Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Eine ökonomische Analyse der Theorie Max Webers


Diplomarbeit, 2005
101 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Die Theorie der protestantischen Ethik nach Max Weber
2.1 Die Person Max Weber und der historisch relevante Hintergrund seines Werkes
2.1.1 Biografisches zu Max Weber
2.1.2 Historischer Hintergrund zur Zeit Max Webers
2.2 Der „Geist“ des Kapitalismus
2.2.1 Arbeit, Beruf und Erwerb
2.2.2 Gruppenethik
2.3 Elemente der protestantischen Ethik
2.3.1 Die Reformation durch Martin Luther
2.3.2 Die Berufsethik
2.3.3 Der calvinistische Prädestinationsglaube
2.3.4 Freikirchen
2.4 Ergebnis und inhaltliche Kritik an der Theorie der protestantischen Ethik
2.4.1 Zusammenfassung der Theorie der protestantischen Ethik
2.4.2 Kritik in der Literatur
2.4.2.1 Der Methodenstreit am Beispiel der Auseinandersetzung mit Karl Fischer
2.4.2.2 Die Frage nach der zeitlichen Entstehung des Kapitalismus durch Felix Rachfahl
2.4.2.3 Folgen aus der Kritik für die Gültigkeit des Werkes

3 Die Entstehung der protestantischen Reformation aus ökonomischer Sicht
3.1 Charakterisierung des Marktes für Religion
3.1.1 Allgemeine Probleme des Religionsmarktes
3.1.1.1 Existenz eines Marktes für Religion und Charakterisierung des Produkts
3.1.1.2 Informationsmängel und deren Lösung
3.1.1.3 Anreize zur Fehlinformation
3.1.2 Die Monopolstellung der katholischen Kirche vor der Reformation
3.1.2.1 Die katholische Kirche als Franchiseunternehmen
3.1.2.2 „rent-seeking“, Preisdifferenzierung und die Bedeutung des Fegefeuers
3.1.3 Das Entstehen von Wettbewerb durch die Reformation
3.1.3.1 Ökonomische Analyse de Entstehens von Wettbewerb
3.1.3.2 Der Einfluss der Preispolitik auf das Entstehen von Konkurrenz
3.1.3.3 Veränderung der Marktform
3.2 Die ökonomischen Folgen der Reformation
3.2.1 Einfluss der Reformation auf die Marktstrukturelemente
3.2.2 Effizienz auf dem duopolistischen Markt für Religion
3.2.3 Schaffung von freiem Wettbewerb durch die Reformation
3.3 Zusammenfassung

4 Bedeutung der Weber-These in empirischen Analysen
4.1 Der Zusammenhang von Religion und wirtschaftlichem Wachstum zur Zeit der protestantischen Reformation
4.1.1 Aufbau und Fragestellung der Studie
4.1.2 Wirtschaftliche Entwicklung in Europa zwischen 1500 und 1750
4.1.2.1 Deskriptive Analysen der Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa
4.1.2.2 Netzwerkstrukturen in den protestantischen Gebieten
4.1.2.3 Empirischer Test
4.1.2.3.1 Datensatz
4.1.2.3.2 Ergebnisse der Untersuchung
4.1.3 Schlussfolgerungen
4.2 Analyse aktueller Entwicklungen anhand der Theorie der protestantischen Ethik
4.2.1 Das ökonometrische Modell von Benito Arruñada
4.2.1.1 Theoretische Überlegungen der Studie
4.2.1.1.1 Komparative Analyse der christlichen Moralhindernisse
4.2.1.1.2 Die Struktur des Glaubens und die Folgen
4.2.1.1.3 Zwangsmechanismen
4.2.1.1.4 Homogenität der Moral und Transaktionskosten
4.2.1.2 Methodisches Vorgehen bei der Untersuchung
4.2.1.2.1 Direkte Effekte
4.2.1.2.2 Institutionelle Effekte: Substitution
zwischen den Zwangsmechanismen
4.2.1.2.3 Institutionelle Effekte: Transaktionskosten
4.2.1.2.4 Die multivariante Regressionsanalyse
als angewandtes Verfahren
4.2.1.3 Probleme des Datensatzes
4.2.1.4 Ergebnisse
4.2.1.4.1 Direkte Effekte
4.2.1.4.2 Zwangsmechanismen
4.2.1.4.3 Transaktionskosten
4.2.1.5 Zusammenfassung und Kritik
4.2.2 Der Effekt der Religion auf die wirtschaftliche Entwicklung
am Beispiel ehemaliger Kolonien
4.2.2.1 Hintergrund und Fragestellung der Studie
4.2.2.2 Methodisches Vorgehen
4.2.2.2.1 Variablen in der Wachstumsgleichung
4.2.2.2.2 Variablen in der Einkommensgleichung
4.2.2.3 Ergebnisse
4.2.2.3.1 Einfluss von Religion auf das
wirtschaftliche Wachstum
4.2.2.3.2 Einfluss der Religion auf das reale
Pro-Kopf-Einkommen
4.2.2.4 Kritik
4.2.2.5Schlussfolgerung und Ausblick
4.3 Zusammenfassung

5 Zusammenfassung, Kritik und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick über das Deutsche Reich von 1871

Abbildung 2: Kategorisierung verschiedener Gütertypen nach ihrer Beurteilbarkeit

Abbildung 3: Preise für die Vergebung der Sünden von 1501

Abbildung 4: Durchschnittliches jährliches Wachstum von Bevölkerung und

Löhnen im Zeitraum von 1500 – 1750

Abbildung 5: Rangverteilung der Städte von 1500 und 1750

Abbildung 6: Vergleich von katholischen und protestantischen Städten unter

Berücksichtigung des Bildungsstandes im Jahr 1750

Abbildung 7: Ergebnismatrix

Abbildung 8: Darstellung der Ergebnismatrix bei gegebenen Werte

Abbildung 9: Ergebnisse der Berechung des Bevölkerungswachstums

Abbildung 10: Vergleich der direkten Effekte christlicher Religion

Abbildung 11: Zusammenhang von Alter und Glaubensintensität

1 Einleitung

Untersucht man die biblische Vorstellung von der Entstehungsgeschichte des Menschen im Ersten Buch Moses (Genesis), so lässt sich feststellen, dass der Sündenfall Adams und Evas die wohl bedeutendste ökonomische Veränderung in der Geschichte des Menschen bewirkte. Nach den Vorstellungen über das Paradies war dieses durch unendlichen Reichtum an Rohstoffen und Nahrung bestimmt. Durch die Vertreibung durch Gott und die damit verbundene Auferlegung von Qualen im alltäglichen Leben entstand für den Menschen die Notwendigkeit, für sein Überleben zu arbeiten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sah er sich einer Knappheit aller Güter, sowie der lebensnotwendigen Befriedigung eigener Grundbedürfnisse gegenüber. Die Natur und die Bedürfnisse anderer Menschen verhindern seitdem die Möglichkeit, alles zu bekommen, was man sich wünscht. Die Rationalisierung der Verwendung von Ressourcen, die Notwendigkeit der langfristigen Planung und nicht zuletzt die Ökonomie als Ganzes begründen auf dieser biblischen Vorstellung ihre Existenz.

Mit einer gewissen Übertreibung und Generalisierung ausgedrückt, kann man somit die Religion als Grundproblem der Ökonomie verstehen, woraus sich zwangsläufig die Frage nach der Lösung dieses Problems ergibt. Da die Bedürfnisse aller und die daraus entstehende Knappheit in der Realität wohl niemals überwunden werden kann, ergibt sich eine differenziertere Fragestellung, die auf die Minimierung der Knappheit abzielt.

Wenn jedoch die Religion das Problem der Ökonomie darstellt, muss auch gefragt werden, ob eine Lösung in genau diesem Bereich denkbar wäre. Dazu ist es notwendig, den Zusammenhang von Religion und Wirtschaft zunächst festzustellen und dann diesen auf Lösungs- bzw. Verbesserungsmöglichkeiten hin zu untersuchen. Bereits Adam Smith, der als der Begründer der klassischen Volkswirtschaftslehre gilt, nannte in seinem Werk „Wohlstand der Nationen“ von 1776, dass es eine Verbindung von Religion und Ökonomie gibt. Allerdings blieb dieser Aspekt für sehr lange Zeit in der Wirtschaftswissenschaft unberücksichtigt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Soziologe und nicht etwa ein Wirtschaftwissenschaftler diesen Bereich als erstes theoretisch analysierte.

1905 entwickelte Max Weber in seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ erstmals eine These, welche den Zusammenhang von Religion und wirtschaftlichem Erfolg darstellte. Diese These und ihre Auswirkungen sind der zentrale Aspekt dieser Diplomarbeit, darüber hinaus wird aber auch eine ökonomische Betrachtung des Religionsmarktes in Form einer Marktanalyse vorgenommen.

1.1 Fragestellung

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, ob eine Verbindung von Religion und wirtschaftlichem Erfolg besteht und inwieweit diese erfassbar ist. Hierzu wird die Theorie der protestantischen Ethik von Max Weber als Grundlage verwendet und ökonomisch hinterfragt.

Darüber hinaus wird eine ökonomische Analyse der Religion unter der Fragestellung der Anwendbarkeit ökonomischer Lehren auf den Religionsmarkt durchgeführt. Hierbei steht die Frage im Mittelpunkt, zu welchen Auswirkungen die Reformation auf diesen Markt im zeitlichen Verlauf geführt hat und ob die Veränderungen eine Effizienzsteigerung bewirkte.

Abschließend wird die Anwendbarkeit der Lehre Max Webers auf die Erklärung von ökonomischen Entwicklungen untersucht. Ziel hierbei ist die Erkenntnis, ob die Theorie der protestantischen Ethik die wirtschaftlichen Entwicklungen zur Zeit der Reformation und heute erklären kann.

1.2 Gang der Untersuchung

Nach der Einleitung, die eine Hinführung zum Thema, die zentrale Fragestellung und den Gang der Untersuchung beinhaltet, werden im Hauptteil die gestellten Fragen analysiert.

Der Hauptteil der Arbeit ist hierfür in drei Kapitel untergliedert. Im ersten Kapitel wird die Theorie der protestantischen Ethik erläutert. Hierzu werden nach einem Überblick über die Person Max Weber und den historischen Hintergrund des Werkes die zentralen Begriffe „Geist“ des Kapitalismus und protestantische Ethik analysiert. Auf dieser Basis wird dann die Theorie der protestantischen Ethik erläutert. Abschließens wird diese Theorie dann inhaltlich kritisch hinterfragt.

Das zweite Kapitel des Hauptteils stellt eine ökonomische Analyse des Religionsmarktes dar. Nach einer Charakterisierung und Klassifizierung des Marktes und der angebotenen Produkte erfolgt eine Situationsbeschreibung vor und nach der Reformation. Diese wird dann im Anschluss ökonomisch analysiert und unter Effizienzkriterien bewertet.

Aufbauend auf den Ergebnissen der beiden Kapitel wird im dritten Teil des Hauptteils anhand von drei Studien die Anwendbarkeit und Gültigkeit der Weber-These untersucht. Hierzu wird zunächst die Entwicklung zur Zeit der Reformation als Basis des Werkes Webers betrachtet, anschließend werden aktuelle Entwicklungen sowohl auf der theoretischen wie auch auf der praktischen Ebene untersucht.

Das fünfte Kapitel beinhaltet eine Zusammenfassung der gerade gestellten Fragen, sowie einen Ausblick auf Zukunft der Weber-These. Darüber hinaus wird ein weiterer Erklärungsansatz für die wirtschaftliche Entwicklung angesprochen und ein persönliches Fazit gezogen.

2 Die Theorie der protestantischen Ethik nach Max Weber

Dieses Kapitel analysiert das Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ von Max Weber. Die in ihrer ersten Fassung 1905 erschienene soziologische Abhandlung stellt die Frage nach einem Zusammenhang von Religion und wirtschaftlichem Erfolg in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Zunächst wird auf die Person Max Weber und den zeitlichen Hintergrund seines Werkes eingegangen. Im zweiten und dritten Abschnitt erfolgt die Erläuterung der zentralen Begriffe „Geist“ des Kapitalismus und „protestantische Ethik“. Aus diesen Erläuterungen wird im nachfolgenden Abschnitt die Protestantismus-Kapitalismus-These erarbeitet und im vierten Abschnitt zusammengefasst. Anschließend wird auf Grund der Vollständigkeit auf die inhaltliche Auseinandersetzung Webers mit zwei seiner Kritiker (Karl Fischer und Felix Rachfahl) eingegangen, um die gewichtigsten Probleme der These darzustellen.

2.1 Die Person Max Weber und der historisch relevante Hintergrund seines Werkes

Dieser Abschnitt behandelt die Person und den Hintergrund des Werkes und dient somit vor allem dem Verständnis und der Vollständigkeit. Zunächst erfolgt ein kurzer Überblick über das Leben Max Webers, wobei nur die wichtigsten Stationen angesprochen werden. Anschließend wird der historische Hintergrund des Werkes in seinen relevanten Punkten dargestellt.

2.1.1 Biografisches zu Max Weber

„Max Weber war eine sehr komplexe Natur; ein Mann strenger und exakter Wissenschaft, Gelehrter vom Scheitel bis zur Sohle, der die Wissenschaft feurig wie eine Braut liebte, Nationalökonom, Staatsrechtler, Soziologe, Religionshistoriker, dann aber auch praktischer Politiker, Organisator, und nicht zuletzt eine wahrhaft dämonische Natur.“ (Schefold, 1927, S. 34).

Max Weber wurde am 21. April 1864 in Erfurt im heutigen Thüringen geboren. 1864 gehörte Erfurt dem preußischen Königreich an. Sein Vater, Max Weber (sen.), war Jurist und darüber hinaus Abgeordneter der Nationalliberalen Partei. Seine Mutter, Helene Weber (geborene Fallenstein), war Hausfrau. Interessant ist hierbei, dass seine Mutter eine direkte Nachfahre von Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein (in schwedischer Schreibweise: Fallenstein) war, der im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) auf Seiten des Kaisers und der Katholischen Liga gegen die Protestantische Union kämpfte. Aus dieser Tatsache einen Zusammenhang zum Interesse Max Webers für Religion herzustellen, wäre zwar rein spekulativ, dennoch findet sich hier eine beachtenswerte Parallele. 1872 zog Familie Weber nach Charlottenburg bei Berlin. Dort absolvierte Max Weber seine Gymnasialzeit, die er 1882 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte Max Weber zunächst in Heidelberg und später in Berlin Jura mit den Nebenfächern Philosophie und Nationalökonomie. 1886 beendete er erfolgreich sein Jurastudium, drei Jahre später promovierte er (Dr. jur. magna cum laude) an der Universität in Berlin. Erneut drei Jahre später (1892) habilitierte Max Weber für Römisches, Deutsches und Handelsrecht an der Universität Berlin bei Herrn August Meitzen. In diesem Jahr erstellte er für den Verein für Sozialpolitik die Studie „Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland“, die seinen wissenschaftlichen Ruf begründete. 1893 heiratete er die Soziologin Marianne Schnitger (1870–1954), die sich in den kommenden Jahren stark für die Rechte der Frau engagierte. 1894 erhielt er einen Ruf und wurde Professor für Nationalökonomie an der Universität Freiburg/Preisgau, wechselte jedoch drei Jahre später an die Universität Heidelberg. Weber erlitt 1897 einen Nervenzusammenbruch und musste daraufhin seine Lehrtätigkeit einstellen. 1899 wurde er aus diesem Grund beurlaubt und bereiste daraufhin mehrere europäische Länder sowie die USA. Während des Ersten Weltkriegs war Max Weber Disziplinaroffizier der Lazarettkommission in Heidelberg. 1918 kehrte er an die Universität zurück und übernahm den neu geschaffenen Lehrstuhl für Soziologie in Wien, wechselte jedoch nur ein Jahr später nach München. Am 14. Juni 1920 starb Max Weber in München an einer Lungenentzündung.

In seiner langen Karriere übernahm Max Weber viele Posten außerhalb der Universität. Hierbei ist vor allem sein Engagement als Mitbegründer der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“ und der „Deutschen Demokratischen Partei“ zu nennen. Außerdem war er 1919 Sachverständiger der deutschen Delegation bei der Konferenz zum Versailler Vertrag.

Max Weber gilt als einer der größten deutschen Soziologen und trug wesentlich zur Etablierung der Soziologie als eigenständige Disziplin der Wissenschaft bei (vgl. MacRae, 1975, S. 19–31; Parkin, 1982, pp. 13–17; Riley, 1991, S. 7–38; Kuchenbrod, Stand: 29. 09. 2005).

Für das Verständnis der Gedankengänge Webers ist, wie bei jeder historischen Analyse, der zeitliche Kontext wichtig. Die Beobachtungen, die Max Weber zu seinen Thesen führten, wurden Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt. Deshalb wird nun ein grober Überblick über die entscheidenden historischen Ereignisse dieser Zeit gegeben.

2.1.2 Historischer Hintergrund zur Zeit Max Webers

Außenpolitisch befand sich Europa ab 1871 in einem stabilen Frieden, der bis zur Julikrise 1914 und dem darauf folgenden Ersten Weltkrieg andauern sollte. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 ließ sich Wilhelm I. in Versailles zum deutschen Kaiser krönen. Der König von Preußen war gleichzeitig deutscher Kaiser, der preußische Ministerpräsident (Otto von Bismarck) zugleich Reichskanzler. Preußen prägte somit sowohl politisch als auch kulturell das Deutsche Reich. Wilhelm I. folgte 1888 Friedrich III., der allerdings nach nur 99 Tagen im Amt verstarb, woraufhin Wilhelm II. die Krone übernahm und diese bis zum Ende des Ersten Weltkriegs behielt. Das Deutsche Kaiserreich war ein Gebilde von Einzelstaaten (drei freie Hansestädte, siebzehn Fürstentümer und drei Königreiche), die formal eigenständig agierten (vgl. Abbildung 1). Das parlamentarische System dieser Staaten wird hier auf Grund der Komplexität nicht erläutert, entscheidend ist allerdings die Tatsache, dass Preußen das bestimmende Element (besonders in militärischen Angelegenheiten) darstellte.

Wirtschaftlich betrachtet stand diese Zeit unter dem Einfluss der industriellen Revolution. Es gab eine sehr starke Verlagerung vom primären (Urproduktion) in den sekundären (Weiterverarbeitung) Sektor der Volkswirtschaft. Die Masse von Erfindungen dieser Zeit prägten zunehmend den Alltag. Eine Folge der industriellen Revolution war außerdem die Wanderung der Bevölkerung vom Land in die Städte.

Das Deutsche Reich hatte 1900 eine Bevölkerungsstärke von ca. 56 Millionen Menschen, von denen 62,5 % der evangelischen und 36,1 % der katholischen Kirche angehörten (vgl. Statistisches Bundesamt, S. 97).

Für die Forschung Max Webers entscheidend war die statistische Erhebung von Martin Offenbacher mit dem Titel „Konfession und soziale Schichtung. Studie über die wirtschaftliche Lage der Katholiken und Protestanten in Baden“ von 1900. Hierbei wurden zwei wichtige Erkenntnisse herausgestellt:

1. „ Die badischen Protestanten stellten im ausgehenden 19. Jh. nicht nur einen überproportionalen Anteil an Abiturienten, was durch den Umstand der überwiegend städtischen Herkunft der Protestanten noch erklärbar war. Darüber hinaus aber gingen die protestantischen Abiturienten zum überwiegenden Teil aus jenen höheren Schultypen hervor, die eine für technische und gewerblich-kaufmännische Berufe geeignete Ausbildung vermittelten (Realgymnasien, Realschulen etc.), während die katholischen Abiturienten eher aus den humanistischen Gymnasien hervorgingen.“ (Kuchenbrod, Stand: 04. 10. 2005).
2. „Während protestantische Handwerksgesellen in Baden im hohen Maße den gutbezahlten, aber arbeitsintensiven Facharbeiterpositionen in der Industrie zuströmten, verblieben katholische Gesellen in der Regel in den traditionellen Bahnen ihrer Berufe, d. h. sie versuchten den Status eines selbständigen Meisters zu erlangen.“ (Kuchenbrod, Stand: 04. 10. 2005).

Max Weber nahm die Ergebnisse Offenbachers zum Anlass, aus dem Protestantismus Verhaltensweisen abzuleiten, die den wirtschaftlichen Erfolg erleichtern. Wichtig ist hierbei, dass ausschließlich die Konfession – nicht die gesellschaftliche Stellung – Grund für den wirtschaftlichen Erfolg ist. 1905 formulierte Weber daraufhin in seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ die so genannte „Protestantismus-Kapitalismus-These“ (im Weiteren auch „Weber-These“ genannt), die den Zusammenhang von Religion und Wirtschaft begründet (vgl. MacRae, 1975, S. 42–52; Bibliographisches Institut, 1965, Bd. 6, S. 543; Kuchenbrod, Unternehmerethos und asketischer Protestantismus, Stand: 04. 10. 2005).

2.2 Der „Geist“ des Kapitalismus

Im folgenden Abschnitt soll der „Geist“ des Kapitalismus als zentraler Begriff der Studie Max Webers erläutert werden. Hierbei wird zunächst ein Überblick über die Bedeutung und die Herleitung des Begriffs gegeben, anschließend wird auf die zentralen Begriffe „Arbeit“, „Beruf“ und „Erwerb“ eingegangen. Abschließend werden zur Vervollständigung die gruppenethischen Aspekte analysiert.

Wie bereits durch den Titel seines Werkes „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ angedeutet wird, stellt Max Weber in seiner Studie nicht etwa auf die Unterscheidung von Protestantismus und Kapitalismus ab, sondern auf die Beziehung von Ethik und einem „Geist“. Diese Begriffe werden auf einer tieferen, kategorisierenden Ebene als protestantisch bzw. kapitalistisch charakterisiert. Entscheidend ist somit das Verhältnis von protestantischer Ethik zu dem „Geist“ des Kapitalismus. Aus dieser Erkenntnis heraus ist es sinnvoll, zunächst einen kleinen Überblick über die Bedeutung des Begriffs „Geist“ zu geben, um dann darauf aufbauend eine Erklärung des „Geistes“ des Kapitalismus im Sinne Max Webers zu geben.

In Webers Werk wird nicht nur dem Kapitalismus, sondern auch weiteren damit verbundenen Institutionen, wie z. B. der Bürokratie oder dem Syndikalismus (radikale Form des Gewerkschaftssozialismus) die Eigenschaft eingeräumt, einen „Geist“ zu bilden (vgl. Weber, 1910, S. 284). Dies betont die Flexibilität des Begriffs und zeigt, dass es sich bei dem „Geist“ nicht um ein statisches, sondern um ein dynamisches Gebilde handelt, das nicht zwingend in einem unmittelbaren Verhältnis zum Begriff stehen muss. Aus dieser Erkenntnis heraus ist der „Geist“ des Kapitalismus im Sinne Max Webers eher mit dem Begriff „kapitalistischer Habitus“ (vgl. Weber, 1910, S. 157) zu übersetzen. Es handelt sich somit um ein Sammelsurium von Charakterzügen, Verhaltensmustern und Eigenschaften, das eine Gesellschaft aufgebaut hat und das von allen Individuen akzeptiert wird. Dieser Habitus kann ggf. den Kapitalismus fördern, weil jene Eigenschaften eine Gesellschaftsform hervorbringen, die der Wirtschaftsform des Kapitalismus als Basis dienen kann.

„Im Bezug auf Geist des Kapitalismus meint Habitus die Übertragung von religiösen Ideen in verfestigte, institutionell gestützte Handlungsdispositionen, die sich in einem besonderen Stil der Lebensführung äußern, der wiederum im modernen Kapitalismus einen institutionellen Fixpunkt gewonnen hat.“ (Guttandin, 1998, S. 30).

Konkret findet sich nach Ansicht Webers die notwendige Gestaltung des Habitus in einem Zitat von Benjamin Franklin. Der Mitbegründer der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika erklärt hierbei in einem an Beispielen praktisch dargestellten Zusammenschnitt über die Themen Zeit, Geld, Kreditwesen, Ehrlichkeit und Konsumdenken die für ihn entscheidenden Merkmale eines „Geistes“, der den Kapitalismus begünstigt. Als Ergebnisse lassen sich der ethisch begründete Erwerb des Geldes, die Unterordnung des Konsums gegenüber dem Erwerb sowie die Subordination der Person unter die gestellte Aufgabe und nicht zuletzt die Ehrlichkeit der Rechnungslegung nennen (vgl. Weber, 2005, S. 37–39). Diese Tugenden bzw. Verhaltensweisen sieht Weber als maßgebliche Größe seines Kapitalismusverständnisses an.

Bei der Bedeutung des Begriffs „Kapitalismus“ ist jedoch zwischen dem System und dem „Geist“ zu unterscheiden. Der Kapitalismus kann sowohl als System (im Sinne einer Wirtschaftsordnung/-form) als auch im „Geiste“ (im Sinne des Habitus) auftreten. Daher ist eine getrennte Analyse der beiden Seiten Voraussetzung für die Prüfung der gegenseitigen Interdependenzen (vgl. Guttandin, 1998, S. 30).

Nach diesen Vorüberlegungen soll nun im nächsten Abschnitt erläutert werden, was Max Weber konkret unter dem „Geist“ des Kapitalismus versteht. Hierbei wird auf die hierfür entscheidenden Punkte Arbeit, Beruf und Erwerb eingegangen.

2.2.1 Arbeit, Beruf und Erwerb

Der kapitalistische Habitus nach Max Weber äußert sich real erkennbar in den Veränderungen des Verhältnisses von Arbeit, Beruf und Erwerb. Hierfür sind die individuellen Wertschätzungen bzw. das sich daraus ergebende Selbstverständnis entscheidend.

Bezogen auf den Arbeitsbegriff stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Arbeit für das jeweilige Individuum einnimmt. Hierbei lässt sich zwischen der (vor dem Kapitalismus herrschenden) traditionellen Auffassung und der auf Steigerung der Produktivität ausgelegten modernen Auffassung des Kapitalismus unterscheiden. Weber definiert den Traditionalismus wie folgt: „Der Mensch will ,von Natur‘ nicht Geld und mehr Geld verdienen, sondern einfach leben, so leben wie er gewohnt ist, und soviel erwerben, wie dazu erforderlich ist.“ (Weber, 2005, S. 48). In seinem Werk beschreibt Weber diese Auffassung tiefergehend anhand des Beispiels der Akkordvergütung, die nicht, wie im Sinne des Unternehmers, zu einer Erhöhung der Produktivität führt, sondern lediglich zu einer Anpassung der notwendigen Arbeitszeit an die vorherige Höhe der Entlohnung (vgl. Weber, 2005, S. 47/48). Dieses traditionelle Verständnis beschreibt zusammenfassend die Arbeit als Mittel zum Zweck für die Erfüllung eines bestimmten Lebensstils. Der „Geist“ des Kapitalismus erfordert jedoch eine weiter reichende Auffassung: Arbeit selbst soll Sinn des Lebens sein. Arbeit erhält für das Individuum einen eigenen Wert, ist Ausdruck des eigenen Charakters. Im Traditionalismus stellt sich die Arbeit als Beruf dar, im kapitalistischen „Geist“ jedoch versteht sich Arbeit darüber hinaus als Berufung. Der Beruf ist somit ein Selbstzweck des Arbeiters. Max Weber konkretisiert diesen Gedankengang in seiner Abwandlung mit den Worten:

„In der Tat, dass hier nicht einfach Lebenstechnik, sondern eine eigentümliche ,Ethik‘ gepredigt wird, deren Verletzung nicht nur als Torheit, sondern als eine Art von Pflichtvergessenheit behandelt wird.“ (Weber, 1969, S. 42).

Diese spezifische Berufsethik setzt jedoch ein tief greifendes Verständnis der arbeitenden Bevölkerung voraus. Dass dies nicht überall vollzogen ist, beschreibt Weber mit den Worten:

„Überall, wo der moderne Kapitalismus sein Werk der Steigerung der ,Produktivität‘ der menschlichen Arbeit durch Steigerung ihrer Intensität begann, stieß er auf den unendlich zähen Widerstand dieses Leitmotivs präkapitalistischer wirtschaftlicher Arbeit, und er stößt noch heute überall um so mehr darauf, je ,rückständiger‘ (vom kapitalistischen Standpunkt aus) die Arbeiterschaft ist, auf die er sich angewiesen sieht.“ (Weber, 2005, S. 48).

Aus dieser Beschreibung lässt sich festhalten, dass innerhalb der Arbeiterschaft ein Prozess des Umdenkens notwendig ist, um neben der Etablierung der Form auch den „Geist“ des Kapitalismus herbeizuführen. Dieses Verständnis beschreibt Weber als den zentralen Unterschied zwischen dem Okzident und dem Rest der Welt.

Allerdings ist mit der strikten Ausweitung des eigenen Lebensstils als Lebenszweck nicht die ungehemmte Ausbeutung zu verstehen. Der Kapitalismus fordert mehr von den Geschäftsleuten:

„Die universelle Herrschaft absoluter Skrupellosigkeit der Geltendmachung des Eigeninteresses beim Gelderwerb war geradezu ein ganz spezifisches Charakteristikum solcher Länder, deren bürgerlich kapitalistische Entfaltung […],rückständig‘ geblieben war. […] Der Kapitalismus kann den praktischen Vertreter des undisziplinierten ,liberum arbitrium‘ als Arbeiter nicht brauchen, so wenig er […] den in seiner äußeren Gebarung schlechthin skrupellosen Geschäftsmann brauchen kann. In der verschieden starken Entwicklung irgendeines ,Triebes‘ nach dem Geld also liegt der Unterschied nicht. […] Den rücksichtlosen, an keine Norm innerlich sich bindenden Erwerb hat es zu allen Zeiten der Geschichte gegeben, wo und wie immer er tatsächlich überhaupt möglich war.“ (Weber, 2005, S. 45/56).

Anhand der Beispiele Krieg, Seeraub und Spekulation analysiert Weber, dass dies keine kapitalistischen Systeme sein können, weil der moderne Kapitalismus langfristig stabile Kalkulationen voraussetzt. Um eine derartige Kalkulation aufstellen zu können, bedarf es Geschäftsleuten, die ihre erwirtschafteten Gewinne weiter investieren, anstatt sie dem Wirtschaftskreislauf durch Sparen zu entziehen. Das Ideal eines Unternehmers beschreibt Weber daher wie folgt:

„Der ’Idealtypus’ des kapitalistischen Unternehmers scheut […] den unnötigen Aufwand ebenso wie den bewussten Genuss seiner Macht und die ihm eher unbequeme Entgegennahme von äußeren Zeichen der gesellschaftlichen Achtung, die er genießt. Seine Lebensführung trägt m. a. W. oft […] einen gewissen asketischen Zug an sich. […] Er ’hat nichts‘ von seinem Reichtum für seine Person, – außer: der irrationalen Empfindung guter ’Berufserfüllung‘.“ (Weber, 2005, S. 59).

„Daher ist die Frage nach den Triebkräften der Expansion des modernen Kapitalismus in erster Linie nicht eine Frage der Herkunft der kapitalistisch verwertbaren Geldvorräte, sondern vor allem nach der Entwicklung jener Hingabe an den Beruf des Geldverdienens“ (Guttandin, 1998, S. 32).

Die in den Beispielen genannten Vermögensherkünfte sind deshalb nicht geeignet, da sie keine Hingabe an den Beruf erfordern. Die Geldbeschaffung wird jedoch den Personen, die diese Hingabe besitzen, erleichtert. Dies ergibt sich aus den Aussagen Benjamin Franklins, die somit die Auffassungen Webers noch einmal bestätigen (vgl. Weber, 2005, S. 38).

2.2.2 Gruppenethik

Der zuvor aufgezeigte Idealtypus eines Unternehmers bzw. eines Arbeiters, wie ihn Weber für seine These voraussetzt, erscheint auf den ersten Blick als sehr unrealistisch. Daher ist zu fragen, wie und warum sich eine derartige Grundhaltung in der damaligen Gesellschaft durchsetzen konnte.

Im traditionellen Verständnis war die Anhäufung von Reichtum mit der öffentlichen Darstellung gepaart. Darüber hinaus war der Besitz von Reichtum mit einer Meidung von Arbeit verbunden. Weber drückt diese Tatsache bezogen auf die traditionelle Denkweise wie folgt aus: „Daß jemand zum Zweck seiner Lebensarbeit ausschließlich den Gedanken machen könne, dereinst mit hohem materiellen Gewicht an Geld und Gut belastet ins Grab zu sinken, scheint ihm nur als Produkt perverser Triebe […] erklärlich.“ (Weber, 2005, S. 60). Das Hervorzeigen von eigenem Reichtum sei ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und diene der Etablierung der eigenen Persönlichkeit in jener Gesellschaft. So stellt der Gelderwerb mit dem Ziel der Ermöglichung des Lebens (wie bei den unteren Gesellschaftsschichten) einen Gegensatz zum Gelderwerb dar, um Tätigkeiten wie Jagd, Spiel, Krieg und Minne finanzieren zu können (vgl. Guttandin, 1998, S. 33). Nun ein kapitalistisches Verständnis zu entwickeln und dieses auch in der Realität auszuleben, würde somit den Spott und die gesellschaftliche Ausgliederung bedeuten. Daher bedarf es einer strikten ethischen Überzeugung, die sich an den genannten Normen orientiert und somit verhindert, dass der soziale Druck das Verhalten gegenteilig beeinflusst.

Es stellt sich somit die Frage, wie sich die Ethik verändern kann, um den Prozess des Umdenkens einzuleiten. Weber schließt die Möglichkeit aus, dass vereinzelte Individuen innerhalb der Gesellschaft diesen Prozess in Gang gebracht haben könnten, was angesichts des Ausmaßes der Veränderung logisch erscheint. Deshalb bleiben nur zwei Möglichkeiten, wie sich die neue ethische Grundhaltung etablieren konnte – zum einen durch eine Weiterentwicklung des Traditionalismus oder zum anderen durch die Beeinflussung von außen mittels einer neuen Ethik. Die Antwort auf diese Frage löst Weber über die historischen Erkenntnisse, wobei er die erste Möglichkeit verwirft. Um weite Teile der Gesellschaft in eine neue ethische Grundhaltung zu bewegen, bedarf es der Gründung einer neuen Religion (vgl. Guttandin, 1998, S. 34). Denn „dieser Durchbruch muß nicht nur in Gedanken, in den Köpfen isolierter Individuen erfolgen, sondern ,als eine Anschauungsweise, die von Menschengruppen getragen‘ wird“ (Berger, 1973, S. 249) erfolgen. Diesen Durchbruch bezeichnet Weber als „protestantische Ethik“, die im nächsten Kapital noch näher zu untersuchen sein wird.

Diese Argumentation lässt einen weiteren wichtigen Aspekt erkennen: Die Rationalität in der Lebensführung entsteht aus einer irrationalen Überlegung. Wenn man die Überlegung, nur für sein Geschäft zu leben, unter dem Kriterium des persönlichen Nutzens analysiert, ist leicht einsichtig, dass dies nur bedingt rationales Handeln darstellt. Der Verzicht des Konsums zu Gunsten der Reinvestition der erwirtschafteten Gewinne mehrt zwar den gesellschaftlichen Nutzen, ist allerdings in der Betrachtung des rein persönlichen Nutzenaspekts (wenn die gesellschaftliche Nutzenerhöhung keinen persönlichen Nutzenvorteil in mindestens gleicher Höhe erbringt) die schlechtere Alternative. Dies bedeutet, dass eine derartige Lebensführung nur unter der Prämisse der gesellschaftlichen Gewinnmaximierung akzeptiert werden kann. Diese Überlegung bestätigt die Erkenntnis, dass eine Beeinflussung von außen der Grund für die Veränderung innerhalb der Gesellschaft sein musste, da eine traditionelle Weiterentwicklung diesem Gedankengang entgegensteht (vgl. Guttandin, 1998, S. 34 f.).

2.3 Elemente der protestantischen Ethik

Im folgenden Abschnitt wird näher auf die „protestantische Ethik“ und den zu Grunde liegenden Gedankengängen eingegangen. Entscheidend hierfür ist die Frage, wie diese Ethik den „Geist“ des Kapitalismus beeinflusst bzw. beeinflussen kann und zu welchen Auswirkungen dies führt. Um dies in geeigneter Weise argumentativ erschließen zu können, muss zunächst auf die Entstehung und die Grundgedanken der Reformation eingegangen werden. Die Reformation bildet die Basis des Protestantismus und ist somit für die daraus entstandene Ethik entscheidend verantwortlich.

2.3.1 Die Reformation durch Martin Luther

Die Reformation gilt als einer der bedeutendsten Wendepunkte des Okzidents. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam es zur Spaltung der in der westlichen Tradition stehenden römisch-katholischen Kirche. Die Reformation ist als Prozess zu verstehen, der bereits im 13. Jahrhundert mit der Kritik an der damaligen Kirche begann. Die ersten namhaften Kritiker waren Jan Hus, John Wyclif und Petrus Waldes. Ziel dieser Vordenker der Reformation war die strukturelle Veränderung der existenten Kirche. In diesem Teil des Prozesses kam es zur Herausbildung verschiedener christlicher Glaubensgruppierungen. Hierdurch verlor die katholische Kirche zwar an Einfluss, jedoch wurde sie nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

Im Gegensatz dazu wollte der Augustinermönch Martin Luther eine Neubesinnung auf die Bibel erreichen. Somit waren nicht etwa die Missstände in der römisch-katholischen Kirche (z. B. die Etablierung des Ablasshandels durch Tetzel) Auslöser seiner Reformationsgedanken, sondern das rein theologische Problem der Interpretation der „Gerechtigkeit allein aus dem Glauben“ (vgl. Römer, Kapitel 1, Vers 17): „Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: ,Der Gerechte wird aus Glauben leben‘“ (Römer, Kapitel 1, Vers 17). Martin Luther deutete diese Stelle gegensätzlich zu der Forderung der Kirche, sich die Gnade Gottes durch eigene Anstrengungen verdienen zu müssen. Dies führte zu der Forderung der Neubesinnung der Kirche auf der Grundlage der Bibel. Hierzu erstellte Luther 95 Thesen auf, die er am 31. Oktober 1517 am Haupttor der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben soll. Die darauf folgende Anklage in Rom gegen Martin Luther bewog diesen nicht dazu, seine Thesen zu widerrufen, solange diese nicht aus der Bibel heraus widerlegt werden konnten. Die zentralen Punkte Luthers (und damit der Reformation) lassen sich hierbei in vier Aussagen zusammenfassen:

1. Allein die Schrift ist die Grundlage des Glaubens, nicht die Tradition („sola scriptura“).
2. Allein Christus hat Autorität über die Gläubigen, nicht die Kirche („solus Christus“).
3. Allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch erlöst, nicht durch eigenes Handeln („sola gratia“).
4. Allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch eigene Werke („sola fide“).

Die von Martin Luther durchgeführte Bibelübersetzung (1522–1534) in die deutsche Sprache orientierte sich sehr stark an diesen Aussagen und war auf Grund der leicht verständlichen Sprache einem weiten Publikum der damaligen Gesellschaft zugänglich. Die theologische Diskussion über die Interpretationen Martin Luthers führte in der Folge zu einer Spaltung der westlichen Kirche in einen römisch-katholischen und einen protestantisch-evangelischen Teil. Innerhalb der protestantischen Lehre gab es weitere Aufspaltungen, die den Umgang mit den bestehenden Traditionen kritisierten. Luther hielt hierbei die Traditionen, die sich zwar nicht auf die Bibel stützen, jedoch hilfreich für das tägliche Leben waren, als sinnvoll aufrecht. Dem gegenüber standen Vertreter wie Johannes Calvin und Ulrich Zwingli, die sich ausschließlich an der Bibel orientierten.

Durch die Reformation Luthers wurde zusammenfassend nicht die katholische Kirche als solche in Frage gestellt, sondern Praktiken und Auslegungen innerhalb der Kirche neu überdacht. Dies führte in den folgenden Jahren auch zu einer Reformierung innerhalb der katholischen Kirche, die sich dem Druck der Anpassung beugen musste. Entscheidend war jedoch der Verlust des Deutungsmonopols der Bibel für die katholische Kirche. Die Reformation stellt somit einen Wendepunkt in der Entwicklung hin zur modernen Gesellschaft der Neuzeit dar (vgl. Frey, 1989, S. 26–42; Bibliographisches Institut, 1965, Bd. 6, S. 664; Bibliographisches Institut, 1965, Bd. 2, S. 159). Heute steht die evangelische Kirche der katholischen in der Zahl der Anhänger in nichts nach. Laut des Statistischen Bundesamts lebten in Deutschland 2003 circa 25,8 Millionen Evangelen und 26,1 Millionen Katholiken (vgl. Statistisches Bundesamt, Bevölkerung, Stand: 20. 09. 2005).

Es stellt sich nun die Frage, wie der aus der Reformation hervorgegangene Protestantismus die Gesellschaft verändert hat und wie die Anhänger Werte und Normen definiert haben, die vom traditionellen Verständnis abweichen. Diese müssten in der Folge, so Weber, für die kapitalistischere Ausrichtung des Lebens bei den Protestanten verantwortlich sein. Es sind hierbei vor allem drei Elemente, die Weber für die bedeutendsten Neuerungen der reformierten Religion hält: die Berufsethik, der calvinistische Prädestinationsglaube sowie die Freikirchen. In den folgenden Unterabschnitten werden die einzelnen Elemente erläutert.

2.3.2 Die Berufsethik

Wie bereits erläutert, wurde der Begriff des Berufs in seinem Verständnis verändert. Der Beruf war nicht mehr im Sinne von Arbeit zu verstehen, sondern im Sinne einer Berufung. Auch Luther wertete den Beruf sittlich auf. Die religiöse Interpretation des Berufsbegriffs deutet Weber aus der Bibelübersetzung Luthers:

„Nun ist unverkennbar, dass schon in dem deutschen Wort ,Beruf‘ ebenso wie in vielleicht noch deutlicherer Weise in dem englischen ,calling‘ eine religiöse Vorstellung – die einer von Gott gestellten Aufgabe – wenigstens mitklingt“ (Weber, 2005, S. 66).

Diese Übersetzung stammt allerdings nicht „aus dem Geist des Originals“ (Weber, 2005, S. 66), sondern aus den Vorstellungen des Übersetzers. Historisch gesehen findet sich dieses Verständnis ausschließlich bei den protestantischen Völkern, nicht bei den katholischen. Durch die neue Bedeutung des Wortes „Beruf“ entsteht ein neues Produkt:

„Es kommt also in dem Begriff ,Beruf‘ jenes Zentraldogma aller protestantischen Denominationen zum Ausdruck, welches […] nicht eine Überbietung der innerweltlichen Sittlichkeit durch mönchische Askese, sondern ausschließlich die Erfüllung der innerweltlichen Pflichten kennt.“ (Weber, 2005, S. 67).

Das neue und entscheidende Element des Berufsbegriffs ist also die innerweltliche Sittlichkeit. Diese steht im Gegensatz zur mönchischen Askese, die gerade Luther nicht nur als wertlos ansieht, sondern die sich darüber hinaus den Pflichten des Lebens entzieht. Der Beruf ist somit ein „äußerer Ausdruck der Nächstenliebe“ (Weber, 2005, S. 68) und daher können die christlichen Tugenden ausschließlich innerhalb einer bestimmten Ordnung von Staat und Beruf realisiert werden (vgl. Guttandin, 1998, S. 132).

Max Weber bewertet den Beitrag Luthers in Verbindung mit dem Kapitalismus als falsch. Grund dafür sei die Wandelung der Sichtweise Luthers im Verlauf seiner Lehre (von 1518 bis 1530), die Weber als immer traditionalistischer charakterisiert. Die Ansicht Luthers, man könne auf Grund der – im Vergleich zum Jenseits – sehr kurzen Lebensphase im Diesseits in jeder Art von Beruf selig werden, wertet Weber als ein Wirtschaftsverständnis, das auf dem Traditionalismus basiert. Es sei für Luther unwichtig, welchen Beruf das Individuum eingehe, allerdings sei dieser Beruf als eine Anordnung von Gott zu sehen. Daraus lässt sich schließen, dass das Individuum nicht die Möglichkeit besitzt, seinen Beruf zu wechseln: „Der einzelne soll grundsätzlich in dem Beruf und Stand bleiben, in den ihn Gott einmal gestellt hat.“ (Weber, 2005, S. 72). Bezogen auf den Maßstab der Moderne wertet Weber die Ansichten Luthers als rückständig und siedelt diese in vielerlei Hinsicht hinter denen der katholischen Theoretiker an. Aus dieser Erkenntnis zieht Weber als Ergebnis die Konsequenz, dass das lutherische Berufsverständnis nur mit Bedenken seinem Erkenntnisinteresse dienlich ist (vgl. Weber, 2005, S. 73).

Allerdings bedeutet diese Ablehnung nicht, dass die Reformation keinen Einfluss auf die Wirtschaftsethik gehabt hat, man dürfe die Relationen jedoch nicht unmittelbar parallel ableiten. Dies sei bei anderen Strömungen der theologischen Bewegung einfacher zu ermitteln. Weber nennt hier vier Strömungen: den Calvinismus, den Pietismus, den Methodismus und die Sekten. Diese Strömungen stellt Weber in den Mittelpunkt seiner Untersuchung (vgl. Weber, 2005, S. 73–79).

Als Ergebnis der Analyse Luthers lässt sich somit festhalten, dass die Etablierung einer Berufspflicht eine zwingende, allerdings keine hinreichende Bedingung für die Entstehung des „Geistes“ des Kapitalismus ist. Als zweites Element muss eine systematische Rationalisierung des Alltags erfolgen. Diese findet Weber im Calvinismus, was im folgenden Unterabschnitt erörtert wird.

2.3.3 Der calvinistische Prädestinationsglaube

Nach der Lehre von Johannes Calvin (1509–1564) steht die göttliche Prädestination im Mittelpunkt allen Handelns. Prädestination leitet sich dabei aus dem Lateinischen ab (praedestinatio) und heißt Vorherbestimmung. Dies bedeutet, dass das Schicksal eines Menschen allein durch Gott vorbestimmt ist, was zu einer Spaltung in Erwählte und Verdammte führt. Da die Entscheidung Gottes unfehlbar ist, gibt es keine Möglichkeit für den Menschen, etwas an seinem Status zu ändern. Dies führte Weber zu der Fragestellung, wie sich die Menschen in einer derartigen Lage verhalten. Denkbar wäre auf Grund fehlender Sanktionen nach dem Tod ein Leben im Diesseits, das keinen festen Regeln folgt. Anarchie und Chaos waren jedoch nicht die Erscheinungsformen einer calvinistisch geprägten Gesellschaft. Weber erklärt diesen Umstand mittels der religiösen Orientierung „in einer Zeit, in welcher das Jenseits nicht nur wichtiger, sondern in vieler Hinsicht auch sicherer war als alle Interessen des diesseitigen Lebens.“ (Weber, 2005, S. 92). Daher ist es nicht die protestantische Ethik, sondern eine religiöse Grundstimmung, die die Menschen davon abhielt, den Alltag verkommen zu lassen (vgl. Weber, 2005, S. 91 f.; Frey, 1989, S. 61–63).

Die Lehre Calvins ist bestimmt durch die Unsicherheit der Menschen, ob sie zu den Verdammten oder Erwählten gehören. Dies führt zu einer Steigerung des Interesses nach Sicherheit über den jeweiligen Status. Hierfür wurde nach Merkmalen gesucht, die Aufschluss über diese Frage geben konnten. Während Calvin eine derartige Fragestellung mit Hinweis auf das Verbot des Hinterfragens göttlicher Entscheidungen beantwortete, versuchten seine Nachfolger, sich dieser Frage zu öffnen. Zunächst einmal war es notwendig, sich persönlich für „erwählt“ zu halten, da Selbstzweifel als Indiz für Glaubensschwäche gehalten werden könnten. Hierdurch wurden laut Weber „jene selbstgewissen ,Heiligen‘ gezüchtet, die wir in den stahlharten puritanischen Kaufleuten jenes heroischen Zeitalters des Kapitalismus […] wiederfinden.“ (Weber, 2005, S. 94). Des Weiteren konnten die Selbstzweifel durch rastlose Berufsarbeit eingeengt werden, weil nur durch den Beruf religiöse Selbstzweifel und somit die Sicherung des Gnadenstandes erreicht werden konnten. Der Beruf dient also nicht als Möglichkeit, die Stellung nach dem Tod zu verändern, sondern als Möglichkeit, sich im Diesseits seiner Stellung bewusst zu werden (vgl. Weber, 2005, S. 93–95).

Es stellt sich nun die Frage, wieso diese Erkenntnisse zu einer systematischen Lebensführung, die ja für den „Geist“ des Kapitalismus notwendig ist, geführt haben. Diese Frage lässt sich über die Gestaltung des Berufslebens beantworten. Hierbei sind zwei Gestaltungsmöglichkeiten denkbar – zum einen eine Konzentration des Individuums auf die Art und Weise des Berufs, sprich auf die Methode, oder zum anderen die Konzentration auf die objektiven Wirkungen, sprich den Erfolg der Arbeit. Für den Calvinisten sind beide Aspekte gleichgewichtig. Der Wegfall der Möglichkeit des Sündenerlasses bzw. der Hoffnung auf Gnade durch Gott ist laut Weber entscheidend für die konstante Lebensführung der Calvinisten (vgl. Weber, 2005, S. 96–99; Frey, 1989, S. 63–69). Diese Konstanz der Lebensführung mit dem Ziel der Absicherung des Erwähltenstatus stand somit unter der Maxime der Entsprechung eines reinen Lebens vor Gott. Im täglichen Leben hatte dies den Effekt, dass alle Lebensbereiche durchrationalisiert werden mussten. Zielsetzung der Rationalisierung war erneut die Entsprechung eines reinen Lebens. Weber sieht in diesem Gesichtpunkt den entscheidenden Unterschied in der Lebensführung zwischen den Calvinisten und den Katholiken sowie den Lutheranern. In der Praxis führt dies zu einer „beständigen Selbstkontrolle und […] aktive[n] Selbstbeherrschung.“ (Weber, 2005, S. 101). „Die Selbstkontrolle ermöglichte im Gegensatz zu einem ständigen Schwanken, wie es von den Trieben, Affekten und Gefühlen ausgeht, eine konstante und systematisch rationalisierte Lebensführung.“ (Guttandin, 1998, S. 140). Kontrolle durch Außenstehende bestärkt dabei noch weiter die Systematisierung.

Die Lehre Calvins und hier besonders der Prädestinationsglaube haben laut Weber zusammenfassend zu einer Rationalisierung der Lebensführung geführt. Dies widerspreche zwar fundamental der Absicht Calvins, ist jedoch die praktische Konsequenz in der Umsetzung seiner Lehre. Neben der Berufsethik, die aus der Bibelinterpretation und der Lehre Martin Luthers hervorgeht, stellt die systematische Rationalisierung des Alltags nach Johannes Calvin ein zweites zentrales Element dar, das eine notwendige Bedingung für den „Geist“ des Kapitalismus nach Max Weber ist. Als drittes Element fehlt jedoch zur Vollständigkeit der Theorie der protestantischen Ethik eine geeignete Organisationsform, in der sich die beiden erstgenannten Elemente entwickeln können. Diese Form findet sich nach Weber in den Freikirchen, die im nächsten Teilabschnitt erläutert werden.

2.3.4 Freikirchen

Der Begriff „Freikirchen“ beschreibt den Sektencharakter einiger protestantischer Strömungen. Die bedeutendsten Beispiele aus jener Zeit sind die Puritaner, die Baptisten und die Quäker. Da der Begriff der Sekten heute eher negativ besetzt ist, soll hier zunächst eine kurze Charakterisierung der damaligen Bedeutung im Vergleich zur heutigen erfolgen.

Der Begriff „Sekte“ beschreibt hierbei eine Abspaltung einer bestimmten Strömung bzw. Glaubensrichtung von einer bestimmten Kirche. Die Abgrenzung der beiden Bedeutungen erfolgt über die innere Organisation. Während heutzutage Sekten (wie z. B. Scientology oder Universelles Leben) eine hierarchisch-autoritäre Organisationsstruktur im Inneren besitzen, lehnten die protestantischen Sekten eine derartige Struktur ab. Bei den Quäkern und Baptisten gab und gibt es sogar demokratische Ansätze. Aufbauend auf der Definition Webers versteht man daher unter einer Sekte:

„Eine Sekte im soziologischen Sinn sei nicht eine kleine, von einer Kirche abgesplitterte etwa ketzerische Religionsgruppe gewesen, sondern ein Verband religiös voll Qualifizierter, der auf freier Vereinbarung seiner Mitglieder beruhe. Im Gegensatz zu einer Kirche, in die man hineingeboren werde, in die jeder eintreten kann, und die ihre Gnade über Gerechte und Ungerechte walten lasse, verstünden sich die Sektenmitglieder als eine Elite.“ (Guttandin, 1998, S. 152).

Zur Abgrenzung wird für die protestantischen Sekten der damaligen Zeit im Folgenden der Begriff „Freikirche“ verwendet (vgl. Weber, 1969, S. 283 f.; Lenhart, 1998, S. 5; Lerner, 1988, S. 326–328).

„Weber zufolge hat die protestantische Askese ihre volle ökonomische Wirkung entfaltet, nachdem der rein religiöse Enthusiasmus der Anfangszeit überwunden gewesen sei.“ (Guttandin, 1998, S. 152). Dies bedeutet, dass erst die Suche nach Gott abgeschlossen sein musste, bevor die alltägliche Berufsarbeit den zentralen Punkt im Leben eines Gläubigen einnehmen konnte. Dies führte allerdings zu einer geringeren Wertschätzung der Religion. Diesen Tatbestand findet Weber zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den protestantischen Freikirchen der Vereinigten Staaten. Deren wirtschaftlichen Erfolg leitet Weber aus dem Status der Mitglieder ab. Den Mitgliedsstatus kann ein Individuum – im Gegensatz zur Kirche – nur erwerben, wenn es einen sittlichen Lebenswandel besitzt. Hierdurch kommt es zu einem Ausschlussverfahren, das den elitären Charakter einer Freikirche bestimmt. Bei den protestantischen Freikirchen wird der sittliche Lebenswandel durch die protestantische Ethik bestimmt, wodurch sich der Kapitalismus in diesen Gemeinschaften etablieren konnte. Doch mussten diese Eigenschaften nicht nur vorhanden sein, um Zugang zu den Freikirchen zu bekommen. Durch innergemeinschaftliche Kontrolle des wirtschaftlichen Erfolgs wurde die Stellung in der Gemeinde verbessert bzw. verschlechtert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Eine ökonomische Analyse der Theorie Max Webers
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
101
Katalognummer
V52164
ISBN (eBook)
9783638479486
ISBN (Buch)
9783656816270
Dateigröße
1134 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Geist, Kapitalismus, Eine, Analyse, Theorie, Webers, Weber, Max Weber, ökonomisch
Arbeit zitieren
Matthias Diemer (Autor), 2005, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Eine ökonomische Analyse der Theorie Max Webers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52164

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