Wolframs von Eschenbach 'Parzival' - Kindheit im Mittelalter


Referat (Ausarbeitung), 2002
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einteilung der Lebensalter
2.1. Infantia
2.1.1. Geburt, Taufe, Säuglingsalter
2.1.2. Vom Kleinkindalter bis zum siebten Lebensjahr
2.2. Pueritia
2.3. Adolescentia

3. Kinder im ‚Parzival’
3.1. Parzivals Kindheit und Jugend
3.1.1. Geburt und Aufwachsen in der Einöde Soltanes
3.1.2. Parzivals Aufbruch zum Artushof
3.1.3. Parzivals Erziehung bei dem alten Gurnemanz
3.2. Feirefiz
3.3. Obilot
3.4. Parzivals Söhne: Loherangrin und Kardeiz

1. Einleitung

Die Entstehung des Werkes „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach wird zwischen 1200 und 1210 datiert. Zu dieser Zeit entstanden auch die Werke „Tristan“ von Gottfried von Straßburg und „Erec“ und „Iwein“ von Hartmann von Aue.

Das ganze spielte sich also während der Zeit der Kreuzzüge ab. Die Menschen begannen aus ihren bisherigen Grenzen auszubrechen. Bei ihrer Heimkehr brachten sie unter anderem viele Geschichten aus dem Orient mit. Der Einfluss der fremden Kultur wird vor allem daran sichtbar, dass der Orient im Bereich Naturwissenschaften überlegen war. Außerdem kamen so viele Legenden und Geschichten in das Abendland. Während dieser Zeit bildet sich die Reiseliteratur und märchenhaftes greift langsam in die Literatur ein.

Das geistige Leben dieser Zeit findet vor allem in den Klöstern und Klosterschulen, später in den neu gegründeten Universitäten statt. Mit der Gründung der Universitäten (universitas bezeichnet Gemeinschaft der Lernenden und Lehrenden, selbstständig in Verwaltung und Gerichtsbarkeit) fällt das Bildungsmonopol des Klerus.

Es ist schwierig Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ einer bestimmten Gattung zuzuordnen. Das Werk enthält sowohl charakteristische Merkmale des Romans als auch des höfischen Epos. Zum einen bindet der Autor Erzählerkommentare ein, was den Roman kennzeichnet. Zum anderen werden bestimmte Lebenshaltungen und –formen vorgestellt und charakterisiert. Das ist eher Kennzeichen eines Epos. Dazu zählen auch die allwissende Erzählhaltung und die gehobene und zum Teil formelhafte Sprache Wolframs (Gottfried v. Straßburg wirft Wolfram zum Beispiel seinen dunklen und schweren Stil und die vielen Metaphern vor.). Für die Gattung des Romans spricht, dass der „Parzival“ in der Volkssprache, der lingua romana, verfasst ist. Auch die Tatsache, dass Parzival kein glänzender Held ist, sondern eine individuelle Geschichte hat und sich vielmehr Stück für Stück entwickelt spricht für den Roman.

Keine anderes mittelalterliches Werk wurde schon damals so oft zitiert oder abgeschrieben. Insgesamt sind über 80 Handschriften des Parzival bekannt. Viele davon stammen schon aus dem 13. Jahrhundert. Das ist weit mehr, als von jedem anderen vergleichbaren Werk dieser Zeit.

Daran lässt sich die Popularität und die Verbreitung des „Parzival“ erkennen. Schon im Prolog gibt Wolfram durch sein Elstern-Gleichnis vielen verschieden Charakteren die Möglichkeit, sich mit seinem Werk zu identifizieren. Außerdem bietet das Werk einen sehr großen Überblick über die damaligen ritterlichen Tugenden, die Idealformen höfischen Lebens und die Erziehung. Wolfram zeigt aber auch sehr schön die Konflikte auf, die durch bestimmte Verhaltensregeln entstehen können. Er zeichnet nicht nur eine Idealform höfischen Lebens, sondern an Hand von Parzival einen menschlichen Entwicklungsweg.

2. Die Einteilung der Lebensalter

Im Mittelalter herrschte die weitverbreitete Auffassung, das Lebensalter sei durch die Zahl sieben geprägt. So ergab sich die Aufteilung in folgende Lebensabschnitte der Kindheit[1]:

Infantia: Sie reicht von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr und ist geprägt davon, dass das Kind der Sprache noch nicht vollkommen mächtig ist und Gut und Böse nicht unterscheiden kann.

Pueritia: Die zweite Lebensphase reicht bei Mädchen bis zum zwölften, bei Jungen bis zum vierzehnten Lebensjahr. In dieser Zeit entscheidet sich, ob das Kind ein weltliches oder geistliches Leben führen wird und die Ausbildung für das spätere Leben beginnt.

Adolescentia: Die Adolescentia reicht nach Auffassung einiger Autoren bis zum 21. Lebensjahr, nach Auffassung anderer Autoren auch bis zum 28., 30., oder 35. Lebensjahr. In dieser Zeit reiften die Jungen zu Männern und schlossen ihre Ausbildung ab.

Das Leben eines Kindes sah im Mittelalter ganz unterschiedlich aus, abhängig von Geschlecht, Stand und anderen äußeren Einflüssen.

Außerdem gibt es den Begriff der „Kindheit“ im Mittelalter noch nicht. Das Wesen des Kindes ist ungeklärt und als solches nicht bekannt. Vielmehr werden die Kinder meistens als „kleine Erwachsene“ betrachtet.

2.1. Infantia

2.1.1. Geburt, Taufe, Säuglingsalter

Bei der Geburt war meist eine Hebamme, selten ein Arzt anwesend. Ein Kaiserschnitt wurde nur in Notfällen vorgenommen, wenn das Leben der Mutter schon verloren war, das Kind aber noch gerettet werden konnte.

Die Taufe wurde kurz nach der Geburt vorgenommen, um das Kind von der Erbsünde zu befreien. Drohte das Kind vor der Taufe durch einen Priester zu sterben, so konnte jeder Laie mit den Worten „Geschöpf Gottes, hiermit taufe ich dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes“ eine Nottaufe vollziehen[2].

Direkt nach der Geburt wurde das Kind gebadet und gewickelt. Das Wickeln sollte den Schock mildern, den das Kind bei der Geburt erleidet. Dazu wurden die Gliedmaßen von Bändern umwickelt, selten ließ man den Oberkörper frei.

Kinder wurden im Mittelalter möglichst bis zum zweiten Lebensjahr gestillt. In den oberen Gesellschaftsschichten nahm man sich dazu meistens eine Amme. So konnte die Mutter ihren gewohnten Beschäftigungen nachgehen und ihre ehelichen Pflichten erfüllen. Man vertrat die Ansicht, eine Mutter, die stillt, sollte keinen Geschlechtsverkehr haben. Das gleiche galt für die Amme, da die Gefahr einer neuen Schwangerschaft bestand und damit das „gute Blut“ nun nicht der Muttermilch, sondern dem Fötus zukam.

Säuglinge in Waisenhäusern wurden entweder mit Tiermilch durch das Horn einer jungen Kuh gesäugt oder mit stark verdünntem Brei gefüttert.

Die Entwöhnung von der Muttermilch zu fester Nahrung sollte langsam und nicht zu früh vorgenommen werden.

2.1.2. Vom Kleinkindalter bis zum siebten Lebensjahr

Man versuchte die Kinder nicht zum sitzen, gehen oder sprechen zu bewegen, bevor das Kind nicht von selbst damit begann[3]. Um aber Kindern, die sich mit dem Sprechen schwer taten, zu helfen, gaben einige Autoren verschiedene Tipps.

Die kleinen Kinder waren im elterlichen Haushalt ständigen Gefahren ausgesetzt. Trotzdem wurden sie in ihren Spielen kaum eingeschränkt. Waren die Kinder alt genug, spielten sie gemeinsam mit Gleichaltrigen. Sie hatten Spielzeuge wie Steckenpferde, Kreisel, Windrädchen oder Puppen zur Verfügung. Außerdem wurden Ballspiele, Tanzspiele oder Verstecken gespielt und im Sommer mit Murmeln. Oft amten die Kinder in ihren Spielen das Treiben der Erwachsenen nach.

Bauernkinder mussten in diesem Alter schon kleinere Arbeiten im Haushalt verrichten oder auf ihre jüngeren Geschwister achten.

[...]


[1] ARIÈS, PHILIPPE: Geschichte der Kindheit, München 1978, S. 76

[2] SHAHAR, SHULAMIT: Kindheit im Mittelalter, München 1991, S. 63

[3] ebend., S.107

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Wolframs von Eschenbach 'Parzival' - Kindheit im Mittelalter
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Seminar: Parzival
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
25
Katalognummer
V52131
ISBN (eBook)
9783638479202
ISBN (Buch)
9783638661959
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wolframs, Eschenbach, Parzival, Kindheit, Mittelalter, Seminar
Arbeit zitieren
Nadine Hey (Autor), 2002, Wolframs von Eschenbach 'Parzival' - Kindheit im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52131

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