Die Mona Lisa in Hinsicht auf die sozialen Medien


Hausarbeit, 2019

22 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Original
2.1. Leonardo da Vincis Mona Lisa
2.2. Kunsthistorischer Ruckblick zur Mona Lisa
2.3. Die Mona Lisa im Pariser Louvre
2.4. Reproduktionen und Kopien der Mona Lisa
2.5. Neues zur Mona Lisa

3. Die Zitation der Mona Lisa
3.1. Das Bildzitat
3.1.1. Arthur Sapeck: La Joconde fumant la pipe
3.1.2. Marcel Duchamp: L.H.O.O.Q
3.1.3. Philippe Halsman: Dali as Joconde
3.1.4. Andy Warhol: Fifty Are Better Than One
3.1.5. Klaus Staeck: Niemand ist vollkommen
3.2. Die Mona Lisa als Internet-Meme

4. Zusammenfassung und Ausblick
4.1. Das Mona-Lisa-Motiv

Anhang

Abbildungen

Literatur

Abbildungsnachweise

Humboldt Universitat zu Berlin, Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultat, Institut fur Kunst- und Bildgeschichte, Wintersemester 2018/19, Uberarbeitete Hausarbeit: Abgabe: 29.11.2019.

Die Mona Lisa in Hinsicht auf die sozialen Medien

Vom Original zum Internet-Mem

Die Mona Lisa in Hinsicht auf die sozialen Medien

Vom Original zum Internet-Mem

1. Einleitung

Die Mona Lisa ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt, zu ihrer Bilderwelt gehoren aber auch ahnliche Portraitdarstellungen, ihre Kopien, Karikaturen und Bildzitate, die teilweise dadurch bekannt geworden sind, dass sie die Mona Lisa verfremdet darstellen. Im Internet lassen sich auf sozialen Plattformen wie Pinterest unzahlige neue Bilder der Mona Lisa aufrufen und speichern, die sich auf irgendeine Art vom Original absetzen oder mit ihm vergleichen. Social-Media bedeutet nicht, dass wir Kunstwerke, wie die Mona Lisa, im Internet einfach abrufen, sondern, dass wir sie immer besser erleben und verstehen. In Hinsicht auf die sozialen Medien steht die Mona Lisa archetypisch fur ein Phanomen der Prasentierbarkeit von Kunst in unserer Zeit. Zum einen nutzen Kunstler, Kuratoren, Journalisten, Kunstwissenschaftler und Museumsbesucher gemeinsam das Internet, zum anderen gehort zur Kunstwelt heute auch dazu mit ihr und uber sie zu kommentieren.

Weil die Mona Lisa stellvertretend fur andere bekannte Kunstwerke in den sozialen Medien oft zitiert wird, stellt sich immer wieder die Frage, wer die Mona Lisa war und wer sie, in Bezug auf formale Merkmale ihrer Popularitat, historisch wurde. Zum Beginn dieser Arbeit werde ich deshalb die wesentlichen Merkmale ihres Originals und seiner kunsthistorischen Einordnung darstellen, bevor es um sie als Ausstellungsobjekt im Louvre, um sie als Kopie oder Reproduktion und um einige Beispiele ihrer Verfremdung in der Moderne oder als Art-Mem gehen soll. Im Schlussteil widme ich mich der Frage, was sich von ihrem Motiv formal uber die sozialen Medien ableiten lasst.

2. Das Original

2.1. Leonardo da Vinci's Mona Lisa

Das Gemalde mit dem Namen "Mona Lisa" [Abb. 1] ziert der Oberkorper einer jungen Frau, Mitte zwanzig, in einem holzernen Lehnstuhl sitzend vor einer Brustung, hinter der eine weite Fluss- und Berglandschaft unter blauem Himmel erscheint. Ihr fast marienhaft geformtes Gesicht, mit einer breiteren Stirn, ist von gewelltem, kastanienfarbigem Haar umgeben, dessen glatter Scheitel von einem hauchdunnen Schleier benetzt ist, der den glucklichen Verlauf einer Schwangerschaft versinnbildlicht. Die Mona Lisa ist in ein schweres, blaulich schimmerndes Samtkleid mit roten Seidenarmeln gehullt, dass mit einem durchscheinenden Umhang versehen ist, Gesicht, Hals und Hande liegen frei, sie tragt keinen Schmuck oder Accessoires und lachelt dem Betrachter halb zugewandt entgegen. Das Inkarnat ihrer Haut ist der Realitat stark nachempfunden, augenscheinlich ist jedoch, dass der Kunstler der Frau mit der Sfumato- Technik eine eigentumliche Dunkelheit verlieh, die sie prachtvoll, aber naturlich erscheinen lasst.

Eine Gruppe Musikanten habe Lisa wahrend der Arbeit an dem Portrait ihr Lacheln verliehen, wodurch sich ihre Gesichtszuge vom melancholischen und gelangweilten Ausdruck zeitgenossischer Auftragsarbeiten unterscheiden. Raffaels (1483-1520) Portrait der Maddalena Doni [Abb. 2] beispielsweise, das zwischen 1504 und 1506 ebenfalls in Florenz entstand, soll formal der Mona Lisa nachempfunden sein, es zeigt Maddalena aber mit strengen Gesichtszugen, mit Perlenkette und Ringen geschmuckt. Maddalena's Abbild zeugt nicht von der ur-naturlichen Eigentumlichkeit und der Mutterlichkeit der Mona Lisa, sondern zeigt Maddalena in burgerlichem Stande. Eingereiht in die florentinischen Frauenportraits ist die Mona Lisa fur die Renaissance unublich ohne Symbole oder Attribute dargestellt.

Das Bild muss dem Betrachter altmodisch vorgekommen sein, denn das auf der Brustung angedeutete Saulenwerk, die Tiefe der Landschaft und Lisas Handefalten sind Elemente flamischer Malerei, die in Florenz nur bis Ende des zweiten Drittels des Quattrocento in Mode waren.1

2.2. Kunsthistorischer Riickblick zur Mona Lisa

Nach Giorgio Vasari (1511-1574), dem ersten neuzeitlichen Kunstbiographen, ist die Mona Lisa das Portrait von Lisa del Giocondo, der Frau des florentinischen Kaufmanns und Seidenhandlers Francesco del Giocondo, dass zwischen 1503 und 1506 aus der Hand Leonardo da Vincis (1452-1519) entstanden sein soll. [Abweichende Forschungen besagen, dass es zwischen 1502 und 1503 entstand.] Das Bild der Mona Lisa selbst ist nicht signiert oder datiert und hat somit keinen eigenen Namen. “Mona” ist eine Kurzform fur “Monna”, einer Abkurzung des italienischen Wortes “Madonna”, das Frau bedeutet. Der italienische Titel des Bildes lautet La Gioconda und bedeutet, vielleicht auf ihr Lacheln hinweisend, die Heitere. Im Louvre wird das Bild unter dem Namen La Joconde ausgestellt.

Frank Zollner berichtet in seinem Buch uber das Portrait2, dass sich nach dem Raub der Mona­Lisa 1911 und ihrem Wiederauftauchen in Florenz 1913, der damalige Direktor der Uffizien, Giovanni Poggi, in das Florentiner Staatsarchiv begeben hat und herausfand, dass Lisa die dritte Frau des neunzehn Jahre alteren Francesco, der 1460 geboren wurde, war. Lisa wurde am 5. Marz 1495 mit ihm vermahlt, sie erhielt nur eine geringwertige Brautausstattung von 170 Goldfloren, dazu wurde Francesco ein Landgut in Poggio uberschrieben. Die Bescheidenheit ihrer Mitgift lasst vermuten, dass die Ehe zu Lisa aus Zuneigung geschlossen wurde und dass dies "ein ausschlaggebender Faktor fur die Bestellung des Portraits war"3. Nach einem Fund von Dr. Armin Schlechter 20054, wurde auf einem Heidelberger Fruhdruck vom florentinische Kanzleibeamten Agostino Vespucci vermerkt, Leonardo arbeite gerade an einem Portrait der Lisa del Giocondo. Davor war die Herkunft der Mona Lisa umstritten, die bekanntesten Theorien sind, bei der Mona Lisa handle es sich um das Portrait von Pacifica Brandani, Caterina Sforza, Isabella d' Este oder dem Model und Maler Gian Giacomo de Caprotti, den Leonardo adoptiert hatte und der zwanzig Jahre mit ihm zusammenlebte.

Joachim Schuhmacher kritisierte in seinem Buch uber Leonardo da Vinci5 ebenfalls, dass sich viele Kunstwissenschaftler mit der Auskunft Vasaris uber die Herkunft des Portraits zufriedengeben und behauptet, die Mona Lisa war die Geliebte des Giuliano de Medici, der spater Kirchenbeamter in Rom wurde. Nach einer Notiz Leonardos bestellte einmal ein Liebhaber das Portrait seiner Geliebten, um sich im Geheimen mit ihr vereinigen zu konnen, nachdem er seine Leidenschaft uberwand, trennte er sich wieder von dem Bild, so kam es, dass das Portrait wahrscheinlich direkt aus Leonardos Handen an Konig Franz I. uberging.

2.3. Die Mona Lisa im Pariser Louvre

Vasari hat das Portrait der Mona Lisa vielleicht nie selbst gesehen, dass sich seinerzeit in der Kunstsammlung Franz I. in Fontainebleau befand. Da Vinci verkaufte das Bild kurz vor seinem Tod an den Konig, von ihm aus gelangte es nach Versailles, an den Hof Ludwig des XIV. und von dort in den Louvre. Als Napoleon das Bild sah, gefiel es ihm so gut, dass er es in seinem Schlafzimmer aufhangte. Nach seiner Vertreibung kam es in den Louvre zuruck. Der Standort der Mona Lisa, die sich seit 1797 im Besitz des Pariser Museums befindet, war immer wieder ein Medienspektakel.

Am 22. August 1911 berichteten die Extrablatter der Pariser Zeitungen vom Verschwinden der Mona Lisa. In jener Zeit waren die wichtigsten Orte im Louvre nur durch Telefon miteinander verbunden, es gab nicht genug Wachpersonal und die Bilder waren nicht an der Wand befestigt, es wird klar, dass die Chancen fur einen Raub im Louvre einfach zu gunstig standen. Ein Foto zeigt den Ort in der Galerie an dem die Mona Lisa hing ohne das Bild [Abb. 3]. An die Stelle im Salon Carre, wo sich die Gioconda befand, wurde vorubergehend Raffaels Bildnis des Castiglione gehangt, im Marz erwarb das Museum das von Camille Corots (1796-1875) stammende Portrait Frau mit einer Perle, mit einer ahnlichen Komposition wie die der Mona Lisa und hangte es an ihren Platz.

Der Tater hat die Mona Lisa erst am zweiten Dezember 1913 dem angesehenen Kunsthandler Alfredo Geri in einem Brief zum Verkauf angeboten. Geri nahm es am elften Dezember in Florenz, zusammen mit Giovanni Poggi, an sich und informierte die Polizei. Die Mona Lisa wurde vorrubergehend in den Uffizien ausgestellt, bis sie nach weiteren Ausstellungen in Rom und Mailand an Silvester nach Paris zuruckkehrte. Besucherschlangen drangten sich vor dem Florentiner Museum, ein Foto zeigt den Saal, in dem die Mona Lisa auf dem roten Samtstoff drapiert stand, in den es der Dieb, Vincenzo Perugia, eingewickelt an Geri und Poggi ubergab. Schwere Banke und vier Wachter sollten den Besucherstrom davon abhalten das Bild zu beschadigen,6 [Abb. 4] Zustande, die heute undenkbar geworden sind und im direkten Vergleich zu den strengen Sicherheitsvorkehrungen, unter denen die Mona Lisa aktuell ausgestellt wird, gesehen werden mussen.

Anfang August 2009 blieb die Mona Lisa wegen des schutzenden Panzerglases hinter dem sie verbarrikadiert ist unversehrt, als eine russische Touristin mit einer Teetasse nach ihr warf7. Schon einige Male zuvor wurde sie Opfer von Anschlagen, weswegen das Panzerglas uberhaupt angebracht wurde.

2.4. Reproduktionen und Kopien der Mona Lisa

Ausgerechnet im Juli des Jahres 1911 landete das Bild der Gioconda auf einer Streichholschachtel, denn die Monopolverwaltung Frankreichs hatte in dem Jahr, in dem sie gestohlen wurde, damit begonnen, Bilder beruhmter Gemalde der staatlichen Sammlungen auf drei mal funf Zentimeter groBe Zundholzpackungen zu drucken. Solche Reproduktionen dienen den Museen als Werbung fur ihre Sammlung und den Verkauf von Souvenirs. Mit den Einnahmen konnen die Museen einen Teil ihrer Kosten decken, den Rest mussen sie mit Eintrittsgeldern oder durch staatliche Fordermittel finanzieren. Durch ihren Raub erlangte die Mona Lisa eine starke Popularitat, man sieht auf einem Foto der Souvenirabteilung des Louvre Gegenstande mit Ihrem Abbild in Haufungen der Darstellung [Abb. 5]. Durch die schlichte Anmut der Mona Lisa erinnert die Haufigkeit ihrer Darstellung an die Marienverehrung. Die Reproduktionen, die die Museen fur ihre Andenken verwenden sind um einiges hochwertiger, als herkommlich Fotografien. AuBerdem ist das Verwenden einer Reproduktion fur gewerbliche Zwecke ohne Erlaubnis vom Museum verboten. Um etwas mit dem Gesicht oder zum Beispiel mit den gefalteten Handen der Mona Lisa herstellen oder vermarkten zu konnen, muss man direkt beim Louvre eine Lizenz erwerben, diese kann das Museum allerdings verweigern.

Das Fotografieren ohne Blitzlicht ist in den meisten Museen zwar erlaubt, eine Reproduktion ist trotzdem nicht immer gleich hochwertig und da sich die Technik im Bereich digitaler Fotografie schnell weiterentwickelt, sind Reproduktionen, die mit hohem Kostenaufwand entstanden sind, nach einiger Zeit wertlos. Aufwendige Reproduktionen, die dem wissenschaftlichen Zweck dienlich sind, erfordern die beste Kamera- und Lichttechnik und konnen nicht immer im Museum aufgenommen werden, sondern nur in speziellen Fotoateliers, obwohl die Kunstwerke teilweise nicht mehr transportierbar sind. Bilder mit hoher Auflosung lassen sich nur schlecht im Netz versenden, denn sie sind zu groB fur einen handelsublichen Speicherplatz.

Im Internet kann man die Mona Lisa bei geringerer Datenmenge, zum Beispiel mit ihren Kopien, zwar schnell und einfach vergleichen, die Darstellungen bleiben aber in ihrer Qualitat stark hinter einer guten Reproduktion oder einem Besuch im Museum zuruck.

Da die Mona Lisa zu den gemeinfreien Kunstwerken gehort, weil ihr Autor, Leonardo da Vinci, mehr als siebzig Jahre tot ist, ist das Fotografieren, Herunterladen und Speichern von Bildern der Mona Lisa nicht strafbar.

Von Kopien der Mona Lisa, die noch aus ihrem Zeitalter stammen, gibt es unzahlige, die bekannteste ist wohl die Mona Lisa del Prado, die seit 1666 in der koniglichen Sammlung Spaniens nachgewiesen werden kann, sie wurde 2012 vom Museo del Prado in Madrid restauriert und dabei von einer schwarzen Ubermalung befreit und noch im gleichen Jahr zusammen mit der Mona Lisa im Louvre ausgestellt. Die Kopie ist fur wissenschaftliche Zwecke besonders interessant, weil sie einige Details der Mona Lisa zeigt, die auf dem Original kaum noch zu erkennen sind, weshalb sie im Internet oft zusammen mit dem Original in einer Bild-Datei zu sehen ist [Abb. 6]. Solche vergleichenden Darstellungen der Mona Lisa uberfluten regelrecht das Netz und sind mehr oder weniger wissenschaftlichen Charakters. Im Internet lassen sich auf Bild-Plattformen ganze Galerien mit kleineren Digitalisaten finden, zumeist unterscheiden sich aber die Abbildungen stark in ihrer Qualitat vom Original.

Im Vergleich Mona Lisa del Prado wirkt das Original stark vergilbt, die Farben sind kaum noch erkennbar und gelbstichig.

2.4. Neues zur Mona Lisa

Vor einer riesigen nachtblauen Wand in der Medici-Galerie des Louvre war die gerade mal 77 x 53 cm groBe Pappelholz-Tafel mit dem Olfarben-Bild der Mona Lisa bis Oktober 2019 zu sehen, davor wurde sie im ersten Stockwerk vor einer sandfarbenen Wand ausgestellt, an die sie nach Renovierungsarbeiten im Oktober, punktlich zum 500. Todestag da Vincis, zuruckgekehrt sein soll. Die dunne Pappelholz-Tafel ist sehr zerbrechlich, das Bild der Mona­Lisa kaum noch restaurier-fahig, weshalb sie eigentlich nicht bewegt werden sollte. Fotografie und ein digitaler Rundgang im Museum machen es zwar moglich die Mona Lisa auch von zu Hause aus zu betrachten, dennoch besichtigen jeden Tag, nach einer Auskunft des Museumsdirektors Jean-Luc Martinez, zehntausend Besucher das Gemalde8. Ein Foto zeigt, wie dichtgedrangt die Besuchermassen mit erhobenen Smartphones und Digitalkameras hinter der Absperrung vor dem Gemalde stehen, um ein Bild von oder ein Selfie mit der Mona Lisa zu machen [Abb. 7].

Im Gegensatz zur allgemeinen Uberfullung im Louvre produziert das Kunstlerpaar Beyonce und Jay-Z 2018 dort das Musikvideo Apeshit, fur das mit einer Sondergenehmigung das Museum fur Besucher extra gesperrte wurde. In den Aufnahmen zeigen sich die, vergleichsweise, ebenso popularen Musiker in einigen Szenen direkt vor dem Bild [Abb. 8].

Das museale Ereignis der Mona Lisa wird jungst begleitet durch die sozialen Medien. I-Phones, Laptops und Tablets erlauben das Filmen und Fotografieren im Museum mit parallelem Zugriff auf das Internet. W-Lan ist in fast allen staatlichen Museen sogar kostenfrei. Besonders Kunstler und Kunsthistoriker konnen von der sozialen Medienkompetenz der Museen profitieren, aber bis heute fertigen viele Forschende noch direkt vor dem Original Skizzen oder Kopien ihrer Forschungsgegenstande an.

3. Die Rezeption der Mona Lisa

3.1. Das Kunstzitat

Ausgehend von Eduard Manet (1832-1883) und seinem Olgemalde Das Fruhstuck im Grunen [Abb. 9], begann eine neue Ara in der Kunst. Das Bild wurde 1863 vom Salon abgelehnt, vermutlich weil es einen zu freizugigen Blick auf eine unbekleidete Dame in Gesellschaft zweier zeitgenossisch gekleideter Herren gewahrte, aber auch weil es einem Werk von Tizian (1488-1576) zu ahnlich schien. Das Plakat Zuruck zur Natur von Klaus Staeck ist eine Fotomontage aus dem Jahre 1985, bei der das Ruderboot rechts im Hintergrund von einem Auto, ein Haufen Kleider links im Vordergrund mit Cola-Dosen und eine leere Stelle am Waldboden mit einer Kuhltasche ersetzt wurden [Abb. 10]. Staeck hat das anstoBige Motiv 1985 kritisch weiterentwickelt und ihm einige zeitgenossische Elemente hinzugefugt.

3.1.1. Arthur Sapeck (Eugene Bataille): La Joconde fumant la pipe

Das erste bekannte Bildzitat der Mona Lisa ist eine Karikatur des franzosischen Illustrators Arthur Sapeck (1854-1891), die die Mona Lisa Pfeife rauchend zeigt. La Joconde fumant la pipe wurde bei vollig schwarzem Hintergrund nur eine Pfeife, aus der funf Rauchwolken aufsteigen, hinzugefugt [Abb. 10]. Die Graphik entstand 1883 fur die Ausstellung Arts Incoherents und wurde 1887 in der Kunst-und-Satire-Zeitschrift Le Rire veroffentlicht. Die Karikatur ist nur leicht verfremdet, dem Bildmotiv wurden einige Elemente, wie Hintergrund und Farbigkeit abgezogen, andere, wie die Pfeife und die Rauchwolken hinzugefugt. Das Fehlen irgendwelcher Attribute verleiht dem der Original der Mona Lisa eine ewige Jungfraulichkeit, so dass der Wunsch sich mit ihr zu vermahlen durch die Pfeife kompensiert wird.9

3.1.2. Marcel Duchamp: L.H.O.O.Q

Marcel Duchamp (1887-1968) verfremdete im Zeitalter des Dadaismus eine Postkarte der Mona Lisa anlasslich des 400. Todestages Leonardo da Vincis mit Bleistift, er verlieh ihr Schnurr- und Kinnbart und versah das Readymade mit dem Titel L.H.O.O.Q. [Abb. 11]. Hinter dem Titel verbirgt sich ein Wortspiel, dass franzosisch ausgesprochen Elle a chaud au cul lautet und “Sie hat einen heiBen Hintern” bedeutet. Genau wie bei Sapeck's Karikatur La Joconde fumant la pipe wurde der Mona Lisa etwas hinzugefugt. Eine nicht modifizierte Version des Readymade, mit dem Titel L.H.O.O.Q. rasee (rasiert), entstand 1965 und ist eine Spielkarte montiert auf einer Einladungskarte, die sich in der Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art befindet.

3.1.3. Philippe Halsman: Dali as Joconde

Die Fotomontage Dali as Joconde, die Salvador Dali (1904-1989) als Mona Lisa zeigt, setzt sich direkt in Beziehung zu Duchamps L.H.O.O.Q. und erschien 1954 in Philippe Halsman's (1906-1979) Buch Dali's Mustache (Dali's Schnurrbart) mit 28 schwarz-weiB Fotografien Dalis unter der Verwendung seines Oberlippenbartes absurd und humorvollen Charakters. Anstelle der Mona Lisa nimmt Dali auf einem Stuhl vor dem original Hintergrund Platz, in seinen Handen halt er in der Erstausgabe des Buches einige Munzen, in den nachfolgenden Ausgaben von 1980 und 1990 10.000-Dollar-Scheine. Dali, der sein Haar lang und dunkel trug und es streng glatt kammte, fasst in den Umriss der Mona Lisa ein, nur seine wilden Augen und sein Bart stechen aus der Fotografie hervor.

3.1.4. Andy Warhol: Thirty Are Better Than One

Andy Warhol fertigte im Zusammenhang mit der Amerikareise der Mona Lisa 1963 mehrere Siebdrucke der Mona Lisa an, darunter auch einen schwarz-weiB-Druck mit dreiBig Kopien der Mona Lisa mit dem Titel Thirty Are Better Than One, dabei veranderte er die Komposition der Mona Lisa nicht, sondern lieB sie in mehreren, qualitativ verschiedenen Drucken, in sechs mal drei Reihen, aneinandergereiht und untereinander, als ein Werk auf eine Leinwand gedruckt, erscheinen. Diese Haufungen ihres Bildes erinnern an die Auslage industriell gefertigter Souvenirs der Mona Lisa oder an einen Stapel Printmedien mit dem gleichen Titelbild, im Internet kann man die unterschiedlichsten Abbildungen der Mona Lisa auf Bildplattformen abrufen und in einem Screenshot festhalten.

3.1.5. Klaus Staeck: Niemand ist vollkommen

Auch Klaus Staeck verfremdete das Bild der Mona Lisa indem er sie auf seinem Plakat mit der Uberschrift Niemand ist vollkommen in einem Rollstuhl sitzen lasst [Abb. 12]. Staeck ist bekannt fur seine politischen Plakate, die seit den spaten 1960ger Jahren Aufmerksamkeit erregen. Im Gegensatz zu Plakaten einer politischen Wahl-Kampagne sind seine Plakate kritische Statements zum hiesigen Zeitgeschehen und begleiten die deutsche Geschichte bis heute. Vom Deutschen Plakatmuseum in Essen werden sie gesammelt und digitalisiert, die dortige Sammlung beinhaltet insgesamt mehr als 350.000 Plakate. Klaus Staeck hat 2018 dort unter dem Titel Sand furs Getriebe Werke von 1971 bis 2017 ausgestellt10.

[...]


1 Zu Mona Lisa und Maddalena Doni u.a.: Zollner, Frank: Leonardo da Vinci. Mona Lisa. Das Portrat der Lisa del Giocondo. Legende und Geschichte, Frankfurt am Main, 1994, S. 5-23.

2 ebd.

3 Ebd. S. 17, Z. 38-39.

4 Siehe hierzu: Mona Lisa - Heidelberger Fund klart Identitat, Pressemitteilung der Universitat Heidelberg, 2008, zu: Schlechter, Armin: Die edel kunst der truckerey. Ausgewahlte Inkunabeln der Universitatsbibliothek Heidelberg. (Bearb.) Heidelberg 2005, Kat.20, S. 28-29.

5 Schuhmacher, Joachim: Leonardo da Vinci, Maler und Forscher in anarchischer Gesellschaft, Berlin, 1981, .

6 Zum Diebstahl der Mona Lisa u.a.: Loschburg, Winfried: Der Raub der Mona Lisa. Kunstdiebstahle, die die Welt erregten, Berlin, 1966, S. 7-49.

7 Hierzu: Anschlag auf „Mona Lisa“, Focus-Online, 11.08.2009, https://www.focus.de/kultur/kunst/pariser- louvre-anschlag-auf-mona-lisa_aid_425138.html.

8 Quelle: Renovierung im Louvre. Die Mona Lisa ziehtum, www.faz.net, Aktualisiert am 28.06.2019.

9 Zur Zitation der Mona Lisa u.a.: Luthy, Michael: Andy Warhol Thirty Are Better Than One, Frankfurt am Main und Leipzig, 1995.

10 Siehe hierzu u.a.: Blum, Gerd: Paul, Gerhard (Hrsg.): “Vorsicht Kunst”. Die Fotomontagen von Klaus Staeck, in: Das Jahrhundert der Bilder, Bd.2, S. 418-425, Gottingen, 2008. Staeck, Klaus: Sand furs Getriebe, 2018.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Mona Lisa in Hinsicht auf die sozialen Medien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kunst- und Bildgeschichte)
Veranstaltung
Kunst und Social Media
Note
2,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V520918
ISBN (eBook)
9783346123695
ISBN (Buch)
9783346123701
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mona Lisa, Social Media
Arbeit zitieren
Melanie Metzlaff (Autor:in), 2019, Die Mona Lisa in Hinsicht auf die sozialen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520918

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