Probleme der Habsburger nach 1555: Die Auseinandersetzungen mit dem osmanischen Reich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Die machtpolitische Konstellation in Europa

2. Chronologie der wichtigsten militärischen Auseinandersetzungen
2.1. Mittelmeerraum
2.1.1. Lepanto
2.2. Balkan
2.2.1. Langer Türkenkrieg

3. Das Problem der wirtschaftlichen Konkurrenz

4. Rückwirkungen des Konflikts auf das Reich
4.1. Reichsversammlungen
4.2. Reichstürkenhilfe
4.3. Landesdefension und Kriegswesen
4.4. Die österreichischen Erblande

5. Der Wandlungsprozess in den beiden Großreichen

6. Fazit

Literatur

Einleitung

Bei der genaueren Auseinandersetzung mit der Dynastie der Habsburger im 16. Jahrhundert fällt auf, dass die Bestrebungen Karls des V. nach der monarchia universalis neben innenpolitischen Problemfaktoren, wie den protestantischen Fürsten in den eigenen Landen auch durch Bedrohungen von außen erschwert wurden. So nahm der Kampf gegen Frankreich und das Papsttum eine dominierende Stellung in der habsburgischen Außenpolitik ein. Mindestens ebenso bedrohlich für die eigene Macht und die Hegemonie auf dem europäischen Kontinent sowie im Mittelmeer war jedoch das osmanische Reich, das im 16. Jahrhundert- wohl auch bedingt durch die Persönlichkeit Sultan Süleymans- im Zenit seiner Macht stand.

Aus diesem Grund soll in der vorliegenden Arbeit der Fokus auf die militärischen und politischen Auseinandersetzungen des Hauses Habsburg mit den Osmanen gelegt werden und Phänomene, wie die Einigkeit im Reich bezüglich der Türkenabwehr, näher beleuchtet werden.

Leichthin unter dem Begriff der Türkenkriege bekannt, zogen sich die habsburgischen Abwehrkriege gegen die expandierenden Osmanen über den Zeitraum vom ausgehenden Mittelalter bis hin in die Neuzeit und darüber hinaus bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hin. Versteht man allgemein unter den Türkenkriegen in ihrer Anfangsphase, die rein ideologisch und religiös begründete Abwehr der Bedrohung aus dem Osten und die Verteidigung des christlichen Abendlandes vor den ungläubigen Muslimen, so waren die Mechanismen, die den Dauerkonflikt der Habsburger mit dem osmanischen Reich auslösten und immer neu entfachten, rein machtpolitischer Natur. Aus den, an die Kreuzzüge erinnernden Kriegen gegen die Türken, die etwa ab der Mitte des 15. Jahrhunderts in den südosteuropäischen Raum eindrangen, entwickelten sich ab dem 16. Jahrhundert reine Eroberungs- und Verteidigungskriege. In dieser Zeit nahm auch der Expansionsdrang der Osmanen spürbar zu, sodass die Hauptlast der militärischen Verantwortung von Karl V. und später vor allem von seinen Nachkommen in der österreichischen Linie getragen werden musste.

Schauplätze der Auseinandersetzungen waren im Wesentlichen der österreichische Teil des Habsburger Imperiums und der Mittelmeerraum bis zur Levante.

Da die Problematik der Auseinandersetzungen jedoch mit der Beschränkung auf den militärischen Ablauf nur unzureichend verdeutlicht werden kann, sollen auch wirtschaftliche und dynastische Probleme berücksichtigt werden.

1. Die Machtpolitische Konstellation in Europa

Das Osmanische Reich stellte, trotz seiner geographischen Entfernung zu den habsburgischen Kernlanden, aufgrund seines Schulterschlusses mit Frankreich einen mächtigen und zudem sowohl in seiner Diplomatie als auch in seinem militärischen Operieren völlig andersartigen außenpolitischen Gegner dar. Während Habs-burgerreich und Frankreich sich durch ihren schon Jahrzehnte andauernden Kampf gegenseitig in ihrem Expansionspotential einschränkten, stand das osmanische Reich in einer schon seit 1453 währenden „Phase der Blüte“[1] und trieb konstant eine „imperiale Expansion“ voran, die durch die enormen Finanzmittel getragen wurde, die durch die Besteuerung der besetzten Gebiete an Istanbul gingen. Das osmanische Reich stellte eine bedrohliche Macht dar, aufgrund der Toleranz in religiösen Fragen gegenüber der unterworfenen Bevölkerung und dank des Status eines „gunpowder- empire“[2], das sich auf einen hoch entwickelten Militärapparat stützen konnte- den Findley in einen Vergleich mit den durch die 1945 erworbene Nuklear-waffentechnologie zur Weltmacht erhobenen USA stellt.

Jedoch gerade die Zusammenarbeit mit Frankreich verdient vor dem Hintergrund der politischen Bündniskonstellation eine genauere Untersuchung.

Die ersten französisch- osmanischen Annäherungen ergaben sich bereits 1523. Von da an sah der französische König in den Osmanen einen starken Verbündeten gegen die Habsburger, der die Truppen des Kaisers im Osten binden und in einen Mehrfrontenkrieg verstricken konnte. So waren einige der seit 1526 stattfindenden Angriffe auf Ungarn mit den Militärschlägen der Franzosen im Westen koordiniert. Erst mit der Abdankung Karls V. und der Teilung des Hauses Habsburg wurde unter Philipp II., dem Sohn Karls, eine neue Doktrin des habsburgisch- französischen Ausgleichs eingeleitet. Diese Politik der Annäherung stellt laut Lutz die fünfte und letzte Phase des französisch- habsburgischen Konflikts dar und beendete die durch Karl V. und Großkanzler Mercurino de Gattinara wieder aufgenommene Idee der monarchia universalis und damit den französisch-habsburgischen Gegensatz. Am 3. April 1559 wurde in Cateau- Cambrésis von beiden Seiten der Frieden vertraglich zugesichert[3].

Seit 1556 suchte man am kaiserlichen Hof nach einer Verbindung mit dem Haus Valois, konkrete Heiratsverhandlungen wurden unter Maximilian II. in Gang gesetzt. Vor allem unter Berücksichtigung außenpolitischer Gesichtspunkte wurde die „dynastische Brücke Habsburgs zu den Valois“ mit äußerster Priorität voran getrieben, glaubte man doch, so Einfluss auf die französische Haltung zum osmanischen Reich nehmen zu können. 1570 kam es so zur Hochzeit Karls IX. mit Erzherzogin Elisabeth und Philipps II. mit der Schwester der Erzherzogin.

Nachdem der über drei Jahrzehnte andauernde Kampf zwischen den Häusern Habsburg und Valois beigelegt worden war und die finanziell angeschlagenen Herrscherhäuser in den folgenden Jahren von den Aufständen in den Niederlanden sowie den Hugenottenkriegen in Anspruch genommen worden waren, nahm die Konfessionsfrage in der Außenpolitik eine immer wichtigere Rolle ein. Es bildete sich auf der einen Seite die Koalition der „alt-[gläubigen]“[4] Mächte- ihnen gehörte Spanien-Habsburg, das Haus Valois und die Kurie an- sowie die der neugläubigen, die mit England, den Niederlanden und den Hugenotten einen zunehmend erstarkenden Gegner darstellte. Hinzu kam, dass ab 1570 ein Bündnis zwischen England und dem osmanischen Reich die Türken mit dem für die Artillerieproduktion benötigten Zinn versorgte und den Engländern einen militärischen Verbündeten in der Levante zur Seite stellte[5].

Schien das Reich aufgrund dieser Mächtekonstellation, mit einem kooperierenden Frankreich an seiner Seite, das Risiko einer Einkeilung ausgeschlossen zu haben, krankte es dennoch an der Unfähigkeit, einheitliche außen- und innenpolitische Ziele zu verfolgen.

2. Chronologie der wichtigsten militärischen Auseinandersetzungen

2.1. Mittelmeer

Wurde der Mittelmeerraum, insbesondere Nordafrika, bis 1555 oft von den großen Gefechten zwischen Habsburgern und Osmanen heimgesucht, kam es bis 1565 nur noch zu vereinzelten Zusammenstößen der beiden Großmächte. Erst im Frühjahr 1565 begann, ausgelöst durch Istanbul, eine erneute Offensive, diesmal mit dem Ziel Malta.

Im Zuge ihres Vorstoßes von 1522 hatten die Osmanen die Ritter des Johanniterordens von ihrem Ordenssitz auf Rhodos vertrieben. Dieser war ihnen jedoch 1530 auf Geheiß Karls V. wieder auf Malta anerkannt worden.

Am 18. Mai 1565 ordnete Süleyman die Belagerung der Insel an, die bis zum 8. September andauerte, dann jedoch aufgrund der nahenden Herbststürme abgebrochen wurde. Während des vergeblichen Sturms auf den Sitz der Johanniter erlitt das osmanische Heer Gesamtverluste von schätzungsweise 20.000 Mann und zog wieder ab. Aus Rache und um wegen des militärischen Debakels vor den Mauern Maltas gegenüber dem Sultan das Gesicht zu bewahren, ging Großadmiral Piyâl Pascha 1566 zu einer Invasion der genuesischen Insel Chio über.[6]

2.1.1. Lepanto

Ein weiterer destabilisierender Faktor war die Angrenzung der osmanischen Eroberungen an den dalmatinischen Küstenbesitz der einflussreichen Republik Venedig. Schon seit Mitte des 15. Jahrhunderts kam es in den Streitigkeiten um Griechenland zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Seemacht Venedig und der Hohen Pforte. Vor allem durch die venezianische Besetzung Zyperns wurde eine osmanische Hegemonie über das Mittelmeer verhindert. Um dem entgegenzuwirken wurde 1570 eine gewaltige osmanische Flotte mobilisiert, die mit 360 Schiffen und 52.000 Mann Besatzung[7] den Schlüsselpunkt Zypern aufbrechen sollte. Die einzigen befestigten Stützpunkte Venedigs, Nicosia und Famagusta, fielen innerhalb weniger Wochen. Als Reaktion entsandte Venedig, unterstützt von der Kurie und Spanisch- Habsburg, eine Flotte von insgesamt 114 Galeeren und Großkampfschiffen. Der Oberbefehl wurde Don Juan d´Austria, einem unehelichen Sohn Karls V., übertragen.

Am 7. Oktober 1571 trafen die beiden Flotten nahe der Bucht Lepanto aufeinander: Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Osmanen konnte die christliche Koalition unter ihren Befehlshabern d`Austria und Andrea Doria, einem Großneffen des legendären Admirals, den Sieg erringen. Auf osmanischer Seite fiel während des Gefechts fast die gesamte Admiralität, die Verluste unter den Truppen beliefen sich auf etwa 30.000 Mann. Auf der Seite der Koalition fielen etwa 8.000 Mann. Neben zahlreichen erbeuteten Schiffen und Geschützen konnten auch rund 15.000 christliche Galeerensklaven befreit werden.[8]

[...]


[1] Findley, Carter V.: The Turks in world history. Oxford, 2005, S. 108.

[2] Ebd., S.93.

[3] Kohler, Alfred: Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa 1521-1648. In: Gall, Peter [Hrsg.]: Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd.6. München, 1990, S. 70.

[4] Gebhardt - Handbuch der deutschen Geschichte. Bd.10, 10. Aufl. Stuttgart, 2001, S. 55.

[5] Braudel, Fernand: Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II, Bd. 2. 1. Aufl., Nördlingen, 1994, S. 397- 399.

[6] Mantran, Robert: Histoire de l'empire ottoman. Paris, 2003, S. 155.

[7] Mojores, Ferenc/ Rill, Bernd: Das Osmanische Reich (1300-1922). Die Geschichte einer Großmacht. Regensburg, 1994, S. 251/252.

[8] Mojores, S. 252 ff.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Probleme der Habsburger nach 1555: Die Auseinandersetzungen mit dem osmanischen Reich
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Problemgeschichte des 16.Jahrhunderts
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V52134
ISBN (eBook)
9783638479233
ISBN (Buch)
9783638661973
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Probleme, Habsburger, Auseinandersetzungen, Reich, Problemgeschichte, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
B.A. Malte Gaier (Autor:in), 2006, Probleme der Habsburger nach 1555: Die Auseinandersetzungen mit dem osmanischen Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52134

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