, um die Grundlage für die erfolgrei­che Abwicklung der Transaktion zu schaffen (vgl. Demary, 2015b, S.5).

Abb. 3: Struktur eines Peer-to-Peer Modells

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Demary, 2015b, S.5

Dieses Modell weißt niedrige Transaktionskosten und hohe Skalenerträge auf. Was für die Unternehmen, die die Online-Vermittlungsplattformen betreiben von Vorteil ist. Denn auch die variablen Kosten sind minimal, da i.d.R. nur eine grö­ßere Investition für die Erstellung einer App oder einer Website gezahlt werden muss, somit ist dies ein sehr lukratives Modell für Unternehmen. Üblicherweise bezieht das Unternehmen ihre Gewinne durch eine Abgabe der Erträge, welche der Peer-Provider vom Peer-Consumer, durch das Ausleihen erhalten hat.

Das Business-to-Consumer Modell (B2C) wird von größeren Unternehmen ge­nutzt, welche Anbieter und Vermittler gleichzeitig sind, um ihren Geschäftsbe­reich zu vergrößern und neue Kunden zu gewinnen (Corporate Sharing). Wie in Kapitel 2.1 bereits beschrieben, kann durch den Einstieg in die Sharing Eco­nomy totes Kapital wieder rentabel gemacht werden. Die Instandsetzung des Produkts, als auch das Produkt als solches, bleibt in den Händen des Unter­nehmens. Der Nutzer eines B2C Modells erwirbt nur die temporäre Nutzung an dem Produkt, da es ihm als Dienstleistung zu Verfügung gestellt wird. Am meis­ten verbreitet ist dieses Transaktionsmodell bei Carsharing-Diensten, welche bspw. Car2Go (Daimler) oder DriveNow (BMW) sind (vgl. Demary, 2015b, S.6).

Abb. 4: Struktur eines Business-to-Consumer Modells

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Demary, 2015b, S.6

Auf das Transaktionsmodell Business-to-Business Modell (B2B Modell7 ) wird nicht weiter eingegangen, da es genau so funktioniert, wie das P2P Modell.

Zuletzt wird das Social Sharing näher betrachtet. Sowohl im P2P-Bereich, als auch im B2P-Bereich, kann die Teilhabe an der Sharing Economy monetär oder non-monetär motiviert sein. Im Falle von non-monetären Teilen wird von Social Sharing gesprochen. Es ist ein ideeller Gedanke, bei dem freie Ressourcen, ohne Profit zu erstreben, anderen zur Verfügung gestellt werden (vgl. Kindel et al., 2015, S. 58). Beispiele hierfür sind Couchsurfing oder Foodsharing. Couchsurfing ermöglicht das kostenlose Übernachten während einer Reise und bringt einem die Kultur und Menschen näher. Bei Foodsharing können Privat­personen als auch Unternehmen, Lebensmittel für Andere kostenfrei zur Verfü­gung stellen.

2.3.2 Segmente der Sharing Economy

Bei der Betrachtung der auf dem Markt existierenden Sharing-Angebote geht hervor, dass sich die Ökonomie des Teilens in gewissen Geschäftsbereichen und Branchen stark etabliert hat. Die Sharing-Plattform AirBnB ist das wohl meist bekannteste Unternehmen für die Vermittlung von Unterkünften und wird derzeit mit einem Börsenwert von 31 Mrd. US-Dollar bewertet. Bei der Betrach­tung des Bereichs Transport lässt sich ebenfalls feststellen, dass das Unter­nehmen mit dem größten Wert in diesem Segment, Teil der Sharing Economy ist. Uber ist ein P2P Modell, bei dem private Fahrer mit den nachfragenden Peers verbunden werden. Uber hat einen Wert von 72 Mrd. US-Dollar und ist somit wertvoller als Mercedes oder VW (vgl. Kleiner Perkins Caufield & Byers, 2018).

In der folgenden Tabelle lässt sich eine unvollständige Aufzählung der Hauptbe­reiche der Sharing Economy nach Transport, Unterkunft, Güter, Dienstleistun­gen, Finanzen als auch Medien/Unterhaltung finden. In Folge dessen werden die einzelnen Hauptbereiche kurz erläutert.

Tab. 1: Hauptbereiche der Sharing Economy

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Deloitte, 2015, S.7; PricewaterhouseCoopers, 2015

Der Handel im Bereich der Güter findet meist durch das Peer-to-Peer Transak­tionsmodell statt. Meistens wird auf den Plattformen mit Kleidung gehandelt. Als Beispiel dafür wird Kleiderkreisel aufgeführt. Dort treffen Peer-Provider und Peer-Consumer aufeinander um Kleidung zu kaufen, tauschen oder zu ver­schenken. Die bisherige Reichweite und Akzeptanz solcher Sharing-Angebote wird anhand der Mitgliederzahlen von Kleiderkreisel deutlich, welche laut eige­nen Angaben bei über 21 Millionen liegen soll (vgl. Kleiderkreisel, 2019). Das Potenzial, was sich dahinter verbirgt, ist immens, da zu beachten ist, dass Klei­derkreisel kein Unternehmen ist, welches schon seit mehreren Jahrzehnten be­steht, sondern erst 2008 gegründet wurde.

Dienstleistungen sind ein weiterer Hauptbereich der Sharing Economy. Die Un­ternehmen vermitteln die Arbeitskräfte und erhalten im Gegenzug dafür einen im Vorhinein festgelegten prozentualen Anteil vom Einkommen. Die Nachfrager profitieren hierbei von einer schnellen Vermittlung, d.h. niedrige Suchkosten und einer hohen Flexibilität in der Termingestaltung. Diejenigen, die ihre Ar­beitskraft anbieten, sind i.d.R. selbstständig. Jedoch stellen viele Unternehmen, wie bspw. die Firma Helpling, die sich um die Vermittlung von Reinigungskräf­ten kümmert, Haftpflicht- und Unfallversicherungen für die Arbeitskräfte kosten­los zur Verfügung (vgl. Eichhorst/Spermann, 2015, S.13-16). Da die Anbieter der Dienstleistung selbstständig sind, ist das Unternehmen kein Arbeitgeber und muss somit auch keine Lohnnebenkosten, wie bspw. Sozialversicherungs­beiträge, zahlen. Dies erhöht den Profit.

Der Sektor Finanzen hat ebenfalls in der Sharing Economy fußgefasst. Es wur­de eine Vielzahl von Unternehmen gegründet, wobei Kickstarter und Auxmoney die wohl bekanntesten Beispiele sind. Kickstarter ist eine sogenannte Crowd­funding-Website, auf der Projekte und Ideen präsentiert werden, welche von Unterstützern finanziert werden können. Seit dem Jahr, in der die Plattform er­öffnet wurde, 2009, wurden bisher ca. 4,1 Mrd. US-Dollar von „Supportern“ in Projekte investiert (vgl. Kickstarter, 2019). Kickstarter vermittelt einen Teil der Philosophie der Sharing Economy, nämlich das „Sharing“ untereinander, um jemanden zu fördern und um persönlichen Kontakte zu knüpfen. Nichtsdestot­rotz ist auch Kickstarter ein profitorientiertes Unternehmen und die Peer­Provider möchten in erster Linie ebenfalls eine gute Investition tätigen. Kickstar­ter behält einen gewissen Teil des Geldes, welches „geshared“ wird, als Provi­sion ein (vgl. Poponi et al., 2019, S. 179f.). Auxmoney funktioniert nach dem gleichen Prinzip; Supporter können Geld für jemanden bereitstellen. Jedoch nicht als Investition für ein Projekt oder eine Idee, sondern als privaten Kredit für bspw. Möbel oder eine Wohnung. Die Geldgeber können einen gewissen Zins und die Laufzeit festlegen, woraus sich dementsprechend die Rendite ergibt.

In der Medien- und Unterhaltungsbranche haben B2C Transaktionsmodelle, wie bspw. Netflix oder Spotify, den Markt grundliegend verändert. Jüngere Genera­tionen möchten ein möglichst breites Medienangebot nutzen und das möglichst Ort und Zeit unabhängig.

Einer der bekanntesten Segmente ist der Transport. Der Ideenreichtum und die Suche nach der effizientesten Mobilitätslösung haben dazu beigetragen, dass in den vergangenen Jahren viele unterschiedliche Modelle entwickelt wurden. Zum einen gibt es Uber, welches wie eingangs schon erwähnt, ein P2P Modell ist, und Taxis in ihrer Form vom Markt verdrängt. Des Weiteren wurde das Un­ternehmen BlaBlaCar gegründet, welches eine neumodische Mitfahrzentrale ist und ebenfalls nach dem P2P Modell funktioniert. BlaBlaCar ist vor allem sehr Umwelt und Ressourcen schonend, da Strecken gemeinsam gefahren werden können, anstatt dass jede Person einzeln fährt. Zusätzlich gibt es noch B2C Modelle wie DriveNow und Car2Go. Sie sind sogenannte Free-Floating­Modelle, welche sehr flexibel sind, da das Fahrzeug immer dort abgeholt wird, wo der vorherige Kunde es abgestellt hat. Insbesondere in Ballungszentren hat das den Vorteil, dass die Fahrzeuge schnell zu erreichen und zu nutzen sind.

Das Letzte und bekannteste Segment der Hauptbereiche der Sharing Economy ist der Bereich der Unterkünfte. Es gibt mehrere Unternehmen, die sich auf die­sen Bereich spezialisiert haben. Das bekannteste Unternehmen ist jedoch Air­BnB. Auf die Entwicklung und die Auswirkungen von AirBnB und dem Segment Unterkünfte wird in Kapitel 3 näher eingegangen.

2.3.3 Motive und Barrieren der Sharing-Angebote

Im Folgenden sollen die unterschiedlichen Beweggründe und Störfaktoren für die Teilnahme an der Sharing Economy aufgezeigt werden. Vorab muss gesagt werden, dass die Motive um die eigenen Ressourcen mit einer fremden Person zu teilen unterschiedliche Gründe haben kann (vgl. Kindel et al., 2015, S.59). Demnach ist eine vollständige Auflistung jeglicher Motive und Barrieren nicht erreichbar, deswegen werden nun die relevantesten Punkte erläutert.

Das Teilen gilt als elementarste Form des wirtschaftlichen Handelns. Die Ge­genseitigkeit („Reziprozität“) beim Teilen und die damit einhergehende Erwar­tung auch von anderen Gütern zu profitieren ist einer der wichtigen Gründe. Es zeigt sich, dass der gewonnene Nutzen aus dem Geben und Nehmen als Moti- sozialen Status des Eigentümers, als auch den Zusammenhalt in der Gemein­schaft (vgl. Belk, 2007, S. 128). Am Beispiel AirBnB lässt sich dies gut verdeut­lichen. Insofern eine Person sich keine eigene Ferienwohnung leisten kann, kann sie durch Sharing-Modelle dennoch eine Ferienwohnung nutzen. Denn Im Gegensatz zum Kauf, was eine hohe Bindung von Kapital bedeutet, wird nur die Wohnung temporär genutzt und man ist somit auch flexibler. Mit Eigentum geht immer noch Verantwortung und zusätzliche finanzielle Belastung mit einher. Wenn man den Sachverhalt also ökonomisch Betrachtet stellt sich die Frage nach dem Nutzen: Warum eine Ferienwohnung kaufen, wenn man nicht das ganze Jahr vor Ort sein kann? Dies versinnbildlicht die Ansichtsweise der klas­sischen Ökonomie. Zudem ist in der Sharing Economy alles jederzeit verfügbar, da die Vermittlung online verläuft und man an keine Zeiten oder Orte gebunden ist.

Ein weiteres Motiv ist, dass der Nutzer durch sein aktives Mitmischen in der Sharing-Community, den Markt selber bestimmt, indem er bspw. das anbietet was gerade fehlt. Auch können neue Märkte von der Sharing Economy er­schlossen werden, nämlich durch das besetzen von Nischen in der Wirtschaft (vgl. Sikorska/Grizelj, 2015, S. 510f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Motive zur Nutzung von Sharing-Angeboten

Quelle: Eigene Darstellung

Nachdem die Motive für die Nutzung von Sharing-Angeboten aufgezählt wur­den, werden nun mögliche Barrieren betrachtet. Zum einen gilt es, die begrenz­te Verfügbarkeit von Gütern zu betrachten. In der Sharing Economy wird eine limitierte Anzahl von Gütern einer großen Masse zugänglich gemacht. Dies kann dazu führen, dass ein Nachfrageüberhang besteht und Konsumenten un­zufrieden sind. Auch Misstrauen gegenüber anderen kann eine Barriere darstel­len. Nicht jeder ist bereit, fremde Ware zu nutzen oder gar seine eigenen Ge­genstände dem kollaborativen Konsum zugänglich zu machen (vgl. Sikors- ka/Grizelj, 2015, S. 511.).

Da die Sharing Economy erst wenige Jahre alt ist, gibt es bis dato nur wenige rechtliche Rahmenbedingungen und Regulierungen. Das schreckt manche Per­sonen ab, Sharing-Angebote zu nutzen, da sie diese als zu unsicher und zu risikoreich erachten. Durch die beinahe ausschließlich online ablaufenden Pro­zesse gibt es ebenfalls Sorge um den richtigen Umgang mit persönlichen und sensiblen Daten. Einige Vermittlungsplattformen weisen ein unvorsichtiges und indiskretes Verhalten mit Kundendaten auf. Diese und andere Nachteile sind das Resultat aus fehlenden juristischen und ökonomischen Regulierungen (vgl. ebenda).

3 AirBnB im Wohnungsmarkt

3.1 AirBnB

3.1.1 Entwicklung von AirBnB

AirBnB wurde im Jahr 2008 in den USA im Silicon Valley gegründet und ist, wie eingangs erwähnt, eine P2P-Vermittlungsplattform, die weltweit das Anbieten und Buchen privater Unterkünfte ermöglicht. Elf Jahre nach der Gründung be­sitzt AirBnB einen Börsenwert von 31 Mrd. US-Dollar und ist einer der wertvolls­ten Start-Ups der Welt (vgl. Kleiner Perkins Caufield & Byers, 2018). Der Unter­nehmensname ist eine Verschmelzung aus den englischen Begriffen „air mattress“ und der Abkürzung „BnB“, welche für „bed and breakfast“ steht.

Das Unternehmen startet mit der Vermittlung von Schlafmöglichkeiten, in Form von Couches oder Luftmatratzen, in fremden Wohnungen von Privatpersonen während Großereignissen, wie bspw. Festivals oder Messen. Die Vermittlung erfolgte über eine Website, die von AirBnB in Betrieb genommen wurde (vgl. Schallmo et al., 2017, S.200).

Die Weiterentwicklung und Kommerzialisierung der Dienstleistung entstand durch finanzielle Engpässe bei den Unternehmensgründern, da die Mieten in deren Heimatstadt San Francisco erhöht wurden. Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, wurde Wohnraum an Touristen und Urlauber vermietet. Der Vor­teil für die Touristen bestand darin, dass sie eine Kostenersparnis aufgrund der eingesparten Hotelkosten hatten. Zusätzlich bereicherte die Anwesenheit der Touristen die Unternehmensgründer auf einer sozialen Ebene, nämlich durch ein gemeinschaftliches positives Gefühl. Durch die gute Erfahrung auf Nachfra­ger- und Angebotsseite bestand der Anreiz darin, eine Plattform zu entwickeln, die von beiden Seiten gerne genutzt wird (vgl. Eichhorst/Spermann, 2015, S.12f.).

Daraufhin stiegen die Mitgliederzahlen und die Nachfrage nach Wohnungen rasant an. AirBnB expandierte daraufhin weltweit. In Deutschland befanden sich 2018 ca. 150.000 Unterkünfte auf dem Markt. Im Vergleich: 2015 waren es „nur“ 38.000 Unterkünfte. Das bedeutet eine Steigerung von fast 400% in drei Jahren. Daran lässt sich erkennen, wie groß AirBnB ist und wie stark es noch wachsen kann (vgl. AirBnB, 2018).

3.1.2 Unternehmensanalyse

Die Unternehmensstruktur von AirBnB wird anhand der Methode des Business Model Canvas analysiert. Dieses Modell wurde 2004 von dem schweizer Wirt­schaftswissenschaftler Alexander Osterwalder entwickelt. Es beleuchtet neun Schlüsselfaktoren, sogenannte „Business Model Building Blocks“, in den vier bedeutendsten Gebieten eines Unternehmens: Kunden, Angebote, Infrastruktur und Finanzstrategie. Die neun Faktoren sind Kundensegmente, Werteangebot, Kanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Schlüs­selaktivitäten, Schlüsselpartnerschaften und Kostenstruktur. Die neun Schlüs­selfaktoren bauen aufeinander auf, wie in der folgenden Tabelle zu sehen ist. Das Fundament wird dabei von der Kostenstruktur und den Einnahmequellen gelegt (vgl. Osterwalder/Pigneur, 2010, S. 16-19.).

Tab. 2: Aufbau des Business Model Canvas‘

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Strategyzer, 2019

1. Kundensegmente:

Online-Plattformen ermöglichen die Interaktion zwischen zwei oder mehreren Parteien. Im Fall von AirBnB ist das zum einen der Gastgeber und zum anderen der Reisende. Die beiden Nutzergruppen bewegen sich als Nachfrager und An­bieter in einem Peer-to-Peer Transaktionsmodell. AirBnB verbindet somit die beiden unterschiedlichen Nutzgruppen miteinander, da sie voneinander abhän­gig sind. Denn ohne die eine Gruppe der Anbieter kann die Gruppe der Nach­frager nicht existieren. Danach richtet sich der Nutzwert der Vermittlungsplatt­form (vgl. Osterwalder/Pigneur, 2010, S.82f.).

Nachfrager haben die Absicht, mit möglichst geringem finanziellem Aufwand die Wohnung mit dem bestmöglichsten Komfort anzumieten. Bezahlt wird über die Plattform. Das Bezahlsystem ist verbraucherfreundlich und kann somit Barrie­ren, welche der Nutzung von AirBnB im Wege stehen, beseitigen. Denn AirBnB verwaltet das Geld und überweist es dem Anbieter der Wohnung 24 Stunden nach Eintreffen der temporären Mieter auf das Konto. Um Kunden zu generie­ren, wird ein Inserat mit Bildern und einer Beschreibung erstellt.

2. Werteangebot:

Das Werteangebot für Gast und Gastgeber wurde von AirBnB stetig erweitert. Dem Reisenden wird durch die Nutzung von AirBnB eine große Breite an diver­sen Unterkünften zur Verfügung gestellt, welche sich durch ihre Individualität von standardisierten Hotels unterscheiden (vgl. Schallmo et al., 2017, S. 200). Zusätzlich werden die Transaktionskosten für die Suche nach einer Unterkunft reduziert, da die Vermittlungsplattform als Verbindungsglied zwischen Anbieter und Nachfrager fungiert (vgl. Brühn et al., 2014, S.5). Somit wird die Übernach­tungsmöglichkeit zu einem besonderen Erlebnis. Für Geschäftsreisende gibt es die Möglichkeit, eine Vielzahl von Abrechnungsmethoden zu wählen und Grup­penreisen zu buchen.

Auf der Seite des Gastgebers besteht das Werteangebot darin, dass er ohne finanziellen Mehraufwand ein Inserat schalten kann und somit eine zusätzliche Einkommensquelle generiert (vgl. Schallmo et al., 2017, S.200). Des Weiteren stellt AirBnB den Gastgebern professionelle Fotografen zur Verfügung, um die Inserate bestmöglich den Suchenden zu präsentieren. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den Buchungsvorgang durch eine Sofortbuchungsfunktion zu au­tomatisieren. Dies spart dem Gastgeber Zeit. Auch wird sich um mögliche Schäden am Inventar des Gastgebers gekümmert, die Versicherungssumme beträgt dabei bis 800.000 Euro (vgl. AirBnB, 2019a).

3. Kanäle:

Um das Werteangebot zu vermitteln, wird primär die eigene Website und die App von AirBnB genutzt. Zusätzlich wird Werbung in Form von sogenannten „Ads“8 geschaltet. Teilweise wird die Werbung, in Form von Mund-zu-Mund Propaganda, auf die Mitglieder übertragen, sodass diese durch positive Erfah­rungen anderen von AirBnB erzählen (vgl. Schallmo et al., 2017, S.202).

[...]


1 Totes Kapital ist die Bezeichnung für Geld, das unproduktiv ist, weil es nicht investiert wird.

2 Totes Kapital ist die Bezeichnung für Geld, das unproduktiv ist, weil es nicht investiert wird.

3 Der teilende Konsument

4 Geburtsjahre zwischen 1985 bis 1999

5 15% der Befragten beantworteten die Frage mit „Trifft sehr zu“ und 29% mit „Trifft zu“

6 Die Studie bezog sich auf die südkoreanische Stadt Daejeon, welche eine Bevölkerung von 1,5 Millionen Einwohnern aufweist.

7 Unternehmen bieten und fragen z.B. Maschinen, Waren, Stauraum oder immaterielle Güter, wie Wissen, an. Dadurch können die Unternehmen unrentablen Investitionen vorbeugen, da die Ressourcen besser genutzt werden können.

8 „Ads” zu Deutsch: Anzeigen, die meist auf Firmen fremden Internetseiten oder Suchmaschi­nen gezeigt werden

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Sharing Economy. Der Einfluss von Peer-to-Peer Geschäftsmodellen auf den Wohnungsmarkt von Metropolen
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim
Jahr
2019
Seiten
87
Katalognummer
V520617
ISBN (eBook)
9783346152831
ISBN (Buch)
9783346152848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
economy, einfluss, geschäftsmodellen, metropolen, peer-to-peer, sharing, wohnungsmarkt
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Sharing Economy. Der Einfluss von Peer-to-Peer Geschäftsmodellen auf den Wohnungsmarkt von Metropolen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520617

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