Glück und Glückseligkeit


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Das Streben nach Glück – Verschiedene Moralprinzipien

3. Was ist das Glück des Menschen?

4. Zum Glücksbegriff

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In ihrem Buch „Einführung in die Ethik“ gibt Annemarie Pieper unter anderem auch einen kurzen Überblick über den Begriff der „Glückseligkeit“ und des Glücks. In der vorliegenden Arbeit werden diese beiden Ausdrücke unter dem Gesichtspunkt ihrer Vielfältigkeit behandelt. Ausgegangen wird dabei von dem von Frau Pieper verfassten Text. Eine Unterscheidung der Glücksbegriffe wird danach auf der Grundlage der Einteilung von Günther Bien vorgenommen.

2. Das Streben nach Glück – Verschiedene Moralprinzipien

In dem Absatz zur „Glückseligkeit“ hält Frau Pieper zunächst fest, dass der Mensch sein Leben lang danach strebt glücklich zu sein. Dies ist aber, wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, nicht möglich. Als Grund dafür bringt Frau Pieper zwei Theorien: Freud meint, dass Glück für den Menschen in der Schöpfung nicht geplant ist; das Christentum lehrt, dass der Mensch seit dem Sündenfall kein Recht mehr auf ein glückliches Leben hat. Trotzdem strebt jeder Mensch von Natur aus nach Glück. Die Aufgabe der Ethik sieht die Autorin nun darin, herauszufinden, „ob und wie es moralisch zu rechtfertigen ist.“[1], das heißt, ob der Mensch überhaupt berechtigt ist - nur - für sich selbst nach Glück zu suchen.

Es wird nun die erste Frage behandelt, zu der Frau Pieper zwei gegensätzliche Thesen vorgibt. Die eine Theorie gibt die Antwort, dass das „Prinzip der Glückseligkeit“ oberstes normatives Prinzip sein soll, da es ja sowieso Sinn jeglichen Handelns darstellt. Die andere Theorie spricht vom „Prinzip der Pflicht“, welches das „Streben nach Tugend, Sittlichkeit, Vernünftigkeit“[2] beinhaltet, als obersten Grundsatz, dem das Streben nach Glück zu unterwerfen ist. Diese beiden Hypothesen ausführend gibt Frau Pieper je ein Beispiel:

Nach John Stuart Mill begehrt die menschliche Natur nur jenes, was letztendlich zum Glück führt, dieses ist also der Endzweck jeglichen Handelns überhaupt. Somit wird die Beschaffung von Glück zum Maßstab für das menschliche Handeln und schließlich auch zum Kriterium der Moral. Demnach könnte ich also sagen, dass mein Wirken „gut“ oder „schlecht“ ist, je nachdem, ob es der Beschaffung von Glück für mich und meine Mitmenschen dient oder nicht. Denn die Moral stellt laut Höffes „Lexikon der Ethik“ den „für die Daseinsweise der Menschen konstitutiven [...] normativen Grundrahmen für das Verhalten vor allem zu den Mitmenschen , aber auch zur Natur u. zu sich selbst dar“, bildet weiterhin „einen der Willkür der einzelnen entzogenen Komplex von Handlungsregeln, Wertmaßstäben und Sinnvorstellungen“ und beruht „auf einer allgemeinen Grundübereinstimmung (Achtung vor der Menschenwürde, Negation von Zwang, Minderung von Leiden [...])“[3] (S.177) Wenn nun die Beförderung von Glück ein Kriterium für Moral sein soll, muss mein Handeln, dass sich aus meinem Wunsch nach einem glücklichen Leben motiviert, in Übereinstimmung mit der Erfüllung von Glück meiner Mitmenschen geschehen. Mein erlebtes Glück ist demnach ethisch gut, wenn es die Grundsätze der allgemeinen Moralvorstellungen auf dem Weg zu seiner Erreichung nicht verletzt.

Frau Pieper stellt nun auch die Gegenposition Immanuel Kants dar. Er unternimmt eine Trennung von den Prinzipien der Glückseligkeit und der Sittlichkeit, die mit einer Trennung von Sinnen und Vernunft einhergeht. Dabei betont Kant aber, dass dies keine Entgegensetzung bedeutet, denn die Vernunft schreibt nicht vor, dass man den Wunsch nach Glückseligkeit gänzlich verwerfen soll, sondern ihn nur unterdrücken, wenn die Pflicht hinzutritt. Somit kann die Beschaffung von Glück niemals Pflicht sein – oder Grundmotivation jeglichen Handelns, wie Mill es betrachtet. Moral ist damit nicht die Lehre von der Beförderung des Glücks, sondern die Lehre, wie wir uns würdig erweisen, Glück zu empfangen (vielleicht von Gott). An anderer Stelle führt Frau Pieper den Gedanken Kants weiter aus: „Dem Glücksprinzip grundsätzlich in allen Handlungen den Vorzug zu geben, würde nach Kant bedeuten, sich der Natur zu unterwerfen, denn die Natur bestimmt den Menschen unausweichlich dazu, sein Glück zu wollen, und wenn es dazu keine Alternative gäbe, könnte von Freiheit und Selbstbestimmung keine Rede sein.“[4] Kant aber gibt uns die Alternative ohne Rücksicht auf das eigene Glücksempfinden zu handeln und damit frei zu sein von den Zwängen der Natur. Damit wird „Freiheit um der Freiheit aller willen“[5] als Prinzip erhoben, das es zu respektieren gilt. Denn die Freiheit im Sinne der „Annerkennung des Selbstbestimmungsrechts jedes Individuums“[6] besteht darin, sich über eigene natürliche Bedürfnisse zugunsten des Selbstbestimmungsrechts und damit der Freiheit der Mitmenschen hinwegzusetzen. Kant sagt nun aber auch, dass das Streben nach Glück erfolgen kann, wenn der Mensch keiner Pflicht unterliegt oder – wie Frau Pieper es ausdrückt – „dadurch das Freiheitsgebot nicht verletzt wird“[7]. Dieser Ausspruch ist meiner Ansicht nach so zu verstehen, dass der Mensch seinem natürlichen Bedürfnis nach Glück nachgehen kann, wenn es nicht seiner Vernunft und auch nicht der Freiheit der anderen, diesem Bedürfnis nicht zu folgen, widerspricht.

In einem Aufsatz zur Ethik fasst Frau Pieper die gegensätzlichen Ansichten zusammen: Kants Hypothese fasst sie unter das Freiheitsprinzip, Mills Theorie unter das Nutzenprinzip (welches unter die Richtung der Ethik des „Utilarismus“ fällt). Bei dem ersteren geht es darum, dass der Vollziehende einer Handlung gute Absichten hat, die vom Verstand und der Selbstbestimmung aller Menschen her begründbar sind. Das zweite genannte Prinzip geht nach dem Ergebnis einer Handlung: positiv ist das, was dem Individuum, in Übereinstimmung mit seinen Mitmenschen und der Erfüllung von deren Wünschen, Befriedigung von Bedürfnissen und damit Glück bringt.

3. Was ist das Glück des Menschen?

Frau Pieper hält fest, dass es eine unzählige Vielfalt von Vorstellungen über das Glück gibt. So heißt es beispielsweise Rudolf Eislers Lexikon: „Bald wird das Glück in den Besitz und Genuß von äußeren Glücksgütern (Reichtum u.s.w.), bald in die geistige Vervollkommnung, bald in die Maximisation der Lust, bald in die Minimisation der Unlust, in die Bedürfnislosigkeit, bald in die Sittlichkeit (Tugend), bald sogar in das Leiden für das Ideal, in das Martyrium, in die Askese u. dgl. gesetzt.“[8] Was auch immer den einzelnen glücklich macht – denn das muss jeder selbst herausfinden –, wichtig ist vielmehr zu wissen, wie dieses Glück erreicht werden kann. Dies hängt wiederum mit der Frage nach den verschiedenen Arten des Glücks zusammen, welche im Folgenden näher betrachtet werden soll.

[...]


[1] Pieper, Annemarie (Hg.), Philosophische Disziplinen. Leipzig 1998 S. 133

[2] Pieper, Annemarie (Hg.), Philosophische Disziplinen. Leipzig 1998 S. 134

- [3] Höffe, Otfried (Hg.), Lexikon der Ethik, München 2002 S. 177

[4] Philosophische Disziplinen. 1998. S.81

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] http://www.phillex.de/glueck.htm

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Glück und Glückseligkeit
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V52099
ISBN (eBook)
9783638478960
ISBN (Buch)
9783640179473
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glück, Glückseligkeit, Seminar
Arbeit zitieren
Julia Schlichter (Autor), 2005, Glück und Glückseligkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52099

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