Sozialisation im Alter


Hausarbeit, 2005
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Alter - was ist das?
1.1 Das kalendarische Alter
1.2 Das biologische Alter
1.3 Das soziale Alter

2. Theorien des Alterns
2.1 Aktivitätstheorie (Ausgliederungstheorie)
2.2 Disengagement -Theorie

3. Altern in unserer Gesellschaft
3.1 Altersstereotypen
3.2 Alter als Stigma
3.3 Altersspezifische Rollen und Normen
3.4 Gesellschaftliche Strukturen im Wandel

4. Sozialisation als lebenslanger Prozess
4.1 Sozialisation im Alter
4.1.1 Die Bedeutung des Ruhestands
4.2 Desozialisation im Alter

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

In meiner beruflichen Laufbahn als Altenpflegerin beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit dem Thema der Sozialisation. Die dabei aufgetauchten Fragen über die Art des Sozialisationsprozesses älterer Menschen und vor allem, welche Rolle der Institution Altenheim zukommt, kann ich nur mit Vermutungen beantworten. Um diesen Fragen nach der Sozialisation älterer Menschen nachzugehen, werde ich in dieser Hausarbeit die verschiedenen Aspekte des Alters, die alterstheoretischen Ansätze und die gesellschaftlichen Betrachtungsweisen darstellen, sowie den Sozialisationsprozess im Alter erläutern.

Ich habe darüber gelesen, dass in den verschiedensten Kulturen unserer Welt die alten Menschen in ihrer Gesellschaft einen höheren Stellenwert besitzen, größeren Einfluss und Autorität ausüben, ihnen mit Achtung und Ehrerbietung begegnet wird, als es in unserer Gesellschaft der Fall ist. Ein Beispiel dafür findet sich in der Literatur über das Alter in Naturvölkern und historischen Gesellschaften: Bei den Yaghans, einem bereits Ende des letzten Jahrhunderts ausgestorbenen, primitiven Volksstamm, genossen die alten Menschen die Achtung der Gemeinschaft bis ins hohe Alter. Stets wurden sie zuerst mit der dürftig vorhandenen Nahrung versorgt. Sie gaben ihre Erfahrungen an die Gemeinschaft weiter, hatten moralischen Einfluss und überlieferten das ungeschriebene Gesetz sowie die Traditionen des Stammes (vgl. DE BEAUVOIR 1972, Seite 34 f.).

Je fortgeschrittener eine Kultur ist, desto weniger Einfluss haben die alten Menschen in ihrer Gesellschaft und ihre soziale Teilhabe an dieser beschränkt sich zunehmend. In unserer westlichen Gesellschaft herrscht wenig Respekt einem alten Menschen gegenüber, sie besitzen wenig bis keine Autorität und werden sogar in eine Randgruppe gedrängt. Dieser niedrige Status ist ein wichtiger Bestandteil bei der Klärung, ob oder wie alte Menschen sozialisiert werden. Immerhin stellt der gelungene Sozialisationsprozess die Eingliederung von einzelnen Personen in ihre Gesellschaft dar.

Ein Zitat von Arthur Schopenhauer lautet: „Das Alter hat die Heiterkeit dessen, der seine Fesseln los ist und sich frei bewegt“. Es soll am Ende dieser Hausarbeit sinngemäß für die neuen Herausforderungen des Alters stehen.

1. Das Alter - was ist das?

In diesem ersten Kapitel werden grundsätzliche theoretische Aspekte des Alters betrachtet. Dabei geht es um das kalendarische Alter, um das biologische Alter, das soziale Alter, sowie um alterstheoretische Ansätze.

Was bedeutet es, wenn wir von Alter, alt werden oder alt sein sprechen? Altern beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod eines jeden Menschen, was bedeutet, dass wir mit jedem Tag dem Tod näher kommen. Dabei durchlebt jeder Mensch seinen eigenen Lebenslauf, seine individuelle Biografie. Unterschiede im Alterungsprozess finden durch die unterschiedliche genetische Ausstattung, sowie durch soziale, geografische und politische Einflüsse statt.

Durch die Altersforschung wurde überzeugend nachgewiesen, dass das Altern kein homogener, also gleichförmig verlaufender Prozess ist, und dass dieser nicht nur zwischen sondern auch innerhalb einzelner Personen sehr verschieden sein kann. Mit dem Vorgang des Alterns werden u.a. Begriffe wie Gewinne und Verluste, Stabilität und Abbau in Verbindung gebracht. Aufgrund dieser verschiedenen Lebenslagen und

Lebensstile, sowie der Altersschicksale und -stile, bedeutet das, dass es die Alten ebenso wenig gibt wie das Alter. Jeder Mensch erlebt sein Alter in gewisser Weise subjektiv (vgl. FILIPP/MAYER 1999, Seite 29-31).

In vielen Epochen und Kulturen war es nicht nötig das genaue Alter zu kennen, da es kaum altersspezifische Grenzen innerhalb einer Gesellschaft gab. Heute werden damit die Bausteine der sozialen Identität verbunden. Altersgrenzen bedeuten bestimmte Rechte und Pflichten, z.B. mit dem Erreichen eines bestimmten Mindestalters die Schulpflicht, das Recht den Führerschein zu erwerben oder sich an einer politischen Wahl zu beteiligen etc. Später ist man dann für manches zu alt und es gibt scheinbare Altersgrenzen, wie für die Geburt eines Kindes oder für bestimmte Verhaltensmuster wie Kleidung, Frisur etc. (vgl. WUNSCHEL 2004, Seite 75).

Im Kontext dazu entwickelte die amerikanische Gerontologin Bernice Neugarten schon 1981 die These einer alterslosen Gesellschaft. Neugarten umfasst damit das Auflösen der Altersgrenzen und fließende Übergänge von einem Lebensabschnitt zum Anderen. Dadurch gäbe es keine festen Regeln, wann ein Mensch zu heiraten habe oder Kinder bekommen darf. Allerdings wird die These in der gerontologischen Diskussion kritisch betrachtet, weil sie nur einen begrenzten Blickwinkel auf den allgemeinen Wandel der Gesellschaft bietet (vgl. ZEMAN 2000, Seite 20).

Wenn davon ausgegangen wird, dass im Alter zwischen 18 und 20 Jahren die Menschen den höchsten Entwicklungspunkt erreichen, stellt sich die Frage, ob danach der eigentliche Alterungsprozess beginnt. Zwar sind Geist und Physis voneinander abhängig, aber sie entwickeln sich nicht zwangsläufig parallel zueinander. Denn geistiger Verfall ist bei physischer Gesundheit durchaus möglich. Da jede Gesellschaft aufgrund der eigenen Definition von Fortschritt und Rückschritt dem Begriff des Verfalls -und somit auch des Alters- einen eigenen Sinn gibt, ist eine klare Definition des Ausdrucks Alter nicht möglich. Die folgenden Ausführungen sollen die unter-schiedlichen Aspekte des Alters definieren (vgl. DE BEAUVOIR 1972, Seite 11 f.).

1.1 Das kalendarische Alter

Das kalendarische, oder auch chronologische Alter, wird an dem Geburtsdatum einer Person gemessen. Unterschiedliche Geburtsjahrgänge weisen dabei verschiedene Sozialisationsprozesse auf. Gemachte Kriegserfahrungen, das Erleben einer Natur-katastrophe, wirtschaftlicher Aufschwung oder Rezession etc. nehmen Einfluss auf die individuelle Biografie. In der neueren Literatur gibt es keine feste Zuschreibung einer festen Altersgrenze für das kalendarische Alter. Als Bezugsgröße wird die Berentung genannt. Allerdings würden die Menschen anhand dieser Grenze immer früher als alt eingestuft, da sich die Altersgrenze für den Verrentungstrend (Vorruhestandsregelung) stetig verringert. Dennoch brauchen wir die expliziten Altersgrenzen für bestimmte gesetzliche Regelungen.

Die Altersgrenzen werden willkürlich, in Abhängigkeit von sozialen und kulturellen Einflüssen, innerhalb einer Gesellschaft festgelegt. Danach gibt es das so genannte dritte oder vierte Lebensalter, welches die Altersgruppe der 60 bis 80jährigen umschreibt. Typisierungen wie beispielsweise junge Alte für die Gruppe der 60 bis 75jährigen und Alte für die Gruppe der 75 bis 90jährigen finden statt. Von Bedeutung wird die Zuordnung einer Altersgrenze in unserer Gesellschaft, weil den Personen dadurch eine altersspezifische Betrachtung und Behandlung zukommt (vgl. POHLMANN 2004, Seite 11-16).

1.2 Das biologische Alter

Das biologische Alter ist nicht nur als einfacher Faktor für die Altersgruppen-zugehörigkeit zu betrachten. Jeder Mensch altert biologisch. Über das warum existieren unterschiedliche Theorien. So wird mit der nachlassenden Fähigkeit, Veränderungen im Organsystem auszugleichen, ein Erklärungsansatz dargestellt. Es werden Mutations-theorien oder zunehmende Fehler in der Zelldifferenzierung genannt. Besonders aber die Veränderungen der Haut und der äußerlichen Erscheinung machen für die Umwelt das biologische Alter eines Individuums sichtbar und erschweren durch die in der Gesellschaft bestehenden Schönheitsideale die Akzeptanz dieses natürlichen Prozesses. Es wird immer ein Zusammenhang zwischen Lebensalter und dem Auftreten von biologischen Ungleichgewichten geben, was aber nicht bedeutet das Altern auch Krankheit einschließt (vgl. POHLMANN 2004, Seite 16-22).

1.3 Das soziale Alter

Die in einer Gesellschaft vorhandenen Einstellungen und Etikettierungen in Verbindung mit einer bestimmten Gruppe werden als soziales Alter umfasst. Das bedeutet, dass wir in einer sozialen Rolle leben. Für das Alter gibt es tradierte Altersrollen, an die bestimmte Verhaltensregeln gebunden sind und die dabei die Werte und Normen einer Gesellschaft berücksichtigen. Darauf gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt genauer ein. Eine einfache erste Zuordnung kann über die Kleidung, den Familienstand oder über die Sprache erfolgen. Aber auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemein-schaft oder einem bestimmten Kulturkreis kann die Gruppierung in eine soziale Alters-gruppe ermöglichen. Ebenso die Zuordnung in Untergruppen, wie z.B. die des Freundeskreises oder der Familie. Innerhalb dieser Gruppen und der eigenen sozialen Rolle bilden sich gruppenspezifische Verhaltensweisen, die dadurch ein nachhaltig negatives Selbstbild entstehen lassen können (vgl. POHLMANN 2004, Seite 23).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sozialisation im Alter
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V52147
ISBN (eBook)
9783638479349
ISBN (Buch)
9783638773249
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisation, Alter
Arbeit zitieren
Diplom-Pflegewirtin Tanja Marguerat (Autor), 2005, Sozialisation im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52147

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