Technische Wunderwerke im 'Parzival' Wolframs von Eschenbach


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Rahmengeschehen vor, während und nach der Ekphrasis der Automaten/ technischen Wunderwerke

3. Beschreibung der Automaten / technischen Wunderwerke
3.1 Das „lit marveile“
3.1.1 Beschreibung des Bettes
3.1.2 Funktion des Bettes
3.1.3 Vergleich mit der Vorlage Chretiens
3.1.4 Clinschor als Erbauer des Automaten
3.2 Die Wundersäule
3.2.1 Beschreibung der Säule
3.2.2 Funktion und Ursprung der Säule

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’ ist eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Dichtung. Immer wieder wird auch dieses Werk durch den Wandel des unseres Bildes des Mittelalters neu interpretiert. In einem heute eher technizistischen Mittelalterbild rücken auch technische Wunderwerke und Automaten mehr in den Blickpunkt der Forschung. Unter dem Gesichtspunkt der Interdisziplinarität macht es Sinn, auch literarische Werke im Hinblick auf technische und naturwissenschaftliche Dinge zu untersuchen. Im ‚Parzival’ Wolframs von Eschenbach sind zwei solcher technischen Gegenstände zu finden, die jedoch auch in den Bereich des Wunderbaren einzuordnen sind.[1]

Im Zusammenhang mit dem Seminarthema ‚Ekphrasis’ möchte ich mit dieser Arbeit untersuchen, wie Wolfram die Beschreibung der technischen Wunderwerke in den Erzählstrang eingliedert. Dabei kommt es mir vor allem darauf an, zu erörtern, wie er dem Rezipienten die Objekte der Beschreibung darbietet und sie imaginierbar macht. Außerdem möchte ich zum einen die Funktion, zum anderen aber auch den Ursprung dieser Wunderwerke / Automaten kurz ansprechen. Dazu gehört auch die Frage, welche Rolle der Zauberer Clinschor im Zusammenhang mit der Bedeutung der Automaten spielt.

2. Rahmengeschehen vor, während und nach der Beschreibung der Automaten / technischen Wunderwerke

Die Ekphrasen der technischen Wunderwerke im Parzival sind eingebettet in den Handlungsstrang der Ereignisse auf schastel marveile, einem Abschnitt in der zweiten Gawan-Partie. Schon in Buch 6, als Cundrie Parzival am Plimizöl verflucht, werden die Abenteuer auf schastel marveile erwähnt. Cundry wirbt bei den Rittern um das Abenteuer auf dem Schloss, auf dem vier Königinnen und 400 Jungfrauen gefangen sind. Sie betont die Außergewöhnlichkeit dieses Abenteuers genauso wie die große Bedeutung der Liebe im Zusammenhang mit dem schastel marveile:

al âventiure ist ein wint,

wan die man dâ bezalen mac,

hôher minne wert bejac. (Vers 318, 20-22)

Alle anderen Abenteuer sind im Gegensatz zu denen auf schastel marveile ein wint, also nichts wert und wer die Abenteuer besteht, wird mit edler Liebe belohnt. Doch nicht nur Cundry erzählt von schastel marveile. Nachdem Parzival den Plimizöl verlässt, lenkt der Erzähler noch einmal die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Abenteuer auf dem Schloss. In den Versen 334, 1-10 erwähnt er noch einmal die Gefangenschaft der 400 Jungfrauen und vier Königinnen und auch, dass schon viele Artusritter vergeblich versucht hatten, das Abenteuer zu bestehen. Daraufhin erzählt der Grieche Klîas von seinem Misserfolg beim Versuch dieses Abenteuer zu bestehen. Er nennt seinen Zuhörern auch die Namen der vier Gefangenen Königinnen, allerdings wird das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Gawan, Artus und den gefangenen Königinnen nicht aufgeklärt. Da aber erst in Vers 335 von Gawans Abreise vom Plimizöl berichtet wird, muss man zunächst davon ausgehen, dass er weiß, wer die gefangenen Königinnen auf schastel marveile sind. Nach den Worten von Klîas erwähnt der Erzähler noch einmal den Lohn für das Bestehen der Abenteuer auf dem Schloss, nämlich dicke minne (Vers 334, 30), wenn auch in einem negativen Ton. Somit wird bei jeder Erwähnung der Abenteuer auf schastel marveile auch die Liebe erwähnt, was ihre Wichtigkeit im Zusammenhang mit den Abenteuern verdeutlicht.

Danach wird das schastel marveile erst wider in Buch XI erwähnt, also in der zweiten Gawan-Partie. Bereits in Vers 534, 20-30 erblickt Gawan die Burg und auch deren Bewohner:

türne unde palas

manegez ûf der bürge was.

dar zuo muose er schouwen

in den venstern manege vrouwen:

der was vier hundert oder mêr,

viere under in von arde hêr. (Vers 534, 25-30)

Damit muss sowohl Gawan als auch den Rezipienten klar sein, dass es sich nur um schastel marveile handeln kann. Doch bevor der Name der Burg genannt wird und Gawan die Abenteuer bestehen kann, muss er im Auftrag Orgeluses, die seine Liebe verschmäht, zunächst noch einen Kampf gegen Lischoys Gwelljus bestehen und danach die Nacht bei dem Fährmann Plippalinot verbringen. Vom Fährmann erfährt Gawan, dass er sich im Lande Clinschors befindet (Vers 548, 5), dem Zauberer, der Artus’ Mutter genau wie Gawans Mutter und seine beiden Schwestern gefangen hält. An dieser Stelle wird zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen dem Zauberer Clinschor und schastel marveile erwähnt. Nachdem Gawan die Nacht beim Fährmann verbracht hat, fragt er ihn am nächsten Morgen nach der Burg und ihren Bewohnern aus. Plippalinot klärt ihn darüber auf, dass er sich in Terre marveile befindet, wo auch das lit marveile zu finden ist und das die Burg, die er meint das schastel marveile ist (Vers 557, 6-9). Innerhalb weniger Verse wird dreimal das Wort marveile verwendet, womit das wunderliche und magische an diesem Ort und diesem Abenteuer ganz besonders stark herausgestellt wird. Gawan lässt sich von den Schilderungen Plippalinots nicht abhalten, das Abenteuer zu versuchen und erbittet von diesem noch Ratschläge für den bevorstehenden Kampf. In dem Gespräch erwähnt der Fährmann immer wieder die Magie und den Zauber, mit dem das Schloss belegt ist (Vers 558, 19; 559, 30). Als letzten Rat gibt er Gawan mit, seinen Schild nicht herunterzunehmen. Außerdem erwähnt er, dass das Abenteuer nicht hoch zu Ross, sondern in einem sehr kostbaren Bett, dem lit marveile (Vers 561, 20-30) zu bestehen ist.

Gawan erreicht die Burg und lässt sein Pferd vor dem Tor bei einem Krämer als Pfand zurück. Den weiteren Weg bestreitet er zu Fuß. Gawan findet eine starke und gut geschützte Burg mit vielen kostbaren Verziehrungen vor (Vers 564, 24 – 565, 20), doch begegnet er nicht ihren Bewohnern. Schnell gelangt er zur Kemenate in der sich das lit marveile befindet. Er besteht das Abenteuer mit dem Bett und auch den nachfolgenden Kampf mit dem Löwen, sinkt dann jedoch schwer verletzt bewusstlos zusammen. Mit dem Bestehen des Abenteuers ist der Zauber auf der Burg eigentlich gelöst, doch diesbezüglich erfährt der Zuhörer nichts vom Erzähler.

Dank der Pflege von Arnive kommt Gawan nach einem heilsamen aber unruhigen Schlaf schnell wieder zu Kräften. In seinen Träumen muss Gawan immerzu an Orgeluse und seine unerfüllte Liebe zu ihr denken. Am nächsten Morgen steht Gawan auf, um die Burg zu erkunden. Dabei entdeckt er die Wundersäule. Nachdem er sie ausgiebig betrachtet hat, kommt Arnive mit Ihrer Tochter und Gawans Schwestern dazu und beantwortet ihm seine Fragen zur Wundersäule. Daraufhin erblickt Gawan in der Säule Orgeluse und macht sich sofort auf den Weg zu ihr. Bei Orgeluse angekommen erwartet ihn ein weiterer Kampf, der siegreich für ihn endet. Doch mit diesem Sieg hat er immer noch nicht Orgeluses Liebe erringen können. Sie verlangt einen weiteren Dienst von ihm, nämlich, dass er im Garten von Gramoflanz Zweige für einen Dornenkranz für sie bricht. Erst nachdem er diese Aufgabe erfolgreich erfüllt hat, ist Orgeluse freundlich zu Gawan. Gemeinsam kehren sie nach schastel marveile zurück.

Am nächsten Tag lässt Gawan ein Fest auf der Burg veranstalten (Vers 636, 15ff. Erst jetzt ist von einer Erlösung des bösen Zaubers die Rede:

es was in selten ê geschehen,

den vrouwen unt der ritterschaft,

sît si Clinschores craft

mit sînen listen überwannt. (Vers 637, 16-19)

Sowohl die bisher streng nach Geschlechtern getrennten Bewohner der Burg kommen einander näher, als auch Gawan endlich seine Liebe von Orgeluse erwidert findet.

[...]


[1] vgl. Ulrich Ernst: Mirabilia mechanica, in: Friedrich Wolfzettel (Hrsg.): Das Wunderbare in der arthurischen Literatur, Tübingen 2003, 45 – 77, hier S. 45-46

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Details

Titel
Technische Wunderwerke im 'Parzival' Wolframs von Eschenbach
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V52132
ISBN (eBook)
9783638479219
ISBN (Buch)
9783638661966
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Technische, Wunderwerke, Parzival, Wolframs, Eschenbach, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Nadine Hey (Autor), 2004, Technische Wunderwerke im 'Parzival' Wolframs von Eschenbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52132

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