Veränderte Kindheit - Mögliche Auswirkungen durch veränderte Familienkonstellationen und verstärkten Medieneinfluss auf Kinder


Hausarbeit, 2005
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kindheit als gesellschaftliches Konstrukt

3. Veränderungen der Familienkonstruktionen
3.1 Scheidungsfamilien
3.2 Ein-Eltern-Familien
3.3 Ein-Kind-Familien

4. Steigende Mediennutzung
4.1 Radio, Kassette, CD
4.2 Fernseher
4.3 Computer
4.4 Internet

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ausgehend von der seit den 80er wieder weit verbreiteten Thesen, die Kindheit verändere sich ständig – und dies meist zum Negativen, was ein Begriff wie „Verlustkindheit“, der z.B. Verluste in sozialen Beziehungen oder möglichen Spielorten beinhaltet,[1] erahnen lassen – und die Schüler seien schwieriger geworden, sollen nachfolgend mögliche Gründe durch empirisch überprüfte Daten und Fakten dargelegt und begründet oder widerlegt werden. Zuvor jedoch soll kurz der Wandel der Auffassung des Lebensabschnittes „Kindheit“ dargestellt werden, dann werden mögliche Veränderungen aufgeführt, die anschließend direkt überprüft und beurteilt werden. „Kindheit“ wird hier hauptsächlich auf die frühe Kindheit (bis 13 Jahre, also vorrangig das Grundschulalter) beschränkt. Auch werden hier hauptsächlich Veränderungen der letzten 20 Jahre angeführt, darüber hinaus wird nur stellenweise zurück geblickt.

Zu überprüfen ist, sofern sich Veränderungen belegen lassen, in wiefern sich diese überhaupt negativ auf die nachfolgende Generation auswirkt. Denn oft werden sie ja als Problembelastungen für Kinder ausgelegt, die sich auch auf den Unterricht (z. B. durch Konzentrationsschwäche, Gewalt und Aggressivität) auswirken sollen.

Für Veränderungen in der Kindheit werden oft noch die gleichen gesellschaftlichen Entwicklungen angeführt, wie vor 20 Jahren (z.B. veränderte Familienkonstellationen und die Medien), in letzter Zeit sind jedoch auch neue (z.B. Krankheitsbelastung und Armut) hinzugekommen.[2] Im Folgenden soll jedoch ausschließlich überprüft werden, inwiefern sich die beständig anhaltend aufgeführten Veränderungen „Veränderte Familienkonstella-tionen“ und der „Zuwachs der Mediennutzung“ auf die Entwicklung des Kindes auswirken.

2. Kindheit als gesellschaftliches Konstrukt

Erst im 18. Jahrhundert setzten sich die Vorstellungen durch, dass sich Kinder anders als Erwachsene verhalten, denken und lernen und ihre Kindheit Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit als Erwachsene haben kann. Außerdem erkannte man, dass das Leben der Eltern nicht mehr mit dem der Kinder später einmal übereinstimme, da viele später nicht mehr die Berufe der Eltern ausüben würden, sondern andere Qualifikationen erlernen mussten. Zuvor hatten sie bereits im frühen Kindesalter Aufgaben im Arbeits-leben ihrer Eltern übernommen (besonders lange im Industrieproletariat, bei Bauern und Kleinhandwerkern). Nahmen die Kinder nun nicht mehr an diesem Arbeitsleben teil, waren sie tagsüber sich selbst überlassen. Die Einführung der Schulpflicht kann also als ein Schutz vor Verwahrlosung und Ausbeutung der Kinder bezeichnet werden.[3]

Kindheit wird heute nicht mehr als rein biologische Alters- oder Entwicklungsphase, sondern als ein durch die Gesellschaft normiertes und von den Kindern selbst gestaltetes Konstrukt angesehen. Demnach werden besonders die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen auf die Kindheit näher betrachtet.[4] Die 60er und 70er des vergangenen Jahrhunderts kennzeichneten sich durch ihre positive Auffassung von Kindheit, in der Spielen und Lernen unmittelbar zueinander gehörten und bestmöglich gefördert werden sollten, die 80er wurden dann schon vom Begriff „Fernsehkindheit“ dominiert und verlie-hen der Kindheit einen negativen Beigeschmack. Aus diesem Grund stellt der Einfluss der Medien im Folgenden einen großen Teil der Darlegung dar, denn oft wird behauptet, Unkonzentriertheit und unsoziales Verhalten resultiere aus verstärktem Medienkonsum.

Die neue Kindheitsforschung entstand in den 70ern, da Erwachsene die Erfahrungen, die sie in der Kindheit (Nachkriegszeit) gemacht haben, nicht mehr auf die Kinder übertragen konnten. So wurde bis zu Beginn der 90er untersucht, welche Auswirkungen bestimmte Bedingungen während des Aufwachsens auf die Entwicklung und das Verhalten der Kin-der haben; schon kurz zuvor wurde Kindheit als eigenständiger Lebensabschnitt aner-kannt, der erst durch die Gesellschaft und vor allem das Kind selbst konstruiert werde.

Eine wichtige Neuerung war, dass nicht nur über Kinder geforscht wurde, sondern ihre Perspektive durch Antworten in Erhebungsverfahren erhebliche Bedeutung erlangten (ob-wohl Antworten doch durch Forscher interpretiert werden und die Fragen zuvor von ihnen ausgewählt werden, die Ergebnisse darum also nicht völlig objektiv zu betrachten sind und es natürlich auch Voraussetzung ist, dass Kinder über Antworten genau nachdenken und ehrliche Antworten geben). „Die (neue) Kindheitsforschung kann eine Fülle von Informationen darüber liefern, wie Kinder heute leben, wie sie ihr eigenes Leben beschreiben (…), wie Kindheit politisch und gesellschaftlich ‚hergestellt’ wird.“[5]

Interessant war nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Vergleich der Kinder, um Rückschlüsse auf den Einfluss der verschiedenen sozialen und politischen Kulturen ziehen zu können.[6] Dieser Vergleich wird hier im Folgenden aber nicht einbezogen.

3. Veränderungen der Familienkonstellationen

Trotz des Wandels in den Familienverhältnissen in den letzten Jahrzehnten ist die Familie

für Kinder auch heute noch der wichtigste Lebensraum.[7] Im Folgenden sollen diese dargelegt und beurteilt werden.

3.1 Scheidungsfamilien

Seit Jahrzehnten steigen die Zahlen der Scheidungsraten. Doch nur etwa die Hälfte aller Scheidungen betrifft Kinder. 1970 waren es noch 63,7% der Kinder unter 18 Jahren, seit-dem sank dieser Wert ständig (auf 47,1% im Jahr 2000). Durch den Anstieg der Schei-dungen insgesamt aber steigt auch die Zahl der „Scheidungskinder“. Trotzdem wachsen noch immer 80% aller Kinder bei ihren miteinander verheirateten leiblichen Eltern auf, hin-zu kommen etwa 8% bei unverheirateten Ehepaaren.[8] Die Anzahl dieser „neuen“ Fami-lienkonstellation ist in Stadtstaaten wie Berlin, Hamburg und Bremen besonders hoch.[9]

Die moderne Scheidungsforschung allerdings hat belegt, dass scheidungsbetroffene Kinder keine Nachteile gegenüber ihren Gleichaltrigen aus Kernfamilien haben.[10] Dem war eine Studie vorangegangen, die besagte, Scheidungskinder suchten besonders häufig Beratungsstellen und psychiatrische Praxen auf und hielten sich in Strafanstalten auf. Bohrhardt bestätigt, dass „…der Einfluss sozialer, kultureller und ökonomischer Ressourcen den Einfluss der elterlichen Trennung z.T. deutlich überlagert.“[11] Schneewind weist darauf hin, dass negative Folgen für die Kinder vielmehr durch Konflikte in unglücklichen aber fortbestehenden Partnerbeziehungen auftauchten[12] ; Amato und Mitarbeiter stellen fest, dass Jugendliche aus relativ intakten Familien bei einer plötzlichen Trennung der Eltern eher Problemsymptome aufweisen als die Vergleichsgruppe.[13]

Es sollte also trotz steigender Scheidungszahlen beachtet werden, dass die Anzahl der betroffenen Kinder prozentual gesehen zurück geht und selbst auf Scheidungskinder die verbreiteten Vorurteile nicht allgemeingültig zutreffen. Vielmehr ist eine positive Wendung zu beobachten, da, wenn sich Elternpaare trennen, die Kinder einem weniger stressigen Umfeld ausgesetzt sind, in dem sie häufig auch weniger Konflikte miterleben.

[...]


[1] Vgl. Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited. Konzepte und Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Kindheitsforschung der vergangenen 20 Jahre. In: ders. u.a. (Hrsg.): Jahrbuch Grundschule III. Frankfurt a.M. 2001 (Kallmeyer), S. 14.

Bezeichnung dieser Quelle in folgenden Fußnoten: Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited.

[2] Vgl. Buhren, C. G./Witjes, W./Zimmermann, P.: Veränderte Kindheit und Jugend – Schwierigere Schülerinnen und Schüler?. In: Rolff, H.-G. u.a.. (Hrsg.): Jahrbuch der Schulentwicklung Bd. 12. Weinheim und München 2002 (Juventa), S. 324.

Bezeichnung dieser Quelle in folgenden Fußnoten: Buhren, C. G./Witjes, W./Zimmermann, P.

[3] Vgl. Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited, S. 12ff.

[4] Vgl. Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited, S. 10.

[5] Vgl. Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited, S. 18.

[6] Vgl. Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited, S. 15ff.

[7] Vgl. Fölling-Albers, M.: Veränderte Kindheit – revisited, S. 18.

[8] Vgl. Buhren, C. G./Witjes, W./Zimmermann, P., S. 326f.

[9] Vgl. Fölling-Albers, M. u.a.: Schulkinder heute. Auswirkungen veränderter Kindheit auf Unterricht und Schulleben. Weinheim/Basel 1995 (2. Aufl.) (Beltz), S. 11.

[10] Vgl. Walper, S.: Einflüsse von Trennung und neuer Partnerschaft der Eltern. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 22, 2002, S. 40.

[11] Vgl. Bohrhardt, R.: Familienstruktur und Bildungserfolg. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 2000, S. 203.

[12] Vgl. Schneewind, K. A. u.a.: Scheidung. In: R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie, Weinheim 1998 (Beltz / PVU), S. 1105.

[13] Vgl. Amato, P. R. u.a.: Parental Divorce, Marital Conflict and Offspring Well-being during Early Adulthood. In: Social Forces 73, S. 911f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Veränderte Kindheit - Mögliche Auswirkungen durch veränderte Familienkonstellationen und verstärkten Medieneinfluss auf Kinder
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Pädagogik, Abteilung Schulpädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Grundschulpädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V52168
ISBN (eBook)
9783638479523
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Vorlesung zur Hausarbeit beinhaltete Auswirkungen von Medien auf Kinder (im Speziellen Verhalten in der Grundschule). Auch die Veränderungen in der Familie sollen, laut Medienberichten, zu enormen Verhaltensänderungen und Konzentrationsschwierigkeiten von Grundschülern führen. Diese Thesen sollen hier kritisch hinterfragt und ggf. widerlegt werden. Auch der Wandel der Vorstellungen von "Kindheit" wird in der Arbeit behandelt.
Schlagworte
Veränderte, Kindheit, Mögliche, Auswirkungen, Familienkonstellationen, Medieneinfluss, Kinder, Einführung, Grundschulpädagogik
Arbeit zitieren
Anika Peschel (Autor), 2005, Veränderte Kindheit - Mögliche Auswirkungen durch veränderte Familienkonstellationen und verstärkten Medieneinfluss auf Kinder , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52168

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