Die amerikanische Bundes-Geldpolitik 1863 bis 1913


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erste Phase (1863-1897)
2.1. Geldpolitik unter Lincoln (Präsident von 1861-1865) und Johnson (1865-1869)
2.2. Geldpolitik unter Grant (1869-1877)
2.3. Geldpolitik unter Hayes (1877-1881)

3. Zweite Phase (1888-1913)
3.1. Geldpolitik unter Cleveland (1885-1889 und 1893-1897), Harrison (1889-1893) und McKinley (1897-1901)
3.2. Geldpolitik unter Wilson (1913-1921)

4. Schluss

5. Bibliographie

1. Einleitung

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hatte vor dem Bürgerkrieg sowohl Gold als auch Silber angekauft, um die Währung des Landes im Verhältnis sechzehn (Gold) zu eins (Silber) zu decken.[1] Die Währung basierte auf dem Goldstandard[2], was zur Folge hatte, dass die Menge an Gold die Geldmenge und das Preisniveau bestimmte.[3] Mit den Goldfunden von 1848 stieg die Goldmenge im Land jedoch, und der Marktpreis von Gold sank gegenüber dem von Silber. Der Silberdollar verschwand langsam aus der Zirkulation, denn er wurde wegen seines inflationären Wertes gegenüber Gold von den Besitzern gehortet.[4] Der traditionelle Bimetallismus stand damit spätestens während des Bürgerkriegs effektiv vor seinem Ende – was die Gesetzeslage anging, bestand er durchaus noch weiterhin[5]. Die Frage, ob man den Bimetallismus auch in der Realität wieder herstellen sollte oder nicht, bildete den problematischsten Punkt der Währungsdebatte während des so genannten Gilded Age, des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts in den USA.[6]

Diese Arbeit soll den Fragen nachgehen, wie sich die Währungspolitik während des Gilded Age entwickelte, welche Standpunkte dabei von wem eingenommen wurden, und mit welcher Begründung dies geschah. Zum Schluss soll beleuchtet werden, wie sich die Währungsproblematik auf die Vereinigten Staaten von heute auswirkt. Sie wird angesichts der Unterbrechung in den 1880er-Jahren in zwei Phasen, von 1863 bis 1879 und von 1888 bis 1913 , aufgeteilt.

Die Geschichtsforschung der Vereinigten Staaten bietet umfangreiches Material zu diesem Thema. Neben Erwähnungen der Problematik in geschichtlicher und wirtschaftswissenschaftlicher Standardliteratur und wirtschaftshistorischen Werken wie Milton Friedmans und Anna Jacobson Schwartzs A Monetary History of the United States“[7] beschäftigt sich speziellere Literatur wie „The Greenback Era“[8] von Irwin Unger oder Gerald Richard Thompsons „Expectations and the Greenback Rate, 1862-1878“[9] besonders mit den Greenbacks, einem der wichtigsten Teilbereiche der in dieser Arbeit behandelten Problemstellung. Übergreifendere Literatur wie beispielsweise „America in the Gilded Age“[10] von Sean Dennis Cashman hilft, die Thematik in den größeren Zusammenhang ihrer Zeit einzuordnen. Darüber hinaus gibt es viele Aufsätze in historischen Zeitschriften, darunter Jeffry A. Friedens Betrachtungen über den Standpunkt der Populisten in „Monetary Populism in Nineteenth-Century America“[11] oder Milton Friedmans Argumente zum „Crime of 1873“[12]. Michael O’Malleys Artikel „Specie and Species: Race and the Money Question in Nineteenth-Century America“[13] aus dem Jahre 1994 erregte Aufsehen in der Forschung[14], weil er den ideologischen Faktor der Währungsdiskussion hervorhob und mit einer anderen, ebenfalls ideologischen Streitthematik jener Zeit verglich: der Abschaffung der Sklaverei. Dass ein Aufsatz über eine 100 Jahre alte Diskussion heute noch für Aufsehen sorgen kann, zeigt, dass die Problematik keineswegs der Vergangenheit angehört und ein wichtiges Thema in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika darstellt. Der Frage, warum dies so ist, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.

2. Erste Phase (1863-1897)

2.1. Geldpolitik unter Lincoln (Präsident von 1861-1865) und Johnson (1865-1869)

Die Währungsproblematik wurde, wie eingangs beschrieben, auch durch die finanziellen Anforderungen während des Bürgerkriegs ausgelöst. Nach dem Bürgerkrieg hatten folgende Faktoren Einfluss auf ihre weitere Entwicklung:

- Die Geldpolitik der Regierung sowie die Frage, welche Rolle sie in der Bereitstellung und Regulierung der Währung spielen sollte,
- das Ende der Frontier,
- das Wachstum der Industrie,
- die Verstädterung,
- Konjunkturschwankungen und
- Gold- und Silberfunde.[15]

Während des Bürgerkriegs hatte die Regierung mit hohen Kriegskosten zu kämpfen. Bereits im Dezember 1861 hatten die Banken und die Regierung deshalb Zahlungen mit gedecktem Geld[16] aufgegeben und die so genannten Greenbacks eingeführt, eine Papierwährung, die nach ihrer grünen Rückseite benannt war. Sie war nicht gedeckt, aber dennoch stabil, weil die Wirtschaft Vertrauen in einen Sieg der Union hatte.[17] Im Jahre 1864 war die Ausgabe von Greenbacks auf ihrem Höchststand in der Geschichte, aber die Regierung hatte bis zum Sommer 1865 weiterhin mit steigenden Staatsschulden zu kämpfen.[18]

Bei Beurteilungen der monetären Strukturen in den Vereinigten Staaten jener Zeit ist zu beachten, dass es noch in keiner Weise eine Zentralbank oder eine ähnliche Institution gab. Frühere Versuche der Einführung und Erhaltung einer Zentralbank waren zuletzt mit der Second Bank of America gescheitert, als deren Charta 1835 auslief.[19]

[...]


[1] N. Gregory Mankiw: Macroeconomics, New York 21994, 230.

[2] Goldstandard: Alles ausgestellte Geld ist durch einen Gegenwert an Gold gedeckt.

[3] N. Gregory Mankiw: Macroeconomics, S. 230.

[4] Mary Beth Norton et al. (Hg.): A People and a Nation – a History of the United States, New York/Boston 62001, 557.

[5] Lawrence H. Officer: „The Floating Dollar n the Greenback Period: A Test of Theories of Exchange-Rate Determination”, in: The Journal of Economic History 41, Nummer 3 (September 1981), 629-650, hier 630.

[6] Walter T. K Nugent: „Money, Politics, and Society – The Currency Question”, in: Morgan, H. Wayne (Hg.): The Gilded Age – Revised and Enlarged Edition, New York 21970, 111.

[7] Milton Friedman und Anna Jacobson Schwartz: A Monetary History of the United States, 1867-1960. Princeton 1963.

[8] Irwin Unger: The Greenback Era – A Social and Political History of American Finance, 1865-1879, New Jersey 1964.

[9] Gerald Richard Thompson: Expectations and the Greenback Rate, 1862-1878, New York/London 1985.

[10] Sean Dennis Cashman: America in the Gilded Age – From the Death of Lincoln to the Rise of Theodore Roosevelt, New York/London 1984.

[11] Jeffry A. Frieden: „Monetary Populism in Nineteenth-Century America: An Open Economy Interpretation”, in: The Journal of Economic History 57, Nummer 2 (Juni 1997), 367-395.

[12] Milton Friedman: „The Crime of 1873”, in: The Journal of Political Economy 98, Nummer 6 (Dezember 1990), 1159-1194.

[13] Michael O’Malley: „Specie and Species – Race and the Money Question in Nineteenth-Century America”, in: The American Historical Review 99, Nummer 2 (April 1994), 369-395.

[14] Davon zeugt beispielsweise ein Artikel, der noch in derselben Ausgabe als Reaktion auf den O’Malleys verfasst wurde: Neil Irvin Painter: „Thinking about the Languages of Money and Race: A Response to Michael O’Malley, ’Specie and Species’”, in: The American Historical Review 99, Nummer 2 (April 1994), 396-404.

[15] Paolo E. Coletta: „Greenbackers, Goldbugs, and Silverites – Currency Reform and Policy, 1860-1897”, in: Morgan, H. Wayne (Hg.): The Gilded Age – A Reappraisal, New York 1963, 111.

[16] Deckung : der Wert des Goldes/des Silbers war in Dollar festgelegt, und man bekam somit für einen Dollar immer eine unveränderliche Menge Gold/Silber.

[17] Definition nach http://www.hfac.uh.edu/gl/glossary.htm.

[18] Clark Warburton: „Variations in Economic Growth and Banking Developments in the United States From 1835 to 1885“, in: The Journal of Economic History 18, Nummer 3 (September 1958), 283-297, hier 295.

[19] Ebd., 290.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die amerikanische Bundes-Geldpolitik 1863 bis 1913
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Amerikainstitut)
Veranstaltung
Hauptseminar: "Die Geschichte der USA & Kanadas im Vergleich"
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V52153
ISBN (eBook)
9783638479370
ISBN (Buch)
9783638764643
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit befasst sich besonders mit der Währungsgdebatte (Gold vs. Silber) im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Schlagworte
Bundes-Geldpolitik, Hauptseminar, Geschichte, Kanadas, Vergleich
Arbeit zitieren
Antje Lehmann (Autor), 2005, Die amerikanische Bundes-Geldpolitik 1863 bis 1913, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52153

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die amerikanische Bundes-Geldpolitik 1863 bis 1913



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden