Die Arbeit soll sich vor allem mit der Frage beschäftigen, wie die stationäre Unterbringung von einer Mutter mit Kind gemäß dem gesetzlichen Regelangebot nach § 19 SGB VIII Suchthilfe leisten kann. Zu berücksichtigen ist dabei, wie die Hilfeempfängerin pädagogisch in ihrem Abstinenzprozess unterstützt werden kann. Welche konkreten Hilfsangebote gibt es aus pädagogischer Sicht und welche Kontakte und Netzwerke sind für eine weiterführende Hilfe bezüglich der Suchtmittelabhängigkeit möglich?
Nach Schätzungen haben in Deutschland vermutlich 3 Millionen Kinder und Jugendliche mindestens ein suchtkrankes Elternteil. Die Familie, als primäre Beziehungs- und Erziehungsinstanz, nimmt die zentrale Rolle für das Kind ein. Umso wichtiger ist es, Elternteile in Problemlagen professionell anzuleiten und zu unterstützen. In dem folgenden Kapitel geht es vor allem um die Vorstellung des Arbeitsbereiches. Es soll ein kurzer Einblick in das Arbeitsfeld und die theoretischen Grundlagen der pädagogischen Arbeit in stationären Einrichtungen mit Mutter und Kind gegeben werden. In den darauffolgenden Kapiteln erfolgt eine Konkretisierung der Arbeit mit dem Schwerpunkt auf dem Bereich Suchthilfe. Die Suchtmittelabhängigkeit der Eltern soll bei dieser Arbeit besonders in den Fokus gestellt werden, da sie zunehmend eine Rolle im sozialen Bereich spielt.
Die Autorin arbeitet selbst seit einigen Jahren im Bereich der Mutter-Kind Betreuung und sieht sich zunehmend mit suchtmittelabhängigen Müttern konfrontiert. Besonders schwierig schätzt sie dabei die Einhaltung und Gewährleistung des Kindeswohls ein, das in dieser Arbeit ebenso thematisiert wird. Sie bezieht sich dabei auf keine konkrete Einrichtung für Mütter mit Kind, sondern betrachtet die Möglichkeit von pädagogischen Methoden und welche Schritte dringend notwendig sind, um die Adressaten zielführend unterstützen zu können. Interne und externe Hilfsmöglichkeiten spielen hierfür eine wichtige Rolle. Es geht hier ebenfalls um die Sensibilisierung der Fachkräfte und der damit verbundenen theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht, um diese dann entsprechend praktisch umzusetzen und anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Arbeitsfeldes
2.1 Aufgaben und Ziele
2.2 Gründe für die Hilfe/ Rahmenbedingungen
2.3 Rechtliche Grundlagen
2.4 Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
3. Mütter und Väter mit Suchtproblematik
3.1 Spezifische Besonderheiten
3.3 Hilfsangebote
3.3.1 Fachlicher Austausch/ Teamentwicklung
3.3.2 interne Hilfsmöglichkeiten
3.3.3 externe Hilfsmöglichkeiten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das pädagogische Arbeitsfeld in stationären Mutter-Kind-Einrichtungen unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen durch Suchtmittelabhängigkeit. Das primäre Ziel ist es, effektive pädagogische Methoden und Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen, um sowohl das Kindeswohl zu sichern als auch die betroffenen Eltern in ihrem Abstinenzprozess und ihrer Erziehungskompetenz zu unterstützen.
- Stationäre Unterbringung gemäß § 19 SGB VIII
- Pädagogische Intervention bei Suchtproblematik
- Kindeswohlgefährdung und Schutzkonzepte (Ampelbogen)
- Vernetzung zwischen Jugendhilfe und Suchthilfesystemen
Auszug aus dem Buch
3. Mütter und Väter mit Suchtproblematik
Bei Müttern und Vätern mit Suchtproblematik, innerhalb und außerhalb der stationären Jugendhilfe, geht es nicht nur um das Aufrechterhalten von Alltagsstrukturen und das Sicherstellen der Versorgung des Kindes. Es geht vor allem um die Stabilisierung der psychischen und eventuell sogar physischen Verfassung des Elternteils. Wenn Eltern suchtkrank sind, nimmt das Suchtmittel den wichtigsten Punkt im Leben der Abhängigen ein. Die Kinder spielen dabei oft eine Nebenrolle. Der Platz, der eigentlich dem Kind zustehen würde, steht der Droge zu. Als spezifische Besonderheit ist hier gemeint, dass es den Eltern mitunter nicht möglich ist, sich entwicklungsfördernd um ihre Kinder zu kümmern, da sie selbst meist nicht in der psychischen Verfassung dazu sind. Relevant ist hier vor allem zu bedenken, wie Rückfälle vermieden werden können und wie innerhalb der Einrichtung mit einem Rückfall der Klientin umgegangen wird.
Sie haben in ihrem Leben vermutlich nicht gelernt, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und müssen dies nun plötzlich nicht nur für sich sondern auch für ihr Kind tun. Sie benötigen daher vielfältige Unterstützung, da sie auf die eigene Suchtproblematik, als auch auf die Erziehung und Pflege ihres Kindes Augenmerk legen müssen. Der Fokus liegt bei Abhängigkeitserkrankten gedanklich in erster Linie darauf, wie sie ihre Sucht befriedigen können und darum eigene Bedürfnisse zu befriedigen. In der Arbeit mit abhängigen Klienten bedeutet dies, dass die Bindungsentstehung zwischen Mutter und Kind meist gestört ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz suchtkranker Elternteile für das Kindeswohl und stellt die zentrale Fragestellung zur stationären Unterstützung nach § 19 SGB VIII vor.
2. Vorstellung des Arbeitsfeldes: Dieses Kapitel erläutert die Aufnahmeverfahren, die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung der multiprofessionellen Zusammenarbeit für die stationäre Betreuung.
3. Mütter und Väter mit Suchtproblematik: Hier werden die spezifischen Belastungen durch Sucht sowie präventive Ansätze und notwendige Hilfsangebote im internen und externen Bereich detailliert dargelegt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer engen Vernetzung und spezialisierter Fachkräfte zusammen und betont, dass pädagogische Angebote eine spezifische Suchttherapie lediglich ergänzen können.
Schlüsselwörter
SGB VIII, Mutter-Kind-Einrichtung, Suchtproblematik, Kindeswohl, Kinderschutz, Pädagogik, Jugendhilfe, Abstinenz, Suchthilfe, Vernetzung, Kindeswohlgefährdung, Ampelbogen, stationäre Hilfe, Elternverantwortung, Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Arbeit in stationären Mutter-Kind-Einrichtungen, insbesondere bei Eltern mit Suchtproblematiken.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen nach SGB VIII, Instrumente zur Gefährdungseinschätzung, die Begleitung von Suchterkrankungen und die Bedeutung von Kooperationen im Hilfesystem.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Ansätze für eine gelingende Pädagogik zu entwickeln, die das Kindeswohl sichert und gleichzeitig die suchtkranken Eltern auf ihrem Weg zu mehr Eigenverantwortung unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch einschlägige Fachliteratur sowie die Analyse gesetzlicher Grundlagen und praktischer Instrumente der Jugendhilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anforderungen an Fachkräfte, die Notwendigkeit von Hilfeplanungen, Schutzkonzepte bei Rückfallrisiken und verschiedene interne wie externe Beratungsangebote.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie SGB VIII, Suchthilfe, Kindeswohl und stationäre Betreuung charakterisiert.
Warum ist der Einsatz des "Ampelbogens" wichtig?
Der Ampelbogen ist ein standardisiertes Instrument, das Fachkräften hilft, Gefährdungssituationen für das Kind objektiv zu dokumentieren und frühzeitig auf Krisen zu reagieren.
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld bei der Suchtprävention?
Die Autorin argumentiert, dass eine räumliche Trennung vom bisherigen (negativen) Milieu wichtig ist, um den Abstinenzwillen zu stärken und eine unbelastete Stabilisierung der Kleinfamilie zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Franziska Horn (Autor:in), 2019, Gemeinsame Wohnformen für Mütter, Väter und Kinder nach § 19 SGB VIII. Welche Hilfsangebote gibt es für Suchtmittelabhängige?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/520964