Die 'süße Macht' der Kolonialwaren - Zucker als Einflussfaktor des kulturellen Geschmackswandels


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe


Inhalt

I. Einleitung

II. Geschichte und Bedeutung des Zuckers und anderer Kolonialwaren für die europäische Kultur
1. Einführung in die Geschichte des Zuckers
2. Bedeutung von Zucker, Tee und Kaffee zu Beginn des 17. Jahrhunderts
2.1 Das Genussmittel der Reichen
2.2 Speis und Trank- Zucker als Gewürz?
2.3 Betrachtung der medizinischen Gesichtspunkte des Zuckers
3. Gesellschaftlicher Geschmackwandel im 18. und 19. Jahrhundert
3.1 Neue Gewohnheiten im Umgang mit Zucker- Tee, Kaffee und Kakao
3.2 Nutzenfaktor Zucker- die Bedeutung für die Armen
4. Kulturwandel durch die „neuen“ Eß- und Trinkgewohnheiten
4.1 Vom Luxusgut zum Massenkonsum, die Ritualisierung des Zuckers
4.2 Zeitersparnis durch neuen Speisen- Modernisierung der Gesellschaft

III. Zusammenfassung

Bibliographie

Eigenständigkeitserklärung

I. Einleitung

Zucker- Statussymbol, Prestige, Gewürz, Dekor oder Medizin? In vergangenen Jahrhunderten gab es Zeiten, in denen dem Genussmittel all diese Verwendungen zugesprochen wurden. In der von Diäten und körperlicher Fitness geprägten Welt von heute jedoch, wird Zucker für viele Zivilisationsprobleme verantwortlich gemacht. Er ist negativ behaftet mit Wörtern wie „Schadstoff“ oder „Dickmacher“ und wird oft als äußerst ungesund empfunden. Verbreitet durch die Medien, leidet das ehemalige Kolonialprodukt unübersehbar an Imageverlust; kaum jemand kann Zucker noch mit guten Gewissen genießen. Im Gegensatz zur gegenwärtigen Entwicklung aber, wurde Zucker in den letzten Jahrhunderten als kostbares Gut gehandelt. Die Reichen und Mächtigen genossen das „süße Leben“, benutzten Zucker zum Ausdruck der eigenen gesellschaftlichen Position und zur Übermittlung von unterschwelligen Botschaften bei öffentlichen Anlässen. Zucker war das Luxusgut der Wohlhabenden, denn zumindest bis ins 19. Jahrhundert hinein beschränkte sich der Konsum auf die zahlungskräftige Oberschicht. Zucker diente auch als Gewürz, hatte zunächst einen hohen Stellenwert in der Medizin und wurde in vielen anderen Bereichen eingesetzt, bis er später von den unteren Schichten konsumiert wurde. Das Aufkommen der damals neuen Aufgussgetränke aus Übersee stand in engem Zusammenhang mit der Ausbreitung des Süßungsmittels in England und dem restlichen Europa. Tee, Kaffee und Schokolade fanden Eingang in die englische Gesellschaft und veränderten maßgeblich das Konsumverhalten. Aus dem Luxusgut Zucker wurde im Lauf der Zeit ein Produkt für die breite Massen. Der Handel florierte und brachte hohe Gewinne mit sich. Da sich Menschen aus allen Schichten im Lauf der Zeit Zucker leisten konnten und er zum alltäglichen Bedarfsartikel wurde, veränderten sich nach und nach die Eß- und Trinkgewohnheiten. Die Ritualisierung des Produktes brachte einen unvermeidbaren Bedeutungswandel mit sich und gerade deshalb erscheint die Geschichte des Zuckers interessant und erzählenswert.

Die vorliegende Seminararbeit stellt dar, auf welchem Weg der Zucker von der sozialen Oberschicht bis in die „arbeitende Gesellschaft“ gelangte. Dabei werden geschichtliche Daten und Verwendungsarten des Süßungsmittels näher beleuchtet und sein Einfluss auf die damit verbundenen kulturellen Veränderungen der Gesellschaft und des Geschmacks veranschaulicht.

II. Geschichte und Bedeutung des Zuckers und anderer Kolonialwaren für die europäische Kultur

1. Einführung in die Geschichte des Zuckers

Heutzutage ist Zucker ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil unserer Küche und der alltäglichen Ernährung. Dabei geht es nicht nur um die reine Form des Zuckers, mit dem man Tee süßt oder Desserts verfeinert, sondern auch um Lebensmittel, denen Saccharose schon vor dem Verkauf beigefügt wurde. Es erscheint oftmals sogar schwierig, Nahrungsmittel oder so genannte Fertigprodukte ohne den Zusatz von Zucker zu erwerben. Doch dem war nicht immer so, denn Zucker gelangte erst um die Jahrtausendwende über die Hafenstädte Genua und Venedig nach Mittel- und Nordeuropa, wo er zunächst medizinischen Zwecken diente und zum Würzen von Speisen benutzt wurde.

Der Ursprungsort des Rohrzuckers, Melanesien, liegt im asiatischen Raum. Von hier aus gelangte der Rohrzucker nach Indien, wo er zu einem dunklen Saft verarbeitet wurde, den man flüssig oder in festem Zustand zu sich nahm. Im 5. Jahrhundert nach Christus bauten erstmals die Perser Rohrzucker an und es gelang ihnen bald, ein unserem Zucker ähnelndes Produkt herzustellen. Von Persien aus kam der Zucker schließlich über Ägypten, Syrien und Zypern in den Mittelmeerraum nach Sizilien und Spanien. 1492, als Kolumbus seine Reise über den Atlantik nach Indien antrat, begleiteten ihn auf seinem Schiff zahlreiche Rohrzuckerpflanzen aus dem spanischen Anbaugebiet der Kanaren, die er daraufhin in die Neue Welt einführte. Die durch Großgrundbesitz und Sklavenarbeit geprägten Kolonien lieferten dann im 16. Jahrhundert große Mengen an Zucker nach Europa, kurbelten so den Exporthandel deutlich an und Venedig verlor seine Monopolstellung als führende Handelsmacht im Mittelmeerraum. Zucker sollte später neben anderen Kolonialprodukten Hauptexportartikel werden. In Europa verlagerte sich währenddessen allmählich die Produktion in den westlichen Mittelmeerraum bis hin zum Atlantik, was eine erste und erhebliche Preissenkung auslöste. Der Massenhandel mit Zucker im 16. Jahrhundert führte zu einem Überangebot, was erneute Preisstürze mit sich brachte und war auch der Grund für die Ausweitung des Zuckers als Gewürz in den herrschaftlichen Küchen. Das traditionelle Süßungsmittel Honig wurde langsam verdrängt. Zeitgleich fand Zucker immer mehr Verwendung; süße Desserts wurden eingeführt, er wurde als Dekor verwendet, Speisen wurden reichlich mit ihm gewürzt, er wurde nach wie vor zu medizinischen Zwecken eingesetzt und es wurden vielerlei neue Speisen kreiert. Doch all das war vorerst den Mächtigen vorbehalten.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts betraten drei weitere Kolonialwaren die Bühne der europäischen Genusskultur. Tee, Kaffee und Schokolade, ebenso Exportartikel aus Übersee, wurden mit großer Begeisterung getrunken und stehen in sehr enger Verbindung zum Zucker.[1]

Die Kulturgeschichte des Zuckers vollzog sich über mehrere Jahrhunderte: Der Süßstoff, angekommen in Europa, durchlief verschieden soziale Schichten, wurde in vielen unterschiedlichen Bereichen benutzt und angewandt. Sein Gebrauch veränderte dabei die ursprünglichen Essgewohnheiten, hatte erheblichen Einfluss auf den Handel mit der Ware und die Geldwirtschaft und mutierte schließlich vom anfänglichen Luxusgut zum Massenprodukt unserer heutigen Zeit. Beginnend mit der Bedeutung des Zuckers im 17. Jahrhundert, wird im nächsten Kapitel das Aufkommen des Süßstoffes behandelt. Dabei lässt sich feststellen, dass das Produkt zunächst vorwiegend in die britische Kultur und erst später in die Küchen des übrigen Europas Einzug hielt.

2. Bedeutung von Zucker, Tee und Kaffee zu Beginn des 17. Jahrhunderts

Das Überangebot an Zucker im 16. Jahrhundert war verantwortlich für die Preissenkung des Genussmittels. Zucker fand aus diesem Grund schon bald seinen Weg in die Küchen der wohlhabenden Gesellschaft Europas. Daraufhin wurden neue Süßspeisen kreiert. Die in der Mitte des 17. Jahrhunderts aus Übersee exportierten Aufgussgetränke Tee, Kaffee und Schokolade wurden ebenso mit Zucker gesüßt. Daneben zählten Speiseeis, Likör, Limonade und Pralinen zu den innovativen Schöpfungen dieser Zeit. Jedoch war der Genuss vorerst der wohlhabenden Gesellschaft vorbehalten. Der französische Hof zelebrierte die exklusiven Süßigkeiten; die breite Masse der Bevölkerung dagegen sollte noch lange von ihnen träumen, denn trotz der fallenden Preise, waren besagte Naschereien sehr kostspielig und rar.

Der Zuckerkonsum beschränkte sich, in Westeuropa bis ins 18. Jahrhundert und in Mittel- und Osteuropa bis ins 19. Jahrhundert hinein, ausschließlich auf die Haushalte der Adligen und der reichen Bürger.[2]

2.1 Das Genussmittel der Reichen

Zucker war von Anbeginn ein sehr teueres Gut, das vorerst ausschließlich den Reichen vorbehalten war. Er wurde nicht nur als Gewürz und Medizin eingesetzt, sondern fand schnell Verwendungsarten, die Macht, Status und Prestige zum Ausdruck brachten. So zählt auch der aus Nordafrika stammende Brauch, Zucker als Dekor zu verwenden, zu den bedeutenden Methoden vergangener Zeit, Reichtum zu demonstrieren.

Mit Dekor ist die dekorative Verwendung des Zuckers gemeint, derer sich Königshäuser, Adel, Ritterstand und Kirche bedienten. Diese Etikette zählte ab etwa 1660 als bedeutsamer obligatorischer Bestandteil eines Festmahls der oberen Gesellschaft.[3] Diese so genannten „subtleties“ wurden zunächst ausschließlich als Tischdekoration bei Festmählern und bestimmten Anlässen aufgebaut. Sie verfolgten zwei bestimmte Zwe name="_ftnref4" title="">[4] Später fand dieser Brauch ebenfalls in den niederen Gesellschaftsschichten Anklang. Damit verlor Zucker mehr und mehr seine symbolische Bedeutung und wurde relevant für ökonomische und ernährungstechnische Bereiche. Zucker war reichlicher vorhanden, wurde billiger und dadurch sank seine Potenz als Machtsymbol. Die ehrende Auszeichnung derer, die Zucker konsumierten, wurde eingebüßt und es entstand eine neue Verteilung der Macht. Nun wurde im 18. Jahrhundert das Geschäft mit dem Zucker zur Machtquelle der Herrschenden. Die Geldwirtschaft blühte. Produktion, Transport, Raffinierung und Besteuerung brachten neuen Reichtum mit sich. Die erwirtschafteten Gewinne waren immens und es ging dabei um noch viel größere Geldsummen, als zuvor.[5] Die Reichen wurden noch reicher.

[...]


[1] Merki, Christoph Maria (1999): Zucker. Seite 233f; Kaminski, Sibylle (1986): Colonialwaren-

Lesebuch. Seite 54ff.

[2] Merki, Christoph Maria (1999): Zucker. Seite 234.

[3] Mintz, Sidney (1987): Die süße Macht: Kulturgeschichte des Zuckers. Seite 116f.

[4] Ebd., Seite 118f.

[5] Ebd., Seite 125.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die 'süße Macht' der Kolonialwaren - Zucker als Einflussfaktor des kulturellen Geschmackswandels
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Kulturgeschichte
Note
1,3
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V52144
ISBN (eBook)
9783638479318
ISBN (Buch)
9783656795988
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht, Kolonialwaren, Zucker, Einflussfaktor, Geschmackswandels, Einführung, Kulturgeschichte
Arbeit zitieren
Anonym, 2005, Die 'süße Macht' der Kolonialwaren - Zucker als Einflussfaktor des kulturellen Geschmackswandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52144

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