Zugänge zur Bibel aus religionspädagogischer Sicht: Die Kindheitsgeschichte Jesu Christi


Unterrichtsentwurf, 2005
24 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1. Die Kindheitsgeschichte Jesu im Evangelium nach Lukas
1.1 Die Termination der Geburt Jesu
1.2 Die Geburt Jesu Christi und der Besuch der Hirten

2. Die Kindheitsgeschichte im Matthäus Evangelium
2.1 Der Stammbaum
2.2 Die Geburt Jesu Christi und die Namensgebung
2.3 Jungfrauengeburt
2.3.1 Biblische Grundlage
2.3.2 Historisch-kritische Sicht
2.4 Die Hirten

3. Kindheitsgeschichte als Konstrukt der Evangelisten
3.1 Fakten der Geburt Jesus
3.2 Vergleich der Geburtsgeschichte bei Matthäus und bei Lukas

4. Die Kindheitsgeschichte Jesu als Konstrukt der Evangelisten
4.1 Das Krippenmotiv
4.2 Eine Unterrichtsentwurf zum Thema Weihnachten

5. ”Ich steh an deiner Krippe hier ” - Eine Unterrichtsplanung für die Grundschule (4. Klasse)
5.1. Zu den Zielen der Unterrichtsplanung
5.2. Zusammenhang der Unterrichtsplanung
5.2.1 Planung der dritten Stunde: Der Bladelin-Altar und die lukanische
Weihnachtsgeschichte
5.2.2 Planung der vierten Stunde: Der Stifter Pieter Bladelin
5.2.3 Planung der fünften Stunde: Heute ist Christus geboren

6. Medien und Materialien
Hinweis: Die Anhänge M 5 und M 6 fehlen aus urheberrechtlichen Gründen in diesem
Text, lassen sich aber leicht reproduzieren. Auch die Anhänge M 3 und M 7 werden nicht
gesondert aufgeführt, da es sich um Ausschnitte aus dem Baladin-Altar handelt, die sich
ebenfalls schnell selbst erstellen lassen

7. Anmerkungen

8. Stundenentwürfe
8.1 3. Stunde
3.2 2. Stunde
3.3 5. Stunde

Literaturverzeichnis

Die Kindheitsgeschichte Jesu Christi

1. Die Kindheitsgeschichte Jesu im Evangelium nach Lukas

1.1 Die Termination der Geburt Jesu

In der Bibel wird im Lukas Evangelium im zweiten Kapitel von der Zeit der Geburt Jesu erzählt.

„In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.“[1]

Nur hier kommt bei der genauen Betrachtung der Tatsachen ein Problem im Bezug auf das Zeitgeschehen auf.

Unter Kaiser Augustus, es ist hier Augustus Gaius Octavius (63 v Chr.-14 n Chr.)gemeint, gab es wohl noch einen weiteren Zensus, daher wird er hier als erster Zensus präsentiert. Aber es war auch nicht im Allgemeinen üblich, dass ein jeder in seine Stadt berufen wurde um sich eintragen zu lassen. Dieses Problem kann aber dem allgemeinen Ägyptischen Sprachgebrauch zugeschrieben werden.[2] Das eigentliche Problem stellt der Vermerk dar da das der Zensus unter dem Prokonsul Quirinius stattgefunden haben soll als er Statthalter von Syrien war. Aber es wird auch in Lk 1,5 und Mt.2, 1 gesagt, dass die Geburt unter König Herodes passiert sein soll. Diese beiden Angaben von der Statthalterschaft und von der Herrschaft Herodes lassen sich auf den ersten Blick nicht wirklich aufeinander abstimmen und zueinander führen, da die Daten der beiden Personen für sich ein anderes Ergebnis liefern. König Herodes der Große oder auch unter den Namen Herodes Antipas starb nach Angaben des Historikers Flavius Josephus im Jahre 4 v Chr. und die Schätzung durch Quirinius wurde in Syrien erst im Jahre 6 n Chr. durchgeführt[3]. Es stellt sich hier die Frage ob Lukas es hier mit seinem Zeitlichen Rahmen nicht so genau nimmt und einfach ungenau berichtet. Um dieses Problem zu erklären kann man verschiedenen Ansätzen folgen einige stelle ich im Nachfolgenden vor.

Wenn man sich auf die Ausgrabungen in diesem Bereiche stützt wird man auch von dem Archäologen Jerry Vardaman gehört haben. Jerry Vardaman hat in dieser Gegend eine Münze gefunden, die einen gewissen Quirinius als Prokonsul von Syrien und Kilikien von 11 v. Chr. bis in die Zeit nach Herodes Tod ausweist. Das bedeutet, dass es offensichtlich zwei Personen mit dem Namen Quirinius gegeben haben muss. Die Volkszählung könnte also in einer der beiden entsprechenden Amtszeiten stattgefunden haben. Es war zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches das viele Römer denselben Namen trugen. Wenn man davon ausgeht, dass Volkszählungen ca. alle 14 Jahre stattgefunden haben, dann ist der Zeitpunkt der fraglichen Volkszählung gut möglich.

Es gibt aber noch weitere Erklärungsmöglichkeit: Es gibt Wissenschaftler, die die Passage aus Lukas 2,2 so übersetzen: „Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, bevor Quirinius Statthalter in Syrien war.“ Auch dieses ist eine andere Art der Auslegung, so dass es einfach ein Übersetzungsfehler der Passage war.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Erklärung von Herder wo gesagt wird, dass nach Flavius Josephus in den Jahren 9-4 v. Chr. Sentius Saturniuns und danach P. Quintilius Varus Statthalter von Syrien gewesen ist. Aber man muss bemerken das Quintilius seit dem Jahre 12 v. Chr. ein sehr bedeutender Mann im vorderen Orient war und mit vielen Sonderaufträgen ausgestattet gewesen war. Somit wäre es durchaus möglich dass er den Zensus in einer Sondermission durchgeführt hat und somit stimmt auch die lukanische Version wieder.

Man kann sehen, dass sich das ganze Problem nicht vollständig erklären lässt, aber man kann davon ausgehen, dass es Volkszählungen in dieser Zeit gegeben und dass es keine zwingenden Gründe gibt, warum die Aufzeichnungen von Lukas falsch sein müssen. Bei der Erzählung der Geburt, bzw. der Frage nach der Terminierung der Geburt Jesu muss auch auf die Umstände geachtet werden unter denen Jesu geboren wurde. So ist am Anfang der Erzählung Kaiser Augustus genannt und durch die Nennung dieses Herrschers wird als erstes ein weltweiter Umfang angezeigt und somit wird die Geburt Jesus Christus in ein Licht der universellen Bedeutung für die ganze Welt gesetzt.

Jesus ist nicht nur der in der Israelischen Vergangenheit Erwartete sondern auch die Erfüllung aller menschlichen Sehnsüchte der Welt[4]. Die messianische Freude wird allen von Gott geliebten Menschen der Welt zuteil und nicht nur Israel allein. Jesus der in Israel der erwartete König ist, ist gleichzeitig auch der in der ganzen Welt benötigte Heiland und Retter. Damit alles in den richtigen Kontext passt muss Jesus von der davianischen Herkunft[5] sein und in Bethlehem geboren sein. Die davididische Herkunft geht deutlich auf Josef zurück und Bethlehem wird als Stammort des Josef angesehen und nicht als Heimatort. In der Erzählung kommt es so vor als wenn Josef und Maria schon fest zusammen wohnen, er also Maria " heimführte". Eine Reise von verlobten wäre gegen die Sitte gewesen. Der Text sagt aber nicht aus warum Josef Maria mitnahm, denn für eine Zählung wurden die Frauen zu jener Zeit nicht berücksichtigt. Weiterhin sagt der Text auch nicht aus warum Josef Maria mit zu seinem Stammort nimmt, da es ja "nur" der Stammort Josefs und nicht sein Heimatort war.

Die Erinnerung an die Schwangerschaft Marias bereitet das folgende vor. Mit der Nennung der Schwangerschaft soll keine Begründung für die mitreise Marias mit Josef gegeben werden sondern die Nennung dient allein bei Lukas als Hinweis darauf das etwas veränderndes passieren wird.

1.2 Die Geburt Jesu Christi und der Besuch der Hirten

Es kommt bei der Geburt Jesu Christi darauf an das die Geburt am geweissagten Ort stattfindet und dieser Ort ist Bethlehem[6]. Das Zensusmotiv hilft hier Lk Bethlehem als Geburtsort Jesu zu deklarieren, obwohl Lk weiß das Jesu aus Nazareth kommt. Bethlehem ist hier besonders wichtig im Zusammenhang auf die Davidssohn-Prädikation.

Es stellt sich nun die Frage wo die Krippe war in die Jesus gelegt wurde und wo das ganze Geschehen in dem kleinen Dorf Bethlehem stattgefunden hat. Es soll laut verschiedener Quellen[7] davon ausgegangen werden, dass die Krippe in einem Stall stand, der aber nicht weit allein im Freien Stand, sondern in Nähe des Ortes. Es kann davon ausgegangen werden das, da es eine Krippe war in die Jesus gelegt wurde, der Stall zum Aufenthalt für die Tiere genutzt wurde. Es muss darauf hingewiesen werden das vor allem in der hügeligen Landschaft von Bethlehem oft Felshöhlen als Unterschlupf für die Hirten mit ihren Tieren genutzt wurden. Es wird im Evangelium aber in kleinster Weise gesagt das der Stall eine Höhle gewesen ist.

Durch die Lokaltradition wird die Geburtsstätte in eine Höhle verlegt. Helena die Mutter Konstantins des Großen (eigentlich Flavius Valerius Constantinus, (um 274 bis 337), römischer Kaiser (306-337)) soll die Geburtsgrotte in Bethlehem entdeckt haben und stiftete eine Kirche über die Stelle. Unter Justinian I., dem Großen(eigentlich Flavius Petrus Sabbatius, (482-565) römischer Kaiser (527-565)) wurde die Geburtskirche auf die derzeitige Form und Größe erweitert.

Leider bleibt nicht nur die Frage nach dem Geburtsort Jesu Christi offen, doch möchte ich hier speziell nochmals darauf hinweisen das es eigentlich ein Paradox ist. Das Matthäusevangelium und Lukasevangelium berichten von Jesu Geburt in Bethlehem. Das älteste Evangelium, das des Markus, kennt diese Überlieferung nicht und spricht nur von seiner Heimat Nazareth (Markusevangelium 1, 24; 6, 1 u.a.), ebenso hält es das Johannesevangelium (1, 45), das den Geburtsort Bethlehem sogar ausdrücklich bestreitet (7, 41f). Die Erzählungen im Matthäus- und Lukasevangelium sind dann als Glaubensaussagen über die Davidsohnschaft und Messianität Jesu zu verstehen: David wurde in Bethlehem geboren und auch nach Micha kommt von hier, "der Herrscher in Israel werden soll" (5, 2). Es kann keine der Aussagen ausdrücklich belegt und bewiesen werden, somit bleiben die Aussagen fragwürdig in Bezug auf ihre Historizität.

"Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde."

Durch diesen Satz hilft uns Lukas den Geburtsmonat zu vermuten. März bis November ist der mögliche Zeitraum. Danach können die Herden nicht im Freien überwintern. Bevorzugtes Datum war im 3. Jahrhundert der 28. März. Dies hatte folgenden Grund, nach dem Alten Testament erschuf Gott am vierten Tag die Sonne und der 25. März galt als Schöpfungstag. Folglich musste der Sohn Gottes, wie die Sonne, am 4. Tag geboren sein.

Jesus Geburt hatte lange Jahre keine Bedeutung. Epiphanie (Erscheinungsfest am 6. Januar) wurde bis ins 4. Jahrhundert gefeiert. Ursache waren die Evangelien, die die Taufe als "Geburt Jesus" erklären. "Ich habe dich heute" nach der Taufe "geboren" steht in einer alten Übersetzung des Matthäus Evangeliums. Am 25. Dezember feierten viele Kulturen (Ägypter, Inder, Römer, Germanen) den "Tag der Wintersonnenwende". Übrigens, die Römer überhäuften schon damals die Kinder mit Geschenken. Julius Cäsar hatte noch keine technischen Hilfsmittel bei der Festlegung des kürzesten Tages. So begann der (römische) Winter am 25. Dezember.

Die Kirche wollte ein Gegengewicht zu den heidnischen Feiern setzen. Hippolyt von Rom ließ erstmals am 25.12.217 die Geburt Jesu Christi feiern. Hippolytus war der erste Gegenpapst (zu Kalixtus); sein Vorschlag fand kaum Gehör. Erst im Jahr 354 wurde der 25. Dezember offiziell festgelegt. Jetzt mussten noch die anderen Kirchenfürsten überzeugt werden. In Deutschland übernahm die Mainzer Synode 813 nach unserer Zeit den 25.12. als "festum nativitas Christi". Epiphanie ist in manchen Ländern noch heute das Weihnachtsfest.

Die Bedeutung der Hirten an der Krippe soll zeigen das Jesus Christus vor allem zu den Außenstehenden in der Gesellschaft geschickt worden ist, um ihnen zu helfen. Es stellt sich die Frage warum solche doch gravierend fundamentalen Ereignisse bei Lk so schlicht dargestellt werden. Es liegt in der Absicht des Autors Lk durch kein überflüssiges Wort das gesagte zu verdunkeln bzw. zu verschleiern, daher ist es sehr schlicht gehalten. Zum Schluss gehe ich noch auf drei wichtige Begriffe der Perikope ein.

Erstgeborener:

Schon als Erstgeborener war Jesus von Gott geweiht, aber noch mehr als Erstgeborener Sohn aus dem Stamme Davids ist das Kind als möglicher Prätendent gekennzeichnet. Hier spielt sehr die Verheißung des Engels Lk 1, 28 eine große Rolle.

Wickeln:

Das Wickeln verdeutlicht die Suche nach einem neugeborenen Kind, eben ein Wickelkind. Das Motiv "wickeln" bleibt bei dem Krippenmotiv ganz unbeachtet. Das wichtigste hier ist der Aspekt, dass ein Säugling gesucht wird und er hier eben durch Windeln gekennzeichnet wird.

Abschließend komme ich zu den Begriff Hirten:

Hirten haben einen sehr geringes Ansehen bei den Juden und stehen außerhalb der Gesellschaft, aber gerade diese Menschen huldigen Jesus.

So könnte man Abschließend sagen das um die Geburt Jesu Christi viele Probleme auftauchen in Bezug auf die Historizität, aber auch gesagt werden kann, das gerade durch die Geburt Jesus Christus bei Lk sehr viel für die Menschen getan wird, vor allem für die von der Gesellschaft ausgestoßen sind.

2. Die Kindheitsgeschichte im Matthäus Evangelium

2.1 Der Stammbaum

"1 Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:
2 Abraham war der Vater von Isaak, / Isaak von Jakob, / Jakob von Juda und seinen Brüdern.
3 Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. / Perez war der Vater von Hezron, / Hezron von Aram,
4 Aram von Amminadab, / Amminadab von Nachschon, / Nachschon von Salmon.
5 Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. / Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. / Obed war der Vater von Isai,
6 Isai der Vater des Königs David. / David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war.
7 Salomo war der Vater von Rehabeam, / Rehabeam von Abija, / Abija von Asa,
8 Asa von Joschafat, / Joschafat von Joram, / Joram von Usija.
9 Usija war der Vater von Jotam, / Jotam von Ahas, / Ahas von Hiskija,
10 Hiskija von Manasse, / Manasse von Amos, / Amos von Joschija.
11 Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft.
12 Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiël, / Schealtiël von Serubbabel,
13 Serubbabel von Abihud, / Abihud von Eljakim, / Eljakim von Azor.
14 Azor war der Vater von Zadok, / Zadok von Achim, / Achim von Eliud,
15 Eliud von Eleasar, / Eleasar von Mattan, / Mattan von Jakob.
16 Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; / von ihr wurde Jesus geboren, / der der Christus (der Messias) genannt wird.
17 Im Ganzen sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen. "[8]

Wenn man sich den Stammbaum Jesu Christi anschaut so fällt auf, dass er ein künstliches Gebilde ist. In der ersten Zeile werden die wichtigen Personen der Geschichte Israels genannt und diese sind Jesus, auf dem der Stammbaum hinausläuft, David der große König und Abraham der Stammvater. Der Stammbaum spaltet sich in drei Abteilungen auf. Der erste Abschnitt reicht von Abraham bis zum König David, der zweite Abschnitt reicht vom König David bis zur babylonischen Gefangenschaft und letztlich der dritte Abschnitt reicht von der Babylonischen Gefangenschaft bis hin zu Jesus Christus. Es wird durch die Abschlussbemerkung sichergestellt, dass jeder Abschnitt 14 Generationen enthält. Vieles was wir im Stammbaum finden ist im AT vorgegeben. Mit "Buch des Ursprungs" wird in der LXX Gn 5,1 ein Stammbaum eingeleitet, der von Adam bis Noe reicht und ähnlich aufgebaut ist.[9] Es ist aber nicht möglich bei der ganzen Ahnenreihe eine sichere Herkunft zu bestätigen. Ein sicheres Urteil lässt sich bei der Ahnenreihe von Juda bis hin zu König David abgeben, diese ist LXX 1Chr 2, 3-15 entnommen.[10] Möglicherweise greift Mt die zweite Ahnereihe von König Salomo bis Jojachin aus LXX 1 Chr 3,10-19 ab obwohl er hier in zwei Punkten von der Vorlage abweicht. Zum einen fehlen in Vers 9 zwischen Jotam von Ahas die Könige Ochozia, Joas und Amarias und zum zweiten fehlt am Ende in Vers 11 zwischen 11 Joschija und Jojachin der König Joakim. Das hier Auslassungen vorgenommen werden hängt vermutlich mit dem beabsichtigten Zahlenspiel der 14 Generationen zusammen. Es sind sonst auch Auslassungen in den jüdischen Genealogien zu sehen.[11] Weiterhin ist zu beachten das die zur Verfügung stehenden Namen den Zeitraum nicht hätten überbrücken können.

Auch bei der dritten Ahnenreihe von der babylonischen Gefangenschaft bis hin zu Josef ist man sich nicht sicher ob sie da ihre Richtigkeit hat. Lukas der in der Ahnenreihe Abraham – David weitgehend mit Mt 1, 1-5 übereinstimmt führt die Linie über den Davidssohn Nathan weiter, während Mt hier die königliche Ahnenreihe bietet.

Für Mt ist das Zahlenspiel der 3 x 14 Generationen wichtig. Man könnte am Anfang den Eindruck gewinnen das Mt sich da verrechnet habe wenn man die Figur "A zeugte B" zur Grundlage der Zählung macht. Diese Figur kommt in der ersten Reihe 13-mal und in der zweiten Reihe 14-mal und in der dritten Reihe 12-mal vor. Zählt man aber die Namen inklusive den Namen Jesus dazu so kommt man auf 14 Namen in jeder Reihe. Am Ende der zweiten Ahnenreihe steht die Babylonische Gefangenschaft, hier sollte man den Namen Josias einsetzen.

Mt sieht hier sein Evangelium als eine Art Geschichte von Jesus Christus und es ist sehr wichtig wie Jesus durch den Stammbaum eingeführt wird, als Nachfahre Davids und Abrahams. Gottes Sohn wird er noch nicht genannt, obwohl dies wohl die christologische Einsicht für den Evangelisten war. Um den Sinn dieser Nachkommenschaft zu sehen muss man sich Vers 1 nochmals anschauen. Vers 1 hat eine übergreifende Bedeutung, welche vorwärts und rückwärts in der Zeit sich gestaltet. Abraham war der Stammvater Israels, David war der große König[12] Abraham und David empfingen Verheißungen von heilsgeschichtlicher Relevanz. Abraham sollte allen Völkern der Erde den Segen geben und ein Nachkomme Davidas sollte den Thron einer ewigen Herrschaft erlangen.[13] Diese beiden Verheißungen sind in der Charakterisierung Jesu als Davidssohn und Abrahamssohn präsent. Jesus erfüllt diese beiden Verheißungen, daher muss der Stammbaum auch rückwärts gelesen werden, da er durch seinen letzten Namen den erhält. Der Stammbaum ist unter diesen Aspekt als Resümee der Mt Theologie zu sehen. Mt knüpft an das alte an und schreibt somit in gewisser Weise eine Fortsetzung des AT, aber er weiß welchen Umbruch es durch Jesus gegeben hat.

[...]


[1] Vgl. Neue Jerusalemer Bibel, LK 2,1-3.

[2] Vgl. Herders Theologischer Kommentar zu Neuem Testament (Lukasevangelium), 104.

[3] Vgl. JosAnt XVII,13,5 (§355).

[4] Vgl. Lk 3, 23-38.

[5] Vgl. Micha 5, 1.

[6] Vgl. Micha 5,1.

[7] Vgl. Herders Theologischer Kommentar Lukasevangelium (HTK Lk), 106.

[8] Vgl. Mt. 1,1-1,17

[9] Vgl. Gn 2,4.

[10] Vgl. Ruth 4,18-22.

[11] Vgl. HTK MT S 167.

[12] Vgl. Ps 78

[13] Vgl. 2 Sm 7, 12-16

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zugänge zur Bibel aus religionspädagogischer Sicht: Die Kindheitsgeschichte Jesu Christi
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V52106
ISBN (eBook)
9783638479004
ISBN (Buch)
9783638661935
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inkl. 3 Unterrichtsentwürfen - dichter Text, einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Kindheitsgeschichte, Jesu, Christi
Arbeit zitieren
Christian Emke (Autor), 2005, Zugänge zur Bibel aus religionspädagogischer Sicht: Die Kindheitsgeschichte Jesu Christi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52106

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