Effekte von positiven Emotionen auf die Verhinderung der Veränderung von Stereotypen durch subtyping


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ziele und Vorgehen

2. Veränderung von Stereotypen
2.1 Wodurch können Stereotype entstanden sein ?
2.2 Verhinderung der Veränderung von Stereotypen durch „subtyping“

3. Positive Emotionen und Stereotype
3.1 Veränderung von Stereotypen und positive Emotionen
3.2 Studie: Happiness and Stereotypic Thinking in Social Judgement (Bodenhausen, Kramer & Süsser, 1994)
3.3 Mögliche Effekte positiver Emotionen auf „subtyping“ vermittelt über Kapazität und Flexibilität
3.4 Mögliche Effekte positiver Emotionen auf „subtyping“ vermittelt über Motivation

4. Abschließende Worte

5. Literaturangaben

1. Ziele und Vorgehen

Klaus mag Menschen nicht, die kahl rasierte Köpfe besitzen, „Bomberjacken“, „Springerstiefel“ und eventuell Kleidungsstücke aus dem Bestand irgendeiner nationalen Armee tragen. Er denkt, das Angehörige dieser Gruppe den Nationalsozialismus im Dritten Reich für eine annehmbare gesellschaftliche Perspektive halten und Neo-Nationalsozialisten sind. Klaus denkt zudem, das sie fremdenfeindlich eingestellt sind und wenn sie auf fremde, ausländisch anmutende Personen treffen, verhalten sie sich diesen gegenüber aggressiv bis gewalttätig. Er unterstellt ihnen, das sie aufgrund ihres Aussehens wohl keine allzu hohe Bildung oder Ausbildung genossen haben können. Stellen wir uns vor, Klaus geht mit seinen Freunden auf ein öffentliches Konzert, ist durch die Musik und durch die Anwesenheit seiner Freunde sehr gut gelaunt und lernt dort zufällig einen Typen mit Glatze, „Bomberjacke“ und „Springerstiefeln“ namens Stefan kennen, der aber nicht seinen Erwartungen entspricht. Dieser hebt seine Stimmung noch mehr, da er ihn zum Lachen bringt, als sie sich unterhalten. Wird Klaus deswegen sein Vorurteil ändern ? Er könnte sich denken, nein, Ausnahmen bestätigen die Regel. Oder er könnte sich denken, Menschen die so aussehen aber diese Musik mögen, scheinen, nicht ganz so extreme fremdenfeindliche Einstellungen zu haben, wie jene, die keine Konzerte dieser Art besuchen. Wird die gute Stimmung von Klaus eher sein gesamtes Vorurteil gegenüber dem Kleidungsstil verändern, oder wird sie eher dazu beitragen, das er nur eine Unterkategorie für Stefan bildet ? Oder anders formuliert: Welchen Effekt haben positive Emotionen auf die Verhinderung der Veränderung von Stereotypen durch den Prozess der Bildung einer Unterkategorie („subtyping“) ? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen werden, und somit versucht werden, ein Licht auf den Zusammenhang zwischen dem Prozess des „subtyping“ und positiven Emotionen zu werfen. Um dieses Ziel zu erreichen werde ich zunächst versuchen zu klären, was Stereotype sind (nächster Abschnitt) und wie sie entstanden sein könnten (Abschnitt 2.1). Dann werde ich empirische Ergebnisse vorstellten, die den Prozess der Bildung von kognitiven Unterkategorien erklären (Abschnitt 2.2). Unter Abschnitt 3 soll ein Blick auf die Rolle von Emotionen bei der Veränderung von Stereotypen geworfen werden. Welche spezielle Bedeutung positiven Emotionen dabei zukommt, wird in Abschnitt 3.1 und anhand der Präsentation einer Studie in Abschnitt 3.2 erörtert. Über welche Mechanismen Effekte positiver Emotionen auf „subtyping“ vermittelt werden könnten, wird in den darauffolgenden Teilen dieser Arbeit untersucht (Abschnitte 3.3 und 3.4). In Abschnitt 4 werden Schlüsse aus den betrachteten Forschungsergebnissen gezogen.

2. Veränderung von Stereotypen

Wissen, was man exakt wo, wann und von wem zu erwarten hat sind Informationen, die der soziale Welt einen sinnhaften, geordneten und vorhersagbaren Rahmen geben. Gleichzeitig müssen Individuen auch in der Lage sein, flexibel auf unvorhersagbare Ereignisse reagieren zu können. (u. a. McClelland et al., 1995) Beide Fähigkeiten sind fundamentale Anforderungen an den Wahrnehmungsprozess von Personen. (u. a. Macrea et al., 1999)

Aufgrund kognitiver Limitierungen und einer stets herausfordernden sozialen Umwelt, benötigen Individuen deshalb einen Mechanismus, der den Prozess der Personen-wahrnehmung vereinfacht und strukturiert. Um nicht jedes Mal Individuen anhand ihrer einzigartigen Zusammenstellung ihrer Eigenschaften neu beurteilen zu müssen, tendieren Menschen deshalb dazu, sie anhand von sozialen Kategorien / Stereotypen einzuordnen, wie zum Beispiel nach Geschlecht oder Alter. Stereotype können als kognitive Generalisierungen von Eigenschaften und Merkmalen der Mitglieder einer bestimmten sozialen Gruppe oder Kategorie verstanden werden.

Es wird davon ausgegangen, das diese als hochgradig verknüpfte Wissensstrukturen im Langzeitgedächtnis abgelegt sind. (Macrea & Bodenhausen, 2000)

Aktivierung sozialer Kategorien oder von Stereotypen scheint also notwendig um, 1. den Verarbeitungsprozess stimulusrelevanter Information zu steuern und zu leiten und 2. aus deren Inhalt Beurteilungen und Eindrücke zu bilden. (Macrae & Bodenhausen, 2000)

Dabei sind sie eher Wissen, dass mit Mitgliedern der eigenen Gruppe geteilt wird, als individuelle Erwartungen. Sie werden eher übertrieben stilisiert als akkurat wiedergegeben und beinhalten eher negative als positive Merkmale. Sie sind schwer veränderbar, sogar wenn ein Individuum den Stereotype direkt widerlegt. Personen tendieren sogar dazu, an Stereotypen so stark festzuhalten, so das sie sogar unbegründbarer Glaube werden können.

Dadurch können sie unsere Wahrnehmung limitieren. Wenn wir Personen stereotyp wahrnehmen, können Personeneigenschaften und Ereignisse durch sogenannte Scheinkorrelationen verzerrt werden. Das bedeutet, das Personen dazu tendieren, die Stärke der Beziehung zwischen nicht zusammenhängenden Merkmalen der anderen Gruppenmitgliedern zu überschätzen. (Forsyth, 1999) Nur selten werden diese Wahrnehmungsfehler bemerkt, denn sie werden durch Bestätigungsneigungen geschützt, die ihre Validität stärken. (z.B. „self-fulfilling-prophecies“) Zusätzlich tendieren Menschen dazu, doppeldeutige Informationen so umzuinterpretieren, dass sie Erwartungen entsprechen. Stereotype können auch die Informationen beeinflussen, die wir erinnern und jene die wir vergessen. So lassen sich stereotyp-konsistente Informationen oft leichter wiedergeben als stereotyp-inkonsistente Informationen. (Rothbart et al., 1996)

2.1 Wodurch können Stereotype entstanden sein ?

Die Soziobiologie bietet eine Erklärung für die Entstehung von Stereotypen. Die Tendenz Personen zu kategorisieren durchzieht fast alle Kulturen und alle Zeiten menschlicher Geschichte. Psychologen gehen davon aus, dass Menschen „Herdentiere“ sind, da die Mitgliedschaft in Gruppen die Überlebens-wahrscheinlichkeit erhöht. Die Frühmenschen lebten wahrscheinlich in kleinen Stämmen, deren Mitglieder sich genetisch sehr ähnelten. Wenn sich Mitglieder der eigenen Gruppe halfen, dann halfen sie damit auch den Trägern von Kopien der eigenen Gene, verkörpert in den anderen Mitgliedern der eigenen Gruppe, und schützten somit den Bestand ihrer eigenen Gene. Da nun Mitglieder einer anderen Gruppe genetisch unterschiedlicher waren und deshalb weniger wahrscheinlich Hilfe erwidern würden, wenn ihnen geholfen werden würde, bevorzugten die Menschen eher die Mitglieder der eigenen, als die der anderen Gruppe. Die andere Gruppe stand darüber hinaus mit der eigenen in Wettbewerb um Land, Nahrung und Schutz. Da die anderen Gruppen immer eine Gefahr darstellten, überlebten eher jene Gruppenmitglieder, die fähig waren, die anderen Gruppen zu erkennen und zu vermeiden, während die weniger vorsichtigen Gruppenmitglieder eher wegstarben. Nach Äonen dieses natürlichen Selektionsprozesses sind Menschen mit einer chronisch verfügbaren Bereitschaft ausgestattet, positiv auf die eigene und negative auf die andere Gruppe zu reagieren. (Forsyth, 1999)

2.2 Verhinderung der Veränderung von Stereotypen durch „subtyping“

Es scheint notwendigerweise für den Menschen schwierig, Stereotypen zu verändern. In vielen sozialen Situationen scheint dies aber gerade auch eine Notwendigkeit zu sein, um Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen lösen zu können. Es zeigte sich, das durch die Verminderung stereotyper Wahrnehmung von vorerst negative eingeschätzten anderen Gruppen, Intergruppenkonflikte zum Teil gelöst werden konnten. (Forsyth, 1999, S. 403) Die Veränderung von Stereotypen kann dadurch geschehen, das Personen das Verhalten eines Gruppenmitglieds auf das Verhalten der Gruppe als Ganze generalisieren und somit die stereotype Gruppe als solche in einem positiveren oder negativeren Licht als zuvor betrachten. (Rothbart & Lewis, 1988)[1] Dieser Prozess kann aber auch unterbunden werden, wenn unter anderem der Mechanismus des „subtyping“ bei der Verarbeitung sozialer Stimuli auftritt. Demnach tendieren Individuen dazu, an dem Stereotyp einer anderen sozialen Gruppe festzuhalten, auch wenn sie ein atypisches Gruppenmitglied kennen lernen, indem sie die Abweichler einer Unterkategorie der Gruppenkategorie zuordnen und sie somit vom Stereotyp abgrenzen (siehe Abb. 1). (Kunda & Oleson, 1995)

Abbildung 1: “subtyping”

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kunda und Oleson (1995) untersuchen in ihrer Studie „Maintaining Stereotypes in the Face of Disconfirmation: Constructing Grounds for Subtyping Deviants“ die Möglichkeit, das diese Unterkategorisierung nur dann auftritt, wenn zusätzliche Merkmale des atypischen Gruppenmitglieds einen Rechtfertigungsgrund zur Verfügung stellen. Sie führen dazu 4 Experimente durch, von denen an dieser Stelle das erste kurz vorgestellt werden soll.

[...]


[1] aus Kunda & Oleson, 1995, S. 567

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Effekte von positiven Emotionen auf die Verhinderung der Veränderung von Stereotypen durch subtyping
Hochschule
Universität Mannheim  (Fakultät Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar Inter- und Intragruppenkonflikte
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V52161
ISBN (eBook)
9783638479455
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit und der daraus resultierende Hauptseminarschein ist fach- und diplomnotenrelevant.
Schlagworte
Effekte, Emotionen, Verhinderung, Veränderung, Stereotypen, Hauptseminar, Inter-, Intragruppenkonflikte, subtyping
Arbeit zitieren
Christian Richter (Autor), 2003, Effekte von positiven Emotionen auf die Verhinderung der Veränderung von Stereotypen durch subtyping, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52161

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