Einleitung
Die Wallfahrt gehört zu den ältesten kultischen Ritualen der Geschichte der Menschheit und steht in enger Verbindung mit dem Glauben. Eine Wallfahrt zu machen bedeutet zunächst, sich auf eine Reise zu einem heiligen Ort zu begeben. Dabei sind Motive, Reiseweg- und art, Kulthandlungen und Ziel individuell sehr unterschiedlich und abhängig von der Religion des Reisenden.
Die vorliegende Arbeit soll die verschiedenen Aspekte des Pilgerns im Hinduismus und Buddhismus beleuchten. Den Anhängern beider Religionen ist es seit jeher eine wichtige Tradition, heilige Orte aufzusuchen. Doch festzulegen, welche Gründe für eine Pilgerreise ausschlaggebend sind, ist schwierig, da die Motivationen häufig unterschiedlichen Ursprungs sind. Die Hindus legen weite Strecken zurück und erhoffen sich von der beschwerlichen Reise eine Freisprechung von begangenen Sünden aus der Vergangenheit. Sie verehren eine Vielzahl an Göttern und bereisen speziell die Regionen und Orte, an denen sich die mythischen Geschichten der Götter in vergangener Zeit abspielten. Am Pilgerziel angekommen, verweilen Hindus in Gebeten; sie gehen den verschiedensten rituellen Handlungen nach und zelebrieren an bestimmten Daten große Feste, zu denen Tausende von Gläubigen anreisen. Die Buddhisten hingegen verehren nicht Götter, sondern die Lehre Buddhas. Sie pilgern an Orte, die Buddha vor und nach seiner Erleuchtung besuchte. Sie meditieren an Plätzen, wo er lebte und starb und reisen zu heiligen Stätten, welche berühmt sind durch die Reliquien des Gründers. Buddhisten pilgern im Gegensatz zu Hindus ohne bestimmte religiöse Vorschriften. Aus diesem Grund gestaltet sich die Wallfahrt jedes einzelnen sehr unterschiedlich und auch die am Pilgerziel ausgeführten Kulthandlungen sind individuell geprägt. Eine Pilgerreise zu einer heiligen Stätte bringt den Buddhisten nur indirekt seinem Heilsziel, das Nirvana – den Zustand glückseliger Ruhe- zu erreichen, näher. Denn wer an Buddha denken möchte, kann dies von jedem Ort der Welt aus tun und dazu ist eine Reise nicht von Nöten.
Buddhismus und Hinduismus haben ihren Ursprung in Indien und beide zählen heute zu den großen Weltreligionen. Aus diesem Grund erscheint es interessant, die Wallfahrt im Kontext der jeweiligen Religion eingehend zu betrachten und herauszuarbeiten, warum die Gläubigen pilgern, was sie sich davon erhoffen, welche Riten von ihnen ausgeübt werden und welche Besonderheiten entsprechend auffallend sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Wallfahrt im Hinduismus und im Buddhismus
1. Pilgern im Hinduismus
1.1 Einführung in die Religion
1.2 Was ist heilig im Hinduismus?
1.3 Pilgerziele und deren unterschiedliche Bedeutung
1.4 Yatra- der Weg zur Wahrheit
2. Pilgern im Buddhismus
2.1 Buddha- die historische Figur
2.2 Einführung in die Philosophie der Lehre (dharma)
2.2.1 Die Heiligen Schriften des Buddhismus
2.2.2 Sangha- die Gemeinde Buddhas
2.3 Der Kultus im Buddhismus
2.4 Heilige Stätten im Buddhismus- die Besonderheiten der religiösen Architektur
2.5 Die Wallfahrt im Buddhismus
3. Gemeinsame Pilgerstätte
3.1 Mount Kailash in Tibet
3.2 Kataragama und Adam´s Peak auf Sri Lanka
III. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die verschiedenen Aspekte des Pilgerns im Hinduismus und Buddhismus, um die Motive, Riten und die Bedeutung heiliger Orte in beiden Weltreligionen herauszuarbeiten und zu vergleichen.
- Historische und philosophische Grundlagen beider Religionen
- Kultische Praktiken und Götterwelt im Hinduismus
- Die Lehre Buddhas und die Bedeutung von Reliquien
- Strukturen und Besonderheiten der religiösen Architektur
- Vergleichende Analyse gemeinsamer Pilgerstätten wie Mount Kailash
Auszug aus dem Buch
1. Pilgern im Hinduismus
„Zwei Hindus in langen, weißen Gewändern fegen barfuß die Mitte einer Straße. Beide gehören einer niedrigen Kaste an, beide singen. Sie bereiten den Weg für einen heiligen Mann, der auf Pilgerreise zu einem Tempel Shivas ist. Abgesehen von einem weiten Lendentuch ist er nackt und er hat sich kahlrasiert. In der Mitte der Stirn ist eine senkrechte rote Linie aufgemalt; auf beiden Seiten davon befindet sich eine weiße Linie. Er ist sehr dünn; doch zeichnen sich deutlich Muskeln und Sehnen ab. Nur langsam kommt er voran. Er steht still, ruft „Shiva“, kniet nieder, betet laut und wirft sich dann in voller Länge nieder, betet wieder laut, kniet, ruft wieder „Shiva“, rutscht auf den Knien dorthin, wo sein Kopf eben noch lag, steht auf und beginnt die Prozedur wieder von vorne. Seine beiden Schüler fegen Staub und kleine Steine beiseite, während ein anderer Schüler hinter ihm in einer Holzschale Almosen sammelt. Für die zehn Kilometer zum Shiva-Tempel braucht der heilige Mann vermutlich eine Woche. Furchige Schwielen bedecken seine Knie, denn er kriecht bereits seit einigen Monaten auf ihnen.“
Die Wallfahrt ist in der hinduistischen Lehre eine sehr bedeutsame sakrale Handlung und stellt für viele Hindus eine der wichtigsten Akte in einem Menschenleben dar. Um den Wert einer solchen Pilgerreise und die damit verbundenen, unserem Kulturkreis oft fremden, Riten zu verstehen, ist eine Einführung in die Lehre, die Geschichte und die Götterwelt der Hindus notwenig. Aus diesem Grund werden die wichtigsten Schwerpunkte und Zusammenhänge im folgenden Abschnitt dargestellt und mit der Wallfahrt in Bezug gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Pilgern im Hinduismus: Beleuchtet die religiösen Grundlagen, die Rolle des Kastensystems und die spezifischen Riten und Motive, die Hindus zu Pilgerreisen bewegen.
2. Pilgern im Buddhismus: Untersucht die historische Figur Buddhas, die Philosophie der Lehre sowie die Praxis der Wallfahrt im Buddhismus, die sich deutlich vom hinduistischen Götterkult unterscheidet.
3. Gemeinsame Pilgerstätte: Analysiert heilige Orte wie den Mount Kailash und Kataragama, die sowohl von Hindus als auch von Buddhisten als Zentren der Verehrung geteilt werden.
Schlüsselwörter
Hinduismus, Buddhismus, Wallfahrt, Pilgerreise, Dharma, Nirvana, Reliquien, Stupa, Tempel, Kastenwesen, Götterkult, Meditation, Heilige Stätten, Samsara, Wiedergeburt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine kulturwissenschaftliche Analyse der Pilgertraditionen im Hinduismus und Buddhismus, wobei die Unterschiede in Motivation, Riten und Zielsetzung der Gläubigen im Vordergrund stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte und Philosophie beider Religionen, die Bedeutung von heiligen Orten, die Rolle von Reliquien und Tempelarchitektur sowie die spezifischen Kulthandlungen der Pilger.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, warum Gläubige pilgern, was sie sich davon erhoffen, welche Riten sie ausüben und wie sich diese Aspekte im Kontext der jeweiligen Weltreligion unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der religiösen Geschichte und Philosophie beider Weltreligionen, um die verschiedenen Aspekte des Wallfahrens vergleichend gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des hinduistischen Pilgerns, des buddhistischen Pilgerns sowie eine abschließende Betrachtung von Pilgerstätten, die von beiden Religionen gemeinsam genutzt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hinduismus, Buddhismus, Wallfahrt, Dharma, Nirvana und heilige Stätten charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Kastensystem für das hinduistische Pilgern?
Das Kastensystem prägt die soziale Struktur und die religiöse Pflicht (Dharma), was den Wert und die Art der Pilgerreise als sakralen Akt maßgeblich beeinflusst.
Warum gibt es keine festen Regeln für die Wallfahrt im Buddhismus?
Da das Ziel der Erlösung (Nirvana) nach buddhistischer Lehre durch die Klärung des Geistes und Meditation erreicht werden kann, sind Pilgerreisen eine individuelle Entscheidung und keine religiöse Pflicht.
Wie unterscheidet sich die Verehrung am Pilgerziel bei Hindus und Buddhisten?
Hindus führen oft aufwendige, gottesdienstliche Rituale (Puja) durch, während für Buddhisten die Meditation und das respektvolle Umschreiten von Stupas oder heiligen Bäumen im Vordergrund stehen.
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- Anonym (Author), 2005, Kulturwissenschaftliche Analyse der Wallfahrt im Hinduismus und Buddhismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52145